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Das Große, nur das Menschliche geschehe.
Denk', was der Fürst von je an mir gethan;
Denk' auch, wie's ihm mein Vater hat vergolten.
O, auch die schönen, freien Regungen

Der Gastlichkeit, der frommen Freundestreue
Sind eine heilige Religion dem Herzen,
Schwer rächen sie die Schauder der Natur
An dem Barbaren, der sie gräßlich schändet.
Leg' alles, alles in die Wage, sprich

Und laß dein Herz entscheiden.

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Das Rechte sein, was dieses zarte Herz
Nicht gleich zuerst ergriffen und gefunden?
Geh und erfülle deine Pflicht! Ich würde
Dich immer lieben. Was du auch erwählt,
Du würdest edel stets und deiner würdig
Gehandelt haben — aber Reue soll
Nicht deiner Seele schönen Frieden stören.

Max.

So muß ich dich verlassen, von dir scheiden!

Thekla.

Wie du dir selbst getreu bleibst, bist du's mir.
Uns trennt das Schicksal, unsre Herzen bleiben einig.
Ein blut'ger Haß entzweit auf ew'ge Tage

Die Häuser Friedland, Piccolomini,

Doch wir gehören nicht zu unserm Hause.
Fort! Eile! Eile, deine gute Sache

Von unsrer unglückseligen zu trennen.

Auf unserm Haupte liegt der Fluch des Himmels,
Es ist dem Untergang geweiht. Auch mich

Wird meines Vaters Schuld mit ins Verderben
Hinabziehn. Traure nicht um mich! Mein Schicksal
Wird bald entschieden sein-

Mar faßt sie in die Arme, heftig bewegt. Man hört hinter der Scene ein lautes, wildes, langverhallendes Geschrei: Vivat Ferdinandus!" von kriegrischen Instrumenten begleitet. May und Thekla halten einander unbeweglich in den Armen.

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Wie? und sie gaben nichts auf seinen Anblick?

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Odie Pflichtvergessenen!

Man ließ ihn nicht einmal zum Worte kommen.
Als er zu reden anfing, fielen sie

Mit kriegerischem Spiel betäubend ein.
- Hier kommt er.

Dreiundzwanzigster Auftritt.

Vorige. Wallenstein, begleitet von Jllo und Buttler. Darauf Kürassiere.

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Sich fertig halten, heut' noch aufzubrechen,

Denn wir verlassen Pilsen noch vor Abend. Terzkh geht ab.
Buttler-

Buttler.

Mein General ?

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Wallenstein.

Der Kommendant zu Eger

Ist Euer Freund und Landsmann. Schreibt ihm gleich
Durch einen Eilenden, er soll bereit sein,
Uns morgen in die Festung einzunehmen -
Ihr folgt uns selbst mit Euerm Regiment.

Buttler.

Es soll geschehn, mein Feldherr.

Wallenstein

tritt zwischen Max und Thekla, welche sich während dieser Zeit fest umschlungen

gehalten.
Max.

Scheidet!

Gott!

Küraffiere mit gezogenem Gewehr treten in den Saal und sammeln sich im Hintergrunde. Zugleich hört man unten einige mutige Passagen aus dem Pappens heimer Marsch, welche dem Max zu rufen scheinen.

Wallenstein zu den Kürassieren.

Hier ist er. Er ist frei. Ich halt' ihn nicht mehr.

Er steht abgewendet und so, daß Mar ihm nicht beikommen, noch sich dem Fräulein nähern kann. Max.

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Du hassest mich, treibst mich im Zorn von dir.
Zerreißen soll das Band der alten Liebe,
Nicht sanft sich lösen, und du willst den Riß,
Den schmerzlichen, mir schmerzlicher noch machen.
Du weißt, ich habe ohne dich zu leben
Noch nicht gelernt—in eine Wüste geh' ich
Hinaus, und alles, was mir wert ist, alles
Bleibt hier zurück — O, wende deine Augen
Nicht von mir weg! Noch einmal zeige mir
Dein ewig teures und verehrtes Antlig!
Verstoß' mich nicht-

Er will seine Hand faffen. Wallenstein zieht sie zurück. Er wendet sich an die

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Gräfin.

Ist hier kein andres Auge,

Das Mitleid für mich hätte Base Terzky

Sie wendet sich von ihm; er kehrt sich zur Herzogin.

