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das strafen die stolze majestätische Sonne?" (K. u. L. 1, 3. G. III, p. 368);* und später sagt sie zu Lady Milford: ,,Gönnen Sie mir doch eine Blindheit, die mich allein noch mit meinem barbarischen Loos versöhnt. Fühlt sich doch das

Insekt in einem Tropfen Wasser so selig, ale wäre es ein Himmelreich, so froh und selig, bis man ihm von einem Weltmeer erzählt, worin Flotten und Wallfische spielen!" K. u. L. 4, 7. G. III, p. 464); sodann schreibt der Dichter in seinem Aufsatze: „über das gegenwärtige Theater": „Wir Menschen stehen vor dem Universum, wie die Ameise vor einem grossen majestätischen Palaste. Es ist ein ungeheures Gebäude, unser Insektenblick verweilet auf diesem Flügel und findet vielleicht diese Säulen, diese Statuen übel angebracht; das Auge eines besseren Wesens umfasst auch den gegenüberstehenden Flügel und nimmt dort Statuen und Säulen gewahr, die ihren Kamerädinnen hier symmetrisch entsprechen" (G. II, p. 344). Endlich wie oben der Gaul, so ist hier noch zur Versinnlichung der Trägheit die Schnecke nachzutragen; der Frohnvogt ruft scheltend den Arbeitern zu:

,,das schlendert, wie die Schnecken"

(Tell 1, 3. G. XIV, p. 288). Dass schliesslich die Bienen und Heuschrecken zur Schilderung der Truppenmenge benutzt werden, ist schon früher erwähnt worden. Bertrand erzählt seinen Dorfgenossen:

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Geschütz ist aufgebracht von allen Enden,

Und wie der Bienen dunkelnde Geschwader

Den Korb umschwärmen in des Sommers Tagen,*

**

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Vergl. Mücken" oben unter Kälber.

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Vergl. II. II, v. 469 ft.:

μήντε μοιάων αδινάων ἔθνεα πολλὰ

αἴτε κατὰ σταθμὸν ποιμνήϊον ἠλάσκουσιν

ὥρῃἐν εἰαρινῇ, ὅτε γλάγος ἄγγεα δεύει,
τόσσοι ἐπὶ Τρώεσσι καρηκομόωντες Αχαιοὶ
ἐν πεδίῳ ἵσταντο, διαρραῖσαι μεμαώτες.“

Ueberhaupt werden wir in der Jungfrau von Orleans oft an die homerische Ausdrucksweise erinnert, nicht bloss in Bildern, wie z. B. auch oben bei dem Gleichnisse von den Lämmern und dem Wolfe, sondern auch in andern Phrasen und Wendungen und zwar am auffallendsten in der Bitte Montgomery's, Johanna möchte ihn nicht töten (J. v. O. 2, 7. G. XIII, p. 241): Archiv f. n. Sprachen. LIII.

20

Wie aus geschwärzter Luft die Heuschreckwolke
Herunterfällt und meile nlang die Felder
Bedeckt in unabsehbarem Gewimmel,

So goss sich eine Krieges wolke aus

Von Völkern über Orleans Gefilde"

*

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(J. v. O. Prol. 3. Auftr. G. XIII, p. 180). So ist uns denn nur noch der Vogel mit seinem fröhlichen, freien, ungebundenen Leben übrig geblieben; so ruft der Meister seinen Gesellen zu:

,,Bis die Glocke sich verkühlet,
Lasst die strenge Arbeit ruhn,

Wie im Laub der Vogel spielet,

Mag sich jeder gütlich tun"

(Glocke, V. 266 ff. G. XI, p. 314); und der Rekrut singt:

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,,Lass mir das Licht des Lebens, nimm ein Lösegeld,
Reich an Besitztum wohnt der Vater mir daheim
Im schönen Lande Wallis, wo die schlängelnde
Savern' durch grüne Auen rollt den Silberstrom,
Und fünfzig Dörfer kennen seine Herrschaft an.
Mit reichem Golde löst er den geliebten Sohn,
Wenn er mich im Frankenlager lebend noch vernimmt;
ebenso z. B. Adrastos zu Menelaos (11. VI, v. 46 ff.):

