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1797.

Auch Ihnen ist es bemerkenswerth erschienen, daß Schiller diesen Almanach unter seinem Nahmen ins Publikum sendet; daß er ihn ganz eigentlich seinen (Schillers,) Almanach nennt. Auch Sie ziehen daraus den Schluß, daß er alle die Musenkinder oder Wechselbälge, welche darin zusammengeschichtet sind, adoptire. „Gesetzt also," sagen Sie, „er habe an der Erzeugung dieser Xenien auch nicht den geringsten Antheil, so müßen wir sie doch nun, da der Vater sich zu nennen nicht für gut befunden, Schiller sie aber in seinen Almanach aufgenommen hat, als seine Kinder ansehen.“

Ich bin hierin ganz Ihrer Meinung, und möchte nur noch zur Bestätigung hinzu sehen: es würde schon etwas verschieden seyn, wenn er sich auf dem Titel dieses Werkleins nur als Sammler oder Herausgeber angekündigt hätte. Man müßte dann allerdings vorsichtiger seyn. Denn das „herausgegeben" heißt noch nicht „gebilligt, für die feinigen an.erkannt." Und es können Gründe statt finden, warum ein Herausgeber Etwas in eine Sammlung aufnimmt, was er selbst Höchlichst mißbilligt. So könnte ein solcher Herausgeber zu seiner Rechtfertigung sagen: in einer Gedichtsammlung, — welche Muster aller Art aufstellen solle, müßten, so gut wie in einer Gemähldesammlung, mißrathene Kunstwerke, als Muster eines schlechten Geschmacks, oder richtiger, der Geschmacklosigkeit, den guten gegen über gestellt oder angehangen werden.

Gewiß darf ich Ihnen mein Gefühl unterlegen, und voraussezen, daß wir beide, als wahre Verehrer des Schillerschen Genius, uns auch diese Erscheinung auf diese Weise gern erklären würden, wenn uns nicht auf dem Titel das Schillers Almanach im Wege stünde. Wir müßen nothwendig eine Eigenthumserklärung darin erkennen, und finden dann keinen Grund weiter, warum wir noch an einer Billigung und Begünstigung dessen, der sie für sein Eigenthum erklärt, zweifeln sollten.

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Gleichwohl wenn wir den öffentlichen Charakter dieses vortrefflichen Dichters überhaupt, und den, welchen er noch kürzlich in der Ankündigung der Horen *) besonders zu Tage gelegt hat, dagegen halten, so finden wir den auffallendsten und widerlichsten Kontrast. Überall in seinen Werken zeigt sich entweder der Ausdruck von Genie, oder veredelter Humanität; selbst ist dies in Beziehung auf mehrere Produkte dieses Almanachs, zu denen

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er sich bekannt hat, der Fall. -Nur in diesen, welche in so 1797. gedrängten Gliedern und einem so zahlreichen Korps dem verwöhnten Leser entgegen rücken, ist höchst selten weder das eine noch das andere wahrzunehmen. Ohne Unterlaß stößt dagegen der Leser auf den gröbsten Egoismus. Es ist unmöglich, daß er dem Leser von Geschmack sich mehr aufdringen, in einer zurückstoßendern Gestalt erscheinen, die Achtung vor dem Publikum geflissentlicher aus den Augen seßen könne.

Ich muß befürchten, daß Sie nach Ihrer Gutmüthigkeit und ungemessenen Achtung vor Schiller, selbst wider Ihren eignen richtigen Geschmack, anfangen, mich einer Härte im Urtheile zu beschuldigen. Man mißbilligt oft die Handlung eines Lieblings, allein man will ihn doch von andern mit Schonung behandelt wissen. Nun, so sagen Sie mir denn: fann man den Mangel der schuldigen Achtung vor dem Publikum offenbarer zu Tage legen, als wenn man auf eine hämische oder grobe Weise Männer öffentlich anfällt, welche die Achtung des Publikums genießen? In der That? Nun, dann ist es wohl die Naivetät, womit der Verfasser diese Xenien für Kinder der guten und bösen Laune erklärt, und von dem Leser verlangt, er solle sich in eben diese Launen versehen, um ihnen Geschmack abzugewinnen. Ich frage Sie auf Ihr eigenes Gefühl: Welcher gebildete Leser muß sich nicht durch eine solche Zumuthung beleidigt fühlen? Oder wer möchte eine Laune bei sich auch nur einen Augenblick beherbergen, in welcher ihm Schimpfworte, Grobheiten, hämische Hiebe und Stiche oder sinnlose Gemeinpläge schmackhaft und behaglich schienen; - selbst wenn überall ein größerer Aufwand von ächtem Wize wahrzunehmen wäre, als es hier wirklich ist?

