Billeder på siden
PDF
ePub

schutzlos preisgegeben, von Tag zu Tag nur kümmerlich sich ernähren, oft auch wie die Wilden auf Raub und Mord ausgehen, um ihre elende Existenz zu fristen oder den rohesten Begierden und Leidenschaften auf Kosten Anderer Befriedigung zu verschaffen. – Und zwischen dieser untersten socialen Stufe und den höchsten Schichten jeder hoch entwickelten Gemeinschaft giebt es, gleichwie im Nacheinander der Geschichte und im Nebeneinander der jetzt lebenden Menschheit, eine ununterbrochene Stufenleiter von übereinander geschichteten ökonomischen Sphären, die im Grossen und Ganzen den Entwickelungsepochen der Zwischenzellensubstanz im Nacheinander und Nebeneinander entsprechen, Die biologische, individuelle oder embryologische Entwickelung der Zwischenzellensubstanz schliesst sich also als dritte Parallele der paläontologischen und systematischen an und somit muss das Gesetz des dreifachen Parallelismus auch in Betreff der Enwickelung der Interzellularsubstanz, sowohl der socialen, als auch derjenigen der Naturorganismen, als erwiesen anerkannt werde – Dass das Gesetz der Divergenz und der Anpassung gleich auf die Interzellularsubstanz Anwendung findet, haben wir reits hervorgehoben. Bis jetzt haben wir das Gesetz des dreifachen Parallelismus und der Divergenz getrennt, zuvörderst in Betreff des sociale, Nervensystems und alsdann in Betreff der Zwischenzellensubstan durchzuführen gesucht. Eine solche Trennung könnte jedoch nur als Erleichterungsmittel für den Beobachter, um den Kausalz, sammenhang der socialen Erscheinungen zusammenzufassen, ihr Rechtfertigung finden; in der Wirklichkeit befinden sich Ner vensystem und Zwischenzellensubstanz im socialen Organismus in beständiger Wechselwirkung. Das Nach-, Neben- und Ueber einander des socialen Nervensystems muss auch dem der Inter zellularsubstanz im Grossen und Ganzen entsprechen. Denn die Entwickelung der einzelnen Zelle und des Zellengewebes wird, wie bereits dargethan, von der Entwickelung der Zwischenzellensub stanz bedingt und umgekehrt wird letztere durch diejenige der Zellen und Zellengewebe bestimmt. Dass bei der gegenseitige Wechselwirkung zwischen den Zellen und Zellengeweben einer seits und der Zwischenzellensubstanz andererseits Schwankungen stattfinden; dass in einer socialen oder organischen Gemeinschaft die Zellen und Zellengewebe in ihrer Entwickelung der Interzellularsubstanz vorauseilen oder nachstehen, ist möglich aber im Grossen und Ganzen müssen diese Abweichungen mit der Zeit sich dennoch ausgleichen. Daher kann man mit Bestimmtheit behaupten, dass imTDurchschnitt eine geistig und ethisch höher entwickelte Gemeinschaft gewöhnlich auch eine reichere und dass umgekehrt die Entwickelung des Handels, der Industrie und des Gewerbes Hand in Hand mit der geistigen und ethischen Entwickelung einer Gesellschaft fortschreitet. – Und im Grossen und Ganzen gilt das auch von den Einzelorganismen in der Natur. Denn die mit höher organisirten Geweben versehenen Thiere besitzen im Durchschnitt auch die an Umfang und Mannigfaltigkeit reichste Zwischenzellensubstanz und umgekehrt ist eine solche nothwendig zur Erhaltung und Fortbildung der Zellen und Zellengewebe. – Durch diesen Parallelismus zwischen dem Nach-, Neben- und Uebereinander der Zellen und Zellengewebe einerseits und der Zwischenzellensubstanz andererseits wird der enge Zusammenhang und die unzertrennliche Wechselwirkung zwischen diesen beiden Erscheinungssphären: den Zellengeweben und der Zwischenzellensubstanz, die wir der Erleichterung wegen isolirt betrachtet haben, wieder hergestellt und das ganze organische Leben, sowohl in der Natur, als auch in der menschlichen Gesellschaft, zu einem auf gemeinschaftliche Gesetze gegründeten, in gegenseitigem Kausalzusammenhange stehenden harmonischen Ganzen eng verknüpft.

