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dienen. Und, um mich nicht über andere Gelehrte auszulassen, wer selbst über Bentley's Kritik meint zur Tagesordnung übergehen zu dürfen, mit dem ist nicht weiter zu rechten. Um so mehr habe ich mich gehütet, den bereits aufgenommenen Erörterungen noch neue hinzuzufügen; das ist sehr selten und fast nur da geschehen, wo ich selber einer eingehenderen Rechtfertigung bedurfte, die denn doch am besten hier ihre Stätte finden wird. Aus meinem Stillschweigen also über diese oder jene neue Vermuthung möge nicht geschlossen werden, dass sie mir,,entgangen" sei, wohl aber, dass sie für mich eine beweisende Kraft nicht gehabt habe.

Den durch die erwähnten Streichungen ersparten Raum habe ich dazu benutzt, die Erklärung mancher Stelle zu erweitern oder zu berichtigen. Ich habe mich auch jetzt enthalten, durch eine fortlaufende sogenannte familiaris interpretatio, die nur zu oft auf wörtliche Uebersetzung hinausläuft, dem Leser das eigene Nachdenken zu ersparen. Auch in der Entwickelung des Gedankenganges habe ich den früher ausgesprochenen Grundsatz nicht aufgegeben. Wo zum Verständniss oder zur Zurückweisung ungerechtfertigter Angriffe ein näheres Eingehen auf den inneren Zusammenhang erforderlich war, glaube ich es nicht verabsäumt zu haben; wie es selbstverständlich auch da geschehen ist, wo ich was nur selten vorkommt - selber überzeugt bin, dass der ursprüngliche Gedankengang durch Einschiebung unechter Verse gefälscht oder getrübt sei.

Ueber die Art der Erklärung habe ich mich in der Vorrede zur ersten Aufl. deutlich ausgesprochen. Mein Recensent in der Jenaer Litter.-Zeitung meint zwar, es sei ihm nicht gelungen zu erkennen, worin die,,möglichst individuelle" Behandlung bestehe; und indem er dann zwei seiner Meinung nach unpassende Noten, über die an sich ich nicht streite, herausgreift, ist er mit seinem Verdammungsurtheil fertig. Wenn ich nun aber dieselbe Anforderung ausgesprochen habe, die Goethe für die Bibelerklärung aufstellt! Er sagt:,,Ich bin überzeugt, dass die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht, d. h. je mehr man einsieht und anschaut, dass jedes Wort, das wir allgemein auffassen und im Besonderen auf uns anwenden, nach gewissen Umständen, nach Zeit- und Ortsverhältnissen einen eigenen, besonderen, unmittelbar individuellen Bezug gehabt hat." Nun wird der scharfsinnige Herr wahrscheinlich folgern, dass ich Horaz mit der Bibel, mich mit Goethe vergleiche; dies Vergnügen gönne ich ihm gerne.

Noch über einen Punkt bin ich eine Erklärung schuldig. Der um die Kritik des Horaz. Textes so hochverdiente 0. Keller tadelt in seiner freundlichen und wohlwollenden Recension (Gött. gel. Anz. 1875, S. 33 ff.), dass ich seine Ausgabe als Grundlage des Textes anerkenne, dabei aber an die Bland. Hsch. glaube. Das mag so nackt hingestellt ein Widerspruch sein. Allein Thatsache ist doch, dass Keller's Abweichungen auf Grund seiner sorgfältigen Collationen verhältnissmässig wenige Stellen treffen. Ich kann das Verdienst seiner Ausg. und ihren Werth auch für mich darum nicht für geringer erachten, dass er auf anderem Wege meistentheils zu demselben Resultat gelangt; im Gegentheil die Zuverlässigkeit des so Gewonnenen scheint dadurch nur zu steigen. Für eine Ausg. aber, die eine Prüfung der Hsch. nicht beabsichtigt, war es schliesslich ziemlich gleichgültig, woher die Lesart stammt, wenn sie nur richtig ist. 1)

So bezeuge ich denn mit Dank, wie förderlich mir seine gerade jetzt erschienenen Epilegomena gewesen sind; und dass ich in der neuen kleineren Ausg. noch weniger Stellen finde, in denen ich von ihm abweiche, gereicht mir zu einer nicht geringen Genugthuung. So liest er jetzt I 3, 19 turbidum st. turgidum. I 3, 37 ardui st. arduum. I 7, 15 deterget st. detergit. 18, 2 te (st. hoc) deos oro. I 12, 57 latum st. laetum. I 22, 2 Mauris st. Mauri. 11 expeditis st. expeditus. I 28, 3 litus st. latum. I 31, 18 et st. at. II 1, 37 Komma vor procax. II 2, 18 plebi st. plebis. II 11, 23 incomptam-nodo st. in comptum nodum. II 17, 18 nach den Epileg. 169 Komma vor pars gestrichen (im Text ist es wohl nur durch Versehen geblieben). III 4, 10 limen Apuliae st. limina Pulliae. III 24, 4 Tyrrhenum - Apulicum st. · publicum. III 26, 7 arcus st. ascias. IV 2, 49 tuque st. teque. IV 4, 17 Raeti st. Raetis. IV 15, 18 exiget st. eximet. c. saec. 68 prorogat st. proroget. epod. 1, 5 sit st. si. 9 Komma nach laturi, nicht vor mente. 2, 18 agris st. arvis. 5, 37 exsecta st. exsucta. 7, 12 numquam st. umquam. 9, 15 turpe ohne vorangehendes Komma und nachfolgendes Ausrufungszeichen, also mit conopium verbunden. 12, 3 firmo iuveni st. iuveni firmo. 16, 41 Interpunction nach circumvagus, nicht nach beata. 17, 42 vicem st. vice.

