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tion zu, obgleich gegen leştere Ansicht zu sprechen schien, daß man Nord: Amerita.

hier im verflossenen Jahre an Morb und Tobtschlag und an blutigen

Erzessen durchaus feinen Mangel bemerken konnte. “)
Deutsche Berichte aus New: York.

Ein anderer Unfug besteht darin, daß Rowdies und Jungen, und

darunter fehr schmußige und zersumpte, in Banden herumlaufen, in Ein Spaziergang in New York, Brooklyn, Williamsburg den Schankwirthschaften und Cigarrenläden „a Happy New-Year" und auf dem lande, am Neujahrstage 1858.

wünschen, zugleich aber mehr oder minder unverschämt Cigarren, Der erste Januar gehört zu den Tagen, an denen wir hier Branntwein, Bier und dergleidhen fordern, wohl auch allerhand Ers daran erinnert werden, daß New-York ungefähr in der Breite von zeffe begeben. Man fann hierbei fchon früh am Tage betrunkene Neapel liegt. Wegen des schönen Wetters beschloß ich, so viele Kinder auf der Straße umher taumeln seben. Daß auch dieser UnNeujahrsbesuche als nur möglich abzustatten. Die Straßen hatten fug diesmal nicht so auffällig alo in früheren Jahren war, fann allerein festliches und heiteres Aussehen und eine Menge Menschen bes dings nicht den schlechten Zeiten zugeschrieben werden. Da man aber wegten fich in gleicher Absicht, wie ich, nach allen Richtungen. Der im Rowdyismus und in der Ungezogenheit der Straßenbrut im vertägliche Geschäftslärm war verstummt, die Läden waren größtentheils gangenen Jahre keine Besserung wahrgenommen hat, ist man geneigt, geschlossen, und wer auch die Veranlaffung nicht gekannt hätte, mußte eine bessere polizeiliche Ueberwachung am Neujahrstage anzunehmen, doch beim ersten Anblid bemerken, daß es ein außergewöhnlicher Die Polizei soll nämlich, nachdem sie eine im vorigen Jahre eingea Tag war.

tretene Desorganisation überstanden hat, ießt, wenn auch an Zahl Belanntlich wird das Neujahr von den Amerikanern sehr festlich nicht hinreichend, doch aus befferen Individuen bestehen. gefeiert. Die Damen empfangen an diesem Tage die Besuche der 3ch begann meine Befuche im füblidhen Theile der Stadt, in Herren; die Frau vom Hause pflegt dann in großem Puß die An. einer Gegend, die größtentheils durch Waarenlager eingenommen kommenden zu erwarten und hat einen Tisch zu deren Bewirthung wird, um in einem weiten Bogen über Brooklyn und Williamsburg bereit, der reich mit allerhand Speisen und Getränken befest ift. Die zu geben und im oberen Theile von New-York den Beschluß zu Damen rechnen es sich zur Ehre, recht viele Besuche zu erhalten und machen. Nach einem fröhlichen Frühstück bestieg ich das Fährboot, schreiben wohl auch deren Zahl auf, und die Herren bestreben sich, das neben der Batterie abgeht und nach Hamilton Avenue in Brooklyn den ganzen Tag über bis in den Abend hinein recht viele derselben fährt, denn Brooklyn und Williamsburg liegen befanntlich auf der abzustatten. Mag auch mancherlei Eitelkeit hierbei an den Tag kom- Insel Long Island. Diese Ueberfahrt über den East River zeichnet men, so bleibt es doch immer eine freundliche Sitte, die von den sich durch eine weite und malerische Aussicht aus. Man fäbrt diefseitigen Deutschen, troß ihrer oft lächerlichen Uebersdäßung Ames dort nabe an einer kleinen, zu militärischen Zwecken benußten Insel, rifa's und der Amerikaner, nicht genug anerkannt wird, während sie Governors - Jsland, vorüber, und blidt neben der am Fuße der legtes von ihrer ,,Gemüthlichkeit" etwas zu viel Geschrei machen. Aller ren liegenden Steinmasse von Fort Williams weit hinaus auf die dinge sind die Amerifaner arm an geselligen Freuden, um so mehr Bai und die jenseitige in weitem Bogen fich binziehende Küfte. mag man aber diejenigen anerkennen, welche sich unter ihnen erhalten Da die Häuser, welche ich besuchte, in ziemlicher Entferuung lies haben. Indeß machen viele Deutsche diese Sitte mit, sowie sich bin gen, machte ich dort einen langen, aber an diesem Tage angenehmen und wieder unter den Amerikanern die Sitte der deutschen Weihnachts- Spaziergang. Den Straßen- Unfug fand ich geringer, als in NewBescheerung verbreitet hat, wozu die schönen Nadelhölzer von New York. Von Brooklyn führt eine Eisenbahn nach Williamsburg, deren Jersey treffliche Christbäume liefern. Uebrigens werden zu Weihnach Waggons von Pferden gezogen werden, aber an diesem Tage so überten, wo es nur möglich ist, Truthähne verzehrt, die hier fett und zart füllt waren, daß ich beschloß, meine Wanderung zu Fuße fortzuseßen. bis über zwanzig Pfund schwer zu haben sind. Diese schmadhaften Beide Städte, die zusammen über 200,000 Einwohner zählen, find Truthähne gehören zu den Lichtseiten Amerika's, womit freilich fol- ießt mit dem Namen Brooklyn unter Einer Munizipalität vereinigt, den meiner landsleute, die in hiesigen Berichten vorzüglich Lichtfeiten werden aber gemeinhin noch getrennt genannt. Brooklyn, die fuchen, wenig dürfte gedient fein. Vielleicht finde ich aber eine an größere und südlichere, liegt zum Theil sehr vortheilhaft auf einer dere Gelegenheit, ihnen die Lichtfeiten, welche fie meinen, etwas nä- Höhe und hat viele elegante, mit Baumreiben versehene, aber großenher zu charakterisiren. Man nimmt an, daß diesmal um Weihnachten theils einsame Straßen, in denen die Wohnhäuser von wohlhabenden 20,000 Truthähne verzehrt worden sind und nur den schlechten Zeiten Leuten liegen, welche ihre Geschäfte in New - Yorf haben, so daß die ift beizumeffen, daß diese Zahl nicht größer war. Uebrigens war vom Stadt vorzugsweise von Frauen und Kindern bewohnt wird und mande Drucke der Geschäftsstodung äußerlich nichts zu bemerken, man müßte Männer nur dort schlafen, indeß findet man auch einige lebhafte denn dabin einen Umstand rechnen, der den Tag cher angenehmer Geschäftsstraßen. Vielleicht vermöge dieser hauptsächlich weiblichen machte, als beeinträchtigte. Es ist bekannt, daß allgemeine Festliche Bevölkerung steht Brooklyn ganz besonders in dem Rufe einer fashioe feiten der Amerifaner nach unten bin in einen langweiligen und ro nablen Frömmigkeit. Es enthält eine ganz ungewöhnliche Anzahl von hen Unfug ausarten. Nun befleißigen sich besonders am 4. Juli (dem Kirchen und darunter mehrere für die elegante Welt mit rothgepolstere Feste der Unabhängigkeits- Erklärung), in der Neujahrsnacht und am ten Sißen, welche die Stelle der Kunstwerke vertreten. Unter der Neujahrstage große und kleine Jungen, Loafer und Rowdies und zahlreichen Geistlichkeit giebt es verschiedene schönredende Paftoren, wohl aucy „Gentlemen" (ein Ausdruct, mit dem man in Amerika etwas versdwenderisch umgeht), Pistolen und andere Gewehre auf den *) Im ,, New Yorker Øerald“ vom 3. Januar warb die Zahl der wahStraßen abzuschießen. Die hauptsächliche Gefahr für die Vorüber rend des Jahres 1857 in New: Vorf verübten Morde auf 13, die der Todta

