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1796.

Musen-Almanach für 1796. herausgegeben von Schiller. Neustrelit, bei Michaelis. 12. (Į rthlr. Sächs.) Schon der Name des Herausgebers muß das Publicum begierig auf diesen Almanach machen, und es wird sich in seiner Erwartung nicht getäuscht sehen, denn außer vielen Gedichten von Schiller selbst, findet man hier welche von Göthe, Haug, Kosegarten, Meyer, Pfeffel, und den Beschluß machen Epigramme, Venedig 1790. überschrieben, deren Verfasser man leicht errathen wird, wenn er sich gleich nicht nannte.

Gothaische gelehrte Zeitungen, Gotha, 1796, 13. februar.

Neustrelitz.

Musen-Almanach für das Jahr 1796. Berausgegeben von Schiller. 260 S. in 12 mo.

Der Vossische Almanach war schon seit verschiedenen Jahren das richtigere Thermometer, an welchem man den Grad der Kälte oder Wärme der neuern teutschen Poesie beobachten konnte. Hätte man die Temperatur derselben nach einem oder zwey andern Wärmemessern beurtheilen wollen, so würde man Ursache gehabt haben, unsere gegenwärtige Dichtung bald bey Reife, bald gar auf dem Eispuncte zu suchen. Exempla sunt odiosa. Zu dem Vossischen Almanache gesellet sich nun auch der Schillerische, dessen Apoll-Büste vor dem Titel, noch mehr aber dessen innerer Werth uns Bürge ist, daß der Genius der teutschen Dichtung nahe in unsern Gauen waltet. Zwar wandelt derselbe jezt nicht in jenem einfachen und kunstlosen Schmucke einher, wie damahle, als Haller's, Hagedorn's und Uz's Muße den schönen Morgen unsers Dichtergeschmacks geleitete, sondern er hat sich nach dem allgemeinen Geschmacke des Zeitalters etwas gekleidet, und da und dort schimmert eine orientalische Perle, blitzet ein köstlicher Diamant-Ring. Aber die Blume seiner männlichen Schönheit ist noch nicht verblüht, und ihr Duft hauchet noch liebliche Würze. Ohne Bild, stark, kraftvoll und edelkühn ist noch unsere Dichtkunst: aber jene einfache und edle Grazienform, die sie in dem

goldenen Zeitalter ihren Geschöpfen zu geben wußte, vermißt man 1796. denn doch. Dessen ungeachtet stehet die Wahrheit fest, daß die Poesie der Teutschen noch Werke schaffen könne, die des Nachruhmes würdig sind. Die Beweise liefert diese Gedichtesammlung, welche fast nicht Gemeines und Schlechtes enthält, und die sich auch durch ihren äußern Reiß empfiehlt.

Die größte Zierde dieser Sammlung sind unstreitig die 24 Beyträge des Herausgebers, welche beweisen, daß der erhabene Schöpfer des Don Carlos zur höheren Ode, zum zärtlichen Liede, zur scherzhaften Erzählung und zum griechischen Epigramm gleich starken Beruf habe. Seine Macht des Gesanges stehet voran, und pranget, wie ein edles Portal an einem griechischen Säulentempel. Uzische Stärke hat jenes ganze köstliche Stück, aber nicht Uzische Kunstlosigkeit und Simplicität. Sein Tanz, ganz im Geiste und Geschmacke der griechischen Anthologie gedichtet, verdienet besonders in Rücksicht der überraschenden Wendung einen hohen Rang unter unsern kleinern philosophischen Gedichten. Seinen Pegasus in der Dienstbarkeit möchten wir gern abschreiben; denn das Ganze ist eben so schön gedichtet, als erzählt. Nachdem das Flügelroß von einem barbarischen Pflüger an der Seite eines trägen Stiers fast todt gemartert war, kommt Apoll in halb gewandelter Gestalt, und bittet den Bauer auf einen Augenblick um das müde Roß.

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Der Hippogryph wird ausgespannt,

Und lächelnd schwingt sich ihm der Jüngling auf den Rücken.
Kaum fühlt das Thier des Meisters sichre Hand,

So knirscht es in des Zügels Band.

Und steigt, und Blize sprühn aus den beseelten Blicken.

Nicht mehr das vor'ge Wesen, königlich,

Ein Geist, ein Gott erhebt er sich,

Entrollt mit einem Mahl in majestätschen Wogen
Der Schwingen Pracht, schießt braußend himmelan,
Und eh der Blick ihm folgen kann,
Verschwindet es am fernen Aetherbogen.

Die Würde der Frauen, von ebend., stellet die zartere, sanftere Natur des Weibes und den höhern kühnern Muth des Mannes und dessen mehr tobende Leidenschaft vortrefflich neben

1796. einander. Schon durch das Sylbenmaß wußte der Dichter diese Verschiedenheit ungemein glücklich auszudrücken. Unter andern sind beyde Strophen vortrefflich:

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Wenn Hr. Schiller in dem Epilog von den in diesem Almanache gesammelten Gedichten saget:

Nicht länger wollen diese Lieder leben,

Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,
Mit schönern Fantasien es umgeben,

zu höheren Gefühlen es geweiht;

Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,
Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.

