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lifate Frage?" Nicht blos Männer der Tugend und des Gefeßes England.

sprachen sich darüber öffentlich mit Schonung und Humanität aus; die

Times räumte audh Dußende ihrer foftbaren Spalten den aftiven, Korrespondenz-Berichte aus London.

,, unglüdlichen Damen" selbst ein, um sie darin zu rechtfertigen, die

Geschichten ihres Falles, die Art, wie sie ihr Gewerbe mit Anstand Deutsche Ansichten in England und englische Ansichten

und Deforum treiben und wie die Geseßgeber und die Polizei gegen in Deutschland.

ihren „Stand“ verfahren müßten, auseinanderzuseßen. Diese ArEs schneit und stürmt hier, wie in Sibirien, und wir haben tifel von Damen aus der aktiven Innung selbst waren zum Theil Anfang März. Mitten im Winter war es oft lästig warm, und die meisterhaft ftilisirt und verriethen hobe sprachliche, literarische und Krokus und Hyazinthen guckten aus der Erde beraus in meinem Gärtchen ästhetische Bildung. In solcher Form durfte fich eine Lebens- und mitten im Januar. Begreife dieses Klima und die Menschen darauf, Gewerbóweise, die von roberen Völkern schlechtweg als Lafter unterwer es kann und wer sie nicht fennt; wir hier zu lande werden drückt oder in die verstedtesten Winkel gewiesen wird, ganz frei und defto weniger aus ihnen klug, je länger wir uns mit ihnen abgeben. gründlich aussprechen. Die Heldinnen dieses Gewerbes durften selbst Es geht mir mit den Engländern wie dem alten Doktor Heim in öffentlich das Wort führen und für sich Parteifinn gegen gemeine Berlin, der einem Kranken ins Gesicht gesagt hatte, daß er morgen Polizei und robes Gefeß in Anspruch nehmen. Nur die Konkurrenz todt sein werde. Und derselbe Kranke hatte hernach die Frechheit, des Auslandes abschaffen, darauf lief's Hinaus. Die von Frankreich, dem Doktor zum Poslen noch ein paar Jahrzehnde vor den Augen Belgien, Deutschland u. f, w. importirten Damen, die den Töchtern berumzulaufen und just recht oft zu begegnen. 3d habe zwar den Englands in ihrer dezenten, feinen, auf Preise haltenden, respektablen Tod nie auf Tag und Stunde bestimmt prophezeit, aber die Leute Betriebsweise Konfurrenz machen, diese allein sind schmußig, frechy werfen mir doch oft vor, daß ich einen „kranken Mann" in ihnen billig und ein Skandal für die Ehre und die Civilisation Englands. fäbe, der es nicht mehr lange machen werde. Und nun haben fie Weg mit ihnen, und Alles ist gut. Mehr kann und darf und soul Indien wieder erobert, den furchtbaren Yeh gefangen genommen und das Gefeß und die Polizei nicht thun in der , delikaten Frage". fogar Palmerston gestürzt. Alle drei waren mächtige Feinde Englands. In dieser Weise führte die Times das Wort für das delikate Ger und da liegen sie im Staube vor der Freiheit und Kraft Englands! werbe und unterstüßte es durch eine Reihe glänzender Artikel aus der England Toll auf dem Wege des Verfalls sein? lächerlich! Lächerlich! Feder hober, gebildetfter Meisterinnen dieses Veftalinnen-Geschlechts, Und hat es nicht im Innern freie, kräftige Rechtspflege, die alle Un das in fich felbft schön und tugendhaft, dezent und bescheiden, refpefmoralitäten und Verbrechen mit jugendlicher Kraft zerschmettert? Hattabel und unentbehrlich ist, nur muß es ein Privilegium englisder es nicht die Direftoren der Britischen Bank, die ein paar Millionen Schönheiten werden, da an der ganzen delifaten Industrie nichts ausPfund, welche anderen Leuten gehörten, verjubelten, durch einen zuseßen ist, als die schmußige, Preise verderbende Konkurrenz impor. vierzehntägigen Prozeß für 25,000 Pfund, welche vom Lande, also tirter Damen nicht anglofächsischer Raçe. Man denke fide diere auch von den beraubten Leuten, bezahlt werden, zum Theil zu einem nationale Ehrensadhe überseßt in deutsche Verhältnisse und verhält= ganzen Monat Gefängniß und einen Shuldigen, Mr. Stapleton, zu nißmäßig ebenso öffentlich, wie in der Times, in Onkel Spener oder einem ganzen Shilling Strafe verurtheilt? Der Anwalt Mr. Staple- Tante Voß vertreten. Es ist undenkbar. Die Deutschen find noch ton's, Sir F. Kelly, bekam ein Honorar von 2000 Guineen und nicht so weit, nicht einmal die Berliner. täglich während des Prozesses 100 Guineen „refreshers” für Er. Das nenn ich National Gefühl, felbft diesen ziemlich kosmopolifrischungen. Dessen beide Secretaire bekamen der erstere 100, der tisch gesinnten, delikaten Gewerbb-Stand auf echtes, anglosädfisches zweite 50 Guineen Honorar und außerdem täglich 20 und 5 Pfund Blut beschränkt wissen zu wollen, obgleich die Parlaments - Mitglieder „refreshers". Dafür mußte nun aber auch der verurtheilte Mr. Sta und deren Standesgenoffen die , fremde Konkurrenz“ bedeutend be pleton büßen und einen ganzen Shilling unbarmherzig, ohne Gnade günstigen und, wie öfter erwiesen warb, fich es bedeutende Summen und Aufschub, zahlen. Mr. Brown, Parlamentsmitglied, der dreiunds koften lassen, daß die etwas schwierige und kostspielige Einfuhr vom fiebzigtausend Pfund aus der Bank für seine ehrenvollen Privat- Uuslande nicht in Verfall gerathe. Sehr unpatriotisch just von diesen Vergnügungen ,, entnommen" batte, muß einen ganzen Monat im Herren, die Superiorität der anglo-fächsischen Race nicht auch in Gefängniß, getrennt von seinen Lieben und den Resten dieser dreiund- diesem Punkte zu würdigen, um fo patriotischer von der Times, gegen siebzigtausend Pfund, ichmachten. Sie bestrafen zwar einen armen das Interesse felbft des Parlaments das konkurrenzgefränkte Ges Jungen, dessen Hunger - nicht einmal er selbst ein Stück Brod werbe ihrer ,unglüdlichen" Klientinnen theils durch persönlichen ftiehlt, härter; aber das macht blos die Civilisation, der Respekt vor Schuß", theils durch rührende Briefe von Damen dieses Standes fonftigen Privattugenden der Bank-Direktoren und Parlaments - Mit- wahrzunehmen und drohende Polizeibände von diesen zarten Industriellen glieder. Warum ist der Junge hungrig im reichften Lande der Welt? abzuwehren. Das ist die Schuld, die in ihm so hart bestraft wird. Das Geset Das sieht, im Ernste gesprochen, ungemein fittlich faul und verist hier ja fein tobter Buchstabe, sondern respektabel, den Umständen fallen aus; aber dabei fann man der guten Gesellschaft Englands Rechnung tragend, lebendig. Welch ein brillantes Geschäft, dieser wieder nicht vorwerfen, daß sie nicht sehr streng, ja peinlich auf SittBritische Banf-Direktoren. Prozeß! Erft bringen die Herren goldene lichkeit und Deforum halte. ,,Wer erklärt mir, Derindur, diesen Millionen aus den Händen kleiner Leute, wo das Gold gar nicht zur Zwiespalt der Natur?" Pieles ist mit der ungemein fultivirten HypoBedeutung und Wirtsamkeit fommen konnte in dieser kleinlichen Zer- frifie und Nationaltugend der Scheinheiligkeit (,, save appearances") splitterung, in die Hände weniger, großer, unternehmender Geifter erklärt; aber in der großen Masse der Mittel- und höheren Klaffen und dann noch 25,000 Pfund aus Land und leuten hundert- und ist unftreitig und unverkennbar eine faltblütige, strenge, philiftröse tausendguineenweise in wenige große Juristenhände, die täglich hundert Sittlichkeit durchaus vorherrschend. Wie konnte die Times baber die Guineen zu Erfrischungen allein ausgeben können und so alle Er- delikate Frage so liberal und national behandeln und die rührendften frischungs-Geschäfte unmittelbar oder mittelbar erfrischen und To Briefe aus dem Lager der Prostitution selbst veröffentlichen, ohne gem frisches Leben in Handel und Wandel aufrecht erhalten.