idyläge auf 50 und die der Selbstmorde auf 68 angegeben (bei einer Bevölfegebenden liegt darin, daß ein schlechtes oder überladenes Gewehr zer

rung von angefähr 700,000 Einwohnern). Die ,, Now - Yorfer Criminal: {pringt oder der Ladestock herausgeschossen wird. Es sind dadurch auch Zeitung" bemerkt hierzu nid)t unrichtig: Ninint man an, daß eben so fchon verschiedene Unglücksfälle paffirt; hin und wieder wird wohl viele Morde (erflusive Kindemorde und Abortionen) gänzlich unbefannt bleiben,

daß von den im Fluß gefundenen angeblich Ertrunfencit die Mehrzahl durch auch aus Bosheit eine scharfe ladung abgeschoffen. Dieses Schießen Flußpiraten, und von den am Schlagfluß Gestorbenen eine große Zahl durch war nun diesmal in der Neujahrsnacht und am 1. Januar mäßiger, Gift und leben fam, so bekömmt man erst einen einigermaßen forresten Bes als in anderen Jahren, indeß doch binreichend, um manchem deutschen

griff von den während des lebten Jahres in New York verübten Mordtha

Am 15. Januar rollten drei Galgen - Sandidaten hier gehängt wers Verehrer amerikanischer Zustände, der seine Kenntniß derselben daheim den, blieben aber am leben, weil nach dem gewöhnlidhen Spiele, das in in Sdlafrock und Pantoffeln gesammelt hat, angst und bange zu

Amerika mit der Justiz getrieben wird, ihr Prozeß in die Länge gezogen ward.

Es giebt Staaten in der Union, in denen die Todesstraße abgeschafft ist; durch machen. Eine solche Mäßigung schrieben Einige dem Mangel an

idynittlich hört man aber in Amerifa wiederholt die Klage, baß nicht genug Oeld zum Ankauf von Priver, Andere der fortgeschrittenen Civilisa- gehängt irird.

ten.

deren Predigten vorzüglich auf die Erbauung der Damen berechnet mäler von Merito, Yukatan und Mittel-Amerika, der zahlreiden find, und in deren Kirchen die Siße mit sehr hoben Preisen bezahlt Sagen und Traditionen, die urkundlich seit Jahrhunderten in diesen werden. Die Ratholiken scheinen den Proteftanten an Frömmigkeit Ländern verbreitet sind und der in den Landessprachen erhaltenen nichts nachzugeben und fürzlich foll Pater Gaudentius in Brooklyn schriftlichen Aufzeichnungen dieser Traditionen den von Humboldt in Wunder gethan und Krante mit folchem Erfolge gebeilt haben, daß ihm geweďten Gedanken, daß der Ursprung der antekolumbischen sogar ein Arzt zum Glauben an diese Kuren bekehrt ward.

Civilisation Amerifa's in der alten Welt zu suchen sei, ihm zur vollUngleich weniger von den höheren Klassen wohnen in Williams. ständigsten Ueberzeugung gemacht. Herr Brasseur versucht es bemburg, dagegen ist diese Stadt ftark mit irländischen und deutschen nächst, die Geschichte der Völker von Central - Amerika zu liefern. Arbeitern angefüllt; indeß trifft man neben sehr schlechten auch elegant Die länder Tabasco, Chiapas, Daraca, Yucatan, Guatemala, San gebaute Straßen und in manden derselben noch viele der in New

Salvador und Honduras sind für ihn die Wiege der Civilisation in Ame: York immer mehr verschwindenden Farmhäuser mit Säulenhallen rifa. Die Mannigfaltigkeit des Klimas, die Schönheit und Fruchtbarkeit an der Vorderseite. Dergleichen hölzerne, außen mit Brettern ver. des Bodens erklären die Vorliebe der alten Raçen für diese Gegen: kleidete Gebäude find zwar im Winter sehr falt und im Sommer den, und das hohe Alterthum ihrer dortigen Niederlassungen wird beiß, gewähren aber mit weißem Anstrich und grünen Jalousieen vor durch die Ruinen bezeugt, die den Boden dieser Provinzen bedeđen. den Fenstern einen heiteren Anblick. Verschiedene größere sind mit Leider geht jedoch der Verfasser bei seiner Geschichtserzählung ohne Lurus gebaut und liegen hinter kleinen Gärten, deren schöne Rosen- alle Kritik zu Werke. Statt das Material, das ihm vorliegt, zu flöde in der Blüthe die Eintönigkeit der Straßen anmuthig unter- richten, statt erst festzustellen, ob sich hier nicht Ursprüngliches und brechen. Wegen der vielen Deutiden, enthält Williamsburg Braue Hinzugefommenes, indianische und europäische Elemente durdfreuzen, reien und zahlreiche Bierwirthschaften, denn, ewig uneinig, mißgünstig, statt die verschiedenen Völferschaften und Raçen, die augenscheinlich peidisch und schmähsüchtig gegen einander, find die Deutschen in eine und dieselben Sage ihren Lokalitäten angepaßt und sie daber Amerifa dod im Bedürfniß des Bieres einig. Es giebt daber nichts jede in ihr eigenes Gewand gekleidet, ftreng aus einander zu halten, schrecklicheres für sie, als den Popanz des Temperenzwesens, wodurch wirft er alle diese Geschichten zusammen und macht daraus Eine Gefie in den amerikanischen Parteikämpfen zuweilen geängstigt und bis schichte von Amerifa. So giebt er mit einer Bestimmtheit, als ob zur Lächerlichkeit aufgeregt oder an der Nase herumgeführt werden. die Personalaften des Mannes ihm vorgelegen hätten, die Zeit und Bier und Sprache sind das Gemeinsame, was den Deutsden in die geseßgeberische Wirksamkeit Votan's, des angeblichen Gründers Amerifa geblieben ist.

