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"I

des Herrn Rath Schillers und des Herrn Geheimen Rath von 1796. Göthe, welche die meisten Beiträge geliefert haben, nicht, aber (S. 434) daß sie untreu ihrem hohen Berufe durch Rachsucht, durch Plumpheit, durch Plattheit, durch Persönlichkeit, durch Arm- seligkeiten, wohl gar durch Schadenfreude ihre Muse schänden fonnten, das wirft den Trauerflor über den Genius der Zeit." 2c. Er erklärt S. 435 diesen Musenalmanach wegen seiner Anspielungen und persönlichen Beleidigungen solcher Männer, welche allgemeine Achtung verdienen, für ein Pasquill, das, nach Bahrdt mit der eisernen Stirn, das schändlichste in der deutschen Litteratur ist; das besonders unerschöpflich ist, in Personalitäten gegen den Herausgeber des Journals Deutschland, der sich freilich der undankbaren Arbeit unterzog, den Prüden oder précieuses ridicules die Larve abzuziehen.“ Mit Recht bedauert Herr v. H. daß insonderheit Göthe zu früh verdorben, und aus Stolz gegründeten Kritiken gegen ihn nie Gehör gegeben. Er würde dann (S. 436) sorgsamer gesucht haben, den regelmäßigen Weg der schönen Künste einzuschlagen, und die Ehrerbietung für Sittlichkeit nie aus den Augen zu sehen, nicht so oft wie jezt mit dem Publikum seinen Spaß zu treiben, und so in seinen Muthwillen nicht zu der Höhe der Immoralität, Inurbanität und Geschmacklosigkeit steigen zu lassen, die im Schillerschen Musenalmanach herscht.

Rezensent, der eine von dem Herausgeber von Deutschland verschiedene Person ist, findet in diesem Urtheile des Herrn von H. nur das allgemeine Urtheil aller Menschen, welche Moralität noch einigermaßen schäßen, und wenn Herr Schiller und Herr v. Göthe wirklich die Verfasser jenes Schandlibelles sind, so muß er sie in der That bedauern, daß sie sich eine so allgemeine Verachtung zugezogen haben. Doch wer sich zu so etwas verstehen kann, lernt auch wol über Verachtung lachen, und Herr Claudius mag vielleicht die Gesinnung und die Verhältnisse dieser Freunde am besten getroffen haben, wenn er sie sagen läßt:

Der Widder.

„Ich Widder, der sentimentale,

Esse mein Futter an der Saale.

Ich mache so Drama und Gedicht;

Und meine Hörner gehören mir fast nicht.

1796.

Der Stier.

Jch, der reale Stier an der Jlm,
Bin ein viel ärgerer Schelm.
Meine Hörner und Knochen sind voll,
Und ich befinde mich recht wohl."“ 1)

1) Man sehe die Kleinigkeiten, welche mit der Uriansnachricht von der neuen Aufklärung in Hamburg bei Perthes auf ein paar Bogen herausgekommen sind, und einige und zwanzig spaßund ernsthafte Gedichtlein gegen die allen anstinkenden Xenien enthalten, von denen ein naiver Mann gar treffend sagt: sie hätten das mit den Wanzen gemein, daß sie mehr stänken, als stächen. Die beiden hier angeführten Gedichte, die Auch ein litterarischer Thierkreis“ überschrieben sind, verdienten wohl, noch einmal abgedruckt zu werden, da fie so ganz in der glücklich treffenden Manier des alten Wandsbeckerboten gedichtet sind. Das längere Gedicht haben bereits politische Zeitungen bekannter machen helfen, uneingedenk, daß es, als eine Satire auf die braven, Aufklärung liebenden und befördernden, Dänen, die Nichtbetrachtung verdiente, die ihm sein geringes poetisches Verdienst billig zusichern sollte. A. d. H. Deutschland, Berlin, 1796, 4. Band, 12. Stück, pag. 362—363.*)

*) Wir reproduciren hier folgende Kraftstellen aus dem Werke eines Wiener Autors:

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D, wo es dem Ordensbruder, dem Bundesgenossen, dem Mitverschworenen gilt, da können sie (die Illuminaten) doch wohl auch mitunter höflich sein; sie treiben sogar niederträchtige Speichelleckerei. Wenn sie z. B. einem kaiserlichen Hofrath Schmidt, dem Geschichtschreiber der Deutschen, über sein classisches Buch ein schiefes Gesicht gemacht haben, so fallen sie vor dem herzoglichen Hofrath, dem französischen Activbürger Schiller, auf die kniee nieder, und winseln sich an seinem Lobe einen Karthar (!) auf den Hals. Dieser Hofrath Schiller mag allerdings in Absicht seiner mahlerischen (!) Darstellungskraft ein braver Schöngeist sein, obschon seine Schauspiele auf keinem gesitteten und civilen Theater vorgestellt werden können. Seine Räuber sind ein wahres Schandstück, und das bitterste Pasquill auf deutsche Theaterfreiheit.

