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1799. mini begann. Ganz identificirt mit dem Helden war er in jedem Momente der, den der Dichter heischte, den der Dichter vielleicht in diesem Grade der Kunst gedacht zu haben erstaunen würde. Groß in jedem Momente war er es vorzüglich im zweiten Akt dem Triumpfe seiner Kunst, und in dem fünften, dem an tiefer Erschütterung nichts gleich kommt.

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Madame Fleck, als Thekla, ist in den Bemerkungen über Piccolomini treflich nachgezeichnet. Hier genügt es zu erwähnen, daß sie vorzüglich die letzten Scenen des 4ten Akts, mit einem tiefeindringenden Gefühl gab. Wie war es auch anders möglich, da ein Charakter wie Thekla, der Künstlerinn nah verwandt, durch die Uebertragung ihres innern Gemüths nur gewinnen kann. — Der Schluß des Monologs am Ende des vierten Aktes war der Triumpf ihrer Stimme und Deklamation.

Hr. Mattausch als Max Piccolomini ist in den Bemerkungen über jenes Stück geschildert, er gieng hier auf dem betretnen Wege fort und unterstüzt den hohen Effekt des großen Moments bis im zweiten Akte mit Glück.

Hr. Iffland als Octavio vollendete hier auch in der kurzen Scene sein Meisterbild dieses Charakters. Wie es uns schien, zerriß er den Brief am Schlusse des Ganzen. Ein Zug, der dem Charakter sehr zu Statten kommt.

Madame Meyer (vormals M. Eunike) spielte die Gräfin Terzky in dem gegenwärtigen Stück, wie es uns scheint, noch glücklicher als in den Piccolomini. Diese Erschütterungen, diese immerwährende Besorgniß, nur zuweilen durch ein plögliches Wetterleuchten von Hoffnung unterbrochen, diese schaudervolle Ahnung im fünften Akte mahlte sie mit treuer und großer Wahrheit. Eben so die lezte Scene, wo sie Octavio zur Rede stellt, ihre lezten Wünsche ankündigt, und den Selbstmord durch Gift gesteht. Die Künstlerin hielt sich mit großem Glück und Effekt vorzüglich in den tiefen Tönen ihres Organs, wo sie ungemeine Kraft besigt, und die hier im hohen Grade ausdrucksvoll

waren.

Hr. Kaseliz als Buttler verrieth den Künstler, der in den Geist seiner Rolle einzudringen vermag. Ohne Zweifel aber wird er mit noch größerer Wirkung ihn darstellen, wenn er sich in Gegenwart Wallensteins nie die geringste Äußerung von Regung erlaubt. Persönlich von Wallenstein beleidigt muß der Anblick

seiner Person ihn mehr in dem Entschlusse bestärken als er- 1799. schüttern.

Hr. Herdt ist durchaus dazu geeignet, Rollen wie die des Gordon mit Glück darzustellen. Der Charakter des Alters und der Biederkeit gepaart mit Scheu gelang ihm sehr gut.

Deveroux und Macdonald wollen durch den Darsteller ein wenig veredelt werden, wenn dieser Ton nicht die Harmonie des Stücks stören soll.

Wir zweifeln, ob irgend eine deutsche Bühne eine Vorstellung dieser Dramen geben könne; die dem Dichter so genügen würde, wie die unsrige.

Möchte doch nun auch noch Wallensteins Lager ge= geben werden, es ist gewiß ein sehr wesentlicher Theil des Ganzen und bei Meisterwerken der Art achtet man kleine Aufopferungen nicht. M. (Fr Donceer

*) Wir haben mit Vergnügen die fortgesetzte Nachricht von einem dramatischen Meisterwerke, desgleichen bis dahin die deutsche Litteratur nicht aufzuweisen hatte, aufgenommen. Schillers Wallenstein muß in jeder Rücksicht Epoche machen. Wir erwähnen nur noch, daß diese Fortseßung aus einer andern Feder als die Bemerkungen über das Schauspiel die Piccolomini im März der Jahrbücher S. 278 geflossen ist. D. H.

Jahrbücher der preußischen Monarchie, Berlin, 1799, 2. Band,
Mai-August, pag. 159–166.

Weimar.