fteinigt zu werden? Etwas Aehnliches fragte ich einen Gentleman Außer dem Recht wird auch die öffentliche Moral mit feinem vom Stabe der Times. ,} nun, die jungen Damen lefen diese ArTaft und großem Tugend-Enthusiasmus gehütet und gepflegt. Bar- tifel just am liebften", antwortete er ganz heiter. ? barische Nationen verfahren in dieser Sphäre besonders unenglisch Das widerspricht allerdings wieder sehr der fonft unverkennbaren und nehmen wenig Rücksicht auf Nationalität, Rang und Stand. Wie Sittlichkeit und erklärt fich vielleicht einigermaßen durch die nicht patriotisch und ftandesgemäß ventilirte man hier die sogenannte , der leicht in Bersuchung gerathende Kaltblütigkeit der Engländerinnen

und aus der Thatsache, daß die englisden Zeitungen, wie die englis in England, im vollen Genusse englischer Freiheiten und Vorzüge, fich fchen Betten, zweischläfrig sind. Die eine Hälfte ist für Papa und davon abgestoßen fühlen und in Importirung und Kultivirung des Bruder, die andere mit den Mord- und Verführungs-Geschichten deutschen Wesens Ersaß für die Verluste suchen, die ihnen das Leben und den Briefen der ,, Unglüdlichen“ für das schöne Geschlecht. Sdon im Auslande auferlegt. Die beliebte Wendung, die man in deutschen vor mehreren Jahren hörte ich die Anekdote, daß eine Dame der an- Rügen gegen die verschworenen deutschen Flüchtlinge so oft findet, deren einen besonders grausamen Mord in der Times mit den Wor. daß nur eben diese Flüchtlinge in London so giftig gegen Engten empfohlen habe: „A very nice murder!"

land feien, weil fie hier nicht Minister werden und überhaupt zu Doch wer wird England erklären, begreifen wollen! Glüdlich keiner Anerkennung in England kommen könnten, trifft also die Sade find diejenigen, die, wie gebildete Deutsche jeßt mit ihren Hoffnun- durchaus nicht. Unter den deutschen Kaufleuten in Camberwell ift gen, fich eine bestimmte, dogmatische Vorstellung von England machen meines Wissens kein einziger Flüchtling. Sie sind größtentheils seit und ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen hierher verlegen, um fie Fahrzehenden hier etablirt, außerdem nur sehr mäßig liberal und womöglich zu importiren. Wir ,,Fremden" hier zu lande fehen viel durchaus feine Freunde von Flüchtlingen. Ihre Deutsgthümlichkeit leicht den Wald vor Bäumen nicht oder wollen ihn nicht sehen. und ihre gänzliche Abfoließung von englischem Wesen beruht also auf Thatsache ist, daß fich kein Deutscher, wie überhaupt kein Ausländer, ganz anderen Motiven als denen, die man in Deutschland so gern den so leicht mit England familiär madht. Wir sind und bleiben barba- Flüchtlingen unterschiebt. Wie sie da in Camberwell - Hall, ebe Kinkel risch und verstehen, lieben diese Civilisation, dieses faktische England kam, so lustig nach allen Seiten plauderten, lachten und Hände schüttelim Detail nicht. Je länger wir in England leben, desto mehr stößt ten! Besonders eine bellblonde, blauäugige Blondine; diefe schien es uns ab. Dies gilt nicht etwa von einigen verlaufenen Subjekten, immerwährend nach allen Seiten einen lustigen Einfall zu haben, fo welche die Trauben blos deshalb sauer nennen, weil sie ihnen zu hoch daß sie immer gleichzeitig mit einem Dußend zu scherzen und zu lachen hängen, sondern meines ziemlich detaillirten Wissens in dieser Sphäre sdien. Sechstausend versammelte Engländer plaudern und derzen von allen Deutschen, die in allen Theilen Londons ihre eigenen Ver- nicht fo viel, als diese etwa 150 Deutsche in Camberwell - Hall. In eine, Gesellschaften, Kneipen und Schulen haben. Nehmen wir das dieser einzigen oberflächlichen Differenz liegt zugleich das ganze Gez höchste Deutschland in London, physisch und gesellschaftlich das höchste, beimniß der Abstoßung zwischen englischem und deutschem Wesen. das auf Dänemarkhill im Süden von Camberwell weit draußen, Die Engländer sind, wenn anständig, gesellschaftlich unerträglich steif schon in der Nähe des Krystal-Palastes.

