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heit für unsere Bildung zuweilen roh (z. B. Id. 5, 12 ở xaxé), so sind sie doch einer Tiefe der Empfindung, einer Wärme des Gefühles fähig, welche für die modernen Kulturmenschen überraschend ist (z. B. Id. 4, 38 flg.). Sie sind nicht ungelehrig, sind natursinnig, werden von den Nymphen des heiligen Quelles begeistert (siehe Anm. 1, 12), und von den Musen, deren Nähe dem Sänger lieber ist als süsser Schlummer und Frühlingslust, als den Bienen die Blumengefilde.

Und wie hier (Id. 1, 64 flg.) um den sterbenden Daphnis geklagt und ein Trauergesang angestimmt wird, so haben dort (Id. 7, 3) auch die frohen Tage ihr Anrecht. Das Fest der Ernte wird gefeiert, und Demeter lächelt den Glücklichen, roten Mohn und Büschel goldener Ähren in beiden Händen haltend (Id. 7, 157). Und darein schwirren die Cicaden, und die Finken im Gebūsche schlagen (Id. 7, 141 flg.) – und die Freunde lauschen dem Gesange der Hirten und der Weise der honigduftenden Syrinx.

Doch was wäre das Leben ohne die Liebe, durch die selbst eine Antigone erst ihren vollen, wunderbaren Reiz für uns erhält?

Sehen wir ab von der dämonischen Gestalt des verlassenen Mädchens im zweiten Gedichte, die in stiller Nacht der strahlenden Selene den Hergang ihrer traurigen Liebe erzählt, – werfen wir nur noch einen Blick auf die Liebe der Männer und Jünglinge, wie sie in der eigentlichen bukolischen Idylle erscheint.

Auch diese Liebe tritt auf als ein frisches Naturgewächs, innig in ihren Empfindungen, naiv in ihren Aufserungen, fern von Sentimentalitäten (alunpòs šows), wie sie unter andern der sonnverbrannte Schnitter des zehnten Gedichtes v. 57 bespöttelt. Frisch und unverhohlen spricht sie ihre Freude aus an dem holdseligen, anmutigen Wesen, welches die Neigung entflammt. Χαρίεις, χαρίεσσα κόρα, ώ χαρίεσσ'Αμαρυλλι, so heirst es (Id. 10, 26. 10, 36. 11, 30. 3, 6. u. a.) mit stehendem Epitheton für den geliebten Gegenstand. Die von innen her bestimmte Grazie ist es, welche die Neigung entflammt, indessen Virgil mit ausschliesslichem Betracht der äusseren Form nur sagt: formosam resonare doces Amaryllida silvas (Ecl. 1, 5). Sie, diese Liebe, schämt sich auch nicht der heissen Sehnsucht, und sie begründet eine starke Sympathie der umgebenden Natur mit der Empfindung des Herzens beim innigen Frohgefühle – beim tiefen Schmerze. Ringsum ist Frühling, ringsum die Aue frisch, wo der Fuss der schönen Nais weilt; aber verschmachtet stehen Hirt und Herde, sobald sie enteilt (Id. 8, 41 flg.). Freilich, Daphnis der ersten Idylle unterlag in dem mit Eros versuchten Kampfe; aber keck und dreist hatte er doch den Kampf gewagt. Und als er nun dem Schnee gleich dahinschmolz (Id. 7, 76), da beweinten ihn die Eichen (Id. 7, 74), und die Tiere des Waldes jammerten (Id. 1, 71–72). Wie aber in ihrem Vollbesitze jene Empfindung auch

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jauchzt und jubelt, das sehen wir Id. 8, 53 flg. Diese Liebe endlich macht auch die Roheit lammfromm. Sie lässt den wilden Cyklopen (Id. 11) seufzend die weisse Galatea um Gegenliebe anflehen; - die schöne Nereide aber erscheint (Id. 6, 6) mit liebens

; würdiger Koketterie, dem verliebten Riesen Liebesäpfelchen zuwerfend – ein blendender, reizender Gegensatz.

