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Der einzige Mensch, der dabei war, als die Alte alledem gehen. Erstens hatte sie sich doch beleidigt geden lezten Seufzer tat, war ihr Mädchen, die dicke fühlt, weil die Alte einmal zu ihr gesagt: Selma. Sobald nun die Selma in den ersten Stock ge Dit Selma, Du siehst aus wie 'ne Mastjaii, wenn laufen kam, heulend, mit der Nachricht:

se besuffen ist!“ De Zichaißen is uif de Reise gegangen!“ hatten Zweitens aber hatte sie Leijegangs Emil heiraten auch sofort Krummbechers, gegen die schon die Pfändung wolleit

, der Wagenpußer im nahen Kleinböhla war an der eingeleitet war, alles zusammengepackt und waren mit Dresden-Baußener Eisenbahn. ihren Sachen fort. Nicht einen Strohhalm hatten sie da Da sie aber kein Geld besaßen zum Heiraten, so gelassen, sogar den Handwagen der alten Zjchaiß, der hatte die Selma gebeten, die Alte möchte ihr blos hundert auf dem Hofe stand, hießen sie mitgehen.

Marf schenken, da sie doch zehn Jahre bei ihr gedient. Die Šeima half mit aufladen. Immerfort liefen Doch die alte 3 chaißen war wieder gekommen mit ihrer ihr noch die Tränen herab und sie sagte zu Krummbecher, Redensart: der im Schweiß seines Angesichtes pacte, um ja noch Wenn de bleibst, wirschte desterwegen belohnt werden, rechtzeitig fortzukommen:

wenn ich mal in'n Himmel fumme!“ Si duht eenen doch leid. De Dite wor sonst gor Zwölf Jahre hatten nun Leisegangs Emil und die nich so unäben nich!"

Selma gewartet

. Jeßt endlich war ihre Stunde gekomment. Åber Krummbecher polterte los:

Als sie daran dachte, lachte sie über das ganze, fette ,,Wos meenste De? E geizges Luder worse, e Gesicht. Sie sah zur Toten hinüber und war ihr im verdammtes! Gemeene is se gewäsen. So e Viehzeig.

So e Viehzeig. imersten Herzen dankbar, so daß sie halblaut vor sich hin Is de denn ooch werklich greepirt?“

sagte: Die Selma meinte:

Se war doch gor nich so unäben, die Olte!" Se sagt nich mehr meff."

Erschrocken über den Klang der eigenen Worte blickte So schnell als möglich fuhren Krummbechers davon. sie sich unwillfürlich um. Die Alte lag unbeweglich. Die Dorfleute waren in der Ernte draußen, und da sie Eigentlich hatte sie im Strohsack des Bettes, in dem nun bald fertig eingeholt, konnten in ein paar Stunden die Leiche lag, nach dem leßten Willen suchen wollen, aber die Bauern alle wieder zurück sein.

jetzt war ihr doch Angst. Selma war allein bei der Toten, allein im Hause, Die Selma hatte nämlich die alte 3 chaiß geplagt, fast allein im Dorf. Sie war nicht mehr jung – schon als es mit ihr zu Ende ging, sie möchte ein Testament vierzig Jahr – und hatte manche Leiche gesehen, so daß sie machen. Das schien ihr doch sicherer. Aber davon war sich eigentlich nicht fürchtete, aber dennoch' mard es ihr keine Rede gewesen. Nur ganz am Ende hatte die Sterbende ein wenig unheimlich.

nachgegeben und ihren leßten Willen auf ein Stück Papier Es schallte oben in den leeren Räumen, und da sie gefrißelt, das sie jedoch sorgsam ini Strohsack verstedt an Strummbechers Frage dachte:

hatte, auf dem sie nun lag. „IS je denn doch werflich greepirt?“ beschloß sie Nun getraute sich die Selma nicht heran. Sie machte noch einmal in das Zimmer der Toten 311 gehen, um einmal den Versuch, aber im selben Augenblick fing irgendwo nachzusehen.

