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der rechten Hand gehaltenen Stäbchen, während die Finger der Linken die Tonhöhe reguliren.) Ganz ähnlich wird das Instrument in Angola gespielt.) Zu einigen ostafrikanischen Instrumenten dieser Art (Makua, Wasaramo) im Berliner Museum gehört noch ein kleiner Fingerhut aus Flaschenkürbis, der auf den linken Zeigefinger gesteckt und während des Spielens gegen den Kürbis geschlagen wird.

Wäbrend in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle das Instrument aus einen einfachen gebogenen Stabe besteht, besitzt das Berliner Museum zwei von den Kaffern stammende Musikbogen, die aus drei Theilen zusammengesezt sind (Abb. 2); in der Mitte ein gerader dicker Stab, in dessen hohle Enden zwei gekrümmte dünnere Stäbchen hineingesteckt sind. Die Saite besteht bier aus dünnem Eisendraht.

Der Resonanzboden ist meistens, wie bereits angegeben, ein einfacher durchschnittener, nach unten offener Kürbis, nur bei einem von Pogge herrührenden Instrument unbekannter Herkunft ist derselbe aus zwei Theilen in derselben Art zusammengesetzt, wie es bei den Instrumenten der zweiten Gruppe beschrieben werden wird.

Zwei Instrumente des Berliner Museums, von denen Abb. 3 das eine wiedergiebt, unterscheiden sich erheblich von allen übrigen mir bekannten Musikbogen und bilden insofern einen Uebergang zur dritten Gruppe, als der Kürbis nicht lose an den Bogen gehängt, sondern dieser durch jenen hindurchgesteckt ist. Der Kürbis ist durchschnitten und die nach oben gekehrte Oeffnung mit Eidechsenhaut bespannt, die mit kleinen Holzstiften angepflöckt ist; an der unteren Seite des Kürbis befindet sich ein kleines Loch. Das merkwürdigste aber ist, dass das Trommelfell in der Mitte zwei kleine parallele Einschnitte zeigt, durch welche die aus Bast gedrehte Saite hindurchgezogen ist. Der Kürbis lässt sich in Folge dieser eigenartigen Anordnung auf Bogen und Saite hin und her schieben, ganz wie bei der gewöhnlichen Gubo. Das Instrument stammt aus dem südlichen Theil von Deutsch - Ostafrika, wahrscheinlich aus Upogoro.

Dem zweiten ähnlichen Exemplar fehlt die Saite; doch zeigen die beiden Schnitte in dem Fell des Resonators, dass die Konstruktion genau dieselbe war wie bei dem vorigen. Auch dieses Stück stammt aus DeutschOstafrika; ähnliche Instrumente scheinen aber auch in Angola vorzukommen, wenigstens solche, bei denen der Bogen durch den Kürbis hin

) G. Fritsch, Die Eingeborenen Süd-Afrikas. Breslau 1872. S. 20 (Fig. 7) und S. 133. Shooter, The Kafirs of Natal and the Zulu Country. London 1857. $. 238.

2) Soyaux, Aus West-Afrika S. 176.

durchgeht; davon, dass die Saite durch das Resonanzfell gezogen ist, erwähnt Monteiro,') von dem diese Angabe herrührt, nichts.

Eine von dem bisher beschriebenen Typus abweichende Konstruktion hat die Gorra, das Nationalinstrument der hellfarbigen Südafrikaner. Hier ist die Saite nur an einem Ende direkt am Bogen befestigt, das andere endigt dagegen an einem gespaltenen und flach ausgebreiteten Stück der Spule einer Straussenfeder.) Die Gorra wird wagrecht vor den Mund gehalten und durch Ansaugen und Abstossen der Federspule die Saite in Schwingnngen versetzt. Es ist also hier nicht nur die Konstruktion abweichend, sondern auch das musikalische Princip ein ganz anderes als bei dem gewöhnlichen Musikbogen; wollte man letzteres als Grundlage der Eintheilung der Musikinstrumente nehmen, so müsste man die Gorra zu den Maultrommeln' stellen.

Zweite Gruppe. Die Instrumente dieser Gruppe unterscheiden sich von denen der vorhergehenden hauptsächlich dadurch, dass an Stelle der biegsamen und elastischen Gerte hier als Saitenträger ein starrer gerader Stab tritt.

