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wenigen Lagen unterjochen läßt, so kann ein rein militärischer Bericht Stimmen erhoben, die unseren Goethe-Verehrern, oder Gegnern, ihre nicht genügen, um ein solches Ergebniß zu erflären."

flatschaften Traditionen nacerzählen. Das ist ja eben das Charafteristische der neueren Kriege, daß die Frankreid bleibt nicht hinter England zurüd in dieser Hinsicht; Tapferkeit der Kämpfenden, die tattil der Heerführer allein nicht noch ganz kürzlich hat die Revue des deux Mondes den Bergensroman mehr genügen, um nachhaltige Resultate zu erzielen. Während des ber armen Friederife von Sefenbeim weitläufig verarbeitet. Leider blutigften Rampfes ruhen die diplomatisden Verhandlungen, die In- bat dabei das neuefte Wert von Kretschfe sehr nabtheilig eingewirkt. triguen ber Parteien nicht, und noch che der leßte Ranonenschuß ver Er hat sich die Frevelthat erlaubt, diese liebliche Mädchenblume in baūt, die leßten Schmerzensseufzer auf den Schlachtfeldern verftummen, den Somáß der Sünde zu werfen und nachzubeten, was andere un. kommen Thatsachen zum Vorschein, um derenwillen es nicht nöthig saubere Geister über Friederitens Lebenslauf fich ausgedacht haben. war, soviel Blut zu vergießen und Opfer zu bringen, die in feinem Es existirt nirgends ein Beweis, daß sie gefallen, ja es ist durchaus Verhältniß fteben zu dem, was der Lohn des Sieges bätte sein follen. teine Wahrscheinlichkeit vorhanden, denn eine Pfarrerstochter würde Der lebte orientalische Krieg Hat dies wieder recht augenscheinlich dar- doch gewiß in folchem Fall durch ihre Angehörigen von dem Verführer gethan. Die ungeheuren Summen, welche derselbe erforderte, dad un bie Satisfaction der Ehe erlangt haben. Goethe war kein Zunfer, fägliche Elend, welchem die Truppen der verbündeten Mächte wie die wie in Bürger's Ballade, sondern ein Bürgerfind aus Frankfurt. Auch ruffisden in Maffen erlagen, damit ein paar Kriegsschiffe versenkt würde er sich sicherlich nicht geweigert haben, einen so unerhörten wurden, eine starke Festung erstürmt werden konnte, was hat dies Frevel an der Gaftfreundschaft wieder gut zu machen. Es ist unAdes genüßt? Für einen Augenblick erhob fid Frankreichs Herrscher begreiflich, wie gerade Goethe's blindefte Verehrer fich beeifern, die zum gebietenden Herrn, um nur zu bald einsehen zu lernen, welche lieblichste Jogue feines Lebens zu zerftören, durch unreine VerGefahren ihn troß seines Glanges in nächster Nähe umgaben, und muthungen zu befleden! Um sie zu widerlegen, genügt es vollkommen, die diplomatischen Berwidelungen, welche jenen Kampf hervorriefen, die Worte wieder burchzulesen, womit er selbst Friederife schildert. erschüttern heute wie damals die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Mädchenhafte Reinheit ist der Grundton ihres ganzen Wesens; eine

Daß Charras fein begeisterter Berehrer des erften Napoleon ift, fich immer gleichbleibende" harmonisch heitere Stimmung und eine spricht er wiederholentlich besonders aber am Shluß feines Wer leidenschaftslose, aber innige Wärme der Empfindung, nennt Goethe tes, aus:

den Hauptreiz dieser poetischen Erscheinung. Die beste Schußwehr ,,Es ist eines Tages so weit gekommen, daß derjenige, welcher ihrer Tugend schildert er aber in der vortrefflichen Mutter Friederifeng. Europa verwüstet, die Völfer unterbrüdt, Frankreich ausgesogen, den Das Bild dieser Frau zeugt von dem feinen Verständniß Goethe's undersöhnlichen Haß der Völker unter einander angeschürt, die Fadel, für weibliche Würde und Seelenschönheit, die er aud aus einem Mader Revolution ausgelöjdt und unser Vaterland mit der Verfassung tronen - Antliß herauslesen konnte. und den Mißbräuden der alten Monarchie wieder beglückt hatte, daß Die Eriftenz dieser Mutter wird von Knetschfe, Weil, Näfe, und er, fag' ich, für den Befreiungsengel der Nationalitäten, für den wie die übrigen falschen Interpreten der Gesenheimer 3dytle beißen Meffias des Fortsdrittes, der Civilisation angesehen wurde.

mögen, gänzlich ignorirt. Des Pfarrers Tochter von Taubenheim, , Man fommt von diesen unglaublichen Zrrthümern zurück, und die ihnen vorgeschwebt haben mag, war von Bürger ganz folgerichtig das ist ein Glück zu nennen. In dem Ende Napoleon's erblidt man alé mutterlos dargestellt. Uebrigens hat Goethe fich auch keiner eine Züchtigung, welche die Vorsehung ihm angedeihen ließ, eine Sühne junferhaften Verbrechen souldig gemacht, wie schon die Abschiedsseene die von Rechts wegen nothwendig war.

in Sesenheim beweist, wo die ganze Familie friedlich und freundlich ,, Ade Religionen stimmen darin mit einem dem Menschen an. neben seinem Pferde steht, Friederife reicht ihm arglos die Hand gebornen Gefühl überein, daß in einem jenseitigen leben die Hande hinauf, und als höchsten Affekt führt Goethe an, daß ihre Augen ein lungen der Menschen ihren Lohn wie ihre Strafe finden werden. Das wenig feucht wurden! ist ein allgemeiner Glaube, der die Gerechten, die Unterdrüdten tröstet Würde man fo barmlos und ruhig den Zerstörer eines Mädchen. und der mensdlichen Gesellschaft Schuß und Schirm gewährt. Sieht lebens entlassen? Auerdings hatte Goethe ein Unrecht begangen, indem man jedoch, daß die Verruchtheit oft lange binduro triumphirt, barn er durch sein Benehmen Friederiken und ihren Aeltern gegründete wird selbst bei den Festesten jener Glaube erschüttert und Zweifel Hoffnung machte, demnächst als regelrechter Freier bei ihnen aufbemästigen sich der Gemüther. Da ist es denn vor Allem heilfam gutreten. Zu stolz und zu bescheiden, um sich dies merken zu laffent, und angemessen, wenn schon hier auf dieser Erde diese großen Bere verharren die ehrlichen leute in ruhiger Freundlichkeit, während Goethe brecher an der Wohlfahrt der Völker und an der Humanität, diefe etwas beflommen von dannen zieht. Er war noch zu jung, um sich zu ebrgeizigen Friedensstörer, welche die Völfer ihrer Selbftfucht opfern binden, die Zukunft lag noch zu verlodend vor ihm; er berließ das und durch Eroberung Unheil über sie bringen, von der Höhe in den Gute, um in die Ferne zu schweifen und das Beffere zu suchen. Aus Abgrund gestürzt werden.