im Zimmer eine große Fliege an zu jummen, und sie, Lange blickte sie die alte 3 chaiß an sie wackelte die sich einbildete, die alte Sichait habe warnend gebrummt, nicht. Nur die dicke Nase zitterte, wenn die Selma über stürzte erschrođen hinaus, laut schreiend: die Diele schritt. Das war jedoch natürlich, denn das Ei Herr Cheses, de 3 chaißen werd widder läbend'ch!" Riechorgan war immer so unförmlich gewesen, als ob Die dicke Selma floh Hals über Kopf. Erst als fie eine Wespe hineingestochen.

auf der Dorfstraße stand, wo der Weg nach Kleinböhla Das Mädcheu aber wollte sich doch Gewißheit ver- abging, hielt sie inne. Der Ort war ganz verödet, und schaffen und schrie deshalb der Toten ins Dhr:

in ihrer Angst fiel ihr ein, sie könne doch Leisegangs Emil „Frau Zichaißen, läben Se noch ?"

ihr Glück mitteilen, daß die alte Zichaien tot iind sie Doch die Alte gab keine Antwort. Nicht einnal nun die Erbin sei. So lief fie denn spornstreichs nach mehr den Kopf schüttelte sie.

Aleinböhla zit. Da seizte sich die Selma denn auf einen Stuhl und Das Sterbehaus blieb verlassen. begann 31. warten, bis die Dorfleute von der Eute Mittlerweile kamen die Bauern heim, die ihre Ernte hereinfämen

hereingebracht. Allerlei Gedanken schwirrten ihr im Kopf herum, Der Gutsbesitzer Wünsche, den sie Gurfen - August langsam, denn sie pflegte sonst nicht viel zu denkei. nannten, weil er im Dorf die meisten Surfen baute und

Zuerst überlegte sie sich, wem sie wol von dem die gröste Nase besaß, war zuerst fertig. Er hatte Angst Tode der Alten Mitteilung machen müsse. Der Herr um seinien Hof, denn die alte 3 chait wollte ihm nichts Pfarrer war nicht da, er war mit dem Ortsvorsteher mehr borgeri

, so daß er, wenn die Alte am Leben blieb, zu einer Taufe nach Heiligenhain gefahren, dem Nachbar- nach Krummbechers die Anwartschaft auf den ersten Stock in Dorfe, das in Liebenwalde eingepfarrt war.

ihrem Hausc hatte. Deshalb schlich er sich an den GartenVerwante aber hatte die alte Zichaiß nid)t besessen. zain imd spionirte. Nichts war zu sehen. So ging denn die Sache auch eigentlich niemand etwas Gurfen-August rief zuerst schüchtern, dann immer an. Der einzige Mensch, der in Frage kam, war die lauter: dide Selma selbst.

..Selmo! Sclmo!" Nicht umsonst war sie nun zweinindzwanzig Jahre Niemand antwortete. Er trat ein. Ade Türen schon bei der Toten im Dienste gewesen. Sie hätte gar standen offen. Vorsichtig schlich er sich in die Wohnung. nicht einmal solange ausgehalten, wenn ihr die Alte Am Schlafzimmer räusperte er sich und fragte: nicht jedesmal zum Trost gesagt hätte bei jeder Dachtel, „Frau Zichaißen, wie gäht Šies denne?" die sie hinter die Ohren befam:

Keine Antwort. Nun steckte er seine mächtige Zinke Das brauchste nich iebel ze nähmen, Selma, denn durch den Spalt. Er sah die Alte im Bett liegen, und desterwegen wirschte belohnt werden, wenn ich mal in'ı da er meinte, daß sie nur schliefe, wollte er die Gelegenheit Himmel fumme.“

benußen, wo sie allein war, und um Aufschub wegen seiner Da blieb sie. Nur vor zwölf Jahren wollte sie trog | Zahlung bitten.

Gurfen-August trat also vor ihr Bett und schrie: Ernte fertig geworden, und ein Bauer nach dein anderen

„Frau Zichaißen, wachen Se uf! S'is schpät schun. kam heran, um sich zu erfundigen, ob die alte 3 chaiß Se gennen doch nich eegal fahnen. Frau Zíchaißen, feene denn nun endlich tot fei. Miedigkeet vorschißen ...

