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seine höhere göttliche Bestimmung aus dem Auge verliert, wo es abweicht von der Bahn der Tugend, die allein zum Ziele führt da stehen die Füsse derer vor der Thür, welche den Leichnam zu Grabe tragen. So lehrt es die Geschichte bis auf unsere Tage.

Metapherstudien

von

Dr. Friedrich Brinkmann.*

Der Esel.

I.

Das dem Pferde äusserlich ähnlichste und am meisten verwandte Thier ist der Esel. Dem inneren Charakter nach steht aber der Esel dem Pferde so fern, dass er in den hervorragendsten Zügen das grade Gegentheil desselben ist, und man ihn auch wohl als die Carrikatur des Pferdes bezeichnet hat. Demgemäss behandelt auch die Sprache den Esel, und ist hier wieder ein treues Abbild der Wirklichkeit. Wie nach der von uns gegebenen Darstellung das Pferd in der Sprache als das edle, in jeder Beziehung ausgezeichnete, stolze und kriegerische, starke und feurige, als das aristokratische und vorzugsweise zum Dienste der Geburt- und Geld-Aristokratie bestimmte Thier, eines Theils im Gegensatze zum Hunde als dem gemeinen, sich wegwerfenden Thiere, dem kriechenden Schmeichler steht, so andern Theils zu dem Esel, als dem ungeschickten, tölpelhaften, stumpfen und dummen, dem langsamen und trägen, aber auch geduldigen und genügsamen Thiere, dem Diener und Freunde des Armen.

Unter den genannten Zügen hat keiner eine so allgemeine Verbreitung in den Sprachen gefunden wie die Dummheit. Diese wird

Fortsetzung der Abhandlungen: Der Hund, Archiv Bd. XLVI, S. 425-464, und: Das Pferd, Archiv Bd. L, S. 123–190.

von den Sprachen fast ebenso übereinstimmend dem Esel als Prädikat beigelegt, wie die Gemeinheit dem Hunde, und namentlich macht das Sprüchwort einen sehr starken Gebrauch vom Bilde des Esels in diesem Sinne. Die romanischen Ausdrücke für Esel:

it. asino, asinone, asinaccio, pezzo d'asino, ciuco; sp. asno, borrico, jumento; fr. âne, bourrique, âne bâté, baudet, heissen ebenso Dummkopf, wie die englischen ass, jackass, donkey, wie unser Esel und wie das lateinische asinus.

Lat. Quid nunc te, asine, litteras doceam? non opus est verbis,

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Neque ego homines magis asinos unquam vidi. Plautus. (Auch mulus so gebraucht: mulo inscitior.

Plaut.)

It. Asino fastidioso ed ebriaco, che tu dei essere.

Boccaccio.

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E asino di natura, chi non sa leggere la sua scrittura.
(Sprüchw. Giusti, prov. toscan. p. 293.)

Il re non litterato è un asino coronato, (Spr. das.), wie
das deutsche Sprüchwort sagt: Wo man den Esel krönt,
da ist Stadt und Land gehöhnt. (Simrock, S. 98.)
Chi asin nace, asin muore.

Il più ciuco è fatto priore. Giusti, 70.

Un asino risalito ein einfältiger Glückspilz.

Sp.: Asno lerdo, tu dirás lo tuyo y lo ageno. Prov. Oudin, refranes castellanos, pag. 42.

Pues otra cosa puedes advertir, y es, que hay algunos, que no les excusa el ser latinos de ser asnos. Cervantes, colloq. d. Cip. y Brag. (= dem egl. Sprüchw. the greatest clerks are not always the wisest men: Ray, egl. prov. pag. 61.)

Asno con oro alcanzalo todo. Prov. Dieses Sprüchwort, welches bedeutet: que el hombre mas ignorante e inútil, si tiene dinero, alcanza y consigue el empléo ù otra qualquier cosa (Dicc. d. 1. Acad.), ist wahrscheinlich zurückzuführen auf den Ausspruch des Königs Philipp von Macedonien, keine Festung sei uneinnehmbar, durch deren Thor ein mit Gold beladener Esel eintreten könne.

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Il est bien âne de nature, qui ne peut lire son écriture.
Prov. Le Roux d. Lincy, I, pag. 90.

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La Sorbonne a couché ouverte, les ânes parlent latin (Jetzt

wollen die dümmsten Leute Weisheit reden).