eigensüchtigen Beweggründen hat er das Band gelöft, welches ihn ,,Sie nun noch beklagen, das hieße einem falschen Edelmuth an die bolde Friederike fnüpfte, die ihm geistig so ebenbürtig war. nachgeben, die Gerechtigkeit des Himmels beleidigen und diejenigen Dafür verfiel er später der Nemesis in Gestalt von Chriftiane Vulpius, ermuthigen, welche ihnen nachahmen wollen.

neben beren untergeordneter, ungebildeter Natur er sich immerbar 1130 für meinen Theil spreche e$ offen aus, daß ich Napoleon, geistig vereinsamt fühlen mußte. wie er mitten im Meer an einen Felsen geschmiedet ist, trođenen Es gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der meisten Goethe dett Auges betrachte; ich spare meine Thränen für diejenigen, welche die Biographen, daß fie bie edlen Frauen, mit denen er verfehrte, herabOpfer seines Ehrgeizco wurden. Ich habe sie vergossen, als ich die feßen und schmähen, während sie Christiane Vulpius preisen. Aber Felder betrat, wo Tausende der Soldaten ruben, die unter der Fahne was man auch sagen mag, eg ift unumstößlich wahr, daß gerade die Frankreichs fielen und hier bestattet wurden während eines zeitweiligen Verbindung mit ihr an der Verknöcherung seines Herzens und der Triumphs oder während einer Niederlage von langdauernden Folgen Verödung seines Hauses Schuld war.

„Noch lastet biefe Niederlage auf unserem Vaterlande; wir dürfen Bei dieser Gelegenheit müssen wir aud ausbrüdlich Proteft einuns dies nicht verbergen; denn man fab ganz Frankreich in leßter legen gegen die Beschuldigung, welche den deutschen Frauen durch den Anfrengung lämpfen oder that zum mindeften so, als wäre dies der Engländer Lewes gemacht wird. Er behauptet, daß fie die Ehe Fall dort, wo nur ein Mann und eine Armee den Kampf bestanden; Goethe's mißbilligt hätten, weil bie Vulpius den Weimarschen Damen ein Mann, deffen militärisches Genie unter den Erzessen bes Despo nicht vornehm genug gewesen sei. Der Grund ihrer Mißbilligung tismus verloren gegangen war, eine Armee, schwad an Zahl und ent- lag aber doch viel näher, und ein Bewohner des sittenftrengen Engblößt von allen Reserven, weil man bei der Organisation der Ver- lands hätte ihn wohl bervorheben können. Wäre Goethe's Ehe untheidigung mit unerhörter langsamkeit zu Werke ging, und weil man gefähr vierzehn Jahre früher geschlossen, fo würden bie Damen von vor allem eine zweideutige Politik befolgte, die schmadhvol alle Eners Weimar seine Frau nicht verachtet haben, und-fie würde bei der angie unterdrüden mußte.

erkannten Bildungsfähigkeit der weiblichen Seele auch noch im Stande Das Volt fab den Kampf; e$ durfte an demselben feinen An- gewesen sein, ihrer Stellung gemäß fühlen und denken zu lernen, theil nehmen."

Aug. Geyder. während sie durch die Schmuch ihrer wilden Ehe ftets von allem Unte

gange mit gebildeten Frauen ausgeschloffen war. - So rädyt fidh jede

Schuld auf Erden. Daß die Schwäche des großen Dichters von seinen Mannigfaltiges.

Verehrern nicht hervorgehoben wird, ist verzeihlich, aber eine förmliche Goethe und die Frauen. Die ausländischen Literaten bes Apotheose derselben zu versucheu, ftreitet gegen alte poetische Gerecha ginnen jeßt mit demselben Eifer und Kleinigkeitsgeist, wie die inländic tigkeit

. Daß Goethe einer solchen anheimgefallen, als er seine Freiiden, den Verhältniffent nadzuspüren, in welden Goethe mit der beit an Christiane Bulpius verlor, wer möchte das leugnen? Diese Frauenwelt geftanden. Namentlich haben sich bei Gelegenheit der Freiheit, die er so ängstlich hütete vor den edelften Frauen, Friederike zahlreichen Rrititen über das Wert des Engländers Lewes eine Menge von Sesenheim an der Spiße!

8. D. $.

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fern, unter denen fie leben, bedingten Färbung, sowie in ihrer gleich Sürkei.

wohl auch burch die einheitliche Gottes-3bee, von der Fre getragen

werden, hervorgerufenen Uebereinstimmung, das Interesse jedes MenDie Juden im Drient, nach L. A. Frankl.

sden-Beobachters erregen, giebt der Verfasser auch ein von Geift Dr. Ludw. Aug. Frankl, der Dichter des , Christoforo Colombo" und Kentniffen zeugendes Urtheil über Zustände und Menschen im und des Habsburglied", erhielt im Jahre 1856 von einer gottes- Orient, namentlich in Griechenland, in der Türkei, in Klein-Asien, fürchtigen, wohlthätigen Dame jüdischen Glaubens, der Frau Elife Syrien und besonders in Palästina ab - ein Urtheil, das in vielen Herz, geb. Ebeln s. lämel in Wien, die ihrem verstorbenen Vater, Beziehungen von dem anderer Reisenden abweicht. einem baselbst und in Prag anfäffig gewesenen Handelsherrn, ein in Der erste Band ist zunächst der Reise auf einem österreichischen seinem religiösen und menschenfreundlichen Sinne ausgeführtes Denk- Lloyd- Dampfer von Triest nach Korfu und Athen, sowie von da nach mal feßen wollte, den Auftrag, in Jerusalem eine Kinderbewahr-An. Syra, Smyrna und Konstantinopel gewidmet. Von der leßtgenannten ftalt für Ffraeliten zu begründen, in welcher jedoch - ,, wenn fein Hauptstadt trug der Lloyd-Dampfer, dessen Einrichtungen zum Zwede Hinderniß dagegen von der einen ober anderen Seite obwaltet" - der Touriften der Reisende nicht genug zu rühmen weiß, denselben über auch Kinder christlicher und muhammedanisder Aeltern Aufnahme und Mytilene, Samos, Rhodos und Cypern nach den Rüften Syriens, Schuß finden sollen. Die wohlthätige Frau hat zu diesem Zwede wo er drei Tage auf dem Libanon zubrachte. Ebenso verweilte er in ein Kapital von fünfzigtausend Gulden ausgeseßt, deffen Zinsen, zu Beirut, Damaskus, Baalbek und Tripolis, bevor er dem Ziele feiner 41 Prozent jährlich, jenem menschenfreundlichen Zwede gewidmet sind. Reise, Jerusalem, fich näherte, welchem legteren und seinen Um,,Die Zahl der aufzunehmenden Kinder, so heißt es in der Stiftungse gebungen der ganze zweite Band gewidmet ift. Ate jene Punkte, bes Urkunde, ,, wird fich nach Verhältniß der Erhaltungskosten zu den fonders aber die Hauptstädte Athen, Konstantinopel und Damaskus, Zinsen des Stiftungskapitals richten. Die Kinder, die vom Morgen sowie der Libanon, werden in eingebendfter, ebenso dichterischer als bis zum Abend in der Schule zu verbleiben haben, folien ein wissenschaftlicher Weife von ihm geschildert. Hauptsächlich sind es einfaches und gut nährendes Mittagemahl, und die völlig armen auch allerdings die Juden, die er aufsucht und deren Zustände er darstellt, Bekleidung erhalten. An dieser Rinderbewahr-Anstalt, welche, je nach aber wo wäre dieser lebhafte, geschäftsvolle und geistig stets bewegte den sich ergebenden lokalbedingungen, in einem eigens, anzukaufenden Theil der Einwohnerschaft wohl von dem Lande und allen seinen oder in einem gemietheten Hause und Garten sich befindet, foll ein anderen, treibenden oder getriebenen Elementen irgendwie loszulösen? Mann angestellt werden, der, mit den nöthigen speziellen Kenntnissen Selbst im Orient ist das Zudenthum mit den Nationalitäten, unter ausgerüstet, wenigstens der hebräischen, arabischen und deutschen, mög- denen es lebt