Wenn sich meine kaltblütigen Leser nicht ärgern, so gebe ich ihnen eine Probe von dem grausamen Unsinn niederträchtiger Schmeichelei, womit dieser Schöngeist (der Räuber - Apologist Schiller) weit in Deutschland herum von seinen Brüdern begossen wird. Ein sogenannter

Magister Pfefferkorn sagt in einer sogenannten Katheder-Beleuchtung 1796. von diesem Schöngeist nicht weniger als folgendes: „Wenn die Stunden eines Königs theuer sind, so sind Schillers Minuten für die Menschheit kostbar; denn ein Strahl seines Geistes würde hinreichen, um Behn Monarchen Anspruch auf Vergötterung zu geben." Nun wissen also doch die Monarchen, bei welchem deutschen Schöngeist sie eigentlich ihre Vergötterung, im Fall sie selbe verlangen, zu bestellen haben. Weiter kann nun aber wohl der unverschämteste Unsinn nicht mehr getrieben

werden.

£. A. Hoffmann, Höchst wichtige Erinnerungen zur rechten.
Zeit, Wien, 1795—1796, 1. Band, pag. 336—337; 2. Band,
pag. 64-65.

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1797.

1797.

London u. Leipzig, b. Boosey u. Reinicke: Cabal and Love, a Tragedy translated from the german of Fredr. Schiller, 1796. 110 S. 8. Der ungenannte Ueberseßer dieses Trauerspieles hatte, wie die Vorrede sagt, bey seiner Arbeit den rühmlichen Zweck, die Schreibart des großen deutschen Schauspieldichters Schiller dem englischen Leser näher bekannt zu machen. Sicher konnte er darauf rechnen, daß auch Cabale und Liebe sich in England Bewunderer schaffen würde, da bereits die vorhin überseßten Werke Schillers, Don Carlos, die Räuber, u. s. w. mit vielem Beyfall aufgenommen waren. Die Übersetzung nähert sich dem Originale, in Hinsicht auf das eigenthümliche Feuer, so viel als möglich, und ist mit sichtbarem Fleiß verfertiget. Diese neue wohlfeile und hübsche Ausgabe hat Hr. Timaeus in Lüneburg besorgt, dem wir die bekannte Ausgabe von Thomson's Seasons verdanken.

Allgemeine Literatur Zeitung, Jena und Leipzig, 1797, 4. Januar.

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Die Xenien in Schillers Almanache für das Jahr 1797. (Aus einem Briefe an einen Freund.)

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Sie wollen mein Urtheil über die Xenien, in dem neuen Schillerschen Almanache. Mit Vergnügen folge ich dieser Aufforderung, und höchst wahrscheinlich würde ich es Ihnen auch unaufgefordert geäußert haben. Es ist mir in diesen Tagen eine Anzeige der Existenz dieses Almanachs, (welche vermuthlich von dem Verleger herrührt,) zu Gesichte gekommen, in welcher diese fleinen epigrammatischen Gedichte eine in ihrer Art ganz neue Erscheinung" genannt werden. Dies scheint die Aufmerksamkeit zu bestätigen, welche auch andere, die nicht Verleger sind, diesen kleinen Gedichten geschenkt haben. Wenigstens giebt, oder gab es vielmehr auch hier viel darüber zu reden; und man mag leicht annehmen dürfen, daß der Verleger diesen Xenien wo nicht den größesten, doch gewiß einen großen Theil des Absazes dieses Taschenbuchs zu verdanken hat.

Immerhin mag es daher auch für uns, mein Freund, der Mühe werth seyn, im Vorübergehen einige Blicke auf diese merkwürdig und neu seyn sollende Erscheinung zu werfen, oder wohl noch besser, einige Minuten dabei zu verweilen, um dieselben der Untersuchung zu widmen: worin denn eigentlich das Neue und Merkwürdige dieser Erscheinung bestehe?

Mich dünkt, es bedarf auch nur weniger Minuten zu einer solchen Untersuchung; denn die Klarheit der Sache erleichtert sie, oder vielmehr, erspart sie fast ganz und gar. Wer kann einen Augenblick anstehen, gegen vierhundert kleine Gedichte, in deren. größestem Theil man die Absicht und das Bemühen, zu reizen oder zu verwunden wahrnimmt; welche mehrere verdiente und geachtete Männer geradezu auf eine grobe und platte Weise. anfallen oder mit giftigen Skorpionenstichen heimlich verwunden; welche als Produkte der Musen ausgestellt, von einem der vornehmsten Günstlinge der Grazien in Schuß genommen und dem Publikum als eine Auslese feinen und Attischen Wizes, als Ge= schenke von Werth, zu einer würdigen und wohlthuenden Ergözung vorgesezt werden; welche gleichwohl großen Theils entweder plump, oder hämisch, oder flach und sinnlos, fast sämmtlich aber, ohne eigentlichen poetischen Werth sind, für eine in ihrer Art neue und merkwürdige Erscheinung zu erklären ?

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1797.

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