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Elementes zu widerlegen, indem er sagt: ,,Diese Schriftsteller (ConFrankreich.

dorcet, Bentham, Tocqueville) halten ein Phänomen des Augenblices

für ein bleibendes Gesetz; fie verwechseln das Steigen und Fallen Aleris, Graf von Locqueville.

mit einem Fortsdyreiten zur Oleichbeit. Wenn in dem Brunnen die Das vortreffliche Buch von Aleris von Tocqueville „L'ancien Eimer auf- und abgeben, ist freilich ein Augenblick, wo sie sich auf régime et la révolution", defien Gegenstand und dessen Nesultat der gleicher Höhe befinden, aber es dauert nicht lange.'' – Tocqueville Betrachtung dem gleichbenannten Vortrage zum Grunde gelegen, ftellt jedod, durch die geschichtlichen und Gesellschafts-Darstellungen den Herr Professor Gneist, unter allgemeinem Beifall, in einer der feines älteren wie seines neueren Werfes in Abrede, daß ein solches ab. leßten Abend - Unterbaltungen des , wiffen chaftlichen Vereins" in der wechselndes Steigen und Fallen in Amerika und selbst in Franfreich Berliner Sing-Akademie gehalten, ist bald nach feinem Erscheinen wirklich stattfinde. Auf welchen abschüssigen Boden der Sittlichkeit in einem ausführlichen Artifel von uns (Nr. 127-128 des Jahres und des Staatslebens der fidh selbst überlassene Demokratismus die 1856) besprochen worden. Wenn irgend ein zeitgenössischer Sdrift: Amerikaner geführt, das brauchen wir nicht mehr aus dem Budhe des fteller über die Strömungen der Zeit, die Quellen, denen fie ent Herrn v. Tocqueville, der allerdings das Verdienst hat, zuerst auf sprungen sind, ihre dermaligen Nichtungen und ihre wahrscheinlichen jene Erscheinung hingewiesen zu haben, sondern können wir täglich Folgen gründliche Forschungen angestellt und vollständige Begriffe ent aus den Berichten ausgewanderter Europăer, wie der amerikanischen widelt hat, so ist es Herr 5. Tocqueville in seinen beiden Werken Zeitungen selbst, entnehmen. In Frankreich aber ist das in zweiter über die Demokratie in Amerifa und das frühere Regiment in Frant- Auflage versuchte Napoleonische Unterbrüdungssystem nicht blos, wie reich; feine Landsleute stellen ihn darum mit Recht dem großen Er es sich selbst immer zu apologisiren pflegt, nicht gegen die in den forscher des Geistes der Geseße im vorigen Jahrhundert, Montesquieu, französischen Köpfen spufenden Gleiðbeits- Zbeen geridytet, sondern an die Seite.

wirft vielmehr, wie jede gegen ein natürliches Bestreben sich richtende Aleris, Graf v. Tocqueville, ") der Sohn eines eifrigen Noyalisten, Spannkraft, bahin, daß in dem unvermeidlichen Augenblice, wo die welcher lettere fich als Geschichtsdreiber der Ausgänge des französi- legtere ermattet, eine um so stärkere Reaction der für die Gesellschaft schen Königthums einen Namen gemacht, ist 1805 geboren und 1826 verderblichen Ideen einer widernatürlichen Gleichheit und der feinerlei in den Richterstand eingetreten. Er wurde 1831 nach Amerifa ges Gefeß achtenden Freiheit eintritt. sandt, um das dortige Gefängnißwesen zu studiren, und fam mit einem Man muß in dem Buche des Herrn v. Tocqueville über das Werke zurück, das ihn in die erste Reihe der franzöfischen Autoren , ancien régime” nachlesen, wie die Revolution von 1789 das nothstellte. Sein Buch: „De la démocratie en Amérique ", das er 1834 wendige Ergebniß des Mangels an Staatsweisheit bei den Königen veröffentlichte, ward 1835 von der Afademie gefrönt. In diesem von Frankreich, des Mangels an Humanität und an Volfesympathie Werke ist von den Abstractionen, mit denen die damaligen politischen bei den mächtigen, aber ihre Macht nicht auf festen Grundlagen stüßenParteien Franfreichs fast ohne Unterschied ihre Gegner bekämpften, den Familien des Landes und endlich des Mangels an politischer Erkeine Nede; es ist ein lebensvolles, auf fonfrete Detailstudien ge- ziehung und Bildung bei dem dritten Stande war, um fofort die gründetes Gemälde der amerifanischen Zustände, das zugleich über Ueberzeugung zu gewinnen, daß die überspannten Ideen von Freiheit den so vielfach mißverstandenen Begriff der Demokratie wahrhaft und Gleichbeit, wie sie dort durch die Revolution erzeugt wurden, philosophische Aufflärungen giebt. Mit einer Besonnenheit und Reife, durch die Staats- und soziale Geschichte Frankreichs feit der Revoludurch welche die Kühnheit und Eigenthümlichkeit der Gesichtspunkte tion nur noch genährt und in immer weiteren Kreisen verbreitet werkeinesweges ausgeschlossen werden, sind hier bereits die Grundfäße im den mußten. Wer vielleicht, wie Friedrich v. Gagern, die Zustände Umriß feft gezeichnet, die später den Verfasser bei seiner Kritik der Englands denen Frankreidys, um sich selbst zu beruhigen, gegenübergeschichtlichen Entwickelung Frankreichs leiteten.

stellt, der vergißt, daß in England ganz andere Regierungsprinzipien Tocqueville hat in seinem 1834 veröffentlichten Werfe die un. auf dem Throne, eine von der französisdien gänzlich verschiedene glüdlichen demokratischen Verirrungen Franfreichs im Jahre 1848 und Aristokratie im Lande und endlich eine durch das self-government die traurigen Ereignisse dieses Jahres vorhergesagt. ,,Glaubt man", geförderte, große politische Bildung des dritten Standes stets geherrscht fagt er in der Vorrede feines Buches über Amerika, ,, daß die Demo haben. ,,In Frankreid)", sagt Tocqueville, ,, haben die Fürsten (iegt kratie, nachdem sie den Feudalismus vernichtet und die Könige besiegt wie früher) nie etwas Anderes gewollt, als: Herren werden oder bleibat, vor der Bourgeoisie und den Reidyen Halt machen werde? Wird ben. Ungerechtigkeiten oder Fehler brachten die Autorität, der man fie ießt, wo sie so stark und ihre Gegner so dywach geworden, sich feinen Widerstand leistete, um ihren Nimbus. Ja, das Beispiel der aufbalten lassen? Wobin gelangen wir also? Niemand vermag dies Regierung wirkte in Frankreich oft nur zu verderblich: es that der mit Sicherheit anzugeben! Das ganze Buch, das ich hier dem Ansicht Vorschub, daß die Politik mit der Gerechtigkeit nichts gemein Publikum übergebe, ist unter dem Eindrucke einer Art religiösen babe – eine Ansicht, die sich nur zu leicht unter den Menschen festo Schredens geschrieben, den ich bei dem Anblide dieser unwidersteh- feßt... Die gedrückten, gereizten, verstimmten Gemüther fehnten sich lichen Revolution empfunden, welche seit Jahrhunderten, alle Hinder von Tag zu Tag mehr nach einer gewissen Befreiung, von der das nisse besiegend, vorschreitet und die man auch in diesem Augenblice alte Rom, England, die Schweiz und zuleßt Amerika eine dunkle noch mitten unter den Ruinen, die sie geschaffen, vorrüden sieht." Vorstellung gaben. Was zuerst nur als eine Phantasie erschienen