Sie sahen Golgsche auf dem Prellstein fißen, des. Aber die Worte erstarben ihm im Munde. Er merkte halb fragten sie ihn, und jedem gab er scheinbar gleichdie Wahrheit und riß aus. Der alte Golßsche hatte ein- mütig dieselbe Antwort, indem er die Pfeife sich in den mal gesagt:

Mundwinkel schob:
De 3 chaißen fieht wien Deibel sei Großmommo!" ,,Die Zschaißen - is greepirt!"
Und daran mußte er denfen.

Dann spuckte er den Tabaksjaft aus und ließ den Vor dem Hause traf er den Alten, der herumlungerte, Pfeifenstummel wieder in die gewohnte Zahnlücke rutschen. darauf wartend, daß seine Feindin nun endlich sterben sollte. Nun fragten die Bauern natürlich nach dem näheren.

Gurfen-August, wo streichts dich denne her?" Vor allem wollten sie wissen, wer wol das viele Geld Der Baiter flüsterte ihm zu:

erben möchte und die Sachen, die die Alte aufgestapelt. „Daß de’sch nur weeßt, die Zichaißen is uimgestanden!" Gleichgiltig erwiderte Golzsche nur: Der alte Golfsche grinste übers ganze Gesicht:

,,Nu mir alle!" Guttvertinimch, die hot aber longe gemährt, jon Man fragte ängstlich, wieso. Und er brummte: urdinärer Haderlump!"

De 3 chaißen hott doch keene Verwanten nich. Gurfen-August lachte:

Da erbt das ganze Dorf nadierlich!" ,,Nich wahr! Mein Hof hätt se ut schu gerne Und dann fügte der alte Schelm trocken hinzu: gehott. Da gibts nu nischt mehr!"

„Ihr mecht euch schon sputeit, daß er nich zu spät Der alte Golzsche spudie in großem, braimem Bogen kummt. A cheder holt sich Tei Sticke. Drinnen wird den Pfeifensaft aus:

gedehlt .... „Ich wär mal nauf machen un er eens geigen. In Nun lief ein Bauer nach dem andern in das Sterbedann wer ich je mol scheen bitten, daß je mich wieder haus, weil er Angst hatte, er möchte zu spät kommen und anzeigen duht, fier dreißig Dhaler, die dredje Qualm weil er doch den anderen nichts gönnte. tute die!"

Und mit einem mal ging es wie ein Lauffeuer Gurfen-August wurde noch wütender:

durch ganz Liebenwalde: „Golßsche, was meenste. S'is doch nu eemal gemaust De Žíchaißen is greepirt un hott ollens den Bauern olles was se hott! In urecht Gutt, duht nich gutt!" vermocht. Jeder holt sich sei Sticke. Drinnen wird

Der alte Golfiche wurde plößlich ruhig. Er schob gedehlt." sich die Müße mit dem großen Schirm ganz auf Nase Da begann denn eine wahre Völkerwanderung nach und Augen, so daß in Form eines Halbmondes hinten dem Hause der alten Bíchaiß, vor dem es bald wie auf die Platte frei ward. Das bedeutete bei ihm, daß er einen einem Jahrmarkt aussah. Was die Alte nur an Pfändern Einfall hatte. llnd sofort sagte er mit Bestimnitheit 311 von den Bauern erhalten, was sie den jedesmaligen dem mit der großen Naje:

Mietsleuten abgenommen, die sie zur Bewachung auf „Beschuppst hott se olle. Es is ee Lug und Trig. ein halbes Jahr im ersten Stock hatte, das begann sich Das geheert er ieberhaupt regentlich von rechts wägen allmälig auf dem Hofe aufzuhäufen. Durch das ganze gar nich mähr. Ihr gennt es eich ollens mitenander Dorf liefen die Bauern mit den Sachen, als ob ein wider holen, un da kan gar niemand nichts machen da- Brand, eine Ueberschwemmung wäre, wo jeder Hand angegen.“

legte zu retten. Spinde, Buttermaschinen, Tische, Stühle, Gurken-August war doch zweifelhaft:

Uhren, Bänke, Eimer, Dreschflegel, Wäschetlaminern, „Gloobste werklich ?"

