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MUSS.

können, denn ich verbehle mir die Schwierigkeit der Sache nicht, da sich auch participia praesentis activer Form mit passivem Sinn wie in anderen Sprachen so hier gelegentlich einfinden (Giov. Marotolo PPS 2, 92 ed è cosa credente, Non mi credo già punto fallire), und annehme, dass sich hier mancher nicht mit ,,eine glauben machende" (, wol schlafende“, wol schlafen machende Nacht) begnügen möchte, so hoffe ich doch, dass es als eine dankenswerte und treffende Vereinfachung angenommen wird, wenn ich nachweise, dass die gelegentlich passive Auffassung des Infinitiv praesentis activi im Italiänischen, und ich hoffe, andere werden nach mir dasselbe für andere Sprachen erkennen und zeigen, nur auf Bequemlichkeit des Denkens beruht und in der That unhaltbar ist.

Wenn bei Adiectiven wie leicht, schwer das Altgriechische, wel chem es wahrhaftig nicht an passiven Infinitiven fehlt, den activen und zwar ohne weitere Vermittelung setzt, so kann man wol sicher sein, dass in la cosa è facile a vedere der Infinitiv nicht im genauen Anschluss an lateinisches facilis corrumpi als passiv gedeutet werden

In Bezug auf das sehen, darauf dass jemand sieht; wer, ist gleichgültig, wird nicht angegeben, so wenig als das Obiect als selbstverständlich wiederholt wird. Fazio im Dittamondo 4, 9 het A vederlo è poco e brullo.

Dieses „in Bezug auf“ „gegenüber“ „bei“ wird italiänisch durch a manchmal auch durch da gegeben. Beim einladen (nicht „geladen werden“) möchtest, verlangtest du nicht viele Worte, inf. 30, 129 Non vorresti a invitar molte parole. Fazio D. 3, 9 Alcuna cosa da notar degna; 1, 5 Poco dal corpo, lettor, tel disegno. Da hat den Vorzug wenn das Adiectiv fehlt und ein der Art ausgedrückt werden soll: la cosa è da ridere, die Sache ist zum lachen (nicht „belacht werden“, vgl. zum krank lachen). Gleich jenem a . .

a vederlo widersetzen sich passiver Auffassung solche Fälle: Dittamondo 3, 3 provai quanto è buon a viver seco, 7 o'l ciel disposto a viver sani,

Die Lehre von dem passiven Infinitiv praes. activi stützt sich aber ganz bosonders auf die Accusative mit Infinitiven nach vedere udire sentire, fare lasciare. Vedo scrivere mio fratello erklärt man „video scribere meum fratrem“, hingegen vedo scrivere a mio fratello „video scribi meo fratri“; sodass also durch den Zusatz des a plötzlich der Infinitiv umschlagen soll und der Dativ beim Passiv im Anschluss an die altgriechische im Lateinischen mehr von Dichtern gebräuchliche

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Art statt da „von“, lat. a mit Ablativ den Thäter angeben soll. Dass dies a den Dativ ersetze, ist unbedenklich anzunehmen, da das Italiä. nische unter seinen Pronominalformen noch wirkliche Dative besitzt und sie in diesem Falle anwendet. Diese Fügung mit a wird gegen jenen activen Accusativ mit Infinitiv bevorzugt, sobald zu dem Infinitiv noch ein Obiect sich einfindet; offenbar um die Dunkelheit zu meiden: audio regem hostes vincere lieber a rege hostes vinci, odo al re vincere i nemici. Nur wenn die Dunkelheit im Gegentheil bei dieser Wen. dung mit a grösser ist als ohne die Praeposition, findet sich selten doch auch heutiges Tages die einfache Construction erhalten: Poscia ch'io ebbi il mio dottor udito Nommar le donne antiche e i cavalieri. Der Sicherheit, dass man bei Eintritt des a oder Dativs von Fürwörtern einen passiven Infinitiv vor sich habe, glaubt man vollends die Krone aufgesetzt zu sehen dadurch, dass statt des a auch da „von“ sehr geläufig ist. Weil da der eigentliche Ersatz für lateinisches a beim Passiv ist, schliesst man von solchen Fällen, veggio il tosco apparecchiar dal tiranno, mit Leichtigkeit auf Infinitive praesentis passivi, wo es nur bequem und angemessen, namentlich dem Lateinischen entsprechend erscheint. Also lo vidi menare, ich sah ihn führen, geführt werden; offenbar passiv. Als ob es nicht deutlich wäre, dass hier nur die Nennung des Führers fehlt, dass lo von menare abhängt, dass dieses activ bleibt. Im Lateinischen nach iubere fehlt oft ein solcher leicht zu ergänzender Accusativ, wie in receptui canere iubet : wem fällt es ein, dass canere passiv ist? Feci mostrare ist gerade wie lateinisch pronunciare iusserunt; wer die Zeiger, die Verkünder sind, ist zu gleichgültig, als dass es nicht leicht wegfallen könnte: fällt ein Obiect aus diesem Grunde leicht weg, warum nicht ein Subiect? Vgl. jenes qui conta, nämlich der Erzähler oder das Buch.