Friedrich v. Gagern, der in mander Hinsicht ein Geistesgenosse war, schien bald möglich und später sogar leicht. Die Gewalt, mehr des Grafen v. Tocqueville genannt werden kann, obwohl er weit da verachtet als gehabt, und mehr gehaßt als gefürchtet, ward nicht mehr von entfernt war, auch dessen Unbefangenheit in religiöser und natio als unbezwinglich angesehen. Die öffentliche Meinung fühlte sich naler Beziehung zu theilen, hat es im Jahre 1837 versucht, in einem stark geworden, während die Schwäche ihrer Gegner wuche, und über Auffaße: „Von dem Unterschied der Stände und dem aristokratischen die Civilisation, von der man in der Hauptstadt fich umgeben fah, Element", ") die Beforgniß vor dem Umficgreifen des demokratischen achtete man die Gefahren nicht, die der Gesellschaft durch jede gewalt

same Umwälzung drohen.“ *) Die Notiz über diese persönlichen Verhältnisse entlehuen wir dem zwei: Nachdem auf diese Weise Herr v. Tocqueville den inneren Zuten Bande der fürzlich von uns besprochenen ,,Geschichte der französischen Lite fammenhang der Revolution nachgewiesen, gesteht er doch zu, daß sich ratur seit der Revolution 1789“, von Julian Schmidt, der, wie er selbst sagt,

innerhalb dieses logischen Zusammenhanges auch ein irrationelles seine Belehrungen über die Geschichte der französischen Zustände hauptsächlich dem Werte des Herrn v. Tocqueville über das ancien régime und die Revos Moment - der französische Volfscharakter geltend gemacht. lution verdankt.

D. R.

Ueber diesen spricht er sich in nadstehender Weise aus: **) Abgedruckt im dritten Bande des inhaltreichen Werfes: „Das Leben des Generals Friedrich v. Gagern". Von Heinrich v. Gagern. Leipzig und

„Betrachte ich die französische Nation näher, so finde ich in Heidelberg, 6. F. Wintersche Verlagshandlung, 1857.

ihrer Geschichte nichts, was so erstaunlich wäre, als sie selbst. Sah

die sich zu weltlichem Glanz emporgehoben bat, ohne die alte Ges

man je auf Erden ein Vort so reich an Kontrasten, so leicht von
brücke
, fo selten durch feste Grundfäße geleitet, so daß es bei allen genug oder noch nicht thöricht genug ist

, zu vergessen, daß es eine Boutique seinen Handlungen stets sich schlimmer oder besser bewährte, als man gewesen, das Leben in der Arbeit, dem die Erholungen und die Bervermuthet? Bald unter dem allgemeinen Niveau der Menschheit

, gnügungen nicht fehlen, feine Salons, in denen noch ein Weiterer dann wieder hoch über demselben stehend; ein Volk, das in fei- Humor herrscht, so hat man die zugleich sehr einfachen und sehr nen Grundzügen To unveränderlich blieb, daß man es noch aus verfeinerten Sitten, welche Scribe geschildert hat. Die mittlere Schilderungen wieder erkennt, die zwei Jahrtausendé alt sind, und Gesellschaftsschicht, aus welcher er dreißig Jahre lang seine Hauptzugleich so beweglich in seinen täglichen Gesinnungen und Gedanken, charaktere genommen hat, hatte ihre besonderen leicht zu erkennenden daß es manchmal fidy felbft zu einem unerwarteten Schauspiel wird Züge in dem Ganzen der Gesellschaft

. und, was es eben gethan, mit demselben Staunen betrachtet, wie das ,,Man fann wohl sagen, daß kein Dichter fich so in seine Mitwelt Ausland; ein Volf, das an seinem Zweđe und seinen Gewohnheiten eingelebt hat, wie Scribe. Aber das geht Herrn Poitou nichts an; mehr als alle anderen hängt, so lange man es sich selbst überläßt, ihm ist Scribe in der Geschichte unseres Theaters eine unwesentliche und das, fobald man es seiner Heimat und diesen Gewohnbeiten un Erscheinung, die man mit ein paar Worten abthun fann. Die Drafreiwillig entrissen hat, bis an's Ende der Welt vorzubringen und men des Herrn Dugué allein find ihm Atles. Alles zu wagen vermag; seinem Temperament nach ungern gehorchend, In Bezug auf das volfsthümlide Vaudeville, in welchem Herr jedoch der willkürlichen und sogar tyrannisden Herrschaft eines Fürsten Poitou nur eine Shule der Depravation fiebt, sagt Herr Weiß unter lieber sich fügend, als der regelmäßigen und freien Regierung seiner Anderem Folgendes: angesehenften Bürger; heute ein geschworner Feind alles Gehor. ,,Hier (nämlid, auf den Galerieen in den Theatern des Boulefams, morgen entstammt von einer Art von leidenschaft, zu dienen, vard) oder nirgends kamen in der Februar, Revolution, kamen in der die auch von den für die Knechtschaft begabtesten Nationen nicht Zeit kurz vor 1848 diejenigen zusammen, die später eine Rolle in erreicht wird; an einem Fäbchen geführt, so lange Niemand dieser Revolution spielten. Ich würde lügen, wenn ich sagte, daß widerstrebt, unregierbar, sobald das Beispiel des Widerstandes die Stüde, in denen Nachtwächter abgeprügelt wurden, eine irgendwo gegeben ist; seine Herren auf solche Weise immer täu- idlechte Aufnahme gefunden hätten. Aber ich habe es seitdem oft dend, die es entweder zu sehr oder zu wenig fürchten; niemals bewundert, welche jämmerliche Verse den Enthusiasmus meiner dain dem Maße frei, daß man es aufgeben müßte, es zu knechten, und maligen Nachbarn erregten, sobald darin Moral gepredigt, Sparkasse nie in dem Grade geknechtet, daß es nicht seine Fesseln noch sprengen und Respekt vor dem Meister empfohlen, die Gefahren des Wirthskönnte; für alles begabt, aber nur im Kriege ausgezeichnet; dem Zu- bauslebens angedeutet wurden. Man denke an den Erfolg, den die fau, der Gewalt, dem Erfolg, dem Glanz und Geräusch mehr, als Tirelire" und die „Enfants du Délire" beim Volke gehabt, an die dem wahren Ruhm leidenschaftlich ergeben; mehr mit Heldenmuth als Stüde von Acharb und Bouffé, an denen zehn Jahre hindurch alle mit Tugend, mehr mit Genie als mit gesundem Menschenverstand Klassen der Pariser Bevölkerung sich ergößt haben. Wo lag in diesen begabt; eber geeignet, ungeheure Pläne zu entwerfen, als große Unter- Stüden das Gefährliche? Der Direktor des Theaters: ,,Les nehmungen nach allen Seiten hin auszuführen; die glänzendfte und Folies” ist vor kurzem als ein Millionär gestorben: er hat seine gefährlidyste Nation Europa's, bestimmt, allen übrigen abwechselnd Million damit erworben, daß er den wenig Bemittelten zu einem ein Gegenstand der Bewunderung, des Basses, des Mitleids, des billigen Preise die Moral dargeboten. Unter Ludwig Philipp zahlte Schreckens, aber nie der Gleichgültigkeit zu werden.''

