Billeder på siden
PDF
ePub

Greise tragen. Ausser diesen trug man zu Tahiti die Tiputa, ein Stück Zeug, und zwar nahm man dazu das feinste, in welches für den Kopf ein Loch geschnitten war und das vorn und hinten ziemlich lang über Brust und Rücken herabhing. Um die Taille, bis etwa zum Knie reichend, trug man den Parau, ein 12–15“ langes Stück Zeug, welches bei einer Breite von etwa 3“ zierlich und vielfach um den Leib gewunden wurde. Die Männer zogen es überdies noch hosenartig zwischen den Beinen hindurch. Oft zog man mehrere von diesen Kleidungsstücken übereinander, denn dies ist ein Zeichen von Reichthum und Vornehmheit.« Und wie hinsichtlich der Gebräuche in Betreff der Kleidung nicht nur bei wilden Völkern unter einander, sondern auch zwischen diesen und den Völkern der civilisirten Welt eine grosse Aehnlichkeit vorhanden ist, so lassen sich andererseits viele Gebräuche und Gewohnheiten der auf einer niedrigen Entwickelungsstufe stehenden Wilden auf die Eigenthümlichkeiten von Thieren zurückführen. Wenn der Wilde z. B. seinen Feind durch aufgerichtete Federn etc. erschrecken will, so hat er dieses Verfahren unzweifelhaft von den Thieren gelernt, welche in ähnlicher Weise die sich nähernde Gefahr abzuwenden suchen. Charles Darwin lässt sich hierüber in folgender Weise aus: *) »Kaum irgend eine Bewegung des Ausdrucks ist so allgemein wie das unwillkürliche Aufrichten der Haare, Federn und andern Hautanhänge; denn durch drei der grossen Wirbelthierclassen geht es gemeinsam durch. Diese Anhänge werden unter der Erregung des Zornes oder Schreckens emporgerichtet, ganz besonders wenn diese Gemüthserregungen mit einander verbunden sind oder schnell aufeinander folgen. Die Bewegung dient dazu, das Thier seinen Feinden oder Nebenbuhlern grösser und furchtbarer erscheinen zu lassen und wird allgemein von verschiedenen willkürlichen Bewegungen, die demselben Zwecke angepasst sind, sowie von dem Ausstossen wilder Laute begleitet. Mr. Bartlett, welcher über Thiere aller Arten eine so reiche Erfahrung besitzt, zweifelt nicht daran, dass dies der Fall ist: es ist aber eine davon ganz verschiedene Frage, ob die Fähigkeit des Aufrichtens ursprünglich zu diesem speciellen Zwecke erlangt wurde.«

*) Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren, 1872, S. 96.

Die Gebräuche bei Bestattung der Todten sind gleichfalls unter allen Himmelsstrichen und zu allen Zeiten einander sehr ähnlich gewesen. –

Sir John Lubbock*) führt an, dass nach Kapitain Meadows Taylor die indischen Dolmen mit den westeuropäischen bis ins Kleinste übereinstimmen. »Die Anzahl, die er untersuchte, sagt Lubbock,*) »war sehr bedeutend . . . »Bemerkenswerth ist es dabei, dass über 1100, gleich einigen in Europa, an der einen Seite ein Loch hatten, das wahrscheinlich offen gelassen war, um für den Todten Nahrung hineinthun zu können. Einen Dolmen aus dem Kaukasus, der ein ähnliches Loch hat, zeichne Montperieux. Auch in den Vereinigten Staaten sollen, wie School kraft sagt, die Rothhäute sehr oft in derselben Absicht eine derartige Oeffnung in dem Grabdeckel lassen.«

? - - - - - - Die Hochländer haben eine höfliche Redensart: Curri mi clach er du cuirn, d. h. »»Auch ich will zu Deinem Grab mal einen Stein hinzufügen.«« – Mr. R. Gray sagte mir, das diese Sitte nicht allein noch in den Hebriden existire, sondeo auch bei verschiedenen wilden und halb civilisirten Völker schaften.«

Eine ähnliche Sitte ist aber auch selbst bei kultivirten Wök kern noch vorherrschend, indem die bei Leichenbestattungen Anwesenden, gleich dem durch den kirchlichen Brauch dazu verpflichteten Geistlichen, in das Grab des Todten dreimal hinter einander Erde hineinwerfen.