Bottiche, Betten, Kissen, Bilder, Sofas, Krippen, Fässer, Na riadiehrlich. Da gibis gar kee Gefite nich!“ Milchschalen, Teller, Gläser, Bestecke, Kummte, Sensen, Gurfen-August meinte zögernid:

Geschirre, Sichelit, Kornsäcke, Kartoffelhaufen, finderE scheeneš Spind hättch da grade bei der Alten. wiegen, Küchengeräte, Schinken, Würste, eine ganze S'is noch von mei Poppo jälig. Mir hott se grade e Dreschmaschine, zwei Mädselmaschinen und ein riesiger Dahler gegäben dafier. Un Dahler zwanzig is es Kirschkuchen - - alles lag auf dem Hofe. jo pert!"

Gurfen - August arbeitete wie ein Pferd. Er hatte Der alte Goltzsche sagte mit gröster Sicherheit: ein Stück Zaun niedergelegt zu seinem Haus nebenan,

,,Bist die duinmes Luder. Da hol' dersd) doch) um die Sachen schneller durchreichen zu fönnen. Seine wieder redour !"

Frau, die Schwägerin, drei Mädchen und sechs Jungen Gurken-August leitchtete das zwar ein, doch er hatte halfen, wie die Orgelpfeifen aufgestellt, fich die Gegennoch seine Bedenfen:

stände zuwerfend, als ob sie Maurer beim Bau wären, Du gloobst, daß das meeglich gennte sint?" die Ziegelsteine ablüden.

,,Nu ober ganz bestimmt die 3 chaißen hot jo Andere hatten bestimmte Sachen in Beschlag gekeene Erben!“

nommen und irgend ein Familienglied zur Bewachung Gurken-August dachte noch einen Augenblick nach, zurückgelassen, während sie das schon erbentete fortschleppten. aber er vertraute dem alten Golfsche, der im Dorfe im lim den Kirschfuchen entspann sich ein wütender Geruch stand, ein Rechtsfenner zu sein, weil er gegen die Kampf. Jeder wollte ihn haben, und da die Bauern an alte Zichait seinen Prozeß gewonnen.

allen Enden zerrten, riß er in Stücke. Die Jungen Er gab schnell dem Alten die Hand, fuhr mit dem prügelten sich um die Feßen, die alten zertraten in der Zeigefinger der Linken grüßend an den Müßenrand und rief: Aufregung was zu Boden gefallen war. N'abend ooch!"

Wer es irgendwie im Dorfe noch nicht wußte, daß ünd lief spornstreichs in das Sterbehaus, um fich die alte 3 chaiß tot war, der erfuhr es durch das Geschrei sein Spind zu holen, das ihm ja rechtmäßig zustand. Der der Zankenden und durch den Ruf, der von Haus zu alte Golgidhe hatte es ja gesagt und der mußte es wiffen. Hause ging:

Der Alte aber seşte sich auf einen Prellstein vor dem Bei der olten Bíchaizen werd geerbt!" Haus und schmauchte sein Pfeifchen.

Ein einziger wollte dem Treiben Einhalt tun: der Einer nach dein anderen im Dorf war mit seiner | Bäcker Grosschupf. Der hatte nie was von der Alten

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geborgt, da er ein ordentlicher Dan war. Aber der bekam es sofort mit Gurken-Áugust zu tun, der ihm mit nicht miszuverstehender Geberde die Faust unter die Nase hielt und schrie:

,,Dir hott wol de Gusche lange nich geblutt!"

Da der Bäcker Grosschupf aber ein ordentlicher Mam war, wollte er davon bleiben, zuckte die Achselit id ging seiner Wege.

Ganz zuleßt, als Hof und Haus schon fast leer war, kam mit ihrem Enfelsohn die alte Bernten gehiimpelt, die Gutsauszüglerin von der Mühle, die zehn Minuten von Liebenwalde entfernt lag.

Der alte Golzsche, der 110d) inimer auf seinem Prellstein saß, lachte sie aus:

„Viutter, es is schiere zu spät. De Erbschaft is schon gedeehlt!"

