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Stände, der Korporationen, verschiedene Institutionen, endlich die Volks- und Staatseinheit entspringt. Eben so existirt die ökonomische, rechtliche und politische Freiheit in der Wirklichkeit nur als Summe bestimmter in dieser oder jener Gesellschaft zum Vorschein kommender und ihre Ent wickelung bedingender Thätigkeiten und Bewegungen. Wir wiederholen es: Eigenthum, Recht, Macht und Freiheit als Ausdrücke für die Summe von Beziehungen und Thätigkeiten aus denen dieser oder jener gesellschaftliche Organismus sich zusammensetzt, bezeichnen eben solche Realitäten, wie die physiologische, morphologische und individuelle Seite eines jeden Naturorganismus es sind. Ja, man könnte sogar mit vollem Recht die ganze Terminologie der Biologie auf die Gesellschaft übertragen, ohne dadurch weder den Sinn alles dessen, was sich auf die sociale Wissenschaft bezieht, noch die Bedeutung der socialen Gesetze zu ändern. Zu allen Zeiten, in der Sprache aller Völker ist schon bei zahlreichen socialen und physikalischen Erschenungen von einer solchen allgemeinen Terminologie Gebrauch gemacht worden. Dahin gehören die Ausdrücke: Bewegung, Wechselwirkung, Arbeit, Ersparniss, Kapitalisation, Production Consumtion, Entwickelung, Fortschritt, Leben und viele andere Doch fast alle diese Ausdrücke wurden bei ihrer Anwendung auf die Gesellschaft bis jetzt nur im figürlichen, allegorischen Sinne genommen, während alle diese Ausdrücke, auf die Geselschaft angewandt, eben solche Realitäten bezeichnen, als in Betreff der Organismen der Natur. Das reale Verständnis solcher identischer Benennungen müsste als erste Grundlage zur Erforschung und Aufdeckung der der Natur und der Gesellschaft gemeinsamen Gesetze dienen. –

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Die innere Entwickelung des Menschen, wie eines jeden Organismus, kann in einzelne Thätigkeitsäusserungen, Bewegungen, Schwingungen, rhythmische Vibrationen zerlegt werden. Dasselbe lässt sich auch von jeder äusseren Thätigkeit des Menschen, von jeder Kundgebung seiner physischen und geistigen Kräfte nach aussen behaupten. Aber da das sociale Leben jeder Gesellschaft speciell in der äusseren Kundgebung der Kräfte der dieselbe constituirenden Individuen besteht, so folgt daraus, dass die Entwickelung eines jeden gesellschaftlichen Organismus sich aus bestimmten von den einzelnen Individuen ausgehenden Bewegungen, Thätigkeitsäusserungen, Schwingungen und rhythwüschen Vibrationen zusammensetzt, die eben so real sind, wie die Bewegungen, Thätigkeitsäusserungen und Vibrationen der den Bestand eines Organismus bildenden Zellen, wie die Bewegungen eines jeden Körpers überhaupt in der Natur. Unter dem Begriff der Freiheit ist folglich eine bestimmte Summe von Bewegungen, Thätigkeitsäusserungen, Schwingungen und rhythmischen Vibrationen zu verstehen, die in einer bestimmten Sphäre, innerhalb bestimmter Grenzen dieser oder jener Gesellschaft vor sich gehen.

Aber die Freiheit kann noch eine andere Bedeutung haben. Sie kann die Grenzen ausdrücken, innerhalb derer bestimmte individuelle oder collective Handlungen und Bewegungen sich kund geben oder kund geben können. In diesem Fall kann das Wort Freiheit auch nur eine reale Grösse ausdrücken, da überhaupt die Grenzen realer Bewegungen, Handlungen, Vibrationen nur als reale Grössen aufzufassen sind.

