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P. Brisset, Methode zur Erlernung der französischen Sprache. (Magdeburg, Simon.)

1 Thlr. C. Deter, Franz. Formenlehre für Tertia. (Berlin, Weber.) 20 Sgr. 0. Liebe, Methodische Grammatik der französischen Sprache. Elementarcursus. (Leipzig. Teubner.)

12 Sgr. F. Metfert, Vebungsbuch zum Uebersetzen in das Englische. (Leipzig, Teubner.)

20 Sgr

Ueber Schillers Gleichnisse.

Von

Dr. E. Küsel.

I. Die Gleichnisse aus der Natur.

Vorbemerkung. Der folgende Aufsatz schliesst sich unmittelbar an eine in dem diesjährigen Juli - Programme des Gumbinner Gymnasiums veröffentlichte Abhandlung an, in welcher der Verfasser nach einer kurzen Einleitung über Schillers Grundsätze der Darstellung und seine tropische Ausdrucksweise überhaupt eine allgemeine Uebersicht über seine Gleichnisse nach Form, Anzahl und Stoff gegeben und sodann dasjenige Gebiet, dem sie zu ihrem grösseren Teile entnommen sind, das Gebiet der Natur specieller zu behandeln angefangen hat, wobei bereits folgende Gegenstände nach einander zur Betrachtung gekommen sind: zuerst die Natur selbst, danach das Chaos, das unermessliche, das Firmament, der Himmel, die Lichter des Himmels, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Sternennacht, der Komet, das Meteor; daran wurde – nach gleichzeitiger Erwähnung derjenigen Gleichnisse, in denen umgekehrt die genannten Naturgegenstände selbst wider mit andern Dingen verglichen werden dasjenige geknüpft, was mit den Gestirnen aufs engste zusammenhängt: das Jahr, des Jahres wechselnde Zeiten, der Frühling, der Maientag, der Wintertag, ferner der Tag selbst, die Nacht, die Morgen dämmerung, die

,

Archir f. n. Sprachen. LIII.

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Strahlen eines Morgenrots, der rosige Morgen – also mehr oder weniger alles Gleichnisse aus den „Gefilden des Lichts“, aus des Aethers erhabener Region.

Aus des Aethers herlichem Glanze, aus seiner heiteren Ruhe und Klarheit steigen wir nun allmählich herab in den dichteren Kreis der unteren Luft, der homerischen áng mit ihren Nebeln, Wolken, W'inden und Wettern. Doch zunächst die Luft im allgemeinen; frei umfliesst sie weithin die Erde, ohne, wie die andern Elemente des Menschen Fesseln zu tragen und zu dulden; und darum sagt K. Moor zu Schweizer, dem er eine Million zur Belohnung verspricht, wenn er ihm seinen Bruder lebendig in seine Hände liefert: „Ich will sie einem Könige mit Gefahr meines Lebens stehlen, und du sollst frei ausgehn, wie die weite Luft“ (1. A. R. 4, 5 = 2. A. 4, 18. G. II, p. 173 = p. 313).* Am reinsten und freisten aber weht die Luft auf den Gebirgen, und so ruft Elisabeth im Kampfe, ob sie das Todesurteil für ihre Feindin unterschreiben soll, endlich entschlossen aus:

Maria Stuart
Heisst jedes Unglück, das mich niederschlägt!
Ist sie aus den Lebendigen vertilgt,

Frei bin ich wie die Luft auf den Gebirgen" (M. St. 4, 10. G. XII, p. 540). In den Tälern dagegen wird die Luft von den aufsteigenden Dünsten der Erde zu Nebel verdichtet, der uns oft selbst die nächste Umgebung undurchdringlich verhüllt; gut, wenn er uns damit einen Anblick entzieht, der unser moralisches Gefühl verletzen würde, wie Schiller in den Propyläen es rühmend an einem Gemälde, das den Raub der Pferde des Rhesus darstellt, hervorhebt: „Die Wolke, in der [Minerva) erscheint, [um die säumenden Ulyss und Diomedes zur Eile anzutreiben] wälzt sich malerisch wie ein daher

. strömender Nebel um den Wagen des Rhesus herum und fasst auf diese Art die ganze Mordscene mit einem geheimnisvollen Vorhange ein“ (G. X, p. 531). Doch nicht lange währt

* Ebenso schreibt Schiller an W. v. Hoven 1. Febr. 1781 über die Ver teilung der Druckkosten des Leichencarmens auf Weckerlin: „Ich bin frei ausgegangen, wie die weite Luft“ (G. I, p. 184).