und langweilig; wenn unerzogen und natürlich, unerträglich rob. Ju Das ist eine deutsche Kolonie von lauter großen, deutschen Kauf- beiden Fällen hält es der Deutsche nicht unter ihnen aus. Wenn sie leuten, die selbst nad englisdem Maßstabe zum Theil groß und reidy lustig find, haben sie immer zu viel schwere Biere, Spirituosen und sind und in einem Tage mehr Geld machen, als zur Dedung der spiritusreiche Weine getrunken. Dann brüllen sie und glauben uns Schulden gehört haben würde, an denen unser literarisder Gigant gemein interessant zu sein, wenn sie die Damen, die manchmal nach Leffing zeitlebens litt. Diese Deutschen auf Dänemarkhil und über Tische, wenn das Trinken eigentlich losgeht, noch da bleiben (Stil ift, haupt in Camberwell fahren zum Theil seit 20 Jahren alle Tage in daß sie sich entfernen und der Herrengesellschaft vollends allen Neiz die City und machen dort seit 20 Jahren täglich mit den Engländern nehmen), in die Taillen kneifen und dazu tidern und Zähne zeigen. Geschäfte. Aber kein Einziger geht mit einem Engländer um. Sie Diese ungraziöfe, aus schweren Speisen und noch schwereren Ges wollten auch deutsch essen und trinken, und dazu brauchten sie deutsche tränken steigende Lustigkeit ist noch schlimmer, als die nüchterne, res Köchinnen.

fpeftable Gesellschaft, die, oft mit den nobelsten Schönheiten beiderSie sehnten sich auch nach geistiger Nahrung aus Deutschland lei Geschlechts und den herrlichsten Reimen von Grazie, Frijde, und gingen bis zur anderen Ertremität Londons, um sich diese zu Lebenslust, nicht zum Worte, nicht zum Werke kommen kann, weil jedes versdaffen. In dieser entgegengesegten Ertremität Londono wohnt Mitglied der respektablen Gesellschaft unter tausenderlei Paragraphen Kinkel, der zu adyt Vorträgen über deutsche Literatur von den Deutschen des Nespektabilitätsgesebes schmachtet. Die Deutschen klagen mit Recht in Camberwell engagirt ward. Kaum waren diese zu Ende, als er über eine zu große Fürsorge der Polizei und des Geseßes. Aber zu einem zweiten Cyklus von acht Vorträgen über die neue und neueste diese Fesseln find Lilliputfäden gegen die labyrinthe von schweren deutsche Literatur gewonnen ward. Diese genossen nicht blos Deutsche Ketten, welche sich die gute Gesellschaft in England selbst ange: in Camberwell, sondern aus den fernsten Gegenden Londons fuhren famiedet. auch andere Deutsche mit Hülfe zweier langen Omnibuslinien herbei, Alles ist verformelt, verschichtet, verklausulirt. Die Stiefel , die um sich an deutscher Literatur und dem lebendigen, freien Vortrage Handschube, das Halstuch, jebe Bewegung, jedes Wort

Ates ift des für diese Sphäre ungemein von Natur und durdy Studium be- für Morgen, Mittag, Abend, für jede Schicht und Art von Gesellgünstigten Redners zu laben. Er sprach stets so frisch und flüssig, so chaft vorgeschrieben, aber fast in jedem unsichtbaren und buntel fonor und oratorisch schön über die Vorzüge der neuesten deutschen despotischen Paragraphen unsicher, so daß fid fast Jeder mit jedem Literatur und Poesie und rettete sie siegreich vor der febr verbreiteten fortwährend verlegen fühlt. Verletzungen dieser Paragraphen, Bes Annahme, daßinach Schiller und Goethe eine Bewegung abwärts oder leidigungen dieser furchtbaren geheimen Polizei fallen nicht ins gar ein Verfau eingetreten sei. Weiter will ich mich auf diese Vor- Komijde, wie bei uns, sondern verderben dem Schuldigen oft die träge nicht einlassen. Ich notire fie blos als ein Zeichen und einen ganze Carrière, fosten ihm die ganze Eriftenz in einer bestimmten Beweis von der Stellung und Stimmung der Deutschen in London Gesellschaftsschicht. Dies giebt das furchtbare, graue, einsilbig lispelnde und bemerke nur noch, daß dem Redner diese 16 Vorträge über Gespenst der englischen guten Gesellschaft, das auch die emanzipirten 1000 Thaler Netto Honorar einbrachten. Jeder Besucher bezahlte Engländer erkannt haben und als „social boredom" denunziren und für jeden Cyklus von acht Vorlesungen ein Pfund. Das erste Mal verfolgen. Außer diesem social boredom giebt es noch andere Vogelbatten über siebzig Theilnehmer ihr Pfund gezahlt, das zweite Mal scheuchen und Quälgeister der Gesellschaft und sozialer Beziehungen, über neunzig. Dies gab mit einer ziemlichen Anzahl von Engländern besonders Snobbism und Toadyism. Der Snobbismus“), wie wir das jedesmal eine interessante deutsche Gesellschaft in Camberwell - Hal. Ungeheuer überseßen wollen, ist zuerst von Thackeray durch die bes Außerdem bielt Kinkel in verschiedenen deutsden Arbeiter-Vereinen, rühmten ,,Snob Papers" enthüllt, entlarvt, charakterisirt und spradlich die zu diesem Zweđe auch ansehnliche Honorare zusammengebrachtgewürzt worden. Man hat in jedem Lande etwas von , Vornemhatten, mehrere Cyklen von Vorlesungen über deutsche Geschichte, Lite- thuerei", ein Wort, das eine schwache, annähernde Vorstellung davor ratur u. f. w.

giebt, aber diese durchgehende, in festen, stereotypen Formen auss Die deutschen Kaufleute in Camberwell baben sich neuerdings geprägte, doppelte Vornehmthuerei ist nur in England zuhause. Der auch eine besondere Kirche bauen lassen und einen Prediger aus snob ist hochnäsig, übermüthig, verachtungsvoll, gewissenlos gegen Deutschland berufen. Dies und die vielen deutschen Gesellschafts- Alles und Jedes, was in Macht und Moneten unter ihm steht; frieund Gesangs - Vereine, der Londoner deutsche Männerchor, die stetschend, demüthig, hochachtungsvoll, zärtlich, fein und zuvorkommend zunehmenden deutschen Bücher, Journale und Zeitungen, die verlangt gegen jede gesellschaftliche und pefuniäre Ueberlegenheit. Der efelund gekauft werden, zeigen sehr anschaulich, daß die Deutschen in bafteste Grad der umgekehrten Vornehmthuerei in allen seinen tausenderihrer eigenen Weise von Leben, Kultur und Literatur die wahre Bes lei Manifestationen beißt toadyism. Die Kröte, toad, gilt als niedrigste friedigung höherer Bedürfnisse suchen und finden, die durch jahrelanges efelhafteste, friechendste, lichtsdeueste Kreatur; der toadyism bezeichnet Leben und Wirken in England und mit den Engländern nicht engli- dieselben fervilen, niedrigen Eigenschaften in der euglisden Gesels firt, nicht durch England erfeßt werden können. Früber begegnete schaft, besonders ehrloset, gefühlloses Verhalten gegen Verbal. und man wohl hier und da einem Deutschen in England, der es nicht gern Real-Injurien aller Höherstehenden, von denen man Protection, Emsah, wenn man ihn für einen Deutschen hielt und diese Antecedentien pfehlung, Beförderung erfriechen uud erschleichen will, überhaupt die durch ein angenommenes Englisothum zu verstecken suchte; aber das niedrigsten Grade freiwilligen Servilismus. Der allgemein und unbat so sehr aufgehört, daß vielmehr das Gegentheil immer allgemeiner

