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mag. Die Sonne flebt sie an, welche die Elemente und den Him

Tal' io qualor il caldo raggio e vivo mel erleuchten; sie wünscht deren strahlende Quelle und so den Trank

Del divin sole, onde nutrisco il core, zu erreichen, der ihrem Durft angemessen ift.

Più dell'usato lucido lampeggia, Bertha Arndts bat es unternommen, den größten Theil der

Muovo la penna, spinta dall' amore Dichtungen der Vittoria Colonna in's Deutsche zu übertragen.") Sie

Interno; e senza ch'io stessa m'aveggia, benußte die 1840 zu Rom erschienene Pracytausgabe, welche P. E. Vis

Di quel ch'io dico le sue lodi scrivo. conti unter dem Titel: „Rime di Vittoria Colonna” veranstaltet hat.

Auguft Geyder. in großer Besdheibenbeit erklärt die Uebersekerin: „Da id meine Arbeit als feine von selbständigem Werthe betrachte, fteht der italiä

Frankreich. nische, im Buchhandel fart erlosdene Tert daneben, um für das Ver

Die liberale Schule der Franzosen. ständniß derjenigen wohl nicht wenigen Leser eine Brücke zu dem schönen Original zu bilden, welche zwar biese Sprache erlernt, aber,

(Fortsegung.) weil sie vom Strome der Zeit abweicht, nicht genug gepflegt haben,

Legen wir aber auch nicht zu freigebig den vergangenen Jabrum ihr in klassischer, wenngleich viel zugänglicherer Poesie, al8 3. B. hunderten eine fittliche Stärke bei, die stets nur das Erbtheil eines die eines Dante, nachzugeben". Bertha Arndts hat das Verständniß zähligen Häufleins gewesen ist. Es giebt ein unbemerktes Geschlecht

, der herrlichen Dichtungen in einer Weise gefördert, die nicht genug

bas den Hochabel der Menschheit vertritt, und je nad der mehr oder gerühmt werden kann. Die zu überwindenden Schwierigkeiten waren minder günstigen Atmosphäre, in der es lebt und fich fortpflanzt, übergroß, aber Bertha Arndis sdheute vor denselben nicht zurück; ihr nimmt die Tugend in der Gesammtheit zu oder ab. Nun ist nicht zu Geift , ihr Gemüth ist dem Geift

, dem Gemüth der großen Dichterin leugnen, daß die große Entwicelung der Industrie, welche von den nahe verwandt, das zeigt die Ueberseßung auf das deutlichste, und Nicht-Industriellen, d. 5. von denen, die man sonst die Aristokratie nur so konnte es ihr gelingen, ein Werk zu liefern, welches deutschem nannte, eine ungeheure Schußfteuer erhebt, diese gewissermaßen nöthigt, Fleiß und wahrhaft chriftlicher Frömmigkeit entsprungen ist, und dere fich mit ihr in Einklang zu feßen. Und so zwingt ein verbängniß. sen Ertrag der leidenden deutschen Kinderwelt zugute kommen soll. volles Schußzou-System allmählich jeglichen, das Talent oder das Hier gilt es nicht, an Einzelheiten zu kritteln und zu rütteln, bier gilt Kapital, das ihm zugefallen, auszubeuten, und macht demjenigen, der es, ein Verdienst anzuerkennen, das nur wenige unserer gegenwärtig Nichts produzirt, was einen klingenden Werth hat, das Leben unmög. schriftstellernden Frauen sich erringen möchten, da es ihnen oft genügt, lich. Einige Anhänger des gedachten Systems räumen diese Folge ein der flüchtigen und ruhelosen Neugier durch fadeste Roft Befriedigung und erkennen es an, daß die Industrie gewissen Klassen so lange zu gewähren. Welch ein Unterschied zwischen dem literarischen Treis fchädlich sein werde, bis sie selber in ihrer Weise zur industriellen ben einer Louise Mühlbad), die das Publikum mit angeblich hiftoris Fahne geschworen haben. Ein solcher Zuftand der Dinge, auf das schen Romanen regalirt, und der sinnigen, gottbegeisterten Arbeit un Aeußerste getrieben – was hoffentlich niemals eintreten wird - müßte serer Bertha Arndts, die einem der köftlichsten Schäße echt driftlicher der nicht zuleßt unsern Planeten unbewohnbar machen für alle, deren Dichtkunft in Deutschland eine neue Heimat zu gründen bezweckt. Pflicht es gerade ist, ihre innere Freiheit nicht einem materiellen VorMögen recht viele Herzen diesem Schaß die neue Heimat erschließen! theil zu opfern? Wollt ihr aus dem Künstler einen Handwerker maden,

Aus den weltlichen Sonnetten, denen der Triumph Chrifti bei ber seine Statuen und Gemälde für den Markt arbeitet? Fällt ihr gefügt ist, wählen wir eines, das zweiundzwanzigste, in welchem Vit- denn nicht mit Einem Schlage die wahre, die erhabene Kunft, die mit toria ibrem verstorbenen Gatten zuruft:

derjenigen, die der Hohlheit und dem schlechten Geschmad fröhnt, nicht Bist auf des Zieles Höhe nun getragen,

konkurriren kann? Wollt ihr aus bei Gelehrten einen Industriellen Du edler Geist, vom Wahren stets entzündet;

machen, der für das große Publikum produzirt? Aber in der Wissensbaft Gefallen ist die Last, Dich nicht mehr bindet,

ist ja ein Wert verdienstlider, je weniger Leser es hat. Abel, einer Was geltungslos dem Willen und dem Wagen.

der größten Mathematifer unserer Zeit, und nicht minder groß als Auf jeder Stufe sahst Du überragen

Mensch, ist in Dürftigkeit gestorben. Es ist also klar, daß gerade Als leßten Preis den Himmel; leuchtend findet

bei den herrlichsten Arbeiten der Menschheit ein schreiendes Mißver: Dort Ahnung Sieg, die leis' fidi nur verkündet

hältniß zwischen Werth und Preis befteht. In einer Gesellsdaft Dem Streben hier, um ewig neu zu tagen.

folglid), in welcher das unabhängige Leben immer wieriger, wo der Der Tugend lidht ließ Dich in jenem heben

Nidyt - Produzent von dem der Nachfrage des Publikums entsprechenda Den Blid stets über diese enge Hülle,

Produzenten erdrückt wird, muß zuleßt alles Eble, d. 5. alles Uneinträge Spornt' Dir Vernunft und zügelte die Sinne.

lide tief im Werthe sinken. Das Mittelalter, von dieser Wahrheit

durdydrungen, trieb die Konsequenz auf die Spiße, souf die Bettelei Und mindert's Seligfeit in jenem Leben Dir nicht, dann, wie hienieden einst, o, stille

zu einer Tugend um und verurtheilte den den geistlichen Pflichten geBeherrsch' dies Herz, das frant an Deiner Minne.

