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Zweiter Jäger.

Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!
Sie begrüßen ihn.

Bürger.

O, laßt ihn! Er ist guter Leute Kind.
Erster Jäger.

Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.

Bürger.

Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel;
Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.

Trompeter.

Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.

Bürger.

Er erbt eine kleine Müßenfabrik.

Zweiter Jäger.

Des Menschen Wille, das ist sein Glück.

Bürger.

Von der Großmutter einen Kram und Laden.

Erster Jäger.

Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden !

Bürger.

Einen Weinschank dazu von seiner Paten,
Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.
Trompeter.

Den teilt er mit seinen Kameraden.

Zweiter Jäger.

Hör' du! wir müssen Zeltbrüder sein.

Bürger.

Eine Braut läßt er sißen in Thränen und Schmerz.

Erster Jäger.

Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.

Bürger.

Die Großmutter wird für Kummer sterben.

Zweiter Jäger.

Desto besser, so kann er sie gleich beerben.

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Wachtmeister.

tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die Blechhaube legend. Sieht Er, das hat Er wohl erwogen.

Einen neuen Menschen hat Er angezogen;
Mit dem Helm da und Wehrgehäng'
Schließt Er sich an eine würdige Meng'.

Muß ein fürnehmer Geist jezt in Ihn fahren —

Erster Jäger.

Muß besonders das Geld nicht sparen.

Wachtmeister.

Auf der Fortuna ihrem Schiff
Ist Er zu segeln im Begriff;

Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,

Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.

Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,
Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.
Aus dem Soldaten kann alles werden,
Denn Krieg ist jezt die Lojung auf Erden.
Seh' Er 'mal mich an! In diesem Rock
Führ' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.
Alles Weltregiment, muß Er wissen,
Von dem Stock hat ausgehen müssen;
Und das Scepter in Königs Hand
Ist ein Stock nur, das ist bekannt.
Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,
Und so weit kann Er's auch noch treiben.
Erster Jäger.

Wenn Er nur lesen kann und schreiben.
Wachtmeister.

Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;
Ich thät's vor kurzem selbst erleben.
Da ist der Schef vom Dragonerkorps,
Heißt Buttler, wir standen als Gemeine
Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,
Jezt nennt man ihn Generalmajor.
Das macht, er thät sich baß hervor,

That die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;
Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.
Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,
Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,

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Der jezt alles vermag und kann,
War erst nur ein schlichter Edelmann,
Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
Hat er sich diese Größ' erbaut,

Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,

Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,
Pfiffig. Denn noch nicht aller Tage Abend ist.
Erster Jäger.

Ja, er fing's klein an und ist jezt so groß.
Denn zu Altdorf im Studentenkragen
Trieb er's, mit Permiß zu sagen,
Ein wenig locker und burschikos,
Hätte seinen Famulus bald erschlagen.
Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren
Mir nichts dir nichts ins Karzer sperren;
's war just ein neugebautes Nest,
Der erste Bewohner sollt' es taufen.
Aber wie fängt er's an? Er läßt

Weislich den Pudel voran erst laufen.

Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;
Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.

Unter des Herrn großen Thaten allen

Hat mir das Stückchen besonders gefallen.

Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit ihr. Dragoner tritt dazwischen.

Kamerad, laß Er das unterwegen!

Zweiter Jäger.

Wer, Henker! hat sich da dreinzulegen!

Dragoner.

Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn' ist mein.
Erster Jäger.

Der will ein Schäßchen für sich allein!
Dragoner, ist Er bei Troste? Sag' Er!

Zweiter Jäger.

Will was Apartes haben im Lager.

Einer Dirne schön Gesicht

Muß allgemein sein wie's Sonnenlicht! Küßt fie.

Dragoner reißt sie weg.

Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.

Erster Jäger.

Lustig, lustig! da kommen die Prager!

Zweiter Jäger.

Sucht Er Händel? Ich bin dabei.

Wachtmeister.

Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!

Achter Auftritt.

Bergknappen treten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann immer geschwinder. Der erste Jäger tanzt mit der Auswärterin, die Marketenderin mit dem Rekruten; das Mädchen entspringt, der Jäger hinter ihr her und bekommt den Kapuziner zu fassen, der eben hereintritt.

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Kapuziner.

Heisa, Juchheia! Dudeldumdei!

Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!
Ist das eine Armee von Christen ?

Sind wir Türken? Sind wir Antibaptisten?
Treibt man so mit dem Sonntag Spott,

Als hätte der allmächtige Gott

Das Chiragra, könnte nicht dreinschlagen?
Ist's jet Zeit zu Saufgelagen,

Zu Banketten und Feiertagen?

Quid hic statis otiosi?

Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
Regensburg ist in des Feindes Krallen,
Und die Armee liegt hier in Böhmen,
Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,
Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
Wezt lieber den Schnabel als den Sabel,
Hezt sich lieber herum mit der Dirn',
Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
Es ist eine Zeit der Thränen und Not,
Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
Und aus den Wolken, blutigrot,

Hängt der Hergott den Kriegsmantel 'runter.
Den Kometen steckt er, wie eine Rute,

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Drohend am Himmelsfenster aus,

Die ganze Welt ist ein Klagehaus,

Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,

Und das römische Reich — daß Gott erbarm'! -
Sollte jezt heißen römisch Arm;

Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
Die Klöster sind ausgenommene Nester,

Die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer,
Die Abteien und die Stifter

Sind nun Raubteien und Diebesklüfter,
Und alle die gesegneten deutschen Länder

Sind verkehrt worden in Elender

Woher kommt das? Das will ich euch verkünden :

Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,
Von dem Greuel und Heidenleben,

Dem sich Offizier' und Soldaten ergeben.
Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,
Der das Eisen ziehet ins Land herein.
Auf das Unrecht, da folgt das Übel,
Wie die Thrän' auf den herben Zwiebel,
Hinter dem U kömmt gleich das Weh,
Das ist die Ordnung im ABC.

Ubi erit victoriae spes,

Si offenditur Deus?

Wie soll man siegen,

Wenn man die Predigt schwänzt und die Mess',

Nichts thut als in den Weinhäusern liegen?

Die Frau in dem Evangelium

Fand den verlornen Groschen wieder,

Der Saul seines Vaters Esel wieder,
Der Joseph seine saubern Brüder;
Aber wer bei den Soldaten sucht
Die Furcht Gottes und die gute Zucht
Und die Scham, der wird nicht viel finden,
Thät' er auch hundert Laternen anzünden.
Zu dem Prediger in der Wüsten,
Wie wir lesen im Evangelisten,
Kamen auch die Soldaten gelaufen,
Thaten Buß' und ließen sich taufen,

Fragten ihn: "Quid faciemus nos?

Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß ?"
Et ait illis, und er sagt:

"Neminem concutiatis,

Wenn ihr niemanden schindet und plackt,

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