*) „Snob", von ignobilis, wie der Gegensab , pob” don nobilis, find und entschiedener hervortrittt. Und so haben wir das interessante Phänomen, daß die Deutschen in Deutschland sich durch Englisirung ursprünglich. Studenten - Ausdrüde und fónnten etwa annähernd mit „, Kameels

,,flotter Kerl“ überreßt werden, obgleid für Lesteret

eintreten farn. zu fördern, zu reformiren, zu befreien hoffen, während die Deutschen der neuerdings starf hervortretende ,, fast young man

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beschränkt über die gute Gesellschaft herrschende Despot heißt „respecta- „Go ahead”, fich bei dieser Gelegenheit etwas saumselig gezeigt, bility". Die Respektabilität ist deshalb in nichtenglischen Augen To denn, obgleich die Belagerung bekanntlich fast ein Jahr dauerte, fafurchtbar gebäffig und häßlich, weil sie sich blos auf Aeußerlichkeiten, men sie doch erst vor Sebastopol an, als der Malachov gefallen war auf Wohnung, Kleidung, Gegend des Hauses, Haltung, Benehmen, und die Operationen thatsächtich ihr Ende erreicht hatten. Indessen Rang, Stand und Geld bezieht

, wobei der Gauner, der nicht trans- unterließen sie nicht, einen Bericht an ihre Regiernng auszuarbeiten, portirt wird, der Dieb, der nicht alte Taue zupfen muß, der Mörder, der jeßt im Druck erschienen“) und, obwohl nur zum Theil auf perder nicht gehangen wird, respektabel bleiben können. Die Respekta- sönliche Beobachtungen gegründet, manches licht über die Ereignisse bilität verbietet mehr Gutes und Schönes, als jemals irgendwo die jenes denkwürdigen Feldzuges verbreitet und im Ganzen mit lobensPolizei Böses und Häßliches (zuweilen audy ganz Gutes) mit 1 bis werther Unparteilichkeit abgefaßt ift. 10 Thaler Strafe belegen kann. Die Respektabilität verbietet fast Der von Capitain M'Cletlan rebigirte Bericht fängt gleich mit alle Regangen des Herzens - Defto ftrenger, je mehr sie fich den Er.

desto strenger, je mehr sie sich den Er- der Landung der Alliirten beim Alten Fort an, giebt eine Beschreis tremen berzlichen Lachens oder herzlichen Weinens nähern, außerdem bung der Schlacht an der Alma, deren glüdliches Resultat er mehr eine Menge der gleichgültigften Dinge, wie Selbsteinkaufen für Da- der schlecht gewählten Position der Russen, als dem strategischen Gemen oder baares Bezahlen, Tragen eines Packets, Uebergang an fchick ihrer Gegner zuschreibt, und unterwirft dann den berühmten Straßeneden auf der Hypothenuse, ftatt auf den beiden Katheten 2c. Flankenmarsch nach Balaklava einer strengen Kritik. Es sei fhwer, Sie verbietet, beiläufig gesagt, audi alle Arten von weiblichen Hands zu bestimmen, wer hierbei die größten Fehler begangen habe – die arbeiten und tausenderlei unmittelbare, schöne Regungen des Herzens. Anglo-Franzosen, welche fich blindlings in das Land hineinwagten, Ein englisches Dienstmädchen in einer deutschen Familie wurde von oder die Nufsen, welche ihre Unvorsichtigkeit nicht zu benußen vereiner Zeit an plößlid ungevührlich und : obstinat gegen die Dame des standen. Hiergegen wäre zu bemerken, daß die Adiirten den Angriff Hauses. Man konnte sich diese Sinnesänderung lange nicht erklären, eines erst am Tage zuvor geschlagenen Feindes, dem fie nodi dazu bis der Hausherr endlich durch scharfe Untersuchung herausbefam, numerisch um das Doppelte überlegen waren, nicht fehr zu fürdten daß die Dame des Hauses, als sie einmal eine liebe Freundin kom- hatten, und ferner, daß ihnen nur die Wahl blieb, durch eine rasche men sah, ihr entgegensprang und selbst die Thür öffnete. Das war Bewegung fich der Südseite von Sebastopol zu nähern, oder sich uns es, fie hatte selbst die Thür geöffnet. Der Respekt vor ihr war das verrichteter Dinge wieder einzuschiffen, da ein Angriff auf die start biu und nicht wieder zu restauriren.

befestigte Nordseite unmöglich schien. Ihr Hauptfehler bestand darin, Dieser Respektabilitäts-Formalismus, Snobbismus, Toadyismus daß sie nicht, nach dem unverhofft glücklichen Ausgang ihres gewagten und wie die Unbolde sonst heißen mögen, geben der englischen Ge- Manövers, einen Handstreich gegen Süd-Sebastopol versuchten, ehe fellschaft im Detail, so schön und glänzend sie auch im Allgemeinen noch die Russen Zeit hatten, sich von der Betäubung zu erholen, in

und in der Ferne aussehen mag, in den Augen der Deutschen etwas die sie das plößliche Ersdeinen des Feindes gestürzt, und unter der i abstoßend Häßliches, Lengstliches, Kleinliches und grausam lang- genialen Leitung Todlebens so wirksame Vertheidigungsmaßregeln Pau weiliges.