WII.

Die Uebereinstimmung des Nach-, Neben- und Uebereinander in Sitten, Gebräuchen. Rechtsverhältnissen etc.

Ausser dem Zellengewebe und der Zwischenzellensubstan muss sowohl im socialen, als auch im Einzelorganismus noch ein dritte Erscheinungssphäre in Betracht gezogen werden, nämli: die Thätigkeitsäusserungen der Zellen und Zellengewebe. Die Thätigkeitsäusserungen prägen sich immer in bestimmten Bwegungen, Handlungen, also in realen Formen aus. Sind sie in socialen Organismus auf die Aneignung und Anpassung der Natur kräfte zum Zweck der Befriedigung menschlicher Bedürfnis richtet, so äussern sie sich als Arbeitsleistungen und bedingt die Production von Werthgegenständen – die Bildung der Tor schenzellensubstanz. Bezwecken die Thätigkeitsäusserungen de Zellen und Zellengewebe dagegen eine unmittelbare Wechs wirkung oder gegenseitige Abgrenzung der Thätigkeit der eine nen Theile des Organismus, so treten sie in der ökonomische

Sphäre als Dienstleistungen, in der rechtlichen als Sitten, so Gebräuche, Rechtsverhältnisse, endlich in der politischen Sphär

als Staats- und Machtverhältnisse hervor. Und dasselbe go auch in jedem natürlichen Einzelorganismus vor sich, indem, wo wir schon im ersten Theile bewiesen haben, im Wesentlichen es vollständige Analogie eines Theils zwischen der ökonomische juridischen und politischen Seite der Entwickelung des social Organismus und anderen Theils zwischen der physiologisch morphologischen und taktologischen (einheitlichen) Seite natürlichen Einzelorganismen herrscht. Wenn nun einerseits

Zellengewebe und andererseits auch die Zwischenzellensubsta

den Gesetzen des dreifachen Parallelismus und der Diverge unterliegen, so müssen dieselben Gesetze auch für die Thätigkeit äusserungen der Zellen und Zellengewebe gelten. Und ind That erweist sich das Nach-, Neben- und Uebereinander Sitten, Gebräuche, Dienstleistungen, der Rechts- und Macht"

hältnisse als ebenso übereinstimmend und parallel, wie es schon für die Zellen und Zellengewebe und die Zwischenzellensuhstanz bewiesen worden ist.

Es ist ausserdem nachgewiesen worden, dass das Nach-, Neben- und Uebereinander nicht nur in den Zellengeweben und der Zwischenzellensubstanz, in jeder für sich genommen, übereinstimmen, sondern dass auch beide Sphären gegenseitig parallel laufen. Diesen zwei Sphären gegenüber erweist sich nun die der Thätigkeitsäusserungen als dritte Parallele, die mit den zwei ersten im Nach-, Neben- und Uebereinander übereinstimmt. – So einfach und harmonisch verbindet sich das Gesetz des dreifachen Parallelismus in jeder Sphäre an und für sich zu einem neuen dreifachen Parallelismus der Sphären unter einander – eine wunderbare einheitliche Einfachheit inmitten der grössten Mannigfaltigkeit der Erscheinungen. –