er den Brüdern Coignard in jedem Jahr 12,000 Francs bafür, daß fie ihm Gesundheitsregeln und Lehren über den Umgang mit Menschen zu Vaudevilles verarbeiteten. Und wer kann in Abrede stellen, daß diese

Stücke, die in den Augen des Kunstkritifers obne allen Werth find, Der Roman und das Theater der Gegenwart.

die aber ein moralisirender Historifer nicht unbeachtet lassen darf, dem (Schluß.)

Volfe Mäßigung und gesunden Verstand für die Tage der Krisis beiWas Herr Weiß, auf die Theater-literatur zu sprechen kom- gebracht haben? Man hat im Jahre 1848, am Abende des 16. April, mend, in Bezug auf Scribe fagt, wird unseren Lesern ebenfalls ein Be- dreitausend bis viertausend Nationalgardisten in Lumpen durd die weis sein, daß Jener ein ebenso gründlicher, wie humaner Kritiker ist. Straße Saint-Jacques ziehen sehen, die einstimmig fortwährend ge

„ Nachdem man das Buch zu Ende gelesen, wird man gewahr, rufen: ,,Es lebe das Eigenthum!" War dieses Bolt fo roth von daß Scribe mit vier Zeilen abgethan ift. Heißt das – ein Urtheil

ein Urtheil Neid? Und war die literatur, die es gebildet hatte, ein so gefährüber das gegenwärtige Theater und seinen Einfluß auf die Sitten liches Gift?" geben? - Scribe ist heutzutage freilich sehr fraglich. Er fommt ,,Es ist wahr: in ben auf 1830 folgenden zwanzig Jahren ist aus der Mode in einer Generation, in welcher Stücke, wie die eine Menge leidenschaftlicher und verworrener Werke zutage gefördert Ehe im Himmel", ,, die falschen Gutmüthigen", ,, der Schwieger- worden. Ihre Zufluchtsstätte ist mehr das Feuilleton als das Theater john des Herrn Poirier“ und alle die rüdsichtslosen Lebensbilder, gewesen. Hier wurden Schauderscenen vorgeführt; da stellte eine welche man die ftarke Komödie nennt, feinen Anklang mehr finden. Reihenfolge häßlicher Charaktere ihre Laster zur Schau; dort suchte Er kommt aus der Mode, und das ist um so besser für ihn. Die Einer den Anderen durd, ungeheuerliche Geschöpfe der Phantasie zu Welt, deren liebenswürdiger Dolmetscher er gewesen, vergeht. Sie überbieten. Aber diese Arbeiten sind zunächst nicht ein Zeugniß für die ist eine Gesellschaft anständiger leute, in der man mitunter auf sehr Verkehrtheit der moralischen Gesinnung, sondern für die Verdorbenheit sanften und fehr gefährlichen Abhängen ausgleitet – und welder des Gesamades. Mögen später ihnen die schlechen leidenschaften Mens fann fidh rühmen, nie auszugleiten! aber in der man das eine Stüße geboten haben; im Anfange baben sie in den schlechten tiefe Verfinken in den Schmuß nicht kennt. Der Sinn für den An- Theorieen der Schriftsteller ihre Quelle gehabt. Die Phantasiegebilde ftand, die Feinheit, der gute Geschmack, die edyt französische Gabe, der Romantifer haben den ersten Anstoß gegeben. Victor Hugo hatte, Alles oberflächlich zu berühren, ohne auf den Grund zu geben, machten in seinen Dramen und in seinen Romanen, sein Gehirn angestrengt, ihn ebenso liebenswürdig' wie er rechtschaffen war. Das Verlangen, Riesen und Ungeheuer zu gebären, nur um Boileau entgegenzutreten. zu gefallen, die frivolen Scherze, ein Bischen Intrigue, der man nicht alles wurde von nun an riefig und ungeheuerlich, die geschichtlichen gram fein konnte, erhöhten den Reiz und gaben der dezenten Anmuth Charaktere wie die der skandinavischen Mythologie, die alltäglichen das Pifante, was sie davor bewahrte, langweilig zu sein. Die Gott- Leidenschaften wie die austahmsweise vorkommenden Verbrechen, durch losigkeit war freilich nicht geästet, aber nur insoweit, als sie nöthig welche die Borgia's die Welt in Staunen geseßt. Herr Poitou hat war, um Abwechselung in die Monotonie einer ganz unschuldigen diese Entwiđelung nicht unbeachtet gelassen; aber er hat ihr nicht die Welt zu bringen; sie machte sich nie breit; sie überschritt nie die ihr Kritik zu Theil werden lassen, welche sie verdient. Von dem Moment durch ein gewisses Anstandsgefühl angewiesenen Schranken. Wenn an, wo sich eine Sdule organisirt hatte, welcher das Einfache, das das Schauspiel der Leidenschaften hier amüsirte, ohne zu verlegen, fo Natürliche, das Bestimmte, das Maßvolle falsch und häßlich zu sein kam dies eben daber, daß fie fich innerhalb der Schranken hielten, schien, mußte man darauf gefaßt sein, daß diese Schule durch das jenseits deren die Leidenschaft Lafter wird. Man konnte diesem Schau- Bedürfniß, zu erfinden, unaufhaltsam zu immer maßloseren Phantasiespiel vorwerfen, daß es durch allzu große Anmuth verweidhliche, aber Schöpfungen fortgerissen werden würde. Eine Menge Sohriftsteller, nicht, daß es verderbe. Und wie richtig waren hier immer die Men

die weder den romantischen Sinn, noch den romantischen Styl hatten, fchen aufgefaßt, weder Engel, noch Thier!