zu treffen. Aber die politischen Freiheiten, das constitutionelle leben! Pal Ueber die Affaire bei Balaklava bemerkt Capitain M'Clellan, merston, seit funfzig Jahren der Schreden des Auslandes, Ver- daß die Russen an diesem Tage entscheidendere Erfolge errungen nichter Napoleon's und seines ganzen Geschlechts für ewige Zei- haben würden, wenn liprandi sich mit größerer Energie benommen ten, schlägt aus Furcht vor dem etwas bedrohlich fräbenden gatlischen bätte. Indefjen hätten sie ihren Hauptzweck erreicht – die OperaHahne eine Aenderung englischer Gefeße vor, durch welche auswärtige tionen der Belagerer durch eine Diversion in ihrem Rücken zu vers Fürften ftrenger beschüßt werden sollen, als die Königin von England. zögern. Ein ähnliches Urtheil fäût er über die Shlacht von InkerDas Land fühlt sich empört. Palmerston stürzt. Große Minister man. „Man muß nicht vergessen", sagt er, „daß die Russen die krisis. Aufsehen in ganz Europa über die Macht der öffentlichen Schlacht hauptsächlich in der Absicht lieferten, einen Angriff auf die Meinung in England. Derby tritt auf und erklärt, er werde die Stadt zu verhindern, was ihnen in der That auch, obwohl mit schwePolitit feines edlen Vorgängers fortseßen und bier und da etwas rem Verlust, gelang." Die Engländer, fügt er hinzu, bätten bei dies verschärfen. Allgemeiner Glaube, daß fic Derby so nicht lange ser Gelegenheit „jenen standhaften und großartigen Muth ihres werde halten können. Allgemeiner Glaube, daß ihm kein Anderer Volfsstammes bewiesen, der so oft, in Siegen, wie in Niederlagen, folgen könne, als Palmerston. Um dieses conftitutionelle Leben, das die Thorheiten und die Ungeschidlichkeit ihrer Führer bemäntelt oder Rich Menschenalter lang nur um ein Paar Familiengruppen dreht, überwogen hat.“ Daß die Shlacht keinen ungünstigeren Ausgang brauchen wir England wohl auch nicht zu beneiden. Es dreht sich nur nahm, verbanfte man ,, theils der britischen Tapferkeit, theils dem und bewegt sich nicht vorwärts. Diese constitutionelle Drehkrankheit Jrrthum Soimonov’s (der seinen Fehler mit dem Leben büßte), theils ift auf die Dauer sehr langweilig und erregt Swindel unter den dem prompten und richtigen Urtheil Bosquet's, vorzugsweise aber dem aktiven Darstellern, wie unter den Zuschauern. Wenn es sich wenig- Umstande, daß Gortschatov seinen Scheinangriff nicht mit hinlängftens nur um große Prinzipien und Ideen, oder um Landes - Interessen licher Energie und Entschlossenheit ausführte." Bekanntlich legen die drehte! Aber es schwindelt immer um ein paar Familien und deren Russen auch den shlechten Erfolg ihres Angriffs auf die Stellungen Anhängsel herum. Das ist auf die Dauer und in der Nähe grausam der Aliirten an der Tsdernaja dem Versehen oder Ungehorsam eines mit anzusehen, mag die Ferne dazu sagen, was sie will.

ihrer Generale (Read) zur Laft; der Verfasser meint jedoch, daß die Dieser überaŭ berriñende Formalismus, abgefächert in Gelde Capferkeit der Angegriffenen wohl etwas damit zu thun haben mochte. und Kangschichten, vergiftet und zerdrückt den Genius und läßt kein In Bezug auf diese Schlacht bestätigt er auch ein Gerücht, von dem geistiges Leben gedeihen. In der Literatur zeigt er fich faum noch wir schon früher in Verbindung mit gewissen Vorfällen, die unseren anders, als in der Gestalt der Satire. Die englischen Genies, die lesern noch erinnerlich sein werden, gehört hatten. „Es ist gewiß“, fich nicht durch Humor und Satire dagegen retten konnten, gingen in sagt er, daß den Alliirten aus einer neutralen Hauptstadt die Kunde verschiedenen Arten daran zu Grunde. Byron, Shelley u. s. w. biel- zugegangen war, daß die Russen sie an dem oder um den 18. August ten sich durch äußerlich günstige Stellungen aufrecht dagegen, ihre anzugreifen beabsichtigten, obgleich der Angriffspunkt vielleicht nicht Muse verlor aber im Kampfe die Schönheit, Grazie, fogar oft genau angegeben wurde." den Verftand. Shelley wurde ganz und gar ein Zerrbild. Sein Der schließliche Sturm auf den Malachov wird von dem ameria Genius erboste und erbitterte fich so fanatisch gegen diesen englisden fanischen Bericht als eine , Ueberrumpelung“ bezeichnet. Die FranFormalismus, daß er sich allein ihm in allen seinen Phasen entgegen- zosen brangen fast ohne Widerstand hinein, während die Engländer stellte und seine Freude und Poesie darin fand, von allen möglichen bei ihrem Angriff auf den Redan den Feind schon vorbereitet und bestehenden Formen das Gegentheil zu wollen und schön zu finden. jenen Punft von bedeutenden Maffen beseßt fanden. Capitain M'Clellan Er ward deshalb zeitlebens verhöhnt und beschimpft und nur in spricht seine Ueberzeugung aus, daß, wenn man den englischen Sturmimmer trobigere Fragen und Antithesen gegen das Bestehende hinein- Rolonnen gehörige Soutiens nachgeschickt bätte, fie den Redan ebenso getrieben. Jd behalte mir vor, auf Shelley und fein Verhältniß zur gut erobert haben würden, wie ihre Verbündeten den Malachos. Was die englischen Gesellschaft demnächst zurückzukommen.

Stärke der Fortificationen und das angeblich in Sebastopol befindliche

ungeheure Kriegematerial betrifft, so glaubt er nicht, daß fie die in Nord: Amerika.

Festungen ersten Ranges gewöhnlichen Verhältnisse überstiegen hätten.

,,Es möchte hier der Ort sein“, fährt er fort, seinen im Publikum Ein amerikanischer Bericht über den Krim - Feldzug.

verbreiteten Trugschluß zu erörtern, daß die Belagerung von SebaftoZur Zeit des Rrim-Feldzuges wurden mehrere Offiziere der pol die Ueberlegenheit temporärer (Erd-) Befestigungen über peramerifanischen Armee durch das Militär-Departement der Vereinig manente bewiesen habe. Man könnte leicht zeigen, daß sie nichts ten Staaten nach dem Kriegsschauplaß beordert, um den Operationen gegen Sebaftopol beizuwohnen, die sowohl jenseits als diefseits des *) Report of the Secretary of War, communicating the Report of Weltmeeres ein so allgemeines Interesse erregten. Wie es scheint, Captain George B. M'Clellan, one of the Officers sent to the seat of

War in Europe, in 1855 and 1856. Washington: Nicholson; London: haben die Herren Amerikaner, troß ihres nationalen Wahlspruchs Sampson Low & Co.