Den 20. April wurde endlich hier zum erstenmal Wallenstein, Trauerspiel in 5 Aufzügen von Schiller, gegeben. So gespannt auch die Erwartung auf dieses Stück bey jedermann war, so allgemein mußte man sich doch gestehen diese Erwartung gewiß mehr übertroffen, als nur erfüllt zu sehen. Es liegt auffer den Gränzen dieses Aufsages sowohl als dieser Zeitschrift, eine völlig detaillirte Nachricht und Beurtheilung dieses Stücks hier mitzutheilen, auch wird dies anderswo, wie es auch mit den Piccolomini's der Fall war, geschehen; deshalb bemerken wir nur

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1799. ganz kurz, daß der Dichter uns nun die Darstellung seines Helden, des gefürchteten, geächteten Wallensteins, in den kritischen Momenten seines Sinkens und Fallens giebt. So wie er steht, als Mann, kann auch nur der Mann fallen. Alles dessen was um ihn herum vorgeht nun versichert, des Abfalls des größeren Theils seiner Truppen gewiß, zieht er sich mit dem Ueberrest einiger Regimenter nach Eger, spricht auch hier noch als Diktator, ertheilt die Gnadenverheißungen, erwartet die Schweden, und fällt durch die Machination Buttlers, des Mannes, den er seinen Freund glaubt. Schon vorher ist auch Max Piccolomini von ihm gegangen und fällt mit seinem ganzen Regiment in einem heißen Gefechte gegen die Schweden. Thekla, von dem Abschiede ihres Geliebten tief erschüttert, vernimmt die Bothschaft von seinem Fall und entflieht mit ihrem Hoffräulein, um zu seinem Grabe zu wallfahrten. Rührend schön ist die Erzählung des schwedischen Hauptmanns von Maxens Fall und Begräbniß. Ermordet fallen Wallensteins Säulen, Terzky und Jllo, auf einem Gastmal, und die Gräfin Terzky nimmt Gift, Buttler geht nach Wien die Belohnung zu holen, die er verdient zu haben glaubt, und Ottavio Piccolomini erhält, eben als er zu spät nach Eger kömmt, die blutige That verhindern zu können, vom Kaiser das Fürstendiplom. Dies ist nur ein ganz kurzer, leichter Umriß des Ganzen, welches an der Kette einzelner Schönheiten, frappanter Situationen, rührender und erschütternder Szenen hängt. Die Besehung des Stücks war folgende:

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Wallenstein, Hr. Graff. Ottavio Piccolomini, Hr. Schall. Max Piccolomini, Hr. Vohs. Graf Terzky, Hr. Cordemann. Jllo, Hr. Spitze der. Buttler, Hr. Malkolmi. Hauptmann Desvreaux, Hr. Genast. Hauptmann Mac Donald, Hr. Eylenstein. Gordon, Hr. Haide. Rittmeister Neumann, Hr. Benda. Schwedischer Hauptmann, Hr. Becker. Baptista Seni, Hr. Weyrauch. Bürgermeister von Eger, Hr. Beck. Herzogin von Friedland, Demois. Malkolmi. Thekla, ihre Tochter, Dem. Jagemann. Gräfin Terzky, Mad. Teller. Fräulein Neubrunn, Mad. Vohs. Kammerfrau, Dem. Matiegzed. Kammerdiener, Hr. Ciliar, Page, Dem. Baraniu 3.

Das Bestreben sämmtlicher spielender Personen, Mühe und Fleiß, verwendet auf eine gute Darstellung, waren nicht zu verkennen, und wurden mit verdientem Beyfall belohnt. Das

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Stück wurde den 22sten wiederholt, und beyde Abende gewährten 1799. dem Publiko die schönsten Augenblicke, welche Dichter und Künstler schenken können.

V...

Journal des Luxus und der Moden, Weimar, 1799, May,
pag. 252-254.

Schreiben aus Weimar vom 4. Julius 1799.
Ueber Wallenstein's Tod.

