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2, de toga virili sumpta.

Initia aetatis Cremonae egit V. Cremonae studiis
usque ad togam virilem, quam eruditur

XV anno natali suo cepit is- a.Abr. 1959:
dem illis consulibus iterum,

58 a Chr.

quibus erat natus, evenitque V. sumpta toga Mediout eo ipso die Lucretius dece- lanum transgreditur et deret [......]. A Cremona Me-post breve tempus Rodiolanum et inde paulo post mam pergit.

transiit in urbem.

a.Abr.196453 a.Chr.

3, de anno et die, quo est mortuus Vergilius.
ita ut gravior aliquanto Brun-

discessit in Calabria annum agens LI . . . . In ejus sepulcro, quod est in via Puteolana . . .

disium appelleret, ubi diebus V. Brundisii moritur paucis obiit XI kal. Oct. Gn. Sentio et LucretioCinna Sentio Q. Lucretio css. Ossa css. Ossa ejus Neapoejus Neapolim translata sunt lim translata in setumuloque condita, qui est in cundo ab urbe miliavia Put. intra lapidem secun- rio sepeliuntur.

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Hier muss es auffallen, dass Donat über 2) viele Worte macht, aber nur die eine Zahl 55 giebt: eine mittlere aus den zwei von Sueton entlehnten des Hieronymus 58 und 53, und dass er dabei (obwohl Biograph) den Abgang Vergils auf die hohe Schule und auf die Universität Rom gegen andere für die Ausbildung des Jünglings werthlose Nebenumstände ausser Acht lässt. Und ist es bei paulo post, post breve tempus wahrscheinlich, dass zwei Jahre auf die Studienzeit in Mailand fallen? Fassen wir nun 1. 2. 3 nach Donat zusammen, so ist Vergilius am 15. Oktober 70 unter dem ersten Consulate des Pompejus und Crassus geboren, am 15. Oktober 55, 15 Jahre alt, (17 Jahre war annus legitimus!) unter dem zweiten Consulate des Pompejus und Crassus, dem Todestage des Lucretius, mit der Toga virilis geschmückt; am 22. September unter dem Consulate des Q. Lucretius gestorben. Dieser Rahmen, der das Lebensbild des Dichters umschliesst, erhält so gerade durch das Mittelstück, welches sich allein auf die Autorität des Donat stützt, einen Schimmer von Flittergewandung, wie sie wohl der Kunstsinn eines enthusiasmirten Magisters produciren mag, welcher sein Leben lang einen Tag wie den anderen Terentius und Vergilius mit Begeisterung erklärt. Aelius kann uns die naive Versicherung geben, Vergil habe sofort bei Beginn seiner dichterischen Thätigkeit den schönen Plan entworfen naturalem secutus ordinem primum pastoralem in montibus vitam, post agriculturam, inde bellorum curam darzustellen. Die Biographie ist voll von Anekdoten, welche nur das eine Ziel verfolgen, in dem liebenswürdigen und geschmackvollen aber durchaus nicht produktiven Vergil ein von vorn herein besonders gezeichnetes Men

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schenkind zu schildern, dem der Stempel dichterischer Erhabenheit vom Augenblicke der Geburt an für alle sichtbar aufgeprägt war; selbst die wunderbaren Träume der Mutter, als sie den Knaben unter dem Herzen trug, die sämmtlich in Erfüllung gegangen sind, müssen als historische Data gelten — : genug der Zeichen für uns, um jeder Vita der Donate da, wo sie sich in Gegensatz zu Hieronymus stellt und von Niemandem sonst gestützt wird, den Glauben zu versagen. Um hier nicht den geringsten Zweifel an der Datirung der Lebenszeit des Lucretius auf 94-5% übrig zu lassen, verweisen wir auf das Proömium von Buch III, wo V. 48 seq. das Exil des Gajus Memmius berührt wird und damit Ereignisse, welche erst 52 a. Chr. eintraten.

