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ten Idylle zu sagende und heben hier nur dies hervor. Es liegt in der Natur des Wechselgesanges, dass das Nachfolgende dem Vorhergehenden entspricht, dass eine Symmetrie der Gedanken sowohl als des Ausdruckes stattfindet und dass der, welcher an der zweiten Stelle singt, es noch besser als sein Vorgänger zu machen sucht. Ein Beispiel bietet die schöne Ode des Horaz, Od. 3, 9 Donec gratus eram tibi, der Wechselgesang zwischen Horaz und Lydia. Dort sagt der Dichter v. 9:

Me nunc Thressa Chloe regit,
Dulces docta modos, et citharae sciens:

Pro qua non metuam mori,

Si parcent animae fata superstiti.
Aber Lydia entgegnet:

Me torret face mutua
Thurini Calais filius Ornyti:

Pro quo bis patiar mori,

Si parcent puero fata superstiti. Ähnlich ist es nun in den Wechselgesängen Theokrits Id. 5, 80 flg 8, 33 flg. Hier versteht es sich von selbst, dass jeder der zwei Streitenden gleich viel Verse singt sonst wäre das Ebenmass vernichtet und dass sich der, welcher an der zweiten Stelle singt, auch im Ausdrucke so viel als möglich an das anschliesst, was der erste gesagt hatte.

Dieses Ebenmass aber ist es, welches auch anderen Stücken von Theokrits bukolischen Dichtungen eine wunderbare Lieblichkeit verleiht. So sagt Daphnis Id. 8, 9 zu Menalkas: Du wirst mich sicher nicht im Wettgesange besiegen. Menalkas antwortet:

χρήσδεις αν εσιδεϊν; χρήσδεις καταθείναι άεθλον; Dem entgegnet Daphnis:

χρήσδω τούτ' έσιδεϊν, χρήσδω καταθείναι άεθλον 87). Damit vergleiche man 8, 13-17 und 18-19-21--22, namentlich aber 8, 33 ~ 8, 37. S. Anm. zu 8, 37. Dieser Einklang von Gedanken und Form .macht uns gleich den Anfang der ersten Idylle so lieb. Hatte dort v. 1-2 Thyrsis das Syrinxspiel des Ziegenhirten mit der Lieblichkeit verglichen, welche das Gesäusel der Pinie gewährt, so entgegnet darauf der Ziegenhirt v. 8: &dcov, ώ ποιμήν, το τεόν μέλος ή το καταχές τηναπό τας πέτρας καταλείβεται υψόθεν ύδωρ. Dem Syrinxspiel wird das Lied entgegengesetzt; das Rauschen des Baches steht gegenüber dem Baumgeflüster; dem Verbum uellodetal in Vers 2 entspricht das Wort uélos in Vers 7; der Anrede airóka (v. 1) die Anrede a rolunu (v. 7). Thyrsis begann v. 1 mit dem Positivus &dú, der

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37) Vgl. Aesch. Prom. 69—70 (opõs – opoő) und meine grosse Ausg. I p. 266 zu 8, 12.

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THEOKRIT VON FRITZSCHE.

Ziegenhirt hebt an mit dem Comparativus adcov. Thyrsis sagte v. 1--2 týva & noti rais sapatot u; der Ziegenhirt sagt v. 7 τηναπό τάς πέτρας κ. So beschreiben beide zugleich den Ort, an dem sie weilen. Thyrsis sagte v. 3, nächst Pan werde der Ziegenhirt den besten Preis erhalten; der Ziegenhirt entgegnet v. 9, nächst den Musen werde Thyrsis den besten Preis erhalten. Thyrsis sprach ν. 4: αίκα τηνος έλη κεραόν τράγον, αίγα τύ λαψή. Die Geschenke, κεραόν τράγον αιγα werden überboten durch ,

