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= 2. A. 4, 4. G. III, p. 117 p. 294).* Edler ist in dieser Beziehung der Vergleich mit den Löwen, wie es von dem Athenienser im „Solon" ** heisst: „Er liebte zwar Weichlichkeit und Putz, aber das hinderte nicht, dass er im Treffen nicht wie ein Löwe kämpfte“ (G. IX, p. 178), und so werden auch die Johanniter Löwen der Schlacht" (,,die Ritter des Spitals zu Jerusalem" V. 2. G. XI, p. 44) und „Löwen im Gefechte" (Vorrede zu Vertots Gesch. d. Maltheserordens, G. IX, p. 396) genannt. Doch, wo es wider mehr darauf ankommt, die Wut und den Ingrimm im Kampfe zu versinnlichen, wie bei den Pappenheimern, nachdem ihr Hauptmann Max gefallen, da heisst es:

,,Gleich wilden Tigern fechten sie"

(W. T. 4, 10. G. XII, p. 353); ähnlich von den Truppen des Herzogs von Guise, der in Vassy von den reformierten durch. einen Steinwurf verwundet wird: „Der Anblick seiner blutigen. Wange setzte seine Begleiter in Wut, die jetzt gleich rasenden Tieren über die wehrlosen herstürzen" (G. IX, p. 284). Noch stärker wird aber der Ausdruck der Wut, wenn es einen Kampf um die Jungen gilt; so schildert Amalia ihren Grimm gegen den verhassten Franz, der es gewagt, sie zum unfreiwilligen Ehebündnis zu zwingen, nachdem sie siegreich seinen Angriff abgeschlagen: „Ach! wie mir wohl ist - Jetzt kann ich frei atmen ich fühle mich stark wie das funkensprühende Ros, grimmig wie die Tigerin dem siegbrüllenden Räuber ihrer Jungen nach" (1. A. R. 3, 1 2. A. 3, 1. G. II, p. 113 = p. 271); Gianettino freilich in seinem trotzigen Uebermute glaubt auch eine solche Wut verlachen zu können; er sagt zu Tomellin, der ihm von der Em

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Der Bär kommt ausserdem nur noch einmal zur Schilderung des roben, ungeschlachten gebahrens vor in der „Rache der Musen" V. 19 ff.: „Einer . . .

(G. I, p. 245).

Schlägt mit beiden Fäust und Ballen
Um sich wie ein Bär"

** Ueber die Echtheit dieses Stückes s. Gödeke, Einleitung zum IX. Bd. p. XII.

pörung der Genuesen über sein auftreten in der Signoria Nachricht bringt: „Lass sie um ihre Freiheit brüllen, wie die Löwin um ein Junges. Ich bleibe dabei“ (V. d. F. 1. A. 2, 12 2. A. 2, 14. G. III, p. 63 = p. 248). * Jedoch am wildesten tobt das Tier, das in plötzlicher Wut die Fesseln des Menschen zerbricht, leider ein Bild der Empörung auch des geknechteten Menschen selbst, wie es der „,Spaziergang" V. 163 ff. ausführt in jener bekannten Stelle:

,,Jahre lang mag, Jahrhunderte lang die Mumie dauern,
Mag das trügende Bild lebender Fülle bestehn,

Bis die Natur erwacht, und mit schweren ehernen Händen
An das hohle Gebäu rühret die Not und die Zeit,
Einer Tigerin gleich, die das eiserne Gitter durch-

brochen

Und des numidischen Walds plötzlich und schreck-
lich gedenkt,

Aufsteht mit des Verbrechens Wut und des Elends die Menschheit,
Und in der Asche der Stadt sucht die verlorne Natur"