- Und die bier haben sich mit fortreißen lassen. Die Leser, des Schredlichen fatt, vorgeführte Welt war nicht blos eine erdichtete; sie hat auch außer- verlangten von ihnen noch Söredlicheres. Nachdem die Schriftsteller balb des Theaters eristirt; sie ist während einer nur zu kurzen Zeit den Geschmack des Publikums verdorben, wurden jene durd dieses ein beträchtlides Stück der französischen Gesellschaft gewesen. Und verdorben. Aber selbst diese Literatur, ist sie nur und immer vers : es ist noch nicht jede Spur von ihr verschwunden; wenn man sich die berblich? – Es wäre ftart, wollte man dies behaupten. Selbst in Mühe giebt, sie zu suchen, kann man sie immer noch hier und dort den Romanen von Frédéric Soulié fommen genug Episoden vor, die in kleineren Kreisen finden. Man ftelle sideine Bourgeoisie vor, das Interesse ehrbarer Leute zu erregen und ernste Gedanken in ihnen

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hervorzurufen geeignet sind. Dieser Literatur gegenüber, die aus einer Handelsgeschäft? Ift der Reichthum immer ein Gefährte der Güte Fieberhaften Ueberreizung der Geister und aus einer bei Bielen nur und der Gerechtigkeit? Sieht man nirgends mit Niedrigkeit ver. affektirten Art von Verrücktheit hervorgegangen ist, hätte man es führte und mit nod; größerer Niederträchtigkeit verlassene Mädchen? Herrn Poitou gern verziehen, wenn er keine Schonung beobachtet Giebt es nicht in den großen Städten für die Frauen, die von der bätte; nur hätte er diese Literatur erst gehörig abgränzen müssen. Arbeit ihrer Hände leben, bei dem ungenügenden lohn, zahllose VerAber wie kommt er dazu, Madame Sand, welche fündhafte Leiden- fudungen? Sind die Mächtigen immer so rücksichtsvoll, den edlen shaften auf ideale Höhen emporgehoben, und Balzac, dessen finstere Stolz der Niedrigen zu schonen? Ist es so selten, daß die rechta Einbildungskraft selbst noch unsere Lafter verleumdet hat, in eine schaffenen Seelen verkannt und die guten Herzen gerade da, wo sie Kategorie zu bringen? - Wie fann er diesen beiden dieselbe Art bes allen Troft erwarten müßten, zurückgestoßen werden? - Was für klagenswerthen Einflusses auf die Sitten zuschreiben, da sie doch in schmerzliche Probleme! Herr Poitou scheint sie faum zu kennen; der Natur ihres Geistes, in ihren Bestrebungen, in ihren Ansichten wenn er sie berührt, thut er es in einer Weise, die dem Moraund in ihren Vorurtheilen so sehr verschieden von einander find? - liften schlecht ansteht. Er bringt das Eisen und das Feuer auf Madame Sand hat darin Unrecht, daß fie sich die menschliche Natur unsere Wunden, welche den Balsam verlangen; er brennt, er schneibeffer Denkt, als sie ist und als sie sein kann. Sie hat die stolze det, er drückt. Kennt er auch nur unsere Leiden? - Ad, nein! Er Lebensregel aufgestellt: ,, Handle fo, als wenn du immer auf die Ge- glaubt nicht einmal, daß wir Refignation nöthig haben; er vergißt bei rechtigkeit der öffentlichen Meinung rechneteft; das ist die einzige fo vielen Schmähworten und Ausdrüden des Zornes und des AbKlugheit, die ich dir anrathe". Das Vertrauen erscheint ihr so schön fcheues das zu sagen, was zu sagen allein vernünftig wäre, daß es und so nöthig für eine edle Seele, es ist ihr eine so wesentliche Be- nichts hilft in den Nöthen und Aengsten, zu schreien und sich wider dingung aller Tugend, daß fie, um die schöne Erzählung vom Ge- bas Unabänderliche zu empören, und daß es die erste Weisheit in heimsecretair zu schaffen, nur von folchen Lehren durchbrungen zu sein dieser Welt ist, leiden zu können. Ich kann, ohne den mir hier verbraucht. Dieser Saint-Julien, der dafür gestraft wird, daß er geo gönnten Raum zu überschreiten, Herrn Poitou auf dem Boden, auf zweifelt bat, - der leichteste, der gerechteste Argwohn als eine er welchen er sich gestellt, nicht weiter folgen. Aber ich habe meinen Lesern niedrigende Schwäche dargestellt - es ist das gewiß nicht das Meiftere wenigstens andeuten wollen, daß es leichter wäre, als er glaubt, ihn werk der Madame Sand; aber es ist einer von den Gedanken, die auch auf diesem Boden zu bekämpfen“. ihren Geist und den allgemeinen Charakter ihrer Werke am besten charakterisiren. Balzac's ganze Weisheit, feine ganze von der Welt

Algerien. so sehr gepriesene Erfahrung läßt sich in die zwei Worte zusammen.

Das Lyceum in Algier. fassen: ,,Man muß lernen, Mißtrauen zu haben". Ihm ift die Welt Bei der vorjährigen öffentlichen Preisvertheilung in der genannten eine große Gaunergesellschaft