Endlich wird unter dem Worte Freiheit das Nichtvorhandensein überhaupt jeder Beschränkung der Thätigkeit und Bewegung verstanden. Doch eine derartige Freiheit existirt nicht und ihre Existenz ist sogar undenkbar. Wie es in der Natur keine Bewegung oder Thätigkeit giebt, die nicht durch andere Bewegungen und Einflüsse beschränkt wird, so kann es auch in der menschichen Gesellschaft keine unbeschränkte Freiheit geben. *

In der unorganischen Natur werden die Thätigkeitsäusserungen der Kräfte mechanisch, chemisch u. s. w. beschränkt in der organischen Natur – physiologisch, morphologisch, indi viduell; in der menschlichen Gesellschaft – ökonomisch, juridisch und politisch. In der Gesellschaft kann es eben so wenig ein unbedingte Freiheit, wie in der Natur eine unbegrenzte Be wegung geben; in der Gesellschaft, wie in der Natur kommt nur eine gegenseitige Begrenzung der Thätigkeiten und Be wegungen vor, ist nur eine relative Freiheit, eine relative Be wegung möglich. Vollziehen sich Bewegungen in der ökonomischen Sphäre der Gesellschaft, so erscheint die Freiheit in der Form bestimmte auf Production, Repartition und Consumtion der Güter und Dienstleistungen gerichteter Handlungen, d. i. als Arbeit in allen ihren Formen, als landwirthschaftliche, industrielle, kaufmännische, gelehrte, künstlerische, staatsmännische etc. Arbeit – Freiheit der Arbeit, Freiheit der Industrie, Freiheit des Handels etc. bezeichnen mithin nicht die unbedingte Möglichkeit, für ein jedes Mitglied der Gesellschaft absolut frei in der ökonomischen Sphäre der Gesellschaft thätig zu sein, sor dern nur bestimmte und in Zeit und Raum begrenzte Thätig keitsäusserungen zu offenbaren. – Eigenthum ist Aufhäufung, Concentration menschlicher Arbeit und daher eine eben solche Realität, wie jede Concer tration von Naturkräften. Folgende Betrachtungen dürften solches klar machen. Die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse hängt von der physikalischen Beschaffenheit des Klimas, vom Boden, von den verschiedenen Erzeugnissen der Erde ab. – Die ganze ph“ sische Entwickelung des Menschen wird durch alle diese Factor" der ihn umgebenden Natur bedingt. Von diesem Gesichtspunkte aus muss der Mensch in seiner Stellung zu der ihn umgebend" Natur eben so betrachtet werden, wie eine Pflanze, ein Thio wie jeder unorganische Körper, und folglich hängt auch die physiologische Thätigkeit des Menschen, als Individuum, wo ständig von denselben wesentlichen Bedingungen der ihn " gebenden Natur ab, wie die Ernährung einer jeden Pla" eines jeden Thieres. - Aber zu den wesentlichen, von der physischen Umgebo abhängenden Grenzen der physiologischen Thätigkeit komme für den Menschen in der Gesellschaft noch die socialen Grenzen in der Form von aufgehäufter und concentrirter Arbeit, in der Form des Eigenthums hinzu. Dieses Plus bildet jedoch kein wesentlich neues Element. Das Eigenthum repräsentirt nur eine Fortsetzung der

Ab- und Begrenzung der Naturkräfte in der socialen Sphäre.

Diese Ab- und Begrenzung hinsichtlich des Eigenthums beruht in der Gesellshaft auf völlig gleichen Bedingungen, wie in der Natur. Durch das Eigenthum werden die Grenzen der ökonomischen Thätigkeit eines jeden Individuums, einer jeden Gesammtheit, eines jeden Organs bestimmt; durch das Eigenthum wird innerhalb bestimmter Grenzen die Thätigkeit einzelner sowohl Privater als juridischer Personen zum Vortheil anderer beschränkt, wie auch in jedem Organismus der Natur die physiologische Thätigkeit jeder einzelnen Zelle durch die bestimmte Menge und Beschaffenheit der Nahrung bestimmt wird, die auschliesslich diese oder jene Zelle, dieses oder jenes Organ sich aneignet und in sich aufnimmt. Die Lehre der Communisten wird am allerbesten nicht durch osche, sondern naturhistorische Argumente widerlegt. Wenn * Eigentum die Grenzen der Bewegungen und Thätigkeits*rungen individueller und collectiver Wirksamkeit in der ökonomischen Sphäre der Gesellschaft repräsentirt, wenn das *gothum die ökonomische Freiheit beschränkt und abgrenzt, so Wet daraus, dass Vernichtung des Eigenthums gleichbedeutend * Einführung unbegrenzter und zielloser Freiheit, mit unbe*rkter Bewegung und Thätigkeit, d. i. naturwissenschaftlich ohtet, mit einer unmöglichen und undenkbaren Erscheinung. "Vernichtung des Eigenthums ist die ökonomische Thätigkeit r Gesellschaft ausser Stande, irgend wo und wie festen Halt zu gewinnen, es wird selbst die Production von Gütern unmöglich, m schon zum blossen Act der Erlangung und Erarbeitung von Ätzgegenständen ist ein, wenn auch nur momentaner Besitz erselben erforderlich, eine wenn auch nur augenblickliche Kundgebung des Princips des Eigenthums. – Ohne Eigenthum ist keinerlei Art productiver Thätigkeit in der Gesellschaft, ist keine konomische Entwicklung möglich. Zum wissenschaftlichen Begriff ökonomischer Thätigkeit,