Derartiges beweise, sondern nur, daß temporäre Werfein den Händen die Gelehrten Doneleitis, Rubig, Mielde u. A. hervorgingen. Aud einer tapferen und friegskundigen Garnison eines längeren Wider- bei uns (im ehemaligen polnischen Lithauen) wurde das Volt nicht ftandes fähig sind, als man bisher vorausgeseßt hat. Sie wurden vergessen; der Bischof von Samogitien, Fürst Giedroic, überseßte im angegriffen, wie man Feldschanzen nie zuvor angegriffen hatte, und Jahr 1816 das Neue Testament. Der Kanonikus Nifolaus Dauffza vertheidigt, wie Feldsanzen nie zuvor vertheidigt worden. Der übertrug die Sittenlehre Jakob Wujef's ins lithauische; zu den werthHauptunterschied zwischen regelrecht gebauten, permanenten (zur Aus- vollsten Schriften gehören auch die Predigten des Geistlichen Kons haltung einer Belagerung bestimmten) Fortificationen und temporären stantin Szyrwid. Werken liegt darin, daß leßtere selten einem Sturm unüberwindliche ,,In der Poesie gebührt die erste Stelle dem oben erwähnten Hindernisse entgegenstellen, was mit ersteren stets der Fall ift. Außer- Doneleitis, einem großen Nationaldichter († 1780). Sein Gedicht: dem find permanente Werfe geeignet, die Umgegend volftändiger zu ,,Die vier Jahreszeiten", ist ein treues Bild der Sitten, Gebräuche beherrschen, und ihre Anlage ist sorgfältiger und gründlicher. Die und Beschäftigungen des Landvolfes. Es wurde mit einer deutschen Steinmauern, die einen Sturm unmöglich machen, können in der Ent- Ueberseßung von dem Professor der Theologie in Königsberg, v. Rhesa, fernung nicht gesehen werden, und um sie zu zerstören, muß man 1818 herausgegeben. Rhefa veröffentlichte auch lithauische Volkslieder, Batterieen auf der Krönung des Glacis oder am Rande des Grabens dajnos; ferner zierten die lithauische Poesie: Simeon Staniewicz errichten." Ueber das von den verbündeten Flotten gegen die Forts (durch seine Fabeln), der verstorbene Dionys Paszkiewicz, der Ueberam Eingang des Hafens versuchte Bombardement sagt der Verfasser: feßer von Virgil's , Aeneide“ und Verfasser vieler Satiren, und der ,,Die permanenten Befestigungen zum Schuße des Hafens von Ses Geistliche Drozdowski, dessen Hymnen noch jeßt in allen lithauischen baftopol gegen einen von der See aus unternommenen Angriff zeig. Kirchen gesungen werden. ten sich, obwohl im Material und in den Einzelheiten der Construc ,, Unter den Profaifern verdienen Folgende Erwähnung: Joseph tion unseren eigenen (amerifanischen), neuerdings ausgeführten Werken Rupeifo, Kanonifus von Samogitien, übersegte das Werk des polninachstehend, dem Zwede vollftändig gewachsen, für den fie bestimmt schen Schriftstellers Chodzko : ,, Pan Jan von Swislocz"; der Geifte waren. In der That scheinen die Ereignisse im Stillen Meer, in liche Cyprian Nezabitowski überseşte das Buch des polnischen Naturder Ostsee und im Pontus die Richtigkeit der längst von allen ein- forschers Kliut , über die Bienen“; der erwähnte Simeon Staniewicz, fichtsvollen Militärpersonen gehegten Ansicht außer Frage gestellt zu der an einem Wörterbuch arbeitet, und der Geistliche Gojlewicz. haben, daß gut gebaute Festungswerke den stärksten Flotten überlegen Die besten lithauischen Wörterbücher verbanken wir Miald, Haad, sind. Zugleich bemerkt der Verfaffer, wie schon Andere vor ihm, Szyrwid und Nesselmann. Mit der Grammatik beschäftigten sich daß, zur Zeit der Segelschiffe eine erfolgreiche Belagerung von Ses Klein, Schulzen, Haack, Ruhig, Mielce und Koffafowski; außerdem bastopol unmöglich gewesen wäre."

gaben die Jesuiten don im Jahr 1713 eine Sprachlehre unter dem Dem Bericht über die Kriegs-Ereigniffe folgen Notizen über die Titel: ,, Universitas linguarum Lithuanicarum" heraus, welche 1829 verschiedenen Armeen, mit welchen die amerikanischen Militärkommissare zu Wilna in einer polnischen Ueberseßung erschien. Alle diese Werke während ihrer Erpedition nach der Krim in Berührung gekommen. find schon nicht mehr im Buchhandel zu finden, und es wäre zu wünDem französischen Heere, und namentlich den Zouaven, werden die fchen, daß einer von den Wilnaer Verlegern zum allgemeinen Bester idmeichelhaftesten Lobsprüche ertheilt. ,,Bon allen Truppen, die ich neue Auflagen derselben veranstalten möchte, befonders der so unentje gesehen habe", schreibt M'Clellan sehr naiv, , würde ich es für die behrlichen Wörterbücher und Sprachlehren. größte Ehre halten, den Zouaven eine Niederlage beibringen zu helfen." ,,Von neueren Büchern ist, außer vielen Schriften religiöfen InAuch über die Sardinier spricht er sich mit lebhafter Bewunderung baltes, der alljährlich von L. Iwinski publizirte Kalender zu nennen. aus. Die Haltung der farbinischen Kavallerie war vortrefflich", Eine Geschichte lithauens, von dem verstorbenen Grafen Georg Plater bemerkt er, , wie die ihrer ganzen Armee in der Krim; im Ganzen in der Volkssprache geschrieben, ist gleichfalls veröffentlicht worden". bot fogar die farbinische Armee einen schöneren Anblid dar, als ihre beiden Alirten." Daß er an dem englischen Heerwesen Mandjes auszuseßen findet, darf bei einem Amerikaner nicht befremden. Den

Mannigfaltiges. Soluß machen Vorschläge zur Verbefferung der amerifanischen Min

Quatremère's Bibliotbef. Die Bibliothef des verstorlitär-Einrichtuugen, wobei die taftische Organisation der Russen und benen berühmten Orientalisten Etienne Quatremère ist eine der reid Desterreicher, das Transportsystem der Engländer und die Uniformi- ften Privatbibliothefen unserer Zeit. Außer einer unübersehbaren rung der Franzosen als Mufter empfohlen werden.

Neihe meist seltenster und kostbarster Bücher, enthält sie nicht weni

ger als elfhundert orientalische Handsdriften und darunter mehrere, Lithauen.

wovon feine öffentliche Sammlung in Europa ein zweites Eremplar

aufzuweisen hat. Der König von Bayern hatte eine Kommiffion von Notizen über die lithauische Literatur.