. Wenn man ihn gelesen, ist man in Anstalt hielt der interimistische Direttor Boiffier an die Schüler eine Versuchung, in denen, die uns umgeben, Feinde von vollendeter Anrede, die, wenn sie auch nichts pädagogisch Neues oder InteressanSdlechtigkeit und in den gewöhnlichsten Vorgängen um uns ber eine tes enthält, doch wegen des Ortes, an dem sie gehalten wurde, auch Reihe von liftigen, mit der raffinirtesten Verstellungskunst angelegten in Deutschland gern gelesen werden wird. Nachstellungen zu argwöhnen. Balzac hat sich außerdem nicht darauf Mit Anspielung auf eine vorangegangene Ansprache begann beschränkt, bloße Streifzüge in die Welt der Sträflinge und der er also: ,,Mit Vergnügen, meine lieben Zöglinge, schließe ich mich Freudenmädchen zu machen. Er gefällt sich nur in dieser Welt, er dem Ausdruck der Befriedigung, den liebevollen Rathschlägen, der macht sich in ihr heimisch und will aus ihr nicht mehr heraus. Die edlen Sprache an, die Sie foeben vernommen haben. Sie werden meisten seiner Charaktere find mit Laftern behaftet, die auf die Va es aber, wenn Sie auf mich hören, nicht bei dem bloßen Beifall bes Teere bringen. Was fann häßlicher sein, als dieser Haufe, den Bal wenden lassen, sondern fich entschließen, fie in That zu verwandeln. zac schildert? Und was kann uns mehr ansprechen, als dieses Volf, Wohl find Ihre Lehrer mit Ihnen zufrieden; wohl geben alle Bewie Madame Sand es in einigen ihrer Helden darstellt? – 3ch richte – freudig wiederhole ich's in Gegenwart Ihrer Angehörigen untersuche hier nicht, wer mit seinen Schilderungen Recht hat, ob Zeugniß von 3hren Fortschritten im Allgemeinen, und doch würde es Madame Sand oder Balzac. Aber ich frage noch einmal, ob man nicht zu Ihrem Vortheil ausschlagen, wenn Sie sich über das täuschten, demselben Einfluß auf die moralische und politische Gesinnung des was 3hnen noch fehlt, und Sie werden mir's Dant wiffen, daß ich französischen Volfes zuschreiben darf – dem Romantifer, der zuleßt es Ihnen ohne Rückhalt sage. die „Paysans" verfaßt, und der Sáriftstellerin, welche in den un ,,Es sei fern, Shren gebührenden Antheil an dem Ruhme, Ihre bemittelten Klassen nie etwas Anderes gesehen, als Selbstverleuguung Freude an den jeßt bald zu verfündenden Triumphen verkümmern zu und Aufrichtigkeit, welche dieselben in ihren verzweiflungsvollften Lagen wollen. Nein, diese Triumphe find verdient, diese Freude ist eine bes noch voll Hingebung schildert, welche dieselben in Gestalten, wie rechtigte. Im ganzen Laufe dieses Jahres haben Sie eine hingebende Lelio, Geneviève, Fadette, Jean der Zimmermanu, Marcasse, Pas Pflichtentreue bewiesen, Sie haben begriffen, daß die Arbeit nüßlich, tience - fo voll von Anmuth und von Kraft, daß man sie nie wieder daß pünftlicher Gehorsam gegen die Regel ebenso angemessen wie vergißt verförpert hat? - Balzac war ein Mann des alten nothwendig ist. Es ist der beste Beweis Shres guten Willens und Regime; wenigstens wollte er ein folcher sein; er konnte die Her- das schönste Lob in der fast unsichtbaren und doch überall gegenzoginnen ebenso wenig entbehren, wie die Sträflinge. Ich weiß nicht, wärtigen Leitung unserer Anstalt, daß fie dem Anschein nach ganz wie oft er Elegieen zu Ehren der Lettres de cachet und der Bastille allein, gleich einem aufgezogenen Uhrwerk, geht: To fest die Ordnung zusammengestoppelt hat. Er hat sein ganzes Leben hindurch Anspruch darin gegründet ist, so leicht wird die Regel darin beobachtet. darauf gemacht, eine Säule der erschütterten Kirche zu sein. Mas „Ich habe Ihnen aber versprochen, mit rückhaltsloser Freimüthigkeit bame Sand erfindet fast in jedem neuen Werke eine neue Religion zu sprechen: Sie müffen also mehr thun, Sie müssen es besser machen. oder eine neue Form der Republit".

Sie sind an Gemüth und Geist glüdlich genug begabt, um Ihr Auge Die Schlußbetrachtung der Kritik, aus der wir alles Wesentliche auf ein ferneres, auf ein höheres Ziel zu richten. Das sage ich nicht, vollständig mitgetheilt haben, lautet folgendermaßen:

um Ihnen zu schmeicheln; im Gegentheil, es liegt darin mehr ein ,,3h weiß wohl, daß ich, indem ich gezeigt habe, wie Herr Tadel, als ein Lob; id sage damit: Sie brauchen nur zu wollen, um Poitou aus tendenziöfen Beweggründen einen beträchtlichen Theil Ihre Pläße in den ersten Reiben einzunehmen. Von dem Tage an, unserer Literatur bei Seite gelassen, ihn in seiner Festung nicht wo Sie mit Festigkeit sagen werden: ,,I will!" haben Sie das Schwieangegriffen habe. Es sind Bücher vorhanden, auf die er mit Recht rigste vollbracht. Dieser feste wille wird sich befunden in nach hinweisen kann, wenn er beweisen will, daß das Theater und der Haltigem Lerneifer, in verdoppelter Aufmerksamkeit vor den kehrstühlen, Roman der Gegenwart die Familie und das Eigenthum angreifen, in der größeren Sorgfalt der gewöhnlichen Schularbeiten, in der gedas Band der Ehe lodern, die verirrten Schafe preifen, ohne fich feilteren Abfassung der stylistischen Aufgaben. Durch fleißige und ges die Mühe zu geben, sie in den Stall zurüdzuführen, den Armen gegen wählte, mit gespanntem und anhaltendem Selbstdenken verbundene Priden Reichen beßen, fich darin gefallen, den Ueberbruß am Leben und vatlektüre der Meisterwerke in jedem Fache werben Sie die Lectionen den Haß gegen die bestehende soziale Ordnung zu verbreiten. In vervollständigen, die ihrer Natur nad beschränkt sein müssen und diesen Büchern find moralische und öfonomische Theorieen enthalten, Synen nur den Weg zeigen können; ihn zu geben, ist Ihre Sache, die um so weniger zu entschuldigen sind, weil sie eine große Frivoli- und um ihn mit Auszeidzunng zurückzulegen, benußen Sie die Kräfte tät offenbaren in Dingen, wo alles ernst ist. Aber manche Stellen, und Gaben, die alle Ihre Lebrer in Jynen anerkennen. die Herr Poitou mit Leidenschaftlichkeit dem öffentlichen Unwillen ,,Entschuldigen Sie nicht, wie soll ich sagen, eine gewisse ichmach. preisgiebt, sind von der Art, daß man sich gedrungen fühlen müßte, tende, weiđsliche Abspannung mit der Sdjönheit unseres Himmels, mit die mildernden Umstände hervorzuheben, besonders wenn man sie erst der Lieblichkeit unserer Natur-Umgebung, mit den übertriebenen Gluthen in dem Zusammenhange, aus dem sie herausgenommen find, vor der afrikanischen Sonne. Haben diese Sonnengluthen unseren tapferen Augen bätte. Andere Stellen, die er anführt, find selbst in ihrer Marschall“) mit seinen braven Soldaten abgehalten, im vollen Juli, Heftigkeit nur der gerechte Ausdruck fittlicher Gefühle, die nur zu oft

*) Randon, Generals Gouverneur von Algerien, der bri bir Feier jos mit Füßen getreten worden, sind. Ist die Ehe in der Welt nie ein gegen war.