»Die Beobachtung, die Schoolkraft bei den Indianern machte sagt Lubbock weiter, *) »lässt sich auf manche wilde Nationen anwenden. Er sagt nämlich: »»Alles, was die Todten an werth vollem Eigenthum, und hielt man dasselbe auch für noch so kostbar, besassen, senkte man mit dem Leichnam in die Gruft Den kostbaren Anzug, die Waffen, Schmucksachen und Werk zeuge wurden in das Grab gelegt, und zwar wählte man zu Stätte desselben eine besonders schöne Gegend, auf einem grünen bekränzten Hügel oder einer anmuthigen Anhöhe in einem ein: samen Thale.« «

*) Die vorgeschichtliche Zeit, S. 122. **) Ebendas, S. 122 und 123. ***) Ebendas, S. 123.

Die Wohnungen der den Pol umwohnenden Völker, die Winterhäuser der Eskimos und Grönländer und die Jurten der Sibirier erinnern nach Lubbock*) auffallend an die ältesten scandinavischen Tumuli oder Ganggräber. Dasselbe gelte auch von den Wohnungen und Schneehütten der Lappländer, daher die Ansicht des berühmten schwedischen Archäologen, Professors Nilsson, nämlich dass diese Ganggräber eine Copie, eine Nachahmung der Wohnhäuser seien, sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich habe.**)

»Nach Mr. Bateman, dessen Urtheil von grossem Werth ist, da er über die systematische Oeffnung von mehr als 400 Gräbern, die zum grössten Theil in seinem Beisein untersucht wurden, berichtet hat, stimmen fast alle brittischen Tumuli im Wesentlichen mit einander überein. Eine Ausnahme hiervon bilden nur einige wenige Gang- und Grabkammern in Berkshire, Gloucestershire, Wiltshire, Irland u. s. w., wie New Grange, die Höhle Wieland's des Schmiedes, Uleybury und andere ähnliche, sowie ferner die der viel späteren sächsischen Periode angehören. Die hauptsächlichsten Kennzeichen der gewöhnlichen Todtenhügel sind, dass sie ein kunstloses Steingewölbe, eine Kammer oder eine mehr oder weniger sorgfältig gebaute Steinkiste, die man auch wohl einen Kistvaen zu nennen pflegt, bedecken. Zuweilen enthalten sie aber statt dessen eine etwas in die Erde gegrabene und, wenn es erforderlich schien, mit Steinplatten ausgemauerte Gruft, in die der Leichnam entweder zu Asche verbrannt oder völlig unversehrt hineingesetzt worden war. «***)

In Bezug auf die Waffen und Geräthe der verschiedenen Völkerschaften sagt Lubbock: †)

»Die Betrachtung dieser und ähnlicher Thatsachen, die ich noch hätte erwähnen können, macht es mir wahrscheinlich, dass viele der einfachen Waffen, Werkzeuge u. s. w. von verschiedenen wilden Völkern selbstständig erfunden worden sind, obgleich es auch zweifelsohne vorgekommen ist, dass ein Stamm sie von dem andern entlehnte.«

*) Ebendas. S. 124. **) Ebendas. S. 126 und 127. ***) Ebendas, S. 128 und 129. †) Ebendas. II, 1874, S. 254 und 255.

Gedanken über die Socialwissenschaft der Zukunft. II. 10

»Die entgegengesetzte Ansicht ist von vielen Schriftstellern in Folge der unbestreitbaren Aehnlichkeit, die in sehr verschiedenen Theilen der Welt zwischen den Waffen der Wilden herrscht, ausgesprochen. Und doch bekunden die Waffen und Werkzeuge der Wilden, so paradox es klingen mag, trotz ihrer merkwürdigen Uebereinstimmung auch zugleich eine auffallende Verschiedenheit. Die nothwendigen Lebensbedürfnisse sind unfraglich auf der ganzen Welt einfach und gleichartig. Ebenso gleicht sich das Material, das dem Menschen gegeben ist, in hohem Grade. Das Holz, der Knochen und in gewisser Weise auch der Stein haben überall die nämlichen Eigenschaften.«