von Palenque, an, der um das Jahr 1000 v. Chr. gelebt haben soll. Als ich unter mancherlei Gedanken mich dem Behagen am mil Dieser Votan fou der Moses, Lykurg oder Solon von ganz den Sonnenschein überließ, hatte ich in der Gegend, wo Brooklyn Amerika gewesen sein, und zwar geht Herr Brasseur soweit, nach fid in Williamsburg verliert, den rechten Weg verfehlt und war Herrn Ordoñez, dem sehr unglaubwürdigen spanischen Bearbeiter ganz aus dem städtischen Anbau herausgekommen. Statt umzukehren, alter Handsdriften in der Quiche- und der Tsendale- Sprache zu erbeschloß ich, noch ein Stück auf's Land hinauszuwandern. - In den zählen, Botan babe fich zur Zeit einer Abwesenheit von seinem VaterZeiten der Prosperität, welche mit 1852 begann und zu Ende von lande wahrscheinlich in Asien, und zwar in Palästina, befunden, wo 1854 niederging, ist dort in illusorischen Hoffnungen oder mit betrü. er den Salomonischen Tempel und viele andere schöne Dinge gesehen, gerischer Speculation an verschiedenen Stellen die Anlage neuer die er dann in Palenque nachgeabmt habe. Damals soul Votan das Ortschaften versucht worden. Manche sind nie zu Stande gekommen, land in vier Königreiche getheilt, Tulba gegründet haben, dessen andere zurüdgegangen und der Anbau des Bodens von geringer Qua- Ruinen bei Dcocinco in der Provinz Chiapas aufgefunden worden, lität ist nur dürftig gelungen. An den Eden verschiedener Kreuza den Tempel im Thale von Soconusco, am Abhange der nach der wege jener eingebildeten Städte und Stadttheile fand ich Tafeln, Südsee binausschauenden Corbilleren gebaut, in diesem Tempel den welche den Verkauf von Grundstüden ankündigten. Für das Auge Tapir - Kultus mit Mysterien und einem Priesterfollegium, das unter nehmen sich aber die vielen weißen Häuschen, welche theils Anfänge einer Oberpriesterin stand, eingeführt und noch mehrere andere jenes erschwindelten Anbaues, theils Wohnungen auf Farmen sind, die Städte, sowie einen Sonnentempel auf dem Gipfel des Ercuruchan, bort nach natürlichem Bedürfniß entstanden, sehr anziehend aus. Weite gegründet haben. bin liegen sie auf dem auf- und niedersteigenden Terrain zerstreut, Man kann hieraus ungefähr abnehmen, wie gewagt und unfritisch darunter zuweilen ein stattliches, von Holz gezimmertes Haus mit einer die Geschichte des heroischen Zeitalters der Ur-Amerikaner ist, die kleinen Garten-Anlage, deren Wintergrün der schönen einheimischen uns Herr Brasseur de Bourbourg erzählt. Es hat schon seinen Nadelhölzer das Auge erfreute; andere find so klein, daß man sie Werth, daß solche Sagen und Traditionen der Indianer aud in der faft mit Puppenhäuschen vergleichen möchte.

wissenschaftlichen Welt bekannt werden. Aber es wird noch mandes (Schluß folgt.)

Dunfel aufgebelt, manches hieroglyphische Räthsel gelöst werden

müssen, bevor an eine Urgeschichte von Amerifa gedacht werden kann. Mittel: Amerika.

Frankreich.
Zur Urgeschichte von Amerika.

Estienne Dolet, Der franzöfische Abbé Braffeur de Bourbourg, befannt durch seine wiederbolten Reisen in Mittel - Amerika, wo er unter Anderem sein Leben, feine Werke und fein Märtyrerthum. das im ,, Magazin" bereits erwähnte, später auch von dem österreichis Estienne Dolet, oder mit seinem latinisirten Namen: Stephanus schen Reifenden Dr. Scherzer in Guatemala gesehene Manuskript in Doletus Aurelius, der berühmte Druđer im sechzehnten Jabrhundert, der Quiche-Sprache zuerst studirt hatte, hat fürzlich in Paris den ist die vollständige Verkörperung, so zu sagen, das Fleisch und das ersten Band eines umfassenden Werkes über die Geschichte von Ames Wort dieser Epoche , des Rampfes der frischen Wiedergeburt gegen rifa, vor dessen Entdedung durch Columbus, erscheinen lassen. o) An die Fäulniß des Schlendrians, der Freiheit gegen die Ueberlieferung, knüpfend an einen von Humboldt in seinem ,, Examen critique de der Idealität des Rechts gegen die Brutalität der That". Und er la Géographie du nouveau continent" ausgesprochenen Gedanken, bat hat in dem Herrn Boulmier einen Biographen gefunden, der ebenso ber Abbé Brasseur dreimal, in den Jahren 1845, 1848 und 1854, wenig wie er selber mit seinen Meinungen hinterm Berge bält. Reifen nach Amerika unternommen, um den Spuren nachzugeben, die „Man erwarte hier nicht“, erklärt er, „eine unparteiische, mit ande: auf einen Zusammenhang der älteren amerifanisden Civilisation mit rem Worte, eine herzlose Erzählung: eine Art Protokoll, ohne vorges ber asiatischen hindeuten.

faßte Meinung, ohne Theilnahme, worin die Thatsachen, starr und Freilid hatte der Herr Abbé auch allen Ernstes an eine von der leichenbaft, wie die Gerippe in einer Gruft, fich an einander reiben. Gazette de France vor etwa funfzehn Jahren gegebene Nachricht ge 3 bin kein Geschichtsdreiber, ich bin ein Anwalt, und Dolet ist mein glaubt, daß man in Brasilien, in einem alten Grabmahl, eine griechi. Klient. Dffen geftanden, Dolet ist mein Mann: Alles, was ihn zum de Inschrift gefunden, nach welcher zur Zeit Aleranders des Großen Haß, zum Zorn, zur Begeisterung entflammt hat, findet den entein Macedonier in Amerika gewesen sei – und er ist naiv genug, sprechenden Widerklang in meinem Herzen. Kurz, dieser Längftverdies auf der zweiten Seite seines Buches selbst zu erzählen. 3n- storbene ist mein Freund, ich reiche ibm die Hand über drei Jahr : zwischen scheint er sich doch bald von der Abgeschmadtbeit dieser Ans hunderte hinweg." gabe überzeugt zu haben, da im weiteren Verlaufe des Werkes nicht Estienne Dolet wurde zu Drleans 1509, am 3. Auguft, gerade mehr von dieser amerikanischen Erinnerung an Alerander den Großen an dem Tage geboren, an welchem er fiebenunddreißig Jahre später die Rede ist. Dagegen hat ein anhaltendes Studium der alten Dents auf dem Plaße Maubert in Paris den Scheiterhaufen besteigen sollte.

