Billeder på siden
PDF
ePub

1797. verlangt noch zu wissen, ob eine Retorsion dieser Art lobensoder tadelnswerth sey?

3) Urians Nachricht von der Aufklärung, nebst einigen andern Kleinigkeiten. Von dem Wandsbecker Bothen. Hamburg, bey Perthes. 1797. 24 S. 8. (4 Gr.) Nur die beigefügten Kleinigkeiten haben mit den Xenien etwas zu schaffen, und sind in der That so äusserst geringfügig, daß der Bothe sie nur immer im Sacke hätte behalten sollen. Desto reiner, melodischer, festhaltender ist seine Schnurre über Pseudo-Aufklärung; von poetischer Seite nämlich. Ihre logische mag er gegen seine Gegner selbst verfechten, wenn ihm anders daran nicht genug ist, daß wer sein Trompeterstückchen einmal gehört, solches auswendig behält. Des Abdrucks

4) Eben dieser Nachricht, nebst Antwort. Germanien. 1797. 24 S. 8. (4 Gr.) muß Ehren halber doch auch Erwähnung geschehn. Lettere hier und da philosophischer vielleicht als Urians Nachricht; dieser an poetischem Werth aber weit nachstehend. Welches Ohr kann Zeilen ertragen, wie: Kein Spötterhauch wird sie wegscherzen?“ Und so kurz absprechende, wie: Hinweg mit der Theologie, und schädlichen Orthodoxie!" sind sie deshalb philosophischer, weil sie gar nichts dichterisches, und noch dazu einen Widerspruch in adjecto enthalten?

5) Berlocken an den Schillerschen Musenalmanach von 1797. Jena und Weimar. 37 S. 8. (6 Gr.) Sieben und neunzig Distichen; wovon ein Dußend nicht unwißig, die übrigen desto geistärmer, und viele schon deshalb zu tadeln sind, weil sie eben so unartig wie die Xenien selbst, an Leuten sich vergreifen, die auf weniger scurrile Behandlung Anspruch zu machen haben.

6) Parodien auf die Xenien. Ein Körbchen voll Stachelrosen den Herrn Göthe und Schiller verehrt; mit erläuternden Anmerkungen zum Verstande der Xenien. 1797. Gedruckt auf schwere Kosten des Verfassers. 70 S. 8. (8 Gr.) Von noch geringerem Belange als vorhergehende Nummer, und der nicht kurze

Vorbericht ohne Salz und Schmalz. Ein paar Schock der an 1797. züglichsten Xenien füllen die eine Seite der Blätter, und ihnen gegenüber stehen die sogenannten Parodien, worunter es nur wenige giebt, die Anlage zu dieser Art von Scherz verrathen. Mehr als ein Distichon des Almanachs steht, so gar mit eben den Worten als Parodie gegenüber, und in einer Anmerkung die possirliche Auskunft: Rechts und Links macht auch einen Unterschied! Die Parodien selbst voll Verstöße gegen Scansion und Sylbengewicht; und was eben so schlimm ist, auch hier der Kizel sich an Schriftstellern zu reiben, die nicht nach des Parodisten Geschmack sind. Läßt etwas inconsequenteres sich denken, als so plump in eben den Irrweg fallen, weshalb die Herren gegen den Xenientroß zu Felde ziehn?

7) Aeakus. Oder Fragmente aus den Gerichtsakten der Hölle über die Xenien. Zum Besten eines Feldlazareths für Gelehrte herausgegeben von Johann Adolph Rebenstock. Germanien. 1797. 124 S. 8. (10 Gr.) Ein Dußend Auffäße satyrischen und gar nicht satyrischen Inhalts, von oft nur entferntem Bezug auf die Xenien; mit unter auch ernsthaft genug, um einen umständlichern Bericht zu verdienen, als diesen Augenblick sich davon erstatten läßt. Uebrigens, wie es scheint, nicht ein erster Versuch unsers Schriftstellers, der aber noch viel zu weit aushohlt, viel zu fremdartiges unter einander mischt, und seinen Vortrag zu sehr dehnt, um die Leser festzuhalten, oder ihn über das Unerhebliche leicht weggleiten zu helfen. Auch er macht sich des Mißgriffs schuldig, Gegenstände zu berühren, und Namen herbey, auch wohl durchzuziehen, die hier wenigstens gar nichts zu suchen hatten. Mit dem Jam nunc debentia dici muß es doch würklich schwieriger aussehn, als unsre jungen Schriftsteller sich einbilden! -Eine drey Blätter füllende Bittschrift der Xenienschreiber an den Aeakus schließt die Akten. Sie ist in elegischer Versart, und so gut versifiziert, daß die Herren schwerlich gegen die Form etwas einwenden dürften, so wenig auch der Inhalt selbst ihnen gefallen mag.

