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Erinnerungen an Kos sind in der schönen siebenten Idylle aufbewahrt. Er lebte in der Mitte des dritten Jahrhunderts vor Christi Geburt, sicher in den Jahren 265 bis 259 oder 2586). Wenn er sich in der siebenten Idylle (21 flg.) unter dem Namen Elulzidas einführt, so berechtigt uns das Scholion zu dieser Stelle in Verbindung mit anderen Notizen zu der Annahme, dass nach dem Tode seines Vaters sich seine Mutter mit einem Manne Namens Eíuixos verheiratete ), dessen wahrhaft väterlicher Liebe Theokrit in jenem Gedichte ein Denkmal gesetzt hat, gerade so wie seinem Lehrer Philetas (7, 40) und seinen Freunden Phrasidamus und Antigenes (7, 3–4). Sicher ist dies, dass er einen grossen Teil seiner Bildung dem im Altertum, namentlich von Properz (siehe Anm. zu Id. 7, 40) hochgefeierten Grammatiker – wir würden sagen Philologen – und Dichter Philetas schuldete, von dem er Id. 7, 40 mit der grössten Hochachtung spricht. Wo er den Unterricht dieses Mannes genossen habe, ob in Kos, oder in Alexandrien, ist nicht gewiss 8). Jedenfalls hielt sich aber Theokrit eine Zeit lang in Alexandrien, dem Sammelplatze der damaligen gelehrten Bildung, auf. Jedenfalls dort verfasste er Id. 17, das Loblied auf den König Ptolemæus Philadelphus, welches im Jahr 259 oder 258 geschrieben ist; ingleichen Idylle

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6) Um das Jahr 265 a. Chr. ist Idylle 16, 259 oder 258 Idylle 17 geschrieben. S. meine grosse Ausg. II p. 61 und Arg. Id. 17. [Die Abfassungszeit von Id. 17 ist ungewiss; 8. einl. Bem. Bücheler hält das Gedicht für älter als Id. 16.]

7) So Hauler p. 6 fig. Es hängt nämlich alles ab von dem richtigen Verständnisse des Scholion zu 7, 21. Dieses lautet bei Dübner p. 52 so: oi μεν αυτόν φασι Θεόκριτον, καθό Σιμιχίδου (lies Σιμίχου) ήν υιός, ή καθό σιμος ήν. οι δε έτερόν τινα των συν αυτό και ου Θεόκριτον. φασί δε τον τοιούτον από πατρίου κληθήναι Σιμιχίδου του Περικλέους των Ορχομενίων, οίτινες πολιτείας παρά Κώοις τετυχήκασιν. Ameis, adn. in Theocr. p. 39, bezieht diese Worte auf den Grossvater des Theokrit. Für πατρίου hat aber cod. L πατρωιού, wofür Hauler p. 6 πατρωού conjiciert, was Ahrens schol. p. 244 mit eben dem Rechte aufgenommen hat, mit welchem er das diplomatisch begründete lulzov für Etuixidov schreibt. Unstatthaft ist Hartungs Conjectur matpós für natpoloû. Im litt. Centralbl. 1859 p. 39 wird hátontɛv álcu evos conjiciert

„ein Landesflüchtiger“. (Vgl. Einl. zu Id. 7. Ob die Schreibung Equixov „diplomatisch begründet“ und richtig ist, scheint höchst zweifelhaft. In dem angeführten Scholion steht, soviel bis jetzt bekannt ist, Equixou nur im cod. Genev. (und in diesem gleich nachher offenbar fehlerhaft statt Etuizido); in der kurzen Vita bietet Eluúxov der wertlose Vatic. 1; sonst haben alle Hdss. Eluizidov oder Etuizida, und dass in der That manche glaubten und zu begründen suchten, Theokrit habe sich den Namen seines Vaters Equixidas beigelegt, zeigt das Scholion bei Ahrens p. 245, 2 f. Bei den Worten φασί δε τον τοιούτον κτλ. iat nicht nur unsicher, wie sie ursprünglich gelautet haben, sondern auch auf wen sich τον τοιούτον beziehen soll: wahracheinlich auf τινα των συν αυτώ, nicht auf Theokrit.]

8) Erstere Ansicht habe ich de poet. buc. p. 4, letztere Hauler p. 8 zu begründen gesucht. (Vgl. Anm. zu 7, 40.]

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14 und Idylle 15, deren letzter Zweck ein Preis des Ptolemäus ist, und das Gedicht Berenike, von dem sich ein Fragment erhalten hat. Dass er mit diesen Gedichten sich der Gunst des Königs empfehlen wollte, liegt auf der Hand; ob er aber sich dieser Gunst wirklich erfreut, oder ob er sie vielleicht später wieder verscherzt habe, das wissen wir nicht').