weihten Menschen zu einem Leben von Almosen. Wenigstens erkannte

es, daß es Dinge in der Welt giebt, die sich nicht bezahlen lassen; Aus den geistlichen Sonnetten möge gleichfalls eines, das siebente,

daß der Geist feinen materiellen Werth darstellt, und daß, wo es fidy hier eine Stätte finden:

um der Seele geleistete Dienste handelt, keine Schadloshaltung für Sieht hungrig junge Brut die Mutter schweben Um's warme Neft, hört rauschen fie die Schwingen,

einen Sold gelten kann. Die Kirche hat mit vielem Taft dasselbe Da die fie liebt will liebe Nahrung bringen,

Prinzip festgehalten: fie läßt fich niemals bezahlen; verfündet ftets Die Vöglein froh des Danfes Zeichen geben:

ihre Armuth, und besäße sie die Welt, sie würde dennoch sagen, daß

fie in der Ordnung der materiellen Dinge mit Paulus oder dem Erza Verlangend sie die nagten Flügel heben Und suchen Indizend fidh zu überspringen;

vater Jakob nur ,,Brod zu essen und ein Kicid anzuziehen" verlange. Schon mit Gewalt das Zünglein möchte singen,

Die wachsende Gewalt des Menschen über die Stoffwelt ist ein Im Gifer mit der Mutter flug zu streben.

augenscheinliches Gut, und wer möchte die Fortschritte unseres Jahr

hunderts in dieser Richtung nicht freudig begrüßen? Allein diese FortSo ich, fühl warm idh mir zum Herzen bringen Göttlichen Sonnenstrahles süße Speise,

schritte haben nur dann einen hohen Werth, wenn sie, indem sie der Mehr Licht mir spendend als an andern Tagen:

Menschen über die Widerstände, die ihm die Nntnr entgegenseßt,

wegheben, zugleich beitragen, ihm die Ausführung seiner idealen AufDann rührt die Liebe meiner Feder Schwingen,

gabe zu erleichtern. Ein schöner Gedanke, eine edle Empfindung, Daß ohn' Bewußtsein selbst der Art und Weise

eine tugendhafte That machen den Menschen weit eber zum Könige Ich Gottes Lob nur fingen fann und sagen.

der Schöpfung, als die Macht, seine Befehle und Wünsche von einem Damit man selbst beurtheile, welche Schwierigkeiten bei der

Ende der Welt zum anderen mit Blißesschnelle zu senden. Diese Rós Uebersegung zu bewältigen waren, theilen wir das Driginal des vore

nigsgewalt liegt in unserer Seele. Ein Asket in der Wüste der The ftehenden Sonnetts mit:

bais, der beschauliche Einsiedler auf den Gipfeln des Himalana, Qual digiuno angellin, che vede ed ode

Sklaven der Natur in so vielem Betracht, waren dem Geiste nad Batter l'ali alla madre intorno, quando

ihre Meister und Dolmetscher weit mehr, als der Materialist, der bei Gli reca il nutrimento: ond egli, amando il cibo e quella, si rallegra e gode;

Erdkreises Fläche umfehrt, ohne den göttlichen Sinn des Lebens ;

finden. Die Traurigkeit jener Weltabgesņiedenen, voll Gedankenties E dentro al pido suo si strugge e rode

und innerer Freudigkeit war mehr werth, als unsere gemeinen Genuffe Per desio di seguirla anch' ei volando;

felbft ihre Verirrungen maden der mensoliden Natur mehr Ebre, ale E la ringrazia in tal modo cantando, Che par ch'oltre 'l poter la lingua suode;

manche sogenannte verständige Eriftenz, die nur von Berechnunga

des Interesses oder von den bedeutungslosen Kämpfen der Eitelk. *) , Sonnette der Vittoria Colonna, mit deutscher Uebersegung", ron

ausgefüūt ift. Bertha Wrndte. Erster Theil. Weltlidie Sonnette. Zweiter Theil. Geist

Mit Recht beklagt es demnach de Sacy, daß so viele berri

Dinge aus unserer Gesellschaft geschwunden sind. Freilich sind das begreifen nicht den Reig, den die Werte jener Zeit für den Franzosen hanicht Dinge des täglichen Bedarfes, und man bemerkt ihre Abwesen- ben, die, so zu sagen, nur eine tertiäre Formation sind, ein Echo der las beit nicht; mit der Zeit aber wird die Lücke, die fie in der Welt zu- teinischen literatur, die wiederum nur ein schwacher Nachball der bellenirüdgelassen, sich fühlbar genug machen. Demselben Frrthum in der schen Literatur ist. Die Deutschen, die mit solcher Leidenschaft alle lis Erziehung, der es übersieht, daß außer den speziellen Kenntnissen, die teraturen umfaffen und die geringsten Einzelheiten des Italiänischen, ihre handgreifliche Anwendung finden, es noch eine höhere, allgemeine Spanischen, Provenzalischen zu beleuchten suchten, ließen unser großes Bildung giebt, die den geistig-fittlichen Menschen zum Gegenstand Jahrhundert fast ganz beiseite liegen und können ihm fein Interessc haben - demselben Frrthum verfällt unser Jahrhundert in den sozias abgewinnen. Diese Hintanseßung, wie ungerecht auch, hat einen trife len Theorieen. Alles, was sich nicht in den Nüßlichkeitspferch hin- tigen Grund: feine Literatur ist zu ausshließlich französisch. Träte einzwängen läßt, erscheint ihm als Lurus und Schmuck

. Gewiß ift nun eine Kritik an sie beran, deren Vaterland der mensdliche Geist kein Grund vorhanden, den Edelmann zurüdzuwünschen; denn das ist und deren Wesen es ist, keine aussdhließende Liebhabereien zu haben, eine Sache der Geburt, und die ausgezeichneten Menschen unserer fo würde jene dabei sehr zu furz kommen. Der Titel des Klaffischen Zeit geben in ziemlich gleichem Verhältniß aus allen Reiben der Ge- bleibe ihr unbestritten; man lasse fie im Besiß der Schulen als anfellschaft bervor; was wir aber schmerzlich vermissen, das ist, den ehren- gemessene Nahrung der Jugend, als Quelle eines formell mustergülwertben Menschen (l'honnête homme) in dem Sinne, den das sieb- tigen Stils. Allein, daß die hervorragenden Geister aller Zeiten zu zehnte Jahrhundert mit dem Namen verband: den Mann, der frei ift ihr wallfahrten werden, bei ihr Erhebung, Trost, Licht über die von den eingezwängten Anschauungen irgend welden Berufes, frei von menschliche Bestimmung zu suchen