8) Mückenalmanach für das Jahr 1797. Pest.— Ein zweytes Titelblatt mit der Aufschrift: Leben, Thaten, Meinungen,

1797. Schicksale, und legtes Ende (als ob es ein vorlegtes gebe) der Xenien. 164 Oktavseiten. (16 Gr.) In farbigem, durch satyrisch sein sollende Kupferstiche verziertem Umschlage. - Nicht leicht ist der Mißgeburt eines Poetasters in Zeitungen und anderwärts unverschämter und anhaltender vor und nach posaunt worden. Sie besteht, ungerechnet die Knittelverse, aus vielen Hundert Distichen, wovon ein großer Theil oft schülerhaft genug scandirt, oft noch sinnloser gedacht, und troß der Ueberschrift, womit jedes versehn, in so chaotisches Wirrwarr verstrickt ist, daß mehr als ein Blatt dazu nöthig wäre, die Dekonomie des Dichterlings nur einigermaßen anzugeben. Sind auch in solcher Distichenfluth ein Dußend etwa nicht ganz ohne Werth, so hat ihr Autor doch eben so wenig Ehre davon, als der Gurkenmaler, dem irgend ein glücklicher Strich, ohne daß er es gewußt, entwischte. Desto zahlreicher sind seine Doppelverse, wobey sich gar nichts, höchstens so viel nur denken läßt, daß in dem Kopfe ihres Verfassers noch Alles in erster Gährung, und der Unrath in gewaltiger Menge abzusondern sey. Auch durch seine Behandlung der Sprache wird diese Wahrnehmung bestärkt. Uebrigens gebührt ihm das kleine Lob, mit Niemand anderm als allein den Xenienschreibern angebunden zu haben; wenn anders unter der heillosen Menge von Distichen, nicht mancher Seitenhieb dem zeitig ermüdeten Auge sich entzog. Daß man indeß für ein so leidiges Quodlibet seinen baaren Gulden bezahlen muß, bleibt auf keine Weise zu entschuldigen. Hoffentlich wird der Autor sich eines bessern besinnen, und statt seinen Namen Preis zu geben, wozu er unaufgefordert sich öffentlich erbot, vielmehr Alles thun, sein Incognito beybehalten zu dürfen.

9) Trogalien zur Verdauung der Xenien. 1797. Mit einem satyrischen Titelkupfer. 64 S. 8. (8 Gr.) Ebenfalls in Distichen; 237 an der Zahl; meist sinnhaltig genug, und gar nicht schlecht versifiziert; denn daß auch ein paar taube, oder schwer aufzuknackende Nüsse darunter geriethen, gieng sehr natürlich zu. Oft baare Parodien, worunter es mehr als eine giebt, die den Xenienschreibern selbst viel zu persönlich und anzüglich vorkommen, ihnen aber auch das Gewissen wird aufregen helfen, einen dergleichen Unfug eben durch ihr häßliches Beyspiel hervorgerufen zu haben. Auch dieser Trogalienwirth kann der Un

art nicht widerstehn, dem Dritten, der hier gar nichts zu thun 1797. hat, im Vorbeygehn eins anzuhängen. Zum Glück, daß der Rizel ihn nur selten befällt, und sein Benehmen alsdann noch nicht frech genug ist, um in dem Gefühle des Lesers, Mißtrauen gegen das Herz des Autors zurück zu lassen.

10) Kraft und Schnelle des alten Peleus. Im Jahr 1797. 30 G. 8. (3 Gr.) Man hat wohl gethan, gleich auf dem Titelblatte anzuzeigen, daß ein alter Kämpfer es war, der hier den Cästus schwang; ein mehr als 70jähriger Dichter nämlich, dessen Name mit dem eines Tyrtäus um die Wette leben wird, und den aus seinem poetischen Wintergrün beurtheilen zu wollen, ein sehr unkritischer Einfall wäre. Wer kennt nicht die bald kleinere bald größere, immer gereimten, und eben so rein sittlich dargebrachten Ex Voto's, womit dieser eißgraue Musenpriester noch täglich den Altar der Dichtkunst bekränzt, und seine Freunde am Opferschmause Theil nehmen läßt? Auch unter den hier dargebotnen 66, bald kürzern, bald längern Herzensergießungen, giebt es gewiß mehr als eine, die jedes gute Herz gern ihm nachfühlen wird. Hoffentlich soll unserm Nestor hieran genügen! denn Schwärme inhumaner Egoisten bekehren oder niederschleudern zu wollen, mag ihm wohl schwerlich eingefallen seyn.