Als sein eigentliches Heimatsland betrachtete Theokrit Sicilien. Daher sagt er von dem Polyphem Id. 11, 7: Kúxlov ó sich um das Jahr 265 a. Chr. aufgehalten haben, als er die sech

maju iv. Hier muss er, bevor er nach Alexandrien ging, zehnte Idylle zur Verherrlichung des Königs Hiero II. von Syrakus schrieb, der aus der Geschichte des ersten punischen Krieges sattsam bekannt ist. [Vgl. Einl. zu Id. 16]. Allein, so wahrscheinlich es auch ist, so lässt es sich doch nicht mit Bestimmtheit behaupten, dass Theokrit von Alexandrien aus, wo wir ihn um 259–258 treffen, wieder nach Sicilien zurückgekehrt sei. Wir können nur aus Id. 4 und 5 schliessen, dass er auch in Unteritalien wohl bekannt war. Eine Reise nach Milet unternahm er

wir wissen nicht wann zu seinem lieben Freunde, dem Arzte und Dichter Nicias, über den wir zu Id. 11 Einl. und 11, 6 gesprochen haben. Das lehrt Id. 28.

Als Theokrits teurer Freund erscheint ausserdem Id. 7, 98 Aratus, der bekannte Dichter aus Soli, der Verfasser der uns noch erhaltenen Dalvóueva, dem Theokrit die 6. Idylle gewidmet und dessen Liebe er Id. 7, 98 flg. besungen hat. Über mehrere der in der siebenten Idylle ausser Aratus von Vers 1 an noch genannten Personen hat die Poesie teilweise einen solchen Schleier gewebt, dass wir hinter ihm zwar wirkliche Personen erraten, aber die Gesichter nicht erkennen können, während die Namen der edlen Männer von Kos, Phrasidamus und Antigenes (7, 3-4), und des Dichters Philetas (7, 40) feststehen.

Ein Märchen über Theokrits Tod, dass er nämlich den Sohn des Hiero verspottet und, weil er mit Schimpfen nicht aufgehört habe, endlich auf Hieros Befehl gehenkt oder geköpft worden sei, wurde vor Zeiten geglaubt, ist aber von mir bereits früher widerlegt worden 10).

Mehr lässt sich über das Leben Theokrits nicht sagen. Wir wenden uns zu näherer Betrachtung seiner Dichtungen.

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9) Dass Id. 16, 64 auf Ptolemäus gehe, lässt sich nicht beweisen.

10) S. de poet. buc. p. 9 flg. Von Theokrit dem Chier erzählt Plut. Symp. 2, 1, 9 Αντίγονος Θεόκριτον τον Χίον απέκτεινεν, ότι, φήσαντός τινος, εις τους οφθαλμούς αν του βασιλέως παραγένηται, σωθήναι: αλλ' εμοί, είπεν, αδύνατα φής τα της σωτηρίας.

Theokrits Dichtungen. Die schönsten Gedichte Theokrits sind die bukolischen von βουκόλος, der Rinderhirt, βουκολιάζεσθαι überhaupt ein Hirtenlied singen, Id. 7, 36), d. h. diejenigen, welche das Hirtenleben oder Landleben (Id. 10, 7) im allgemeinen schildern, nämlich Id. 1. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. Sie haben meist die Form des Gespräches, weshalb wir die Mehrzahl auch mimisch nennen und der Form nach mit Id. 14. 15 in Verbindung bringen können, wo ebenfalls mehrere Personen redend eingeführt sind. Hierzu kommt ein Monodrama (um so zu sagen), die zweite Idylle, wo eine Zauberin die Hauptperson, ihre Dienerin (2, 1 flg.) stumme Person ist. Ausser diesen besitzen wir noch von Theokrit epische Gedichte (Id. 13. 16. 17. 22. 24. 25. 26), lyrische (Id. 12. 18. 28. 29. 30) und Epigramme. Idylle 19. 20. 21. 23. 27, das tändelnde Gedicht auf den Tod des Adonis und die Syrinx sind unecht. Was den Namen Idylle anbelangt, mit dem wir jetzt xat' Foxův ländliche Gedichte zu bezeichnen pflegen, so ist dieser nur allgemeiner Titel für die verschiedenartigen Poesien, welche wir hier vereinigt finden, und liesse sich, wie weiter unten gezeigt werden soll, etwa durch den modernen Ausdruck Genrebilder oder in sich abgeschlossene Kleinbilder wiedergeben. Letzterer Ausdruck passt insofern sehr gut, weil einzelne Momente uns in der That an Werke der alten plastischen Kunst erinnern, z. B. Id. 7, 711). Seinen Dichterruhm verdankt Theokrit den bukolischen und mimischen Gedichten. Über sie müssen wir zuerst handeln "2).