denen es lebt - obwohl fie fich fämmtlich gegenfeitig mißachten -lichst aber auch der italiänischen Sprache fundig und ein Mann von so serwebt, daß auch dort ein Wiederzusammenwachsen des jüdischen vorzüglicher Moralität und Religiofität ist. Er muß verheiratet und Volksthums, die Wiedererwedung eines jüdischen Staates, nicht als seine Gattin geeignet fein, ihn als Lehrerin und Kinderbewahrerin zu eine Eventualität erscheint, welche die Vorsehung für eine von menschunterftüßen. Ein Arzt soll die Verpflichtung haben, in der Anftalt licher Berechnung zu überschauende Zukunft im Auge hat. selbst die Sanität zu überwachen."

Am allerwenigften aber glaubt man in Palästina felbft an die Am 11. März 1856 trat Herr Dr. Frankl, mit Empfehlung - Möglichkeit einer Wiedervereinigung des Volfes, dem Gott einst dieses briefen des faiserlich öfterreichischen Ministeriums der auswärtigen Land zum Erbe verliehen hatte. Dort sind die Juden so verkommen Angelegenheiten an die faiserlichen Konsulate in Syrien und Aegypten, und verkümmert, die Gemeinden stehen einander, nach ihren verschiebesowie ausgerüstet mit warmen Befürwortungen seiner Sache von nen aschfenafisden (Deutsch-polnisch-russischen), Tephardischen (türkisch Seiten der einflußreichften Autoritäten in jüdisch-theologischen Dingen, portugiesisch-spanischen) und asiatischen Nationalitäten, fo feindselig seine Reise nach dem Orient an. Ihm voraus war allerdings der gegenüber, Pharisäer (Peruschim), Effäer (Chassidim) und Epifuräer religiöse Zelotismus geeilt, der, wie in allen jüdischen Gemeinden, (Epiforsim) hassen und verfolgen einander so gründlich, daß an eine auch in der Wiener seine geschäftigen Vertreter hat, und der, unter Auslöhnung der Parteien nie zu denfen ist. der Maske konservativer Sdwärmerei für alte Saßungen, das Unter Daß Herr Frankl, feinen politischen Anschauungen und seiner nehmen der gottesfürchtigen Tochter in Wien und ihres Bevollmäch patriotisden Gesinnung nach, ein echter, nirgend fich verleugnender tigten als ein Attentat gegen die geheiligten Vorschriften des Juden- Defterreicher ift, thut der Unparteilichkeit feiner Darstellung keinen thums denunzirte. Durch diese verleumderischen Vorläufer war in Abbruch. Mit dankbarer Anerkennung hebt er die Verpflichtung bera Jerusalem eine Bewegung und Aufregung der Gemüther fünstlich hervor, die er gegen den preußischen Konsul in Jerusalem, Herrn vorgerufen worden, die nachmals dem Reisenden nicht geringe Hinder- Dr. Rosen, für vielfach ihm von demselben zu Theil gewordene Bea niffe bereitete, welche jedod, besonders da ihm die Autorität der öfter. lehrung hegt. Er bemerkt bei dieser Gelegenheit (Th. 2, S. 289): Teidsischen Internunziatur in Konftantinopel und des faiserlichen „Es ist charakteristisch, daß die meisten Männer der preußischen LegaKonsulates in Jerusalem zur Seite ftand, glüdlich von ihm überwun. tion im Orient Männer der Wissenschaft waren und sind: Dr. Sulzi den wurden, so daß die fromme Stiftung in der heiligen Stadt, ganz 5. Wildenbruch, Dr. Otto Blau, Dr. W efftein, Dr. Rosen; so wie fie beabsichtigt war, zu Stande gekommen und nunmehr beo file alle, der orientalischen Sprachen, trofdem sie keine munifizente reits in voller Wirksamkeit ift.

Akademie, wie in Desterreich, darin unterstüßte, vollkommen kundig, Die Geschichte der Einrichtung dieser Stiftung zu erzählen, ein haben fich einen Namen auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft Bild der armfeligen, in den traurigsten moralischen und physischen gemacht und zur Kunde des Morgenlandes reichlich beigetragen.“ Zuständen sich befindenben jüdischen Gemeinden in Jerusalem zu liefern .. Wir wollen dem reichhaltigen Buche, und zwar sowohl dem ersten und das Leben der Judenheit im Orient überhaupt darzustellen, hat als dem zweiten Bande, einige Probeskizzen entlehnen und beginnen Herr Dr. Frankl in den vorliegenden beiden Bänden unternommen. zunächst mit folgender: Wir glauben aber, daß er nicht blos feinen Glaubensgenossen ein ana ziehendes und in mannigfadster Weise unterhaltendes Werk geliefert

1. Die Juden in Ronftantinopel. habe. Denn abgesehen von dem Judenthame, dessen über die ganze Nach den Steuerbüchern der Gemeinde zählt Konstantinopel Welt verbreitete Bekeaner in ihrer verschiedenartigen, von den Völ. 38,400 türkische Juden;.14,800 Männer, 23,600 Weiber; die Unter

thanen fremder Mächte nicht eingerechnet. Sie wohnen verstreut in *) „Nach Jerusalem!" Von Ludwig Aug. Frankl. Erster Theil: Griechen der ganzen Stadt, vorzugsweise aber in den Vorstädten: Balat 6000, land, Klein-Asien, Syrien. Zweiter Theil : Palästina. (Bildet auch zwei Bände ,,Schriften, herausgegeben vom ,,Institute zur Förderung der israeliti

in Chastöi 4000, in Peri Parda 1500, in Drtaföi 1500, in Kugschen Literatur"). Leipzig, Baumgartner, 1858.

ghundfchid 1000, u. . w.

der

· Es tommen jährlich 100 Hochzeiten, 500 Geburten, 350 Sterben mögensverhältnisse zur Seite und bilden gleichzeitig eine Religionsfälle vor.

und Sittenpolizei. Der Beschäftigung nach find fie Rentiers, Kaufleute, Wechsler, Einnahmen der Gemeinde bilden: Kleinhändler, Senfale, Plaß - Agenten, Laftträger, Kajitführer, Glas 1. Die ,,Gabela", das Recht, von jeder Dla Fleisch - die Dfa und Silbergeschirrverkäufer, Zündhölzchenbändler, Zigarettenverfertiger enthält 24 österreichisde Pfund — 25 Para, an 4 Kreuzer, für 1 Dla und dergleichen.