menschliche Bestimmung zu suchen -- das steht fehr zu bezweifeln. den Manieren und dem geistigen Zusdnitt irgend welcher Klasse. Der Standpunft dieser Literatur ist für uns ein überwundener; wir Das Wesen des Abels besteht aber eben in der Befreiung von diesen fehen tausend Dinge, welche die scharfsichtigsten Männer des fiebzehn. Schranken; die Auszeidhnung kann nur von Leuten vertreten werden, ten Jahrhunderts nicht gesehen haben; das Kapital von Kenntnissen, die gar feinen Stand haben und nicht unter dem Einfluß des Stan wovon fie zehrten, reicht für uns nicht mehr aus. Das Publikum, das desgeistes mit seinen Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten stehen. nicht, um sich mit seinem Gewissen abzufinden, sondern aus innerem Diese Leute müssen nicht gerade reich sein, da sie der Gesellschaft feis Drange liest, kann sich sdwerlich unbedingt von Büchern gefesselt füh. nen nach Geld abzuschägenden Dienst leisten; sie sollen nur die Ari len, worin fie über die Probleme, die uns vorzugsweise beschäftigen, ftokratie in dem sebr beschränkten Sinne bilden, daß die allgemeine blutwenig erfahren, die unser fittliches und religiöses Gefühl oft geBewegung der Menscheit ihre Würde bewahren, und daß die Freiheit nug verleßen, worin wir bei jedem Schritte auf Irrthümer stoßen,

der verschiedenen Auffassungs- Arten des Lebens aufrecht erhalten unbeschadet der Bewunderung, die wir dem Genie derer zollen, die sie für werde...

begangen. Der Mensch ift nur durch die Seele ein Göttliches: verwirklicht Auch in der Geschichte findet Nenan, daß de Sacy sich zu wenig er in gewissem Maße die geistige und fittliche Vollkommenbeit

, so hat um die Uranfänge fümmert. Treu seinem literarischen System, fürdı. er das Ziel seines Daseins erreicht. Nichts, was zu diesem erhaber tet de Sacy, die Erörterung der Thatsachen und die Versdhiedenheit nen Ziele führt, ist gleichgültig. Die äußeren Dinge erhalten ihren der Meinungen könnte dem dönen Stil schaden. „Ich bekenne", Werth nur durch die mensdlichen Empfindungen, denen sie entsprechen. sagt er, ,, daß beim Anblic des erschredlichen Folianten-Haufens, der Der gemeinste Garten heutzutage hat Blumen aufzuweisen, die frü- den Eingang unserer Geschichte versperrte, ich mich mehr als einmal ber nur in föniglichen Treibhäusern prangten. Aber die Feldblumen, versucht fühlte, die Gelehrsamkeit zu verwünsdhen und es zu bedauern, wie sie der liebe Gott gesdhaffen, sprachen sonst inniger zum mensch- daß wir uns nicht súlechtweg an unseren trojanischen Ursprung und lichen Herzen und erweckten darin einen zarteren Sinn für die Natur. an unseren guten König Francion, den Sohn Hektor's und Gründer Die Frauen unserer Tage können sich, wie früher nur Fürstinnen, der französischen Monarchie, gehalten haben.“ Kaum verzeibt er es berauepußen; sind sie darum schöner, liebenswürdiger? Die Genuß den berebtesten Historifern unserer Zeit, daß sie zugleid Gelehrte und mittel haben sich in's Unendliche verfeinert und vervielfältigt. Aber Kritifer sind; er möchte die Geschichte in eine durch Uebereinkommen wenn Sorge und Ueberdruß fie vergiften, war die Armuth unserer für wahr angenommene Erzählung verwandeln, welche die rhetorischen Väter nicht glücklicher und heiterer? Hält der Fortgang der Intellio und moralistischen Geschichtschreiber, die Livius' und Plutarche, zu genz gleichen Søritt mit dem Fortgang der Industrie? Können wir freien Themen verwenden. Das siebzehnte Jahrhundert, mit Ausnahme uns, was den Sinn für das Schöne betrifft, mit dem uns vorange der großen Schule der Benediktiner - faßte die Geldidate in diegangenen Geschlechte messen? Hat die Erziehung eine liberalere Richtung sem Sinne auf; wer mag ihm aber darin folgen? eingeschlagen? Haben die Charaktere an Stärke und Aufschwung viel

(Schluß folgt.) gewonnen? Findet man bei den Menschen der Neuzeit mehr Würde, mehr Adel, mehr Geistesbildung, mehr Achtung für ihre eigenen Meis

England. nungen, mehr Festigkeit gegen die Verlockungen des Reichthums und der Macht? Nur dann können wir von Fortschritt fprechen: bis dahin

Die Bibliotheken des Drients. bleibt es ein dwacher Trost, für die Tugenden der Vergangenheit Die Bibliothefen des Drients find in früherer und späterer Zeit nur eine Vermehrung des Wohlstandes, die nicht glüdlicher, eine Be- vielfach von Reisenden untersucht worden, namentlich in der Absicht, festigung der Rube, die nicht besser macht, eingetauscht zu haben... griechische Handsdriften daselbst aufzufinden.) Die diesfallfigen Un

Wenden wir uns jegt von de Sacy, dem Moralisten, zu de Sacy, tersuchungen wurden jedoch nicht selten nur ganz oberflächlich vordem Kritifer. ,,35 bekenne es", sagt er, ,, daß mein Geschmack in genommen; häufig war man von Seiten derer, welde die Aufsicht über der Literatur ein ausschließender ift. Da mir die Zeit fehlte, soviel die Bibliotheken hatten und die Erlaubniß zu deren Untersuchung geben zu lesen, wie ich wünschte, so las ich uur das Beste und las es un und verweigern konnten, so sehr zurüdhaltend, daß eine solche gar aufhörlich. Kein Zweifel, daß es eine Menge in ihrer Art guter Bü- nicht möglich war oder nur obenhin geschehen konnte, und ebenso becher giebt, die alle Welt fennt, mit denen ich aber feine Bekanntschaft schränkten sich viele von denen, die Gelegenheit gehabt hatten, solche machen werde. Das ist vielleicht ein Uebel; allein, wenn ich eine Bi

el; allein, wenn ich eine Bis Bibliotheken wirklich zu sehen und zu untersuchen, in ihren Berichten, bliothek betrete, greift meine Hand unwillkürlich nach den Büchern, welche sie später darüber erstatteten, auf allgemeine Angaben und welche die Kinder schon auswendig fönnen.“ Um Geschmackssachen auf die bloße Bemerkung, daß sie nichts Bemerkenswerthes gefunden streitet man nicht; man erlaube mir jedoch, bemerkt Renan, hier etwas bätten. So ist es denn gekommen, daß unsere Wissenschaft über die altfränkischer zu fein, als de Sacy; ich liebe das Mittelalter, ich liebe Schäße in den Bibliotheken des Orients, besonders in Betracht der das entlegene Alterthum. Das Schöne wie das Gute ist in der Ver- dort befindlichen griechischen Handschriften, bisher noch sehr mangelgangenheit zu suchen; man muß aber nicht auf halbem Wege stehen baft geblieben ist, und daß wir nicht wiffen, was eigentlich diese bleiben; man muß über alles Rhetorische weit hinausgehen; das Ür: Bibliotheken enthalten, und in wiefern von ihnen für die altgriedisdie anfängliche allein ist das Wabre, es allein hat das Recht, uns an fica literatur Auffdlüffe in der oder jener Beziehung zu erwarten seien. zu fesseln.