Die Alte fing an 311 heulen. Golbiche tröstete fie:

,,Se sein zwar hahuebichen rumfuhrwerkt, uber guttvertanneboom eens han se vergessen!"

Die Bernten fragte begierig:
Was bleibt denne fier nie arme, olte Frau iebrig?"

Der alte Goltziche deutete mit der Pfeife auf die drei firschbäume, die an der Mauer standen und voller Kirschen hingen:

De Kerschen!"

Freudestralend begann das alte Weib mit ihrem Enfelsohn die Ernte, an der sich freilich sofort GurkenAugusts sechs Rangen beteiligten.

Bald waren alle drei Bäume rakefahl abgenommen.

Nun war in Haus und Hof nichts mehr übrig als die Beistelle mit der alten Zichaiken darin. Geld hatte niemand gefunden. Das hatte die Alte im Keller vergraben und ihr Geheimnis mitgenommen.

Schmunzeluid frollte der alte Golizíche davon umd sprach befriedigt zu sich selbst:

Nu hottsede Prozeßkosten ecklig bezahlt, das olte Das!"

Litterarische Chronit. Fast gleichzeitig sind zwei interessante Studien zur Shakespeares forschung erschienen. In einem Vortrage, der dann in der Beilage der Münchener allgemeinen Zeitung erschienen ist, hat Professor Loening - Jena nachgewiesen, wie sehr sich Shakespeares Psychologie auf die physiologischen Kenntnisse seiner Zeit gründete. Loening hat dabei vieles in den Dichter hineingelesen: Tatsache ist, daß Chates {peare über erstaunliche wissenschaftliche Sèenntuijse verfügte und fast immer bei Schilderung des Affektes des Menschen die physiologischen Vorgänge im Auge hielt. Daß aber Shakespeare die Wissenschaft seiner Zeit kannte, ist nicht neu. Neu ist es, daß Mangel an Naturansdauung (in einen Artikel der Quarterley Review) Shakespeare nachgewiesen werden kann. Shakespeares Interesse an der Tierwelt beschränkte sich höchst augenfädig auf die Tiere, welche mit der Jagd in 'erührung stehen. Wie ein „Sientaur“ spricht er über Pferde. Aber die Bienen im Sonnenlicht, die Fische im Wasser, die Motten in der Abendfühle existiren für ihn nicht. Er hat das Meer hunderte von malen beschrieben: die Vögel über den Wellen hat er nie beachtet. ... Veide Studien zusammengenommen fönnten, sofern sidihre Resultate als richtig herausstellen, das Bild Shafespeares wesentlich ändern. Aber wer außer einem Professor der Litteraturgeschichte kann sich überhaupt ein Bild von Shakespeare machen?

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The Nineteenth Century veröffentlicht Horaz - Ueberseßungen von Gladstone. Es ist erstaunlich, wie weit Gladstones Arbeitskraft reicht. Er bebaut seinen Garten selbst, er überseßt seine Lieblingsautoren, er steht mitten in der Litteratur des Tages und bis vor ľurzem hat er die Politik Englands theoretisch und praktisch geschaffen. Aber es ist auch charakteristisch für den Mann und seine Generation, daß er sich gerade Horaz zum lleberseßen aussucht.

llnter dem Titel „Ķeinrich Heine im Lichte unserer Zeit“ hat Hans R. Fischer (München, Dr. E. Albert & Co.) sein Feuilleton über seine Enquete in betreffs des mainzer Heine-Denkmals in Buchjorm heraužgegeben. Man fragt sich, wozu das alles gut sein sod? Es beruht doch auf naiver Verkennung der tatsächlichen Zustände, wenn jemand glaubt, in Deutschland jei die Meinung hervorragender Schrifísteller irgendwie einflußreich. Ludwig Speidel' hat durchaus recht, wenn er solche Enqueten als Bettelei bezeichnet.