[ocr errors]

11) Dornenstü de. Nebst einem Memento mori für die Verfasser der Xenien. Manheim, in der neuen Kunstverlags- und Buchhandlung. 1797, VIII und 102 S. in kleinem Duodez und farbigem Umschlag, (10 Gr.) Was mag diesen Schriftsteller, der doch kein Neulingsgesicht hat, zur Recensentenscheu veranlaßt haben? Er verbittet jede Beurtheilung; und für diesmal soll der Wunsch ihm gewährt seyn; unsre Leser aber mit der kurzen Nachricht davon kommen, daß von den die erste Abtheilung dieser Dornensträuche füllenden Jamben und Prosa, es eben nicht füße Trauben, wohl aber manch heilsame Beere zu pflücken giebt. Schon näher mit den Xenien hat es der zweyte Abschnitt zu thun, als der in etwas mehr als einem halben Hundert Sinngedichten, bald fürzer, bald länger, gereimt und reimlos, auch wohl in so beliebt gewordnen Distichis selbst, eine Menge beherzigungswerther Dinge

1797. vorträgt; worunter manches als Wort zur rechten Zeit, und durch treffenden Wig vortheilhaft sich ausnimmt. Keine schlechtre Bewandniß hat es mit solchen Gedichtchen, die auf leidige Xenien nur indirecten Bezug haben; obschon an Anspielungen, die man hier ungern antrifft, es auch nicht fehlt. Sonderbar übrigens, daß dieser überhaupt genommen tactfeste Dornenpflanzer, Namen wie Virgil und Burgund, oder Phrasen, wie Büreau d'esprit, ganz falsch scandiert! Freylich hatte leztres in einem deutschen Gedichte eigentlich gar nichts zu suchen.

12) Literarische Spießruthen, (warum findet das viel anaLogere Wort: Spizruthen, so wenig Aufnahme?) oder die hochadlichen und berüchtigten Xenien. Mit erläuternden An= merkungen að modum Minellii et Ramleri. Weimar, Jena, und Leipzig, im eisernen Zeitalter der Humanität. (1797.) 184 S. 8. (12 Gr.) Nicht viel besser als sündiger Nachdruck; denn die 414 Xenien stehen sammt und sonders wieder in ihrer Blöße da, und betragen also mehr als eilf Zwölftel des schmutzigen Ganzen. Der übrige Raum ist mit Nomenklatur, die Niemand verlangt hat, und mit auf Wiz Anspruch machenden Noten verbrämt; worunter es aber so äußerst wenig Anziehendes giebt, daß der neue Minell mit seiner Waare nur hätte zu Hause bleiben mögen! Mehr als zu oft wird das Uebel bey ihm noch ärger; indem er einzelne in den Xenien aufgestellte Buchstaben, in der Note durch Namen erklärt, die vielleicht gar nicht die rechten sind, und, wie schon gesagt, nur neuen Unfug anrichten. Als ob die Xenien Steckbriefe wären, wo das Publikum nunmehr_sogleich zugreifen, oder wohl gar drauf losschlagen müsse! - Daß die Xenienfluth zu wißigen, wenigstens spaßhaften Anmerkungen Stoff genug darbot, läßt sich begreifen; kaum aber, wie es zu= gieng, daß im vorliegenden Versuche so gar wenig Wißiges anzutreffen ist? Und gesezt auch, alle 414 Anmerkungen wären es; kurz allemal mußten sie seyn; 414 Nadelstiche mithin. Welch eine Operation! Um sich noch eigentlicher zum Nachdrucker zu qualificiren, hat der Neo- Minell, den aus dem deutschen Merkur überflüßig bekannten Dialog Wielands über den berüchtigten Musenalmanach von 1797. Wort für Wort angehängt. Daß man ihn zu seiner Zeit mit Vergnügen las, versteht sich. Da es indessen seines Verfassers Art ist und bleibt, den Faden

[ocr errors]
« ForrigeFortsæt »