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Marot hat nur einiges aus Virgil und Ovid übertragen, aber Rabelais und Amyot, dieser durch die vortreffliche Uebersetzung des Plutarch, wirkten kräftig auf die Erweckung antiker Gesinnung hin. Den gewaltigsten Anlauf in classischer Richtung nahm jedoch die Plejade, und das Haupt dieser Dichterschule, Ronsard, wollte in die französische Poesie den griechischen Rhythmus einführen. Der erste französische Dichter, der sich in der metrischen Poesie versuchte, soll Mousset gewesen sein (vor 1550); seine metrische Uebersetzung der Ilias und Odyssee ist jedoch nicht im Druck erschienen. Von den zum poetischen Siebengestirn der Renaissance-Zeit Gehörenden hat Jodelle sich im Distichon versucht, und Baïf mit solchem Erfolg die Metrik cultivirt, dass Verse in seiner Art lange Zeit vers Baïfins genannt wurden. Pasquier führt vom Grafen Alcinois folgende hendekasyllabische Verse an:

Or quant est de l'amour ami de vertu,
Don céleste de Dieu, je t'estime heureux,
Mon Pasquier, d'en avoir fidèlement fait
Par ton docte labeur, ce docte discours;
Discours tel que Platon ne peut refuser.

Auch Pasquier wurde, namentlich auf Antrieb des bekannten Ramus, veranlasst, sich in der metrischen Poesie zu versuchen. Indessen alle diese Bemühungen fanden auf die Dauer keinen rechten Anklang, wesshalb Ronsard die antike Versmessung mit dem modernen Reim verschmolz. Doch haben die Versuche in der metrischen Poesie lange fortgedauert; noch der Minister Turgot übersetzte verschiedene Partien der Aeneide und einige Eklogen Virgils in Hexametern. Diese Bearbeitung wurde unter dem Titel: „Didon, poème en vers métriques hexamètres, divisé en trois chants; traduit du quatrième livre de l'Enéide de Virgile, et les seconde, huitième et dixième églogues du même auteur; le tout accompagné de texte latin," im Jahre VIII herausgegeben.

Die übrigen Sterne der sogenannten Plejade waren Dubellay, Thyard, Belleau und Dorat, von denen der erste in seinem Manifest sagt: „Die blosse Uebersetzung ist kein ausreichendes Mittel, um unser Idiom den berühmtesten Sprachen gleichzustellen. Was muss also geschehen? Nachahmung! Nach

ahmung der Römer, wie sie die Griechen nachahmten, wie Cicero den Demosthenes, Virgil den Homer nachahmte." Zuweilen trifft man bei den Plejaden-Dichtern auch Schwung, Kraft und Erhabenheit, z. B. bei Ronsard in der Hymne an die Ewigkeit: O grande éternité:

Tu maintiens l'univers en tranquille unité

De chaînons enlacés les siècles tu rattaches

Et couvé sous ton sein tout le monde tu caches,

Lui donnant vie et force.

Doch weit eher als Ronsard verdiente eigentlich Malherbe ein König im Gebiete der französischen Dichtkunst genannt zu werden, insofern er wenigstens Gesetzgeber der poetischen Diction wurde.

Seine Lieblingsjünger Racan und Maynard, von denen der erstere sogar an die Seite Homers gerückt wurde, bildeten den Mittelpunkt jener kritischen und literarischen Zusammenkünfte, aus denen die Akademie hervorging. Unter den Dichtern der Renaissance ist besonders Regnier zu nennen, dem das Studium der Alten nur genützt, nicht geschadet hat; St. Beuve nannte ihn den Montaigne der Poesie. Montaigne hat die didaktische Prosa, die vor ihm noch wenig angebaut war, auf eine bedeutende Höhe gebracht. In seinen Essays theilte er die heitere und weise Lebensanschauung der Alten, die ihm unbezweifelbare Autorität. Ein grosser Theil seines Buches besteht aus Citaten aus Schriftstellern des Alterthums, besonders Plutarch und Seneca; namentlich für Plutarch hatte er eine grosse Vorliebe, und im 12. Buch seiner Essays bespricht er die Amyot❜sche Plutarch-Uebersetzung.