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Als es schon dunkel wurde, kehrte die dicke Selma

Ein neues dreiaftiges Schauspiel „Der Schuß“ von Rudolf glückselig zurück. Sie hatte mit Leisegangs Emil schon Presber ist von voftheaterintendanten Rrajc (9i ünchen) für sein den Hochzeitstag festgesekt. Das Geld der alten Zichaitz

, süddeutsches Hoftheater-Ensemble zur Ausführung angenommen. Die das sie sich in zweiundzivanzigjähriger Arbeit verdient,

Premiere findet in Baden-Baden statt. sollte ihnen gut tun.

Sofort bemerkte: sie die geplünderten Kirschbäume. Und dann die Anordnung, Papiere, Stroh, Heu, Scherben, Gamburg, Verl.-Anst. u. Dr. A.-G. 1893. (Sanml, wissensch. Borir.

J. Baudouin de Courtenay), Vermenschlichung der Sprache. firschkuch fetzen auf dem Hof.

Ỹ, 2, pcit 173) 23 6. Sie befam einen furchtbaren Schreck und lief ins Der gelehrte Verfasser sucht einen allmählichen stufenweisen Fort, Haus. Alles leer. Nicht ein Nagel mehr da.

schritt in der äußeren, la utlichen Seite der Sprache nachzuweisen; Außer sich stürzte sie in die Küche: alles fort, sogar

das Schriftdien stellt sich dadurch den häufigen Betrachtungen über ihre eigene Stommode. Ihr traten die Tränien in die

die innere, geistige Entwickelung der Sprache als interessantes Novum

zur Seite. Diesen Fortichritt findet er in der Zunahme der Tätigkeit Augen und sie eilte. in das Sterbezimmer. Auch dort der Vorderzunge beim Sprechen, während in älteren Perioden die feine Nadel, fein Strohhalmt mehr. Nur das Bett stand hinteren Organe und Organteile der Mundhöhle cnergisder arbeiten. noch da mit der Toten.

S. 15). für eine derartige „Verschiebung von hinten nach vorn in Da gab ihr die Wut und Empörung Mut und sie

der Mundhöhle selbst“ führt er zahlreiche Beispiele an, um dann

fürzer auch für Bedeutungs- und Formenlchre fortschreitende „Vertrat heran, um im Stroh der Matrate nach dem letzten

menschlichung“ aufzuweisen. Der Begriff des „Verfalls“ erscheint Willen der alten Zichaiť zlı suchen.

ihm auf die Sprachgeschichte schlechthin unanwendbar. Wir möchten Endlich fand sie das Papier.

doch meinen, dass auch hier Fortschritte anf dem cinen Gebiet nur

durch Opier auf dem andern erkauft werden; nimmt man freilich Sie ging an das Fenster und entzifferte mit zittern

die Entwicelung als solche, als eine speziell dem Menschengeschlecht den Händen mühsan bei der aubrechenden Dunkelheit das gegebene Fähigkeit, so wäre ein „Verfall“ unmöglich, da ja jeder Gefrißel der Alten:

„Verfall“ eine Entwicelung ist. Beißt das aber nicht mit Wörten Fier ziveiundzwanzigjährige treie Pflege schenke ich

streiten? llnd besißen wir wirklich einen objektiven Maßstab, um den meiner lieben Dienerin Selma Viehweg de ganze

Wert von Entwidelungen zu messen? l?nd beweisen die icharfsinnigen

Ausführungen des Verfassers wirklich eine allgemeine Gleichartigkeit scheene Kerschenernte in mein Garten.

der Bewegung?

Richard M. Meyer. Mei jämtliches Mobiliar, i alle fandubjekte ober full haben der eenzige, där, fe dummer Bauter is in Liebenwalde dent olle sein dunime Ludach därn eenzgen Prozeß gegen mich gewinnen hott Gutsbesiker Golkíche.