Die Sage, die ihm Franz I. zum Vater giebt, widerlegt sich einfach *) Histoire des nations civilisés du Mexique et de l'Amérique cen durch die Thatsache, daß Franz 1509 erst funfzehn Jahr alt war, trale, durant les siècles antérieurs à Christophe Colombe, écrite sur des was denn doch selbst für einen Prinzen ein zu frühreifer Vater sein documents originaux et entièrement inédits, puisés aux anciennes archives

indigènes, par M. l'abbé Brasseur de Bourbourg. Tom. I. Histoire *) Estienne Dolet, sa vie, ses oeuvres, son martyre, par Joseph l'empire des Toltèques. Paris, Arthus Bertrand, 1857.

Boulmier. Paris, 1857.

dürfte. Die Gesdichte, sagt Boulmier wißig, hat sich ohnehin mehr schwemmungen verschone? Und wie gefällt es euch, daß die Rinder, als freigebig gegen Franz gezeigt, als sie ihn mit dem Beinamen Vater wenn es im Sommer an Regen fehlt, die Heiligenbilder, die Fragen der Literatur besdenfte; man braucht ihn nicht noch zum Vater der von morschem Holz, durch die Stadt tragen? Und diese Stadt, in Literaten zu machen.

ihrer fdmählichen Unwissenheit über das, was wahre Religion fei, In Dolet felbst zeigte sich freilich eine seltene Frühreife. Mit diese Stadt unterfängt sich, aller Welt das Christenthum von ihrem zwölf Jahren kommt er nach Paris, und hier verliebt er sich sterblich Zuschnitt aufzubringen, und die freien Geister, die davon nichts wissen in – Cicero; 1525 besucht er fleißig die Vorlesungen über lateinische wollen, als Keger zu behandeln!".... Eloquenz feines landsmannes Nicolas Béraulb, und im folgenden Und doch hatte Dolet im vorbergehenden Jahre eine furchtbare Jahre reist er nach Italien. Was will er dort? Fragt den Pilger, Mahnung zur Vorsicht bekommen. Ein Professor des Rechts, Jean was er in Bethlehem wit? Ist nicht Cicero in Italien geboren und Caturce, batte bei einem Mable unter Freunden statt des üblichen gestorben?

Trinkspruches: Le roi boit! (der König trinkt) ben: Jesus-Christus Drei Jahre blieb unser jugendlicher Gelehrter in Padua und waltet in unseren Herzen! ausgebracht, und war, als Lutheraner anarbeitete Tag und Nacht, um unter der Leitung Simon's von Ville- geklagt, auf einem der öffentlichen Pläße eben derselben Stadt Touneuve fich die Reinheit des lateinischen Styls und die Kunst der louse lebendig verbrannt worden. Indeß fam Dolet diesmal billiger Reded anzueignen. Im Begriff, nach der Heimat zurüđzukehren, bot weg. Nach einigen Tagen wurde er freigelassen zu großem Uergeribm Jean du Bellay- Laugey, der sich in einer politischen Sendung niß der frommen Seelen, die sich dadurch zu entschädigen suchten, daß zu Benedig befand, eine Secretairstelle an. Dieser war, nach Brantôme, fie die abscheulichsten Schmähschriften gegen ihn in Umlauf feßten und einer der gelehrtesten, beredtesten, weiseften und besonnensten Diplo- Meuchelmörder gegen ihn befoldeten; endlich ließen sie ein verkleidetes maten seiner Zeit, der mit gleicher Auszeichnung die Feder, wie den Schwein auf einem Karren durch die Straßen führen und auf einem Degen führte. Du Bellay, in Gemeinschaft mit dem berühmten Hel- daran befestigten Aushängzettel stand mit großen Buchstaben: Dolet. lenisten Budé, erwirkte von Franz I. die Gründung des Collége de Bei einer so feindlichen Gesinnung, war seines Bleibens in Toulouse France; Rabelais gehörte als Arzt zu seinem Hausstand. Ronnte ein nicht länger; er floh nach Lyon. solcher Mann anders, als den Freund Cicero's bewundern? Dolet nabm Es war aber nicht sowohl das Bedürfniß der Rube, als der also die Stelle an. Nebenbei verfolgte er den Kursus des Battista Wunsch, seine beiden Phillipifen gegen Toulouse druđen zu lassen, was Egnazio, der das Buch „De officiis" erklärte, ein volles Fabr, bes ihn nach Lyon zog. Nachdem er diesen Rachedurst befriedigt, febrte geisterter und verliebter als jemals in seinen theuren Cicero.

er nach Paris und zu seiner ersten Liebe, zu seinem Cicero, zurück, Anbeter Cicero's und Dichter zumal, fehlte ihm nur eine Laura, den er, zu seinem schmerzlichen Bedauern, über den Pandelten eine um es mit Petrarca aufzunehmen; einer jungen Venetianerin, Na. Zeit lang vernachlässigt hatte. Das Jahr darauf suchte er die Ermens Elena, war es beschieden, diese Lüde auszufüllen, und um die laubniß zum Drude seiner ,, Rommentarien" nach, die er erst mit Analogie mit Messer Francesco vollftändig zu machen, starb das Mägde großer Mühe erlangte. Er reiste nun nach Lyon, um sie in die fein (giovinetta) in des Alters Blüthe, und, wie sein Vorbild, fucht er Presse seines Freundes Sebastian Gryphius zu geben, und mit all Trost darin, den schmerzlichen Berluft in - lateinischen Bersen zu der typischen Pracht eines Werkes jener Epoche und mit der sorgbeweinen. Der Treulofe! In der Sprache seiner ersten Liebe die fältigen Korrektur eines so gewissenhaften Druders erschien der erste neue Flamme zu feiern! Welcher Hobn! Aber beruhige dich, Marcus Theil dieses Wunders von Ausdauer und Gelehrsamkeit. Tullius! Es war eine bloße Grille, eine Berblendung, eine Ueber am 31. Dezember 1536 hatte er das glüdliche Unglüd, einen raschung der Sinne. Sein Herz gehörte dir stets; er kehrt zu dir Maler, Compaing, der ihn meuchlings anfiel, niederzustechen. Durch zurüd. Und gerade die Wahl deiner Sprache zu seinen Klagetönen des Königs Gnade entging er dem Galgen und büßte mit einer giebt davon Zeugniß. In einem anderen lateinischen Gedicht bricht zweiten Gefangenschaft. Raum aus dieser befreit, veröffentlichte er er völlig mit der cyprischen Göttin, und in Ausdrücken und Wendun den zweiten Theil seiner „Kommentarien" und legte eine Druderei gen, die einer Dame gegenüber sich nichts weniger als ritterlich aus an. ,, In dem heiligen Feuer, das seine Seele durchglühte, begnügte nehmen. Er schließt mit den Worten: „Wenn du nicht aufhörst, mich sich dieser Schöpfer des geistigen Fortschrittes nicht mehr damit, zu zu quälen, fo fouft du es mit dem blutigen Antliß der Gorgone zu benten und zu dyreiben er wollte auch jenes erhabene Werkzeug thun bekommen, das unter ihrer Aegide verborgen ist — wer? Pallas! des Gedankens, jenes Schwert der Gerechtigkeit, jenen Donnerkeil Nun, wirft du je dieser Gottheit die Spiße bieten, bu feige, folaffe mit tausend Bolzen, den man die Presse nannte, in die Hände beGöttin!"