aiya olida άρνα σακίταν, indem der Ziegenhirt erwidert: αίκα ται Μοϊσαι ταν ολίδα δώρον άγωνται, άρνα του σακίταν λαψη γέρας. Die von Thyrsis gebrauchte Conjunction αίκα wird von dem Antwortenden wiederholt. Ja, er stellt sogar in dem vierten Dactylus des vorletzten Verses seiner Antwort vor die bukolische Cäsur dasselbe Wort, yépas, was an derselben Versstelle des vorletzten Verses Thyrsis in seiner Anrede gebraucht hatte. Endlich hatte Thyrsis in drei Versen zwei denkbare Fälle gesetzt: αίκα τηνος έλη κεραόν τράγον, αίγα τύ λαψη: αίκα δ' αίγα λάβη τηνος γέρας, ές τε καταρρεϊ & χίμαρος κτλ. Gleich viel denkbare Fälle setzt der Antwortende ebenfalls in drei Versen: αικα ται Μοϊσαι ταν ολίδα δωρον άγωνται, άρνα τυ σακίταν λαψη γέρας αι δέ κ' αρέσκη τήναις άρνα λαβείν, τύ δε ταν όιν ύστερον άξη. Der Leser vergleiche hiermit die parallel laufenden Ausdrücke 1, 87 - 90. 1, 120 ~ 121. 11, 22 ~ 23. 8, 3 ~ 4, vorzüglich aber 8, 33—48, und er wird bekennen, dass der Ausdruck durch diese Rundung, wenigstens in den zuletzt genannten Versen, eine Milde und Traulichkeit erlangt, welche an das sogenannte Idyllische der neueren Zeit nahe anstreift. Es erinnern diese Stellen an den parallelismus membrorum in der hebräischen Poesie. Bei Theokrit erscheint dieses Ebenmass noch natürlich, während bei römischen Dichtern, z. B. Virg. Aen. 8, 271-272, bei Ovid, welcher in den Metamorphosen öfter solche parallel laufende Verse hat (Met. 1, 325 flg. 7, 246-247), es nur zu oft wie Künstelei aussieht 38).

Noch Eins ist übrig, was wir als ein bedeutendes Mittel betrachten müssen, wodurch Theokrit sowohl die mimischen als die bukolischen Gedichte der Wahrheit des Lebens nahe brachte. Dies ist der Dialekt89). Die Sprache ist der halbe Mensch. Ein einziges Wort trifft oft den Nagel auf den Kopf. Wenn Uhland sagt:

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38) Ich nehme Tibull aus, z. B. 4, 2, 9–10. Vgl. Gruppe, die röm. Elegie, Leipzig 1838. Bd. 1 p. 15. Ausserdem vgl. z. B. Prop. 1, 3, 21 - 23. Von anderer Art ist z. B. Hor. Sat. 1, 6, 45-46.

39) Gust. Ed. Muehlmann, leges dialecti qua Graecorum poetae bucolici usi sunt. Lips. 1838, 8. 10. Arens, de dial. Sicula, Diss. Münster 1868. Theod. Bergk, de Theocr. dial. im Rhein. Mus. VI, 1 (1838) p. 16. Christph. Ziegler, Verhandl. d. deutschen Philol. u. Schulm. in Ulm p. 36 fig. Ohne Wert ist Harles, diss. de Theocriti Dorismo

Da sprengten plötzlich in die Quer
Funfzig türkische Reiter daher,
Die huben an, auf ihn za schiessen,
Nach ihm zu werfen mit den Spiessen.
Der wack're Schwabe forcht sich nit,

Ging seines Weges Schritt vor Schritt u. 8. W., so bewirkt der Ausdruck der vorletzten Zeile 40), dass wir den wackern Schwaben leibhaftig vor uns stehen sehen. Von ähnlicher Wirkung ist es, wenn Theokrit seine dorischen Hirten und seine dorischen Weiber im dorischen Dialekte reden lässt. Er bringt uns hierdurch die Personen, welche er vorführt,

. eben so nahe, wie es unserem Hebel durch den allemannischen Dialekt in seinen allemannischen Liedern, Klaus Groth in seinen Verteln, Fritz Reuter in den ollen Kamellen durch die plattdeutsche Mundart, Robert Burns durch das schottische Idiom gelungen ist, welches die Engländer früher als broad Scotch verachteten“). Während aber bei Sophron der wirkliche Vulgärdialekt Siciliens angewendet ist, hat Theokrit sich eines grammatisch berechneten, wir können sagen gelehrten, Dorismus bedient und denselben durch Einmischung epischer Formen veredelt. Halten wir uns fest an die Überlieferung der besten Handschriften, so ist es uns unmöglich alle Ausdrücke der mimischen und buko

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in der Ausg. 1780, 8. Hauptwerk: de dialecto Dorica, scripsit Henr. Lud. Ahrens. Gotting. 1843, 8. [Guido Oppel, quaestiones de dialecto Theocritea. Diss. Lips. 1874. Laurentius Morsbach, de dialecto Theocritea. Pars I. Diss. Bonn 1874, sowie in Curtius' Studien zur griech. a. lat. Gramm. 10 p. 1 fig.]