Folgende, den neuesten ethnographischen und anthropologischen Forschungen entnommene, Beispiele werden den Leser überzeugen, dass die unter den jetzigen wilden Völkerschaften herrschenden religiösen Gebräuche, Sitten, Rechtsverhältnisse etc. auf den entferntesten Punkten des Erdballs nicht nur mit einander sehr ähnlich sind, sondern auch denjenigen, welche uns die Menschheit in ihrer Urgeschichte darbietet, gleichen und sich sogar bis auf den heutigen Tag in den unteren Schichten selbst der am höchsten cultivirten Gesellschaften erhalten haben. Es versteht sich von selbst, dass wir zur Begründung unserer Anschauung hier nur einzelne Beispiele anführen können, indem wir sonst die ganze Geschichte und den gegenwärtigen Entwickelungsstand der Menschheit in den begrenzten Rahmen unseres Werkes aufnehmen müssten. – In der religiösen Sphäre könnte als Beispiel zur Begründung des dreifachen Parallelismus ein sowohl bereits in dem Gemüth des Urmenschen vorhanden gewesener, als auch in demjenigen der noch jetzt lebenden ungebildeten Volksklassen tiefeingewurzelter und unter allen wilden Völkerschaften des ganzen Erdballs verbreiteter Aberglaube dienen – nämlich die Hexerei. – Frischbier führt in seinem »Hexenspruch und Zauberbann« (Berlin 1870) die noch jetzt in der Provinz Preussen übrig gebliebenen Reste von Hexereien an und vergleicht dieselben mit dem Anana (in Hawaii), dem Makutu (in Neuseeland), dem Tatau (in Tongo), Tahutahu (in Tahiti) u. s. w., wogegen der Gegenzauber in dem Faatere geübt wird.*) In Wuttke's: »Der Deutsche Volksglaube der Gegenwart« ( Berlin 1869, Seite 148) heisst es: »In Tirol findet in der (Walpurgis-) Nacht ein allgemeines »Ausbrennen« der Hexen Statt; unter entsetzlichem Lärm mit Schellen, Glocken, Pfannen, Hunden u. dgl. m. werden Reissigbündel von Kien, Schlehdorn, Schierling, Rosmarin u. A. m. auf hohe Stangen gesteckt und angezündet, und mit diesen läuft man lärmend siebenmal um das Haus und das Dorf und treibt so die Hexen aus. Anderswo (fränkische Oberpfalz und Voigtland) wird in dieser Nacht ein Auspeitschen der Hexen vorgenommen; die Burschen versammeln sich nach Sonnenuntergang auf einer Anhöhe, besonders an Kreuzwegen, und peitschen bis Mitternacht kreuzweis im Tact; soweit das Knallen gehört wird, sind alle Hexen machtlos; oft bläst dabei im Dorfe der Hirt auf dem Horn, soweit man es hört kommt ein Jahr lang keine Hexe vor; vor den Häusern, in denen man Hexen vermuthet, wird besonders stark geknallt, die Hexen fühlen die Peitschenhiebe, daher werden starke Knoten in är Peitschen gemacht. Die Hexen werden auch angeblasen, indem man mit Schalmeien aus Weidenrinde vor den verdächtigen Häusern bläst (Franken).« – Die Zeitschrift für Ethnologie fügt zu dieser Citation hinzu: »Dies ist dasselbe Reinigungsfest, das bei den Siamesen Jing-Atana genannt wird, bei dem man die Dämone erst aus den einzelnen Häusern hinaustreibt und dann mit Böllerschüssen durch die Strassen jagt, bis an den Umkreis der äussersten Ringmauer, von der man ihnen noch einige Ladungen in den Wald nachschickt und dann die Stadt mit geweihten Schnüren umzieht. Aehnliches geschieht in Birma. – Die Fantih an der afrikanischen Goldküste treiben die Teufel einmal im Jahre durch gewaltigen Lärm aus ihren Häusern und zum Dorfe hinaus und dann werden die Schwellen der Wohnungen mit geweihtem Wasser gewaschen, so dass sie nicht zurückkehren können. Am Alt-Calabar geht man am schlauesten zu Werke. Man besteckt schon mehrere Tage vorher alle nach dem Meere führenden Strassen mit fetisch-artigen Popanzen in der sicheren Aussicht, dass die dummen Teufel unbedachtsangenug sein werden, in diesen Lockfallen zur Kurzweil ihren Aufenthalt zu nehmen. Hat man sie nun dort alle zusammen, so erhebt

) Zeitschrift für Ethnologie, 1871, III, 275.

« ForrigeFortsæt »