terrenum

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Anderseits habe ich an manchen Stellen mich von der Richtigkeit der Keller'schen Lesart überzeugt und lese demnach: 1) Ich verweise darauf, dass Fritzsche für seine später erschienene Ausg. der Horazischen Satiren (Vorrede VI) denselben Grundsatz fast mit denselben Worten ausspricht.

I 7, 2 Ephesum st. Epheson. I 17, 14 hinc st. hic. I 21, 8 Gragi st. Cragi. I 23, 1 inuleo st. hinnuleo. I 25, 2 iactibus st. ictibus. I 28, 31 forset st. fors et. II 11, 16 Assyria st. Assyrio. II 12, 2 durum st. dirum. 25 cum st. dum. II 13, 23 discriptas st. discretas. III 4, 10 nutricis st. altricis. III 21, 10 necleget st. neglegit. III 23, 12 secures (is) st. securim. III 24, 60 hospites st. hospitem. IV 2, 45 loquar st. loquor. IV 4, 66. 67 proruet-geret st. proruit gerit. IV 9, 17 Cydoneo st. Cydonio. IV 9, 31 sileri st. silebo. IV 12, 16 merebere st. mereberis. Dasselbe gilt von einigen Stellen, die Keller erst in der neuen Ausg. Berichtigt hat: I 7, 11 Larisae st. Larissae. I 12, 15 et st. ac. I 13, 6 manent st. manet. I 19, 12 attinet, dem ich schon früher den Vorzug vor attinent zugestanden hatte, ohne es in den Text aufzunehmen. I 31, 11 culillis st. culullis. II 3, 11 quid st. quo et, so dass beide Sätze fragend zu fassen sind. II 11, 4 in usu, welche Verbesserung (für in usum) ich schon früher gebilligt, aber in den Text aufzunehmen nicht gewagt habe. II 17, 14 u. III 4, 69 Gigas st. Gyas. II 17, 17 Scorpios st. Scorpius. III 4, 43. 47 turbam turmas st. turmam turbas. III 7, 15 Bellerophontae st. Bellerophonti. III 20, 8 illa st. illi. III 29, 6 Aefulae st. Aesulae. epod. 7, 13 caecus st. caecos. 9, 35 nauseam st. nausiam. 15, 15 offensi st. offensae, auch schon früher von mir gebilligt. Wenige Stellen endlich bleiben übrig, an denen ich meine frühere mit K. übereinstimmende Lesart jetzt geändert habe. Dahin gehören z. B. 1 7, 9 dicit st. dicet. I 13, 5 tunc st. tum. II 20, 13 das hdschr. ocior st. des Bentley'schen tutior, das ich aber doch für wahrscheinlich halte. III 4, 38 reddidit st. abdidit. Eigene Vermuthungen habe ich, dem früher ausgesprochenen Grundsatze getreu, auch jetzt nicht aufgenommen.

Schon von den besprochenen Aenderungen sind viele rein orthographischer Art und ohne irgend einen Einfluss auf das Verständniss. Auch sonst ist in dieser Hinsicht Manches geändert, während Anderes, was sich wissenschaftlich vielleicht nicht völlig rechtfertigen lässt, um der Consequenz willen geblieben ist. So bieten für eine Gleichmässigkeit in der Assimilation die Hsch. gar keinen festen Anhalt. Für die Vorsylbe in, welche die meisten Schwierigkeiten macht, habe ich einen Grundsatz beobachtet, der, wie ich mich durch genaue Vergleichung überzeugt habe, sehr selten zum Widerspruch mit dem führt, was Keller als überwiegende hdschr. Lesart festgestellt hat: Bei der Präposition in findet die Assimilation immer statt, wo es eben möglich ist, bei dem privativen Präfix in nur da, wo es eine un

trennbare Verbindung mit einer als Simplex nicht vorkommenden Wortform eingeht, wie in imbellis, immanis, immunis, importunus, implumis, impune, irritus; bei nicht festen Verbindungen aber nur, wenn es in der Tonsylbe steht, wie in immemor, immerens, impiger, impudens, improbus, impius, impar, impotens; dagegen inlacrimabilis, inlitteratus, inmensus, inmitis, inmiserabilis, inmortalis, inmetatus, inmeritus, inpubes, inplacidus, inpavidus, inpudicus, inprovisus, inpermissus, inrepertus, inretortus, inruptus.