Inzwischen haben wir in dieser Hinsicht einen neuen interessanten Dem siebzehnten Jahrhundert ist die Klassizität nicht abzuspreden, und bodywichtigen Beitrag erhalten. Die englische Regierung hatte jene Verbindung der abgerundeten Form mit dem Maßhalten des Ger nämlid; vor kurzem den Unterbibliothefar der Bodleianischen Bibliodankens, durch welche eine Literatur die Zierde aller folgenden Zeiten thef, Namens Core, beauftragt, alle jene Bibliotheken des Drients und das Vermächtniß der Schulen war. Allein die Gränzen, die den zu untersuchen, die noch nicht oder nur unvollfommen untersucht wors Schulen zusagen, dürfen nicht dem menschlichen Geifte anfgedrungen den waren, oder, wenn eine Untersuchung stattgefunden hatte, von werden. Weil manche Literatur das nöthige Werkzeug aller Erziehung denen man nicht mit Bestimmtheit wußte, was sie enthielten. Der geworden, und weil Jeder von ihr sagt: puero mihi profuit olim, so genannte Core hat nunmehr seinen Bericht erstattet, und derselbe ist ist das noch kein Grund, ihr den ausídließlichen Charakter der Trefflidheit und Schönheit beizulegen; am wenigsten dürfte er den Schriften des siebzehnten Jahrhunderts einzuräumen sein. Die nichtfranzösischen Lebarbie, deshalb nach Tem Orient, und von Rußland aus geschah diet turch

*) So sandte die französische Regierung vor ciniger Zeit einen Gelehrten, Nationen – abgerechnet diejenigen, die keine eigene literatur besißen einen gewissen Sewastjanov.

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öffentlich im Druck erschienen.') Aus ihm ergiebt fich, daß er mehr Kirchenväter und einer voranstehenden Abhandlung über einen 3anals funfzehn Bibliotheken in Klöstern und Kirchen des Oriente, auch berer Kynops, der zur Zeit des Evangelisten Johannes auf der Insel die bes Serails in Ronstantinopel, untersucht bat, und daß ihm dabei Patmos lebte und dort als Nefromant fein Wesen trieb, es auch dabei die vorhandenen Handschriften nicht nur nicht vorenthalten wurden mit dem Evangeliften felbft zu thun hatte, bis es dieser durch seine sondern daß man sie ihm sogar bereitwillig zeigte und ihm ihre Une wiederholten Gebete pon Gott erlangte, daß jener im Wasser seinen tersuchung auf jede mögliche Weise erleichterte. Er rühmt dies ause Untergang fand. Bekanntlich knüpfen fich noch gegenwärtig solche drüdlich von dem Abte eines Klosters in Kahira, sowie in Ansehung und ähnliche Legenden und Sagen, in die der Name und die Wirtder Bibliothek des heiligen Grabes in Jerusalem, und auch der Pa- samkeit des Evangeliften Johannes eingewebt ist, an mande Punkte in triarch in Alerandrien ertheilte ihm mit Wohlwollen die Erlaubniß und um Patmos. zum Besuche zweier dortiger Bibliothefen.

Der Engländer Core besuchte einige Theile des Königreiches Seine Mittheilungen über die Ergebnisse seiner Untersuchungen Griechenland. Namentlich auf der Insel Milos fab er bei Privatless find zum Theil neu und überraschend. Die Patriarchats-Bibliothek in ten einige Handschriften, von denen er fogar einige durch Rauf an sich Alexandrien enthält außer den gedrudten Büchern, von denen einige brachte. Nach seiner Angabe gehören jene Handschriften dem zehnten, bis zu den ersten Jahren nach Erfindung der Buchdruderkunst hinauf- elften, zwölften, dreizehnten, vierzehnten und sechzehnten Jahrhun. reichen, vier bis fünfhundert guterhaltene Handschriften, die sorgfältig derte an. Ebenso sab er in Athen, außer den sehr wenigen der öffenthinter Glasschränfen aufbewahrt werden. Er verzeichnet davon gegen lichen Bibliothek, deren mehrere bei einem Griechen Namens Komnos, hundert und macht darüber nähere Angaben. Es finden sich darunter welche er zum Verkauf nach England zu senden beabsichtigte. (Die ein Hesiob, Ariftoteles, Demofthenes, Sophokles, Apollonius Rhodius, griechische Regierung war öffentlich mehrfach darauf aufmerksam geHermogenes und Galen, ferner viele Scholien zu griechischen Schrift- macht und dazu aufgefordert worden, diese Handschriften für die Nastellern aus dem vierzehnten und funfzehnten Jahrhunderte, von denen tional - Bibliothek in Athen anzukaufen!) angenommen werden dürfte, daß sie zur Vervollständigung und zum Die Serails-Bibliothek in Konstantinopel enthält nur zweiundbesseren Verständnisse der einzelnen Terte dienen fönnen. So hatte zwanzig griechische Handschriften, aber unter diesen einen Pindar mit ĝ. B. der Russe Sewastjanov auf dem Berge Athos eine Handschrift Scholien, Hesiod und Homer mit Kommentaren, Ariftoteles, Diogeentbedt, die einen vollständigeren Tert des Strabo als bisher ents nes Laertius, Ptolemäus, Dionysius Periegetes und Anbere. bält. Ebenso befinden sich in der erwähnten Bibliothek zu Aleran. Die in Athen erscheinende Zeitschrift, Néa llavdwpa, die Einiges drien Handschriften der Evangelien und anderer Bücher des Neuen aus dem obengedachten Berichte des Engländers Core und über den Teftaments, sowie von Werfen der Rirchenväter, die bis zum elften felben bemerkt, beschwert fich dabei zugleich wiederholt und nach. Jahrhundert hinaufreicheu.

drücklich über die griechische Regierung und über ihre Sorglosigkeit in Die Bibliothek des heiligen Grabes zu Jerusalem enthält zwar Ansebung der Anschaffung, der Untersuchung und der Abschrift der nicht mehr, wohl aber wichtigere und ältere, besonders kirchliche Hand- Handschriften, und daß sie dies Alles unterlaffe. „Wir unsererseits", driften, darunter einen Pentateuch, den Core namentlich als beadstenge erflärte jene Zeitsdrift offen, find roth geworden vor Scam, alt werth bezeichnet, außerdem Handschriften der Evangelien, der Apostel- wir es lafen, daß der Beauftragte einer fremden Regierung Hand geschichte, der Episteln und der Offenbarung, ferner deß Gregor von fdriften gefauft habe, die in Milos verfauft worden waren, und mit Nazianz, des Chryfoftomus u. f. w., aus dem neunten, zehnten und Somerz müssen wir es gestehen, daß überhaupt die Gleichgültigkeit elften Jahrhundert. Die dort aufbewahrten Manuskripte der Zliade, unserer Regierung in Betreff der Bücher einen hohen Grad erreicht der Cyropädie, des Demosthenes, Herodot, Hippokrates, Euripides zc., hat. Als wir vor einiger Zeit die öffentliche Bibliothek in Athen be meiftentheils mit Scolien versehen, find neueren Ursprunges. Eine