Am ungestaltendsten wirkte die Bekanntschaft mit der Literatur des classischen Alterthums im Gebiete der dramatischen Poesie. Durch Corneille, als dessen Vorläufer Rotrou angesehen werden kann, erlangte das Drama, welches mit Mysterien und Moralitäten begonnen hatte, einen hohen Grad classischer Ausbildung. Der Charakter der Corneille'schen Stücke, namentlich im Horace und im Cinna, ist antike Grösse und Erhabenheit. Seine Vollendung erreichte das classisch-französische Drama durch den mit den Meisterwerken der Griechen vertrauten und von ihrem Geiste befruchteten Racine, obgleich bei ihm in Er

fassung des Wesens der Tragödie ein Fortschritt nicht wahrzunehmen ist. Trotz der Fesseln aber, welche das dramatische System der Franzosen (in Lessings Dramaturgie und Schlegels Vorlesungen über die dramatische Poesie ausführlich dargelegt) dem Dichter anlegt, sind Racine's Tragödien doch als Meisterwerke anerkannt, und Voltaire, der Dritte der Koryphäen der classischen Tragödie, aufgefordert, einen Commentar zu Racine zu schreiben, hatte vom französischen Standpunkt aus recht, als er antwortete: Il est tout fait; il n'y a qu'à écrire en bas de chaque page: Beau, Pathétique, Harmonieux, Sublime. Racine, im Ganzen zum Elegischen und Idyllischen sich neigend, zeichnet sich auch manchmal, wie in Mithridates und Britannicus, durch Ernst und Hoheit aus, und wahrhaft dichterische Kraft findet sich am Schlusse der Phädra. Die älteren Dichter der classischen Schule gingen namentlich auf Euripides und Sophokles zurück, und zwar mit solcher Vertiefung, dass daraus der jedenfalls gewagte Vergleich Corneille's und Racine's mit Aeschylus und Sophokles entstand. Die blosse Nachahmung der Alten begründet noch keine Aehnlichkeit, auch ist richtig, dass, wenn z. B. Racine einzelne Scenen in seinen Tragödien den entsprechenden Scenen des Euripides unmittelbar nachgebildet hat, er es dabei doch verstand, seine poetische Selbständigkeit zu wahren. Gegen die Bearbeitung griechischer und römischer Stoffe und eine knechtische Nachahmung der Alten überhaupt schrieb mit Geist Lamotte, doch ohne Wirkung. Der Einfluss der classischen Literatur des Alterthums auf Frankreich zeigt sich auch auf demjenigen Gebiete, auf welchem der französische Geist stets geglänzt hat: in der Komödie. Selbst Molière der Grosse, der in der französischen Dichtung ist, was Shakespeare in der englischen und Goethe in der deutschen, hat einen guten Theil komischer Mittel fremden Quellen, namentlich Plautus und Terenz, entlehnt. Er erreichte freilich diese Muster nur theilweise, und mit den Worten: Laissons Plaute et Terence et étudions le monde! erfasste er das allgemein Menschliche, und zeigte, wie die Tugend aus der Gesellschaft, die ihn umgab, nach und nach verscheucht worden und asyllos umherirrte. Eigenthümlich ist das Urtheil Laharpe's, welcher Molière „le premier des philosophes moralistes" nennt; auch Voltaire sieht

in ihm einen Gesetzgeber der Moral," und die Vorrede zu einer englischen Ausgabe seiner Werke vergleicht dieselben mit einem „Galgen, an welchem das Laster und die Lächerlichkeit aufgehängt seien.“