Egl.: Be angry and despatch. O! Couldst thou speak
That I might hear thee call great Caesar ass

Unpoliced (den grossen Caesar einen in Staatsgeschäften
ungeschulten Esel nennen). Shaksp. Ant. & Cleop. V, 2.
He will be an ass, as long as he lives. He is truly an
ass, who cannot read his own handwriting.

Die Ungeschicklichkeit, das täppische, tölpelhafte Wesen des Esels, das Lafontaine in der Fabel: l'âne et le petit chien treffend schildert, liegt folgenden Sprüchwörtern zu Grunde.

Sp.: Burlaos con el asno, daros ha en la barba con el rabo (Oudin 58), was an Lafontaine's Esel, der ein Pfötchen wie der Hund zu geben versucht, erinnert.

Fr.: A quoi peut-être vous êtes stylé comme un âne à jouer du flageolet. Le Roux, I, 88.

Ung âne n'entend rien en musique. das. 91.

Ebenso das deutsche Sprüchwort: Er schickt sich wie der Esel zum Lautenschlagen, und: Was thut der Esel mit der Sackpfeife? Simrock, S. 100. Vielleicht ist der Ursprung dieser Redeweise das griechische ὄνος πρὸς λύραν, πρὸς αὐλόν und ὄνος λύρας (sc. ακούει, ἀκρόαται od. antera) mit derselben Bedeutung, wie auch der Lateiner sagt: asinus ad lyram. Der Engländer aber sagt: a sow to a fiddle. Ray, egl. pr. 143.

Das ganze rohe Wesen des Esels, die Stumpfheit der Sinne, wovon Dummheit und Ungeschicklichkeit die Folgen sind, wird treffend in den Sprüchwörtern gezeichnet:

Fr.: Chante à un baudet, il te fera un pet. Chantez à l'âne
et il vous fera (frappera) des pieds. Le Roux, I, 92.
It.: L'asino, quando ha mangiato la biada, tira calci al corbello.
(Giusti, 158.)

Sp.: El amor del asno coz y bocado, oder

El amor de los asnos entra a coces y a bocados (Oudin, p. 115),

während es vom Pferde heisst :

Coces de yegua amores para el rocin (das. 74), und It、:

Calcio di stallone non fa male alla cavalla.

Weil diese Auffassung des Esels die über alle anderen überwiegende ist, so bildet der Italiener von asino sogar einen Superlativ asinissimo mit der Bedeutung Erzdummkopf, wie Plautus in der oben angeführten Stelle gleichsam einen Comparativ homines magis asini bietet, und wie der Grieche κυών zu κύντερος und κύτατος steigerte; und der Spanier hat von asno die ansprechende, aber komische Metapher desasnar, gleichsam einen enteseln, Jemdn. seines eselhaften Charakters entkleiden, ihn witzigen, klüger machen, wie der Franzose für denselben Begriff von niais (nidulensis Nestling, Dummkopf) sein déniaiser bildet.

Eine hieher gehörige Zusammensetzung mit dem Namen des Esels! ist das fr. sobriquet Spitzname. Dies Wort ist entstanden aus sot briquet dummer Esel, so dass also donner un sobriqet à qn. ursprünglich die Bedeutung hatte: Jemandem einen Einfaltspinsel anhängen (Diez, Etym. Wb. II, 413), ihn einen dummen Esel schelten, woraus sich dann die allgemeinere Bedeutung Scheltnamen, Spott-, Spitznamen entwickelte.

Hiernach kann es aber nicht auffallen, dass wie vom Esel der Dummkopf benannt wird, so auch umgekehrt es unter den Ausdrücken für Esel einen gibt, der gradezu Dummkopf bedeutet. Es ist dies das italienische ciuco. Es kommt vom lateinischen ex-succus (saftlos, unschmackhaft), oder vielmehr von einem leicht zu supponirenden exsucus, da sucus eine Nebenform von succus ist.

Ciuco ist also eine Scheideform von sciocco, das von ex und succus kommt und dumm bedeutet. Ein formelles Bedenken kann gegen diese Ableitung nicht erhoben werden. Das lange u von sucus wird in ciuco gerade so regelrecht erhalten, wie das u in Position von succus in o übergeht. Der Anlaut c' bedarf allein einer Rechtfertigung. Wenn im Italienischen x in einen Zischlaut verwandelt wird, so ist es allerdings in der Regel nicht der harte c' sondern der breite sci (coxacoscia, laxare-lasciare) und insofern ist ciuco aus ex-sucus eine Unregelmässigkeit. Es ist jedoch zu bedenken, dass der breite Zischlaut sci in den harten c' übergehen kann, wie die Doppelformen bascio

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