Eine suchten, fanden wir einen Haufen Bücher auf dem Boden umberliegen, Handsdrift aus dem elften Jahrhundert, mit den Reden des Gregor und die Bibliothekare flagten, daß fie feinen Plaß hätten, um fie von Nazianz, enthält auf jeder Seite die dönsten Bilder. Alle diese aufzustellen. Nach ihrer Erklärung brauchten sie zu diesem Zwede Handsdriften der Bibliothek des heiligen Grabes fand Core in einem acht. bis zehntausend Drachmen. Es ist in der That unerklärlich. schönen Saale mit eisernen Thüren sorgfältig verwahrt; aber weder Die Griechen und die Philhellenen schenken uns fortwährend Büder; hier noch sonstwo fand er die geringste Geneigtheit, die Handschriften so daß wir bereits eine werthvolle Bibliothek von mehr als hundert zu verkaufen. „Vor einigen Jahren“, sagte man ihm in dem Kloster tausend Bänden befißen, aber — fie find dem Verderben ausgesegt." des Kreuzes in Jerusalem, ,,hätte man sie eber bergegeben, weil man

6. ihren Werth nicht fannte; aber nun, da man ihn fennt, ist dies unmöglich." - ,, Und wenn du sie mit Gold aufwögeft“, sagten die

Mannigfaltiges. Mönche des Klosters Saba am Todten Meere zu dem Engländer Core, Calderon's Haus in Madrid. Im Londoner Athenaeus ,,wir würden sie dir doch nit überlassen.“ Ebenso äußerten sich lesen wir: ,, Die Spanier, die felten oder niemals lesen, kümmern sich auch die Mönche der Insel Patmos. In Ansehung der vorhandenen

In Ansehung der vorhandenen auch wenig um ihre literarischen Berühmtheiten, mögen diese nun les 131 Handschriften übertrifft die Kloster-Bibliotbef dieser ebengenann- bend oder todt sein. Deshalb wundert es uns auch nicht, zu erfabren, ten Insel alle übrigen, theils was das Alter, theils was die Schön- daß die Regierung in ihrem Eifer, Madrid zu verschönern, das Haus beit derselben betrifft ; aber mit Ausnahme febr weniger, wie des Nr. 95 in der Calle Mayor - ein Haus, das jeder englische Ver. Diodorus Siculus (Bud XI – XVI), der Physik des Paulus Argi. gnügungsreisende aufsucht und vor dem er den Hut abzieht, weil bier neta, des Ajar und der Elektra von Sophofles, und einiger anderer, ein unvergänglicher Genius gewohnt

ein unvergänglicher Genius gewohnt – abzureißen befohlen hat. Man find es nur kirchliche Handschriften. Besonders bewunderte der Unter- braucht eine neue Straße, und darum kann man Calderon's Haus nicht bibliothefar der Bodleianisden Bibliothet daselbst eine Handschrift länger brauchen. Inzwischen ist ein Aufruf an die Presse ergangen, daß vom Buche Hiob auf Pergament in Groß- Folio, aus dem siebenten sie sich dieser Reliquie eines Mannes annehmen möge, der dem spaniober achten Jahrhunderte, mit Figuren und mit Uncialbuchstaben, auch den Namen so viele Ehre gemacht. Wir wollen seben, welchen Er. mit Scholien aus den Kirchenvätern, jedenfalls eine der werthvollsten folg dies haben wird." Handschriften dieser Gattung.

Unter jenen Handschriften der Kloster -Bibliothek auf der Insel Neue Erwerbungen der faiserfidhen, öffentlichen Bi. Patmos, die Core namentlich verzeichnet, sind zwei aus dem elften bliothek von St. Petersburg. Diese Bibliothek ist fürzlich mit Jahrhunderte, die durch ihre Aufschriften das Interesse der Forscher einer Anzahl sehr seltener Werte und Handsdriften bereichert worden. erregen. Die erste, deren Verfaffer sich nicht genannt hat, ist zwar unter Anderem befindet sich darunter eine zu Benedig im Jahre 1506 nach ihrer Aufschrift kirchengeschichtlichen Inhalte, e$ fteht aber ein gedrudte Hussiten-Bibel in tschechischer Sprache. Ferner ift in die Kapitel voran: llegi twv 'Ayapıwv étudnuoúviwv žy Kwvçurtivov. Bibliothek eine literarische Zeitsdrift aufgenommen worden: ,,Die TÓNEL", welches also anhebt: „O oớv Mavouhuas, xafwç úvwrégw Ameise", die bisher für das große Publifum nicht vorhanden war tioniui, tņu "Abudov xarahapur(„, Nachdem aber Mansalmas, wie und im Jahre 1831 (also im Jahre der polnischen Revolution) ,, von im Dbigen erzählt worden, Abydos eingenommen hatte"), und es hat einer unbekannten Gesellschaft von Nichtgelehrten" herausgegeben also den Anschein, als diene dasselbe zur Auftlärung eines Theiles wurde. Der eigentliche Gründer und Herausgeber dieses fleinek der mittelgriechischen Geschichte. Der Verfasser der anderen merkwür- Journales war jedoch der berühmte Dichter Jukowskji, damals Lebrer digen Handschrift versucht darin den Beweis zu führen, őri où des Großfürsten Alerander, des jeßigen Kaisers. Seine Mitarbeiter γάμος αύξει το ημέτερον γένος.

waren mehrere Mitglieder der kaiserlichen Familie und einige bepers In einem Kloster auf der Insel Kreta fand Core eine Hand- zugte Männer des faiserlichen Hofes. Es versteht fich von felbft, dass fdrift aus dem sechzehnten Jahrhundert mit Lebensbeschreibungen der diese Blätter bisher auch keine anderen Leser als die vertrauteften

Personen aus den Umgebungen der faiserlichen Familie gehabt habes. *) , Report to Her Majesty's Goveroment on the Greek Manuscripts yet remaining in Libraries of the Levant”. By 11. 0. Coxe, M. A., Deshalb bilden sie denn auch iegt einen der gesuchtesten Gegenstände Sub- librarian of the Bodleian Library. London: 1858.

der großen öffentlichen Bibliothek von St. Petersburg.

