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Auf einmal schändlich, weil es gegen ihn
Gerichtet wird?

Wallenstein aufstehend.

Von dieser Seite sah ich's nie - Ja! Dem
Ist wirklich so. Es übte dieser Kaiser
Durch meinen Arm im Reiche Thaten aus,
Die nach der Ordnung nie geschehen sollten.
Und selbst den Fürstenmantel, den ich trage,
Verdant' ich Diensten, die Verbrechen sind.
Gräfin.

Gestehe denn, daß zwischen dir und ihm
Die Rede nicht kann sein von Pflicht und Recht,
Nur von der Macht und der Gelegenheit!
Der Augenblick ist da, wo du die Summe
Der großen Lebensrechnung ziehen sollst,
Die Zeichen stehen sieghaft über dir,
Glück winken die Planeten dir herunter
Und rufen: „Es ist an der Zeit!" Hast du
Dein Leben lang umsonst der Sterne Lauf
Gemessen? den Quadranten und den Zirkel
Geführt? den Zodiak, die Himmelskugel
Auf diesen Wänden nachgeahmt, um dich herum
Gestellt in stummen, ahnungsvollen Zeichen
Die sieben Herrscher des Geschicks,

Nur um ein eitles Spiel damit zu treiben?
Führt alle diese Zurüstung zu nichts,
Und ist kein Mark in dieser hohlen Kunst,
Daß sie dir selbst nichts gilt, nichts über dich
Vermag im Auaenblicke der Entscheidung ?

Wallenstein

ist während dieser lezten Rede mit heftig arbeitendem Gemüt auf- und abgegangen und steht jest plöglich still, die Gräfin unterbrechend.

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Ruft mir den Wrangel, und es sollen gleich

Drei Boten satteln.

Jllo.

Nun, gelobt sei Gott! Eilt hinaus.
Wallenstein.

Es ist sein böser Geist und meiner. Ihn

Straft er durch mich, das Werkzeug seiner Herrschsucht,

Und ich erwart' es, daß der Rache Stahl

Auch schon für meine Brust geschliffen ist.

Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sät,

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Erfreuliches zu ernten. Jede Unthat
Trägt ihren eignen Racheengel schon,
Die böse Hoffnung, unter ihrem Herzen.
Er kann mir nicht mehr traun, so kann ich auch
Nicht mehr zurück. Geschehe denn, was muß.
Recht stets behält das Schicksal, denn das Herz
In uns ist sein gebietrischer Vollzieher.
Zu Terzky.

Bring' mir den Wrangel in mein Kabinett,
Die Boten will ich selber sprechen. Schickt
Nach dem Octavio!

Zur Gräfin, welche eine triumphierende Miene macht.
Frohlocke nicht!

Denn eifersüchtig sind des Schicksals Mächte.
Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte.
Den Samen legen wir in ihre Hände,

Ob Glück, ob Unglück aufgeht, lehrt das Ende.
Indem er abgeht, fällt der Vorhang.

Zweiter Aufzug.

Ein Zimmer.

Erster Auftritt.

Wallenstein. Octavio Piccolomini. Bald darauf Max Piccolomini.

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Wallenstein.

Mir meldet er aus Linz, er läge krank,
Doch hab' ich sichre Nachricht, daß er sich
Zu Frauenberg versteckt beim Grafen Gallas.
Nimm beide sest und schick' sie mir hierher.
Du übernimmst die spanischen Regimenter,
Machst immer Anstalt und bist niemals fertig,
Und treiben sie dich, gegen mich zu ziehn,
So sagst du ja und bleibst gefesselt stehn.
Ich weiß, daß dir ein Dienst damit geschieht,
In diesem Spiel dich müßig zu verhalten.
Du rettest gern, so lang' du kannst, den Schein;
Extreme Schritte sind nicht deine Sache,

Drum hab' ich diese Rolle für dich ausgesucht;
Du wirst mir durch dein Nichtsthun dieses Mal

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Am nüzlichsten

Erklärt sich unterdessen

Das Glück für mich, so weißt du, was zu thun.
Mar Piccolomini tritt ein.

Jezt, Alter, geh. Du mußt heut' nacht noch fort.
Nimm meine eignen Pferde. Diesen da

Behalt' ich hier — Macht's mit dem Abschied kurz!
Wir werden uns ja, denk' ich, alle froh

Und glücklich wiedersehn.

Octavio zu seinem Sohn.

Wir sprechen uns noch. Geht ab.

Zweiter Auftritt.

Wallenstein. Max Piccolomini.

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Mein General

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May nähert sich ihm.

Wallenstein.

Der bin ich nicht mehr,

Wenn du des Kaisers Offizier dich nennst.

Max.

So bleibt's dabei, du willst das Heer verlassen?

Wallenstein.

Ich hab' des Kaisers Dienst entsagt.

Max.

Und willst das Heer verlassen?

Wallenstein.

