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1796. tismus. Durch einen Aufsaß im Berlinischen Archiv der Zeit und ihres Geschmackes veranlaßt; aber mehr als bloße Controverspredigt. Besonders beherzigenswerth sind seine Bemerkungen über die Ausdrücke: Classischer Auctor, classisches Werk, die so oft gemißbraucht werden. Was er am Ende zum Lobe der deutschen Schriftsteller sagt, ist gewiß nicht übertrieben. 3) Das Spiel in strengster Bedeutung. Schwerlich würde Jemand unter dieser Aufschrift eine tiefgeschöpfte, philosophische Abhandlung suchen. Eine genaue Darstellung der darin enthaltenen Säße überlassen wir einem philosophischen Journale, da wir ohnehin in unsrer Anzeige schon zu weitläufig waren. 4) Die Lebenskraft oder der Rhodische Genius. Eine artige philosophische Erzählung, oder vielmehr Allegorie. 5) Ueber Charakterdarstellung in der Musik. Kann die Musik das Ideal eines Charakters, so wie überhaupt bestimmte Gegenstände darstellen? Dieje Frage wird hier bejahet, und die Gründe des Verfassers sind wenigstens scharfsinnig, wenn sie auch nicht durchaus über alle Einwürfe erhaben seyn sollten. 6) Kunstschulen - wie sie eingerichtet seyn sollten von Dalberg, der sich am Ende dieses Aussages seiner vielen anderen Geschäffte wegen von der ferneren Mitarbeitung an den Horen losjagt. 7) Weihe der Schönheit, und Sängerlohn, zwey schöne Lieder (vielleicht von Voß?)

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Sechstes Stück. 1) Elegien (von Göthe) in Rom gedichtet. Man könnte sie kühn für jezt erst durch irgend einen glücklichen Zufall entdeckte - Ueberbleibsel aus dem Alterthum ausgeben, wenn nicht einzelne Anspielungen darin an unser Zeitalter erinnerten. Sie athmen übrigens nicht Tibullische Schwermuth, sondern jene fröhliche, sorglose Liebe, die sich der ihr gegönnten Augenblicke freuet. Hier eine der kürzeren zur Probe:

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Warum bist du, Geliebter! nicht heute zur Vigne gekommen?
Wie ich dir es versprach, wartet' ich einsam auf dich.
Beste! schon war ich hinein, da sah ich zum Glücke den Oheim.
Ueber den Stöcken bemüht, hinwärts und herwärts sich drehn;
Schleichend eilt' ich hinaus! welch ein Irrthum ergriff dich!
O
Nur ein Vogelscheu wars, was dich vertrieb! die Gestalt

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Flickt er emsig zusammen aus alten Kleidern und Rohren,
Ach, ich half ihn daran, selbst mir zu schaden bemüht.
Nun! sein Wunsch ist erfüllt, er hat den losesten Vogel
Heute verscheucht, der ihm Gärtchen und Nichte bestiehlt."

Das Uebrige dieses Heftes füllen die hier geschlossenen Briefe über die Erziehung des Menschen aus.

m. n. o.

Oberdeutsche, allgemeine Litteraturzeitung, Salzburg, 1796,
4. Jäner.

Tübingen, b. Cotta: Die horen. Eine Monatsichrift herausgegeben von Schiller. Des Jahrgangs 1795. I-X Stück. 8. (Preiß des Jahrgangs Į Carolin.)

Welchen Plan sich diese Monatsschrift vorschte, was die Namen des Herausgebers und der Mitarbeiter erwarten ließen, und wie fern schon das erste Stück die Sicherheit dieser Erwartung verbürgte, ist bereits (A. L. 3. 1795. Nro. 28.) dargelegt worden. Bey den vor uns liegenden Heften finden wir uns durch die Menge trefflicher, und Lesenswürdiger Stücke, die denjenigen, welche sie schon kennen, in Erinnerung zu bringen, andern aber zu empfehlen sind, wirklich im Gedränge zwischen den Schranken, die uns der Raum sezt, und den Foderungen, welche diese Monatsschrift an die Kritik zu machen berechtigt ist. Wir werden jene etwas überschreiten, und von diesen uns einen Nachlaß erbitten müssen, um uns mit Ehren aus der Verlegenheit zu ziehn. Bey der Verschiedenheit des Inhalts und der Form so vieler anziehenden Auffäße halten wir fürs beste, dieser Anzeige zwey Abtheilungen zu geben, und in der ersten die poetischen Stücke, in der zweyten die von historischem und philosophischem Inhalte durchzugehn, und mit unserm Urtheile zu begleiten.

