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er isst

sich auch aus folgendem Beispiel: mhd, bër, nhd. Bär; und doch schreibt man die danach benannte Anhaltische Hauptstadt Bernburg nicht Bär(e)nburg, obwohl ihr Name von den Einwohnern mit dunklem langem e gesprochen wird.

§ 9. Wir wenden uns jetzt zu e resp. zu l. Auch diese Laute sind nicht ursprüngliche, sondern sind entweder aus a oder i hervorgegangen, d. h. aus zwei Vokaltönen, die musikalisch um eine volle Oktave auseinander liegen. Dieses Intervall mochte wohl unsern musikalisch begabten Voreltern beim „Singen und Sagen“ zu gross erscheinen, wenn die Töne unmittelbar auf einander folgen sollten. Sie milderten es daher, so dass, wenn in der Stammsilbe ein I, in der Ableitungssilbe ein A war, ersteres bis auf „E“ (ahd. ë) herabgesetzt wurde, z. B. ahd. nimit (er nimmt); aber für nimames (wir nehmen) sagte man nëmames.

Ebenso hilgist du hilfst

hëlfat ihr helfet
izzit

ezzant sie essen. Eolgte dagegen auf ein A der Stammsilbe in der Ableitungssilbe ein I, 80 wurde, um die Tondifferenz zu mindern, das A auf E (ahd. e) erhöht:

gast, der Gast
gesti, die Gäste
kraft, die Kraft
kreftig,
sanc, ich sank

senkjan, senken. Dieses Lautgesetz ist, wie der Augenschein lehrt, auch nicht ohne Einfluss auf unser jetziges Hochdeutsch geblieben, während man jedoch früher „ë“ und „e“ genau von einander unterschied, wahrscheinlich so, dass ersteres als dem a angeglichen, unserem heutigen å entsprach, während letzteres, als dem i angeglichen, dem höchsten e in Seele) nahekam, so ist der Unterschied beider im Nhd. verwischt, da in den Ableitungssilben a wie i in tonloses & (Tonhöhe gis'') übergegangen sind, der Grund zur Unterscheidung also weggefallen ist. Dennoch beobachten einige Dialekte am Oberrhein noch gewissenhaft diesen Unterschied, so dass sie regen (movere) mit höherem E sprechen als Regen (pluvia), da ersteres aus a entstanden und nach i gehoben, letzteres aus i entstanden und nach a gesenkt ist.

In dem grössten Theile Deutschlands ist jedoch der Unterschied der beiden E dem Sprachbewusstsein entschwunden, und man spricht das aus A umge

kräftig

messen

lautete gerade so wie die Brechung des I, wie man leicht aus folgender
Zusammenstellung ersehen kann:
Umgelautetes a

Brechung aus 1
ätzen
Becher

brechen
Bett

betteln
besser

Brett
Elle

bellen
Erbe

Berg
Fels

Feld
lleld

Geld
Herbst

Gerste
Recke

rächen
regen (movere)

Regen (pluvia)
Geselle

Quelle
senden

spenden stärken

Stern wärmen

werben. Alle E in Stammsilben also, die nicht e sind, d. h. die nicht im $ 6 verzeichnet sind, sind €, resp. e, da sie alle sich sprachgeschichtlich auf a resp. i zurückführen lassen, vgl. zu sandte — senden, zu siehst - sehen, zu irdisch - Erde.

§ 10. Nach dem Gesagten wird sich die richtige Aussprache des Ä und E in folgenden Wörtern leicht ergeben:

å ässen essen, Eltern

Bär, Bernburg Ebre säen, säben Ernte sehen

Seen bäten

Betten, gebettet beten Gartenbeet Beete (Rübe) träfe

trefle, Vetter (Väter) Feder jeder Gewähr gewärtig

Gewehr, geleert gelebrt läse

Hecht, lästig hegt, lese lehre
(Häring)
Hände, behende
Hering

ehern
zäbe
zänkisch
zehn

Zehe hären(es Gewand) Herr, Härte her, Heer

hehr (?) Säle hält, Held, erhellt selig,

Seele allmählich, von ge- melken

Mebl, mehlig Lehm
mach
Pfähle
Fälle, Felle feble

flehen (?)
sässe
setze, Sätze

sehne, Stuhllehne belehnen Zähren, Thränen

verzehren,

be. sehr

schweren sägen

recht, rächt, rech- regt, fegt, Segen kehrt

pen wähnen weckst, wächst wegen, wehen

wenig
träte
Retter
Redner

Rheder
Mähre
Messer
Meere

vermehren stählen

Stätte, Stände (Städte), steblen stehen. § 11. Es bleibt jetzt noch das stumme E übrig, das wir § 2 mit

bezeichnet haben. Es stammt aus den vollen ahd. Flexions-Endungen ames, at, ant, umes, îmes, ir, îro, ônð u. dgl. und kommt