Ζώγρει, Ατρέος υἱὲ, σὺδ ̓ ἄξια δέξαι ἄποινα.
πολλὰ δ ̓ ἐν ἀφνειοῦ πατρὸς κειμήλια κεῖται,
χαλκός τε χρυσός τε πολύκμητός τε σίδηρος,
τῶν κέντοι χαρίσαιτο πατὴρ ἀπερείσι' ἄποινα,
εἴκενἐμὲ ζωὸν πεπύθοιτ' ἐπὶ νηυσὶν Ἀχαιῶν.“

* Ueber die sinnbildliche Anwendung des Vogels lässt sich der Dichter in der einem Briefe an Körner (Jena, 23. Febr. 1793, Bw. K. III, P. 53) beigegebenen Abhandlung: „Freiheit in der Erscheinung ist eins mit der Schönheit selbst also aus: Ein Vogel im Fluge ist die glücklichste Darstellung des durch die Form bezwungenen Stoffes, der durch die Kraft überwundenen Schwere. Es ist nicht unwichtig zu bemerken, dass die Fähigkeit über die Schwere zu siegen oft zum Symbol der Freiheit gebraucht wird. Wir drücken die Freiheit der Phantasie aus, indem wir ihr Flügel geben; wir lassen Psyche mit Schmetterlingsflügeln sich über das irdische erheben, wenn wir ihre Freiheit von den Fesseln des Stoffs bezeichnen wollen. Offenbar ist die Schwerkraft eine Fessel für jedes organische, und ein Sieg über dieselbe gibt daher kein unschickliches Sinnbild der Freiheit ab. Nun gibt es aber keine treffendere Darstellung der besiegten Schwere, als ein geflügeltes Tier, das sich aus innerem Leben (Autonomie des organischen) der Schwerkraft direkt entgegen bestimmt. Die Schwerkraft verhält sich ungefähr ebenso gegen die lebendige Kraft des Vogels, wie sich bei reinen Willensbestimmungen die Neigung zu der gesetzgebenden Vernunft verhält,“

Frei wie der Fink

Auf Sträuchern und Bäumen

In Himmels Räumen,

Heisa! Ich folge des Friedländers Fahn“

(W. L. 7. Auftr. G. XII, p. 30); ähnlich heisst es mit Beziehung auf den Sänger in einem Fragmente aus Schillers Nachlass (N. II, G. XI, p. 409):

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Es liebt sich der Vogel im freien Wald

Von Zweigen zu Zweigen zu (hüpfen) gleiten,

Der Sänger des schönen wird nirgends alt,

Wie des Jahres wechselnde Zeiten,*

Wie der heilige Vogel des Sommers zieht,

Der auf Kirchendächern sich bauet;"

doch wird dies letztere auch zum Vorwurfe der Unbeständigkeit benutzt; wie der Dichter „an Minna" warnend schreibt:

,,Schönheit hat dein Herz verdorben,
Dein Gesichtchen! schäme dich!
Morgen ist sein Glanz erstorben,
Seine Rose blättert sich.

Schwalben, die im Lenze minnen,
Fliehen, wenn der Nordwind weht,
Buhler scheucht dein Herbst von hinnen,
Einen Freund hast du verschmäht"

(V. 29 ff. G. I, p. 308); ferner Wallenstein von dem abgefallenen Isolani:

„Leicht wie der Vogel von dem wirtbarn Zweige, Wo er genistet, fliegt er von mir auf,

Kein menschlich Band ist unter uns zerrissen"

(W. T. 3, 4. G. XII, p. 286). Auf den Gesang der Vögel wird dagegen nur einmal hingewiesen in einem Gleichnisse aus Wallensteins Tod, das überdies später wider von dem Dichter gestrichen ist; in den Texten g. k. t. u.** sagt Wallenstein von dem Zauber seines Namens in Deutschland:

Vergl. Progr. p. 21.

In w ist diese Stelle mit verändertem Ausdruck in die Unterredung Wallensteins mit Questenberg gerückt:

"

Und kaiserliche Majestät vermeinten
In mir des Märleins Vogel zu besitzen,
Der mit der Kehle wundervollem Schlag
Des Waldes Sänger an sich lockt"

(D. P. 2, 7. G. XII, p. 128, Anmkg.).

„Und wie des Waldes liederreicher Chor Schnell um den Wundervogel her sich sammelt, Wenn er der Kehle Zauberschlag beginnt,

So drängte sich um meines Adlers Bild

Des deutschen Landes kriegerische Jugend"

(W. T. 3, 13. G. XII, p. 295, Anmkg). Ein Gegenstück hierzu bildet die Schilderung, die Thibaut von seiner Tochter und ihrem einsamen Treiben gibt; in der Schreckensstunde . .

