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1795. etwas gefunden sey, sondern nur was gefunden sey. Ihm steht ferner entgegen die Trägheit des Geistes, die Scheu vor der Mühe des Nachdenkens. Beide Unarten vereinigen sich in diejenigen, welche alle Untersuchung fliehn, aus Furcht, dadurch in ihrer Ruhe, und in ihrem Glauben gestört zu werden. Um also das reine Interesse für Wahrheit zu erhöhen, rotte man das unächte Interesse aus, und überlasse sich jedem Genusse, den das reine Interesse für Wahrheit gewähret. Um zu beweisen, wie geistvoll und doch faßlich die Ausführung sey, heben wir nur zwey Stellen aus, S. 82. „Darinn unterscheidet sich der Wahrheitsfreund vom Sophisten; beider Behauptungen an sich betrachtet kann vielleicht der erste irren, und der lezte Recht haben; und dennoch ist der erstere ein Wahrheitsfreund auch wenn er irrt, und der leztere ein Sophist, auch da, wo er die Wahrheit sagt, weil sie etwa zu seinem Zwecke dient. Aber in den Aeußerungen des Wahrheitsfreundes ist nichts widersprechendes; er geht seinen geraden Gang fort, ohne sich weder rechts noch links zu wenden; der Sophist ändert stets seinen Weg, und beschreibt seine krumme Schlangenlinie, so wie der Punkt sich verrückt bey dem er gern ankommen möchte." S. 91. Was uns ohne unser Zuthun von außen gegeben worden ist, gewährt keinen reinen Selbstgenuß. Es ist nicht unser, und es kann uns eben so wieder genommen werden, wie es uns gegeben wurde; wir genießen an demselben nicht uns selbst, nicht unser eignes Verdienst, und unsern eignen Werth. So verhält es sich insbesondere auch mit Geisteskraft. Das was man guten Kopf, angebornes Talent, glückliche Naturanlage nennt, ist gar kein Gegenstand eines vernünftigen Selbstgenusses; denn es ist dabey gar kein eignes Verdienst. Meine Kraft ist mein, lediglich, in wie fern ich sie durch Freyheit hervorgebracht habe; ich kann aber nichts in ihr hervorbringen, als ihre Richtung, und in dieser besteht denn auch die wahre Geisteskraft. Blinde Kraft ist keine Kraft, vielmehr Ohnmacht.

Am Ende dieses Jahrgangs sollen erst die Verfasser der Abhandlungen genannt, so wie auch das Verzeichniß der Subscribenten geliefert werden. Wenn, wie zu hoffen steht, die folgenden Stücke an Inhalt so reich, und in Form so schön als das Erste seyn werden, so müßte man sehr schlecht von unserm Vaterlande denken, wenn man nicht vorausseßte, es werde ein Werk, das nicht bloß zu flüchtiger Unterhaltung, sondern zu einem

öftern Studium einladet, das wie Thucydides von seiner Geschichte 1795. fagte ein κτημα ες αει unδ night bloß ein αγωνισμα ες το лαρazonuα verspricht, durch eben so ausgebreiteten als dauernden Beyfall unterstüßen.

Allgemeine Literatur - Zeitung, Jena und Leipzig, 1295,
31. Januar..

Leipzig.

Von des Herrn Profeffor Schillers Thalia find des dritten Theils zweytes und drittes Stück, und des vierten Theils viertes und fünftes Stück des Jahrgangs 1793 noch zur Anzeige zu bringen; ob wir wohl glauben, daß eine so viel geLesene periodische Schrift ihrer nicht bedarf. Die ästhetischen Abhandlungen betreffen dießmal folgende Gegenstände: Ueber Anmuth und Würde; über Gefühl; vom Erhabenen; zerstreute Betrachtungen über verschiedene ästhetische Gegenstände, vorzüglich von der ästhetischen Größenschäzung. Ob durch alle solche Abhandlungen das Gefühl selbst Bildung und Richtung erhalte, wissen wir nicht; den betrachtenden Verstand aber schärfen sie. Einige Poesien. Eine Reise auf den Vesuv im Junius 1793. Scene aus dem Leben Kaiser Heinrichs des Vierten. Probe einer Erflärung und Uebersetzung einiger vorzüglichen Gedichte des Petrarch; Uns deucht, bey einer solchen Uebersehung der sämmtlichen Gedichte Petrarchs müßte unsere Sprache und Kenntniß gewinnen. Ideen über Declamation. Wir übergehen ein Paar schwärmerische Auffäße.

Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen, Göttingen,
1795, 16. februar.

1795.

Jena.

Bey Eunos Erben: Merkwürdige Rechtsfälle, als ein Beitrag zur Geschichte der Menschheit. Nach dem französischen Werke des pitaval, durch mehrere Verfasser ausgearbeitet und mit einer Vorrede begleitet herausgegeben von Schiller. Vierter Theil. 1795. 454 Seiten in 8. (1 rthlr. 8 gl.)

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Mit diesem Bande schliessen Hr. Prof. Niethammer in Jena und seine Gehülfen, ihre trefliche Bearbeitung des Pitavalschen Werks, dessen vielseitige Brauchbarkeit wir schon bey Anzeige der vorigen Theile, besonders des ersten, nicht unbemerkt gelassen haben. (S. diese gel. Zeit. 1792. S. 804.). Sowohl der philosophische Jurist, als der Psycholog, ja selbst derjenige, der vorzüglich angenehme Unterhaltung, aber doch zugleich auch etwas Reelles, und nicht blos eitlen Kizel der Imagination sucht, finden hier volle Befriedigung, und häufige Veranlassung zu den interessantesten Betrachtungen. Dieser Theil enthält sechs Fälle: 1) Martin Guerre; wenig Romane spannen die Erwartung so hoch, als dieser auch zur Einsicht in den französis. Nationalcharakter ungemein brauchbare und höchst interessante Rechtsfall. Wer ist der Deutsche, der eine solche Rolle so spielen könnte, wie dieser Mart. Guerre, und wenn er es könnte, der es möchte, für den eine solche Spannung nicht ärger wäre, als der Tod? 2) Das Fräulein v. Choiseul. 3) Der Bettler von Vernon. Hier gilt, nur nicht ganz im gleichen Grade, was wir von Nr. 1. gesagt haben. 4) Das Mädchen von Orleans. Die Geschichte der bekannten Heldin aus Fanatismus, im Ganzen etwas zu sehr ins Schöne gehalten, doch ohne Veruntreuung der historischen Wahrheit in Hauptzügen. Auch dieses merkwürdige Mädchen ist ein ächt franz. Original. 5) Der Handelsvertrag mit Gott. 6) Das ungleiche Ehepaar. Die Historie von tausend und aber tausend Ehen, und doch nicht ohne Interesse.

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Gothaische gelehrte Zeitungen, Gotha, 1795, 4. Merz.

Tübingen in der Cottaischen Buchhandlung: Die Horen, 1795. eine Monatsschrift, herausgegeben von Schiller. Erster Band. Į. 2. 3. Stück, zusammen 201⁄2 Bogen. (Į Thlr. 12 Gr.)

Unter diesem Titel erscheint ein Journal, welches den Geist unsres Zeitalters vorzüglich bestimmen soll. Herr Schiller glaubte, daß es keinen andern Weg gebe, das achtzehnte Jahrhundert mit Ehren zur Ewigkeit zu senden, als wenn er und einige andere Schriftsteller sich entschlössen, demselben ihren Geist aufzudrücken, damit es sich unter seinen ältern Brüdern, ohne zu erröthen, sehen lassen könne. Das soll nun in diesem Journale geschehen, weswegen den übrigen auch kurz und gut Stillschweigen auferlegt ist. Unsern Lesern ist gewiß noch die berüchtigte Recension befannt, welche von den Horen in einer sonst so trefflichen Zeitschrift geliefert worden, welche mit einem iam nova progenies coelo dimittitur alto, anhub und endigte. Gegenwärtiger Recensent erwähnt jener Recension nur, um zu verhindern, daß das Publicum, welchem eine so geschmacklose Lobpreisung mit Recht anekelte, nicht gegen die Recensenten überhaupt einen Widerwillen fassen möge, indem er versichert, daß er sich seines Herrn Collegen recht herzlich schämt, und daß die Mitarbeiter der Annalen sich in ihrem Entschlusse, ihrem Publicum mit Rechtschaffenheit und Treue zu begegnen, bey solchen Gelegenheiten noch mehr bestärkt fühlen, wo sie genöthiget find, sogar wegen des Betragens fremder Recen= senten das Publicum um Verzeihung zu bitten.