Wenn in der französischen Dichtung nach Molière der Classicismus des Verfalls beginnt, so erheben sich dagegen die Werke der Prosa zu eigenthümlicher Kraft und gewaltiger Schönheit, und auch in der französischen Prosa ist die Einwirkung des classischen Alterthums bemerkbar. Aus Rollins moralischen Betrachtungen in seiner „Histoire ancienne" und „Histoire romaine" leuchtet überall Reinheit des Willens und Rechtschaffenheit hervor, so dass Châteaubriand nicht ohne Grund von ihm gesagt hat: Rollin est le Fénelon de l'histoire, und Ancillon sagt in seinen Pensées: De tous les historiens modernes Rollin ressemble le plus à Hérodote. Sehr schön und im antiken Geist schildert Rollin die letzten Tage des Sokrates nach seiner Verurtheilung in dem 14. Capitel des IX. Buches der Hist. anc. In der Voyage du jeune Anacharsis von Barthélemy findet man denselben Gegenstand gedrängt und zierlich dargestellt. Die supponirte Reise des jüngeren Anacharsis nach Griechenland ist das Ergebniss langer, gelehrter Studien. Vor allen Werken der Prosa sind aber besonders die Considérations sur les causes de la grandeur et de la décadence des Romains nennen. Es ist wohlthuend, dass die didaktische und prüfende Tendenz des 18. Jahrhunderts in vielen Schriften sich in würdiger Weise zeigt, und nicht bloss mit den Waffen des Witzes und der Wohlredenheit, wie z. B. bei Voltaire.

Es sind aber noch verschiedene andere Gattungen von Schriftstellern zu betrachten, um den ganzen Einfluss der classischen Literatur des Alterthums auf Frankreich zu erkennen. Lafontaine, der unübertroffene Fabulist, dessen Lieblinge Horaz, Virgil und Terenz, besass die alte Neigung der Franzosen, gute Lehren in Verse zu bringen: obgleich er nur Lebensregeln giebt, und eine eigentliche Moral, d. h. im Sinne der christlichen Ethik, bei ihm nicht zu suchen ist, finden sich in seinen Fabeln doch auch Züge idealen und moralischen Inhalts. Die eigentliche Moral aller Fabeln, wie bei Aesop und Phädrus und auch bei Gellert und Hagedorn, ist allerdings im Grunde der

Utilitarismus. Doch beschäftigte Lafontaine sich auch mit den grossen Fragen der Vorsehung und Zukunft:

Lorsque sur cette mer on vogue à pleines voiles,
Qu'on croit avoir pour soi les vents et les étoiles,
Il est bien malaisé de régler ses désirs;
Le plus sage s'endort sur la foi des zéphyrs.

Quand aux volontés souveraines

De celui qui fait tout et rien qu'avec dessein,
Qui les sait que lui seul? comment lire en son sein?
Aurait-il imprimé sur le front des étoiles

Ce que la nuit des temps enferme dans ses voiles?

Der zweite Fabeldichter Florian spricht ebenfalls durch Reinheit der Gesinnung an.

Die erste Stelle in der didaktischen Poesie nimmt Boileau ein, der, durch begeistertes Studium des Alterthums gebildet, mit einer Satire gegen die Fehler seines Zeitalters begann, und sich in seinen Episteln sogar mit theologischen Fragen beschäftigte, indem er den Satz aufrecht hielt, dass die Absolution des Priesters ohne wahre Umkehr zu Gott nichts gegen die Sünde vermöge (Ep. 12). Wahrheitsliebend und freimüthig rief der Dichter, bei der Kunde, dass Ludwig nach dem berühmten Jansenisten Arnault fahnden lasse, in dem königlichen Vorzimmer laut aus: „Der König hat zu viel Glück, als dass er ihn finden würde!" Von den Hauptfactoren der classischen Zeit ist J. J. Rousseau der einzige, welcher sich mehr mit den Neuern beschäftigte; er sagt selbst in einem Briefe (Villemain, Tableau de la littérature franç. T. II. p. 217):

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Tantôt avec Leibnitz, Malebranche et Newton
Je monte ma raison sur un sublime ton
J'examine les lois des corps et des pensées.
Avec Locke je fais l'histoire des idées;
Avec Kepler, Wallis, Barrow, Reinaud, Pascal
Je devance Archimède et je suis l'Hôpital.

Und in den Confessions: J'allais à mes livres jusqu'au dîner. Je commençais par quelque livre de philosophie, comme la Logique de Port-Royal, l'Essai de Locke, Malebranche,

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