»So weichen die Sitten und Gebräuche der Wilden, während sie viele Gleichartigkeiten bekunden, die, nach meiner Ansicht in hohem Grade die Einheit des Menschengeschlechts beweisen doch wieder bedeutend von einander ab und liefern uns daher starke Belege von ihrem selbstständigen Entwickelungsgang Freilich sind eine Menge der Verschiedenheiten, welche einen Jeden, der den vorhergehenden Theil dieses Capitels las, also fallen sein müssen, eine offenbare directe Folge der äusseren Bdingungen, unter deren Einfluss sich die verschiedenen Racen befinden. Die Sitten und Gebräuche eines Eskimo und eines Hottentotten können unmöglich dieselben sein. Doch nehmen wir ein Moment, das vielen Völkern gemeinsam ist und das sich in mehrfacher Weise ausführen lässt. So leben z. B. die meisten Wilden zum Theil von Vogelfleisch; wie erlangen sie dasselbe Gewöhnlich durch Bogen und Pfeil; während aber die Australier die Vögel mit der Hand fangen oder mit einem einfachen Spee oder dem Boomerang erlegen, haben die Feuerländer sowo Schleudern wie Bogen, wohingegen die Eskimos einen complicirte Speer mit mehreren Spitzen oder eine Schleuderwaffe anwenden die aus einer Anzahl Walrosszähnen besteht, welche durch kurs Riemen mit einander verbunden sind und auf diese Weise eine Art Bolas bilden. Die von Kane besuchten nördlicheren Stämme hatten ein anderes Verfahren. Sie fingen eine grosse Menge Vöge – besonders kleine Alke – in kleinen Netzen, die den Landung“ netzen glichen und lange eiserne Stiele hatten. Und doch ver: stand gerade dieses Volk nichts vom Fischfang.«

»Der hölzerne Bohrer«, sagt Tylor*), »um durch Reibung Feuer zu erlangen, welcher bekanntlich im allgemeinen Gebrauch des Hauswesens bei vielen uncultivirten oder alten Volksstämmen war und noch bei den Hindus der Neuzeit als zu Zeiten geheiligtes Mittel gehalten wird, um das reine Opferfeuer zu entzünden, wird noch als Tradition in der Schweiz, gewissermaassen als Spielerei, vorgefunden, womit die Kinder zum Scherz so Feuer anzünden, wie es etwa die Eskimos beim Frost thun würden. « Wenn man somit den allmäligen Uebergang von den ökonomischen Verhältnissen, in welchen diese Völker lebten, bis zur Industrie der ökonomisch am höchsten entwickelten europäischen Staaten verfolgt, so findet man sowohl in der Geschichte der Industrie, als auch in der jetzt noch lebenden Menschheit eine ununterbrochene Kette von Uebergängen vom Niederen zum Höheren in der Entwickelung der Interzellularsubstanz. Das Gesetz des Parallelismus zwischen der paläontologischen und der systematischen oder specifischen Entwickelung hat also volle Gültigkeit auch in Betreff der Zwischenzellensubstanz, und zwar nicht allein im socialen Organismus, sondern auch durch Analogie in den Einzelorganismen. – Endlich schliesst ein jeder höher entwickelte sociale Organismus gleichzeitig auch übereinander alle Entwickelungsstufen der Interzellularsubstanz in sich, wie sie in der Geschichte nacheinander gefolgt sind und wie sie die jetzt lebende Menschheit noch im Nebeneinander bietet. – Der Irländer arbeitet noch mit dem Spaten und denkt als Ackerbauer oft, gleich dem Wilden, nicht an den morgenden Tag, obgleich sein Nachbar, der Grossgrundbesitzer, schon Dampfpflug und Säemaschine in Anwendung bringt. Auf den Landmärkten in sehr vielen Gegenden Europas hat sich noch der Tauschhandel, besonders von Pferden und anderem Vieh, erhalten, obgleich Werthzeichen aller Art im Ueberfluss vorhanden sind. Der Lastträger ist in England, trotz der allgemeinen Verbreitung von vervollkommneten Verkehrsmitteln und Maschinen, noch zahlreich vertreten. In den grossen Städten, diesen Centralbrennpunkten der Cultur, lebt neben einer bis ins Fabelhafte gehenden Anhäufung von Reichthümern und Kapitalien, inmitten einer bis ins UeberschwängIiche gehenden Verfeinerung in der Befriedigung aller Bedürfnisse, eine grosse Zahl von Menschen, die, gleich umherirrenden Wil

*) Die Urgeschichte der Menschheit, I, S. 10.

den, obdachlos, halbnackend, der Einwirkung aller Elemente

« ForrigeFortsæt »