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(Les jardins, L'homme de champs, Les trois Règnes de la nature). Letzterer hatte auch den Muth, gelegentlich eines revolutionären Festes im Jahr 1793 so zu dichten:

O vous qui de l'Olympe usurpant le tonnerre
Des éternelles lois renversez les autels,

Lâches oppresseurs de la terre,
Tremblez! Vous êtes immortels.

Et vous, vous du malheur victimes passagères
Sur qui veillent d'un Dieu les regards paternels,

Voyageurs d'un moment aux terres étrangères,

Consolez-vous, vous êtes immortels. Ein späteres Gedicht „l'immortalité" existirt von SaintVictor. - Von den Romantikern schloss der „,classischste, wie Alfred de Vigny öfter genannt wird, sich ganz an das biblische ideologische Wesen Lamartines an, und von der „Jeune Phalange“ lässt Ducamp die Gottheit über den Teufel siegen, welche dann von sich selbst sagt:

Je suis le Vrai, le Bien, le Beau, l'Amour immense. Ueber die Bestrebungen der neueren poetischen Schule in Frankreich ist die Erörterung von d’Arlaincourt sehr charakteristisch: Le classique est la littérature imitée des Grecs et des Romains assujettie à des règles invariables et à des formes sévères. Le classique est le beau idéal pris dans la nature antique et positive. Le romantique au contraire est la littérature de la chevalerie et du christianisme. La piété est son flambeau; l'enthousiasme est son essence; le ciel l'occupe plus que la terre. Le romantique et le beau idéal pris dans la nature moderne et chrétienne.

In der Prosa ist eine Anzabl bedeutender Redner nachzuholen, die sich durch hohe Ideen ausgezeichnet haben. D’Aguessau ist schon oben genannt; auf ihn folgte Seguier und trat gegen die damaligen Philosophen auf. Ihre höchste Blüthe erreicht die Kanzelberedsamkeit durch Bourdaloue, Saurin, Mascaron, Fléchier und Massillon, welch' letzterer in dem Sermon sur la vérité d'un avenir überzeugend von der Unsterblichkeit der Seele sprach. Die akademische Beredsamkeit, welche durch die Stiftung der Académie française ein weites Feld fand,

war nicht immer frei von blosser Schönrednerei, doch finden sich auch erhabene Stellen bei Buffon, Fontenelle, d'Alembert, Chamfort, Laharpe (éloge de Fénelon), Guibert, Fontanes u. 8. Manches Gediegene weist auch die Memoiren-Literatur auf. Eine nicht unbedeutende Stelle in der französischen Literatur nimmt ferner Friedrich II. ein. – Die Psychologie war durch

. Bonnet, die Aesthetik durch André und Crouse.z angebaut, überhaupt sind die philosophischen Studien in Frankreich nicht vernachlässigt worden, und die neuern Denker haben sich ganz besonders dem Christenthum zugewendet. Lamennais erhob sich gegen die Irreligiosität des Zeitalters in seinem Essai sur l'indifférence en matière de religion, und in seinem Werk De la religion considérée dans ses rapports avec l'ordre politique et civil. In seiner Zeitschrift l'Avenir verlangt er die volle Religionsfreiheit für alle Bekenntnisse; von hoher Bedeutung sind seine Paroles d'un Croyant. Villers ist Verfasser eines ausgezeichneten Werkes : l’Esprit et l’Influence de la réformation de Luther. Saint-Simon hatte in seinem nachgelassenen Buche Le nouveau Christianisme zur Vollendung des von Christus begonnenen Werkes eine brüderliche Vereinigung aller Menschen verlangt, die St. Simonisten konnten jedoch ihre Idee einer philanthropischen Theokratie nicht realisiren. So geht das Christenthum durch alle Gattungen der Literatur von ihren Anfängen bis in die neueste Zeit, der man im allgemeinen den Mangel der sittlich-religiösen Bildung nicht mit Unrecht vorwirft (je respecte la religion, mais je n'en use pas); aber trotz des bei den Romanen vorherrschenden sinnlichen katholischen Elements ist doch stets das Bestreben wahrnehmbar, das Christenthum im Geist und in der Wahrheit aufzufassen. Neuerdings hat noch Renan versucht, das sich immer wieder regende lebendige Bedürfniss nach tieferer religiöser Erkenntniss durch frisches Schöpfen aus den Urquellen des Christenthums zu befriedigen. Als ein Zeichen religiösen Fortschrittes kann es auch angesehen werden, dass die Verfolgungen, welche der gereinigte christliche Glaube in früheren Zeiten in Frankreich zu erdulden batte, von dem gesunden Sinne des französischen Volkes, mit alleiniger Ausnahme weniger Fanatiker, laut verdammt worden sind, und nur diejenigen können jetzt zur fanatischen Ausbeu