40) Von Uhlands und anderer klassischen Dichter körnigen Ausdrücken völlig verschieden sind die sprachlichen Verzerrungen, welche sich die Posse erlaubt und der Student in Stunden der Erholung belacht. Dies würden wir nicht erwähnen, wenn nicht bei Gebauer p. 27 der von mir bereits in der ersten Ausgabe angeführte Vers Uhlands mit Verweisung auf mein Buch wiederholt und dann hinzugefügt wäre: Eleganter (sic!) etiam C. B. Trinius: Da brummt ein Bekannter im Bass: Wenn wir nicht wären entronnen, dann wären wir alle verbronnen!“ Dann sind auch die Reime der bekannten fürchterlichen Ballade" elegantes: „Der Saal erglänzt im hellsten Kerzenstrable, Und lastiger Sang ertönt aus jeder Kable. Lenoren sieht man mit dem Ritter Kunzen Schon etliche Galops zusammen tunzen. Da nahet Ritter Veit und stösst, o Grausen, Lenoren seinen Dolch tief in den Bausen.“

41) Probus p. 348 ed. Lion: bucolica Theocritus facilius videtur fecisse, quoniam Graecus sermo sic videtur divisus ut Dorica dialectus, qua ille scripsit, rustica habeatur. Opportunum fuit ergo ei, qui pastores inferebat, ea lingua disputasse. Aristophanes lässt z. B. in der Lysistrata die Spartanerinnen dorisch reden, in den Acharnern den Böotier V. 911 itto dɛús ausrufen, gerade wie Plato, Phäd. p. 62, B den Thebaner Kebes (ίττω Ζεύς, έφη, τη αυτού φωνή είπών). Die alten ionischen Philosophen Demokrit und Heraklit reden bei Lucian, vit. auct. 13 1g. ionisch (γελοία πάντα μοι δοκέει τα πράγματα υμέων και αυτοί úuées u. 8. w.). "Bei Cicero, Brut. 46, 172 sagt die alte Marktfrau zu Theophrast, der sich nach dem Preise erkundigt hat: non pote minoris.

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lischen Gedichte über einen Kamm zu scheren. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der Dichter eine feine Wahl des Ausdruckes an den einzelnen Stellen beabsichtigt und gefühlt habe, was hier passend, was dort unpassend sei 42), und deshalb oft auch die epische Form der dorischen vorgezogen habe. Von Wörtern der zweiten Deklination wird nicht durchgängig der dorische Genetivus auf w gebildet (1, 67 IINVELã), sondern oft der epische (sogen. thessalische) Genetivus auf olo vorgezogen, der einen gefälligen Ausgang des Verses bietet (Id. 1, 28. 45. 58), und selbst neben dem dorischen sich findet (Id. 1, 68. 2, 133–134 u. a.). Ein schlagendes Beispiel ist Id. 15, 2. Dort sagt Praxinoa zu ihrer Magd:

όρη δίφρον, Ευνόα, αυτή. Die attische Form vútñ ist hier durch die besten Handschriften gesichert und ganz an ihrem Platze. Denn der Magd gegenüber redet Praxinoa von ihrem Besuche in vornehmem Tone, als wollte sie sagen: Schaff' einen Stuhl für Madame 42). Der Mecklenburger würde sagen: „sei spräckt missingsch" 48). Aútei, wie Ahrens an jener Stelle e coniectura schreibt, würden die Hökenweiber in Syrakus gesagt haben. Die Zauberin bei Theokrit id. 2, 1 sagt: πά μοι ται δάφναι. Αus den Zauberinnen des Sophron haben sich die Worte erhalten: nei yào å äogadtos (Ahr. Dial. Dor. p. 468). Deshalb darf man aber nicht mit Ahrens vermuten, dass auch Theokrit an der genannten Stelle zei geschrieben habe.

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42) Ich berufe mich auf das de poet. buc. p. 24 Gesagte, was sich des Beifalls geschmackvoller und gründlicher Kenner des Altertums erfreut hat. Vgl. Heidelb. Jahrbb. 1845 p. 298. Curtius, Philol. u. Sprachwissensch. Leipzig 1862 p. 19: ,Der Kunstdialekt eines Theokrit kann nicht auf eine Linie gestellt werden mit den Formen, die irgend ein Steinmetz aus dem lebendigen Gebrauche seiner Gegend in einer Inschrift anwendet. Die poetischen Dialekte der Griechen werden sämmtlich von einer gewissen Convention beherrscht, die bei einzelnen Fragen nicht ignorirt werden darf“ u. 8. W.

42a) [Dergleichen wird wohl, zumal bei der grossen Unzuverlässigkeit unserer Handschriften in diesen Dingen, niemand glaublich finden. Winterton hat mit Recht aútố vermutet.]