Gestern gieng Ihr König von hier weg, er kam Montag Abends und sah vorgestern Wallenstein's Tod hier aufführen. Die Vorstellung des Stücks gieng sehr gut. Indeß erreicht in diesem zweiten Stücke Graff den Fleck bei weitem nicht, auch die Teller nicht ihre Meher als Terzki. Ein Fehler bei unserer Truppe ist, daß sie zu wenig Uebung in der Deklamation von Versen verräth. Sie skandiren entweder oder heben den Ton gegen das Ende der Zeile und verweilen bei dem Schlusse, auch wenn der Sinn den Ruhepunkt durchaus nicht gestattet. Verse gut vorzutragen, zumal Jamben, deren Einförmigkeit nur zu leicht Eintönigkeit wird, gehört freylich zu dem Höchsten der theatralischen Deflamation, aber der Lohn der besiegten Schwierigkeit sollte dem wahren Künstler Reizes genug seyn. Man darf es jedoch von unserer Bühne erwarten, daß ihre Glieder diese Schwierigkeiten am ersten glücklich besiegen werden, da der Mangel der Uebung wohl ganz auf Rechnung des Mangels gut versifizirter Stücke kommt die wenigen, welche die deutsche Bühne besitzt, werden hier nie aufgeführt da Schiller selbst bei seinen Stücken, und wir haben deren noch mehrere zu hoffen, mit unermüdetem Fleiße jeden einzelnen unterrichtet und zurecht macht da wir endlich bereits vorzügliche Muster besigen an Vohs als Mar Piccolomini, und Karoline Jagemann als Thekla. Vohs, mit einem entschiedenen natürlichen Talent, glänzte in seiner Rolle um so vorzüglicher, da die Darstellung eines so reinen Naturjünglings seiner glücklichen Anlage zu Hilfe kommt, und es ihm

Braun, Schiller. II.

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1799. vielmehr zur Pflicht macht, diese allein walten zu lassen, wenn es gleich sonst das Ideal des vollendeten Künstlers ist, nie sich selbst zu spielen. Denn ein solcher Charakter wie der jüngere Piccolomini gewinnt an Lebendigkeit, wenn er aus der überströmenden Fülle des Herzens des Schauspielers selbst hervorzuquillen scheint, ein Punkt, den Mattausch nicht bedacht hat, und daher mit seiner gezwungenen, einstudirten Darstellung weit zurück bleibt. Ich brachte von Ihrem Theater den Glauben zurück, daß es unmöglich sey, hinreißender die Thekla darzustellen, · als Madame Fleck. Sanfter Wechsel und Modulation der Stimme, Grazie und Liebenswürdigkeit in hohem Grade vereinigen sich in ihr, in dieser Rolle ihr alle Herzen zu gewinnen. Aber es ist keine Vorliebe für hier, und keine Verringerung der Verdienste dieser talentvollen Künstlerin, wenn ich gestehe, daß unsere Jagemann sie an Reinheit der Stimme und Grazie erreicht, an mimischem Ausdruck hingegen (in der Scene mit dem schwedischen Hauptmann) an nicht blos rührender, aufrichtiger Deklamation hingegen in dem Monologe übertrifft. Madame Fleck hat mein Innerstes erschüttert, hier war ich nicht Herr über meine Thränen bei der unnachahmlichen Deklamation des :

„Dies ist das Loos des Schönen auf der Erde.“

Das volle Leben, welches Iffland seiner kleinen Rolle so vortrefflich einzuhauchen wußte, habe ich hier freilich vermißt. Aber wo würde er es nicht werden. Ifflands meisterhaftes Spiel ward hier der Schlußstein zu dem veredelten Gemälde seines Octavio Piccolomini, der, im Vorbeigehen gesagt, nach der Entscheidung des Dichters selbst, die ich aus dessen Munde habe, durchaus in dem schonenden Sinne genommen werden soll, aus dem ihn Iffland dargestellt hat. So wird er zum lebendigsten Kommentar über die, auch von Woltmann in seinem Aufsage über die Piccolomini angedeutete Stelle:

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„Mein Sohn, laß uns die alten engen Ordnungen gering nicht achten."

Daß mir hier das Gemälde seines lezten Erscheinens merklich schwächer erschien, lag übrigens nicht sowohl allein in dem Schauspieler selbst, der ihn darstellte, als zugleich in den übrigen, welche mit ihm zusammen auftreten, denn auch das Spiel Ihrer Meyer vermißte ich sehr. Auch verlor es an Wirkung, daß die

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