11) Vgl. Bücheler, Rhein. Mus. XV p. 454 flg. [Brunn, Sitzungsber. der bayer. Akad. 1879, 2 p. 1 fig.]

12) Über die bukolische Poesie vgl. meine Abhandl. de poet. Gr. bucol. p. 11 ig. Zimmermann in der Übersetzung des Theokrit, Stuttg. 1856, 16. p. 25 fig. Notter in Theokrits Idyllen u. s. w. deutsch von Mörike und Notter, Stuttg. 1855. kl. 8. p. 1 fig. Adert p. 3 fg. Finkenstein in der Arethusa p. 4 flg. Naeke, opusc. phil. I. Bonn. 1842 p. 163. Welcker, über den Ursprung des Hirtenliedes, in dessen klein. Schriften 1. Tl. Bonn. 1844. P. Souillé, de idyllio Theocriteo, Paris et Andegav. 1860 p. 60 fig. E. Egger, mémoire sur la poésie pastorale avant les poètes buc. Paris. 1859 p. 2 ilg. Sinner, recherches sur la poésie pastorale, Paris 1842. E. Roux, de idyllio' Theocr. Paris. 1847. [O. Ribbeck, Préuss. Jahrb. XXXII (1873) p. 59 ilg. A. Holm, Geschichte Siciliens im Alterthum II (Lpz. 1874) p. 298 fig. 493 fig. M. Haupt bei Belger, Haupt als akademischer Lehrer (Berlin 1879) p. 226 fig.] Nur für den Litteraturhistoriker von Wert sind folgende Abhandlungen: Heyne, de carmine bucolico, in dessen Ausg. des Virgil Bd. 1. Warton, de poesi bucolica Graecorum, in dessen Ausg. des Theokrit tom. I. p. XÑI. Manso, Theokrit, in den Nachträgen zu Sulzers allg. Theorie der schönen Künste. 1. Bd. 1. Stück p. 89. R. Polwhele, the pastoral Idyllia, in dessen Übersetzung der Bukoliker ed. Lond. 1811, II p. 12. Fr. Schlegel, über das Idyll und Wie bei den heutigen Italienern die Improvisatoren eine Rolle spielen, so hörten schon die alten Bewohner Unteritaliens und Siciliens die Vorträge und Spafse der γελωτοποιοί, ήθολόγοι, αυτοκάβδαλοι, ιλαρωδοί, λογόμιμοι, Scurrae, welche komische Momente oder Charaktere, Betrunkene, Verliebte, Schmarotzer u. dgl. bei Festen oder Gastmählern bald pantomimisch, bald in einem improvisierten Dialoge darstellten, mit Vorliebe an. Horaz erzählt Sat. 1, 5, 51 von der angenehmen Unterhaltung, welche dem Mācenas und seinen Begleitern auf der Reise nach Brundisium durch die in der That gemeinen Witze der scurrae Messius und Sarmentus bereitet worden sei: „prorsus iucunde coenam producimus illam“ (v. 70). Tarent wird namentlich als ein Hauptsitz der in Campanien bei Volksfesten gepflegten komischen Improvisation genannt 18). Ein heiteres Naturel und unverwüstliche Spottund Lachlust wird aber ganz besonders den Bewohnern Siciliens nachgerühmt. Nunquam tam male est Siculis, quin aliquid facete et commode dicant, sagt Cic. in Verr. act. II. libr. IV. cap. 43. Nicht nur die Komödie bildete sich bei ihnen durch Epicharmus (dessen Blütezeit 490—480 a. Chr.) in eigentümlicher. Weise aus 14), sondern auch kleinere, Komödien ähnliche Stücke wurden dort verfasst. Ich meine damit um anderes zu übergehen namentlich die selbst von Plato hoch geschätzten uiuoc des Sophron - um 420 a. Chr. und seines Sohnes Xenarchus. Dies waren nicht eigentliche Komödien, sondern Dialoge oder kleine Scenen in rhythmischer Prosa, in welchen- das Leben und Treiben von Leuten aus der niedrigen Volksklasse in ihrer Denkund Redeweise dargestellt wurde, die bald durch Spässe ergötzten, bald durch einen ernsteren Gedanken und wär's nur Sprichwort, wahr Wort, gewesen die Aufmerksamkeit fesselten. Selbst die gemeine Sprache, das rohe dorische, in Sicilien landläufige Patois, um die Sache durch einen modernen Ausdruck anzudeuten, hielt Sophron fest. Man könnte diese Mimen etwa mit dem Eckensteher Nante und den Berliner Guckkastenbildern oder mit Görge und Marje uf der Redutte in Alm'rig (= Altenburg) und ähn