kommen." Der Entschluß stand nun feft; 1530 mit seinem Patron nad Kurz darauf beiratete er, und im Jahre 1539 wurde er Vater Frankreich beimgekehrt und dem Kultus Cicero's mehr als je ergeben, eines Sohnes, den er Claube nannte. Aber weder die Ehe, noch die fing er an, Materialien zu sammeln, aus denen eines Tages die zwei Vaterschaft, noch auch seine „Bude", wie er es nannte, machten ihn ungebeuren Bände: , Kommentarien über die lateinische Sprache", hers vorsichtiger. Jeden Tag trägt er ein Scheit zu dem Holzstoß, der vorgehen sollten. Um sich aber eine gesicherte Stellung zu schaffen - seiner auf dem Plaße Maubert wartet. In lateinischen Versen greift denn mit der bloßen Literatur brachte man es damals, wie heutzutage, er die Mönche, ,, das Kapuzengesippe, das Vieh mit bängendem Kopf", nicht weit – ging er auf Anrathen seiner Freunde nach Toulouse, aufs heftigste an. Von den Schönheiten, die er ihnen sagt, mag der un auf der dortigen berühmten Rechtsschule die Rechte zu studiren. Schluß eine Probe geben: ,, Der Welt abgestorben"., ja das find Hier hatten sich mehrere Vereine und Landsmannschaften nach den fie; aber nur, weil sie die Erde mit ihrer trägen fast beschweren; versdiedenen Nationalitäten der Franzosen, Aquitanier, Spanier ge weil sie zu nichts taugen, zu nichts als zu Scurtenstreichen und Lasterbildet; bei ihren Zusammenfünften wurden Reden gehalten, welche thaten." Die Mönche hatte er gewagt, anzugreifen und nun gab er die Behörden nicht mit freundlichen Augen ansahen. Dolet unterließ gar , die heilige Schrift in der Volfssprache“ beraus. Ueberdies nicht, sich als Mitglied anzuschließen.

war er überführt, in der Fastenzeit und an anderen von der heiligen Einige von den Studenten begangene Unordnungen lieben dem Kirche untersagten und verbotenen Tagen Fleisch gegessen zu haben“. Toulouser Parlament den Vorwand, die Vereine zu untersagen. Bei der heiligen Inquisition angeflagt, erging am 2. Oktober 1542 ohne daß jene das Verbot sehr beachteten. Dolet, von der französis vom Inquisitor, Bruder Mathieu Drry, und dem Official und erzIchen Landsmannschaft zum Redner erwäbit, nahm es mit dieser Würde bischöflichen Vitar, Grafen von Lyon, Maistre Estienne Faye, der so ernft, daß er am 23. März 1533 festgenommen und auf Befehl Urtelspruch, in welchem sie, den besagten Estienne Dolet für schlecht, des Landrichters Dampmartin ins Gefängniß abgeführt wurde. Das Aergerniß gebend, abtrünnig, feßerisch, für einen Begünstiger und Vera war das erste Glied in der langen Kette von Verhaftungen, die einen theidiger von Regereien und Irrthümern" erklärten und ihn als seiner Feinde zu der Aeußerung veranlaßten, das Gefängniß sei solchen dem Arm der weltlichen Gerechtigkeit überlassen". Man Dolet's Vaterland. Freilich hatte er von den Toulousern nicht mit weiß, was das sagen wollte. Der Bischof von Tulle rettete ihn, und großem Respekt gesprochen, und folgendes Bild, das er von ihnen ent- so kam er mit 14 Jahr Kerterhaft davon. A16 kleinen Ersas für wirft, ist nichts weniger als schmeichelhaft:

bas Vergnügen, ihn selber brennen zu sehen, überlieferte man drei,, Diese Stadt, die sich so ungebührlich vermißt, den wahren zehn seiner Werke, theils handschriftlice, theils gedructe, den Glauben zu besißen, diese alberne Stadt, die fich als eine Fadel Flammen. Doch endlich kam er frei, warb er seiner Frau, seinem des Katholizismus gebahrt, stedt noch bis über den Kopf in dem Söhnlein Claude und seinem lieben Cicero wiedergegeben. Freilich dümmsten türkischen Aberglauben. Oder, was dünft euch von der alls auf nicht lange. An den Thoren von Paris wurden zwei an ihn jährlichen Feier des St. Georg-Tages, die darin besteht, daß man adressirte Ballen in Besdlag genommen, die verbotene kalvinistische zu Pferde im Galopp neunmal um die Kirche rennt? Was meint ihr Bücher aus den Genfer Pressen enthielten. Es war ein Streich seiner zu dem Schauspiel, daß an gewissen Tagen ein Kreuz in die Garonne Feinde. Man verhaftete ihn, wie Jean Caturce, am Dreifönigstage, getaucht wird, um mit ihr, wie die Heiden mit ihrem Eridanus, aber glüdlicher oder gewandter als dieser, gelingt es ihm, am dritten Danubius, Nilus, oder mit dem alten Papa Dceanos schön zu thun? Tage seiner Einterferung, die Wächter zu täuschen und sich nach Was soll man von jenen Gelübden sagen, die an den Strom gerichtet Piemont zu flüdten. Allein die Sehnsucht nad Weib und Kind, werden, daß er im rubigen Flusse bleibe, daß er sie mit seinen Ueber nach feinen alten Büchern und theuren Handsdriften, der Wund,

Manches, was er in der Muße des Erils geschaffen, druđen zu lassen, nachstehende, schöne Stelle aus der Dichtung über das „, Terremoto" sieben ihn mit Madt nad Lyon zurüc. - Der Unglückliche! Raum von Herrn Niceolo Sole mit: hatte er hier den Fuß gefeßt, als er ergriffen und in die Conciergerie

Un profondo sospir misero i monti, nach Parit abgeführt wurde.