Käse 20, für 10 Dka Wein 5, für 1 Dfa Branntwein 10 Para VerIn großer Anzahl Handwerker, theilen sie sich verschiedenen Ge- zehrungsteuer zu beziehen. werben nach ein in:

2. Wenn ein Mädchen Braut wird, zahlt sie während der Zeit Maurer 100, Glaser 150, Nagelschmiede 400, Klempner 1000, dieses ihres Standes 24 pCt., wenn sie heiratet, der Bräutigam 1 pCt. Glashüttenbesißer 2, Spiegelverfertiger 150, Baumwollenweber 2, von der Mitgift. Seidenschnüredreher 100, Gold- und Silberschnüredreher 500, Schön 3. Wenn ein Jude dem anderen ein Haus, einen Garten oder färber 180, Shubmacher 100, Shneider 500, Kürschner 100, Golde. - ein Feld verkauft, muß der Käufer an die Gemeinde 1 pt., der Verund Silberarbeiter 150, Juwelenschleifer 1, Rubin- und Smaragden- fäufer : pCt. vom Kaufschilling geben. Wenn ein Jude seinen Befaffer 200, Fischer 900, Tracteure 100, Mehlspeisen- Ausfocher 550, fig an einen Muhammedaner oder Christen verkauft, so hat er 2 pCt. Zuderbäder 100, Branntweinbrenner 200, Tabafschueider 50, Büdsens zu entrichten. macher 100, Gewicht- und Maßverfertiger 300, Ingenieur 1, Buch. 4. Wenn ein Mann oder eine Frau stirbt und keine Kinder binder 1000, Schreiber 20, Aerzte 500, Wundärzte 40, Barbiere 700, hinterläßt, muß der fernere, erbende Verwandte 10 pCt. vom ganzen Apothefer 50, Musifanten 500, Seiltänzer 10.

Nadlaß bezahlen. Die Gemeinde wird im eigentlichen Sinne des Wortes von der Die Ausgaben der Gemeinde find uns nicht der Ziffer nach mitGeistlichkeit regiert, denn die Rabbinen wählen mit den steuernden getheilt worden, ebenso die Einnahme nicht; dode find beide sebr bes Mitgliedern der Gemeinde, nicht ohne auf diese Einfluß zu üben, deutend und jene beziehen sich auf folgende Gegenftände: die Vorfteber, deren sieben sind und lebenslänglich das Amt verwalten. 1. Die Gemeinde zahlt für alle in Konstantinopel geborenen Wenn einer stirbt, ergänzen die nachlebenden Vorsteher das Kollegium. Rabbinen und Gelehrte die Steuer.

Die Gemeinde bat zwei Besdin, Rabbiner - Kollegien, deren eines 2. Die Gehalte für die beiden Oberrabbinen und die sechs Raba seinen Siß in der Vorstadt Chasköi, das andere in Balat hat. Jedem binen, welche das Besdin bilden, für drei Kanzlisten, deren einer die der beiden Besdin steht ein Oberrabbi vor, deren einer den Titel türkische, die beiden anderen die hebräische Korrespondenz führen; für Chacham Baschi des Nischan führt, vom Drden so genannt, den er drei Steuer-Einnehmer, für die Fleisch-, Bank-, Wein- und Rafivon der Regierung beim Antritt feines boben Postens erlangt. Aufseher, für zwei Trabanten, zwei Kerferwächter und zwei Kawasse,

Dieser leitet die politischen Angelegenheiten der Gemeinde. Mit welche Leftere mit silbernen Stäben dem Chacham Basdi, wenn er ihm verkehrt die Regierung in allen Angelegenheiten, welche die Juden Besuche macht, voranschreiten. des weiten türkischen Reiches betreffen. Ihm liegt es ob, ihnen alle 3. Die Erhaltung von Talmud Thoraschulen und Unterstüßungen Befehle fundzuthun und über deren Bouziehung zu wachen.

für die Schüler der Seschibot, deren einer tausend bis funfzebnChacham Chani ist der Name des Palastes, den er bewohnt, in hundert Piafter jährlich bezieht, nehmen eine nicht unbedeutende Summe welchem sich auch noch ein Kerfer befindet. Er hat das Recht, für in Anspruch. Vergeben durch Entziehung der Freiheit zu firafen. In seinem Sipungga 4. Die kleinen Ausgaben belaufen sich auf 20 - 30,000 Piafter. Saale werden die wichtigsten Gegenstände berathen, die Berichte an Wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, so werden sie die Regierung unterzeichnet. In der Kanzlei, wo ein Register über durch eine außerordentliche Steuerumlage, ,, Aricha", gededt. Die alle türkische Juden der Hauptstadt, nebst ihrer Wohnungsangabe, Oberrabbiner und Vorsteher wählen mehrere Vertrauensmänner, welche geführt wird, werden für Diejenigen, die reisen wollen, die Päffe die Gemeindemitglieder in Beziehung auf ihr Vermögen abschäßen ausgefertigt; doch müssen sie vom Borsteber oder Chadyam des Stadt und darauf die Steuerzulage auf vier Jahre bemessen müssen. Vor theils, wo sie wohnen, ein Zeugniß bringen, daß sie mit der Ges diesem Geschäfte müssen sie jedoch vor dem Besdin einen Schwur abs meindesteuer nicht im Rüdstande und nicht im Verdachte eines Ver- legen, nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen. Wenn Einer gebens oder Verbrechens steben. Der Paß wird dann ohne aten von den Besteuerten im ersten Jahre stirbt, müssen die Erben den weiteren Anstand von der faiserlichen Regierung vidimirt. Ebenso Betrag in den folgenden drei Jahren entrichten, so, als ob er lebte. werden Käufe und Verkäufe von Häusern, Gärten oder Feldern in Wenn Einer nach Jerusalem übersiedelt, wird er als gestorben ander genannten Kanzlei abgeschlossen und von der Regierung einfach gesehen. bestätigt.

In neuerer Zeit wurde die Arida, die nur die Reichen traf, Der Chacham des Nisdan hat die Voúmacht, die Steuern der durch den Einfluß eines der Reichften abgestellt. Wer notorisch nur Juden für das ganze Reich zu repartiren, was er mit Hülfe der Rabe 10,000 Piafter befaß, verfiel der Aricha nicht. Wir wissen nicht, wie binen in den jüdischen Gemeinden, die er ernennen und abseßen jeßt die etwa die Einnahmen übersteigenden Ausgaben gedegt werden, fann, vollzieht.