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des Nebels trübe Gewalt, unter dem Strahl der freundlichen Sonne fällt er als Tau, ein Labsal der Fluren, zu seiner Mutter, der Erde zurück, und schön ist hier das Gleichnis aus , der Bibel, mit dem der alte Moor seinem Sohne den Segen der brüderlichen Liebe schildert: ,,Wie köstlich ists, wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen, wie der Tau, der vom Hermon fällt auf die Berge Zion“ (nur 1. A. R. 5, 2. G. II, p. 194); * schrecklich klingt es dagegen, wenn Stauffacher seinen Landsleuten die den Mördern ihres Vaters angedrohte Rache der strengen Agnes, „die nicht die Milde kennet ihres zarten Geschlechts“, schildert:

,,Geschworen hat sie, ganze Zeugungen
Hinabzusenden in des Vaters Grab,

In Blut sich wie in Maient au zu baden" (Tell 5, 1. G. XIV, p. 411). Aber nicht immer löst sich der Nebel, in lieblichem Tau herniederfallend, oft führt ihn der Strom der Lüfte hinauf in die Höhe, und drohend erscheint er über unsern Häuptern als „regenschwere, wetterschwangere“ Wolke. So drohend steigt in den Räubern nach der sanften Herschaft des alten Vaters das Schreckensregiment des unmenschlichen Franz über seinen untergebenen empor, und fortan sollen über ihnen seine Augenbrauen, wie Gewitter wolken herhangen (nur 1. A.R. 5, 1. G. II, p. 179).** Aehnlich schildert der Mohr seinem Herrn, dem Grafen Fiesko, die Stimmung der Genueser, die er auskundschaften sollte: „Durch ganz Genua herscht eine dumpfige Schwüle – dieser Mismut hängt wie ein schweres Wetter über der Republik nur einen Wind, so fallen Schlossen und Blitze" (1. A. V. d. F. 2,4 = 2. A. 2, 1. G. III, p. 51 == p. 217).

= l'nd solch ein Wind – er pflegt nicht lange auf sich warten zu lassen, denn der Wind ist das sprüchwörtliche Symbol der Schnelligkeit, wie Roller von seiner Flucht sagt: „Jetzt nutz' ich den Zeitpunkt, und risch, wie der Wind! losgebunden“ (1. A. R. 2, 3 = 2. A. 2, 9. G. II, p. 92 = p. 259), und ebenso ein beliebtes Bild des raschen, unbeständigen Wechsels, wie Berengar es auf das Leben des Seemannes anwendet:

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ich war

Vergl Progr. p. 9.

** Vergl. Progr. p. 4 und p. 20.

Wie der Wind mit Gedankenschnelle
Läuft um die ganze Windesrose,
Wechseln hier (auf dem Meere) des Geschickes Loose,

Dreht das Glück seine Kugel um“ (Br. v. M. 1, 7. G. XIV, p. 50). Treffend schildert dieses wechselvolle Wesen des Windes Göthe in dem Gesange der Geister über den Wassern V. 28 ff:

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler.
Wind mischt von Grund aus

Schäumende Wogen“; und so vergleicht auch unser Dichter einerseits Laura's liebliches Spiel mit den buhlenden Winden:

,Holdes Gesäusel bald,
Schmeichlerisch linde,
Wie durch den Espenwald

Buhlende Winde“ (Laura am Klavier, V. 29 ff. G. I, p. 217), und versinnlicht ferner mit ihrem tändelnden Spiele das Glück der ersten Jugendzeit:

,Wie die Himmelslüfte mit den Rosen
An den Frühlingsmorgen zärtlich kosen,

Kind, so schmeichelt dir

Jetzt das äussre Glück in Deinen Jugendtagen (Ein Vater an seinen Sohn, V. 1 ff. G. I, p. 264); aber er lässt auch gleich in der folgenden Strophe den Vater warnend fortfahren:

,,Aber sieh! der Hain, der kaum entzücket,
Neigt sich, plötzlich rast der Sturm, zerknicket

Liegt die Rosenblum!
O so ist es, Sohn, mit unsern Sinnesfreuden,
Unserm Golde, unsern Herlichkeiten,

So mit unserm Flitterruhm.“ Indes so ganz plötzlich kommt der Sturm doch nicht dahergeflogen, die vorhergehende Unruhe in der Natur, das knarren

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* Zu dem Gedanken vergl. das Progr. p. 20 erwähnte Gleichnis:

„Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen
Umh ipft 80, Lotte, spielt um dich die Welt.“

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