(G. XI, p. 89); darum hüte sich der Mensch „den Leu zu wecken", nicht immer gelingt ihm, was Schiller von der Macht des Geschmacks in den Briefen über die ästhet. Erz. d. M. sagt: „Die Kraft muss sich (in seinem Reiche) binden lassen durch die Huldgöttinnen, und der trotzige Löwe dem Zaum eines Amors gehorchen" (27. Br. G. X, p. 383); vielmehr: ,,die sogenannten unteren Seelenkräfte sind wie schlafende Löwen, die man oft besser tut, nicht zu wecken, weil man sie nicht sogleich zum schweigen bringen kann" (Schiller an Körner, Jena, 10. Juni 1792, Bw. K. p. 316), und Leonore zu Fiesko, der im Begriffe steht sich an die Spitze der Empörung zu stellen: „O mein Gemal, Du gehst nicht hin, Dich den Genuesern zu zeigen und angebetet zu werden. Republikaner aus ihrem Schlafe aufzujagen, das Ros an seine Hufen zu mahnen, ist kein Spaziergang, Fiesko" (V. d. F. 1. A. 4, 14

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2. A. 4, 11. G. III, p. 131 = p. 312). Doch Fiesko denkt darüber anders, er, der sich dem Elephanten vergleicht, indem er dem Mohren nach dessen mislungenem Anschlage zuruft:

* Oben waren die wütenden Genuesen mit einem angeschossenen Eber verglichen.

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Den Galgen hast du verdient. Der entrüstete Elephant zertritt Menschen, aber nicht Würmer. Dich würd ich hängen lassen, wenn es mich nur soviel mehr als zwei Worte kostete" (V. d. F. 1. A. 1, 9 2. A. 1, 9. G. III, p. 29 p. 211), für ihn ist es gerade eine entzückende Vorstellung, die den staunenden Geist über seine Linien wirbelt, die unbändigen Leidenschaften des Volks gleich soviel strampfenden (a. L. stampfenden) Rossen mit dem weichen Spiele des Zügels zu zwingen" (nur 1. A. V. d. F. 3, 2. G. III, p. 85). Ein Gegenstück zu dem „unbändigen" Volke hier bildet die Schilderung der Höflinge, unter denen leben zu müssen Lady Milford entrüstet ist, denn: „Was fang ich mit Leuten an, deren Seelen so gleich als ihre Sackuhren gehen? Kann ich eine Freude daran finden, sie was zu fragen, wenn ich voraus weiss, was sie mir antworten werden? Oder Worte mit ihnen wechseln, wenn sie das Herz nicht haben, andrer Meinung als ich zu sein? Weg mit ihnen! Es ist verdriesslich, ein Ros zu reiten, das nicht auch in den Zügel beisst" (K. u. L. 2, 1. G. III, p. 389). So ist das feurige, „Funkensprühende" (s. oben p. 246) Ros das eigentliche Symbol der selbstbewussten Kraft und des frischen Jugendmutes, wie der Dichter in der „Leichenphantasie" den verstorbenen Jüngling schildert:

,,Stolz wie die Rosse sich sträuben und schäumen, Werfen im Sturm die Mähne umher,

Königlich wider den Zügel sich bäumen,

Trat er vor Sklaven und Fürsten einher"

(V. 44 ff. G. I, p. 107) und ähnlich in der „Elegie auf Weckerlin": (War er nicht...).

Frisch wie Ros im Eisenklang (a. L. Eisenglanz) sich

brüstet?"

(V. 25. G. I, p. 179). Jedoch auch des stolzen Rosses harret oft ein trauriges Schicksal, Leibesnot, Arbeit und Alter brechen ihm Mut und Kraft, und dann ist es auch mit den prächtigen Vergleichen zu Ende, vielmehr heisst es nun:

„Es treibt sich der Bürgersmann träg und dumm
Wie des Färbers Gaul nur im Ring herum"

(der Wachtmeister in W. L. 7 Auftr. G. XII, p. 31). Ein ähnlicher Kontrast tritt uns auch in der Anwendung des Reh's entgegen. An der eben aus der Leichenphantasie erwähnten Stelle heisst es einige Verse früher von dem Jünglinge:

,,Mutig sprang er im Gewühle der Menschen,

Wie auf Gebirgen ein jugendlich Reh"

(V. 40 f.); dagegen von der Jungfrau in dem Gedichte ,,die Geschlechter":

