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auch jene beiden schon früher unter den sich wiederholenden Vergleichen (s. Progr. p. 7) erwähnten Gleichnisse aus dem Venuswagen, V. 130 f.:

,,Mit der Keuschheit fliesst der Geist davon,

Wie der Balsam aus zerknickter Rose"

und aus den Räubern 1, 3: „Mit der Keuschheit flieht auch die Tugend davon, wie der Duft aus der welken Rose verdampft." Klagend ruft sodann der Dichter in dem „Reich der Schatten" aus:

,,Führt kein Weg hinauf zu jenen Höhen?

Muss der Blume Schmuck vergehen,

Wenn des Herbstes Gabe schwellen soll?“

(V. 11. ff. G. XI, p. 54);** und Marquis Posa schildert dem Könige den Zustand der Geister unter seiner alles selbstständige Leben unterdrückenden Herschaft:

„Zu einer Pflanze fiel der Geist. Jetzt blühen

Genie und Tugend für den Thron, wie für

Des Schnitters Sense Halmen sich vergolden"

(our Text Ea, D. K. 3, 10. G. V, 2, p. 307 Anmkg.); ferner erzählt Johanna, die Jungfrau Maria habe ihr verkündet:

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- wenn im Kampf die muthigsten verzagen

Dann wirst du meine Oriflamme tragen

Und wie die rasche Schnitterin die Saat

Den stolzen Ueberwinder niederschlagen"

(J. v. O. Prol. 4. Sc. G. XIII, p. 188); endlich der Weheruf der,,Kindesmörderin":

,,Seht! da lag es lag im warmen Blute,
Das noch kurz im Mutterherzen sprang,

Hingemetzelt mit Erinnysmute,

Wie ein Veilchen unter Sensenklang"

(V. 97 ff. G. I, p. 229).*** Damit verbinden wir sogleich die

Vergl. hierzu, wie sich Wallenstein bei dem Tode seines Max zur Gräfin Terzky äussert:

Die Blume ist hinweg aus meinem Leben,

Und kalt und farblos sah ich's vor mir liegen"

(AW. T. 5, 3. G. XII, p. 375).

"Vergl. Progr. p. 17.

Vergl. K. u. L. 1, 3 (G. III, p. 368) Louise: „Dies Blümchen Juwar es ein Veilchen, und er träte drauf, und es dürfte bescheiden unter ihm sterben! - Damit genügte mir."

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jenigen Gleichnisse, die von kranken oder verdorbenen Gewächsen handeln; so jener Ausspruch aus dem 6. Briefe über die ästhetische Erzieh. d. M.: wir sehen . . . Menschen nur einen Teil ihrer Anlagen entfalten, während dass die übrigen, wie bei verkrüppelten Gewächsen, kaum mit matter Spur angedeutet sind" (G. X, p. 288). Alsdann heisst es in dem metaphysischen Gespräche im Geisterseher von den Graden der Moralität: „Auch der Mensch, der seine moralische Krone verlor, wird noch wirken, ebenso wie eine Frucht, an welcher die Fäulnis nagt, noch ein Mahl für Vögel und Würmer sein kann, aber sie wird nie mehr gewürdigt, einen reizenden Mund zu berühren" (G. IV, p. 308); und Drakos auch das kleinste Vergehen blutig ahndende Gesetze werden im „Lykurg" verurteilt, denn: „Einen Menschen aus den lebendigen vertilgen, weil er etwas böses begangen hat, heisst eben so viel, als einen Baum umhauen, weil eine seiner Früchte faul ist" (G. XI, p. 164).* Schliesslich heisst es von dem Hasse der Niederländer gegen Granvella: ,,Seine Wohltaten werden geflohen, wie Früchte von einem verfluchten Baume" (Abf. d. N. B. II, G. VII, p. 129).**

....