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gewesen. Inbessen fann dies nur als ein untergeordnetes Motiv Sürtei.

ihres Fanatismus betrachtet werden, wie das Beispiel der Albanesen

zeigt, welche ebenfalls Renegaten sind und zwar viel spätere als die Der Muhammedanismus in Bosnien. *)

Bosniafen,) welche aber, wie schon gesagt, feinesweges denselben Die Einwohner Bosniens zerfallen, nach ihrer eigenen Eintheilung, Fanatismus an den Tag legen. Die Hauptquelle ist ohne Frage wie nach der offiziellen Classification, in drei „ Nationen“, obgleich in dem Naturel des Flavischen Volføstammes zu suchen. Die unfie alle zu demselben slavischen Voltestamme gehören nnd dieselbe glaublichen Grausamkeiten, die in der legten Zeit in Bosnien beSprace reden. Die drei Rationen sind: Türfen, b. i. Muselmänner, gangen wurden, entsprangen einzig und allein religiösem Fanatismus. Lateiner, d. i. Katholifen, und Serben oder Orthodore.

Im Gegensaß zu den Arabern und Osmanli, wehrten die bosnischen Den Kern der muselmännischen Bevölkerung bildet die Arifto- Muselmänner den Christen, Kirchen zu haben und ihren Gottesdienst fratie die Bego (Gutsherren) und die Aga's (Herren im au- zu verrichten. Die alten Kirchen wurden fast alle zerstört; nur wenige gemeinen). Dem Adel, der nach der Eroberung des Landes durd blieben in Gegenden übrig, wo die Muselmänner nicht sehr zahlreich Muhammed II. zum Islam überging, fdloß fich eine zahlreiche Diener waren, z. B. in der Herzegowina und in einigen Theilen des nörde schaft an, die noch jeßt jeden reichen Beg oder Aga umgieht, obwohl lichen Bosniens; neue durften nicht gebaut werden, bis die türkische

fie der persönlichen Freiheit genießt; von den Landleuten folgte nur Regierung im Jahre 1851 ihre Autorität in Bosnien wieder herstellte ¿ ein kleiner Theil dem Beispiel des berrschenden Standes. Endlich

Endlich und die Eigenmächtigkeit der dortigen Muselmänner zügelte. Vor : besteht die Mehrzahl der städtischen Bevölkerung in Bosnien aus dieser Zeit famen in den mittleren Distrikten Bosniens, wo das 1 Mufelmännern, die aber keine eigene Klasse bilden; die Städter find muhammedanische Element am stärksten ist, d. h. in den Sandschafs

gleichfalls Bego oder Aga's, die das Stadtleben dem Aufenthalt auf Sarajewo und Trawnik, auf 140— 150,000 Christen nur eine einzige ihren Gütern vorziehen, und ihre früheren Hofbedienten und Bauern, orthodore Kirche und drei fatholische Klöster, die sich fraft besonderer die nach der Stadt übergesiedelt sind und sich dort mit dem Handel Privilegien erhalten hatten. Die bosnischen Muselmänner bemühten beschäftigen oder ein Gewerbe treiben.

sich in jeder Weise, die Christen zu ihrem Glauben zu befehren, inDer Muhammedanismus in Bosnien ist eine hödyst merkwürdige dem fie Knaben und Mädchen mit Gewalt raubten und ihre Hartund eigenthümliche Erscheinung. Nur zwei Länder in der Welt, nädigteit nöthigenfalls durch die Folter brachen. Aber nicht allein in

Albanien und Bosnien mit der Herzegowina, bieten das Beispiel eines Bezug auf Andersglaubende zeigt sich dieser Fanatismus der muhamè europäischen Voleftammes dar, der sich zum Islam bekennt. Aber medanischen Slaven. Da fie sich selbst für die Säulen des Islam

zwischen Albanien und Bosnien ist in dieser Beziehung ein wesentlicherhalten, bliden sie auf alle übrigen Moslem mit Verachtung, als auf Unterschied. Für den Albanesen, dem jede Religion gleichgültig, ist ungetreue Diener des Propheten. Der Osmanli, besonders in seiner der Islam nur eine äußere Form, die er acceptirt hat, um den Macht- neuen, halb-europäischen Kleidung, ift in ihren Augen nicht viel besser, habern gefällig zu sein. Der albanesische Muselmann ist vor allem als ein Giaur; wenn er nur die geringste Duldfamfeit gegen die Albaneser, und der muhammedanische Glaube ist für ihn blos Neben- Christen an den Tag legt, so bassen sie ihn als einen Verräther an sache. Der bosnische Slave hingegen, der im Anfang gleichfalls nur seinem Glauben. Das Eindringen des christlich-europäischen Elementes, des weltlichen Vortheils halber fich dem Jslam zuwandte, ist von vor dem die alte muselmännische Abgeschlossenheit allmählich zusammenseiner neuen Religion in so hobem Grade burchdrungen worden, daß sinkt, halten sie im Ernst für ein Anzeichen des nabenden Kiamet oder fie das Haupt-Element seines Lebens bildet; für sie hat er jeglicher Weltunterganges, der nach ihrer Meinung in dem Augenblic einGemeinschaft mit seinen Stammverwandten entfagt und eine Natios treten wird, wo die Giaurs völlig die Oberhand über die Muhamnalität angenommen, die ihm völlig fremd war; der Slave ift Türke medaner gewinnen, was, wie die gläubigen Bosniafen sagen, am geworden.

Solusie des jebigen, dreizehnten, Jahrhunderts ihrer Zeitrechnung zu Nachdem der Jelam so tiefe Wurzel in diesem Boden gefaßt, gewärtigen ist (gegenwärtig befinden wir uns im Jahre 1273). ES mußte er auch seine Früchte zeigen. Raum dazu hatte er genug; seit ist seltsam, daß der Islam in diesem, von seinem Mittelpunkt so entbeinahe vier Jahrhunderten herrscht er unumschränkt über ein großes fernten Winkel Europa's, auf slavischem Boden, fein leßtes Bollwerk und schönes land, in seinen Händen sind alle Befigungen, alle gegen die ihn zernagende Macht der Zeit gefunden hat; nodim Reichthümer und alle Gewalt, und er verfügt über die Arbeit von Jahre 1851 kämpfte Bosnien gegen die türkische Regierung im Namen 600,000 ihm unterworfener Chriften. Wodurch hat sich nun der des muselmännischen Glaubens. 36lam-auf slavisdem Boden gekennzeichnet? Durd Fanatismus und Aber der Islam, der die reiche Bildung Arabiens und der Mangel an geistiger Kraft. Die slavische Raçe ist im Allgemeinen neueren Perser erzeugte und den Türken eine Periode des Glanzes vielleicht nicht sehr zum Fanatismus geneigt, aber sie hat eine leiden- gab, ist auf slavischem Boden unproduktiv geblieben. Die Hauptursache schaftliche Anbänglichkeit an den Glauben, den fie zu dem ihrigen ge- liegt wahrscheinlich darin, daß der Geist dieser Religion dem Naturel macht. Ist dieser Glaube feinem Wesen nach fanatisch, fo bemächtigt der slavisden Kaçe widerstrebt. Einige Institutionen des Muhamder Fanatismus fich auch der Slaven und steigert sich dann bei ihnen medanismus, wie die Polygamie und Absonderung des weiblichen Geo bis zu den folossalften Verhältniffen. So wußten die Jesuiten einft schlechts, haben fich überhaupt in Bosnien nicht einbürgern können. Polen zu fanatisiren, und so hat der Islam aus den Bosnialen Die Vielweiberei bildet dort eine Ausnahme, und man kann sagen, vielleicht noch größere Fanatiker gemacht, als es die Araber oder daß solche Fälle den ftrenggläubigen Bosniafen ein Aergerniß sind; Lürfen je gewesen sind. Außer diesem Einfluß des muhammedanischen die Einsperrung der Frauer beginnt bei ihnen erst nach der VerGlaubens selbst auf den slavischen National - Charakter, hat möglicher- beiratung.

