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Vorwort.

Dass Induction und Deduction sich gegenseitig zu ergänzen haben, liegt in dem Sachverhalt gegeben. Mit der Deduction mussten alle Denkoperationen beginnen, die Induction kam mit dem in den Naturwissenschaften angesammelten Vergleichungsmaterial zur Geltung, und dann auf dem fortschreitenden Siegeszuge derselben schliesslich auch die Psychologie in Frage, ob für sie etwa gleichfalls das in der Ethnologie angesammelte Material eine inductive Behandlung ermöglichen möchte? Weil in verwandten Kreisen zuerst von der Prähistorie verwandt, könnte diese Methode insofern als prähistorische bezeichnet werden, und es mag nun versucht werden, mit prähistorischer Methode auf classischem Boden zu bauen, d. h. neben dem auf demselben bereits stolz prangenden, und mit den Früchten tiefernster Gelebrsamkeit gestalteten Gebäude der Deduction ein zweites der Induction zu errichten, bescheiden und unscheinbar, aber dennoch vielleicht hier und da gesicherte Stützen in dem Fundamente jenes, die höchsten Geistesschöpfungen anstrebenden, Wissenstempel hinzufügend. Der Bau selbst muss beide Male ein getrennter bleiben, weil von entgegengesetzten Prinzipien ausgebend, die in jedem Falle dem gegebenen Risse zu folgen haben, und deshalb nicht ineinander gewirrt werden dürften. Nach der Vollendung dagegen wird nicht etwa das Eine durch das Andere zu ersetzen, wird keins überflüssig sein, sondern sich aus gegenseitiger Vergleichung beider vielmehr das dritte des Abschlusses ergeben.

Als Beispiel möge z. B. das griechische Priesterthum dienen, das trotz so man nigfach umfassender und gründlicher Arbeiten darüber, noch immer im schwankenden Spiel der Ansichten durch die Literatur dabintreibt, wo aber, wie Martha bemerkt, noch eine Methode übrigbleibt, qui consisterait à examiner séparément chaque culte locale“.

Die kleinen Differenzen, welche bier hervortreten, erscheinen nebensächlich, wenn man in einem allgemeinen Bilde des Ganzen bereits das Wesentliche erfasst zu haben meint, sie bilden aber gewissermassen die Hauptsache, wenn es sich um den Ansatzpunkte für inductive Forschung bandelt, die gerade aus minutiöser Verschärfung localer Variationen ihre aufklärendsten Folgerungen, auf verschiedene ihrer naturwissenschaftlichen Gebiete bereits gezogen, und so auch der Geschichtsforschung solche Hülfe anzubieten vermag. Es käme also zunächst darauf an, in erschöpfenden Serien alle die Götterlaunen 1) aufzuzählen, in Verschiedenheit der Opferthiere (nach Farbe, Art, Geschlecht u. s. w.), der Priester, ob Männer oder Frauen, ob verheirathet oder ehelos, und je nach den Altersstufen (Knabe, Jüngling, Greis), ob erblich oder erlost, ob Freie oder Sklave oder Fremder vielleicht, dann der Constructionsweisen der Capellen und Altäre, mit all der Mannigfaltigkeit, die sich bei Pausanias und sonst aus den Cultusbandlungen selbst ergeben.

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Wenn man Alles dies in langen Reihen, rein objectiv zusammengestellt, übersichtlich vor sich liegen sähe, so würden voraussichlich in den daraus fiessenden Erläuterungen, die Thatsachen selbst eine festbestimmte Entscheidung über manche der wichtigsten Punkte auszusprechen, die bisher, trotz allerlei geistreicher Hypothesen darüber, vorläufig dadurch mitunter mehr verwirrt, als geklärt sind.

Und dasselbe dürfte für rechtliche und sociale Verhältnisse gelten, wenn das einzeln umschriebene Terrain (so viele sich davon bieten), eine jedesmal derartig monographische Behandlung erhielte, wie es nach den tausendjährigen Vorstudien in der Classicität auf deren Gebiete mit weit besserer Aussicht auf Erfolg jetzt bereits in die Hand genommen werden kann, als auf den ungesichteten Weiten der Ethnologie, wo für allererste Ansammlung des elementaren Materials kaum noch zögernde Schritte geschehen sind und die Hoffnung auf einen künftigen Ausbau jedenfalls noch in weitester Ferne liegt.