Die beyden Episteln im ersten und zweyten Stück ge= hören sowohl durch die darinn herrschende Manier (wenn anders dieser Ausdruck für die natürlichste und ungesuchteste Eigenthümlichkeit passend ist) als durch den Inhalt zu einander. Die zweyte ist eine an denselben Freund gerichtete Fortsetzung der

1796.

1796. ersten. Diese redet im Allgemeinen vom Bücherschreiben und Bücherlesen. Beides, behauptet der Dichter, habe im Guten und Bösen weit geringern Einfluß, als man sich gewöhnlich vorstelle. Der gemeine Leser erblicke überall nur den Widerschein seiner eignen Plattheit; der klügere verarbeite den dargebotenen Stoff eigenmächtig bis zur Gleichartigkeit mit seinen Begriffen und Gesinnungen. Der Menge gefalle ein Schriftsteller nur, wenn er geschickt ihren Meynungen und Wünschen zu schmeicheln wisse. Wie leicht das Leerste und Luftigste Eingang findet, wird in einer artigen Erzählung gezeigt, womit die Epistel schließt. Der Gang der zweyten ist noch einfacher; der Dichter beantwortet darinn die Frage seines Freundes: wie bewahrt man seine Töchter vor der Lesung verderblicher Bücher? indem er häusliche Ge= schäftigkeit empfiehlt, und in ihren mannichfaltigen Zweigen schildert. Eine heitre Laune, welche die Angelegenheiten des Lebens auf die leichte Achsel nimmt; guthmüthige Schalkheit und freundlicher Ernst beseelen in diesen Briefen den schmucklosen, aber selbst in seiner Geschwäßigkeit gefälligen, Vortrag. Sie vereinigen den Reiz, den man an prosaischen Briefen vorzüglich liebt, den zu= traulichen Ton, und unvorbereiteten freyen Gang des mündlichen Gesprächs, mit dem fließenden Wohlflange eines Sylbenmaßes, dem sich die Worte ebenfalls ohne allen Aufwand von Kunst gefügt zu haben scheinen. Wie der Dichter selbst nichts von Ansprüchen weiß, so überläßt er sich auch seinen Einfällen, unbekümmert und die Foderungen, die es dem Leser belieben könnte, an ihn zu machen. Der Kunstrichter, der ihm mit einer feyerlichen Amtsmiene die feinigen vorrechnen wollte, liefe Gefahr, zur Belohnung für seine Mühe in einem der folgenden Briefe die Klasse von Lesern, wozu er selbst gehört, unterhaltend gezeichnet zu finden. Wo nichts glänzt und nichts hervorsticht, da meynt eben der anmaßliche Kenner, sey auch nichts zu loben, und läugnet die Ueberlegenheit, welche ein Wohlgefallen daran findet, in schlichter Gestalt und Tracht unbemerkt aufzutreten. Jeder schmeichelt sich dergleichen selbst hervorbringen zu können (sibi quivis sperat idem); erst bey dem Versuche würde er gewahr werden, daß ihm die unlernbare Gabe der Verwandlung fehlt, wodurch das aus dem gewöhnlichen Leben aufgegriffne so sehr geadelt wird (tantum de medio sumtis accedit honoris). Nur wer selbständige Reichthümer des Geistes besißt, darf sich, so sehr

und so viel es ihm gut dünkt, zu beschränkten Fassungskräften 1796. herablassen, ohne befürchten zu müssen, er werde darum am Credite seiner Talente verlieren. Das, womit er nur wie zur Erholung spielt, kann einen sehr gebildeten Verstand anziehend beschäftigen.