tung der Confession zu politischen Zwecken rathen, welche sich sträuben anzuerkennen, dass im Leben der Nationen eine göttliche Macht vergeltend waltet.

Es sind reiche Schätze, welche die Literatur Frankreichs dem denkenden Geiste darbietet, und durch sie hatte die Nation einst die geistige Führerschaft in Europa erlangt. Abgesehen von den anerkannten Leistungen in den strengen Wissenschaften, ist auch im Gebiete der Kunst und Poesie vieles Vortreffliche vorhanden, das nicht der Nation, sondern der Menschheit angehört. Der Genius der Poesie bindet sich an keinen Erdstrich. Unmöglich ist es etwa vom nationalen Standpunkt aus ein einziges charakteristisches Merkmal, welches sich in dieser reichen Literatur ausprägt, als massgebend für die Erkenntniss des Ganzen zu bestimmen. Es lassen sich eben in den schönwissenschaftlichen Werken sehr verschiedene Abstufungen wahrnehmen, und wenn die Franzosen vielleicht in irgend einem Genre der Kunst zurück sind, so sind sie dafür in einem andern (z. B. in der Komödie) unsere Meister. Mit den Vergleichungen der Nationen unter einander nach vereinzelten Gesichtspunkten ist es eine missliche Sache, sie haben häufig zu Einseitigkeiten geführt. So wollte ein französischer Professor den Satz, dass Deutschland das Land der Denker sei, mit der Frage widerlegen: ob denn Montaigne, Pascal, Bossuet, Fénelon, Racine, Molière, Montesquieu, Voltaire, Rousseau und so viele andere keine Denker gewesen; ob denn nicht einst ein mächtiger freier Geist Frankreich durchströmte und neugestaltend auf das Ausland einwirkte, und ob denn überhaupt der Mensch nicht überall derselbe sei, wenn auch Religion, Klima, Sitten, Erziehung etc. ihn modificiren? Die grossen Leistungen des französischen Volkes für die Menschlichkeit wird niemand in Frage stellen; auch ist es richtig, dass durch alle Zeiten und Völker die ewigen Gefühle der reinen Menschheit in einer wunderbar übereinstimmenden Strömung hindurchgehen. Es ist ausserdem von Belang, dass die praktische Natur des romanischen Geistes sich gerade bei den Franzosen am vollkommensten zeigt. Die Gabe, die Resultate der Wissenschaft durch einfache und klare Darstellung zu popularisiren, das gesunde Urtheil (bon