Wir sind also befugt, die Bukolika des Theokrit als Kunstwerke zu bezeichnen, welche den Namen klassisch verdienen. Denn machen wir an ein klassisches Kunstwerk die Ansprüche, dass es Klarheit, Objektivität, Naturgemässheit, Abgeschlossenheit besitze, so fallen diese Merkmale in den bis jetzt besprochenen Dichtungen in die Augen. Daher konnte Longin. de sublim. 30 p. 117 Weisk. sagen: Θεόκριτος εν τοίς βουκολικούς ευτυχέotato 45). Daher reizte diese seine Poesie schon seinen jüngeren Zeitgenossen Bion (aus Smyrna) und dessen Schüler oder jüngeren Freund Moschus (angeblich aus Syrakus) zur Nachahmung, deren Vergleich die Dichtergrösse Theokrits erst in das rechte Licht stellt 45

45a). Denn ist auch diesen Dichtern Gefühl, Anmut, Geschick in Schilderungen und Gewandtheit im Versbau nicht abzusprechen, so treffen wir doch statt Frische und Natur bei ihnen schon Tändelei, Spielerei, Sentimentalität, welche dem nahe kommt, was man, durch die sogenannte Schäferpoesie der neuern Zeit verleitet, sich gemeiniglich unter Idylle denkt. Diesen Dreien, Theokrit, Bion und Moschus zusammen, gaben schon die alten Grammatiker den Namen der bukolischen Dichter (Draco Strat. p. 127 ed. Herm. Suidas p. 1866, 13. Schol. Anth. Pal. IX 440).

Um den Lorbeer stritt mit Theokrit der Römer Virgil46). Dieser wählte sich den Theokrit zum Muster für seine Eclogen, die freilich in ihren Allegorien Hirtenmasken bieten, während bei Theokrit Menschen mit menschlichen Gesichtszügen auftreten, und die sich zu Theokrits Natur atmenden bukolischen Gedichten verhalten wie Kopie zu Original. Denn, um Herders Worte zu wiederholen, Theokrit redet durch Ausdruck und Handlung, Virgil durch Worte und Schilderungen; Theokrit bewegt durch das, was er zeigt, bei Virgil kommt es sehr in Betracht, auf was für Art er zeigt 47). Bei Theokrit sind Ort und Personen der Handlung fest

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45) Vgl. Servius prooem. in bucol. Virgilii. Plin. Hist. Nat. 28, 2, 4. Siehe jedoch auch Theokr. 7, 47.

45a) [Moschos ist über 100 Jahre jünger als Theokrit, Bion wahrscheinlich jünger als Moschos. Vgl. Bücheler, Rhein. Mus. 30 p. 40.]

46) Ich übergehe hier absichtlich den Hirtenroman des Longus und die einzelnen Nachahmungen bei Nonnus und anderen. Siehe die Argumente Id. 7. 8. 10 u. 8. w. in meiner grossen Ausgabe.

47) Vgl. auch Batteux, Einl. in die schönen Wissensch. deutsch von Ramler. 5. Aufl. Leipz. 1802. Bd. 1 p. 383: „in den allermeisten Idyllen Theokrits ist etwas so sanftes, so weiches, so naives, dass es keinem einzigen von seinen Nachfolgern möglich gewesen ist, ihn hierin

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Einleitung. Nachahmungen der bukol. Gedichte.

bestimmt, Virgil thut zwar, als ob er uns in die Gegend von Mantua (Ecl. 9, 28) versetze, aber es fehlt doch seinen Figuren aller volkstümliche, ja aller individuelle Charakter. Zuweilen fällt er auch einem Gedanken des Theokrit zu Liebe, den er anbringen will, aus der Rolle und lässt z. B. in der zweiten Ecloge den verliebten Corydon (v. 21) plötzlich von Sicilien reden (mille meae

iculis errant in montibus agnae, lac mihi non aestate novum, non frigore defit), verleitet durch die Worte des Polyphem in der elften Idylle Theokrits, ν. 34 fig. βοτά χίλια βόσκω, κήν τούτων το κράτιστον αμελγόμενος γάλα πίνω τυρός δ' οι λείπει μ' ούτ' εν θέρει ούτ' έν οπώρα, ου χειμώνος άκρω. Ja, er hat auch einmal falsch übersetzt. Siehe Iä. 1, 134 Anm.48). [Fritzsche meinte, er habe évélia und Évalla verwechselt und daher Ecl. 8, 58 omnia vel medium fiant mare geschrieben.]