Meutre sparso di stelle il ciel ridea,

E cupaiente ribollir le fonti:
Am 4. November 1544 wurde der theologischen Fakultät eine
Stelle aus Plato's Werke, die Dolet aus dem Lateinischen ins Fran-

E un subitano muggbio indi correa

Di foresta in foresta, e torba l'onda. zösische überseßt hatte, zur Beurtheilung vorgelegt; fie lautete:

Spaventata fuggia per la vallea! „, Sokrates:... Es ist demnach gewiß, daß der Tod nicht für

Le montagne balzar su la profonda die Lebenden ist, und was die Verstorbenen betrifft, die find nicht

Base commote, ed al tremor mugghiante mehr und folglich berührt sie der Tob noch weniger. Daber vermag

Da tre mari ondeggio l'itala sponde. er gar nichts über dics; denn du fiebst noch nicht danach aus, bald zu

Es wird den der wohllautenden italiänischen Sprache fundigen fterben, und wenn du gestorben bist, so kann er dir auch nichts an- Lesern unserer Zeitschrift nicht uninteressant sein, mit diesen Terzinen haben, da du nichts mehr sein wirft (rien de tout)".

des Terremoto die fanft lispelnden ,,Quartinen" des „Cantico dei Plato sagt: oú yùp oùx fou = tu enim non eris = du wirft Cantici” desselben Dichters zu vergleichen. Dasselbe beginnt folgennicht sein. Dolet bat mithin die Wörtchen: rien de tout verschuldet.

dermaßen: Die Abgeordneten in Glaubenssachen (deputati in materia fidei)

D'un bacio di sua bocca egli mi baci! erklärten, diese drei Worte ftänden weder im griechischen Driginal,

Che d'ogui vino è l'amor tuo più grato! noch in der lateinischen Ueberfeßung, und das war richtig; fie fügten

Pe' tuoi profumi a le fanciulle piaci,

E il tuo nome è un effuso olio odorato, aber hinzu, dieser Zusaß sei gegen den Sinn dieser Stelle, was mindeftens sehr fraglich ift. Zur Strafe für diese drei Sylben erkannte

Menami teco! Io tratto a la fragranza

Degli olii tuoi, ti correro dappresso! das Pariser Parlament von Rechtswegen:

Mi accolse il re nella sua regia stanza, ,,Daß besagter Estienne Dolet durch den Volstreder der hohen

Ed jo godrò, giubilerò sol d'esso. Gerechtigkeit in einem Karren von besagtem Gefängniß besagter Conciergerie des Palaftes bis zu dem Plaße Maubert geleitet und geführt Englische Ueberseßungen aus dem Deutschen. Ju werde, bier soll an bequemster und paffendfter Stelle ein Galgen auf- England überseßt man jeßt sehr fleißig aus unserer Literatur. Don gerichtet und eingefeßt, und um denselben ein großes Feuer anges

bedeutenden Werken erwähnen wir Bunsens , Zeichen der Zeit", die macht, in welches, nachdem er an besagtem Galgen hinaufgezogen wor eine neue Ueberseßung, und zwar von einer Dame, erlebt haben. den, sein Körper geworfen und mit seinen Büchern verbrannt und Selbst das Buch: ,, Aus dem Frauenleben“, von Ottilie Wildermuth, sein Leib in Asche verwandelt werden. Besagter Gerichtshof hat er. ist überseßt worden, und ein englischer Kritifer zieht es dem größten klärt und erklärt die Güter des besagten Gefangenen, sammt und Theile der englischen Frauenliteratur vor, deren Gehalt mit dem fonders, dem Könige geeignet und heimgefallen.... Besagter Hof Gebalt (Honorar), den die Verfasserin bezieht, im umgekehrten Verhältniß verordnet ferner, daß vor der Hinrichtung des besagten Dolet, er auf zu stehen pflegt“. Von den drei Uebersegungen, die G. Freytag's, Sol die Folter gespannt und der außerordentlichen Tortur unterworfen und Haben“ erlebt hat, war schon im vorigen Jahrgang dieser Blätwerde, damit er seine Mitschuldigen angebe."

ter die Rede. Von der dort berichteten Beurtheilung im Athenaeum Von diesen Kannibalen umringt, stimmte Dolet seinen Sterbes ist übrigens die der Westminster Review febr verschieden. Ein gesang an; in dem herrlichen Liede, das er im Rerfer verfaßte, giebt deutscher Roman", heißt es da, hat diesmal die Palme bei uns ers er fich das Wort, von seinem Leben und seiner Sache nicht abzufallen, rungen wegen einiger der größten Vorzüge in dieser Gattung der und in dieser Gesinnung ging er am 3. August 1546 zum Richtplaß. Literatur. G. Freytag's ,, Soll und Haben“ wird, benten wir, eine Und doch, darf man dem Briefe eines gewissen Florent Junius vom nicht bloß vorübergehende Popularität behaupten" u. f. f. 23ften desselben Monats Glauben beimessen, hat Dolet feine Jrrthümer bereut und auf der Richtstätte ein ihm vom Henfer vorgesag

literarisches aus Rußland. Unter den neuesten literari. tes lateinisches Gebet nachgesprochen, das überfeßt so lautet:

fchen Erscheinungen in Rußland verdient eine Ueberfeßung der Lieder Mein Gott, den ich so sehr beleidigt habe, sei mir gnädig; Béranger's, von Herrn Kurotschkin, Erwähnung, die, nach den im auc du, Jungfrau Maria, ich beschwöre dich, so wie dich, heiliger Russkji Wjestnik enthaltenen Proben zu urtheilen, fich dem eigens Stephan, bittet bort oben für mich armen Sünder!" Dann bätte er thümlichen Charakter und Ausbrud des Driginals mit vieler Treue die Anwesenden ermahnt, seine Werfe mit vieler Behutsamkeit zu ansdließt. – Die zahlreichen Schriften über die Belagerung von Se lefen, und mehr als dreimal betheuert, daß fie gar Manches enthielten, bastopol find durch ein zweibändiges Werk von der Feder des Herrn was er selber niemals verstanden bätte.