Vielmehr hoff' ich,

Mir's enger noch und fester zu verbinden. Er sezt sich.
Ja, Max. Nicht eher wollt' ich dir's eröffnen,
Als bis des Handelns Stunde würde schlagen.
Der Jugend glückliches Gefühl ergreift
Das Rechte leicht, und eine Freude ist's,
Das eigne Urteil prüfend auszuüben,
Wo das Exempel rein zu lösen ist.
Doch, wo von zwei gewissen übeln eins
Ergriffen werden muß, wo sich das Herz

Nicht ganz zurückbringt aus dem Streit der Pflichten,
Da ist es Wohlthat, keine Wahl zu haben,

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Und eine Gunst ist die Notwendigkeit.

Die ist vorhanden. Blicke nicht zurück.
Es kann dir nichts mehr helfen. Blicke vorwärts
Urteile nicht! Bereite dich, zu handeln!

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Der Hof hat meinen Untergang beschlossen,
Drum bin ich willens, ihm zuvorzukommen.

Wir werden mit den Schweden uns verbinden.
Sehr wackre Leute sind's und gute Freunde.
Hält ein, Piccolominis Antwort erwartend.

- Ich hab' dich überrascht. Antwort' mir nicht.
Ich will dir Zeit vergönnen, dich zu fassen.

Er steht auf und geht nach hinten. Mar steht lange unbeweglich, in den heftigsten
Schmerz versezt; wie er eine Bewegung macht, kömmt Wallenstein zurück und stellt
sich vor ihn.
Max.

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Mein General!

Du machst mir heute mündig.

Denn bis auf diesen Tag war mir's erspart,

Den Weg mir selbst zu finden und die Richtung.
Dir folgt' ich unbedingt. Auf dich nur braucht' ich
Zu sehn und war des rechten Pfads gewiß.
Zum ersten Male heut' verweisest du

Mich an mich selbst und zwingst mich, eine Wahl
Zu treffen zwischen dir und meinem Herzen.

Wallenstein.

Sanft wiegte dich bis heute dein Geschick,
Du konntest spielend deine Pflichten üben,
Jedwedem schönen Trieb Genüge thun,
Mit ungeteiltem Herzen immer handeln.

So kann's nicht ferner bleiben. Feindlich scheiden
Die Wege sich. Mit Pflichten streiten Pflichten.
Du mußt Partei ergreifen in dem Krieg,

Der zwischen deinem Freund und deinem Kaiser
Sich jest entzündet.

Max.

Krieg! Ist das der Name?
Der Krieg ist schrecklich wie des Himmels Plagen,
Doch er ist gut, ist ein Geschick wie sie.
Ist das ein guter Krieg, den du dem Kaiser
Bereitest mit des Kaisers eignem Heer?
O Gott des Himmels, was ist das für eine
Veränderung! Ziemt solche Sprache mir
Mit dir, der wie der feste Stern des Pols,
Mir als die Lebensregel vorgeschienen?

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O, welchen Riß erregst du mir im Herzen!
Der alten Ehrfurcht eingewachsnen Trieb
Und des Gehorsams heilige Gewohnheit
Soll ich versagen lernen deinem Namen?
Nein, wende nicht dein Angesicht zu mir!
Es war mir immer eines Gottes Antlig,
Kann über mich nicht gleich die Macht verlieren ;
Die Sinne sind in deinen Banden noch,
Hat gleich die Seele blutend sich befreit!

Max, hör' mich an.

Wallenstein.

Max.

O, thu' es nicht! Thu's nicht!

Sieh, deine reinen, edeln Züge wissen

Noch nichts von dieser unglücksel'gen That.
Bloß deine Einbildung befleckte sie,

Die Unschuld will sich nicht vertreiben lassen
Aus deiner hoheitblickenden Gestalt.

Wirf ihn heraus, den schwarzen Fleck, den Feind !
Ein böser Traum bloß ist es dann gewesen,

Der jede sichre Tugend warnt.

Es mag

Die Menschheit solche Augenblicke haben,
Doch siegen muß das glückliche Gefühl.
Nein, du wirst so nicht endigen. Das würde
Verrufen bei den Menschen jede große
Natur und jedes mächtige Vermögen,
Recht geben würd' es dem gemeinen Wahn,
Der nicht an Edles in der Freiheit glaubt
Und nur der Ohnmacht sich vertrauen mag.

Wallenstein.

Streng wird die Welt mich tadeln, ich erwart' es.
Mir selbst schon sagt' ich, was du sagen kannst.
Wer miede nicht, wenn er's umgehen kann,
Das Äußerste! Doch hier ist keine Wahl,

Ich muß Gewalt ausüben oder leiden

So steht der Fall. Nichts anders bleibt mir übrig.

Max.

Sei's denn! Behaupte dich in deinem Posten
Gewaltsam, widerseße dich dem Kaiser,
Wenn's sein muß, treib's zur offenen Empörung,
Nicht loben werd' ich's, doch ich kaun's verzeihn,

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