Fachmännern nach Paris gesandt, um die Sammlung zu prüfen und In den ,,Erinnerungen aus einer Reise nach Lithauen“ von Fer- ihm darüber umständlichen Bericht zu erstatten. Auf diesen Beridt dinand Nowakowski,“) welche schäßbare Beiträge zur Kenntniß jenes nun wurde die gesammte Bibliothek zu dem Preise von 350,000 Fr. Landes enthalten, befinden sich auch einige interessante Notizen über für Bayern erworben. Mit einbegriffen in den Kauf sind die uns die Sprache und Literatur des lithauischen Volfes. Der Verfasser gedruckten Schriften Quatremère's, worunter fünf Wörterbücher der bemerkt, daß, troß der volftändigen Polonisirung Wilna's und der arabischen, perfischen, fyrischen, koptischen und armenischen Sprache anderen großen Städte Lithauens, die alte Nationalsprache fich auf besonders erwähnenswerth sind. Ein französisches Blatt (La Presse) dem Lande nicht allein unter den niederen Klassen, fondern auch unter fagt: „Es läßt fich benten, daß die Auswanderung eines so unerfeßden ,,Herren“, den Adligen, erhalten hat, und tritt der Annahme lichen Schaßes in die Fremde auf alle Freunde der Wiffenschaft und entgegen, daß sie allmählich in Verfall gerathen und mit der Zeit auss der orientalischen Literatur unter den Franzosen einen tiefschmerzlichen fterben werde. „Wo so viele tausend Menschen eine und dieselbe Eindruc machen wird. Und doch darf man sich darüber nicht wurtSprache gebrauchen“, sagt er, ,, kann sie nie untergeben, sondern muß dern, daß die faiserliche Bibliothek von Paris um die Erwerbung der sich im Gegentheil mit der Zeit noch mehr ausbilden. In Lithauen Quatremèresdhen Sammlung nicht mit der bayerischen Regierung in namentlich hat es ftets Männer gegeben und giebt es deren noch die Schranken trat. Auf dem jährlichen Etat jener Bibliothek waren beute, die ihre Kräfte an die Bearbeitung der vaterländischen Sprache noch vor wenigen Jahren für neue Anschaffungen 280,000 Fr. angwenden, wie die allerdings nur selten erscheinenden, in derselben ab- geseßt; seit 1848 aber ist diese Summe auf die Hälfte heruntergefeßt. gefaßten Schriften beweisen."

Um die Zeit der Welt-Ausstellung endlich vermehrte man, um die Die ersten Anfänge der lithauischen Literatur, fährt Herr Wißbegier der zahlreich erwarteten Fremden zu befriedigen, die Zahl Nowakowski fort, sind im preußischen Lithauen zu suchen, wo die der Bibliothekbeamten, deren Gebälter aus jenem Etatposten bestritten heilige Shrift in die Volkssprache überseßt wurde. , Die Namen wurden, so daß für den ursprünglichen Zwed nur noch 80,000 Fr. verder proteftantischen Paftoren Bretfunas, Chilinski, Büttner und blieben - eine Summe, die freilich nicht ausreicht, um die berühmQuandt nehmen einen Ehrenplaß in der lithauischen Literatur ein, tefte Bibliothek der Welt in ihrem alten Glanze zu erhalten.“ und mit ihnen wird der Name Friedrich Wilhelm's I., Königs von Preußen, auf die entferntefte Nachwelt fommen. Unter feiner Regierung erhielt jedes Dorf eine Schule. In der Kreisschule zu Til Das mit dem 31sten d. M. zu Ende gehende Abonnement fit warb ein Lehrer der lithauischen Sprache angestellt und bei der wird Denjenigen in Erinnerung gebracht, die im regelmäßigen Königsberger Universität ein lithauisches Seminar errichtet, aus welchem Empfange dieser Blätter keine Unterbrechung erleiden wollen.

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*) Biblioteka Warszawska für 1857. Heft VII.

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gewisse dritte Person, der Polizeikommiffar, ankomme. Sie feßten Frankreich.

fich an den Kamin, ließen ein Feuer anzünden und prüften mit durch.

bringenden Bliden jedes Möbel. Endlich kam der Polizeikommiffar, Moriß Hartmaun's: „Le mie prigioni”.

ein Mann mit einem behaglichen Hausvatergesicht, der fide vor mein Die fürzlich erschienenen „Erzählungen eines Unftäten", von Bett ftellte und mit der Miene eines Komödienfürsten, der seinen Morik Hartmann, ") die des Poetischen und in mannigfacher Weise Stern zeigt, den Rock aufknöpfte und feine trifolore Schärpe sehen Unterhaltenden außerordentlich viel darbieten, bringen in einer Ein- ließ. Darauf, wie auf ein gegebenes Zeichen, warfen sich die beiden leitung, oder, wenn man will, „Vorrede", von 60 Seiten eine Epic Monseigneurs auf meine Bücher, und nachdem sie alle Titel geprüft, fode aus dem während der legten zehn Jahre vielbewegten Leben des untersuchten fie ihr Inneres, ob nicht Papiere darin ftedten; dann Dichters. Der namentlich auch durch seine an die ,, Rölnische Zei- vertheilten sie sich in Stuben und Rabinet und føleppten alle mögtung“ gelieferten Korrespondenzen und Feuilleton- Beiträge bekannte lichen Papiere auf einen Haufen zusammen, die der Kommiffar Schriftsteller war in den Jahren 1853 und 1854 vielfads selbst der musterte und aus denen er sämmtliche Briefe, die ein neueres Datum Gegenstand von Zeitungsberichten, indem er in dem erstgedachten trugen, aussuchte und zusammenlegte. Dann suchte man in allen Jahre zu Paris, während der Thätigkeit des damaligen Polizei - Mi Winkeln und Verfteden nad Waffen, und da man nichts fand als nifters Maupas, mit einer Anzahl anderer Zeitungsforrespondenten, einen Life preserver, ersuchte mich der Kommiffar, mich schleunigt sowie mit einigen vornehmen legitimisten und Drleaniften, gleichzeitig anzufleiden und ihm zu folgen denn er verhafte mich im Namen verhaftet und nach dem Pariser Zellen-Gefängniß ,, Mazas" gebracht des Gefeßes. Auf dieses Wort fingen die Diener, die an der Thür worden war. Später, als er, aus dem Gefängniffe befreit, nach der horchten, ein lautes Geheul an, das sich in Schluchzen und Klagen Levante sich begeben hatte, um von dort Zeitungs-Berichte über den verwandelte, als ich in der Mitte der Polizisten durch ihre Reihen russisch-türkischen Krieg einzusenden, war er, als er das Unglück füritt. Wie ich später erfuhr, hatte einer der Kellner, ein edler, batte, in Varna zu erkranken und dadurch an der Fortsegung feiner Sohn der Auvergner Berge, die heroische Idee, sofort eine Revolu. Berichte eine Zeit lang gehindert zu sein, überal in den öffentlichen tion zu machen und mich noch auf der Treppe der Polizeigewalt zu Blättern als ein an Desterreich ausgelieferter politischer Gefangener 'entreißen; aber ein besonnener Walter Fürst, wahrscheinlich ein ausgegeben worden. Ein Konflikt mit österreichischen Reclamationen Gothaer, hielt ihn von dem gewagten Unternehmen ab und rieth zu und mit einem ungeschidten Pascha in Belgrad hatte allerdings zu passivem Widerstand. Vor der Thür erwartete uns ein großer,

dem Gerüchte von seiner Auslieferung Anlaß gegeben, doch hatte die schwarzer, geschlossener Wagen, der bestimmt fdien, ganze gefeßgebende verft selbe in keiner Weise ftattgefunden. In der Einleitung zu den „Er- Versammlungen aufzunehmen.