(Schluß folgt.) weise noch eine andere Ursache dazu beigetragen, den Fanatismus der

Frankreich. bosnischen Mufelmänner anguftacheln - der Geist des Renegatenthums. Ein Renegat wird unwillfürlich zum Fanatiker feiner neuen

Die liberale Schule der Franzosen. Religion, um feine Abtrünnigkeit in seinen eigenen Augen zu recht

(Sdluß.) fertigen, und die bosnischen Mufelmänner erfennen sich noch heute als Für uns ist die Geschichte die unmittelbare Ansdauung des GeRenegaten, obgleich ihre Apoftafie schon vor einigen hundert Jahren (debenen der Vergangenheit

; aber diese Anschauung kann eben nur ftattfand; sie erinnern es sich noch lebhaft

, daß ihre Vorfahren Christen die Erörterung und Auslegung der Denkmäler verschaffen; wie gern *) Nach einem Auffage des Herrn Hilferding: ,, Bosnien zu Anfang

gäbe man die ganze schöne Profa des Livius für einige Dofumente Anfang des Jahres 1858", im 7. Heft des BBCmhikb (Anzeiger) der rus *) Die Befehrung der Albanesen zum Jelam fällt hauptsädlich in das firden geographischen Gesellschaft.

siebzehnte, zum Theil erft in das aditzehnte Jahrhundert.

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bin, die ihm vorgelegen und die er auf so seltsame Weise entstellt jenige, der im Auftrage des Staates, und folglich abhängig von seinem hat. Briefsammlungen, Depeschen, Ausgaberechnungen, Karten, In- Auftraggeber, das Amt verwaltet. fdriften sprechen eine zuverlässigere Sprache, als die schmuckreichste Dasselbe läßt sich von der ausübenden Gewalt behaupten. Die Erzählung.

feudale Auffassung, nach welcher der König seine Krone durch, der Der liberalismus, der sich einzig auf die Prinzipien der Ver- Unterthan seine Freiheiten gegen das Recht des Schwertes besaß, if nunft zu gründen vermeint, glaubt gewöhnlich die Tradition entbeh- das Widerspiel der Vernunft. Die Geschichte beweist aber, daß jene ren zu können. Darin liegt sein Irrthum. „Mit den Galliern und Auffassung, troß ihrer Ungereimtheit, den besten Staat, den die Franken sind wir hoffentlid fertig", sagt de Sacy. ,,Ob unsere Freie Welt gekannt, erzeugt hat, und daß das Uebergewicht der neuen beit von den Germanen, oder anderswoher stamme – was liegt gegen die alte Civilisation gerade davon herrührt, daß das Königthum daran? Das Kind ist geboren; es ist jeßt groß und stark. Wenn ein Jahrhunderte lang als eine große Meierei angesehen wurde, mit der Boulainvilliers heutzutage im Namen seiner fränkischen Vorfahren die man abgefunden war, wenn man seinen auf Herfömmlichkeit ober Rechte der Eroberung anspräche, so würden wir ihm antworten, daß Staatsgefeß beruhenden Pachtzing abgetragen hatte. in den Jahren 1789 und 1830 die Besiegten, die Römer, die Leibei Um dieses Gesetz der Philosophie der Geschichte in feinem vol genen, Wiedervergeltung geübt haben und ihrerseits die Eroberer und Yen lichte zu sehen, muß man China studiren. China ist seit den entSieger geworden.“ Aber mit Nichten! Weber 1789 noch 1830 ha- legensten Zeiten die Fleischgewordene rationelle Geselsdaft, auf Gleichsben vermocht, die Freiheit zu gründen, so wenig, wie es eine vor tau- heit, Gesammtmitwirkung und verständige Administration gegründet. send Jahren bon den Barbaren ausgegangene Thatsache, wie es eine Daß ,, Isdhën -li", eine Art Hof- und Staatshandbud aus der Zeit der durch die empörten Barone abgezwungene Magna Charta, wie es eine Tscheu, im zwölften Jahrhundert v. Chr., läßt in dieser Beziehung dem umsichgreifenden Königthume auferlegte Demüthigung, wie es Alles, was nur die bureaukratischften neueren Staaten versucht haben, ein tapferer Widerstand der Städte zur Vertheidigung ihrer Gerecht weit hinter sich. Der Kaiser und die Lehnfürsten werden durd Re: same zur Stunde vermöchten. Wenn Gallien, statt seines angebornen ligions - Gebräuche und Censur, die Beamten aller Grade durch die Hanges zur Gleichheit und Einförmigkeit, nur einen Funken Sinn für hierarchische Abhängigkeit und ununterbrochene Aufsicht, das Vore durc provinzielles und städtisches Wesen gehabt hätte; wenn starke Körpere den Unterricht, den zu ertheilen der Staat allein berechtigt ist, in fchaften, wie die italiänischen Gemeinden oder die deutschen Gilden, Zaum und Schranfe gehalten. Das ganze System beruht auf der sich auf dem französischen Boden hätten bilden können; wenn Lyon, einzigen Idee, daß der Staat die Pflicht habe, für alles zu sorgen, Rouen, Marseille ihren caroccio (Heerwagen), das Sinnbild ftädti- was zur Wohlfahrt Aller beitragen kann. Man denke sich die Afascher Unabhängigkeit, beseffen bätten: die Centralisation der Verwaltung demie der moralifñen und politischen Wissenschaften und die franzöwäre nimmer in's Leben getreten; Philipp des Schönen, Ludwig's XI., fische Akademie in Ministerien umgewandelt, so daß das eine das Richelieu's, Ludwig's Xiv. despotische Bestrebungen hätten sich an je. Geiftesleben, das andere das Sittenleben verwalte, und man hat ein nem Damme gebrochen. Die Revolution wäre weder möglich, noch richtiges Bild von der Gesammtverfassung China's. Hier war das nöthig gewesen. Der Irrthum der liberalen Schule besteht in ihrem Ideal, wovon eine gewisse Shule träumte: die administrative Regel zu weit getriebenen Glauben, es sei leicht, die Freiheit durch Reflerion für die Thätigkeit der Geifter längst eine Wirklichkeit. Als die jes zu fchaffen; sie sieht nicht ein, daß eine Stiftung nur dann fest ift, fuiten Khien-long die Frrthümer der chinesischen Astronomie nahwiewenn sie in der Geschichte wurzelt. Beherrscht von einer Idee, wie fen, weigerte sich der Kaiser, diese berichtigen zu lassen; denn burd sie seit undenklichen Zeiten China regiert, von der Idee, daß der diese Reform wären die klassischen Bücher fehlerhaft und die Einfühbeste Staat der zu seiner höchsten Wohlfahrt verständig organisirte rung neuer Wörter nothwendig geworden. Was ist nun aus dieser fei vergaß sie, daß die Achtung vor den Individuen und dem bes anscheinend so vernünftigen Drganisation hervorgegangen? Ein Zustehenden Rechte so hoch über dem Glück der Gesammtheit stehe, wie stand der Verkümmerung ohne gleichen in der Geschichte: ein Reich ein moralisches Interesse ein rein zeitliches Interesse überwiegt. Sie von 150,000,000 erwartet von etlidhen tausend Barbaren, daß fie ihm fah nicht, daß aus allen ihren Anstrengungen nur eine gute Verwaltung, Lehrer und Wiederhersteller zuführen. China wird das erfahren, was niemals die Freiheit hervorgehen könne, da die Freiheit ein früheres das römische Reich bei dem Hereinbruch der germanischen Barbarer und höheres Recht, als das Staatsrecht, feine Erklärung aus dem erfuhr. Jeder Staat, der die fittlichen Interessen und die freie That Stegreif, keine philosophische, mehr oder weniger bündige Schlußfol- der Individuen dem Wohlstand opfert, entfernt sich schnurstrads in entgerung zu ihrer Quelle bat.