Doch nicht durch Erhöhung der Verzehrungssteuer, die dem Armen Jede der Hauptgemeinden, z. B. Smyrna, Salonik, Jerusalem 2c. so drückend ist? wenn sie einen Rabbi wählt, muß dem Chacham des Nischan in Rücsichtlich der Wohlthätigkeits- Anstalten ist zu bemerken: Konstantiopel die Anzeige davon machen. Im Falle dieser zu dem Die Gemeinde hat kein Spital, wiewohl der Sultan vor mehreGewählten Vertrauen hat, schlägt er ihn der Regierung vor, die ihn ren Jahren ihr und den Karaiten einen fehr schönen Plaß geschenkt bestätigt und ihm, wenn die Gemeinde jährlich eine Tare von bat, um darauf ein Spital aufzuführen. Die Gemeinde wurde um 30,000 Piaftern dafür bezahlt, ebenfalls die Insignien des Nischan- eine nicht unbedeutende Steuer erhöht; doch brachte sie es nicht weiter, Drdens verleiht. Die Armuth der Gemeinden heißt fie meistentheils als zum Aufbau von vier Mauern, die als moderne Ruinen bald einauf diese Auszeichnung verzichten. Dem neuen Rabbi wird von der stürzen werden. Die Karaiten dagegen führten ihr Haus auf, und es Regierung ein Siegel verabfolgt, von dem ein gleiches fie selbst, der gedeiht und wirkt segensreich. Der Großherr, in der guten Meinung, Kontrole wegen, behält und eines dem Chacham Baschi in Konstantis daß das Spital eingerichtet sei, wies 150 Dia Fleisch zum täglichen nopel ausfolgt. Die mit dem Drden oder auch nur mit dem Siegel Verbrauche an. Die Gemeinde bezieht das Geld und vertheilt es Belehnten genießen des Vorrechtes, ihre Wünsche oder Vorschläge am Dfter- und Laubhüttenfeste an die Armen. dem Chacham des Nisdan in Konstantinopel mitzutheilen, der die Die franken Armen werden von einem in jeder Vorstadt, wo JuPflicht hat, die Regierung ungesäumt davon in Kenntniß zu seßen. den wohnen, besoldeten Arzte behandelt und erhalten unentgeltlich

Der Amtsgenosse des Chacham des Nischan leitet die religiösen Arzneien. Wenn es ihnen an Bett- und Leinenzeug fehlt, so wird Angelegenheiten der Gemeinde. Jede Verlobung muß ihm angezeigt die Oberin des wohlthätigen Frauenvereins vom Chacham des Vierwerden, und wenn die Verlobten die Ehe nicht eingeben wollen, baben tels davon in Kenntniß geseßt, die sofort für das Nöthige Sorge fie ihm die Gründe vorzulegen, die, nur wenn er sie anerkennt, Gelträgt. Der Frauenverein stattet arme Mädchen, wenn sie beiraten, tung erlangen. Er löft Ehen und Eide, er bestraft die, welche sich aus, er unterstüßt Kindbetterinnen, bezahlt, wenn die Mutter ihr gegen irgend ein religiöses oder ceremoniales Gefeß vergeben. Gegen Kind, nicht nähren kann, eine Amme, und wenn jene stirbt, übernimmt seine Entscheidung kann keinerlei Berufung ftattfinden.

er die Erziehung des Kindes. Armen Frauen wird Beschäftigung Zur Zeit meiner Anwesenheit fungirten Herr Abraham Schemuel gegebeu; namentlich läßt der Verein Schaufäden von ihnen spinnen. Coben, als Chacham des Nischan, Herr Mosche Fresco, als Oberrabbi Um diese Ausgaben zu bestreiten, sammeln die wohlthätigen Frauen des Besdins.

bei Hochzeitfeften der Reichen, oder sonst freudigen Familien-EreigIn ihren Functionen werden diese beiden Würdenträger von den uiffen und bei den sogenannten Visiten, wenn nämlich zehn bis zwölf Vorstehern unterstüßt, mit denen sie gemeinschaftlich die Steuer für Frauen fich bei einer Freundin ansagen, um den ganzen Tag bei ihr die Regierung und für die Gemeinde bestimmen. Diese von ihnen zuzubringen. für die einzelnen Stadttheile erwählten Untervorsteber, ,,Balidinim", Freitag Nachts gehen zwei dafür besoldete Männer: ein Jude stehen ihnen, durch ihre genauere Renntniß der Personen und Ver- und ein Muhammedaner, in die Häuser der Armen, da, wo Krante

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find, oft brei bis viermal des Nachts, um zu fragen, ob man Feuer Rechten an und nahm feine beiden Schwestern nach dem Alter links

, , brauche oder die lampe Berlöschen wolle.

neben fich. Diese Drdnung blieb für alle Ceremonien als feft

ftebend. Der Bischof von Chrysopolis, der frühere Erzieher Sr. Mas Brasilien.

jestät, weihte den an eleganten Flaschenzügen hängenden Grundstein.

Der Kaiser selbft mauerte ihn ein."
Die Reise des Prinzen Adalbert von Preußen

Die ausführliche Schilderung der Feierlichkeiten des nun folgenim Sahre 1842

ben Festes, Einzug des Kaisers, Paraden, Gottesdienft u. f. w. müssen (Fortseßung.)

wir, da fie zu umfangreich für den zugemessenen Raum find, überWir entnehmen die folgende Schilderung ohne Abänderung und geben, obgleich dieses Gemälde einer im Ganzen europäischen Kultur Rürzung aus dem Buche:

auf tropischem Boden und inmitten ziemlich eigenthümlicher Zustände ,, Prinz Adalbert übergab. Sr. kaiserl. Majestät das Schreiben einen in vielfacher Hinsicht interessanten Eindruck macht. Erotische feines allergnädigften Königs und Herrn nebst den Insignien des Gewädse, Neger und Mulatten bilden den fteten Hintergrund zu der Schwarzen Adler-Ordens. Der Kaiser nahm den Drden mit sichte europäischen Staffage, die wesentlich den romanischen Charakter trägt. barer Freude entgegen und drückte seinen Dank für das königliche Abends war Vorstellung im großen ,, Theater de S. Pedro de AlcanGeschenk mit kurzen Worten aus, wie glüdlich ihn dieser Beweis der tara, bei welcher dem Prinzen eine eigenthümliche Sitte auffiel. Freundschaft seines föniglichen Bruders mache; worauf Se. Majestät Nach der Nationalhymne, die beim Eintritt des Raisers abgesungen außerordentlich gnädiger Weise hinzufügten, daß Sie Se. königl. Hobeit worden war, legte sich ein Herr im schwarzen Frack aus seiner zum Ritter Allerhöchft Ihres Ordens vom südlichen Kreuze ernenne. Voll Loge heraus und las faut ein Gedicht auf den Kaiser und das heutige Freude über diesen großen Beweis faiserlicher Huld legte der Prinz Feft ab. 3hm folgten noch vier Andere; zuleßt deklamirte gar ein den neuen Drden und das blaue Band sogleich an, und folgte dann reitender Nationalgardist den Kaiser an. Hiernach scheinen die Braden Kaiser in ein entfernteres Zimmer, wo Se. Majestät fich mit filianer ein sehr poetisches Völlchen zu sein. ihm niederließ, um sich auf die freundlichste Weise über den Zweck Von den weiteren Erlebnissen am brasilianischen Hofe und den seiner Reise zu unterhalten.

