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Etwas mehr gutmüthige Treuherzigkeit, als Berger dem Schweden 1799. Wrangel gab, hätte die Rolle gehoben. Die rohe Verwegenheit des Feldmarschalls Jllo sprach Böheim ganz aus, und seine Trunkenheit bei dem Bankett, wodurch so viel entschieden wird, war der Wirkung angemessen, welche sie machen sollte.

Der Hauptfehler bei der Vorstellung im Ganzen bestand darin, daß sie nicht allgemein in einem höhern Tone genommen wurde: diejenigen Schauspieler, welche sich mit Deklamazion und körperlicher Haltung in der gehörigen Höhe hielten, standen daher allein, und so geschah es, daß auch diejenigen Zuhörer, welche entzückt in der höhern Region weilten, jeden Augenblick aus der= selben herabgezogen wurden; daß das Gedicht widerstreitende Empfindungen erregen mußte. Iffland hätte in jedem Sinne gleichsam zum Leitstern dienen können.

Weil das Stück ungewöhnlich lange spielte: so hat man bei der zweiten Vorstellung manches weggelassen. Die umständliche Beschreibung des Bechers wurde mit Vergnügen vermißt; Theklas Schilderung ihrer Zusammenkunft mit dem Astrologen war abgekürzt, die Fülle der Rede vorzüglich bei Max Piccolomini und der Gräfin Terzky beschränkt worden.

Mit großer Sorgfalt und Pracht hatte man die Kleider gewählt und das Äußere eingerichtet. Es war Sorge getragen, daß das Ameublement von Stühlen und Tischen, in die Zeiten paßte, worin das Stück spielt.

Besonders gute Wirkung that dies im zweiten Akte, wo bei Terzky das Bankett gegeben wird. Ein alt gothischer Saal, zwar im unverkrüppelten gothischen Geschmack, doch ohne die Sitten der Zeit zu beleidigen, war von Herrn Verona für dieses Schauspiel gemalt worden. Ein freistehender Säulengang quer über die Bühne hin, scheidet ein Drittel des Saales von dem vordern Raum. Vor diesem Säulengange war die erste Tafel zu acht Personen, deren vordere Seite nach dem Zuschauer zu unbesezt war. Hinter den Säulen war auf beiden Seiten eine Tafel von sechs Personen, im Hintergrunde eine Tafel von acht Personen, welche auf beiden Seiten besezt war. Alle Tafeln waren mit Tischtüchern belegt, die mit Franzen beset waren. Die Gerichte waren vollständig und nach damaliger Sitte, überhäuft. Es ward aus Bechern getrunken und aus großen silberartigen Kannen kredenzt.

1799.

Die Schenke war mit Bechern, Kannen, Humpen, einem großen Schwentkessel und großen Schüsseln besezt; die Beleuchtung des Saales geschah durch große Gueridons im alten Kostume, die Tafeln selbst waren mit runden Leichtern in derselben Form besezt.

Das astrologische Zimmer war ganz genau nach der Beschreibung eingerichtet, welche der Dichter davon gegeben hat. Jahrbücher der preußischen Monarchie, Berlin, 1799, 1. Band, Januar-April, pag. 300–313. ("Vollmann

Wallensteins Tod.

Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von Schiller.
(Fortseßung der Piccolomini.)

Auf dem Berlinschen Nationaltheater zum erstenmale aufgeführt
den 17ten May 1799.*)

Erzählung des Inhalts pag. 135-159. Sodann:

In den Bemerkungen über das Schauspiel die Piccolomini im Februar dieser Zeitschrift sind die Züge aus welchen der Dichter seine Charaktere zusammengeseßt, und die Verhältnisse zu welchen er sie gegeneinander gruppirt hat, genau entwickelt.

Was diese Fortseßung jenes Stücks betrift, so kommt es darauf an, sie in den ganz unterschiednen Lagen der Begebenheiten, welche den Stoff des lezten Schauspiels bilden, wieder aufzufinden.