„Schleicht sie gleich dem einsiedlerischen Vogel Heraus ins graulich düstre Geisterreich der Nacht"

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(J. v. O. Prol. 2. Auftr. G. XIII, p. 175); damit hängt der Vergleich zusammen, mit dem der Dichter in der zweiten Vorrede zur Anthologie diese selbst in die Oeffentlichkeit entsendet: „Geh du wirst die Küche mancher Kritiker beraten; sie werden dein Licht fliehen und gleich den Käuzlein in deinen Schatten zurückziehen“ (G. I, p. 203), und ferner das sehr ausführliche Gleichnis, mit dem Isabella den „langersehnten" Tag der Versöhnung ihrer Söhne begrüsst:

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Der Waffen Klang erschreckt mein Ohr nicht mehr

Und wie der Eulen nachtgewohnte Brut

Von der zerstörten Brandstatt, wo sie lang
Mit altverjährtem Eigentum genistet,

Auffliegt in düsterm Schwarm, den Tag verdunkelnd,
Wenn sich die lang vertriebenen Bewohner
Heimkehrend nahen mit der Freude Schall

Den neuen Bau lebendig zu beginnen,

So flieht der alte Hass mit seinem nächtlichen

Gefolge, dem hohläugigten Verdacht,

Der scheelen Misgunst und dem bleichen Neide
Aus diesen Toren murrend zu der Hölle,
Und mit dem Frieden zieht geselliges

Vertraun und holde Eintracht lächelnd ein"

(Br. v. M. 2, 5. G. XIV, p. 62). Die Eule bildet uns nun zugleich den Uebergang zu den Raubvögeln; da ist denn zuerst des stolzen Adlers und seines Geschlechtes zu denken, wie es in dem „Jägerliedchen“ aus dem Tell verherlicht wird; Walter Tell singt:

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Wie im Reich der Lüfte
König ist der Weih,

Durch Gebirg und Klüfte

Herscht der Schütze frei"

(Tell 3, 1. G. XIV, p. 337); ferner heisst es von dem zu früh verstorbenen Jünglinge in der Leichenphantasie V. 24 f.:

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(a. L. Himmel umflog)

Hoch wie die Adler in wolkigter Höh"

(G. I, p. 107), und Johanna prophezeit:

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Wird fliegen und mit Adlers kühnheit diese Geier
Anfallen, die das Vaterland zerreissen"

(J. v. O. Prol. 3. Auftr. G. XIII, p. 184). Dagegen mit Hervorhebung ihrer räuberischen Natur heisst es im 30jähr. Kriege (G. VIII, p. 56): „Wie Raubadler legten sie (die protestantischen Fürsten) sich über die Länder der geistlichen Fürsten." Hierbei wird nun besonders der Raubvogel in seinem Angriffe auf die Taube herangezogen, so in dem „Venuswagen" V. 161 ff. (G. I, p. 182):

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Sieht man dort (im Kloster) am Rosenkranze glühn,

Manchen Seufzer vor dem Crucifixe,

Wie die Taube vor dem Stösser fliehn";

ferner in der „Rache der Musen" V. 49 f. (G. I, p. 246): man erzählt die Herren, „die vermeintlichen Barden"

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Wären wie die Gei'r auf Tauben

Losgestürzt auf sie" (die als Muse verkleidete Furie);

sodann fragt Fiesko spöttisch den über Gianettinos Benehmen bei der Prokuratorwahl noch aufgebrachten Zenturian (2. A. Verrina), als er ihm sagt: „Die Signoria fuhr auseinander“: „Wie Tauben auseinanderflattern, wenn in den Schlag sich ein Geier wirft", worauf dieser ihm allerdings stürmisch entgegnet: Nein! wie Pulvertonnen, wenn eine Lunte hineinfällt" (V. d. F. 1. A. 2, 2. G. III, p. 54 = p. 221). Der Falk hingegen dient nur als Symbol der Folgsamkeit; er kommt in der Warnung vor, die der Erzbischof in der Jungfrau von Orleans an die versöhnten Fürsten Karl und Burgund für die Zukunft richtet:

Vergl. oben unter Lämmer.

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