gegengesegter Richtung von dem Ziel, das er fich gestedt: ein zäh! Zwei politische Systeme find es, die sich ewig in die Welt thei- ges Häuflein thatkräftiger Männer, von außen oder von innen, reic Yen werden: das eine fußt auf das abstrakte Recht, das andere auf hin, ein Land umzukehren, das gegen Alles, außer der Ruhe, gleichgül. früheren Besit. Frankreich, das Land der Logit und der großmüthis tig geworden. gen Ideen, hat das erstere vorgezogen. Wer dürfte ihm daraus Wie versessen man auch heutzutage auf die Barbaren und die einen Vorwurf machen, da es diesem gloriofen Mißgriff den Glanz leis Barbarei ist“, sagt de Sacy, , unverkennbar bleibt unsere Civilisaner Geschichte und die Sympathie des Menschengeschlechts verdankt! tion römisch, unsere Centralisation römisch, unsere Gefeßgebung und Atein gerade dadurch, daß es in aller Ehrlichkeit an der Freiheit der unser Schriftthum römisch; der römische Geist hat endlich den barbagesammten Menschheit arbeitete, machte es sich die Gründnng seiner rischen überwunden.“ Richtig. Das ganze Geheimniß der französieigenen Freiheit unmöglich. Leibeigene, die ihre Freiheit pfennigweise schen Geschichte liegt in dem Kampf des gallo-römischen gegen den erkauften, haben es nach Hundertjährigen Anstrengungen endlich dahin germanischen Geist (den de Sacy den barbarisden nennt). Der Gallier gebracht, daß fie in neueren Zeiten freier waren, als die Nation, die verabscheute die getheilte Souverainetät, die dem Feudalwesen zum fchon im Mittelalter die Menschenrechte verkündete. ) Die Sohritt Grunde liegt, und trachtete unablässig, auf die gleichmachende Verwal. für Soritt erworbene oder abgerungene Freiheit ist weit dauerhafter, tung des Römerreiches zurückzukommen, nicht auf die unter den ersten als die Naturfreiheit. Man wollte das abstrakte Recht gründen, und Cäsaren, wo sie noch ein gewisses aristokratisches Gepräge an sich trug, gründete die Knechtschaft

, während die hohen Barone Englands, nichts fondern wie sie in den Zeiten Diocletian's, der ihm stets als Muster weniger als großherzig und helldenfend, aber unbeugsam, wenn es vorschwebte, bestanden hatte. Die französische Revolution mit ihrer ihren Vorrechten galt, durch die Verfechtung derselben die wahre Frei- Folgen ist der leßte Aft dieses Kampfes, der mit dem entscheidenden heit gründeten.

Sieg des gallischen Geiftes geendigt hat. Wohl haben sich beim Bes Auf fast allen Punkten, welche die Organisation der bürgerlichen ginn der Revolution manche germanische Elemente eingedrängt und Gesellschaft berühren, scheint die liberale Schule mehr das zu errei- ihr eine echt liberale Färbung gegeben; aber diese verlosch in dem fortdhende Ziel, als die Mittel, es zu erreichen, in’s Auge gefaßt zu ha- gelegten Kampfe und ließ den gallischen Geift mit seiner einheitlichen ben. Als sie die individuellen und Corporations-Vorrechte unter- Verwaltung und feinem Widerstreben gegen alle Unabhängigkeit in drückt hatte, konnte fie die verschiedenen gesellschaftlichen Dienstverrich aller Schärfe und Ausschließlichkeit hervortreten. Die raison d'état, tungen nur als vom Staate übertragene Geschäfte ansehen, und da zuerst von den Rechtsgelehrten Philipp’s des Schönen verkündet, be biese Beamten ihre Aemter nicht als Eigenthum und folglich nicht die kam die Oberhand über das edle Prinzip des Mittelalters, das nur Macht zum Widerstande besaßen, so ist leicht einzusehen, bis zu wel- das Recht der Individuen gelten ließ. Man braucht das Mittelalter chem Grade der Tyrannei man geführt werden konnte. Die Käuflich gerade nicht als eine Epoche vollendeter Gesittung und Glückseligkeit keit der Richterstellen z. B. ift, theoretisch betrachtet, das unsinnigste anzusehen, aber so schwarz, wie es die liberale Schule angemalt, war Ding, und dennoch bietet ein solcher Richter, der seine Stelle als Ei es höchstens in feiner zweiten Hälfte, wo die Kirche verfolgungssäch genthum inne hat und aller Furcht und Hoffnung in Bezug darauf tig und der Feudal-Adel blutbürstig wurden; in der ersten Hälfte war enthoben ist, mehr Bürgschaft für seine Unbeftechlichkeit, als ders jene eine Mutter und dieser herrschte in patriarchalischem Sinne (?):

und in den Chriftlichen Ländern, die vor den Einfällen der Sarazes) Gine Ordonnanz Ludwig's X. lautet: ,,Da nad dem Rechte der Na

nen und Normannen sicher waren, lebten die Menschen ziemlid tur Jeder frei (frank) sein soll ... haben wir, in Anbetracht, daß unser König glücklich. reich geheißen und benannt ist das Königreich der Franken, und in dem Verlangen, daß die Sache mit dem Namen wahrhaft übereinstimme, nach Anhörung

30 würde mich, fagt Renan, bei diesen geschichtlichen Subtilità unseres großen Nathes verordnet und verordnen..

ten nicht aufhalten, wenn nicht fast alle Fehler der liberalen Soul

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