Eine andere, von Usener publicirte Notiz eines Anonymus ist nicht ohne Weiteres als glaubwürdige Quelle zu betrachten und musste, jenachdem man für Donat oder Hieronymus entschieden hat, eine Aenderung des urkundlichen consulibus . . . . ann XXU'IIan Virgilium zu XXVIIII oder XXV erfahren. Da einmal eine Correktur unvermeidlich ist, erscheint nachfolgende Lesung als die einfachste:

1) Ovidius secundo anno Octavi nascitur, moritur III Tiberii. 2) Donatus sub Constantino juniore vixit.

3) Virgilius natus est ante incarnationem dni ann LXX, moritur anno XVII 4) Titus Lucretius poeta nascitur sub consulibus,

ritae Virgilii.

5) Julius Solinus sub Octavio fuit.

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anno XX

Dabei sind in 4) nicht zwei Namen hinter consulibus zu ergänzen, sondern es bleibt aus der vorhergehenden Zeile das unmittelbar darüber stehende und in Verbindung mit nascitur unentbehrliche moritur zu wiederholen. Der unbekannte Schreiber, welcher offenbar nur für seine Zwecke eine Notiz gemacht hat, rechnet somit in 3) nach der Geburt des Herrn, 1, 2, 5, nach bekannten Kaisern, und einmal 4) datirt er sub consulibus, d. h. in den Zeiten der Republik, als man noch nach Consuln zählte; die beiden Consuln des Jahrs 70 waren schon nicht mehr Consuln in der herkömmlichen Redeweise, sondern Mitglieder des ersten Triumvirats.

Besondere Erwähnung fordert noch Ciceros Brief aus dem Februar 54 ad Quintum fratrem II, 11: Lucreti carmina ut scribis ita sunt, weil der um Feststellung des urkundlichen Textes hochverdiente Herausgeber des Lucretius, durch A. Mai's unzuverlässige Angaben über Hieronymus verleitet, daraus gefolgert hat, Lucretius sei 55 gestorben und Cicero's Bruder Quintus habe es übernommen, das unfertig hinterlassene Manuscript de rerum natura zu ediren. Diese Position Lachmann's ist nicht länger haltbar; Cicero kann 54 mit dem Ausdrucke poëmata nur die einzelnen Gedichte z. B. I, 1—43. IV, 1–25 u. a. bezeichnet haben. welche bereits zu Lebzeiten des Verfassers bekannt geworden waren; eine Ausgabe des Gedichts de rerum natura war 46, als der Epikureer Cassius an Cicero schrieb, noch nicht vorhanden cf. Ad fam. 15, 19. Jessen q. L. 1868 p. 9. Und diese ist wohl durch die Abschreiberofficin Ciceros, welche auch nach dem Tode des Gründers noch den be

rühmten Namen festhalten konnte, hindurchgegangen, aber weder Marcus noch Quintus noch irgend ein anderer sachkundiger und gebildeter Mann können für die richtige Abschrift des Manuscripts Sorge getragen haben: „tanta stat praedita culpa!“

Damit haben wir schon ein Gebiet betreten, auf welchem jeder Schritt und Tritt durch Erledigung der umfassendsten Vorfragen gesichert werden muss. Unsere Situation wird um so misslicher, als wir uns genöthigt sehen, die näheren Angaben des Hieronymus, welchem wir Datirung des Geburtsund Sterbejahrs entnehmen durften, als tendenziöse Fiktionen zu verwerfen. Sie lauten: qui postea amatorio poculo in furorem versus, cum aliquot libros per insaniae intervalla conscripsisset, quos postea Cicero emendavit, propria se manu interfecit. Es ist Aufgabe der vorliegenden Erklärung, eine feste Grundlage zur Lösung dieser Frage zu gewinnen, die Einzelheiten im Sinne des Autors zu erörtern, die zusammen gehörigen Stücke fester abzugrenzen, verschobene Partien an die rechte Stelle zu weisen, den Zusammenhang der Theile zu suchen und aus ihnen den Plan jedes Buchs und die Tendenz des ganzen Gedichts zu ermitteln, Erst nach Feststellung dieser Grundlage versprechen wir uns Erfolg von einer Untersuchung über den Charakter des Verfassers, über die Bedeutung seines Gedichts und über den historischen Werth einer Weltauffassung, welche in dem griechischen und römischen Heidenthum ihre grosse Rolle spielte, deren Bedeutung nicht dadurch annullirt wird, dass man sie todt schweigt oder die Vertreter verunglimpft; erst auf dieser Grundlage lässt sich die Frage beantworten, ob der Verfasser dieses wohl geplanten Gedichts per intervalla insaniae schreiben konnte, wie noch von Lachmann festgehalten ist.

