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VORWORT.

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In der neuen Auflage habe ich nur diejenigen Änderungen vorgenommen, deren Notwendigkeit sich aus den im letzten Triennium veröffentlichten Arbeiten der Fachgenossen ergab. Ob ich immer die rechte Wahl getroffen habe, das werden andere beurteilen. Das mufs ich aber schon hier aussprechen, dafs ich die meisten Verbesserungen den drei Herren verdanke, welche die 9. Auflage einer Beurteilung unterzogen haben dem Recensenten in den Blättern für das bayrische Gymnasialschulw. XIX. Jahrg. p. 197 f. und den Herren P. Deuticke (ZGW. 1882. Jhrsb. 8. p. 144-149) und O. Güthling (Phil. Rundschau 1881 p. 1241–1245). Die Verbesserungen bestehen grösstenteils in Änderungen einzelner Worte, Zahlen, Silben, Buchstaben. Es war also unmöglich, an den einzelnen Stellen anzugeben, wem ich die Anregung zu einer Änderung verdanke. Um so mehr habe ich geglaubt, diesen drei Herren für ihre eingehende und sachgemässe Beurteilung meinen aufrichtigen Dank an dieser Stelle aussprechen zu müssen.

Müge die Ausgabe auch in der neuen Bearbeitung ihrem Zweck entsprechend gefunden werden!

Berlin, im August 1884.

C. Schaper.

P. VERGILI MARONIS

A EN EIDOS

LIBER PRIMUS.

Ille ego, qui quondam gracili modulatus avena carmen, et egressus silvis vicina coëgi, ut quamvis avido parerent arva colono, gratum opus agricolis, at nunc horrentia Martis

Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris
Italiam fato profugus Lavinaque venit

Seesturm. Aeneas bei der Dido in Carthago.

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1-7. Die Kämpfe und Irrfahrten des Aeneas. Das fatum hat den Aeneas zum Gründer eines Reiches in Italien bestimmt, die ihm feindlich gesinnte Juno aber sucht die Erfüllung des Fatum hinauszuschieben: darum hält sie ihn lange von Italien fern und verschlägt ihn in andere Länder, aus denen ihn die Macht der Götter, welche für die Erfüllung des Fatum Sorge tragen, nach kurzer Rast weiter treibt. Als er endlich in Italien angekommen ist, erregt ihm Juno blutige Kriege, bis es ihm endlich gelingt, Vergil II. 10. Aufl.

Lavinium zu gründen und den mitgebrachten Göttern Anerkennung und Verehrung in der neuen Heimat zu verschaffen. Die Folge davon ist die Vereinigung der Trojaner und der Einwohner Italiens unter dem Namen der Latini, die Gründung Albas und endlich die Erbauung Roms. So erkennen wir aus der Einleitung: 1) den Plan des Dichters, in seinem Epos Abenteuer zu erzählen, wie sie uns in der Odyssee entgegentreten, und Schlachtengemälde zu entrollen, wie sie die Ilias bietet; 2) den religiösen Sinn des Dichters, dem alle menschlichen Handlungen durch das Walten der Gottheit bedingt sind; 3) den Nationalstolz Vergils, der sich in der Wahl des Stoffes zeigt, und seinen Ausdruck findet in v. 33.

1. primus. Das von dem Trojaner Antenor gegründete Patavium (s. unten v. 242-49) wurde erst 42 v. Chr. nach der Aufhebung der Provinz Gallia cisalpina zu Italien gezogen.

2. Lavinaque vgl. d. Anh. que ist explicativ: und zwar (s. z. Ä. VII, 666). Lavina litora wird das Ufer 1

litora, multum ille et terris iactatus et alto
vi superum, saevae memorem Iunonis ob iram,
multa quoque et bello passus, dum conderet urbem
inferretque deos Latio, genus unde Latinum
Albanique patres atque altae moenia Romae.

Musa, mihi caussas memora, quo numine laeso
quidve dolens regina deum tot volvere casus
insignem pietate virum, tot adire labores
impulerit. tantaene animis caelestibus irae?

Urbs antiqua fuit, Tyrii tenuere coloni, Carthago, Italiam contra Tiberinaque longe ostia, dives opum studiisque asperrima belli; quam Iuno fertur terris magis omnibus unam posthabita coluisse Samo: hic illius arma, hic currus fuit; hoc regnum dea gentibus esse,

genannt, auf welchem Aeneas die Stadt Lavinium gründen sollte.

3. ille, s. z. A. V, 457. 4. vi superum, vgl. Hom. Od. XVII, 119.

5. Mit den Worten et bello wird die vorhergehende Einteilung et terris et alto fortgeführt und zum Abschlufs gebracht. Übrigens vgl. Hom. Od. I, 4.

8-11. Die Verfolgung eines Mannes, welcher die dem Menschen von der Natur gegebenen Gesetze mit ausgezeichneter Treue zu befolgen pflegte, konnte nur die Folge einer Opposition gegen den Willen der Gottheit (quo numine laeso) oder einer persönlichen Kränkung (quidve dolens) sein. Die folgenden Verse zeigen, dafs die erste durch das Fatum bestimmt (v. 22), die zweite durch das Verhalten und die Schicksale seiner Stammgenossen herbeigeführt war (v. 23-28).

8. quo num. laeso, nach der Vereitelung welches kundgegebenen Wunsches, vgl. d. Anh. Die Antwort auf diese Frage enthalten die Verse 17 u. 18.

10. adire imp. Verg. fügt den Verben des Antreibens (invito, hortor, impello, stimulo, praecipito) den Inf. als Bezeichnung des Zieles

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hinzu. Dieser Gebrauch des Inf. findet sich vereinzelt bei den älteren Dichtern, häufig im August. Zeitalter. So hat Verg. zuerst impellere mit dem Inf. verbunden, worin ihm von den Prosaikern zuerst Liv. (22, 6, 6) gefolgt ist.

12. Vergil nennt Carthago eine urbs antiqua nicht nach den Zuständen der erst folgenden epischen Erzählung, sondern, wie es der Ton des Nationalepos mit sich bringt, mit Rücksicht auf das später entstandene Rom.

13 f. Ital. c. T. 1. o.: gegenüber von Italien und zwar gerade von der Mündung des Tiber in weiter Ferne gelegen.

16. posth. Samo. Lactant. inst. I, 17: insulam Samum scribit Varro prius Partheniam nominatam, quod ibi Iuno adoleverit ibique etiam Iovi nupserit. itaque nobilissimum et antiquissimum templum eius est Sami. Ein anderer Hauptsitz der Juno war Argos, s. A. VII, 286. Bei Hom. II. IV, 51 f. sagt Hera : ἤτοι ἐμοὶ τρεῖς μὲν πολὺ φίλταταί εἰσι πόληες,Ἄργος τε Σπάρτη τε καὶ εὐρυάγυια Μυκήνη. Über den Hiatus s. z. A. VII, 225.

17. currus. Den Wagen der Juno beschreibt Hom. II. V, 720-33.

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