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Bis ihn die scheue Muse selbst vor euch
Zu stellen wagt in lebender Gestalt;

Denn seine Macht ist's, die sein Herz verführt,
Sein Lager nur erkläret sein Verbrechen.

Darum verzeiht dem Dichter, wenn er euch
Nicht raschen Schritts mit einem Mal ans Ziel
Der Handlung reißt, den großen Gegenstand
In einer Reihe von Gemälden nur
Vor euren Augen abzurollen wagt.
Das heut'ge Spiel gewinne euer Ohr
Und euer Herz den ungewohnten Tönen;
In jenen Zeitraum führ' es euch zurück,
Auf jene fremde kriegerische Bühne,
Die unser Held mit seinen Thaten bald
Erfüllen wird.

Und wenn die Muse heut',
Des Tanzes freie Göttin und Gesangs,
Ihr altes deutsches Recht, des Reimes Spiel,
Bescheiden wieder fodert tadelt's nicht.

Ja, danket ihr's, daß sie das düstre Bild
Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst
Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft,
Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein
Der Wahrheit nicht betrüglich unterschiebt;
Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.

Erster Auftritt.

Marketenderzelte, davor eine Kram- und Trödelbude. Soldaten von allen Farben und Feldzeichen drängen sich durcheinander, alle Tische sind beseßt. Kroaten und Ülanen an einem Kohlfeuer kochen, Marketenderin schenkt Wein, Soldatenjungen würfeln auf einer Trommel, im Zelt wird gesungen.

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Ein Bauer und sein Sohn.

Bauerknabe.

Vater, es wird nicht gut ablaufen,
Bleiben wir von dem Soldatenhausen.
Sind Euch gar tropige Kameraden ;

Wenn sie uns nur nichts am Leibe schaden.

Bauer.

Ei was! Sie werden uns ja nicht fressen,
Treiben sie's auch ein wenig vermessen.
Siehst du? sind neue Völker herein,
Kommen frisch von der Saal' und dem Main,
Bringen Beut' mit, die rarsten Sachen.
Unser ist's, wenn wir's nur listig machen.
Ein Hauptmann, den ein andrer erstach,
Ließ mir ein Paar glückliche Würfel nach.
Die will ich heut' einmal probieren,
Ob sie die alte Kraft noch führen.
Mußt dich nur recht erbärmlich stellen,
Sind dir gar lockere, leichte Gesellen.
Lassen sich gerne schön thun und loben,
So wie gewonnen, so ist's zerstoben.
Nehmen sie uns das Unsre in Scheffeln,
Müssen wir's wieder bekommen in Löffeln;
Schlagen sie grob mit dem Schwerte drein,
So sind wir pfiffig und treiben's fein.

Im Zelt wird gesungen und gejubelt.

Wie sie juchzen daß Gott erbarm'!
Alles das geht von des Bauern Felle.
Schon acht Monate legt sich der Schwarm
Uns in die Betten und in die Ställe,
Weit herum ist in der ganzen Aue
Keine Feder mehr, kleine Klaue,

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Daß wir für Hunger und Elend schier
Nagen müssen die eignen Knochen.
War's doch nicht ärger und krauser hier,
Als der Sachs noch im Lande thät pochen.
Und die nennen sich Kaiserliche!

Bauerknabe.

Vater, da kommen ein paar aus der Küche,
Sehen nicht aus, als wär' viel zu nehmen.
Bauer.

Sind einheimische, geborne Böhmen,
Von des Terschkas Karabinieren,
Liegen schon lang' in diesen Quartieren.
Unter allen die schlimmsten just,
Spreizen sich, werfen sich in die Brust,
Thun, als wenn sie zu fürnehm wären,
Mit dem Bauer ein Glas zu leeren.
Aber dort seh' ich die drei scharfe Schüßen
Linker Hand um ein Feuer sißen,
Sehen mir aus wie Tiroler schier.
Emmerich, komm! An die wollen wir,
Lustige Vögel, die gerne schwaßen,
Tragen sich sauber und führen Baßen.
Gehen nach den Zelten.

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Zweiter Auftritt.

Vorige. Wachtmeister. Trompeter. ulan.

Trompeter.

Was will der Bauer da? Fort, Halunk'!

Bauer.

Gnädige Herren, einen Bissen und Trunk,
Haben heut' noch nichts Warmes gegessen.
Trompeter.

Ei, das muß immer saufen und fressen.

Ulan mit einem Glase.

Nichts gefrühstückt? Da trink', du Hund!

Führt den Bauer nach dem Zelte; jene kommen vorwärts.

Wachtmeister zum Trompeter.

Meinst du, man hab' uns ohne Grund

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Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
Möchten ihn gern herunterkriegen.

Trompeter.

Aber wir halten ihn aufrecht, wir;
Dächten doch alle wie ich und Ihr!
Wachtmeister.

Unser Regiment und die andern vier,
Die der Terschka anführt, des Herzogs Schwager,
Das resoluteste Korps im Lager,

Sind ihm ergeben und gewogen,
Hat er uns selbst doch herangezogen.
Alle Hauptleute seht' er ein,

Sind alle mit Leib und Leben sein.

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Dritter Auftritt.

Kroat mit einem Halsschmuck. Scharfschüße folgt. Vorige.

Scharfschütz.

Kroat, wo hast du das Halsband gestohlen?
Handle dir's ab! dir ist's doch nichts nüg'.
Geb' dir dafür das Paar Terzerolen.

Kroat.

Nix, nix! Du willst mich betrügen, Schüß'.

Scharfschük.

Nun! geb' dir auch noch die blaue Müg',
Hab' sie soeben im Glücksrad gewonnen.
Siehst du? Sie ist zum höchsten Staat.

Kroat läßt das Halsband in der Sonne spielen.
's ist aber von Perlen und edelm Granat.
Schau, wie das flinkert in der Sonnen!

Scharfschüß nimmt das Halsband.
Die Feldflasche noch geb' ich drein,

Besteht es.

Es ist mir nur um den schönen Schein.

Trompeter.

Seht nur, wie der den Kroaten prellt!
Halbpart, Schüße, so will ich schweigen.

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