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in demselben Monat, der Sie krönt, noch ganz andere schroffe Ab- Patriarch von Konstantinopel, wie folgt: ,,Die große Kirche fann nur bänge, noch ganz andere steile Höhen zu erklimmen, als diejenigen von hoher Freude und Lust erfüllt sein, wenn sie siebt, daß ihre rechtHöhen und Halden, die wir Ihnen zu übersteigen zumuthen? Gegen- gläubigen Kinder, die frommen Christen, überall dem Unterridt ibre über solchen Schwierigkeiten, so mühevoll und so glorreich überwunden, wärmste Theilnahme zuwenden; daß fie hellenische Schulen, Sdulen würde es sich schlecht schiden, von Sdwierigkeiten zu reden, die Sie des gegenseitigen Unterrichts und Mädchenschulen gründen, die sie mit zu überwinden haben. Sie wandeln vielmehr um der Sprache der ungeheuren Kosten unterhalten, in die sie ihre geliebten Kinder eifrig Musen, an deren Brüsten Sie trinken, ein Bild zu entlehnen fchicken und fie aufmuntern, hier das süße Wasser einer verfittlichenüber die sanftesten Abhänge, durch frische und lachende Thäler, durch den Belehrung und einer tugendhaften Aufführung zu schöpfen; daß das Grün und die Blumen der Fluren.

fie endlich alle zu der vollkommenen Einsicht gekommen, daß ohne ,,Erschlaffen Sie also nimmer unter eitlen Vorwänden, so lange Unterricht kein Gewinn sich verwirklichen lasse, weder für den Leib, Sie auf diesen Bänken fißen. Die Schuld des Nachlassens im Ar- noch für die Seele.

noch für die Seele. – Wenn aber andererseits die große Kirche fiebt, beiten auf einen Wärmegrad schieben, ist findisd). Eine solche Ges daß der Eifer für den Unterricht aus Mangel an Kenntniß und Einringfügigkeit schreckt den Muth, wie Sie gesehen haben, nicht zurück. ficht feine oder nur unbedeutende Ergebnisse erzeugt, daß aus ilm Vereinigen Sie mit der Lernbegier die Kraft, Energie und Entschieden- febr oft Verderbniß und Ruin der Sittlichkeit hervorgehen: fo beflagt beit mit der Liebenswürdigkeit des Charakters, mit dem Mutterwiß fie ein fo unheilvolles Resultat um so bitterer, als die Ursache nicht das erworbene Wissen, mit den löblichen von uns allen anerkannten auf den Willen der Aeltern zurüdzuführen ist - denn sie alle wüns Anlagen, Festigkeit, Eifer, unbeugsamen Ehrtrieb, die allein zu den schen, daß ihre Kinder besser werden und fich gut betragen, - fondern geistanstrengenden Studien befähigen, die der Minister, der Sie beob- auf die Unerfahrenheit und Unwissenheit vieler Personen, die nicht achtet, in einer seiner lebten amtlichen Zusdriften uns an's Herz legt, wissen und nicht wiffen können, was zu einem Lehrer gehört. Daber bei 3inen zu fördern.

kommt es, daß die unschuldige Jugend im Kindheitsalter gottlosen, ,,Mit der lebhaften Anregung Ihres Alters werden Sie diesem Tittlichverberbten, marft dreierischen Lehrern anvertraut wird, und weit Ruf höheren Drtes entsprechen. Sie werden darauf halten, sich in entfernt, lebren der Tugend und Frömmigkeit zu empfangen, kann sie jedem Betracht der allgemeinen Gunft, deren Sie sich erfreuen, würdig von ihnen nur Schlechtigkeit und Unsittlichkeit lernen.

. - Die Wahl zu erweisen und die Hoffnungen, die von so vielen Seiten auf Sie eines Lehrers fordert deshalb große und ernfte Aufmerksamkeit. Die gestellt werden, zu rechtfertigen....."

Personen, denen man die Aufgabe anvertraut, die Jugend zu bilden, müssen tugendhafte, weise und fromme Männer, vor Alem aber Männer

sein, die aufs sorgfältigste darauf feben, die Dogmen der rechtgläubigen Mannigfaltiges.

Kirche unverleßt zu erhalten und zu lehren. Solchen Lehrern ans Naturwissenschaft und Philosophie. In einer geist- vertraut, werden die Kinder ohne Zweifel in Tugend und Wissen reichen Kritik materialistischer und spiritualistischer Schriften (Nr. 12 fortschreiten"..... der , Blätter für literarische Unterhaltung") fagt Herr Dr. Karl Aus diesem Stand der Dinge zieht nun der Patriarch den nothFortlage: ,, Naturwissenschaft ohne Philosophie gleicht einem feuchten wendigen Shluß, daß die Lebrer der Jugend durch die Bischöfe ges und dumpfen Anger, welcher zwar wohl bewäffert ist, aber so in Thal- wählt werden müssen, und verordnet, daß die Schul- Vorstände in sludyten versenkt liegt, daß das Sonnenlicht nur kurze Zeit des gleicher Weise aus den unparteiifchen, tugendhaften, redlichen und, Tages und spärlich zu ihm dringen kann. Er treibt zwar eine Gras wo möglich, gut unterrichteten Männern gebildet", unter der obersten fülle von überreichen Säften, aber der Genuß des Grases ist der Ueberwachung der großen Kirche und übereinstimmend mit den Wünweidenden Heerde ungesund. Seine Bäume und Sträucher tragen schen der Aeltern ihr Amt zu verwalten haben. saftreiche Früchte, aber es mangelt ihnen der Reiz des Duftes und das Feuer des Geschmades. Damit soll den Naturforschern nicht zu

,,Gedanken eines Laien über den indisden Aufgemuthet werden, fidh bis in die Gluten der reinen Speculation hin- stand“) heißt eine jüngst erschienene englische Flugsdrift, welche die aufzubegeben, wo die Juli-Sonne des fich felbft benfenden Gedankens Literary Gazette gegen das hohle und unverständige Geschrei in der jeden feimenden Halm verborrt; sondern es giebt zwischen beiden Er- Meetings, das in der englischen Presse feinen Wiederbat findet, als tremen eine große Menge von Mittelftellungen. Und in ihnen eben Antidot angelegentlidit empfiehlt. , Nichts ist leichter, sagt der liegt die Gesundheit und das fröhliche Gedeihen".