In den Accusativendungen auf es und is eine durchgehende Consequenz walten zu lassen, wird jeden Verständigen schon die bekannte Anekdote über urbes und urbis bei Gellius bewahren. Ich habe, da es für uns doch bedenklich ist, uns von der blossen Euphonie leiten zu lassen, in jedem einzelnen Falle möglichst die Ueberlieferung festgehalten, dabei aber neben Keller's Ausführungen zu I 1, 28 auch Fritzsche's gründlichen, wiewohl nicht ganz erschöpfenden Excurs zu sat. I 1, 3 zu Grunde gelegt.

Dass ich das auf den Schulen noch gebräuchliche v nicht mit u vertauscht habe, möge man dem praktischen Zwecke zu Gute halten. Aus demselben Grunde habe ich, zumal bei der geringen Gewähr, die dafür seitens der Hsch. geboten wird, es unterlassen, die Nominativ-, bzw. Accusativendungen vos und vom für vus und vum aufzunehmen, während die Sylbe vol für vul bei folgendem Consonanten (also Volcanus, volgus, voltus, volpes, volnus, volt, divolsus) auch auf den Schulen wohl schon eingebürgert ist. Auch sonst ist dem Herkommen öfter Rechnung getragen. Wenn man z. B. mit Keller sepulchrum schreibt, so müsste man nach Gellius II 3 folgerecht sich auch für ahenum, lachrima u. a. erklären, und man käme schliesslich zu einer geradezu barbarischen Schreibweise.

Wie sehr ich im Uebrigen bedacht gewesen bin, nicht nur die reichhaltigen Ergebnisse Keller's, sondern auch die übrigen jüngsten in die Horazlitteratur einschlagenden Erscheinungen zu verwerthen, das wird diese neue Aufl. leicht erkennen lassen, in der wohl jedes Gedicht die nachhelfende, ich hoffe auch bessernde Hand erfahren hat. In der Einleitung ist wenig geändert, nur einzelne Punkte sind genauer bestimmt worden. Dennoch wird sie ein etwas anderes Aussehen dadurch bieten, dass fast alle Citate und nebensächlichen Erörterungen in die Randbemerkungen verwiesen sind. Warum nur fast alle? Manche sind mit dem Texte so verwachsen, dass ich zu ihrer Ausscheidung

auch diesen hätte umarbeiten müssen; was um so weniger räthlich schien, als derselbe in seiner jetzigen knappen Fassung fast allgemein Billigung gefunden hat. Der Hauptinhalt wird durch die vorgenommene Aenderung hoffentlich noch klarer heraus

treten.

Und hiermit würde ich schliessen, wenn ich nicht nach dem juridischen Grundsatz qui tacet, consentire videtur es mir schuldig wäre, einige Worte der Abwehr hinzuzufügen, zu denen ich anderswo keinen Raum gefunden habe. Tadel an sich wird kein Verständiger übel deuten; selbst Spott muss man hinnehmen, falls er verdient ist. Wie steht es aber mit der Gerechtigkeit, wenn zur Begründung des Urtheils sogar Thatsachen geleugnet sind? Mein Recensent in der Jenaer Litt.-Ztg. hält mir z. B. vor, ich hätte I 12, 21 die Beziehung auf den Gigantenkampf des Dionysos mit Stillschweigen übergangen, um nach seiner Art aus solchen Unterlassungen ein Verdict auf Ungründlichkeit zu fällen; wie er ja in seinem Programm de Horatianorum carminum inscriptionibus sich nicht scheut, von einer Unwissenheit zu sprechen, die unter allen Sterblichen allein den Erklärern des Horaz gestattet sei, auch die Worte imperite negant interpretes Horatii sich erlaubt, wo der Irrthum allein auf seiner Seite liegt. An jener Stelle heisst es nun bei mir wörtlich: „Es ist, wie Orelli u. A. richtig bemerken, an seine (des Dionysos) Theilnahme am Gigantenkriege zu denken, desgleichen an seinen Indischen Feldzug, auch an die Rache, die er an seinen Gegnern nahm, wie an Pentheus und Lycurg. Vgl. II 19, 13—28.“ Wer so nachlässig liest und es mit der Wahrheit so leicht nimmt, der verdient nicht, dass man ihm auf seine meist unrichtigen oder halbrichtigen, stets aber hämischen und von unbegründeter Selbstüberhebung zeugenden Vorhaltungen Rede stehe. Ich lehne das hiermit für immer ab, will aber dem Herrn zum Dank wenigstens einen Rath geben: Möge er sich seine lateinischen Arbeiten von einem,,Schulmeister" corrigiren lassen; er wird dann vor groben Fehlern gegen die Grammatik besser bewahrt werden als in dem oben genannten Programm, in welchem epodus regelmässig (dreimal) als Femininum paradirt.

Noch weniger will ich mich mit dem Rec. in den philol. Anzeigen befassen, der mit wenig Kunst und viel Behagen Unrichtigkeiten vorträgt, wo er mich verbessern will. Dass er dabei den Juvenal so wenig versteht, dessen Worte et nos consilium dedimus Sullae auf den Lehrer zu beziehen, ist spasshaft. Also er hat noch als Lehrer die ferula gekostet! Oder hat er 12 Jahre

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