Des Augenblickes Lust hat sie geboren,

Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.

so mag dieß wohl von mehreren andern Stücken gelten, allein gewiß nicht von seinen Blumen, welche nie verwelken.

Das Ende dieses Almanachs zieret noch eine Nachsammlung von 103 Epigrammen, wohl in der Manier, aber doch nicht immer in dem Geiste der Anthologie gedichtet, und sämmtlich zu Venedig 1790 geschaffen. Dieß ist in der Aufschrift vermuthlich deßwegen bemerkt, weil viele Züge und Ideen darin auf

Venedig Bezug haben. Wir sehen einige zur Probe her, und 1796. überlassen den Lesern das Urtheil.

5.

Ruhig saß ich in meiner Gondel, und fuhr durch die Schiffe,
Die in dem großen Kanal viele befrachtete stehn;
Jede Waare findest Du da, für jedes Bedürfniß,

Weizen, Wein und Gemüs, Scheitholz und leichtes Gesträuch;
Schnell drang die Gondel vorbey, mich schlug ein verlorener
Lorbeer

Derb auf die Wangen, ich rief: Daphne verleßest Du mich? Lohn erwartet' ich eher! Die Nymphe lispelte lächelnd:

,,Dichter fünd'gen nicht schwer, leicht ist die Strafe, fahr hin."

46.

Dichten ist ein lustiges Handwerk, nur find ich es theuer;
Wie dieß Büchlein mir wächst, gehn die Zechinen mir fort.

48.

Geht zu meiner Linken, ihr Böcke! wird künftig der Richter

Sagen, und Schäfchen, seyd mir ruhig zur Rechten gestellt. Wohl! Doch eines ist noch von ihm zu hoffen, dann sagt er: Kommt, Vernünftige, mir grad gegenüber zu stehn.

54.

Tolle Zeiten hab' ich erlebt, und hab nicht ermangelt,
Selbst auch thöricht zu seyn, wie es die Zeit mir geboth.

73.

Wundern kann es mich nicht, daß Menschen die Hunde so lieben:
Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der

Hund.

97.

Ach, mein Mädchen verreist! sie steigt zu Schiffe! mein König!
Aeolus! mächtiger Fürst! halte die Stürme zurück!
Thörichter! ruft mir der Gott zu, befürchte nicht wüthende

Stürme, Fürchte das Lüftchen, wenn sanft Amor die Flügel bewegt.

1796. Wir haben absichtlich deßwegen einige von diesen Epigrammen hergesezt, weil die kleine Sammlung einen großen teutschen Gelehrten und Dichter zum Verfasser haben soll.

Würzburger gelehrte Anzeigen, 1796, 16. März.

Die neuesten Musenalmanache.

- Es freut mich, daß ich mich bis zum Schillerschen Musenalmanach durchgearbeitet habe, dessen Herausgabe für jeden Freund der Dichtkunst eine angenehme Erscheinung seyn muß. Sie werden hier viele Gedichte finden, die Sie entzücken und ihre ganze Seele ausfüllen werden. Sie dürfen nur einige von Schiller, wie den Spruch des Confucius S. 39, einige seiner Epigrammen, die kophtischen Lieder, oder einige andre Gesänge von Göthe aufschlagen: und werden schon um dieser willen, die Sammlung mit einer vorzüglichen Liebe betrachten.

Schiller's Würde der Frauen ist ohne Zweifel in seinen einzelnen Stellen außerordentlich schön, aber ich gestehe Ihnen, daß ich, mit aller Anstrengung keinen eigentlichen Plan darin habe finden können. Es sind Gedanken, die sich mehrentheils in recht gut gewählten Bildern gegenüber stehen, die aber nicht untereinander zusammenhängen, und sich noch weniger einander erläutern: mit einem Worte, ich vermisse hier einen lyrischen und poetischen Gang, und finde nur einen prosaischen vernünftigen Zusammenhang; eine Art von Streit oder Gespräch über die Würde der Weiber und Schwächen der Männer.

Eine sehr schöne, poetische und tiefsinnige Fiktion finden Sie S. 183: den Hain der Eumeniden von Conz.

Fast am meisten mögte ich Sie auf die mit D. unterzeichneten Gedichte aufmerksam machen. Alle haben eine originelle, ächtpoetische Sprache, kühne Wendungen und einen hochlyrischen Schwung. Ferner auf ein Gedicht, ohngefähr in demselben Tone, S. 124. Parthenope mit P. unterzeichnet.

Es würde Ihnen nur lästig fallen, wenn ich viel über diese vortreflichen Sachen sagen wollte. Um sie zu interpretiren,

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