Dass nun aber auch umgekehrt die Pflanze mit ihrem schwellenden Leben zur Versinnlichung des beseligenden Gefühls der ersten Liebe dient, haben wir schon unter Frühling gesehen.*** So sagt Louise: „Als ich ihn (Ferdinand) das erste Mal sah. . . . damals — o damals ging in meiner Seele der erste Morgen auf. Tausend junge Gefühle schossen aus meinem Herzen, wie die Blumen aus dem Erdreich, wenn es Frühling wird;" und Ferdinand von dem ersten Kusse: „O eine Saat unaussprechlicher Freuden schien in dem Augenblick, wie in der Knospe zu liegen" (K. u. L. 1, 3 u. 5, 7.

* Ueber die Echheit dieses Stückes sieh' Göd. Vorwort zum 11. Bande p. XII. **Bei dem nichtigen sei endlich auch gedacht jenes Vergleiches von den,,Kastraten“ V. 73 ff.

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Sie schlendern elend durch die Welt,

Wie Kürbisse von Buben

Zu Menschenköpfen ausgehöhlt,
Die Schädel leere Stuben!"

Vergl. Progr. p. 22.

G. III, p. 368 u. p. 500). Und seinem Freunde Körner schildert er das Glück, das ihm in Kindern einst erblühen wird:

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(An Körner, zu dessen Hochzeit, 7. Aug 1785, V. 121 ff. G. IV. p. 12). Doch in dem Stammbuchverse an Charlotte von Lengefeld warnt er diese wider:

,,Froh taumelst du im süssen überzählen

[Der Blumen, die um deine Pfade blühen.]*

Der Glücklichen, die du gemacht, der Seelen,

Die du gewonnen hast, dahin ...

Den Blumen gleich, die deine Bete schmücken,
So pflanze sie nur den entfernten Blicken;

Betrachte sie, doch pflücke sie nicht ab.

Geschaffen nur die Augen zu vergnügen,
Welk werden sie zu deinen Füssen liegen,

Je näher dir, je näher ihrem Grab"

(G. VI. p. 20). Ganz besonders erfreut uns nun eine Blume, wenn sie unserem Blicke plötzlich an unerwarteter Stelle emporblüht, und mit Beziehung darauf lässt der Dichter in dem Prologe zur Wiederöffnung des Theaters in Weimar die Schauspieler das Publikum anreden, 8. Novbr. 1787:

„Dies Haus und diese glänzende Versammlung

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Was wir geworden, wurden wir durch Sie!

Wir geben Ihr, was Sie uns gab, zurück.

Wird sie die Blume, die sie selbst

Mit eigner Hand gezogen, die

Zu ihren Füssen dankbar blüht, zertreten?

Das wird sie nicht! In Wüsten, wo man sie nicht suchte

Erfreut uns eine wilde Rose mehr,

Als in Hesperiens verschwenderischen Gärten
Ein ganzes Blumenheer"

* Dieser Vers fehlt in der späteren Ueberarbeitung, s. G. XI, p. 17.

(V. 40 A. G. VI, p. 3). Umgekehrt wie es hier von den Schauspielern heisst, die zurückgeben, was sie erhalten haben, sagt Marquis Posa zu Philipp, er, der König, darbe selbst in der Freude, denn die Freude müsse aus dem Auge des Zeugen widerstrahlen, seine Diener aber:

Das sind die treuen Spiegel nicht, die rein,
Wie sie empfangen haben widergeben.

