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Egl.: Make one a cat's paw, Jemanden zu einer Katzenpfote machen, in demselben Sinne, wie die letztgenannte französische Redensart, während der Spanier sagt:

Con agena mano sacar la culebra del horado (Oudin, 71), mit fremder Hand die Schlange aus ihrem Loche ziehn.

He lives under the sign of the cat's foot (Ray, 38), er lebt unter dem Zeichen des Katzenfusses, d. h. he is henpecked, his wife scratches him.

So scharf wie ihre Krallen sind, ebenso weich sind die Pfötchen der Katze, wenn sie jene eingezogen hat, es sind wahre Sam mtpfötchen. Sie machen ihren Gang unhörbar und in Verbindung mit der Geschmeidigkeit des ganzen Körpers machen sie es möglich, dass die Katze fast unsichtbar und unhörbar kommen und wieder verschwinden kann.

(Ils marchent legèrement, presque toujours en silence, et sans faire aucun bruit.

Buffon.)

Daher sagt ein deutsches Sprüchwort:

Davon gehn wie die Katze vom Taubenschlage

(Grimm's Wörterb. Katze)

d. h. ungesehn sich fortschleichen, und damit stellen nun einige Lexiko graphen, z. B. J. A. E. Schmidt (Franz.-deutsch. Wörterb.) die französische Redensart: emporter le chat, in der Bedeutung: heimlich aus einer Gesellschaft sich fortschleichen, ohne Abschied zu nehmen, zusammen. Und allerdings wird man darauf geführt oder doch wenig. stens an das Bild der leise, fast unhörbar sich fortschleichenden Katze erinnert, wenn man erwägt, dass es sich hier um eine mit chat gebildete Redensart handelt und die Bedeutung sich fortschleichen ins Auge fasst. Stellt man aber an sich die Anforderung, den ursprünglichen Sinn der Worte, insbesondere des emporter genau zu ermitteln, und so das zu Grunde liegende Bild bestimmt festzustellen, so erheben sich Schwierigkeiten, die zu beseitigen man bis jetzt gar nicht oder ver gebens versucht hat. Die wörtliche Bedeutung ist doch: die Katze forttragen oder davon tragen; wie kann aber daraus die metaphorische Bedeutung entstehn: sich unbemerkt fortschleichen?

Beim Mangel positiver Notizen über die Entstehung dieser Redensart scheinen mir im Allgemeinen zwei Erklärungen möglich zu sein, die sich an die beiden Bedeutungen, welche emporter

Die eine dieser

le chat ausserdem noch hat, anschliessen. Bedeutungen haben wir oben schon kennen gelernt, es ist die vollständig aus einem Hause ausziehn, und sie gründet sich (nach Littré) darauf, dass die Katze wegen ihrer Anhänglichkeit an das Haus das Letzte ist, was bei einem Umzuge fortgetragen wird.

Eine zweite Bedeutung von emporter le chat findet sich bei Bescherelle (Dict. d. 1. 1. fr.). Er führt unter den Bedeutungen von chat folgende an: Jeu qui consiste à courir après une personne pour l'atteindre dans le but de la faire courir à son tour après vous; celui qui a été atteint le dernier emporte le chat. C'est sans doute da là que vient le proverbe emporter le chat. Darnach hiesse also emporter le chat auch: die Katze als Siegespreis in einem Gesellschaftsspiele davon tragen. Während also die zu Grunde liegende sinnliche Bedeutung von emporter im ersteren Falle die Grundbedeutung: forttragen ist, ist es hier die: gewinnen, wie man sagt: emporter tout ce qu'on veut, emporter une affaire, remporter le prix.