die bukol. Dichter der Alten, in dessen sämtl. Werken. Wien 1822, Bd. 4 p. 60. Fraguier, sur l'eclogue, in den Mémoir. de l'Académ. des Inscriptions tom. II. p. 132. Jacques Hardion, discours sur les bergers de Théocrite, in den Mémoir. de l'Académ. des Inscriptions tom. IV. p. 534. tom. VI. p. 459. Discourse on pastoral poetry, in Alex. Pope's Works. Lond. 1752. Bd. 1. p. 39. Ger. Ioann. Vossii poet. institt. Amstelod. 1647, 4. libr. III cap. 8.

13) Vgl. Plat. Legg. 1 p. 637, B. Bode, Gesch. der hellen. Dichtk. 3 p. 96.

14) Vgl. Theokr. Epigr. 17. Aug. 0. Fr. Lorenz, Leben u. Schriften d. Epicharm. Berl. 1864 p. 56. Die Fragmente Epicbarms bei Ahrens, Dial. Dor. p. 435.

lichen Stückchen unserer Zeit vergleichen 15). Theokrit trat nun in Sophrons Fufsstapfen16) und bildete diese Mimen in Sprache und Vers (Hexameter) künstlicher aus. Am deutlichsten sieht man dies aus der fünfzehnten Idylle, welche nach den Berichten des Scholiasten 17) in der Anlage einem Mimus des Sophron nachgebildet ist. Wir haben dort ein kleines Drama. Es spielt in Alexandrien. Eine Frau, Gorgo, kommt zu ihrer guten Freundin, Praxinoa, klatscht mit ihr, zieht echt weiblich über ihren lieben Ehegatten los, was die andere ihresteils auch thut, und fordert endlich die Freundin auf mit ihr zur Königsburg zu gehen, wo die Königin Arsinoe, Gemahlin des Ptolemäus II., grossartige Feierlichkeiten zum Adonisfeste veranstaltet hat. Praxinoa putzt sich unter dem nötigen Schelten auf ihre Magd. Beide Freundinnen betreten die Strasse; ziehen unter dem Wogendrange der Menge zum Königshofe; fragen eine alte Frau, die ihnen begegnet, ob es leicht sei hineinzukommen und erhalten den orakelhaften Bescheid „Wagner gewinnt“ (v. 62); drängeln sich mit Mühe und Not zu dem Schauplatze; bewundern die Herrlichkeiten; hören das Loblied, das eine Sängerin anstimmt, und kehren reich befriedigt nach Hause. Denn der Brummbär von Ehemann wartet auf das Frühstück. Das alles erfahren wir aus dem Gespräche der Weiber, in welches sich insbesondere ein Mann (v. 87 flg.) mit hinein mengt, den unsere Freundinnen gehörig abtrumpfen, als er sich ihr ,,braites" = dorisches Gewäsch (Tactelácovoiv), mit dem die „Starmätze“ ihn schier tot machen, verbeten und ihnen Ruhe geboten hat. Ergötzen wir uns nun auch an der gelungenen Schilderung der weiblichen Charaktere, welche uns hier der Dichter vorführt, so liest man doch zwischen den Zeilen hindurch das künstlich angebrachte Lob auf den König Ptolemäus (v. 46) und seine Gattin (v. 110), ein Lob, das um so feiner ist, als es aus dem Munde der plaudernden Weiher scheinbar zufällig, und in dem Liede der eingeführten Sängerin völlig natürlich klingt.

Eine gleiche Bewandtnis hat es mit der vierzehnten Idylle. Dort klagt ein junger Brausekopf seinem Freunde, wie höhnisch seine Geliebte bei einem fröhlichen Gelage ihn behandelt habe, berichtet, dass er hinter ihre Treulosigkeit gekommen sei, und äussert, er wisse kein anderes Mittel, seines Grames Meister zu werden, als in die weite Welt und unter die Soldaten zu gehen.

15) L. Botzon, de Sophrone et Xenarcho mimographis. Lyccae 1856. Derselbe Sophronis reliqq. Marienb. 1867. Die Fragmente auch bei Ahrens p. 464.

16) Der Beifall, den die głóanes des Rhinthon aus Tarent (um 300), die Dichtungen des Bläsus und ähnliche Stücke fanden, mag nebst anderen Umständen mit dazu gewirkt haben.

17) Hypoth, zu Theokr. 15 p. 26 Ahr. Tapétage nonuétiov εκ των παρά Σώφρονι θεωμένων τα "Ισθμια. Vgl. gr. Ausg. Band 2 p. 32.

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