Sie gleichen durstigen Gewächsen, die
Was ihre Wurzeln saugen, ungemischt,
In neuen Farben auf den Blättern zeigen"

(nur Text Ea, D. K. 3, 10. G. V, 2, p. 310. Anmk.). Kamen in den bisherigen Vergleichen, abgesehen von Rose und Veilchen, nur allgemeinere Bezeichnungen aus dem Pflanzenreiche, wie Baum, Blume, Frucht u. s. w., zur Anwendung, so sind uns jetzt noch einige Gleichnisse übrig, in denen besondere Gewächse zur Versinnlichung dienen. So die Lilie als Repräsentantin der Schönheit in dem Gedichte das Glück", wo es V. 51 ff. heisst:

99

Zürne der Schönheit nicht, dass sie schön ist, dass sie verdienstlos Wie der Lilie Kelch prangt durch der Venus Geschenk“

(G. XI, p. 271);* ferner die Eiche als Symbol der Stärke in der Melancholie an Laura V. 75:

Mädchen stark wie Eiche stehet noch dein Dichter“ ** (G. I, p. 297); ferner die Klette in der sprichwörtlichen Verbindung: „Sobald ich einmal die Färte hatte, hängt' ich mich meinem Kandidaten an, wie eine Klette", sagt Spiegelberg von der Art, wie er seine Spiessgesellen wirbt (nur 1. A. R. 2, 3. G. II, p. 84); ebenso sprichwörtlich der Zwiebel in der Kapuziner predigt:

„Auf das Unrecht, da folgt das Uebel,

Wie die Trän' auf den herben Zwiebel"

(W. L. 8. Auftr. G. XII, p. 38); sodann das Schlingkraut

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Unter den von Göthe und Schiller zusammenverfassten Distichen Vielen" heisst es in dem 5. Dist.,,,L. D“ überschrieben:

,,Eine kannt' ich, sie war wie die Lilie schlank"

(G. XI, p. 161).

* Vergl. Progr. p. 5.

in der Br. v. M., wo Cesar seinen Dienern verbietet, den erloschenen Bruderstreit durch Verläumdung wider anzufachen, denn:

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,Nicht Wurzeln auf der Lippe schlägt das Wort,

Das unbedacht dem schnellen Zorn entflohen,

Doch von dem Ohr des Argwohns aufgefangen,

Kriecht es wie Schlingkraut endlos treibend fort,
Und hängt ans Herz sich an mit tausend Aesten,
So trenneu endlich in Verworrenheit

Unheilbar sich die guten und die besten!"

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(1, 7. G. XIV, p. 38) - ein Gleichnis, womit die Schilderung des höchst verwickelten, durch viele Familien verschlungenen Verbrechens" in der Vorerinnerung zu den Kindern des Hauses" verwandt ist: „Es gleicht einem ungeheuern Baume, der seine Aeste weit herum mit andern verschlungen hat, und welchen auszugraben man eine ganze Gegend durchwühlen muss" (C. VII, p. 347). Endlich noch ein Vergleich von der Limone und Weide aus der Jugendrede über die Freundschaft eines Fürsten und eines Privatmannes, von welchem letzteren gesagt wird: Tausendmal verbinden diesen fremde Absichten mit einem Menschen, und erst in der Folge pfropft er Freundschaft auf den unedlern Zweig, wie der verdorbene Römer auf Weiden seine Limone" (G. I, p. 33). So werden des Menschen Taten und Gedanken" mit der Pflanze und ihrem Leben und Wesen in Vergleich gestellt, aber auch andern Erscheinungen in der Natur selbst dient sie zur Versinnlichung, wie in dem Jugendgedichte „der Abend" V. 26 f. der Strahlenglanz, den die untergehende Sonne über die Erde verbreitet, geschildert wird:

,,Gold, wie das Gelb gereifter Saaten,
Gold liegt um alle Hügel her,"

und gleich weiter V. 39 ff.:

,,Schau . . .

.....

Wie jetzt des Abends Purpurstrom

* Vergl. hierzu den 3. Brief über Don Karlos, wo es von Marquis Posa heisst: Gefühle für Freiheit und Menschenadel waren früher in seiner Seele reif als Freundschaft für Karlos; dieser Zweig wurde erst nachher auf diesen stärkeren Stamm gepfropft" (G. VII, p. 41).

Archiv f. n. Sprachen. LIII.

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