Wollen wir nun emporter le chat in der dritten Bedeutung: heimlich sich fortschleichen, erklären, so können wir emporter entweder in dem Sinne nehmen, den es im ersteren Falle, oder in demjenigen, welchen es im zweiten Falle hat. Bescherelle deutet in den angeführten Worten an, dass die letztere vorliege (Littré giebt gar keine Erklärung), spricht sich aber nicht darüber aus, wie denn auf diesem Wege die Bedeutung mit dem Ausdrucke zu vermitteln ist. Es kann folgender Massen geschehn. Heisst emporter le chat die Katze als Siegespreis davon tragen, so kann es metaphorisch auch bedeuten: überhaupt den Preis davon tragen, den Sieg erlangen, Sieger sein; und die Beziehung, worin Einer im vorliegenden Falle den Preis davon trägt, ist die Kunst sich so fortzuschleichen aus einer Gesellschaft, dass Niemand etwas davon bemerkt. Wird also von Jemandem gesagt: il a emporté le chat, so heisst das in übertragener Bedeutung eigentlich : er hat den Preis davon getragen, er hat die ganze Gesellschaft überlistet. Legt man aber die andere Bedeutung von emporter: forttragen, mitnehmen, zu Grunde, so nähert sich die Redensart emporter le chat allerdings dem deutschen Sprüchworte: wie eine Katze vom Taubenschlage sich fortschleichen. Denn es kann die Bedeutung: heimlich sich fortschleichen, auf keine andere Weise aus dem eigentlichen Sinne: die Katze forttragen, mitnehmen, gewonnen werden, als dass man annimmt, dass derjenige, welcher die Katze fort

bringt, mitnimmt, mit der Katze fortgeht, auch in derselben Weise wie die Katze fortgeht, d. h. leise, unbemerkbar, heimlich. Das gesellschaftliche Verbundensein Jemandes mit einem Anderen wäre also hier als Bild gebraucht, um die Gleichheit des Charakters oder des Benehmens mit diesem zu bezeichnen, und dafür kann eine Unterstützung gefunden werden in der Art und Weise, wie deutsche Dichter des 16. Jahrhunderts das Wort Reigen gebrauchen, dass sie sagen: „er hat einen Reigen mit den Thoren“ (Seb. Brandt), für: er ist ein Thor; „er führt den Narrenreigen an" (Murner) für: er ist ein Erznarr (s. Kap. Huhn).

Beide hier gegebenen Erklärungen sind möglich, die letztere hat aber den Vorzug der Einfachheit für sich.

*

Eine andere äussere Eigenthümlichkeit der Katze ist das Schillern der Augen und das Leuchten derselben im Dunklen. Daber heisst das von chat abgeleitete chatoyer wie ein Katzenange schillern, leuchten (z. B. Edelsteine des pierres chatoyantes), wovon das Substantiv le chatoiement, ebenso das it. gatteggiare, gatteggiante. Auch die sprüchwörtliche Redensart des Spanischen: ha parido la gata? (hat die Katze geboren? hat sie Junge geworfen?) spricht von dieser Eigenthümlichkeit der Katze. Es soll eine Verschwendung von Licht damit bezeichnet werden, indem man sich denkt, dass, wenn schon die Augen Einer Katze zwei Lichter im Dunklen sind, eine Katze mit ihren Jungen eine ganze Illumination hervorbringen müsse.**

Nach der eigenthümlichen Farbe des Katzenauges, das zwischen Grau, Grün und Blau schwankt, nennt man auch ähnliche Augen beim Menschen Katzenaugen:

Fr.

Yeux de chat (avoir les yeux de chat),

It.: Occhio di gatto,

* Die älteste Spur dieser Redensart findet sich im Provenzalischen. Raynouard (Lexique Rom. II. 356 unter Cat) theilt folgende Stelle mit: Mais cant lo ricx er d'aisso castiatz

Venra 'N Actus, sel qu'emportet lo catz. P. Cardinal.

und gibt folgende Uebersetzung davon: Mais quand le riche sera corrigé de cela, viendra le seigneur Actus, celui qui emporte le chat, spricht sich aber nicht darüber aus, in welchem Sinne dieser Ausdruck zu nehmen ist.

**Ha parido la gata? Pregunta que se hace, quando se ven muchas luces encendidas y juntas, para reprehender su superfluidad. Covarruvias dice, que se tomó esa locucion de lo que relucen la noche los ojos de los gatos: y habiendo muchos gatillos juntos, quando la gata cria, parece que hai muchas candelillas, como relucen los ojos de todos. Diccion. d. 1. Acad.

Sp.: Ojo de gato,

und der Italiener sagt:

Occhi bianchi come quelli del gatto.

Giusti, 368.