43) Parallelen aus der Muttersprache machen die Sache handgreiflich. Jost Sackmann in seinen plattdeutschen Predigten (7. Aufl. Celle 1860) citiert die Bibelsprüche aus heiliger Scheu stets hochdeutsch, aber er sagt auch z. B. p. 72 Ek bin nu wol in Jaer un Dag nich hinein wesen (in Hannover); tavören nam ek myne leve Huusehre, mein liebes altes Weiblin, noch wol by die Hand und slenderde mal hinein. Bräsig sagt in Fritz Reuters Stromtid (I p. 60 Aufl. 5) zu seinem Freunde: Wir gehn nu nach Rexow retuhr Nachmiddag muss Jung Jochen anspannen lassen un Du bringst Deine Kleine (nicht Din Lütt) nach Gürlitz. Im romanischen Vaterunser, wie es im Engadin gebetet wird, heisst es stehend: vöglia dvainta (dein Wille geschehe) und nicht tia volonted dvainta, obwohl im Munde des Volkes die Wörter volonted (voluntas) und vöglia ohne alle Nebenbedeutung im Gebrauche sind.

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Noch weniger durfte Id. 1, 65 von demselben Gelehrten nei e conieetura in den Text gesetzt werden für rą (oder an). Der Dichter vermied die Form des gemeinen Ausdrucks nei, die bei Sophron am Platze war, und setzte die edlere, wohltönendere . Aus gleichem Grunde sagt 15, 75 dann Praxinoa xonotoở. Namentlich giebt es viele Stellen, wo das helle n für den Begriff

der Sache höchst passend ist und wenn wir den besten Handschriften Glauben schenken von dem Dichter sehr sinnig statt des breiten dorischen a gesetzt worden ist. Man lese nur laut und frage seine Ohren z. B. an folgenden Stellen: Id. 2, 55 alai, "Epas åvingé, Id. 15, 149 åpannté. Dann probiere man, wie es auf das Gefühl wirken würde, wenn der Dichter alat, "Epas éviapé und dyanaté geschrieben hätte. Vielleicht ist es auch nicht zufällig, dass dieser Laut in den Namen der Götter meist festgehalten ist. So lesen wir Id. 2, 134 'Hqalótolo; Id. 1, 77 'Equñs; Id. 7, 93 Znvós; Id. 1, 21 Monata in den besten Handschriften. Ygl. Ιd. 10, 46 Βορέην, Ιd. 15, 110 Ελένη. Ιd. 2, 38-39. Dagegen redet Polyphem als echter Bauer Id. 6,26 (yuváv), Id. 11, 39 (tév). Umgekehrt aber bleibt in recipierten homerischen Phrasen der homerische Dialekt44). Ich bemerke ausdrücklich, dass das hier über den Dialekt Gesagte blofs von den mimischen und bukolischen, nicht von den epischen Gedichten Theokrits gilt.

So ist denn Theokrit zwar nicht gross durch die Originalität seines Schöpfergeistes, wie Homer, der den Hellenen ihre Götter schuf; nicht grofs durch eine Universalität der Weltanschauung, wie Aeschylus, nicht grofs durch die Idealität moralischer Gestalten, wie Pindar, aber er ist grofs in der Einfachheit, in der Treue, in der Innigkeit, welche er seinen Dichtungen eingehaucht hat, und ist glücklich in der richtigen Benutzung der einfachsten, von der Natur gegebenen Mittel und Verhältnisse, durch welche er seinen Dichtungen Anmut verleiht. Sind auch die Situationen, die zur Anschauung gebracht werden, nur einfach, ist auch der Wechsel der Verhältnisse kein starker und eingreifender, so treten doch die Charaktere in ihrer Eigentümlichkeit scharf hervor, so scharf, dass Franc. Vavassor (ludier. doctr. p. 122 ed. Lips. 1722) von den handelnden Personen der fünften Idylle schrieb, mirari se, post tantam amaritiem et inclementiam verborum rem non venire ad manus atque verbera. Erscheinen auch die Söhne der sicilischen und unteritalischen Berge in ihrer natürlichen Wahr

44) Zum Beispiel Id. 7, 107 υπό πλευράς τε και ώμους (nicht όμως), wie liad. 23, 716 ανά πλευράς τε καί ώμους. Ιd. 4, 8 βίην και κάρτος. Ιd. 7, 111 χείματι μέσσο (Iliad. 6, 224), aber μέσος 2, 76. 10, 5. 6, 4. Id. 1, 74. 83. 7, 144 rogol, aber 7, 25. 9, 18 rool. Siehe auch Schäfer, de Dor. trag. (Cottbus 1866) p. 4 über "Hpalotos. [Vgl. Anhang zu 2, 55. 2, 134. 6, 26. 15, 110. Anm. zu 11, 39.]

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