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Chronik der bildenden Künste.

und in anziehender und geschmacvoller Form die faftigen Weides

gründe des holländischen Flachlandes mit Nindern staffirt. Von Einer Ausstellung.

allem gewagten Erperimentiren hat er sich allerdings fern gehalten, Die Weltgeschichte sorgt dafür, daß jeder Trilogie ihr Satyrspiel und ein woltuendes juste milieu gewahrt. Er war 1864 zu Dresden wird. – Die allzuvielen þaufenmenschen, Fachmenschen, Schablonen geboren, hatte in Stuttgart und Paris studirt, in Karlsruhe an der menschen haben nicht einmal mehr das Trägheitsgefühl eines Kunstakademie als Professor der Landschaftsmalerei gewirkt. Schwungrades in der Schäßung der modernen Menschen. Das Individuum fommt zu seinen Recht. Aber da kommen nun die

Geschichte der Malerei von F. v. Reber, München, VerlagsHähnchen des Individualismus, die sich das Fädchen einer eigenen

anstalt für St. und W. Brudmann) 1894. Idee aus dem großen Kehrichthaufen der Zeit herausgepidt haben

Inter den modernen Publikationen, die zur Popularisirung der und ihr Sifiriti hervorschmettern, nur, weil sie auch da sind, auch

fëunst beitragen, steht zur Zeit mit in erster Linie der „Hlassische ein apartes Fädchen haben, auch frähen können. Es ist spaßhaft

Vilderschatz“, redigirt von v. Reber und Bayerdorfer, der unseren und traurig zugleich, wie Bernunft und Unsinn sich in solchem Hirn

Lesern wegen einer unglaublichen Wolfeilheit und erstaunlichen durchdringen bis zur Intrennbarkeit. Aber man soll von den

Reichhaltigkeit befannt sein wird. Die beiden obengenannten Herren, Leuten nicht nochmehr Redens machen; nur der Abscheidungsbeschauer

G lehrte von anerkannter Bedeutung, treffen die Auswahl und haben der Zeitgeschichte wirft einen Blick darauf, sagt: ja, am Symptom er

neben den allbekannten Hauptwerken der Malerei auch manches fenn ich die Krankheit der Zeit und schüttet kühl das Reagens

seltene und wenig verbreitete Werk, besonders der deutschen und glas aus.

spanischen Schulen, allgemein zugänglich gemacht. lind darum soll man die „Einer-Ausstellung“ des zu wenig spaßhaften, Allmenden" einrich Budor, der auf. Scham"

Nun hat sich Herr v. Reber bereit gefunden, zu diesem „klassischen

Vilderschaße“ ein „Handbuch der Malcrei“ zu schreiben, das joeben wieder verzichtet zu haben scheint, nicht unnütz zu einem Tages- erschienen ist, und das kurz und knapp die publizirten und noch zu gespräch aufblähen. Von unendlich vielen anmaßlichen Dilettanten

publizircuden Blätter in geschichtlichen Zusammenhange erläutert. mit einem scharfen Stich ins Wahnsinnige unterscheidet Herr fudor

Wenn ein Fachmann wie v. Reber sid) einer solchen Arbeit unters nur sein Privatvermögen, das ihm erlaubt, seine silerereien und

zieht, so ist es ein Amt der Selbstverläugnung, das er damit ausKinetereien öffentlich in rosa firepp aufzubahren. Dieselbe Ilrteils

übt, indem er vieljährige Arbeitsresultate ohne Veleg, ohne scontrolosigkeit, die von dem Grundprinzip „stunst ist Sönnen“ keine Notiz

verjc, ohne weitläuftige Erörterung in angenehmer und lesbarer zu nehmen braucht und sich wolfühlt im Nachlallen, weil sie, die

Form ausliefern muß. Nur der Fachgenojje sieht, wie fleißig die große, eigene Seele, die Lallende ist. Dieselbe Gespreiztheit, dieselbe

jüngste Litteratur, 3. P. über Dürer und Rembrandt, Sraus Ingeschidlichkeit, dieselbe schwach beiter reagirende Aufgeblasenheit.

Publikation über die Montecassinofunst 11. s. w. 11. s. w. hier jelb, Sonst garnichts besonderes, nicht einmal die fröhliche Somit des

ständig verarbeitet sind. Das Publikum aber darf solche HandNichtschriftstellers Heinrich Pudor in seinen Gedichten und nadten Menschen! — Lieber Himmel: wer will dem einzelnen verargen, an

bücher erwerben mit dem Bewustsein, wirklich dem Stand unserer

augenblicklichen Forsdung entsprechende Erläuterungen seines Bildersich Geschmack zu finden, wer will ihm vorschreiben, woran er Spaß

schatzes zu besitzen. Ein solches Vud bedarf feiner weiteren Enis haben wili? Mag sich doch Heinrich Pudor an seiner Delfarben

pfehlung, es legitimirt sich selber. und Tonvertreibung erbauen, das ist seine Sache! Aber unsere Sache? Wir haben mehr zu tun! Es ist nicht mal zum Lachen! Das kommt vom Individualismus, wenn der Intellekt wacklig ist Das ist alles. lind damit in das große Spülicht mit der „EinerAusstellung“!