Hierher gehören zunächst einige primitive Instrumente, bei denen der Saitenträger ein unbearbeiteter Stock, meist ein Rohr- oder Hirsehalm ist; die einzige Saite zieht von einem Ende. desselben zum anderen und wird durch ein senkrecht auf dem Stabe angebrachtes Hölzchen, das als Steg dient, erhöht und straff gespannt. Ein Kürbis dient als Resonator.

Ein ähnliches Instrument ist das in Abb. 4 dargestellte aus Usaramo; bei diesem ist kein Steg vorhanden, der die Saite vom Saitenträger entfernt, statt dessen ist die Saite zwischen zwei Pföcken ausgespannt, von denen der eine in schräger Richtung in den Stab

Abb. 4. Monochord aus eingefügt ist, während der andere hakenförmig ge- Usaramo (III E 3589).

ag d. w. Gr. bogene in dem entgegengesetzten Ende des Saitenträgers steckt. Die Saite verläuft nicht frei, sondern ist in die Aufhängeschnur der Kalebasse eingebunden. Durch Verschieben des

1) Angola and the River Congo. London 1875. S. 139.

2) A. Sparrmanns Reise nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung. Berlin 1784, S. 214. H. Lichtenstein, Reisen im südlichen Afrika. Berlin 1812, II. 379. Burchell, Travels in the Interior of Southern Africa. London 1822, I. 459 (Abb. S. 475 u. Taf. IX). Was Schinz (S. 96) Gorra nennt, ist die Gubo.

Kürbisses kann die Saite verlängert oder verkürzt und mehr oder weniger straff gespannt werden. Dazu gehören zwei dünne Stäbchen zum Schlagen der Saite.

Im Princip den eben beschriebenen Monochorden gleich gebaut, von ihnen aber unterschieden durch den in bestimmter Weise geschnitzten Saitenträger und die eigenartige Konstruktion des Resonanzkürbisses sind eine Anzahl Instrumente, von denen die Abb. 5 eine Vorstellung giebt. Der Saitenträger ist ein Stab von rechteckigem Querschnitt, längs dessen eine Saite auf der oberen schmalen Kante über eine Reihe senkrecht zum Stabe stehender Vorsprünge von einem Ende zum andern gespannt ist. Ausser über diese Vorsprünge läuft die Saite auch noch über eine zweimal rechtwinklig geknickte Federspule, die dicht an dem einen Ende des Saitenträgers so festgebunden ist, dass ihr mittlerer wagrechter Theil ungefähr in gleicher Höhe mit den oberen Enden der erwähnten Vor

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Abb. 5. Saiteninstrument (sese) der Wayao (III E 3129). 1/6 d. w. Gr.

a) Befestigung des Resonanzkürbis.

sprünge liegt. Eine zweite Saite, die an mehreren Instrumenten des Berliner Museums fehlt, ist längs einer der breiten Seiten des Stabes gezogen. Ein Instrument (Wawemba) scheint sogar drei Saiten gehabt zu baben. Unter dem Stabe hängt in der Nähe eines Endes der Resonanzkürbis, der aus zwei Theilen besteht, einem halbirten, unten offenen Kürbis, dem eigentlichen Resonanzboden, und einem auf diesen aufgesetzten Hals, ebenfalls aus Flaschenkürbis, dessen oberer Rand mit zwei rechteckigen Einschnitten zur Aufnahme des Saitenträgers versehen ist (Abb. 5a). Eine Schnur, die den unteren Kürbis in seinem Scheitelpunkt durchbohrt und an einem Querstäbchen endigt, bindet den Resonanzapparat an den Saitenträger. Die Saiten sind nicht mit eingebunden.