Es ist wohl das erste Mal, daß der Herameter in unserer Sprache zur scherzhaften Epistel angewandt wird, so häufig auch diese Gattung schon bearbeitet ist. Man schrieb sie entweder nach Boileau's und Popens Beyspiel in regelmäßig gepaarten, oder auch in frey verschlungenen Reimen, wie sie verschiedene der neuern französischen Dichter zu ihren poetischen Briefen wählten. Jene begünstigen eine spruchreiche Kürze, verleiten aber auch leicht zu einer allzu einförmigen Symmetrie von Säßen und Gegensägen. Diese können einem nachlässigen und gleichsam irrenden Gange der Gedanken nicht ohne Grazie folgen. Der Hexameter ist das bildsamste von allen Sylbenmaßen, und diente daher auch den Alten, das Dramatische ausgenommen, beynah zu Allem. In den Episteln des großen römischen Vorbildes hat er nichts staatliches, nichts anmaßendes: bald gleitet er ohne genaue Beobachtung der Abschnitte durch mehrere Zeilen fort; bald steht man aber auch bey einem gediegenem Spruche still, den das Maß eines einzigen Verses umfaßt und sinnlich absondert. Ob der Hexameter sich im Deutschen mit dieser Art von Gedrängtheit verträgt, müßte erst noch durch Beyspiele ausgemacht werden, welche die vorliegenden Stücke nach ihrem Charakter nicht liefern konnten. Jene leichte, ungebundene Fülle des Versbaues ist da= gegen glücklich darinn erreicht. Bey der Erwähnung des Horatius, welche die von dem deutschen Dichter vorgezogene Form natürlich herbeyführte, soll es übrigens keineswegs auf eine Vergleichung abgesehen seyn, die zwar angenehm unterhalten kann, aber bey der Beurtheilung nur zu leicht irre leitet, in dem man über den bemerkten oder vermißten Punkten der Vergleichung das weit Wichtigere vergißt, was keine Vergleichung zuläßt.

Die Elegien im sechsten Stück sind eine merkwürdige, neue, in der Geschichte der Deutschen, ja man darf sagen, der neuern Poesie überhaupt einzige Erscheinung. Unbestochen vom Nationalstolze kann der Deutsche wohl behaupten, daß seine Sprache im Ganzen genommen, die treuesten poetischen Nachbildungen der Alten, daß sie allein Originalwerke im ächten

1796. antiken Styl aufzuweisen hat. Man begreift nicht, mit welchem Sinne die Engländer den griechischen Homer gelesen haben müssen, um Popens zierlich geglättete Reime nur für eine Uebersetzung des Altvaters der Sänger gelten zu lassen, geschweige dann, um zu glauben, er gewinne nicht wenig durch die neumodigen Verfeinerungen der kräftigen Einfalt, womit Flium erobert und die Ilias gesungen ward. Nicht ohne Lächeln erfährt man aus der Ueberschrift gewisser englischer Oden, daß sie Pindarisch sind; und es kann nur Mitleiden einflößen, wenn die Franzosen sich dünken, von einem höheren Gipfel der Kunst und Vollendung auf die tragische Bühne der Griechen herabzusehen. Es gehört ein freyer und nüchterner Blick bey einer unverfälschten Empfänglichkeit dazu, das Große und Schöne richtig zu erkennen und rein zu fühlen, welches uns aus unermeßlich weit von dem unsrigen abstehenden Zeitaltern wie aus einer fremden, für immer zerstörten Welt anspricht, über deren räthselhafte Wirklichkeit alle Trümmer ihrer unsterblichen Denkmale, noch so gewissenhaft befragt, keinen völlig genügenden Aufschluß ertheilen. Es nachahmen wollen ist ein edles, aber mißliches Bemühen. Die ursprünglichen, einfach schönen Formen der alten Kunst haben das Schicksal aller Formen gehabt, ihren Geist zu überleben. Fehlt es ihrem modernen Bewunderer an der Zaubergewalt, diesen aufs neue hervorzurufen, so ist es vergeblich, daß er sie nachzubilden sucht; er umarmt in ihnen, wie in köstlichen Urnen, nur die Asche der Todten.

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Das Antike war neu, da jene Glücklichen lebten.“ Nur an der lebenden Welt kann sich die Brust des Künstlers und Dichters erwärmen; nur eigne Ansichten des Wirklichen treten wie unabhängige Wesen hervor, wenn sie der Spiegel einer reinen, lichthellen Phantasie zurück wirft. Die kühle Begeisterung dessen, der wahre Verhältnisse seines Daseyns darzustellen vorgiebt, und sich doch in einem willkührlich erborgten, aber gelehrt beobachteten, Costum gefällt, mag den Antiquar entzücken. Der unbefangene Freund des Wahren und Schönen, welcher nicht an diesen oder jenen Aeusserlichkeiten desselben, hängen bleibt, sondern in das Innere dringt, wird hingegen wünschen, daß sich eigenthümlicher Geist immer in der angemessensten, natürlichsten, eigensten Form offenbare. Und das ist es eben, was an diesen Elegien bezaubert, was sie von den zahlreichen und zum Theil sehr geschickten Nach=

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