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T. LUCRETI CARI

DE RERUM NATURA

LIBER PRIMUS

ad G. Memmium L. F.

Aeneadum genetrix, hominum divomque voluptas,
alma Venus, caeli subter labentia signa

quae mare navigerum, quae terras frugiferentis
concelebras, per te quoniam genus omne animantum

Die Worte ad G. Memmium L. F. sind nicht urkundlich; liber I ist gleich den übrigen Büchern einige Jahre nach des Dichters Tode aus dessen Handexemplar abgeschrieben und ohne sachgemässe Correktur publicirt.

1-43. Vorwort für den Freund. Lucretius apostrophirt die allwaltende Macht der Liebe und bittet um Beistand für sein Gedicht und um dauernden Frieden. Das kurze Intervall, welches zwischen der Verheirathung von Julia an Pompejus M. (Ende 59) und der ersten normalen Niederkunftszeit der Erbtochter Casars liegt, ist innerhalb der letzten zwanzig Lebensjahre des Verfassers der einzige Zeitraum, welcher die geängsteten Bürger zur Hoffnung eines dauernden Friedens berechtigte; im Frühjahre 58 wurde die Phalanx der oppositionellen Senatspartei gesprengt, und Memmius bestrebte sich einen Frieden mit Cäsar anzubahnen (Grenzboten 1869. 4. 137): April oder Mai 58 ergiebt sich demnach als passender Zeitpunkt zur Abfassung dieses Carmen, welches mit Fug und Recht seinen Platz als Vorwort zu dem einzigen Memmius gewidmeten und in fertigem Zustande vom Dichter a. 56 überreichten liber I behauptet hat, cf. 1106 sq.

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1-5. Anruf der Venus unter genauer Abgrenzung ihrer Wesenheit. Ueber die Form des Anrufs cf. Hor. c. I, 35, 1-4. Aeneadum genetrix Mutter des römischen Volks; für den Leser konnte kaum ein gleich beliebter und verständlicher Ausdruck gewählt werden, den wir übrigens nicht so verstehen dürfen, als wolle L. damit die aus Vergil bekannte Sage für Wahrheit erklären; der Beiname der Göttin bereitet gleich voluptas auf den wirklichen Namen vor, und dieser bekommt erst im nachfolgenden Relativsatz seine Begriffsbestimmung. divomque voluptas VI, 94. Die Existenz einer Göttin Venus ist von Epikur nicht angezweifelt; man besass ja Bilder von ihr V, 1167. 2. 3. „Die du waltest." Damit ist die persönliche Gottheit des Volksglaubens wie des Epikureismus beseitigt (jene konnte nicht überall sein VI, 440, diese genoss ihrer glückseligen Ruhe II, 646), und die Naturkraft, welche der Dichter personificiren darf, tritt für sie ein. caeli subter labentia signa. Die Himmelskörper beschreiben ihre geräuschlosen Bahnen etwa in der Mitte der Luftkugel (caelum) zwischen Erde und Aether V, 472; der untere Theil der Atmosphäre, stehe er nun auf der Erde oder dem Meere, ist der Kreis, in dem sich die Triebkraft der Liebe fruchtbar erweist. Ueber diese engere Sphäre greift L. selten hinaus. 4. quoniam. concelebras bedarf