Wie die loduction ihre Stütze in der comparativen Methode findet, indem die jedesmaligen Einzelnheiten ihren im besonderen zukommenden Eigenthümlichkeiten nach, für gegenseitige Beziehung vergleichend geprüft werden, so hat dieses Princip der Naturwissenschaft auch in historischen Forschungen zur Geltung zu kommen. „Die grösste Hülfe, welche zur Erforschung der Grundlage und des Zusammenhangs der Mythologie und der Bedeutung vieler einzelnen Punkte von der neueren Wissenschaft geboten wurde, ist in der Vergleichung?) der verschiedenen Völker“, bemerkt Welcker, und die unklaren Vermischungen der Symbolik verloren den Reiz ihrer lockenden Verführungen, als K. O. Müller die Eigenthümlichkeiten des griechischen Geistes, besenders dem Orient gegenüber, zur Geltung brachte, und sodann Hartung und Preller in mythologischen Studien die Sonderung der italischen und hellenischen Vorstellungen betonten, für jede derselben ihre Originalität festhaltend. So darf auch die Ethnołogie nicht ferner die Schöpfungen der Naturvölker nur unter der uns gewohnten Brille betrachten, um nach der unter dieser erscheinenden Schablone zuzuschneidend, zu zerschneiden (in dann, leicht erklärlich, oft genug absurd und sinnlos erscheinenden Lappenfetzen), sondern hier auch muss als Vorbedingung anerkannt werden, zunächst für jede der geographischen Provinzen ihren anthropologisch-ethnischen Typus in deutlich bestimmten Anschauungen, in eigener Selbstständigkeit, hinzustellen, da erst, nachdem von jeder Einzelheit zuverlässige Rechenschaft gegeben werden kann, sich bei Einleitung für Vergleichungen für das Tertium comparationis ein fester Rechenwerth fixiren lassen würde. Auf die Ansicht vom Lateinischen, als ein wunderbares Gemisch von Hellenischer und Barbarischer oder ein dialectus linguae graecae“ folgte eine andere Periode, „in welcher Männer, wie Gottfried Herrmann, Lobeck, Buttmann, Schneider jenes Identificiren griechischer und lateinischer Formen mit misstrauischen Blicken betrachteten, bis endlich auch hier die neue vergleichende Methode die beiden Sprachen unter einem höheren und richtigeren Gesichtspunkt zu vereinigen gelehrt hat“ (s. Roscher), und so wird bei der organischen Einheit 3) im Wachsthumsprocesse menschlicher Geistesschöpfungen der Zeitpunkt nicht ausbleiben, wo sich auf der Breite ethnischer Thatsachen, den gesammten Globus umfassend, eine vergleichende Mythologie begründen lassen würde. Bei dem bis dahin jedoch noch weitesten Weg bleibt es vorläufig rathsam, mehr auf die, zu beiden Seiten desselben, beständig neu auftauchenden Gestaltungen die Aufmerksamkeit zu beften (um jede derselben, als abgeschlossene Werthgrösse, an den rechtmässig zugehörigen Ort, bei späterer Vergleichung sogleich einfügen zu können), ehe man sich, durch zu häufigen Hinblick auf den Nebel des noch undeutlich fernen Zieles, die in der Nähe unterscheidbaren Bilder bereits wieder verwirrt. Die Schwierigkeiten der vorliegenden Aufgabe vermehren sich, da nicht nur die elementaren Spannungsreihen mit ihren Combinationen zu vergleichen sind, sondern in historischer Entwicklung ausserdem, nach den fortschreitenden Stadien des Wachsthums in den einander entsprechenden Proportionen. Bei allen diesen hat die Ansammlung von Material voranzugehen, in successiver Aufschichtung, bis ungefähre Vollständigkeit des Ueberblicks erreicht sein mag, wenn nach allen Seiten hin dafür gesucht.

Seit der vergleichenden Sprachforschung gehört zur Sprachwissenschaft (neben der Erforschung einer Hauptsprache) die Erforschung auch der fernsten und unvollkommensten Dialecte, „hinsichtlich der Kunst genügt ebenso nicht die Beschäftigung mit den hervorragendsten Culturgebieten, um zu einer Wissenschaft der Kunst zu gelangen, es gehört dazu eine Aufmerksamkeit auf die scheinbar nutzlosesten Manufacte. Endlich verlangt die Religionswissenschaft die Beachtung auch der barockesten religiösen Ideen aus dem ethnographisch bedingten Chaos der hierher gehörigen Erkenntnisse“ (s. Dörgen). Für Alles ist ein statistischer Ueberblick anzustreben.

Wenn über allmählige Entwickelung gehandelt werden soll, dürfen in diesen Process der Auswicklung, nicht schon die für dieselbe gebreiteten Unterlagen, als Vorbedingungen der Existenz selbst, ihrerseits mithineingezogen werden in's Werden, wie in den, die Grenzen des thatsächlich Gegebenen 4) (und, unter der Garantie gesetzlicher Rechtfertigungen, Erweiterungsfähigen) überschreitenden Theorien einer in upfruchtbare Speculationen verlaufenden Descendenz. Und so gilt es auch für die Erörterungen über den Ursprung der Sprache, um nicht aus den Augen zu verlieren, dass für den Menschen, als Zoon politikon, Sprache in ihren primären Formen ebenso nothwendig bereits vorauszusetzen ist, wie Athmungs- oder Verdauungsorgane für sein physisches Vegetiren. Hierüber hinaus weiter gesponnene Ideenverbindungen fallen in beiden Fällen aus den deutlichen Beziehungen des Relativen in den Bythos des Absoluten hinein, wo sie ferner der Physiologie oder Linguistik nicht mehr angebören, sondern aus metaphischen Maschen, wenn es angeht, sich ein neues (luftiges) Gewand zusammenzuweben suchen mögen.

Wenn nach Hegel die zeitliche Aufeinanderfolge der philosophischen Systeme der logischen Aufeinanderfolge der reinen Begriffe entspräche, so müsste doch immer solche Zeitfolge beim räumlichen Nebeneinander in jedem der charakteristisch specifischen Areale sich demgemäss eigenthümlich gestalten, so dass für den Ausgangspunkt der Forschung zunächst die Principien der Induction als leitende zu gelten haben (für das Gesetz organischer Entwicklung im Aufbau aus den Völkergedanken).

Im Denken, als Rechnen, schliessen sich, wenn richtig vorgegangen wird, die Folgerungen logisch an einander, im consequenten Gedankengang. Für die relativen Verhältvisse besteht also ein in sich gegliederter Zusammenhang. Der erste Aussatzpunkt liegt aber bei der Deduction darüber hinaus, und so laufen die philosophischen Systeme, auch die in Einzelnen als Gedankenthat anerkannten, für ihre absoluten Prätensionen unverstanden in ihren Verschiedenbeiten neben einander ber. Die Bedeutung naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise liegt nun zunächst darin,

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