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Willst du, Freund, die erhabensten Höhn der Weisheit erfliegen, 1796.
Wag es auf die Gefahr, daß dich die Klugheit verlacht.
Die Kurzsichtige sieht nur das Ufer, von welchem Du scheidest,
Jenes nicht, wo dereinst landet Dein muthiger Flug.

Inhalt des zehnten Stüds.

IV. Elegie zc.

- Die Elegie ist wohl eines der schönsten vollendetsten Gedichte, das je dem Herzen eines ächt philosophischen Dichters entfloß. Es umfaßt den ganzen innern und äußern Menschen, die Natur, die ihn umgiebt und die er beseelt. Gerne ruhen wir wieder mit dem edlen Dichter in den Armen, an dem Herzen der Mutter Natur nach jedem Gedanken an die glücklich durchlaufne Bahn; und so möge, jedem der dieses schöne Gedicht von Herzen. genoß zu lieblicher Erinnerung, der edel ruhevolle Schluß auch hier stehen.

Reiner von deinem reinen Altare nehm' ich mein Leben,

Nehme den fröhlichen Muth hoffender Jugend zurück!
Ewig wechselt der Wille der Zweck und die Regel, in ewig
Wiederholter Gestalt wälzen die Thaten sich um.
Aber jugendlich immer, in immer veränderter Schöne,

Ehrst du, fromme Natur, züchtig das alte Gesez,
Immer dieselbe, bewahrst du in treuen Händen dem Manne,
Was dir das gaukelnde Kind, was dir der Jüngling
vertraut,
Wiegest auf gleichem Mutterschooße die wechselnden Alter;
Unter demselben Blau, über dem nehmlichen Grün
Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen

Geschlechter,
Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.
Inhalt des eilften Stüd 3. VIII. Über das

Naive 2c.

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Eingedenk des Vorwurfs, daß wir, die wir die Anzeige mehrerer Journale verheißen haben, uns schon zu lange bei den Horen aufgehalten und in dem Verlangen uns solche Stellen, welche dem moralischen Zwecke dieser Zeitschrift förderlich seyn können, zuzueignen, zu weitläuftige Auszüge aus einigen Aufsätzen gegeben haben, müssen wir uns für die Zukunft auf die Be

1796. zeichnung der wichtigsten und bedeutendsten Aufsäge beschränken. Da ragt nun in diesem Stücke der Aufsatz über das Naive gar sehr hervor. Aber auch die nähere Beleuchtung dieses vortrefflichen Aufsages und seiner Fortsetzungen in den folgenden Stücken müssen wir einem besondern Aufsage überlassen, welchem alle ästhetischen Abhandlungen des Herausgebers besonders gewidmet seyn werden und welchen wir unsern Lesern bald vorzulegen hoffen.

Inhalt des zwölften Stücks. I. Die sentimentalischen Dichter x.

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Der bei weitem wichtigste Theil dieses Stücks ist die erste Abhandlung, welche die über das Naive fortsetzt. Der Schluß der zweiten Abtheilung macht es uns fast schwer ihre nähere Be= leuchtung jenem vorher erwähnten Aufsaße zu überlassen.

Dieses Stück giebt auch das Subscribenten-Verzeichniß, das an achtzehnhundert Interessenten enthält. Mit Freuden sieht man daran, daß das deutsche Publikum ein Unternehmen seiner Lieblingsdichter, nach seiner Art willig und thätig unterstüßt hat. Möchte doch die Aufnahme des folgenden Jahrgangs zeigen, daß weder der eine noch der andere Theil eine zu hohe Erwartung gehabt.

Der Inhalt des ganzen Jahrganges nennt auch die Verfasser aller Auffäße, bis auf den Verfasser der Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten und einiger kleineren Auffäße, der für gut gefunden hat anonym zu bleiben. Es ist unsern 'Lesern vielleicht angenehm, die merkwürdigen Namen, neben dem Inhalte den wir ihnen von jedem Stücke vorgelegt haben, summarisch beisammen zu haben. Wir bezeichnen die Stücke mit großen römischen, die Aufsäße und ihre Anzahl bei jedem Autore mit kleinen arabischen Zahlen.

