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in ihrem Zusammenhange mit lobenswürdigen Eigenschaften ge- 1796. zeigt; Recht und Unrecht findet sich auf beiden Seiten, und eben dies erregt eine mehr zusammengeseßte Theilnahme, als moralische Erzählungen meistens einzuflößen im Stande sind. Die Aufdeckung manches feinen Selbstbetruges verräth einen geübten Beobachter der Menschen. Durch die ganz dialogische Behandlung wird die Umständlichkeit in treffenden, wenn auch kleinen, Zügen belebt, und anziehender gemacht. Wenn man diese Charakterzeichnung neben die Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten stellt, so kann man sich des Wunsches nicht enthalten, daß die Verfasser in ihrem wahren, leichten und vertrauten Ton der Darstellung, wozu aber mehr Geist erfodert wird, als mancher sich vielleicht einbildet, glückliche Nachfolger (nicht Nachahmer) finden, und unsre Lesewelt dadurch allmählich von dem Geschmack am Gothisch-Heroischen, Riesenhaften und Abentheuerlichen geheilt werden möchte. Man müßte ihr wenig Gutes zutrauen, um diese Hoffnung nicht zu hegen, da eben in diesem Zeitpunkte ein Roman von einer Meisterhand das natürlichste, freyeste Leben durch eine hie und da wunderbare, immer anlockend geknüpfte Verwickelung hinspielen läßt.

Allgemeine Literatur Zeitung, Jena und Leipzig, 1796,
4., 5. und 6. Januar.

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Musen-Almanach für das Jahr 1796. Herausgegeben von Schiller. Neustrelit, bey Michaelis. 260 S. Mit Musikalien und einer Büüte Apolls, gestochen von Bolt.

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Als es bekannt wurde, Schiller würde im Gebiethe der Musen auch eine poetische Blumenlese halten, freuten sich die Freunde der Dichtkunst, und erwarteten mit Begierde den Kranz zu sehen, den man zu winden versprach. Unser Erwarten ist nicht getäuscht worden. Jezt liegt er vor uns der schönfarbigte Blumenkranz, gewunden aus mannigfaltigen, angenehm duftenden Blumen. Das erste Gedicht ist von dem Herausgeber dieses Musen-Almanachs selbst, überschrieben: Die Macht des Gesanges. Es ist dieses Gedicht mit ungemein viel Herzlichkeit

1796. und Wahrheit gesungen. Wie schön ist nicht die letzte Stanze (S. 3.) dieses Gesanges!

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Die Härte des Reimes (Seite 2.) Herz und himmelwärts wird der Verfasser selbst fühlen. S. 4.

Das Kind in der Wiege.

Glücklicher Säugling! dir ist ein unendlicher Raum noch
die Wiege,
Werde Mann, und dir wird eng die unendliche Welt.
Schiller.

S. 5. ein herzliches Gedicht von Göthe. S. 7. Ein Blatt, aber keine Blume in dem Kranze. Indessen gehören auch Blätter in die Kränze, um den Werth der duftenden Blumen auffallender zu erhöhen. So dachte vielleicht der Herausgeber, als er dieses und noch einige andere Gedichte aufnahm. S. 13. Ein gar allerliebstes Gedicht: Der Besuch, von Göthe. Die Romanze (S. 17. ff.) gehört wohl auch mit unter die Blätter. Sie hat sehr prosaische Stellen; Reime, die etwas hart sind, wie z. B. wach, und nach; und Verse und Ausdrücke, wie S. 20.

Er nimmt das Schwert, und schlägt den Greisen,
Daß hoch sein Blut die Wand besprißt;
Er steht und bebt! Denn Geister kreisen

Im Saale rings, es rauscht, es blitt.

S. 22. Minnelied von Haug; und S. 25. Abendphantasie von 1756. Conz; liebliche Blumen! S. 28.

Zevs zum Herkules.

Nicht aus meinem Nektar hast du dir Gottheit getrunken.
Deine Götterkraft wars, die dir den Nektar errang.

Schiller.

S. 32. Von Ebendemselben ein gutes Gedicht: Der Tanz, welches viele vortreffliche Stellen und einen gefälligen Uebergang hat. Das Gedicht S. 40. von Göthe hat neue eigene Erfindung und einen eigenen Gang. S. 43. Sylfenlied. Was find Mettenfädlein? S. 46. Die Schmetterlinge; ein gutes Gedicht von Lappe. So auch die Gedichte S. 48. und 49. von Schiller und Woltmann. S. 53.

Deutschland und seine Fürsten.

Große Monarchen erzeugtest du, und bist ihrer würdig,
Den Gebiethenden macht nur der Gehorchende groß.
Aber versuch es, o Deutschland, und mach es deinen
Beherrschern
Schwerer, als Könige groß, leichter, nur Menschen
zu seyn.