Auch bei anderen römischen Dichtern der klassischen Zeit (Catull, Horaz, Tibull, Properz, Ovid) finden wir vielfache Anklänge an Theokrits Dichtungen 49). Wer die zweite Idylle liest,

zu erreichen. Sie haben sich genöthigt gesehen, ihn fast buchstäblich abzuschreiben, weil es ihnen an Geist mangelte ihn nachzuahmen. Seine Gemälde sind wie reife Früchte am frühen Morgen gebrochen, und mit demjenigen zarten Scheine überzogen, der einem frischen Thaue ähnlich sieht. In seiner Verskunst ist er unvergleichlich; er hat Feuer, er ist malerisch, und von einem so melodischen Schäferton, als ihn kein Dichter nach ihm gehabt hat.“ Eher auf Bion als auf Theokrit passt was Goethe Bd. 2 p. 73, Stuttg. 1828, singt: Nicht im Pappelwald An des Sybaris Strand, An des Gebirgs Sonnenbeglänzter Stirn nicht, Fasstest du ihn, Den Blumen-singenden, Honig-lallenden, Freundlich winkenden Theokrit.

48) Über Virgil als Nachahmer des Theokrit sprachen schon Servius (ad Ecl. 2, 21. 23. 25 u. a.), Gellius (Noct. A. 9, 9), Macrobius (Saturn. 5, 2). Schriften darüber sind namentlich folgende: Virgilius collatione scriptorum Graecorum illustratus opera et industria Fulvii Ursini, Antverp. 1568, 8. Wiederholt von Valckenaer Leovard. 1747, 8. In Virgilianas et Nasonianas Theocriti imitationes observationes Henr. Stephani. Excudebat Henr. Stephanus 1579, 16. J. G. Eichhoff, études grecques sur Virgile, Paris 1825, 8. Iac. Tollii Theocriti et Virgilii comparatio, in dissertt. selectae crit. de poetis Gr. et Lat. quas recensuit et edidit Ianus Berkelius, Lugd. Bat. 1707, 8 p. 377 fg. I. G. Meuselii Epist. de Theocriti et Virgilii poesi bucolica. Gotting. 1765, f. I. Floderi observatt. in Theocriteam Virgilii imitationem. Upsala 1767, 4 und in Stoschii Museum crit., Lemgov. 1774, 8. I. C. Hartmann, de variis Theocriti imitatoribus, Greiz 1775, 4. J. B. Gail, obss. littéraires et crit. sur les Idylles de Théocrite et les Eclogues de Virgile. Paris 1808, 8. Germar, melet. Thorunensia. Hal. 1822 p. 179 fg. Gust. Ad. Gebauer, de poetarum bucol. imprimis Theocriti carminibus ... a Vergilio adumbratis, Lips. 1861, 8 (Umarbeitung einer früheren Schrift Lips. 1856, 8). Vgl. Mützells Ztschr. f. Gymn. Xỹ (1861) p. 171 flg. Derselbe quatenus Vergilius in epithetis imitatus sit Theocritum. Cycneae 1863, 4. [Ernst Büttner, über das Verhältniss von Vergils Eclogen zu Theokrits Idyllen. Progr. Insterburg 1873.]