onomischer Freiheit gehören, wie es sich von selbst versteht,

Brökonomisch zweckmässige, gleichviel ob persönliche oder collecsie, Handlungen. Ja selbst wenn positive ökonomische Zwecke

nicht erreicht werden, so bildet doch die Thätigkeit des Menschen in der Gesellschaft, sobald sie nur in der ökonomischen Sphäre sich vollzieht, schon einen der Erörterung fähigen Gegenstand der Wissenschaft. So gehören alle Thätigkeitsäusserungen des Landmannes, des Fabrikanten, des Arbeiters, des Kaufmanns wenn sie auf die Production von Gütern oder Dienstleistungen gerichtet sind, zum Bestand der Formel, durch welche die ökonomische Freiheit einer gegebenen Gesellschaftsgruppe ausgedrückt wird, selbst wenn, anstatt Erzielung höheren Werthes, sich Ermiedrigung aller oder eines Theils der Werthe herausstellte. Ein in ökonomischer Hinsicht zweckloses Umherwandern derselben Personen aber von einem Orte zum anderen, oder ökonomisch gegenstandlose Unterhaltungen, Zerstreuungen und dergl. m. können eben so wenig einen Gegenstand ökonomischer Freiheit abgeben, wie zwecklose Bewegungen in der Natur keine biologische Thätigkeitsäusserungen von Organismen sind. Mit der Vernichtung des Eigenthums können daher wohl noch in der Gesellschaft Thätigkeitsäusserungen und Bewegungen vorkommen, aber nur ökonomisch zwecklose, die für die ökonomische Entwicklung der Gesellschaft keine Bedeutung haben, eben so wie in der organischen Natur bei völliger Entziehung der Nahrung zwar noch Bewegungen, aber nur physiologisch zwecklose stattfinden können, die physiologisch betrachtet keinerlei Bedeutung haben. Eigenthum und Nahrung haben reale Bedeutung nicht nur als für die Sinne wahrnehmbare Ausdrücke der ökonomischen und physiologischen Thätigkeit der Gesellschaft und des Organismen Eigenthum kann auch, wie jede Concentration von Kräften in der Natur, eine latente, potentielle Bedeutung haben. Eigenthum das sich in den Händen einer oder der anderen Persönlichkeit concentrirt, die Nahrung, die eine oder die andere Zelle sich aneignet, erhöht und stärkt die individuelle ökonomische und physiologische Thätigkeit, erweitert ihren Einfluss, ihre Grenze und bestimmt dadurch wieder in höherem oder geringerem Grad die Grenzen oder die Möglichkeit der Thätigkeit anderer Indivi duen, anderer Zellen. Diese Grenzen, selbst wenn sie nur durch eine bestimmte Tendenz der Individuen und Zellen bedingt werden sind eben so real, wie jede Tendenz überhaupt, wie jede Kraft die noch nicht aus dem potentiellen Zustande, in dem sie in de Natur vorhanden, herausgetreten ist. Die Realität eines poten tiellen Zustandes der Naturkräfte unterliegt schon desshalb keinen

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