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Ich merke Ihnen an, daß es Ihnen noch immer schwer wird, mir beizustimmen, und daß Sie in Begriff sind, von mir zu verlangen, was ohnehin die Gerechtigkeit forderte, Belege für meine allgemeinen Aeußerungen hinzu zu fügen. Sie finden mich hierzu um so bereitwilliger, da ich überzeugt bin, daß Ihr Gefühl, wie Ihre Einsicht, im Grunde völlig mit den meinigen überein stimmen, und daß es gar keiner kritischen Erläuterungen bedürfen wird, um sie für das zu erkennen, was sie find, Auswürfe des gröbsten Egoismus. Ich werde nur auf die zunächst liegenden und den Stempel, den sie an sich tragen, hinzudeuten nöthig haben, um Ihre Zustimmung zu er

1797. halten, wenn ich behaupte: daß sie mit einer wahren und ächten Humanität im Widerspruche stehen; daß sie bei manchen Lesern des Almanachs, (auf welche noch Auctoritäten erheblich und entscheidend wirken,) der Ausbildung der Humanität zum Hindernisse gereichen, von den Beförderern derselben also gerügt zu werden verdienen.

Ich habe gleich Anfangs diese Epigramme zum Theil für plump, theils für hämisch, theils für flach, sinnlos dem Inhalte, größten Theils für unpoetisch der Form nach; — also jene Persönlichkeiten abgerechnet, für uninteressant und geschmacklos erklärt. Hier nun die Belege, welche beim flüchtigen Durchblättern des Büchleins zuerst in die Augen fallen.

Plump oder grob glaube ich mit Ihrer und eines jeden Lesers von Kultur und Sitten unbedingter Zustimmung z. B. folgende nennen zu dürfen:

Empirischer Querkopf.

Armer empirischer Teufel! du kennst nicht einmahl das
Dumme
In dir selber; es ist, ach! a priori so dumm.

Moralische Zwecke der Poesie.

„Bessern, bessern soll uns der Dichter!" So darf denn auf Eurem Rücken des Büttels Stod nicht einen Augenblick ruhn.

Geschichte eines dicken Mannes.

Dieses Werk ist durchaus nicht in Gesellschaft zu lesen,
Da es, wie Rezensent rühmt, die Blähungen treibt.

Der Schulmeister zu Breslau.

In langweiligen Versen und abgeschmackten Gedanken
Lehrt ein Präceptor uns hier, wie man gefällt und

verführt.

Geschwindschreiber.

Was sie gestern gelernt, das wollen sie heute schon lehren,
Ach was haben die Herr'n doch für ein kurzes Gedärm!

Dem Großsprecher. Defters nahmst du das Maul schon voll und konntest nicht wirken, das Maul nicht so voll.

Auch jezt wirkest du nichts, nimm nur

Trost.

Laß dich den Tod nicht reuen, Achill. Es lebet dein Nahme
In der Bibliothek schöner Sciencien hoch.

Seine Antwort. Lieber möcht' ich fürwahr dem Aermsten

als Ackerknecht
dienen,

Als des Gänsegeschlechts Führer seyn, wie du

erzählst.

I — b.
Steil wohl ist er, der Weg zur Wahrheit und schlüpfrig zu
steigen.
Aber wir legen ihn doch nicht gern auf Eseln zurück.

Zeichen des Steinbocks.
Im Vorbeigehn stugt mir den alten Berlinischen
Steinbock,
Das verdrießt ihn, so giebt's etwas zu lachen für's
Volk.

Bedürfte es noch mehrerer Beispiele und lohnte es der Mühe, diese ekelhafte Arbeit noch weiter auszudehnen, so dürften sich leicht noch einige Dußende von ähnlichem Gehalte auszeichnen lassen. Allein ich bin überzeugt, Sie haben, wie ich, völlig zur Genüge; auch werden Sie gewiß nicht in Abrede seyn, dieselben zugleich als Beispiele der Plattheit und Armuth_an Geist und Erfindungsgabe anzunehmen.

Einige besondere Belege bedarf indessen die zweite angegebene allgemeine Bezeichnung eines beträchtlichen Theils dieser so genannten Xenien. Diese auszuzeichnen wird mir ebenfalls keine erheblichere Mühe machen; denn aufsuchen darf ich sie nicht. Für hämisch halte ich z. B.:

1797.

1797.

Zeichen des Raben.

Vor dem Raben nur sehet Euch vor, der hinter ihr
frächzet,
Das Nekrologische Thier seht auf Kadaver sich nur.

Amor, als Schulkollege.

Was das entseßlichste sey von allen entsetzlichen Dingen?
Ein Pedant, dem es juckt, loder und lose zu seyn.

Bibliothek der schönen Wissenschaften.
Invaliden Poeten ist dieser Spittel gestiftet,

Gicht und Wassersucht wird hier von der Schwind-
sucht gepflegt.
Verfehlter Beruf.
Schade, daß ein Talent hier auf dem Katheder ver-
hallet,
Das auf höherm Gerüst hätte zu glänzen verdient.

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Zeichen des Scorpions.
Aber nun kommt ein böses Insekt aus G ɓ n her,
Schmeichelnd naht es, ihr habt, flieht ihr nicht eilig, den

Stich.

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Ueberschriften zu gewissen Melodien.

Frostig und herzlos ist der Gesang, doch Sänger und Spieler
Werden oben am Rand' höflich zu fühlen ersucht.

Der Glückliche.

Sehen möcht' ich dich, Nickel, wenn du ein Späßchen er-
haschest
Und von dem Fund entzückt, drauf dich im Spiegel
befiehst.

Verdienst.
Hast du auch wenig genug verdient um die Bildung der
Deutschen,
Frit Nicolai, sehr viel hast du dabey doch verdient.

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