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erwiesen angenommen werden kann, dass es allgemeine natürliche, jeder Race gemeinsame Instinkte gebe, wonach die Menschheit in gewissen Klimaten und in einem gewissen Stadium der Kultur dieselben Dinge in derselben Weise ausführt, ohne vorhergegangene Berührung mit oder ohne Unterweisung von jenen, welche zuerst so gethan haben. Als Beweis hierfür führt Westropp die identischen Formen der Feuerstein- und Steingeräthe auf der ganzen Welt, dann die Ornamentik, das Zickzack etc. an. Ein weiterer Beleg seien die Grabmonumente: »Die einfachste, rudimentärste Form, der Tumulus, ist über die weite Erde zerstreut. Beinahe eben soweit seien die megalithischen Bauten verbreitet; sie finden sich auf den englischen Inseln, in der Bretagne, sehr häufig in Schweden und Dänemark, zu Saturnia in Etrurien, in Spanien, auf Sardinien und den Balearischen Inseln; in verschiedenen Theilen Indiens, besonders in den centralen Gebieten der Neermul Jungle an der Küste von Malabar, beim Khasiavolke in dem Fürstenthume Sorapur, dann bei Vellore in der Präsidentschaft Madras endlich bei Chittore in Nord-Arcot. Auch in Afrika treffen wir diese merkwürdigen Bauten, zwischen Algier und Siddi-Feunuch an den Quellen des Bumarmuk bei Constantine und in Tunesien bei Siddi-Busi im Nordosten von Hydrah, Velled-Agar und Lhuys Weitere Fundstätten sind noch der Kaukasus und die Steppen der Tartarei, die Ufer des Jordan und Palästina, überhaupt Arabien (bei Kasimm), endlich unter den Südseeinseln auf Penrhyn Island und schliesslich in Peru. Dass alle diese Bauten Grab monumente gewesen, geht aus den Knochen und anderen Sepul chralgegenständen hervor, die unter ihnen gefunden wurden.") Dieselbe Uebereinstimmung nach anderen Richtungen hin ist von Darwin hervorgehoben worden: »Es sind«, sagt dieser berühmte Naturforscher, »gute Beweise dafür vorhanden, dass die Kunst, mit Bogen und Pfeilen zu schiessen, nicht von einem gemeinsamen Urerzeuger des Menschen geschlechts überliefert worden ist; und doch sind die steinernen Pfeilspitzen, welche aus den entlegensten Theilen der Erde zusammengebracht sind und in den entferntesten Zeiten verfertig wurden, wie Nilsson gezeigt hat, fast identisch; und diese That sache kann nur dadurch erklärt werden, dass die verschiedenen Racen ähnliche Fähigkeiten der Erfindung oder geistige Kräfte überhaupt gehabt haben. Dieselbe Bemerkung ist von Archäologen in Bezug auf gewisse weitverbreitete Ornamente, so z. B. Zickzacks u. s. w. gemacht worden, ebenso auf verschiedene einfache Zeichen des Glaubens und Gebräuche, wie das Begraben der Todten unter megalithischen Bauten. Ich erinnere mich, in Südamerika beobachtet zu haben, dass dort wie in so vielen anderen Theilen der Erde, der Mensch allgemein die Gipfel hoher Berge gewählt hat, um auf ihnen Massen von Steinen aufzuhäufen, entweder zum Zweck, irgend ein merkwürdiges Ereigniss zu bezeichnen, oder seine Todten zu begraben.»*) Dasselbe gilt für das Einhauen von Schriften und Zeichen auf den Felsen in Scandinavien, in Indien, Persien, Amerika. Auch in Betreff der Baulichkeiten findet man eine überraschende Uebereinstimmung unter den verschiedenen Völkerschaften und in verschiedenen Epochen der Geschichte. »In Yauri am Niger, das viele zweistockige, oben kegelförmige Häuser besitzt, soll die Bauart ganz der ostindischen gleichen (Lander II, 41 ff.); die Banakas im Congolande bauen ihre Hütten zum Theil auf Gerüste und ersteigen diese mit einer Leiter, die Nachts weggezogen wird, ganz so wie viele Malaienvölker (Wilson 288); die Neger von Fertit, welche trotz der vielen Sclavenjagden, denen sie ausgesetzt sind, ihr Vaterland mit keinem andern vertauschen mögen, bauen ihre Speicher und Hütten, um sie zu verstecken oft auf Bäume (Mohammed el T. a. 493), wie von den Indianern im Delta des Orinoco erzählt wird.«*) Pyramiden findet man nicht allein in Aegypten, auch die Inca-Peruaner haben Pyramidenbauten hinterlassen, so wie auch die Mexicaner.**) Pfahlbauten hat man schon jetzt nicht nur an den entferntesten Orten der Welt gefunden, sondern es hat sich erwiesen, dass es noch jetzt Völkerschaften in Polynesien, Afrika und Amerika giebt, die dergleichen Bauten gebrauchen. – »Ueberall in Europa, ja man darf wohl sagen auf unserem ganzen Erdkreise«, sagt Lubbock,†) »finden sich da, wo Pflug und Hammer sie nicht zerstörten, Reliquien vorgeschichtlicher Zeiten: Feldlager, Burgen, Wälle, Grabhügel, Menhirs oder Steinsetzungen, Cromlechs oder Steinkreise und Dolmen oder Steinkammern. Manche derselben setzen uns durch ihren mächtigem Umfang in Erstaunen; alle aber erregen unser Interesse. Stammen sie doch aus uralten Zeiten und sind von einem geheimnissvollen Dunkel umgeben!