Göthe (4) I. 1. VI. 1.
Schiller. (30) I. 2

14. 15. 16.

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IV. 4. IX. 1. 11; 12. 13. 17. X.4. XI 8. XII. 1.

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Von den im ersten Stücke genannten Mitarbeitern haben zu dem ersten Jahrgange, Funk, Garve, Genz, Gleim, Hirt, Hufeland, Matthison, Schüß und Schulz nichts geliefert. Desto reichlicher hat uns der Herausgeber beschenkt,

der allein so viel Auffäße geliefert hat, als alle übrigen Mit 1796. arbeiter zusammen, Herder ausgenommen.

Die Horen. IVtes Stüd. 1796..

1. Benvenuto Cellini. Ein Auszug aus der eignen Lebensbeschreibung eines merkwürdigen italienischen Künstlers, welcher im 16ten Jahrh. lebte. Die äußerst lebendige Darstellung wird jedem, der sich gern an nackter Natürlichkeit ergößt, eine köstliche Unterhaltung gewähren. Äusserst merkwürdig ist dieser Charakter als echter Repräsentant der damaligen italienischen Menschennatur und Sitten; als solcher wird er uns hier auch wohl nur aufgestèlt.

Vtes Stüd.

1. Benvenuto Cellini. Fortseßung. Möchte doch hier der Auszug etwas kürzer seyn! Es gehört schon ein starker Magen dazu, sich an naiven Mordthaten zu belustigen, das ewige Einerlei dieser Raufereien muß aber auch einen solchen ermüden. Dieser Auszug ist überhaupt bis jetzt eine wörtliche Übersehung aus dem eignen Leben des alten Künstlers, welches im italienischen Original einen starken Quartanten in Nugents englischer Übersetzung, zwei starke Oktavbände beträgt. Diese Lebensbeschreibung hat in vielen Rücksichten, besonders für den philosophischen Geschichtsforscher und Kunstfreund hohes Interesse. Allein die Weitschweifigkeit, mit der Benvenuto von seinen unzähligen blutigen Händeln spricht, ist für den Leser schon in seiner Geschichte selbst ermüdend, in einem Auszuge für die Horen aber wohl gar zweckwidrig. In der ersten Hälfte des Auszuges hat der Überseßer bloß die Einleitung des Verfassers weggelassen, in welcher dieser mit vieler Naivität von seinen Voreltern, und mit Künstlerstolz von der großen Wichtigkeit der Selbstbiographie spricht, unter andern auch eine Anekdote erzählt, die so naiv und bedeutend ist, und seinen Vater und dessen Erziehungsweise so lebendig charakterisirt, daß es zu verwundern ist, wie der deutsche Überseßer sie weglassen konnte. Hier ist sie:

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Als ich ohngefähr fünf Jahr alt war, befand sich mein Vater einst in einem kleinen Zimmer, in welchem man gewaschen hatte, und wo eben ein tüchtiges Feuer brannte. Er sang und

1796, spielte dazu auf der Geige, dicht ans Feuer gerückt; das Wetter war empfindlich kalt. Als er in die Flammen hineinsah, wurde er ein kleines Thier gewahr, wie eine Eidechse gestaltet, das in der dichtesten Gluth des Feuers lebte. Er merkte sogleich, was es war, rief meine Schwestern und mich, und nachdem er uns das Geschöpf gezeigt hatte, gab er mir eine Ohrfeige. Ich fing an zu weinen; er aber schmeichelte mir, bis ich stille ward. Dann fagte er diese Worte: Liebes Kind, ich gab dir diese Ohrfeige nicht, weil du irgend ein Versehen begangen hättest, sondern damit du dich stets erinnern möchtest, daß das kleine Geschöpf, welches du hier in den Flammen siehst, ein Salamander ist, den man, so viel mir bekannt ist, bis jeßt nicht mit Augen gesehen hat." Indem er dies sagte, umarmte er mich, und gab mir etwas Geld." Auf diese Anekdote folgt nun sogleich das, womit der Überseßer seinen Auszug anfängt.