Wenn in den Piccolomini das Verhängniß Wallensteins und sein Schicksal vorbereitet, und von ihm selbst geschaffen wird, so bricht es in dem gegenwärtigen Stücke auf ihn ein. Dies schaft die Verhältnisse ganz um. Der Herzog voll Vertrauen auf seine innere Kraft und das Heer, das er geschaffen, hat den Schritt gethan, der entscheident war. Die Welt, die ihn umgiebt ändert Farbe und Gehalt, er allein das Ideal eines Helden, steht unerschüttert da, weil er durch sich selbst steht.

Es ist die Größe Wallensteins die im Unglück sich bewährt, indeß der Glanz nur während seines Glückes vorleuchtete.

Seit der Entschluß gefaßt und ausgeführt worden, ist Festigkeit 1799. und Ruhe in seine Seele gekehrt, er sezt gern die Brust der Gefahr entgegen, fein äußerer Unglücksfall kann ihn darniederschlagen, er erträgt selbst Octavios und so manches Andern Treulosigkeit die ihm sehr verpflichtet waren nur Marens Tod beugt ihn. -Seit der gewiß ist, scheint das Leben und eigne Größe ihm gleichgültig. Den Verlust eines Max konnte auch nur Wallenstein ganz fühlen, tiefer als sein Vater Octavio ihn wenigstens zu empfinden scheint. So lange Max noch lebt kämpt Wallenstein für den Plan den er entworfen, dem Bürgemeister zu Eger deutet er die drey Monde mit stolzer Hinsicht auf sich selbst, gleich darauf erfährt er, daß sein Liebling gefallen und wie ganz anders entläßt er den schwedischen Hauptmann im Anfange des vierten Akts. Und es ist nicht seine. väterliche Liebe zu Thecla es ist nicht Schwäche gegen eine Tochter, nein es ist ein hohes Gefühl für den Werth des Jünglings der ihm seine Jugend vergegenwärtigte.

Die Liebe Maxens zu Thecla ist auf diese Weise nichts weniger als Episode. Der Vater Piccolomini ist es nicht allein, der den Wallenstein stürzt, der Herzog fällt weit mehr, als Gegenopfer für den Jüngling, der in hohen Glauben an Menschenwerth, vom Vater sich getäuscht von seinem Vorbilde hintergangen, von Thecla verlassen sieht, der aus der Welt seiner reinen idealischen Phantasien von denen gestoßen, die ihm sie realisiren zu können, am ersten fähig schienen, weil sie in seiner Brust sie ihm zuerst bewegt, in der leeren Alltagswelt keine Existenz findet, und für die Pflicht fällt.

Es ist ein Meisterzug des Dichters, daß er die Liebenden so fein und so wesentlich zugleich in das Ganze gewebt, daß sie dem Interesse für den Haupthelden keinen Abbruch thun, und doch nichts weniger als episodisch erscheinen. Bis auf den lezten Moment walten ihre Geister durch die Handlung, die schreckenvolle Leere des legten Akts, ist die Wirkung ihres Verlustes auf das Gemüth Wallensteins, dem alle seine Federn gelähmt sind. — So stand die Liebe auch in der antiken Tragödie, der an Würde Kraft Regelmäßigkeit und allen großen und genialischen Eigenschaften dieser Wallenstein so nahe steht. Max und Thecla sind noch mehr als Hämon und Antigone.

Nächst dem Wallenstein erscheint die Gräfin Terzky vor

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1799, züglich wichtig. Aber wie ganz anders, als vor dem Augenblicke ehe der Abfall vom Kayser beschlossen war. Der entfernten Gefahr achtet das kühne Weib nicht, die nahe raubt ihm alle Selbstständigkeit. Sie war es die alles aufbot, selbst die Gestirne beschwor, um den Bruder das vollziehen zu lassen, was als Möglichkeit und Entschluß ihn längst ergößt und geschmeichelt hatte. Nun ist's geschehen, und von diesem Augenblicke an, tritt die Weiblichkeit ihres Charakters in ihre Rechte, sie hofft und verzagt, fie faßt jeden den nächsten Zweig der Hülfe um sich über der Fluth zu erhalten. Thecla und durch sie Max sind ihre Stüßen, und als diese gesunken sind, fällt sie in Träume und Ahnungen, und die einst durch den Misbrauch der Macht des Aberglaubens auf das Gemüth ihres Bruders ihn hinwarf in dieses Geschick, steht nun da von diesem Aberglauben gefoltert in dem Augenblicke wo Wallenstein nur den Verlust des jugendlichen Freundes fühlt. Stolz und Feigheit zugleich indem fie, die ihre Feinde um ein Grab bitten zu müssen glaubt, sich ihnen nicht lebend anvertrauen wird geben ihr das Gift als Rettungsmittel in die Hand.