Berg vermehrt worden, der auch ein illustrirtes ,,Sebastopol - Album Um aber diese Befehrung nach Verdienft zu würdigen, muß man in ruffischer und französischer Sprache herausgiebt. Ferner hat ein wissen, daß das Parlament fie durch ein vetentum, einen geheimen ungenannter Artillerie - Offizier fein während der Belagerung geführArtifel, den es feinem Erkenntniß anhängte, und den der Henter dem tes Tagebuch im Druck erscheinen lassen. - Von Schloffer's ,, Geschichte Delinquenten im Vertrauen mitzutheilen beauftragt war, gar fehr zu des achtzehnten Jahrhunderts" wird ießt eine Ueberseßung angefüns erleichtern wußte. Dieses vetentum lautete: ,, Und es bleibt in mente digt, bei der es, trog der heutigen milderen Praris, wohl nicht ohne Curiae vorbehalten, daß, wo es besagtem Dolet einkäme, irgend Censurlüden abgehen dürfte. — Solowjev's , Geschichte Rußlands" ift Aergerniß zu geben, oder irgend eine Gotteslästerung zu äußern, ihm bis zum fiebenten Bande (1584 — 1598) gedieben; Usträlov's Gedie Zunge ausgeriffen und er ganz lebendig verbrannt werden soll." schichte Peter's des Großen" aber läßt noch immer auf sich warten,

Und das schlau berechnete Mittel mochte sich wohl wirksam be- obgleich der Verfasser schon seit Jahren Bruchstüđe aus derselben in wiesen haben.

verschiedenen Zeitschriften publizirt. – Der Graf Kuschelev-Besborodko

bat einen Preis von 5000 Rubel für die beste Lebensbeschreibung Mannigfaltiges.

feines Großoheims, Alerander Besborodfo, ausgefeßt, der sich unter Poetische Darstellungen des Erdbebens von Neapel. Ratharina II. von einem armen Kanzlisten zum Staatskanzler und Das furchtbare Erdbeben, das die beiden neapolitanisden Provinzen Reichsfürften emporsdwang. - Eine Biographie des unlängst verstorbe. Basilicata (Hauptstadt: Potenza) und Principato Citeriore (Haupt nen Admirals Ricord, befannt burch die Befreiung des Capitains ftadt: Salerno) in den legten beiden Boden des Jahres 1857 Golownin aus der japanesischen Gefangenschaft und durch die von ihm beimgesucht, scheint selbst in Italien nicht das Mitgefühl und die in den griechischen Wirren gespielte Rolle, enthält mandhes Interessante; allgemeine Theilnahme erregt zu haben, welche das Unglück von ebenso die Aufzeichnungen des Herrn Wolfov, eines Antigermanen, über 250,000 Menschen, die ohne Obdach umherirren und denen zum Theil seine Erlebnisse in Frankreich und Deutsdlandwährend der Jahre 1848 und ihre Angehörigen getödtet worden sind, für sich in Anspruch nimmt. 1849. -- Ueber Gogol wurden in der leßten Zeit reichhaltige biographis Wenigstens geht dies aus zwei in Neapel erschienenen poetischen Dars (de Materialien veröffentlicht.

sche Materialien veröffentlicht. — Von neuen Journalen sind zu nennen: stellungen des Erdbebens hervor, worin die Dichter Klage darüber die von Aleris Baumann in Petersburg herausgegebene illustrirte führen, ,, daß jenes traurige Ereigniß, welches so viele Städte, Dörfer Zeitung und der bibliographische Anzeiger in Moskau, der einem längfi und Menschen begraben, in den Zeitungen unter den albernsten Nachs empfundenen Bedürfniß abhilft. Dagegen ist der von Pogodin redigirte richten politischer Art kaum der Aufmerksamkeit werth gehalten werde". Moskwitjanin im vorigen Jahre eingeschlafen. - Einen großen Verlust Die gedachten poetischen Darstellungen, beide in flaffischen Terzinen bat die ruffisde literatur durch das Ableben Peter Kudräwzov's, Proabgefaßt, sind die eine aus der Feder des Herrn Niccolo Sole, feffors der Universal - Geschichte in Moskau, erlitten. Auch das Miteines auch bereits durch eine treffliche poetische Bearbeitung des bibli glied der Petersburger Afademie Korkunov, der fleißige Herausgeber fdhen lied der Lieber“ (Il Cantico dei Cantici) und die andere aus der altrussischen Chroniken, ist fürzlich im zweiundfunfzigften Jahre der des Herrn Michele Achille Bianchi geflossen. Wir theilen seines Alters mit Tode abgegangen.

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Nachdem er feine drei ersten Lebensjahre, faft vergessen, bei einer Frankreich.

Amme in der Nähe von Aurerre zugebracht, nahm sein Großvater ihn

wieder zu fich und that nun Alles, ihn zu einem Taugenichts zu Béranger's Selbstbiographie.

maden. Die Schule besuchte er, obwohl sie ganz in der Nähe war, Seitdem Béranger todt ist, hat man über sein Leben, über seine sehr wenig; er fand immer Vorwände, zuhause zu bleiben, wo er, in Werke, über die Rolle, die er in der Literatur und in der Politit einem Winkel Tißend, aus Kirschfernen Körbchen machte. Die Große gespielt, allzu viel und doch auch wiederum nicht genug geschrieben. mutter that dadurch etwas für seine Erziehung, daß fie ihm bei jeder An seinem Grabe hat nichts gefehlt, was einem Menschen die Un- Gelegenheit Voltaire citirte und am Frohnleichnamsfefte mit ihm an fterblichkeit fichert, weder die Theilnahme eines ganzen Volkes, noch der Feier fich betheiligte. Seine Mutter holte ihn von Zeit zu Zeit die Beleidigungen seitens der Feinde, noch die fobreden und die Thrä- ab, um ihn in das Theater, zum Ball oder zu einer Landpartie mitnen der Freunde.

zunehmen. Aber hat das Urtheil der Geschichte fide schon gehörig abgeklärt! So fam es, daß er, viel hörend und wenig sprechend, Atles lernte, Wir meinen: Nein!

nur nicht lesen. Sind wir schon im Stande, den Dichter, beffen Lieder wir als Als fein Vater 1789 nach Paris zurüdfebrte, gab derselbe ihn in Kinder gesungen, ohne Leidenschaft, ohne Parteilichkeit zu beurthei- eine Pension im Faubourg Saint-Antoine. Er sah hier, wie die len? – Wir dürfen das bezweifeln; aber indem wir das Recht, in Baftille erftürmt wurde, aber lernte auch hier nichts. Er konnte nie leßter Inftanz zu urtheilen, dem nachfolgenden Geschlecht, welches ein anderes lob-Ehrenkreuz als das des artigen Betragens erlangen, freier sein wird, als das unsere, überlassen und den edlen Greis, und es fehlte nicht viel, fo hätte er dadurch, daß er, von einem sehr der es verstand, mit unseren Vätern und auch noch mit uns jung zu gefürchteten Mitschüler dazu verleitet, einen sehr schönen, rothen fein, lieben und bewundern, nehmen wir mit Verehrung die Erbschaft Apfel entwendet hatte, aud diefes Lob verloren. „Vielleicht habe ich an, die er uns vermacht; wir öffnen feine nachgelassenen Werte ohne diefem Ereigniß“, sagt er, ,, meine Aversion gegen die Aepfel und vorgefaßtes Urtheil, wir suchen darin sorgfältig Alles auf, was uns meine Unempfindlichkeit in Betreff der Kreuze zu verdanfen." licht, was unseren Söhnen vielleicht einst Belehrung geben kann.