Der spanische Ausdruck bezeichnet ausserdem einen Edelstein, eine Art Smaragd oder Opal (piedra preciosa, que segun algunos es lo mismo que la esmeralda aguacate; aunque otros dicen que es de diferentes colores, parecida al opalo), wie wir ein gewisses Erz: Katzensilber, Katzengold, Katzenerz nennen.*

Der

ganze Gesichtsausdruck der Katze ist der eines unveränderlichen Ernstes oder gar melancholisch, weshalb ein italienisches Sprüchwort sagt:

Chi troppo ride, ha natura di matto,

E chi non ride, è di razza di gatto. Giusti, 34.

und ein englischer Ausdruck lautet:

As melancholy as a gibed cat. Ray, 152.

Auf diesen eigenthümlichen Gesichtsausdruck mit dem dummen, frechen Blicke der grossen Augen mögen auch die Sprüchwörter zu beziehen sein, die da sagen:

Darf doch die Katze den Kaiser ansehn,

oder, wie es im Deutschen auch heisst:

Die Katze sieht den Bischof an,

Ist doch ein geweihter Mann.

Simrock, 254.

Egl.: A cat may look at the king. Ray, 59.

Endlich möchte hier der Ort sein, der Stiefel zu gedenken, welche die Katze im Mährchen trägt. Es ist interessant zu beobachten, wie selbst die Katze des Mährchens in der Sprache ihre Erwähnung findet, und hier wieder besonders, dass das Mährchen vom gestiefelten Kater bis nach Portugal gedrungen ist, und gerade die portugiesische Sprache es ist, worin der gestiefelte Kater zu einer Metapher geworden ist. Es gibt nämlich einen portugiesischen Ausdruck für betrügen, zum Besten haben, der wörtlich bedeutet: aus Jemandem einen gestiefelten Kater machen, facer de alg. gato sapato.

Mit diesen deutschen Ausdrücken soll das Falsche, Unechte bezeichnet werden. Grimm's Wörterb. ,,Katzengold! sagte der Knabe lächelnd, und warum nennt man es so? Wahrscheinlich weil es falsch ist und man die Katze auch für falsch hält."

Göthe.

Freilich ist es nicht leicht zu errathen, wie dieser Ausdruck zu jener Bedeutung gekommen ist, da der gestiefelte Kater des Mährchens so weit davon entfernt ist, betrogen oder zum Besten gehalten zu wer den, dass er selbst vielmehr die Leute unaufhörlich betrügt, und durch nichts als Lug und Trug seinen Herrn aus einem Müllerssohn zum Marquis von Carabas und zum Königssohne macht.

Der Ausdruck ist auf einem Umwege entstanden. Gato sapato bezeichnet in einzelnen Theilen Portugals das was man gemeiniglich cabra ciega (blinde Ziege) nennt, das Gesellschafts-Spiel, welches bei uns Blindekuh heisst.

Da nun bei diesem Spiele die Gesellschaft denjenigen, welcher die Blindekuh spielt, neckt und zum Besten hat, so heisst Jemanden zur Blindekuh machen (fazer de alg. gato sapato) so viel wie: Jemand zum Besten haben, betrügen.

Fragen wir aber, wie es kam, dass das Spiel gato sapato genannt wurde, so wird der Name wahrscheinlich daher rühren, dass demjenigen, welcher die Blindekuh spielt, die Augen verbunden werden, und er darum, indem er umhertappend eine der Personen um ihn mit den Händen zu fassen sucht, sich so unbeholfen bewegt wie eine Katze in Schuhen oder Stiefeln, ein Vergleich, auf den der Volksgeist gewiss nicht gekommen wäre, wenn ihm nicht das Mährchen vom gestiefelten Kater vorgeschwebt hätte. Darum glauben wir nicht zu weit zu gehn, wenn wir in der Metapher fazer de alg. gato sapato einen Anklang an dieses Mährchen zu finden glauben, das, wie es auf französischem Boden verbreitet ist und sich schon in der ersten französischen Mährchen-Sammlung, der von Perrault (1697), findet, ebenso gut auf spanisch-portugiesischem Boden Wurzel im Volke gefasst haben kann.

* Gato sapato chamão na India ao jogo, que chamamos em Portugal cabra ciega. Bluteau. Die von ihm gegebene Erklärung ist zu verwerfen.

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