« »Die kleineren Grabhügel kann man in England auf fast jeder Ebene sehen. Die heute noch auf den Orkneysinseln stehenden berechnet man allein auf mehr denn zweitausend, und in Dänemark ist ihre Zahl noch bedeutender. Sie finden sich in ganz Europa, von den Küsten des atlantischen Meeres an bis zum Uralgebirge. In Asien verbreiten sie sich über die weiten Steppen von der russischen Grenze an bis zum stillen Ocean, von den Ebenen Sibiriens bis zu denen von Indien. »»Die ganze Ebene von Jelalabad««, sagt Masson, »»ist buchstäblich mit Grabhügeln und Tumuli bedeckt.«« »In Amerika soll man sie nach Tausenden und Zehntauseden zählen; auch in Afrika fehlen sie nicht. Tragen doch die Pyramiden selbst den grossartigsten Stempel derselben Idee. Ja die ganze Erde ist mit den Ruhestätten der Todten besäet; wohl sind viele derselben klein, einige indessen sind sehr gross. Silbury Hill, der höchste Tumulus in Grossbritannien, ist hundertundsiebenzig Fuss hoch. Jedoch ist es, obgleich er augenscheinlich von Menschenhänden erbaut ist, einigermaassen zweifelhaft, ob er auch wirklich zu Beerdigungszwecken verwandt wurde.« »Die Steinsetzungen oder »»Menhirs« - wurden wahrscheinlich meistens zur Erinnerung an ein besonderes Ereigniss errichtet. Die Mehrzahl derselben sind im eigentlichsten Sinne des Wortes die Grabsteine entschwundener Zeiten.« »Diese Steinkreise*) beschränken sich übrigens durchaus nicht allein auf Europa. Einige Meilen nördlich von Tyrus sah Stanley einen Kreis von unbehauenen aufrecht stehenden Steinen, und ein Jesuiten-Missionär, Namens Kohen, hat kürzlich in Arabien, im District von Kasim, in der Nähe von Khabb, drei grosse Steinkreise entdeckt, die der Beschreibung nach eine auffallende Aehnlichkeit mit Stonehenge haben müssen und aus sehr hohen Trilithen bestehen.« »Auch in der Bibel*) werden Steinsetzungen und Grabhügel erwähnt. 1. Buch Mose 20, Vers 19 heisst es: »»Und Jacob nahm den Stein und richtete ihn auf zu einem Maal««; und Capitel 31, Vers 51 und 52: »»Und Laban sprach weiter zu Jacob: Siehe, das ist der Haufe und das ist das Maal, das ich aufgerichtet habe zwischen mir und Dir. – Derselbe Haufe sei Zeuge, und das Maal sei auch Zeuge, wo ich herüberfahre zu Dir, oder Du herüberfährst zu mir über diesen Haufen und Maal, mich zu beschädigen.« « »Am Berge Sinai errichtete Moses 12 Säulen (2. B. Mose 24, Vers 4). Und als dann später die Kinder Israel den Jordan überschritten hatten, wird erzählt (Josua 4, Vers 20–22): »»Und die zwölf Steine, die sie aus dem Jordan genommen hatten, richtete Josua auf zu Gilgal und sprach zu den Kindern Israel: »»Wenn Eure Kinder hernachmals ihre Väter fragen werden und sagen: Was sollen diese Steine? So sollt ihr es ihnen kund thun und sagen: Israel ging trocken durch den Jordan.«« Von Achan aber und seiner Familie steht geschrieben: »»Und da sie ihn gesteinigt hatten, machten sie über sie einen grossen Steinhaufen, der bleibet bis auf diesen Tag. Also kehrte sich der Herr von dem Grimme seines Zornes.«« Dass auch die Art und Weise, sich Nahrung zu verschaffen, auf gleichen Stufen der ökonomischen Entwickelung und bei ähnlichen Verhältnissen zu allen Zeiten und auf allen Punkten des Erdbodens ohngefähr dieselbe gewesen ist, beweist der Umstand, dass man z. B. die sogenannten Küchenabfälle auf verschiedenen Punkten nicht nur der alten, sondern auch der neuen Welt gefunden hat. So liest man über die Küchenabfälle auf den Andaman-Islands in der Zeitschrift für Ethnologie: »Dr. Stolicza fand im Norden der Chatam-Insel einen 12“ hohen und 60“ im Durchmesser haltenden Hügel, mit grossen Bäumen bestanden, der ganz ähnlich den dänischen Kjökkenmöddinger zusammengesetzt war. Muscheln, zahlreiche Knochen des Andaman-Schweines, Steine und roh an der Sonne gebackene Topfscherben mit rohen eingekratzten Mustern bildeten die Zusammensetzung. Die Markknochen der Schweine waren in bekannter Weise aufgeschlagen. Auch Steinwerkzeuge, Hammer, einige polirte Celts und eine typische Pfeilspitze wurden gefunden.« *)