Es ist aber in a lui (da lui, gli vedo scrivere la lettera nicht anders, scrivere ist activ. „Ich sehe schreiben“ wie ich höre sprechen“; die Thätigkeit bezeichnet, activ. Von dem Infinitiv abhängig „, den Brief". Statt ihn“ aber heisst es hier ,,an ihm“, „, bei ihm“, es ist seine Thätigkeit. Und diese Verwendung des Datives sowie der Praeposition a ist echt, gut, alt und neu. Ich sah, sagt Dante par. 31, 313, ihren oder an ihren Spielen und Gesängen eine Schönheit lachen, welche alle den oder an alle den anderen Heiligen in den Augen eine Freude (ein Freude blicken) war. Vidi quivi a' lor giuochi ed ai lor canti Rider una bellezza, che letizia Era negli occhi a tutti

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gli altri Santi. Hier hat man dieselbe Verwendung des a oder des Dativs und doch nicht eben in jener Construction und gleich doppelter Art: ich sehe eine Thätigkeit, ich sehe eine Eigenschaft an jemand. Dittamondo 2, 11 Dimmi, questa figura che si vede E lo scritto a cui è? E'l Farisco: A colui che 'l censo ci richiede. Da bedeutet oft genug zu und bei, und wenn es vorzugsweise beim Passiv das lateinische a ersetzt, so mag es möglich sein, dass der redende in solchen Sätzen wie inf. 29, 76 E non vidi giammai menare stregghia Da rag. gazzo aspettato dal signorso nahe daran ist, das Passivum zu empfinden; dass er es wirklich empfinde und denke, glaube ich nicht. Dass eine solche Annäherung statt findet, zeigt das Beispiel anderer Sprachen wo die Unklarheit durch ein von durch franz. par sich zeigt. * Ich sage also, dass „ich lasse das Kleid beim Schneider machen“ richtig sei, dass von durch statt bei hier störe. Aber auch so glaube ich nicht an den Infinitiv praesentis passivi, glaube vielmehr, dass dies „von“ „durch“ ähnlich dem „bei“ zu beurtheilen sei. Die Präposition hat ihren auf das räumliche, auf Vermittelung gehenden Sinn, berechtigt deshalb zu keinem Schlusse auf ein Passivum.

Nachdem ich gezeigt habe, wie möglich es ist und wie vernünftig der Verbalform hier nicht etwas aufzubürden, was sie nicht tragen kann, ihr Fremdes nicht anzudichten, will ich noch zeigen, wie wenig wahr. scheinlich es ist, dass die Italiäner, wenn sie einen passiven Infinitiv praesentis vom Lateinischen her sich erhalten hätten, in solchen Constructionen den Thäter durch den Dativ oder durch die Praeposition a bezeichnen sollten. Das Lateinische hatte sehr wenig Neigung für diese Verwendung des Dativs; von den Griechen nahmen sie die Dichter etwas an, in der Prosa blieb man auf weniges wie mihi scribendum est, mihi videtur, mihi probatur beschränkt. Immerhin aber reichen die Beispiele im Lateinischen vollständig aus innerhalb jener Sprache selbst die Sache klar und sicher zu belegen. Wie steht es im Italiänischen ? Wenn in einem solchen passiven Accusativ mit Infinitiv der Dativ oder a statt da stehen soll, so muss es billig auch sonst in

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* Per ist hier im Italiänischen selten, obgleich es beim Passiv den Thäter sonst sehr gern einführt. Ditt. 6, 6 è fama e voce, che già per Salomon poner su visto Quel legno, onde si fe la santa Croce. Aber die Auffassung des activen Infinitiv ist hier leicht. Es wurde gesebn, dass man den Grund durch Salomo legte (seine Leute); wenn nicht gar zu erklären ist: durch Salomo wurde schon gesehn, dass man den Grund legte.

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der Sprache Beispiele geben solchen Gebrauch festzustellen. Wirklich lässt sich ein solcher Gebrauch innerhalb des Italiänischen ziemlich sicher stellen. Aber, mich dünkt, doch nicht so, dass man es für möglich halten sollte, dass an denselben bei weitem die Mehrzahl solcher Accusative mit Infinitiven nach vedere udire sentire fare lasciare sich hätte sollen anschliessen.

Hier ist zunächst eine wirklich grosse Familie von Beispielen zusammenzufassen, nämlich der Fall, dass das Passiv durch venire gebildet wird. Dieser Gebrauch findet sich in der ältesten Prosa bis auf die heutige tägliche Sprache. C novelle ant. 76 Il Soldano aspettava il re Ricciardo, ma non li venne fatto, es wurde von ihm, dem Sultan, nicht vollbracht, der Streich mislang. Giamboni volg. d'Orosio 2, 16 non vegnendo loro fatto. Par. 17, 50 E tosto verrà fatto, a chi ciò pensa. Bocc. D. 1, 4 gli venne veduta una giovinetta, 6 gli venne trovato un buon nomo, Al quale era venuto detto, 7 vennegli si ben fatto che

pervenne, 7, 8 gli venne questo spago trovato, und ähnlich oft.