Verfasser unter Anderem, ,als auf der Kanzel oder der Rednerbühne

durch den allgemein hingestellten Sat: es müßten alle thunliche Englisches Buchhändlerblatt. Im vorigen Monat ist Mittel in Bewegung gefeßt werden, die 200 Millionen in London die erste Nummer einer neuen Monatsschrift ausgegeben wilder Heiden zum Christenthum zu bekehren, die Zuworden, die für England das werden soll, was das in seiner Artstimmung und den Beifall der Zuhörer hervorzurufen. Gehen wir musterhafte Leipziger Buchhändler-Börsenblatt für Deutschland ist. aber an die Untersuchung der thunlichen Mittel, so stoßen wir auf Das neue Organ des englisden Buchhandels heißt: „The Bookseller: ernste Sowierigkeiten, die zunächst und hauptsächlich aus unserem A Handbook of British and Foreign Literature". Wie das Leipzi- eigenen religiösen Zwiespalt entspringen. Ueber den rechten Sinz ger Blatt, bringt das englische zunächst buchhändlerische Inserate in der Ausdrüde: ,,Christenthum und Bekehrung“, sind wir selbst Bezug auf druckfertige Bücher, Tausd - Anerbieten von Verlags-Ar- leider unter uns himmelweit von einander verschieden. Wie sollen tifeln, wie sie im englischen Buchhandel vorzukommen pflegen, An Männer, die gegenseitig Einer des Anderen Evangelium als unecht fragen zc, worauf ein übersichtliches, mit Bemerkungen über den 3n- verdächtigen, zur Ausführung eines gemeinschaftlichen Befehrungsbalt ausgestattetes Verzeichnis der im abgelaufenen Monat ersdiene. Planes einander die Hand bieten? .... Gefeßt, der Staat übernähme nen Bücher folgt und literarische Notizen sich anschließen. Unter die Aufgabe oder die Bürgschaft des Befehrungswerkes – welches leßteren findet sich Nachstehendes: Als der Buchhändler Murray im Bekenntniß soll er lehren? Das hochkirchliche? das wesleyanische? vorigen Jahre als Reisender auf dem Verbeck eines Mittelländischen das unitarische?.... Bei der bisherigen Regierung Indiens kamen, Dampfschiffes sich befand, knüpfte er dort zufällig eine Unterhaltung wie bei jeder Regierung, Mißgriffe vor; sie waren aber nicht die lirmit einem anderen Passagier an, der ifm erzählte, daß er eben aus sache des Aufstandes..... Unsere fünftige Politik muß wesentlich dies Afrika zurüdkehre und in England einen Bericht über seine Reise selbe bleiben; nur muß eine ausreichende Anzahl britischer Trupper herauszugeben denke. Herr Murray fand die Mittheilungen, die ihm durch das ganze Land in feften Pläßen garnisonirt werden, um die der Reisende über Afrika machte, so anziehend und unterhaltend, daß Eingebornen in Zaum zu halten; der Vernachläffigung dieser Vors er ihm sofort das Anerbieten machte, fein Buch verlegen zu wollen, ficht ist die neuliche Katastrophe zuzuschreiben..... Die Verbreitung und ihm auch sogleich ein Honorar von 2000 Guineen (14,000 Thlr.) deo Christenthums muß nach wie vor der freien Thätigkeit der dafür bot. Der Reisende (bis dahin ein in der literarischen Welt Missionen und der Einzelnen, die sich dazu berufen fühlen, überlaffen unbekannter Name) nahm dankbar überrascht das Anerbieten an, und bleiben. Nicht physische Gewalt, sondern der Handel und die verder Erfing seines Werkes hat bewiesen, daß der erfahrene Verleger edelnde Civilisation müssen, wie bisher, die Vorläufer und die Organe feine Leute richtig zu beurtheilen versteht. Es war livingstone, bleiben, durch welche das Evangelium über den Wahnglauben seinen dem er das Anerbieten gemacht, und nach dem außerordentlichen Bei- Sieg vollendet." fall und Absat, den bas afrikanische Reisewerk gefunden, bat ber liberale Buchhändler bem Autor auch noch eine ansehnliche Nach *) Lay Thoughts on the Indian Rebellion. zahlung bewilligt

Der öffentliche Unterricht im Orient. In einem Hirtenbriefe äußert sich darüber der Erzbischof Cyrillus, ökumenischer

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Die Physiker erforschten die Wärme der Erde, sowohl die ihr Frankreich.

von ihrem Ursprunge her innewohnende Wärme, als auch die, welche

ihr die Sonne bringt; - die Ursachen der Erdbeben, das Gleich. Haben auf der Erde auch schon vor der legten geologischen

gewicht der Meere, die elektrischen Strömungen, den Magnetismus, Epoche Menschen gelebt? *)

die eisige Kälte der interkosmischen Räume, gegen die wir nur durch Diese Frage ist schon oft gestellt und bisher immer mit Nein unsere dide Atmosphäre geschüßt sind. beantwortet worden. Es find Thatfachen und Gründe dafür angeführt Die Chemiker suchten die Eigenschaften der kleinsten Theile worden, daß die Menschen nie mit anderen Thieren zu leben und zu der Erbmaffe zu erforschen; fie ftellten die Anzahl und die Eigenkämpfen gehabt, als mit denjenigen, welche heutzutage die Länder, die schaften der einfachen Stoffe fest; sie zerfekten, was zusammengefest Gewässer und die Atmosphäre bevölkern. Es ist in der That sicher,

Es ist in der That sicher, war, verbanden, was getrennt war, zeigten, daß die Stofftheilchen, daß in den tieferen Erbschichten Menschenknochen nicht gefunden wors nie vergebend, nur ihre Erscheinungsform ändern; fie offenbarten die den find, oder wenigstens sind Auffindungen dieser Art fehr selten und Sympathieen, die Antipathieen und das Zahlenverhältniß, in welchem gewöhnlich unficher und zweifelhaft gewesen. Die Theorie ihrerseits die Stoffe fich verbinden und sich trennen. Die Erkenntniß, die sie hat gegen dieses Ergebniß der Erfahrung keinen Widerspruch zu ers in ihren Laboratorien durch Versuche und Beobachtungen gewonnent, beben gehabt; eine gründliche Forschung hat zu der Einsicht geführt, feßte sie in den Stand, die Vorgänge in dem großen Laboratorium daß die Pflanzen und Thiere, von denen Ueberreste in den unteren der Natur zu verstehen, wo das ftets leuchtende und brennende Schichten der Erdrinde gefunden worden sind, die also als die älteren Sonnenfeuer seit Tausenden und Tausenden von Jahren wirksam ist. angesehen werden müssen, in der Rangordnung der organischen Wesen Die Biologie fand bald Beranlassung, Folgerungen in Bezug eine niedrigere Stelle einnehmen, als diejenigen, die in den oberen auf die Geschichte der Erde zu machen. Mit geübtem Auge die verjüngeren Schichten aufgefunden worden sind. Es fonnte also nicht schiedenen Erdschichten durchmusternd, erkannte sie darin Spuren von befremdend erscheinen, daß der Mensch, die Krone der organischen Pflanzen- und Thierwelten, welche von den gegenwärtig daseienden Schöpfung, in den früheren geologischen Perioden noch nicht eristirt hatte. verschieden sind. Zu einer gewissen Tiefe in der Erdrinde gelangend,

