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Gräfin.

Sein Vater! Seiner! Und der Eure, Nichte ?

Thekla.

1785 Nun ja! Ich denk', Ihr fürchtet seinen Vater, Weil Ihr's vor de m, vor seinem Vater, mein' ich, So sehr verheimlicht.

1790

Gräfin sieht sie forschend an.

Nichte, Ihr seid falsch.

Thekla.

Seid Ihr empfindlich, Tante? O, seid gut!

Gräfin.

Ihr haltet Euer Spiel schon für gewonnen
Jauchzt nicht zu frühe!

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Thekla.

Seid nur gut!

Gräfin.

Es ist noch nicht so weit.

Thekla.

Ich glaub' es wohl.

1795

1800

Gräfin.

Denkt Jhr, er habe sein bedeutend Leben
In kriegerischer Arbeit aufgewendet,
Jedwedem stillen Erdenglück entsagt,
Den Schlaf von seinem Lager weggebannt,
Sein edles Haupt der Sorge hingegeben,

Nur um ein glücklich Paar aus euch zu machen?
Um dich zuleßt aus deinem Stift zu ziehn,
Den Mann dir im Triumphe zuzuführen,
Der deinen Augen wohlgefällt? - Das hätt' er
Wohlfeiler haben können! Diese Saat

Ward nicht gepflanzt, daß du mit kind'scher Hand
Die Blume brächest und zur leichten Zier
An deinen Busen stecktest!

Thekla.

1805 Was er mir nicht gepflanzt, das könnte doch
Freiwillig mir die schönen Früchte tragen.
Und wenn mein gütig freundliches Geschick
Aus seinem furchtbar ungeheuren Dasein
Des Lebens Freude mir bereiten will

1810

1815

1820

1825

1830

1835

Gräfin.

Du siehst's wie ein verliebtes Mädchen an.
Blick' um dich her. Besinn' dich, wo du bist -
Nicht in ein Freudenhaus bist du getreten,
Zu keiner Hochzeit findest du die Wände
Geschmückt, der Gäste Haupt bekränzt. Hier ist
Kein Glanz als der von Waffen. Oder denkst du,
Man führte diese Tausende zusammen,

Beim Brautfest dir den Reihen aufzuführen ?
Du siehst des Vaters Stirn gedankenvoll,
Der Mutter Aug' in Thränen, auf der Wage liegt
Das große Schicksal unsers Hauses!

Laß jezt des Mädchens kindische Gefühle,
Die kleinen Wünsche hinter dir! Beweise,
Daß du des Außerordentlichen Tochter bist!
Das Weib soll sich nicht selber angehören,
An fremdes Schicksal ist sie fest gebunden.
Die aber ist die Beste, die sich Fremdes
Aneignen kann mit Wahl, an ihrem Herzen
Es trägt und pflegt mit Innigkeit und Liebe.
Thekla.

So wurde mir's im Kloster vorgesagt.
Ich hatte keine Wünsche, kannte mich
Als seine Tochter nur, des Mächtigen,

Und seines Lebens Schall, der auch zu mir drang,
Gab mir kein anderes Gefühl als dies:

Ich sei bestimmt, mich leidend ihm zu opfern.

Gräfin.

Das ist dein Schicksal. Füge dich ihm willig.
Ich und die Mutter geben dir das Beispiel.

Thekla.

Das Schicksal hat mir den gezeigt, dem ich
Mich opfern soll; ich will ihm freudig folgen.

Gräfin.

Dein Herz, mein liebes Kind, und nicht das Schicksal.

Thekla.

1840 Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Ich bin die Seine. Sein Geschenk allein

Ist dieses neue Leben, das ich lebe.

Er hat ein Recht an sein Geschöpf. Was war ich,

1845

1850

1855

1860

Eh' seine schöne Liebe mich beseelte ?

Ich will auch von mir selbst nicht kleiner denken
Als der Geliebte. Der kann nicht gering sein,
Der das Unschäßbare besitzt. Ich fühle
Die Kraft mit meinem Glücke mir verliehn.
Ernst liegt das Leben vor der ernsten Seele.
Daß ich mir selbst gehöre, weiß ich nun,
Den festen Willen hab' ich kennen lernen,
Den unbezwinglichen, in meiner Brust,
Und an das Höchste kann ich alles seßen.
Gräfin.

Du wolltest dich dem Vater widerseßen,
Wenn er es anders nun mit dir beschlossen?
- Ihm denkst du's abzuzwingen? Wisse, Kind,
Sein Nam' ist Friedland.

Thekla.

Auch der meinige.

Er soll in mir die echte Tochter finden.

Gräfin.

Wie? Sein Monarch, sein Kaiser zwingt ihn nicht,
Und du, sein Mädchen, wolltest mit ihm kämpfen ?

Thekla.

Was niemand wagt, kann seine Tochter wagen.

Gräfin.

Nun wahrlich! darauf ist er nicht bereitet.
Er hätte jedes Hindernis besiegt,

Und in dem eignen Willen seiner Tochter

1865

Sollt' ihm der neue Streit entstehn? Kind, Kind!
Noch hast du nur das Lächeln deines Vaters,

Hast seines Zornes Auge nicht gesehen.