e

zerren

کم وو

er

im Nhd. nur in tonlosen Nachsilben vor, z. B. helfen, helfet, jeder, jede, jedɛs, Hebel, Vögelein, grösser, grösserem, edel, edelen. Dieser Laut ist so kurz, dass er beim Sprechen wie beim Schreibeu ziemlich bäufig weggelassen wird. Am meisten fällt er ins Ohr, wenn zwischen t und t, d und t steht, z. B. rettet, redet, geleitete. In diesem Falle darf er nie weggelassen werden. Von da an giebt es unzählige Abstufungen, z. B. Heber, grösser(8)m, edel()n, dann Scheitel, das wie Scheit'l gesprochen wird, * bis dahin, wo es nicht mehr geschrieben wird und man nur seine frühere Existenz an der Aussprache des vorangehenden Consonanten merken kann, z. B. ed-len, Ad-ler, Ord-nung, Vög-lein, Jüng-ling. Von dieser Stufe, wo das „€“ fast dem unendlich Kleinen der Mathematik gleicht, verflüchtigt es sich so weit, dass schliesslich gar nichts mehr davon übrig bleibt, z. B. in Stüb-chen, Rös-chen u. $. w. Ebenso wird das ε schon als nicht mehr vorhanden angenommen in leb-t, lieb-t, reib-t, da b als auslautend, d. h. wie p gesprochen wird. Bei reiset, koset, leset, laset ist es in Jedermanns Belieben gestellt, von dem tonlosen & so viel hören zu lassen, als sich mit seinem Geschmack verträgt, man kann daher auch das vorangehende s als Inlaut oder als Auslaut sprechen (vgl. die Aussprache dieses Cons. in dem Folgenden).

§ 12. Y wird, obwohl griechischen Ursprungs, doch nicht immer wie im Griechischen als „Ü" gesprochen. Diesen Laut hat es wohl nur noch in den Zusammensetzungen mit Hyper- und Hypo-, 2, B. Hyperbel, Hypotenuse; aber auch da nicht durchgehend: Hypothek, Hypochonder hört man fast immer mit i sprechen. Nach dieser Richtung hin entwickelt sich die Aussprache des Y immer mehr: fast in allen andern Wörtern, z. B. Krystall, Myrte, Tyrann, Sympathie klingt es wie I; ja einige Wörter, denen eigentlich ein Y zukäme, werden schon ohne Weiteres mit I geschrieben, z. B. Stil, Silbe, Gips, Quitte, Brille, Zimbel.

§ 13. Der Uebergang zu dem folgenden Theil, welcher von der Aussprache der Consonanten handelt, wird durch den consonantischen Gebrauch der Vokale i und u für ; und w vermittelt. Der Vokal i hat die Neigung, vor anderen Vokalen, welche nicht mit ihm verschmelzen, in ein leises j überzugehen, so dass z. B. Lilie fast wie Lilje, Marius wie Marjus, Grobian wie Grobjan lautet.

* Man bringt zwischen 1 und 1 die Zungenspitze nicht aus ihrer Lage, was doch zu einem regelrechten E nöthig wäre,

Das Schriftzeichen U hat consonantischen Klang nach einem 9. Man spricht , quer“ beinahe wie kwer, das w jedoch nicht mit voller Schärfe, sondern mit dem leichtesten Ansatz, dessen es überhaupt fähig ist und mit etwas veränderter Lippenstellung. Da es mit dem u in „schwer“ vollkommen gleich klingt, so wird unter den Lippenlauten eingehender davon gehandelt werden. Lemgo.

Dr. F. Grabow.

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Herr Goldbeck besprach aus Victor Hugo's Légendes des siècles, welches eine Gesammtdarstellung der Legenden von Eva über Christus bis auf die Gegenwart zu geben bestimmt ist, das Gedicht Eviradnus, gab dessen Inhalt, und wies auf das Ungeheuerliche und das Vorwalten des Gespenstischen in der Anlage des Gedichtes hin, während der Genius des Verfassers sich in einzelnen Schönheiten allerdings erkennen lässt. Den Hauptunterschied des französischen Geistes von dem in unseren grossen Dichtern waltenden findet der Vortragende besonders in der den Franzosen abgehenden Fähigkeit, auf Geschichte, Philosophie und Litteratur der Völker einzugehen. Herr Beck suchte für den in neuester Zeit von Bratuschek angeregten, von Ostendorff in Düsseldorf verfolgten und auf den Octoberconferenzen verhandelten Gedanken, ob es zweckmässig sei den Unterricht mit einer modernen Sprache anzufangen, nach Vorgängern in der Vergangenheit, und fand, dass zuerst vor 200 Jahren Comenius im Gegensatz zu den Humanisten, die ein vollständiges Versetzen in den Geist des Alterthums erstrebten, ein gleiches Princip aufgestellt habe: die Jugend solle in das Leben eingeführt werden. Der gründlichste Unterricht in der Muttersprache, die zugleich die Sprachmutter sei, müsse den Anfang machen: die Sprachen der wichtigsten Culturvölker neben uns müssten folgen. Die Grammatik jeder neuen Sprache solle nur das von den schon gelernten Grammatiken Abweichende geben. Herder im „Ideal einer Schule“ verfolgt denselben Gedanken; er spricht geradezu aus, der Ge. lehrte solle besser französisch als lateinisch sprechen. Das Princip wird im Gegensatz zu Ostendorff's Ansichten in Karl Schmidt's Geschichte der Pădagogik behandelt, und ist in dem Gesammtgymnasium in Leipzig zur That geworden, wo Deutsch, Englisch, Französisch

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