Unter neueren Leopardi op. (Le M.) 1, 264 ti venne fatto; D'Azeglio Nic. de' Lapi 268 e neppur a Lamberto non venne fatto di vincerlo; Giuliani Sul viv. ling. tosc. 451 Mi venne fatta la Madonna con il Bambino in braccio proprio come l'avevo veduta, 456 mi venne finita finita, 457 mi riuscì fatto, 460 mi riescono fatti come agli altri. Besonders an den letzten Beispielen mit riuscire sieht man, dass der Begriff des kommens hier vielleicht den Dativ ebenso hervorgerufen hat oder noch mehr als das passive Participium.

Vielleicht mehr der Erinnerung an lateinische Klassiker als dem lebendigen Sprachgefühl verdankt man solche dem mihi videtur ähnliche Wendungen. Fra Guittone Rime ed. Valeriani II. 159 m'è viso, Jacopo da Lentino (Nannucci manuale della lett. del I. secolo 3, 1874 1) S. 112 m'è avviso, Anm. formula prov. 80 m’es avis, dal latino mihi visum est. Fra Guittone lettere ed. Bottari Rom 1745, 40, 91 viso è me (a me, wie er und diese alten öfter me als Dativ haben). Inf. 19, 108 a lui fu vista, vom Evangelisten wurde die Buhlerin gesehen ; pg. 1, 24 Non viste mai fuor ch' alla prima gente; par 7, 5 Fu viso a me cantare essa sustanza. Dittam. 2, 28 un fanciul gli fu visto. Unter den neueren scheint es den Dichtern zu bleiben, wie Ariosto öfter hat m'è avviso.

Mit anderen Zeitwörtern sind der Beispiele wenig und sie scheinen ebenfalls auf Erinnerung an alte Klassiker zu beruhen. Pannuccio

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del Bagno PPS 1, 372 el meo sacciuto voi fero dolore. Fra Guittone R 1, 47 che sia cercata A chi è d'alta donna in signoria; 2, 83 sento A me il talento vostro umiliato. Lettere 38 S. 88 Bottari: usato è al sole. Inf. 27, 135 si paga il fio a quei gehört vielleicht hierher. Andere zweifelliafte Stellen übergehe ich; pg. 9, 45 il viso m'era alls marina torto; 20, 12 accusiam, -- Lodiamo, - Ultimamente ci si grida. 121 al ben che il di ci si ragiona. Par. 4, 37 non perchè sortita Sia questa spera lor; 22, 120 La vostra region mi fu sortita. Als zweifelhaft muss ich hier fern halten alle Beispiele, in welchen der Datis keine Person sondern nur eine vielleicht persönlich gedachte Sache ist, wie il muro (die Hebräerinnen), al che si parton le sacre scale, - la neve al sol si disigilla, si dibarba Robusto cerro al nostral vento, weil uns dies auf das instrumentale a führen würde. Dittam. 4, 14 A me con tanto sangue e con martiro Fu fatto il tempio. Nevere Dichter haben dergleichen ebenfalls gelegentlich. Tasso G. 1. 8, 35 E con lei (la spada) faccia, perchè a lei s'aspetta, Di chi Sveno le uccise aspra vendetta, weil vom Schwerte die Rache erwartet, ersehnt wird ; 9, 30 tenta, – che morto gli cada, von ihm getödtet.

Nach diesen Beobachtungen möchte man schwerlich geneigt sein den Infinitiv praesentis activi als passiv mit dem Dativ der Person zu erklären.

Damit ich aber vorurtheilsfrei kein Wort, welches dieser Fügung geredet werden könnte, zurückhalte, denke ich hier noch des schon genannten Buches von GB Giuliani lettere sul vivente. linguaggio della Toscana, Fir. Le M. 1865. In den dort mitgetheilten Gesprächen ungelehrter Leute Toscanas scheint sich unser Fall ausserordentlich oft zu finden. Dies wäre um so wichtiger, da diese vortrefflichen Gewächse vieles enthalten und aufklären, was bei Dante und den ältesten schwieriges und heut dunkeles gefunden wird. Sollte also dieser unser in Rede stehender Gebrauch sich der Schrift mehr entzogen aber allezeit im Volke gelebt haben? In den Beispielen ist gar keine Abwechselung; in allen ist das Passiv durch si gebildet und der Dativ heisst noi (obne a = nobis). S. 85 noi si dice, 95 foga del fuoco noi

. si dice quella corrente di fuoco, 132 noi (da noi setzt der Herausgeber in Klammer hinzu) le viti non s'appoggiano agli arbori, 179 noi si pongono pochi ulivi, noi si lavora all' antica, 193 noi come son sani, si lasciano mangiar ogni cosa, 220 noi si pensa, 228 noi si

* è vinto al pome pg. 27, 45, al collo d'un grifon tirato vedne 29, 108 sind wol mit Hervorhebung des räumlichen zu erklären.

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