49) Vgl. die Argumente zu Id. 2 u. s. w. in meiner grossen Ausg. Schriften: Guil. Ferd. Wensch, de Horatii Graecor. imitandi studio. Viteberg. 1821, 8. Th. Arnold, von den griech. Studien des Horaz. der nehme zugleich Horazens fünfte Epode und achte Satire des ersten Buches zur Hand. Bei der Lektüre der elften Idylle ist eine Vergleichung von Ovid, Metam. XIII, 762 flg., wo der Gesang des Polyphem travestiert wird, höchst ergötzlich. Aus späterer Zeit ist Calpurnius als Nachahmer des Theokrit zu nennen.

Als im 14. und 15. christlichen Jahrhundert die klassischen Studien wieder aufblüheten, war es zwar zunächst Virgil, mit dem die lateinischen Dichter jener Zeit seit Petrarca auch in der Idylle (Ecloge) wetteiferten 50). Aber auch Theokrit fand bald nach der allgemeinen Verbreitung der griechischen Sprachstudien seine Bewunderer und Nachahmer. Wurde doch schon vor 1483 eine Übersetzung der ersten sieben Idyllen in lateinischen Hexametern gedruckt. Ihr Verfasser ist Phileticus51). Als wirklicher Nachahmer aber nimmt die oberste Stelle Jac. Sannazario ein (geb. in Neapel 1458, starb 1530), der für Virgil so schwärmte, dass er dessen Geburtstag „alljährlich durch ein Gastgebot feierte", aber auch Theokrit gründlich in sich aufgenommen hatte. Sowohl in dem italiänisch geschriebenen Gedichte Arcadia, als in seinen lateinischen Hexametern (Eclogae) hat er Gedanken und Wendungen Theokrits mit Geschick und Geschmack wiedergegeben 52). Noch überraschender aber sind die lateinischen Nachbildungen des elegantesten Humanisten aus dem Zeitalter Leos X., Marcus Antonius Flaminius (ursprünglich Zarabini, geb. zu Serravalle nach anderen zu Imola im Kirchenstaate starb 1550), der z. B. Id. 12 teilweise, Id. 13 ganz in lateinische Verse gebracht hat 58). Halle 1855, 4 (erste Abt.). 1856, 4 (zweite Abt.). Das Verdienst der Redaktion dieses opus postumum hat Eckstein. Früher schrieb derselbe zu früh verstorbene Gelehrte quaestt. de Horatio Graecorum imitatore, diss. Hal. 1845. Über Catull als Nachahmer des Theokrit 8. v. Leutsch, Philologus X (1865) p. 737, meine Anm. zu Theokr. 11, 53 ed. mai. und Arg. Id. II p. 72.

50) Petrarcas Eclogen stehen z. B. zusammen mit denen von Boccacio, Naugerio u. 8. w. in den Sammelwerken Eclogae Vergilii, Calphurnii, Nemesiani, Francisci Petrarcae cet. Florentiae 1504, 8 apud Iuntam. Bucolicorum autores XXXVIII, quotquot videlicet a Vergilii aetate ad nostra usque tempora eo poematis genere usos sedulo inquirentes nancisci in praesentia licuit. Basileae ex off. Jo. Oporini 1546, 8.

51) Über die Ausgaben dieses seltenen Buches s. Ahrens I p. LXVIII flg. und meine Schrift zu Theokrit u. Virgil p. 28.

52) Das Gedicht Arcadia erschien zuerst Venedig 1502, 4, dann Neapel 1504, 4 u. öfter. Unter anderen steht es auch in dem Buche Le tre Arcadie, ovvero accademie pastorali di Messer Jacopo San azzaro (sic), del Canonico Benedetto Menzini, del Signor Abate Michel Giuseppe Morei. Venezia 1746, 8. Die in lateinischen Hexametern verfassten Eclogen stehen in Sannazarii opera omnia, Lugd. Bat. 1569, 12 und 1687, 12,

in dem delectus poetarum Ital. Francof. 1608, tom. 2. Einzelausgabe San. ecl. quinque, Bas. 1546, 8. Proben seiner Nachahmungen von Theokrit s. zu Theokrit u. Virgil p. 29 ilg.