Ihr Gemahl und Jllo stehen neben ihr kühn und ausgelassen bey dem leisesten Lächeln des Glücks; doch alles wagend und ertrogend beym Unglück. Sehr geschickt hat der Dichter seit dem dritten Akte, wo ihre ausgelassene Freude über den Sieg der Schweden sie entlarvt und ihren Mördern verräth, dem Auge entzogen. Wie stehen diese an sich selbst nur denkenden, eigennußigen Menschen in diesem Augenblicke neben dem großen Wallenstein. Sie freuen sich thöricht des Sieges der Schweden, er fühlt nur Marens Tod.

Gleich groß und wirksam sind die Verhältnisse und die Stuffenfolge der Charaktere derer gedacht, die wir als Feinde Wallensteins gegen ihn auftreten sehn.

Zuvörderst Octavio Piccolomini der in den Bemerkungen über die Piccolomini dem Dichter so trefflich nachgezeichnet ist, und der mit Wahrheit des Gefühls den Aussprüch thut, daß seine Hand unschuldig sey an dieser That, denn wie kann man ihm imputiren was nie als ferner Gedanke in seine Seele kam. Und gleichwohl bleibt er die erste Veranlassung, aber auch als solche noch edel, und so fällt Wallenstein nicht ganz allein durch den Dolch gemeiner Mörder. Uns scheint der Dichter. den Octavio

dadurch vorzüglich geadelt zu haben, daß er ihn in das tragische 1799. Interesse des Stücks verflicht; unter allen die am Morde Wallensteins Theil haben ist er der einzige, der schon im Stücke vor unsern Augen noch durch des Sohnes Verlust hart büßt was er gegen den Freund verbrach.

Buttler, so viel Sophistereyen er sich selbst über die Lauterkeit seines Unternehmens macht, entlarvt sich doch als Maschine seines Eigennutes durch die leßten Worte wo er - nach vollbrachter That gegen gerechte Vorwürfe sich mit ihr brüstend aus des Kaysers Hand den Lohn derselben zu empfangen hofft. Doch hat der Dichter, der nicht so ganz tief ihn wollte sinken Lassen, ihm eigenhändigen Mord durch das Schicksal, welches durch Jllo ihm die Rechte verwundete, unmöglich gemacht.

Neben ihm steht Gordon, fast wie Octavio gegen Wallenstein. Octavio handelt, Gordon unterläßt; Octavio klügelt die Gefühle durch Weltpolitik hinweg, die ihn abhalten sollten, zu handeln; Gordon ist unthätig aus zu strengem Pflichtgefühl, aus Kleinmüthigkeit des Geistes, einer Folge seines subordinirten Schicksals.

Die eigentlichen Mörder Deveroux und Macdonald können nur als Maschienen angesehen werden, sie stehen ihren Partisanen völlig gleich.

Gleich dem Piccolomini ist auch Wallensteins Tod reich an erhabenen Bildern, an großen Wahrheiten stark und eindringend gesagt, an Bemerkungen aus dem Leben geschöpft um seine Bahn mit einem Strahle zu erhellen, an Empfindungen die das Räthsel des menschlichen Herzens plöglich lösen, an Grundsäßen, die ein ganzes System aufwiegen.

Wenn man den Verfasser der Räuber einst den deutschen Äschylus nannte, so hat der Verfasser des Wallensteins wegen hoher tragischer Würde und Kraft, wegen seiner überall hervorstrahlenden Sentenzen auf den Namen des deutschen Euripides, den der erste Kritiker des Alterthums den tragischsten unter den Dichtern nannte, die gerechtesten Ansprüche.

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Die Vorstellung dieses Trauerspiels auf der königl. Nazionalbühne zu Berlin läßt sich aus dem, was über die Darstellung der Piccolomini gesagt ist, beurtheilen.

Hr. Fled, den sein hoher Genius nimmer verläßt, vollendete das Bild des Wallenstein wie er es in den Piccolo

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