Ausflügen in die Umgegend der Hauptstadt, die der Prinz bei länDom Pedro II., bemerkt Prinz Adalbert in seinem Tagebuche, gerem Aufenthalte machte, können wir füglich nicht umständlichere Erfür sein Alter geistig außerordentlich vorgeschritten, dagegen förperlich wähnung thun, da wir durchaus in Verlegenheit find bei der Fülle des vielleicht bis jegt weniger entwickelt, ist von kleiner Statur und tros Interessanten, das geboten wird. Wir verweisen also auf das Buch seiner Jugend eber start zu nennen; sein Kopf groß, das Haar blond, felbft

. Einen längeren Nitt unternahm der Prinz zu den Ufern des die Züge wohlgebildet; sein blaues, sprechendes Auge drückt Ernst und Parahyba do Sul, auf dem er zum ersten Mal den wirklichen Urwald Wohlwollen aus. Erst siebzehn Jahre alt, war fein Wesen geseßtansichtig wurde. Wir geben die interessante Schilderung desselben wie das eines gereiften Mannes; dabei zeigte er viele Freude an der mit den Worten seines Tagebuches: Wissenschaft und hat in jeder Beziehung sehr gründliche Studien ,,Früber batten wir immer auf unseren Ritten gefragt, ob dies gemacht. Vor Adem liebt er die Geschichte, aber auch andere Zweige oder jenes der Urwald sei; nun fragten wir nicht mehr denn wir des Wissens umfaßt ex mit Interesse, unter Anderem die Botanif. wußten es jeßt! Jener feierliche Schauer, jenes heilige Gefühl Selbst in der Kunft, namentlich in der Malerei, leistet der junge sagte es uns, das einen Jeden befält, der zum ersten Mal in einen Fürst bereits etwas Tüchtiges. Auch hierin spricht sich sein ernster Urwald eintritt. Anfangs starrten wir hinein in jenes Labyrinth von Charakter, sein Interesse an allem Großen und Edlen aus; denn er hohen, schlanken Stämmen, die wie Riesen neben uns aufstiegen, und pflegt die Portraits der großen, in der Geschichte berühmten Regenten, in das ung umgebende Gewirr von Schlingpflanzen; wir blidten hinauf deren Vorbilde er nacheifert, zum Gegenstand seiner Darstellung zu zu jenem leichten Laubdach, das den Himmel über uns nur wie durch wählen, Schon um sechs Uhr Morgens steht der Kaiser auf, um sich einen Flor erkennen ließ, ohne daß wir uns aber irgend Rechenschaft mit allen Kräften den Staats-Geschäften zu widmen. In der Zeit, geben konnten von dem, was wir sahen. Man male. fich einen Urwelche ihm übrig bleibt, beschäftigt der junge Monarch sich besonderswald mit der glühendsten Phantasie zuhause aus – man wird dennoch mit Lesen, wobei ihn sein vorzügliches Gedächtniß trefflich unter- seine fühnsten Erwartungen übertroffen finden, sobald man wirklich ftüßt.....

ben Fuß in einen solchen Wald hineinfeßt. Alles ist hier folossal – Der Kaiser trug eine auf allen Nähten gestidte dunkelblaue Unis Alles scheint der Urwelt anzugehören; wir selbft mit unseren Roffen form, mit gleichfarbigem Kragen und Aufschlägen und weißem Unter und Zbieren kommen uns außer Proportion vor und fühlen, daß wir futter, darüber, nach portugiesischer Sitte, ein aus mehreren verschiede- einer ganz anderen Zeit angehören, - Zuerst ist es der ungebeure nen Ordensbändern zusammengeseßtes Band mit dem südlichen Kreuze Maßstab, der uns in Erstaunen verseßt; bald aber erregt die gänzdaran, auf der Brust drei Sterne, und das goldene Vließ mit großen liche Verschiedenheit der Pflanzenwelt dieser Wälder von der unseres Brillanten um den Hals, und zwar außen um den Kragen. Die Welttheils unsere Verwunderung in noch böherem Grade. – Wenn goldenen Epaulettes mit schweren, sehr langen Bouillons, waren mit wir in der Heimat einen Strauch oder hier und da einen Dbstbaum dem Bappen Brasiliens geziert; an der Lende bing, an einer weiß in anmuthiger Farbenpracht blühen seben, fo. finden wir bier Baumund goldenen Koppel, ein goldenes Schwert berab, mit hellblau Kolosse in Blüthe, deren Höhe die der unseren um das Doppelte, emailirtem Griff, und darauf das fübliche Kreuz in Brillanten. Die Dreifache übertrifft, während ihre Blüthen den größten Blumen farmoisinrotbe, seidene Schärpe war ganz von der Degenkoppel vera unserer Gärten an die Seite gestellt werden können und bazu in dedt, nur die goldenen Quaften hingen vorn herunter auf den in Gold solcher Fülle hervorsprossen, daß das ganze Laubbad des Baumes fic gestickten ungarischen Knoten am Laße der an den Seiten mit breiten oft in ihre Farben zu kleiden scheint, wie wir es schon von den rothen goldenen Streifen beseßten, langen Beintleider von weißem Kasimir. Sapucajas angeführt haben, an denen in dieser Jahreszeit meist jede Ein schwarzsammtner dreiediger Hut vollendete das Kostüm.