Scheu wie das zitternde Reh, das ihr Horn durch die Wälder verfolget,

Flieht sie im Mann nur den Feind, hasset noch weil sie nicht liebt" (V. II f. G. XI, p. 195); letzteres ist der hergebrachtere Vergleich, wie es z. B. auch in der Bibel, Jes. 13, 14 von der Erde heisst sie soll sein (am Tage des Zorns), wie ein zerscheuchtes Reh." Der eigentliche Repräsentant aber der auf Schwäche beruhenden, bangen, flüchtigen Furcht ist das Lamm, das geduldige, das alles ruhig über sich ergehen lässt, weshalb auch Walter Tell versichert:

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Still halten, wie ein Lamm und nicht atmen"

(Tell 3, 3. G. XIV, p. 360). Mit ihm vergleicht Johanna den Engländer vor der Macht der Jungfrau, indem sie in dem Prologe zur J. v. O. prophetisch verheisst, eine Taube wird

,,Diese frechen Inselbewohner alle

Wie eine Heerde Lämmer vor sich jagen"

(3. Auftr. G. XIII, p. 183), eine Verheissung, deren Erfüllung uns später die Königin Isabeau bestätigt, wenn sie bei der Gefangennahme Johannas den englischen Soldaten zuruft:

,,Ist das die mächtige, gefürchtete,

Die eure Schaaren, wie die Lämmer scheuchte,
Die jetzt sich selber nicht beschützen kann?“

(J. v. O. 5, 6. G. XIII, p. 318). Doch den Franzosen war es vor dem erscheinen der Jungfrau ebenso ergangen, denn Bertrand berichtet:

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Ein Schrecken, wie von Gott herabgesandt,

Hat auch die Brust der tapfersten ergriffen.

Wie sich die Schafe bang zusammendrängen,

Wenn sich des Wolfes heulen hören lässt,
So sucht der Franke, seines alten Ruhmes

Vergessend, nur die Sicherheit der Burgen"

(J. v. O. Prol. 3. Auftr. G. XIII, p. 183). Ist hier der „μotwo qoßolo", wenn man so sagen darf, das herannahende Raubtier, so wird uns dieses ein andermal auch selbst in dem Zustande der Angst geschildert, wenn der Fischer im Tell bei der Nachricht seines Knaben, dass auf dem stürmischen See ein Schiff von Flüelen her in Sicht sei, ausruft:

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Gott helf den armen Leuten! Wenn der Sturm

In dieser Wasserkluft sich erst verfangen,

Dann rast er um sich mit des Raubtiers Angst,
Das an des Gitters Eisenstäbe schlägt,
Die Pforte sucht er heulend sich vergebens"

(Tell, 4, 1. G. XIV, p. 371). Doch das kommt nur an dieser einen Stelle vor, gewöhnlich erscheint das Raubtier in seine: dem Menschen feindlichen, ungebundenen Wildheit, wie es z. B. von der ersten Kollision unter den Menschen heisst: „Der Mensch (der Hirte) erschien jetzt gegen ihn (den Ackermann) als ein feindliches Raubtier, das seine Pflanzungen verwüsten wollte. Kein Wunder, dass er ihn auf eben die Art empfing. wie er das Raubtier empfangen hatte, dem der Mensch jetzt nachahmte" („etwas über die erste Menschengesellschaft" G. IX, p. 135); darum ferner Isabella zu dem scheinbar teilnahmlosen Chor nach dem in dem vorigen Abschnitte erwähnten Gleichnisse von dem Meeresfelsen:

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Wo weilen meine Söhne, dass ich Anteil

In einem Auge lesc, denn mir ist,

Als ob der Wüste unmitleidige Schaaren,*
Des Meeres Ungeheuer mich umständen“

* Vergl., wie Isolani auf Questenbergs Verteidigung des Kaisers, der für jeden Stand ein gleiches Herz habe und den einen nicht dem andern aufopfern könne, antwortet:

Drum stösst er uns zum Raubtier in die Wüste,
Um seine teuren Scbafe zu behüten",

worauf Questenberg:

„Herr Graf! dies Gleichnis machen Sie, nicht ich"

(D. P. 1, 2. G. XII, p. 72).

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