Ehrwürd'ge Mutter

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Herzogin.

Die Pflicht Sie ruft

Gehn Sie, Graf, wohin
So können Sie uns einst

Ein treuer Freund, ein guter Engel werden

Am Thron des Kaisers.

Max.

Hoffnung geben Sie mir,

Sie wollen mich nicht ganz verzweifeln lassen.

O täuschen Sie mich nicht mit leerem Blendwerk,
Mein Unglück ist gewiß, und Dank dem Himmel !
Der mir ein Mittel eingiebt, es zu enden.

Die Kriegsmusik beginnt wieder. Der Saal füllt sich mehr und mehr mit Bewaffneten an. Er sieht Buttlern dastehn.

Ihr auch hier, Oberst Buttler

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Nicht folgen?

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Und Ihr wollt mir
Wohl! Bleibt Eurem neuen Herrn
Getreuer als dem alten. Kommt! Versprecht mir,
Die Hand gebt mir darauf, daß Ihr sein Leben
Beschüßen, unverleßlich wollt bewahren.

Buttler verweigert seine Hand.

Des Kaisers Acht hängt über ihm und giebt
Sein fürstlich Haupt jedwedem Mordknecht preis,
Der sich den Lohn der Blutthat will verdienen;
Jezt that' ihm eines Freundes fromme Sorge,
Der Liebe treues Auge not und die

Ich scheidend um ihn seh'

Zweideutige Blicke auf Jllo und Buttler richtend.

Jllo.

Sucht die Verräter

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In Eures Vaters, in des Gallas Lager.

Hier ist nur einer noch. Geht und befreit uns

Von seinem hassenswürd’gen Anblick. Geht.

Mar versucht es noch einmal, sich der Thekla zu nähern. Wallenstein verhindert es. Er steht unschlüssig, schmerzvoll; indes füllt sich der Saal immer mehr und mehr, und die Hörner ertönen unten immer auffordernder und in immer kürzeren Pausen.

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Max.

Blast! Blast! - O, wären es die schwed'schen Hörner,
Und ging's von hier gerad' ins Feld des Todes,
Und alle Schwerter, alle, die ich hier

Entblößt muß sehn, durchdrängen meinen Busen!
Was wollt ihr? Kommt ihr, mich von hier hinweg
Zu reißen? O, treibt mich nicht zur Verzweiflung !
Thut's nicht! Ihr könntet es bereun!

Der Saal ist ganz mit Bewaffneten erfüllt.

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Noch mehr Es hängt Gewicht sich an Gewicht,
Und ihre Majje zieht mich schwer hinab.
Bedenket, was ihr thut. Es ist nicht wohlgethan,
Zum Führer den Verzweifelnden zu wählen.
Ihr reißt mich weg von meinem Glück, wohlan,
Der Rachegöttin weih' ich eure Seelen!

Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben,

Wer mit mir geht, der sei bereit, zu sterben!

Indem er sich nach dem Hintergrund wendet, entsteht eine rasche Bewegung unter den Kürassieren, fie umgeben und begleiten ihn in wildem Tumult. Wallenstein bleibt unbeweglich. Thekla sinkt in ihrer Mutter Arme. Der Vorhang fällt.

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Vierter Aufzug.

In des Bürgermeisters Hause zu Eger.

Erster Auftritt.

Buttler, der eben anlangt.

Er ist herein. Ihn führte sein Verhängnis.
Der Rechen ist gefallen hinter ihm,
Und wie die Brücke, die ihn trug, beweglich
Sich niederließ und schwebend wieder hob,
Ist jeder Rettungsweg ihm abgeschnitten.
„Bis hieher, Friedland, und nicht weiter!" sagt
Die Schicksalsgöttin. Aus der böhmischen Erde
Erhub sich dein bewundert Meteor,

Weit durch den Himmel einen Glanzweg ziehend,
Und hier an Böhmens Grenze muß es sinken !
Du hast die alten Fahnen abgeschworen,
Verblendeter, und traust dem alten Glück!
Den Krieg zu tragen in des Kaisers Länder,
Den heil'gen Herd der Laren umzustürzen,
Bewaffnest du die frevelhafte Hand.

Nimm dich in acht! dich treibt der böse Geist
Der Rache daß dich Rache nicht verderbe!

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