Spur von Grün verschwindet. Nach beendeter Unterredung hatte der Kaiser die Gnade, den Heute waren es vor allem jene Bäume mit prachtvollen, großen Prinzen selbst zu seinen Shwestern zu führen und denselber, vor lila und jene mit weißen Blüthen, die besonders viel zur Zierde der zuftellen. Beide Prinzessinnen sind blond, wie der Bruder, doch etwas Wälder beitrugen, indem sie mit den To berschiedenen Nüancen des älter, beide hübid, namentlich die jüngere, Dona Francisca, jeßt pera umgebenden Grüns auf das lebhafteste und anmuthigste kontrastirten. mählte Prinzessin von Joinville. Sie trugen grün und goldene Roben, Hatte sich der unstät umberschweifende Blid an all der Farbenpracht mit kleinen Sternen und Weltkugeln darauf gestiđt, und brillantene feltfam gelabt, fo suchte er wieder die tiefen Schatten auf, die ernst Vögel im Haar. Beide hatten den Stern vom südlichen Kreuze an, und melancholisch sich uns zwischen den Riesenstämmen zur Seite des und dazu ebenfalls ein aus verschiedenen Bändern zusammengeseptes Weges erschlossen. Da leuchtet plößlich mitten in dem dunklen Laube Drdensband. Ihre Damen trugen ähnliche Schleppkleider, wie denn die fußhohe, feuerfarbene Blüthe einer Tillandjie gleich einer Riesenhier überhaupt Alles in Grün und Gold gekleidet ist, die Kammer. Ananas oder einer folossalen Erdbeere auf. Dann ziehen uns wieder herren, die Minister u. f. w. ja der ganze Hof, vom Ersten bis zum Sie reizendsten Drchideen ab, die theils an den Kerzengerade aufLeften. - Nach einem Weilden verfügte man sich nach dem vorderen 'geschossenen Stämmen hinaufflettern, theils die Zweige wild und Theile des Soloffee. - Die Staatsfarossen fuhren vor. Des Prinzen malerisch überwudhern, welche felten tiefer als 60 bis 80 Fuß von der sechsfenftriger Wagen war der erste, dann kam Dona Francisca's, Erde ihre Ausbreitung beginnen. Die große Fruchtbarkeit des Bor dann Dona Januaria's, dann der des Kaisers. In dieser Reihen. dens, will es scheinen, läßt zuviel Bäume auf einmal neben einander folge regte sich der Zug, an den sich eine Schwadron Nationalgarde, aufschießen, so daß anfangs die Aefte keinen Raum finden, sich ausals Eskorte des Kaisers, und viele Hof-Equipagen anreihten, nach zubreiten, und daher ein Stamm den anderen zu überragen strebt, um dem Plaße der Grundsteinlegung in Bewegung:

sich nach oben Luft zu machen. Da, wo kleinere Aefte sich von jenen Unter dem Zelt waren bereits das ganze diplomatische Corps, die größeren abzweigen, oder da, wo legtere einen Auswucht haben, pfleGeiftlichkeit, die höberen Land- und See-Offiziere, die Munizipalität ?c. gen die Tillandsien sich gern einzunisten, und oft folossal, gleich einer bersammelt. Als der Kaiser erschien, begann eine kurze firchliche mannshohen Aloe, sqauen fie von dieser schwindelnden Höhe, fid voll Handlung. Seine Majeftät wies dem Prinzen den Plaß zu seiner Orazie niederbeugend, auf den Wanderer herab. Zwischen all diesen

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mannigfachen Pflanzen, die den Aeften zu entsprießen oder sich auf literarische Thätigkeit und Produktisität wohlbefannt. Von seinen denselben zu balanciren deinen, erbliden wir jene Moose, die als vielen Schriften sei hier nur der von ihm begründeten, noch (bei Alongeperücken oder Roßschweife an den Zweigen der folossalen Orchi. Schultheiß in Zürich) fortbestehenden ,, Pädagogischen Revue" gedacht. deen- und Tillandsien-Träger herabhängen oder in Gestalt von lang. Als Hegeling verschrieen, was vielen Schweizern damals gleid bedeutend haarigen Bärten den Riefen der Urwälder das Ansehen ehrwürdiger mit Atheist war, entging ihm 1838 der philofophische Lebrstuhl an Greise geben, welche die Laft eines Jahrtausends nicht zu beugen ver der reorganisirten Afademie in Lausanne. Mager war längst von mochte. Hierzu denfe dir die Tausende von Lianen, die von oben Hegel's Shule emarzipirt, er war ein entschiedener Herbartianer. herab dem Boden zustreben, oder in den Lüften hängen, ohne der In der Schweiz lebte er zu Genf, dann in Aarau als Professor der felben zu erreichen; denfe sie dir meist mehrere 300 stark, ja häufig französischen Sprache und Literatur, worin er im seltenften Grade To did, wie ein Mann im Leibe, dabei, gleich den Aeften der Bäume, beimisch war, darauf in Zürich bis zu feiner Berufung zur Direktor. mit Borfe überzogen; – doch vergeblich wirst du dich bestreben, bir ftette an der Bürgerschule in Eisenady, wo er erfolgreich wirkte, bis alle die unzähligen, bizarren, an das Fabelhafte ftreifeuden Ver- ihn körperliches Unvermögen (Mückenmarksverzehrung und Lähmung) schlingungen auszumalen, in denen sie fich uns zeigen. Oft kommen, zwang, feine Entlassung zu nehmen und bis 1856 nad Dresden über. sie wie gerade Stangen berab und find in die Erde gewachsen, lo zusiedeln. Mager war kein Genie von derjenigen Gattung, welche daß man sie bei ihrer Stärke felbft für Bäume halten könnte; oft neue Bahnen bridt, wohl aber ein höchft talentvoller Kopf, der, bilden fie große Shleifen und Ringe von 10 bis 20 Fuß im Durch welche Wissenschaft er sich auch zu seiner Spezialität erfiesen mochte, messer oder schlingen fidh so um einander und legen sich dabei so in gewiß war, sich in furzem zur Höhe derselben emporzuarbeiten und zu

fertauen wirklich zu verwechseln wären. 3u- ihren Stimmführern gerechnet zu werden. - Möge dieser zusammenweilen schnüren sie den Baum ordentlich ein, von Distanz zu Distanz; ftellende Ueberblic dazu beitragen, auf die Bedeutung dreier würdi. oft erstiden sie ihn ganz, so daß er alles Laub verliert und seine ab ger Repräsentanten deutscher National - Intelligenz im Auslande in gestorbenen Riesenarme gleich ungebeuren weißen Korallenzweigen weiteren Kreisen aufmerksam zu machen!

E. -r. starr in das frische Grün des Waldes hineinstredt, gleichwie der Tod oft schauerlid mitten in das blühente Leben hineinragt; oft auch ge

Mannigfaltiges. ben sie dem alten Stamme ftatt des geraubten Schmuces ein neues - Paris und Napoleon III., von Theodor Mundt. Jn Laubbach); daher es zuweilen scheint, als befäße ein und derselbe Nr. 78 des Vorjährigen Magazin" bemerkten wir Einiges über Baum drei bis vier verschiedene Gattungen von Blättern.“

Theodor Mundt's ,,Skizzen aus Paris“. Ein späterer Aufenthalt (Schluß folgt.) deffelben in Paris, im Februar 1858, hat ihm zu ,, Neuen Skizzen aus Schweiz.

dem französischen Kaiserreiche". Beranlassung gegeben,“) und dieselben

dürfen wohl die nämliche Beachtung beanspruchen, wie die früheren. Göbinger, Kortüm, Mager.