Schiller.

S. 55. Frühling; ein Gedicht voll Wärme und Empfindung, von Sophie Mereau, welches mahlerisch schöne Stellen hat. S. 62. Eine allerliebste Fabel, von Schiller. Eben so die Erzählung (S. 70.), mit D. unterzeichnet. Ferner das Gedicht S. 79. von Schiller, und das S. 80. mit H. unterzeichnet. S. 84. Ein gefälliges Naturgemählde von Neuffer. S. 88. 89. Kophtische Lieder von Göthe. Ein niedliches Lied (S. 95.) von Woltmann. S. 105. Eine Erzählung von Pfeffel. S. 107. Ein sanftes, niedliches Gedicht von Sophie Mereau. Eben so (S. 119). das Gedicht von Kosegarten. Gefällig und schön ist das Gedicht S. 124., mit P. unterzeichnet. Eben so das Lied (S. 131.) von Meyer. S. 135. Die Ideale von Schiller. Braun, Schiller. II.

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1796. Ein gutes Gedicht. In dem Prologe (S. 143.) sagt Göthe von Weimar:

,,Begrüße diese Stadt,
Die alles Gute pflegt, die alles nüßt;
Wo sicher und vergnügt sich das Gewerbe
An Wissenschaft und Künste schließt, wo längst

Die stumpfe Dummheit der Geschmack vertrieb.
Wo alles Gute wirkt, wo das Theater.

In diesen Kreis des Guten mitgehört."

S. 149. Ein Gedicht voll Phantasie von Sophie Mereau.
S. 157.

Der beste Staat. ,,Woran erkenn' ich den besten Staat?" Frau kennst; daran mein Freund, daß

Woran du die beste man von beyden nicht spricht.

Die erste Hälfte dieser Zeile ist etwas unmetrisch gerathen.
Schwer ist es (S. 171.) zu reimen Dache und Schreib-
gemache. Schön ist der Schluß des Gedichtes Columbus von
Schiller (S. 179.)

Mit dem Genius steht die Natur in ewigen Bunde.
Was der eine verspricht, leistet die andre gewiß.

Seine Würde der Frauen (S. 186.) ist ein herrliches Gedicht. So auch S. 203. die Stanzen, das lezte größere Gedicht dieser Sammlung. Sie werden nicht bestechen; aber Wahrheit des Urtheils werden sie entlocken. Dieses ist gewiß von allen Freunden des Schönen; „Schiller hat eine schöne poetische Blumenlese gehalten, und wir danken ihm für seine Mühe. Er hat uns ein Büchlein geliefert, das ein angenehmer Gefährte auf dem Gange unsers Lebens für uns seyn wird. Wir wünschen, von ihm noch oft dergleichen poetische Blumensammlungen zu erhalten, und werden uns freuen, unsre Wünsche erfüllt zu sehen." G. 205-260. Epigrammen. Geschrieben in Venedig 1790. Alle von der Feder Eines Dichters. Wessen? sagt uns der

Herausgeber nicht. Aber woher sie auch kommen mögen, so 1796. kommen sie gewiß von einer Meisterhand, und gewähren eine vortreffliche Lektüre. Ganz ohne Wahl hier nur einige derselben. als Proben der ganzen kleinen Sammlung.

10.

Warum treibt sich das Volk und schreyt so? Es will sich ernähren,

Kinder zeugen, und die nähren, so gut es vermag.
Merke dir, Reisender, das, und thue zu Hause desgleichen.
Weiter bringt es kein Mensch, stell er sich, wie er auch will.

14. Diesen Ambos vergleich ich dem Lande, den Hammer dem Fürsten,

Und dem Volke das Blech, das in der Mitte sich krümmt. Weh dem armen Bleche, wenn nur willkührliche Schläge Ungewiß treffen, und nie fertig der Kessel erscheint.

17.

Noth lernt bethen, sagt man; wer beten will lernen, der gehe
Nach Italien: Noth findet der Fremde gewiß.

19.

Jeder Edle Venedigs kann Doge werden, das macht ihn
Gleich als Knabe so fein, eigen, bedächtig und stolz.
Darum sind Oblaten so zart im katholischen Wälschland;

Denn aus demselbigen Teig weihet der Priester den Gott.

Und nun genug! Wer wird nicht eilen, sie alle zu lesen, die
lieblichen Kinder der Phantasie eines deutschen Dichters, der ohne
Zweifel unter die besten Sänger unsers Vaterlandes gehört?
Heiße er auch, wie er wolle, und sey er uns schon bekannt oder
noch unbekannt. Wir machen jezt seine Bekanntschaft, der wir
uns herzlich freuen.
Fgb.
Oberdeutsche, allgemeine Litteraturzeitung, Salzburg, 1796,
3. februar.

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