H. S.

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Paul Wallot, der Erbauer des Reichstagsgebäudes, wird am 1. Lktober nach Dresden übersiedeln, und zwar als Professor der Architektur an der dortigen Kunstakademie. Wer die sinnige Ari kennt, wie die Reichshauptstadt den bedeutendsten modernen deutschen Architekten zu ehren wußte, der wird es verstehen, daß er ihr so eilig wie möglich den Rücken wendet. In der dresdener Urchitekturgeschichte steht schon Sempers Name leuchtend da, nun folgt Wallot. Indesjen geht der Geschäftsbetrieb der berliner Baufirmen ruhig feinen Gang, und den bewährten Geschäftsleitern werden in ange messenen Zwischenräumen die gebührenden Ehrungen erwiesen.

*

Litterarische Gesellschaft zu ŝamburg. In der lebten Vortragsversammlung sprach Herr Otto Ernst über das litterarische Banausentum“. Errichtete seine scharfen Ausdrücke nicht gegen jene stumpfen Naturen, die von künstlerijden Bediirfnissen überhaupt nichts wiisen oder gegen handwerksmäßig produzirende Litteraten, sondern gegen jenen Teil des Publikums, das wol so etwas wie Kunstbedürfnis empfindet, aber Kunst und wandverf nicht unterscheiden kann und beide in heilloser Verwirrung durcheinander wirft. Er geißelte die Nüßlichkeitsbanausen, welche von der St'unst nichts als angenehme, meistenieils seichte lInterhaltung oder Velehrung und eine greifbare Moral fordern. Dann behandelte er die Phrase von der „jdönen“ Sèunst und wies darauf hin, daß die Schönheitsbanausen gern etwas Häßliches in den Kauf nehmen, wenn sie nur lachen fönnen; über diese Spezies von „Umüsirbestien“ goß der Redner cin reiches Maß von beißender Satire. Als besonders gefährliche Spielarten registrirte der Redner dann noch die Moralbanausen mit ihren verrannten, verkehrten Anschauungen und die politischen und religiösen Banausen, die jedes Kunstwerk verkeßern, das nicht ihre Anschauung widerspiegelt. Auch die Geringichabung und Respektlosigkeit, mit welcher man jo häufig dem Küünsiler und seinem Werke begegnet, ließ der Redner nicht ungerochen. Eine Reihe in den Vortrag eingeflochtener Dichtungen von Fulda, Hartleben, Liliencron ac. steigerten die Wirkung desselben. Die Rede war kraft- und geistvoll und von starkem Eindruck.

Zum Lirektor des germanischen Museums zu Nürnberg ist nad) langen Interegnum 6. v. Bezold berufen worden, der bisher als Privatdozent in München wirfte. Wie zu erwarten, hat man am Prinzip festgehalten, Süddeutschland den Süddeutschen. Ebenso hat man das Prinzip gewahrt, daß ein Museumsdirektor, wenn irgend möglich, nicht aus dem Streise der hierzu vorgebildeten Museumsbeainten zu wählen ist, sondern Archäolog oder Architekt sein soll Bezold ist sogar beides.

*

Şermann Baisch ist in Karlsruhe verstorben. Er gehörte zu den Meistern, die nicht altern in ihrer Kunst. Durch das Studium der Meister der Fontainebleau - Schule für die intime Landschaftss darstellung gewonnen, hat er das große moderne Problem „Luft und Licht" in seinen Landschaften und Tierstüden zu lösen versudyt,

Wegen Kaummangels muß die musikalische Chronik und die Litteraturtafel ausfallen.

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