Die scharfe, feine Beobachtungsgabe, die entschiedene Difenbeit des Ein Triumvirat jüngst verewigter, auf den Gebieten der deut- Verfaffers machen auch hier wieder sich geltend. In seinen neuesten fchen Sprache und Literatur, der Historie und Pädagogit aus Schilderungen giebt sich vielleicht eine feinere Jronie und schärfere gezeichneter Männer, welches deutschem Namen, Wesen und Wiffen Satire als in den früheren fund, aber man kann deshalb nidt sagen, namentlich auch in der Sdweiz hobe Achtung, durch fein schul- daß der Verfasser weniger gerecht in seinen Urtheilen sei, als etwa männisches Wirfen daselbft fich ein anerkanntes Verbienft um fie früher. Der Napoleonischen Idee geht er auch hier wieder auf allen und einen ehrenvollen Nachruf erworben hat. Mar Wilhelm Gößin. ihren geheimsten, dunkelsten Wegen offen und gleichsam mit der Lager, ein Sachse, geboren am 14. November 1799 zu Neustadt terne des Diogenes nach, und er beleuchtet diese Wege und deren bei Stolpen in der fächsischen Schweiz, Sohn eines dafigen Geift- Ziel mit der Fadel der Geschichte. Er selbst ist zu wenig Politiker, lichen, zu dessen Ehren und aus Dankbarkeit dafür, daß er in als daß er, seinem fittlichen Bewußtsein zum Troß, die Politit des seinem mehrmals aufgelegten, mit Illustrationen versehenen Buche: · Tages, die bloße Politik der Interessen und der Situation, gutheißen ,,Schandau und feine Umgebungen", zuerst die Naturschönheiten der sollte. Er huldigt und schmeichelt der Macht ebenso wenig, als einft fächfischen Schweiz geschildert und ihr von da an Tausende von Be Tacitus, an dessen Zeiten und Shilderungen man hier bäufig erinnert suchern aus entlegenfter Ferne alljährlich zugeführt hatte, die Cor- wird; nur daß, statt des strengen Ernstes und der edlen Würde des poration der dortigen Führer im Jahre 1835 eine Metalltafel mit alten Römere, der oft beißende Wit und der köftliche Humor des Inschrift auf der Höhe der Baftei befeftigte, - betrat 1824 die Deutschen für den drohenden Ernst der Gegenwart entschädigt. Schweiz als Lehrer am Fellenbergsden Institut zu Hofwyl, wurde Namentlich empfehlen wir in dieser Beziehung den Abschnitt: ,, Das 1827 nach Schaffhausen berufen, erlangte 1837 das fdweizerische Lorettenthum, die Frauen und ber Salon". Das entschiedene VerBürgerrecht und von der Universität Bafel das philosophische Doktor dammungsurtheil über die Crinoline, oder die Frau im Ballon, ift Diplom und starb am 2. August 1856 in Bad Deynhausen alo emeris ebenso treffend als wißig und geistreich. tirter Professor der deutschen Sprache und Literatur am Gymnasium in Schaffhausen hochangesehen, wie als Lehrer, Gelehrter und Schrifto Die ,,literarische Gesellschaft" von Jerusalem. In steller, so als bieberer und thatfräftiger Mann, dessen große Intelligenz Peterman's ,, Mittbeilungen" (1858, Heft III) wird diese Gesellschaft auch in Gemeinde-angelegenheiten zu Ratbe gezogen wurde. Von als erst „kürzlich gegründet“ bezeichnet. Herr L. A. Frankl giebt seinen zahlreichen Schriften haben zwei der früheften: „Die Anfangse jedoch in seinem Werke „Nad Jerusalem" (Bd. II, S. 67) folgende gründe der deutschen Sprachlehre" (zuerst 1825–1827) und „Die Mittheilungen über dieselbe: Der englisde Konsul, Herr James Finn, deutschen Dichter" (zuerft 1831) im Jahre 1858 die achte Auflage welcher vortrefflich hebräisch spricht und schreibt, gründete im Jahre erlebt, während seinen reifften und gediegenften aus den funfziger 1849 eine , Jerusalemitanische literarische Gesellschaft“, welche meist Jahren, dem deutschen Lesebuch“ und der Stylschule", die er bei archäologische Zwecke in Bezug auf das heilige land verfolgt. 3hr gelähmtem rechtem Arme mit der linken Hand zu schreiben oder zu Programm und die von ihrem Präsidenten, Herrn Finn, bei ihrer diktiren genöthigt war, fernere Auflagen nicht fehlen werden. Göbinger Eröffnung im Jahre 1851 gehaltene Rede mit dem hebräischen Motto: hat in der Darmstädter Schulzeitung (1856. Nr. 89) an Frauer einen ,,Zebi bi lekol ha'arazoth" (Palästina ift der Ruhm aller Länder), kompetenten Nefrologen gefunden, auch ift demnäcft eine mehr ein- ift in Beirut gedruckt. Ein seltsamer, widersinniger Umstand ist die gevende Biographie zu erwarten.

Bestimmung der Statuten, daß nur Proteftanten Mitglieder der eAls er, ein fünfundzwanzigjähriger junger Mann, nad Hofmyl fellschaft werpen können. Die Bibliothek der „literarischen Gesellfam, fand er daselbst Johann Friedrich Chriftoph Kortüm alo Kollegen, foaft“ ist bereits sehr ansebulich und enthält fostbare und gelehrte einen damals schon gereiften Dreißiger und bereits als Berfaffer der Werte in den vorzüglichften europäischen und asiatischen Sprachen. Sūriften: ,, Friedrich I. mit seinen Freunden und Feinden(Aarau, Ein damit verbundenes Museum ist im Entstehen. Eines der inter1818) und Zúr Geschichte der hellenischen Staatsderfassungen. effantesten Stücke desselben ist eine figende Greisesgestalt in Basa (Heidelberg, 1821), rühmlichft bekannt. Rortüm, gleichfalls eines Pre relief; ein Sllave hält einen Sonnenschirm über dieselbe, während die digers Sohn und geboren zu Eichhorft in Medlenburg-Strelit Rechte des Greifes wie zu einem Befehle emporgehoben ist und der den 24. Februar 1788, nahm 1813 als Freiwilliger am deutschen Bes Kopf einen echt orientalischen Ausdruck bat. Robinson erklärt dieses freiungekriege Theil, lebte und wirfte abwechselnd zu Basel, Hofwyl Gescent Layard’s für einen Sanberib. Lampen, Spangen, Langenund Bern, dazwischen auch in Neuwieb, und wurde 1840 nad Heidel- fpißen, die auf dem Libanon gefunden wurden, Säulenreste, Kapitáler ac. berg berufen, wo er als Profeffor der Geschichte am 4. Juni des befinden sich bereits in dem Museum. Am meisten zog den Reifenden laufenden Jahres verstorben ift. Einen Nefrolog (d. d. Bern) bat er ein mehrere Centner schwerer Steinflumpen an, der fich bei näherer in der Augsburger ,, Allgemeinen Zeitung", Nr. 168, Beil., gefuuden. Besichtigung als ein Aggregat von Hunderttausenden kleinster Purpur

Eines folchen wartet nodi der jüngst (10. Juni) in Wiesbaden fchnecken-Muscheln ergab und von Sidon hierher gesandt worden ist. verewigte Dr. Karl Mager, soviel uns erinnerlich, aus Köln gebür.

*) ,, Paris und Louis Napoleon". Bon Theodor Mundt. Berlin, 3anfe, tig und, wie in Berlin, fo in Stuttgart durch seine ausgezeichnete 1858.

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