53) Die lateinischen Dichtungen des M. A. Flaminius sind jetzt zu

Von englischen Dichtern genüge es hier, auf Miltorr und Pope hinzuweisen, die in vielen Versen zeigen, wie vertraut sie mit Theokrit waren 54).

Blicken wir auf die deutsche Litteratur, so hat Theokrit seit Opitz55) vielfach Einfluss geübt, am meisten auf Gessner und Hebel. Ja, am lautesten hat wohl unter allen Dichtern Salomo Gessner (geb. in Zürich 1730, starb daselbst 1787) seine Begeisterung für Theokrit in der Vorrede zu seinen Idyllen (Zürich 1756, 8 und öfter) ausgesprochen 56), die ihren Platz stets in der Geschichte der deutschen Poesie behaupten werden. Schon Herder57), um die oberflächlichen Schriftsteller aus unseren Tagen nicht zu erwähnen, urteilte mit der ihm eigenen schneidenden Schärfe zu hart über diese lieblichen Dichtungen. Es ist überhaupt schwer, Vergleichungen zwischen Dichtern anzustellen und beweisen zu wollen, der sei grösser als jener. So ist es auch

gänglicher durch die Ausgabe M. 1. Flaminius und seine Freunde von Č. B. Schlüter, Mainz 1847, 8. Vgl. Ebert, allg. bibl. Lex. I p. 275 n. 3544. Brunet, manuel du' libraire II p. 286. Übersetzungen s. in meiner gr. Ausg. des Th. I p. 378. II p. i.

54) Siehe Anm. zu Id. 9, 33 (Pope, past. III p. 37). 1, 66 (Milton, Lycidas, in Dryden misc. poems I p. 163 ed. London 1716]. 8, 41 [Pope, Past. 1].

55) Man vergleiche namentlich Martin Opitz's Gedicht „Schäfferey von der Nimfen Hercinie" p. 248 in der Ausg. Amsterdam 1645, kl. 8 (Martini Opitii weltliche poemata, Tl. 2), oder p. 192 flg. „Galathea". Die spanische und die italiänische Schäferpoesie von Tasso's Aminta und Quarini's pastor fido an kommt hier eben so wenig in Betracht, als die spätere der Franzosen, wenn auch noch Marie Antoinette in einem Schäferstücke auftrat, ein natürlich sehr weiss gewaschenes Schaf am rotseidenen Bande führend.

56) Ich habe, sagt er, den Theokrit immer für das beste Muster in dieser Art Gedichte gehalten. Bei ihm findet man die Einfalt der Sitten und der Empfindungen am besten ausgedrückt, und das Ländliche und die schönste Einfalt der Natur; er ist mit dieser bis auf die kleinsten Umstände bekannt gewesen. Wir sehen in seinen Idyllen mehr als Rosen und Lilien. Seine Gemälde kommen nicht aus einer Einbildungskraft, die nur die bekanntesten und auch dem Unachtsamen in die Augen fallenden Gegenstände häuft; sie haben die angenehme Einfalt der Natur, nach der sie allemal gezeichnet zu sein scheinen. Seinen Hirten hat er den höchsten Grad der Naivetät gegeben; sie reden Empfindungen, so wie sie ihnen ihr unverdorbenes Herz in den Mund legt, und aller Schmuck der Poesie ist aus ihren Geschäften und aus der ungekünstelten Natur hergenommen. Sie sind weit von dem epigrammatischen Witz entfernt und von der schulgerechten Ordnung. Er hat die schwere Kunst gewusst, die angenehme Nachlässigkeit in ihre Gesänge zu_bringen, welche die Poesie in ihrer ersten Kindheit muss gehabt haben. Er wusste ihren Liedern die sanfte Miene der Unschuld zu geben, die sie baben müssen, wenn die einfältigen Empfindungen eines unverdorbenen Herzens eine Phantasie befeuern, die nur mit den angenehmsten Bildern aus der Natur angefüllt ist u. 8. W.

57) Herder, über die nenere deutsche Litteratur. Erste Sammlung von Fragmenten. 1767, 8. „Theokrit und Gessner.“

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