Jedoch sind troß dieser Uebereinstimmung der Thatsachen mit fand man feine Spuren mehr von organischen Wesen; man erkannte, der Theorie von Zeit zu Zeit Bedenken erhoben worden gegen die daß die Erde älter ist als das auf ihr entstandene organische Leben, Entscheidung, welche dem Menschen jede geologische Eristenz abspricht. und weiter, daß die Pflanzen - und Thierwelten von Periode zu Nicht, daß die Theorie dadurch auch nur im mindesten wankend ges Periode andere gewesen sind. macht worden wäre; fie bleibt, was sie früher war. Es steht fest, Die positive Geologie warf ein neues Licht auf die Biologie, daß eine Entwiđelung des Lebens vom Unvollkommneren zum Voll- indem sie die Wechselbeziehung, die zwischen den lebendigen Wesen fommneren stattgefunden und daß der Mensch eine der spätesten und ihren äußeren Umgebungen ftattfindet, am deutlichften zeigte. Schöpfungen der Erde ift. Aber gewisse Thatfachen, die sich immer Zebe Entdeckung eines neuen Erbtheiles, einer Insel, wie Madagaskar wieder aufdrängen, scheinen die Wissenschaft bahin bringen zu wollen, und Neu-Seeland, bereicherte die Botanik und die Zoologie, und es daß fie ihre Entscheidung in Etwas abändere. Wenn man diese That war flar, daß die Erbtheile, die Länder, die Inseln mit ihren besonderen fachen gehörig beachtet, so wird man einräumen müssen, daß der klimatischen Verhältnissen auf die Pflanzen- und Thierwelt eingewirkt Mensch eine ältere Eristenz auf der Erde gehabt, als man bisher hatten. Aber was sind große Länder oder ganze Erbtheile im Verangenommen, daß er mit den Mastodonten, mit den Elephanten, die hältniß zu der Erdoberfläche, die in den verschiedenen geologischen Europa bewohnten, mit dem Riesenhirsch, dessen Knochen man noch Perioden ganz anderen Bedingungen unterworfen gewesen? findet, mit den Bären, deren Gebeine in antediluvianisden Höhlen Was folgt aus dieser Erfahrung über den Einfluß der äußeren gefunden werden, zusammen auf der Erde gelebt hat.

Umgebungen auf das organische Leben in Bezug auf den Mensden? — Es hat lange gedauert, die Menschheit hat große Fortschritte in Wenn der Mensch schon in der Periode gelebt, wo sich die unter dem allen Wissenschaften machen müssen, bis sie den Ueberresten aus den gegenwärtigen Erdboden liegende Schicht gebildet, so ist er anderen früheren geologischen Perioden das rechte Interesse zuzuwenden vers Bedingungen unterworfen gewesen, als denen, die in der gegenwärs mocht hat. Zuerst mußten die Mathematiker den Geist mit dem tigen Zeit vorhanden sind. 3ft der menschliche Typus jener Periode Vertrauen auf das Ergebniß der abstrakten Speculation erfüllen. Wenn in einer der Nagen, die heute die Erde bewohnen, noch vorhanden? Archimedes, Euklides und ihre Nachfolger nicht vorher ben vernünftigen Ist er in den gebildetsten oder in den robesten Raçen wiederzufinden? Zusammenhang in den Zahl- und Form-Verhältnissen aufgefunden Diese Fragen können nur durch eine gründliche Erforschung der in hätten, würde Cuvier nicht den vernünftigen Zusammenhang zwischen ziemlich bedeutender Anzahl vorhandenen Spuren einer foffilen Menben untergegangenen und den gegenwärtig eriftirenden Pflanzen- und schengattung eine Antwort finden. Thier-Gattungen aufgefunden haben.

Es ist befannt, daß Cuvier in Bezug auf die Affen aus denDas erste Ergebniß der abstrakten mathematischen Forschungen selben Gründen, wie in Bezug auf die Menschen, angenommen hatte, war die den griechischen Geometern aufgehende Erfenntniß, daß die daß sie den tieferen Erdschichten fehlen, und daß fie erst in der Periode, Erde ein fugelartiger Körper ist. Eratosthenes versuchte schon, die wo die Menschengattung erscheint, entstanden sind. Aber durch die Erde zu meffen; er gab ihren Umfang auf 250,000 Stabien, 0. é. Auffindung fossiler Affen ist diese Annahme Cuvier's widerlegt. Diese 45 Millionen Meter, an, wobei er nur um 5 Millionen Meter irrte. Affen haben nicht blos in Asien und in Amerika gelebt, sondern audy In dem Maße, als die Messungsmethoden sich vervollkommneten, fam im nördlichen Europa, z. B. in England, woraus hervorgeht, daß die man der richtigen Bestimmung nabe. Gleichzeitig ergaben fich neue Temperatur in Europa damals höher war als jeßt. Folgerungen: die Erde war keine Kugel, sondern ein Ellipsoid; dieses Man ist jeßt, wo es feststeht, daß die Ordnung der Vierbänder Ellipsoid war nicht regelmäßig, sondern in der Aequatorgegend an in der foffilen Welt vertreten ist, mehr, als früher, dazu berechtigt, geschwollen, an den Polen abgeplattet. Diese Gestalt fonnte die Erde zu suchen, ob nicht auch die Drdnung der Zweihänder sollte vernur im Zustande einer flüssigen Masse angenommen haben. Die treten fein. Astronomen haben weiter das Gewicht der Erde bestimmt, fie haben Man findet in vielen Gegenden Höhlen, welche mitunter recht gefunden, daß die Erde im Ganzen sechsmal so schwer ist, wie eine bedeutende Massen von Thierknochen enthalten. Herr Lund, ein uns Wasserfugel von gleicher Größe. Er konnte nun nicht mehr an ermüdlicher paläontologischer Forsder, hat in Amerifa mehr als achtgenommen werden, daß die Erde hohl fei; es ftand fest: die Dichtig- hundert folcher Höhlen untersucht, aber nur in fechs von ihnen hat er keit der Erdmaffe nimmt mit der Tiefe der Schichten zu.

Menschenknochen gefunden und nur in Einer Menschenknochen neben *) Nad einem von E. Littré verfaßten Artikel ber Revue des deux

Knochen von Thiergattungen, die noch vorhanden find oder früher Mondes.

eristirt haben. Diese freilich vereinzelt daftehende Thatsache veranlaßt

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