Das Journal selbst zählt Schriftsteller unter den Mitarbeitern auf, die unter unsere vorzüglichsten gehören, einen Engel, Garve, Schüß, nur daß diese noch nichts von sich haben hören lassen. Wenn aber das Journal wirklich auf eine Wirkung berechnet ist, als die Ankündigung angiebt, so ist es befremdlich, woher der Titel komme, bey dem sich das Publicum troß aller Erörterungen durchaus nichts Bestimmtes denken kann. Es ist zu befürchten, daß der Herausgeber seine Sache zur Sache des Publicums mache, und daß dem Eifer, den er für die Ausbildung des Volks zeigt, nicht so recht zu trauen sey. Warum muß doch, da diese Zeitschrift ganz vorzüglich an den Geist des Volks gerichtet seyn soll, gleich das erste Wort, das man ihm zuruft, ein ihm unverständliches, fremdes, Ehrerbietung heischendes Wort seyn? Gewiß liebt und achtet man ein Volk nicht, dessen Sprache man nicht liebt

1795. und achtet! Ift hier also nicht gleich der erste Schritt verdächtig? Was soll dieses Wort, das vor drehtausend Jahren eine herrliche Bedeutung gehabt haben mag, über die aber unsere scharfsinnigsten Philologen bis auf den heutigen Tag nicht haben einig werden können, bey dem also ein Ungelehrter durchaus nichts . versteht? Die ersten Gründer unsrer schönen Litteratur, die es mit ihrem Publicum recht herzlich gut meinten, und die ihm eine herrliche Richtung gegeben haben würden, wenn man sie ihre Arbeiten hätte vollenden lassen, und die Genie-Männer sie nicht durch ihre volle Excentricität gestört hätten, nannten ihr Journal: Bremische Beyträge. Unser Herausgeber würde sich verschwören, nie die Feder anzusehen, wenn er für seine Arbeiten einen so plebejischen Titel wählen sollte. Dafür griff aber unser Publicum mit Liebe und Zutrauen zu seinen Bremischen Beyträgen, und war auf dem Wege, sich vortrefflich zu bilden, und zu einer National-Cultur zu gelangen, während es mit Aengstlichkeit, Mißtrauen und geheimen Widerwillen um die vornehmen griechischen Horen herumgeht, mit denen es nie vertraut werden kann, und die es nur liest, weil es ja Mode seyn soll. Sollte aber Hr. Sch. nicht wissen, wie groß der Einfluß. der Sprache ist, so ist zu bedauern, daß er sich einfallen ließ, auf den Geist des Volks wirken zu wollen, und es ist Pflicht des Recensenten, ihn zu warnen, und ihn zu fragen: ob er sich auch wohl ernstlich geprüft habe, ob er zu einem solchen Unternehmen Beruf, Kenntnisse und Kräfte habe?

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In der That sieht man nirgends deutlicher, in welchem Verhältnisse unsere Schriftsteller zu unserm Publico stehen, als hier. Gerade in diesem Journale, das dem Deutschen Volke recht eigentlich gewidmet seyn soll, treibt sich ein Häuschen idiosynkrasistischer Schriftsteller in seinen engen Kreise herum, in welchen kein anderer, als ein Eingeweihter treten, und mit dem das Volk so wenig gemein haben kann, daß es vielmehr davor, als vor einem Zauberkreise zurückbeben wird. Die alte Wahrheit, daß unser Publicum und unsere Schriftsteller ihr Wesen für sich treiben, und zwey abgesonderte Menschenklassen ausmachen, die sich immer fremd bleiben, weil sie ein getheiltes Interesse besigen, findet man leider! hier vorzüglich bestätigt. Doch es werden sich dergleichen erbauliche Betrachtungen bey der Inhaltsanzeige selbst genug an2 biethen, zu der wir sogleich übergehen.

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