Versammlungen aufzunehmen. In der Rue Faubourg Montmartre er rei zählungen eines Unftäten“, welche „Le mie prigioni” übersdrieben verließ uns der Kommissar sammt dem Wagen und übergab mich den Frehbi

ist, giebt er nun über diese Erlebnisse in Belgrad und Varna, sowie beiden Agenten. Diese erfachten mich, nun felbft einen Wagen zu ht

über seine Verhaftung in Mazas, nähére Nachricht. Da legtere einen miethen, da der Weg nach Mazas sehr lang und sie sehr müde seien,

interessanten Einblic in das französische Polizeiderfahren gewährt, da fie die ganze Nacht gearbeitet hätten. Ich konnte aber ihrem ma

das jeßt, unter der militairischen Verwaltung red Generals Espinaffe, Wunsche nicht widfahren; ich wollte meine Freiheit so lange als mög.

wieder an der Tagesordnung ist, so theiten wir hier den betreffenden lich genießen und noch etwas von der frischen Morgenluft einathmen. ore

Abschnitt des Hartmannschen Buches mit, der zugleich eine empfehlende Denn wer konnte mir fagen, für wie lange Zeit ich der Gefangen-
Probe der ,,Erzählungen eines Unftäten“ sein mag:

schaft, welchem Shifal überhaupt ich entgegen ging? Wir lebten in ,, Louis Napoleon glaubte nach dem Staatsstreiche fich mit der

nach dem Staatsstreiche sich mit der der Zeit der Transportationen, und die Juftiz war so reformirt, daß wohlunterrichteten Polizei-Präfeftur nicht begnügen zu fönnen und selbst das unschuldigste Gewiffen sich nichts gu prophezeien wagte. souf fich ein Polizei-Ministerium. Aber das blutjunge und uner. So wanderten wir denn zu Fuß die Boulevards entlang. Paris ift fahrene Polizei- Ministerium tappte um so mehr im Dunklen, als die am frühen Morgen nicht lieblich anzufehen; es gleicht då einer alten altehrwürdige Präfektur auf den mit größerer Würde ausgestatteten Kofette, die man vor der Toilette überrascht, ehe fie ihr Roth aufNeuling eifersüdətig war und ihm alle Kanäle abschnitt, die seine Alle gelegt. Dennoch schien es mir in diesem Augenblicke unendlich schön, wiffenheit nähren foliten. Das neue Polizei - Minierium hatte nichts und im Vorgefühl des engen Gefängniffes unendlid groß und weit, zu schaffen; in seinen weiten Räumen war es öde; menschen deu und wie eine Welt. Zu meiner Rechten Michael, zu meiner linken des Müßiggango müde schliden feine zahllosen Beamten in ihres Gabriel", zog ich frohen Muthes weiter und hörte kaum auf die VorNichts durchbohrendem Gefühle umber. Sie sahen aus wie Schatten, würfe meiner beiden Schußengel, die mich des Undantes anklagten. die ziel- und zweclos an den Ufern des Styr umberirren und die Sie hatten mich ja ausschlafen lassen, während sie einundsechzig An

Erlösung erwarten; sie fühlten fich verdammt zu der unaussteblichen dere aus dem süßesten Søhlafe und manche von diesen aus den ArQual, die Dante vergessen hat, zu der Dual des Ueberflüssigseins. men der Gattin oder Geliebten geriffen haben. So sprechend freuten Es war ein Ministerium besoldeter, aber überzähliger Beamten. An sie sich in der Erinnerung über die verschiedenen, sonderbaren, erMaupas war es, sie zu erlösen, und wir waren die schwarzen Schafe, staunten, erschrockenen oder ergrimmten Gesichter, die sie in dieser die er zum Erlösungsopfer auswählte Er erfand eine Verschwörung, Nacht zu sehen bekamen, und ich dachte: auch dieser Stand hat seine und in der Nacht des 3. Februars 1853 wurde die große Polizeirazzia Freuden. Und ich dachte ferner, daß die banalen Entschuldigungen, vorgenommen, und die mysteriösen Räume von Mazas verfchlangen wie: „Wir thun nur unsere Pflicht, gewiß mit fchwerem Herzen" 26. zweiundsechzig Unschuldige.

nur leere Phrasen seien. - Auf der Höhe der Marais angekommen, Ich schlief den Schlaf der Gerechten, als mit der ersten Morgen- ' wurden meine Begleiter schweigsamer; sie schienen mich ganz zu verdämmerung sämmtliche Diener des Hotels mit bleichen Gesichtern in gessen und sahen aufmerksam, mit echteftem Späherbli&, nach rechts die Stube stürzten, gefolgt von zwei Unbekannten mit Physiognomieen und links. Das Trottoir war noch nicht sehr belebt; nur hier und da von Monseigneurs. Monseigneur aber beißt in Frankreich ein Diet- standen oder saßen einzelne Individuen, die mehr oder weniger überrich oder Diebesídlüssel, und der Ausdruck stammt aus jener guten wacht und nichts weniger als gesegmäßig aussahen. Bei unserem alten Zeit, da die großen Herren anstatt der Diebe in die Häuser Herannaben ging mancher von diesen auf die Seite und aus unserem der armen Bauern brachen. Ich wollte mich erheben, aber die bei Wege. Mandem fab ich es an, daß er mich als einen Verhafteten den Geheimnißvollen ersuchten mich, im Bette zu bleiben, bis eine erkannte und mich mit einem gewiffen, wenn auch nicht theilnehmen

den Interesse betrachtete, während auf den unteren Boulevards feiner *) 2 Bånde. Berlin, Franz Dunder 1858.

der Vorübergehenden errieth, daß ich mich in einer ausnahmsweisen

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bonne 'gelai den 最

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