sens), das sich nicht in langen Speculationen vertieft, sondern die Gegensätze scharf auffasst und oft durch ein Schlagwort bezeichnet; die instinctive Scheu vor der schwindelnden Höhe einer Hyperabstraction, nicht sowohl aus Furcht vor der Geistesarbeit, welche dieselbe erfordert, als aus Ueberzeugung von ihrer praktischen Nutzlosigkeit diese Eigenschaften des französischen Geistes sind gewiss nicht zu unterschätzen. Allein bei all diesen Vorzügen finden sich wohl nirgends grössere Widersprüche, als gerade im französischen Charakter. Begeisterung für Utopisches neben vorherrschendem Materialismus, abstracter und phantastisch-leidenschaftlicher Idealismus neben todtem Kirchenglauben, der den Geist in eine unfruchtbare Stagnation versetzt, Lebhaftigkeit des Geistes und schnelles Erfassen neuer Ideen neben Indifferentismus für alle höheren geistigen Interessen kann es eine wunderbarere Mischung geben? Als endlich der Idealismus in die Literatur kam, als die literarischen Zustände sich durch das unverkennbar einzige Ziel materiellen Gewinnes charakterisirten, da brach die Zeit des tiefsten Falles an, und das zweite Kaiserthum muss selbst als nothwendige Folge des Verfalls des französischen Geistes bezeichnet werden. So nahe stehen Ursache und Wirkung bei einander: wie eine Nation durch die Literatur in eine bestimmte Richtung hineingezogen werden kann, 80 vermag andrerseits wieder der Schriftsteller dem allgemeinen Einflusse des Zeitgeistes sich nicht zu entziehen. Nur zu deutlich zeigte es sich, wie der Ultramontanismus fast nothwendig zur herzlosen Selbstsucht und mithin zur Immoralität führt, wie auf einem vom Materialismus überwucherten Boden keine idealen Erzeugnisse möglich sind, und der Sieg von 1870 war doppelt wichtig, weil sonst der frivole materialistische Zeitgeist seine Herrschaft noch weiter ausgebreitet hätte; jener Sieg brachte die Lehre mit: dass die Civilisation aus moralischen Ideen besteht, die nicht missachtet werden dürfen, dass die Aufgabe einer Nation nicht in Machtentfaltung nach aussen, nicht in Eroberung noch Unterdrückung, sondern in Hebung der intellectuellen und moralischen Zustände bestehen müsse. Das Vermächtniss des grand siècle, an welchem die französische Literatur seit zwei Jahrhunderten zehrte, schien in der letzten Zeit fast vergessen zu sein, wenigstens war für die

höheren Geistesschätze, für die Bestrebungen von Port-Royal und für alle ethischen Richtungen in Frankreich wenig Stimmung. Und dennoch bilden jene Schätze, jene Bahnen des Classicismus das Fundament zu einer geistigen Regeneration Frankreichs. Vielleicht dass, wenn die von Deutschland kommende Geistesströmung, das tiefe Eindringen in den deutschen Classicismus, in die deutschen Koryphäen der Philosophie und Poesie, einen neuen Einfluss auf die französische Literatur ausüben, und wenn zugleich der Ernst des Lebens sich tief in die Gemüther einprägt vielleicht, dass dann der dichterische Genius in Frankreich noch eine Blüthezeit heraufführen wird, die, sich über den Eudämonismus erhebend, ihren Flug zum Anschauen des Ewigen und Unvergänglichen nimmt, und bestrebt ist, das im Wechsel aller menschlichen Dinge Bleibende und Dauernde in der Erkenntniss festzuhalten. Die Unhaltbarkeit der Devise: Hors de la France point de salut, ist jetzt genugsam erkannt, und es wird wohl heute kein Franzose mehr die Preisfrage stellen: Un allemand peut-il avoir de l'esprit? Der alte Zwist schien schon seit Mad. de Staël ausgeglichen, deren Werk Goethe eine Brücke über den Rhein nannte, um Frankreich und Deutschland zu verbinden, und Jean Paul erblickte darin einen neuen Christoph Columbus, welcher dem poetischen Frankreich eine neue Welt entdeckt hat. Mochten die Deutschen von den sogenannten praktischen Völkern immerhin spottweise Ideologen oder Metaphysiker genannt werden: sie beharrten in ihrem Streben nach Wahrheit, und wussten, dass die Wahrheit frei macht, und dadurch erhoben sie sich auf die Höhe der Cultur und Wissenschaft. Freilich wird häufig geklagt, dass jetzt auch in Deutschland die Zeit nicht angethan sei zur vertrauteren Bekanntschaft, zur innigeren Vertiefung in die grossen Gedanken unserer Classiker, dass auch in Deutschland die Vorboten des Verfalls in unserer Zeit des überhand nehmenden Materialismus sich mehren, und es haben sich ernste Stimmen erhoben, welche mahnen, neben den materiellen Bestrebungen dieser Zeit die idealen Ziele der Menschheit nicht aus dem Auge zu verlieren. Denn wo der öffentliche Geist sinkt, wo an die Stelle der nach Wahrheit forschenden Intelligenz die Sophistik der Leidenschaft und des egoistischen Bestrebens tritt, wo ein Volk sein Heiligstes,

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