Wird sich die Stimme deines Widerspruchs,

Die zitternde, in seine Nähe wagen?

1870 Wohl magst du dir, wenn du allein bist, große Dinge Vorseßen, schöne Rednerblumen flechten,

1875

Mit Löwenmut den Taubensinn bewaffnen.
Jedoch versuch's! Tritt vor sein Auge hin,
Das fest auf dich gespannt ist, und sag' nein!
Vergehen wirst du vor ihm, wie das zarte Blatt
Der Blume vor dem Feuerblick der Sonne.

- Ich will dich nicht erschrecken, liebes Kind!

1880

1885

Zum Äußersten soll's ja nicht kommen, hoff' ich —
Auch weiß ich seinen Willen nicht. Kann sein,
Daß seine Zwecke deinem Wunsch begegnen.
Doch das kann nimmermehr sein Wille sein,
Daß du, die stolze Tochter seines Glücks,
Wie ein verliebtes Mädchen dich gebärdest,
Wegwerfest an den Mann, der, wenn ihm je
Der hohe Lohn bestimmt ist, mit dem höchsten Opfer,
Das Liebe bringt, dafür bezahlen soll! Sie geht ab.

1890

1895

1900

1905

1910

Neunter Auftritt.

Thekla allein.

Dank dir für deinen Wink! Er macht
Mir meine böse Ahnung zur Gewißheit.
So ist's denn wahr? Wir haben keinen Freund
Und keine treue Seele hier- wir haben

Nichts als uns selbst. Uns drohen harte Kämpfe.
Du, Liebe, gieb uns Kraft, du göttliche!

O, sie sagt wahr! Nicht frohe Zeichen sind's,
Die diesem Bündnis unsrer Herzen leuchten.
Das ist kein Schauplaß, wo die Hoffnung wohnt,
Nur dumpfes Kriegsgetöse rasselt hier,
Und selbst die Liebe, wie in Stahl gerüstet,
Zum Todeskampf gegürtet, tritt sie auf.

Es geht ein finstrer Geist durch unser Haus,
Und schleunig will das Schicksal mit uns enden.
Aus stiller Freistatt treibt es mich heraus,
Ein holder Zauber muß die Seele blenden.
Es lockt mich durch die himmlische Gestalt,
Ich seh' sie nah' und seh' sie näher schieben;
Es zieht mich fort mit göttlicher Gewalt,
Dem Abgrund zu, ich kann nicht widerstreben.
Man hört von ferne die Tafelmusik.
O, wenn ein Haus im Feuer soll vergehn,
Dann treibt der Himmel sein Gewölk zusammen,
Es schießt der Bliz herab aus heitern Höhn,
Aus unterird'schen Schlünden fahren Flammen,
Blindwütend schleudert selbst der Gott der Freude
Den Pechkranz in das brennende Gebäude! Sie geht ab.

Vierter Aufzug.

Scene: Ein großer, festlich erleuchteter Saal, in der Mitte desselben und nach der Tiefe des Theaters eine reich ausgeschmückte Tafel, an welcher acht Generale, worunter Octavio Piccolomini, Terzky und Maradas, siben. Rechts und links davon, mehr nach hinten zu, noch zwei andere Tafeln, welche jede mit sechs Gästen besezt sind. Vorwärts steht der Kredenztisch, die ganze vordere Bühne bleibt für die aufwartenden Pagen und Bedienten frei. Alles ist in Bewegung; Spielleute von Terzkys Regiment ziehen über den Schauplah um die Tafel herum. Noch ehe sie sich ganz entfernt haben, erscheint Mar Piccolomini; ihm kommt Terzky mit einer Schrift, Isolani mit einem Pokal entgegen.

1915

1920

1925

1930

Erster Auftritt.

Terzky. Isolani. Max Piccolomini.

Isolani.

Herr Bruder, was wir lieben! Nun, wo steckt Er?
Geschwind an Seinen Play! Der Terzky hat 7
Der Mutter Ehrenweine preisgegeben;

Es geht hier zu wie auf dem Heidelberger Schloß.
Das Beste hat Er schon versäumt. Sie teilen
Dort an der Tafel Fürstenhüte aus,
Des Eggenberg, Slawata, Lichtenstein,
Des Sternbergs Güter werden ausgeboten
Samt allen großen böhm'schen Lehen; wenn
Er hurtig macht, fällt auch für Ihn was ab.
Marsch! Sez' Er sich!

Colalto und Göz rufen an der zweiten Tafel.
Graf Piccolomini!

Terzky.

Ihr sollt ihn haben! Gleich! — Lies diese Eidesformel,
Ob dir's gefällt, so wie wir's ausgeseßt.

Es haben's alle nach der Reih' gelesen,

Und jeder wird den Namen drunter seßen.

Max liest.

,,Ingratis servire nefas.“

Isolani.

Das klingt wie ein latein'scher Spruch - Herr Bruder,
Wie heißt's auf deutsch?

Terzky.

Dem Undankbaren dient tein rechter Mann!

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