*) Fried. von Hellwald im Archiv für Anthropologie, Bd. IV, erstes und zweites Vierteljahrsheft, S. 158; gleichfalls Peschel's Völkerkunde S. 158–217 über Nahrungsmittel, Bekleidung, Obdach, Bewaffnung etc.

*) Die Abstammung des Menschen von Ch. Darwin, I, 205. *) Waitz, II, 91.

*) Waitz, 1V, 433.
†) Die vorgeschichtliche Zeit, I S. 102–105.

*) Ebendas., S. 106.

*) Ebendas., S. 108.

Herr Wallis, der langjährige Reisen in Südamerika unternommen hat, bezeugt, dass unter den abgelegenen Indianer-Stämmen noch jetzt das Steinzeitalter fortdauere.**)

Auch in Betreff der Kleidung findet man auffallend ähnliche Gebräuche bei verschiedenen durch Raum und Zeit getrennten Völkern.

So sagt Waitz:***)

»Eine eigenthümliche Sitte der Karolinen, an welcher weder die Marianen noch die Marschall- und Gilbertinseln Theil haben, besteht darin, dass die Weiber stets und die Männer wenigstens zum höchsten Putze, also bei Festen, zum Kampf u. s. w. sich mit dem gelbfärbenden Pulver der Wurzel von Curcuma long einrieben, welche namentlich auf Eap gut gedieh, weshalb sie dort vielfach gebaut und auf die Nachbarinseln ausgeführt wird Auf Ponapi reiben sich die Weiber so fortwährend mit diesem Pulver ein, dass sie dadurch heller als die Männer erscheine. Gelb ist noch vor Roth die Lieblingsfarbe der Mikronesier: gelbe Kleider trug man vorzüglich gern, gelbe Kränze waren die beliebtesten, die Leichen wurden zur Bestattung mit dem Pulver der Gilbwurzel gefärbt. Merkwürdig ist es, dass auch auf Java goldgelb die Lieblingsfarbe der Weiber und Mädchen ist und Maas (Gold) dort als Schmeichelwort gilt.«

Ganz dieselbe Erscheinung ist auch jetzt wahrzunehmen bei den Damen des Demi-monde, welche, gleich den Karolinen, durch Anwendung von Pulvern und Salben ihrem Haar eine gelbe Farbe geben.

Die Kleidung der Polynesier entspricht auffallend derjenige der civilisirten Völker. Waitz führt an: †) »Bis zur Geschlechtsreife ging die Jugend überall nackt. Erwachsene Männer thaten dies nur auf einzelnen Inseln Paumotus, nach Mörenhout auch auf Mangareva, auf anderen Inseln selten und dann meist nur bei schweren Arbeiten oder arger Hitze; doch trug man auch in diesen Fällen nebst einem schmalen Gurt, den auf Mangareva nur die

*) III, 1871, 23. **) Zeitschrift für Ethnologie, I, 90. ***) Anthropologie der Naturvölker, V, 2. S. 64. †) Ebendas. VI, S. 42.

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