Als sein Vater plößlich die Stelle eines Notars in Durtal er. Die ,,Biographie" wird gewiß nicht so viele Streitigkeiten ver halten hatte, brachte er den Sohn zu einer Tante, die ein Wirthsursachen, wie die , leßten Lieder". Es ist bis jegt erst eine Vorrede Haus in Peronne hatte. Die gute Frau, fehr arm, nahm Anstand,

da, bewundernswerth durch Einfachbeit, gesunden Menschenverstand, ihn bei sich zu behalten; aber als sie ihn fab, weinte sie, und der : Offenheit, Geist und Gemüth, nur zu bescheiden. Aber wir sind verlassene Knabe fand in ihr eine zweite Mutter. Sie war eine relis

sicher, daß dieselbe, durch die so viel wie möglich vollständige und nicht giöse Frau und dabei eine leidenschaftliche Republifanerin. Sie brachte forrigirte ,, Korrespondenza vermehrt, in literarischer und in politischer ihm das Lesen bei und erfüllte gleichzeitig sein jugendliches Herz mit Beziehung das am meisten französische Wert der ersten Hälfte des solcher Liebe zu dem Vaterlande und zu der Freiheit, daß er außer neunzehnten Jahrhunderts sein wird; wie man in dem von dem Brief- fich vor Wonne war, als er den Kanonendonnér hörte, welcher die wechsel Voltaire's begleiteten Kommentar über den Verfasser der Eroberung von Toulon ankündigte. Diese Gluth ist in ihm nie er„Henriade“ nicht blos einen Mann, sondern ein geschichtliches Zeitalterloschen. ,,Ich muß“, schrieb er im sechzigsten lebensjahr, alle meine wird wiederfinden müssen; denn Béranger war, wie Voltaire, einer

Liebe zur Menschheit und alle meine durch die Erfahrung gereifte pon Denen, deren Name ,,Legion" ift.

Vernunft zusammennehmen, um mich daran zu hindern, daß ich Béranger zauderte lange, feine Geschichte zu erzählen. Er fagte gegen die Völker, die unsere Rivalen find, dieselben Verwünschungen zu feinen Freunden: „Was hat die Geschichte eines Menschen zu be- schleudere, mit denen ich in meiner Jugend fie überhäufte." Es ift deuten, der nichts gewesen ist in einer Zeit, in welcher so viele Men- bekannt, daß man ihn nie dahin bringen konnte, die Engländer zu fden etwas gewesen find oder geglaubt haben, etwas zu sein?" - lieben. Seine Bewunderung für Voltaire erlitt an dem Tage, an Aber man erwiederte ihm, daß die Geschichte seines Lebens ,, der befte welchem er die „Pucelle” las, einen argen Stoß; „denn die Liebe Kommentar zu seinen Liedern“ sein würde, und für diese ergriff er

zum Vaterlande“, sagt er, „war die große, ich kann sagen, die einzige die Feder. Den großen Männern“, beginnt er, „die großen Tha- Leidenschaft meines Lebens. ten und die großen Träume! Hier nur die Geschichte eines Verse

Im Mai 1792 hätte ihn ein Blibftrahl beinahe getödtet, obwohl machers!und er ftellt dann nur diejenigen seiner zahllosen die Tante das ganze Haus mit geweihtem Wasser besprengt hatte. Erinnerungen zusammen, die sich auf seine Person bezieben, den Ge- „Nun, was nügt dir dein geweihtes Waffer?. sagte er zu ihr, als schichtschreibern es überlassend, den Antheil zu beurtheilen, den er an

er wieder zu fich fam. - ,,Ich lebe wohl, du wirft nie fromm werder Geschichte seines Vaterlandes gehabt.

den", erwiederte traurig die Cante. Sie scheint Recht gehabt zu Folgen wir dem Berichte, den er seit 1840, etwas zu früh, nieder- haben. Und doch beweisen mehrere Züge aus dem Ende seines les geschrieben. Der Vater Béranger's, ehemaliger Schreiber eines No

bens und selbst gewiffe Stellen der Biographie, daß er hinter seinem tars in der Provinz, dann Buchhalter bei einem Gewürzkrämer, hei- unbestimmten Deismus ein sehr entschiedenes religiöses Gefühl verratete eine ,, lebhafte, hübsche, gewandte, junge Modiftin, in die er

barg. An einer Stelle, wo er sich ganz im Ernst darüber beklagt, fich, jeden Morgen bei ihrem Laden vorbeigehend, verliebt hatte. daß er so wenig Glauben habe, sagt er: ,, Und doch bin ich immer Sechs Monate nach der Verheiratung trennten sie sich mit beidere gewesen, bin ich noch und werde ich, so hoffe ich, bis an mein Ende seitigem Willen; der Mann suchte in Belgien fein Fortfommen, wäh. bleiben, was man in der Philosophie einen Spiritualisten nennt." rend die Frau, zu ihrer Familie zurücgekehrt, ihm einen Sohn gebar. Dieser Umstand ist bis jept von der Kritik unbeachtet geblieben; ebenso Béranger wurde am 19. August 1780 im Hause seines Großvaters, ein anderer, den wir auch nicht übergeben wollen. des Schneiders Champy in Paris, in der Straße Montorgueil, ge

Béranger belehrt uns felbft darüber, warum er das Wörtchen de boren. Seine Geburt hätte der Mutter beinahe das Leben gekoftet; feinem Namen vorgeseßt. Sein Vater, der Sohn eines Schankwirths, es mußte die Zange dabei angewendet werden, in Bezug worauf er begründete seine Ansprüche auf das Wörtchen de durch eine lange oft äußerte: „Mir ist nichts leicht gewesen, nicht einmal das Geboren- Genealogie: es fehlten ihm nur die beweisenden Urkunden dazu. werden.''

Unser Béranger, der so viel darauf hielt, niedrig, sehr niedrig zu sein,

will das de seinem Namen nur auf den Rath Arnaud's vorgeseßt *) Ma Biographie, ouvrage posthume de P. J. de Béranger. Pa. ris, 1857, in 8. Libr. Perrotin. - Der hier gegebenen Mittheilung liegt haben, damit nicht schlechte Verse feiner Art'i anderen Béranger's ein Artikel der Revue des l’Instruction publique zu Grunde.

zugeschrieben würden.

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