Neuntes bis elftes Stüď.

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Jezt scheint für die stets wechselnden, und oft von ihrer Bahn abweichenden, Horen die Periode der Übersehungen gekommen zu sein. Außer drei beträchtlichen Fortseßungen vom Cellini enthalten diese Stücke: Zwei große Gedichte aus dem Theokrit, von einer unverkennbaren Meisterhand; zwei Elegien des Properz, deren eine sich mehr Freiheit erlaubt, als mit guten und schönen Sitten verträglich ist," und sogar eine Erzählung aus dem Dekameron des Boccaz. Da der Auszug aus Benvenutos Leben jezt erst ungefehr bis auf zwei Drittheile des Originals gekommen ist: so hat der Leser, wenn der Auszug verhältnißmäßig fortschreitet, noch manche Fortsezung von einer schönen Länge zu hoffen. Die Verdeutschung des, in so vieler Rücksicht lehrreichen und unterhaltenden Originals, tonte gewiß in keine bessere Hände fallen. Aber wie zuversichtlich muß nicht der Herausgeber darauf rechnen, daß das Publikum sich alles gefallen läßt, um ein überseßtes Werk von solcher Länge in eine Monatschrift von dem Plane der Horen zerstückeln zu dürfen? Von dieser Vernachlässigung, womit glänzend begonnene Unternehmungen, denen man nicht gewachsen ist, gewöhnlich endigen, enthalten die leztern Stücke der Horen, durch die Aufnahme so manches äußerst unbedeutenden oder durchaus schlechten Beitrages, vorzüglich viele Beweise.

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Zwölftes Stüď.

Die in diesem Jahre zu den Mitarbeitern der Horen neu hinzugekommenen Schriftsteller sind: v. Knebel, Gerber, Reinwald, Horrer, Kosegarten, Bürde, Halem, Fr. Brun und Boje.

Die Übersetzungen in diesem Jahrgange betragen ungefehr anderthalb Alfabet und zwei Bogen, also beinahe die Hälfte des Ganzen. Man hat vortrefliche, mittelgute und auch schlechte Originale aus dem Französischen, Englischen, Italienischen, Lateinischen und Griechischen vortreflich, auch mittelmäßig und auch schlecht übersetzt.

Deutschland, Berlin, 1796, 1. Band, 1. Stück, pag. 54 2C.,

2. Stück, pag. 247 2c., 3. Stück, pag. 373 2c.; 3. Band,
7. Stück, pag. 82, 93, 94; 4. Band, 12. Stück, pag. 358,
359, 361.

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Neue deutsche Werke.

I. Musen Almanach fürs Jahr 1796. Herausge= geben von Johann Heinrich Voß. Hamburg bei C. F. Bohn. (16 Gr.)

II. Musen-Almanach für das Jahr 1796. Herausgegeben von Schiller. Neustrelit, bei dem Hofbuchhändler Michaelis, (1 Rthlr. 16 Gr.)

III. Calender der Musen und Grazien für das Jahr 1796. Leipzig zur Messe bei Haude und Spener von Berlin. (1 Rthlr. 12 Gr. mit illuminirten Kupfern 2 Rthlr.)

Sollte man diese holden Zöglinge der Musen als die geliebten Schönen des Tages mit wenigen Worten charakterisiren; so würd' es vielleicht also geschehen können: I. Ernst und rein. II. Schön und frei. III. Angenehm und gut. Das soll nun aber nicht so zu verstehen seyn, als befände sich in Vossens Musenalmanach nichts schönes, viele seiner Gedichte mit welchen er den diesjährigen Almanach so reichlich ausgestattet, sind sehr schön; - oder als fehlete es dem Schillerschen Almanach an Ernst: einige seiner und seiner Mitarbeiter Gedichte sind von

1796.

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