5 concipitur visitque exortum lumina solis! te, dea, te fugiunt venti, te nubila caeli adventumque tuum, tibi suaris daedala tellus summittit flores, tibi rident aequora ponti placatumque nitet diffuso lumine caelum. 10 jam simul ac species patefactast verna diei et reserata viget genitabilis aura favoni, aëriae primum volucres te, diva, tuumque significant initum perculsac corda tua vi; inde ferae pecudes persultant pabula laeta 15 et rapidos tranant amnis: ita capta lepore

für den Epikureer, um jedes Misverständnis abzuschneiden, einer weiteren Andeutung die ihm bekannten Götter waren an eine eigenthümliche, ausdrücklich für ihre Constitution geeignete Umgebung gebunden V, 127 sq. omne genus animantum alles Geschlecht mit lebendigem Odem. 5. concipitur visitque exortum. Diese Scheidung des embryonischen und selbständigen Lebens ist bezeichnend für die Zeitverhältnisse, unter denen das Carmen entstanden ist.

6-20. Du hast Gewalt über die Elemente der Natur (6. 7. 8. 9.), und unter deinem geheimnisvollen Zauber verjüngt sich die lebendige Creatur in immer neuen Geburten. te dea Gleichklang in weitester Ausdehnung des Worts ist für die Technik des L. nicht zu übersehen; er wird gern zur Hervorhebung ausgezeichneter Ausdrücke verwandt. Lucretiana Stadae 1869. p. 11-16. venti, nubila sind die Störenfriede der Atmosphäre und spielen in VI unter den res terribiles eine hervorragende Rolle. 7. tuum adventum sobald du dich zeigst ohne Versuch des Widerstands: Neptun muss erst sprechen Aen. I, 131 quos ego! suaris lieblich duftend III, 222. spiritus unguenti suavis. daedala die Meisterin, welche ihren künstlerischen Beruf dadurch dokumentirt, dass sie aus derselben Materie durch saubere Gliederung eine unendliche Mannigfaltigkeit der Dinge herstellt. 8. summittit sie schiebt dir Blumen unter den Fuss V, 736. Flora mater praespargens; in beiden Stellen schweben dem Dichter bekannte Gemälde oder stehende Processionen vor. rident zeigen nach Entfernung der Winde und unter den Strahlen der Sonne ihr freundlichstes Antlitz. aequora ponti, tellus, caelum (inferum) vertreten die Empedokl. Elemente, welche auch sonst häufig berücksichtigt sind; der Aether wird nicht genannt cf. v. 2. placatum unbewölkt im reinsten Blau diffuso lumine ,,durchströmt von Licht". Brieger,

Posen 1866.

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10. jam, Cd. nam, führt einen neuen Gedanken ein, der neben 6-9 stehend die Macht der V. über die lebendigen Geschöpfe zeigt. dies die astronomisch messbare Zeit, Tag, Jahr. species verna diei p. sobald sich die Frühlingsgestalt des Jahrs erschlossen hat. Auch V, 735 werden ver et venus vereinigt, und ver steht primo loco; in unserer Stelle ist es nicht ohne Absicht dem Leser überlassen, die Gründe für das regelmässige Auftreten der Venus um diese Zeit ausfindig zu machen: der Schüler Epikurs hat sich Nichts vergeben. 11. genitabilis aura und des lauen Westwinds zeugungskräftiger Hauch reserata viget der hemmenden Schranken ledig frei weht; die stärkeren Winde, welche ihm entgegen standen, sind bei Ankunft der Venus geflohen; eine anderweitige Fesselung der Winde ist L. fremd. 12. primum inde 14 denique 17. 13. significant melden deine Ankunft durch ihren Gesang. perculsae corda die Männchen der Vögel singen während der Zeit, wo das Nest gebaut und gefüllt wird. 14. pecudes das zahme Vieh der Weide ferae persultant springt ohne die üppig lachenden Futterkräuter zu beachten wild umher. Vergl. M(unro). 15. et tranant in gewöhnlichen

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