Der Saitenträger, der, wie schon erwähnt, aus einem vierkantigen platten Stabe besteht, ist in einer ganz typischen, bei allen Exemplaren im wesentlichen übereinstimmenden Art geschnitzt. Er besitzt nämlich stets eine Anzahl von Vorsprüngen, die auf die Schmalseiten senkrecht

zor Richtung des Stabes aufgesetzt sind. Zunächst befindet sich je einer an jedem Ende, auf welchen beiden die Saite ruht; diese dienen also als Stege. Dasjenige Ende, an welchem die Federspule angebracht ist, hat gewöhnlich nur diese eine Erhöhung, am anderen Ende aber folgen nun noch regelmässig drei ähnliche säulen förmige Vorsprünge, zuweilen sogar noch mehr, wie bei dem abgebildeten Instrument. Diese Vorsprünge haben unzweifelhaft denselben Zweck wie die Querleisten auf dem Griffbrett der Guitarre, nämlich die Verkürzung des schwingenden Theils der Saite dadurch, dass der Spieler dieselbe mit den Fingern der linken Hand auf das obere Ende dieser Vorsprünge drückt. Dass die Vorsprünge sich nicht nur auf der oberen Kante des Saitenträgers erheben, wo sie einen praktischen Zweck haben, sondern sich auch nach unten fortsetzen, geschieht offenbar nur der Symmetrie wegen.

Unklar ist mir dagegen der Zweck der doppelt geknickten Federpose; da sie aber niemals fehlt, so ist anzunehmen, dass sie einen solchen hat. Dass sie als Steg fungiren soll, ist wenig wahrscheinlich; denn diese Aufgabe erfüllt schon der geschnitzte Vorsprung, neben dem sie angebunden ist; oder sollte sie nur ein zweckloses Ueberbleibsel aus einer Zeit sein, als der Saitenträger noch nicht in dieser Weise geschnitzt, sondern nur ein glatter Stock war?')

Gespielt wird das Instrument genau ebenso wie der einfache Musikbogen. Der Spieler presst den Kürbis gegen die Brust, hält mit der linken Hand den Saitenträger und drückt mit den Fingern derselben die Saiten abwechselnd gegen die verschiedenen Vorsprünge, während er mit der Rechten die Saite mittels eines Plektrons aus Holz in Schwingungen versetzt.)

Dritte Gruppe. Bei den Instrumenten dieser Gruppe sind im Gegensatz zu den beiden ersten Saitenträger und Resonanzboden fest verbunden, indem jener, ein gerader oder schwach gebogener Stock, durch diesen hindurchgesteckt ist. Abgesehen von dieser fundamentalen Uebereinstimmung der Konstruktion sind die hierher gehörigen Instrumente aber so verschieden, dass es zweckmässig erscheint, sie in mehrere Unterabtheilungen zu sondern.

1) Dieses Instrument heisst in Ostafrika Sese, in Madagaskar Lokanga. C. Engel beschreibt nun ein madagassisches Instrument, das er mit letzterem Namen bezeichnet, folgendermassen: ,,Wood; grotesquely carved, painted and decorated with feathers. The under part of the body coated with reeds, held together by lattice work. Four-stringed“ (Descriptive Catalogue of the musical instruments in the S. Kensington Museum. London 1874. S 149.) Nach dieser Beschreibung muss man bezweifeln, dass es sich in der That um die madagassische Lokanga handelt. Welcher Art das geschilderte Saiteninstrument ist, vermag ich daraus nicht zu entnehmen.

?) L. Catat, Voyage à Madagascar. Paris 1895. S. 275.

In der ersten von diesen (Gruppe III a) besteht der Resonanzkasten aus Holz oder Flaschenkürbis, bei zwei Instrumenten der Wasaramo aus einer Kokosnuss, ist unten offen oder hat nur eine seitliche Oeffnung (wie bei dem abgebildeten Exemplar Abb. 6) und ist oben mit Fell oder

Abb. 6. Saiteninstrument der Mangandscha (III E 3231) 4/6 d. w. Gr.

Eidechsenhaut überspannt. Die einzige Saite läuft von einem Ende des Saitenträgers über die Membran des Resonanzkastens bis zu einem am andern Ende senkrecht im Saitenträger steckenden drehbaren Pflock. Bei einem von den Wakamba stammenden Instrument hat man an dem durch den grossen, mit Kauris verzierten Kürbis gesteckten Stock ein Stück eines Seitenzweiges stehen lassen zur Befestigung der Saite (Abb. 7); letztere feblt jetzt in der Zeichnung durch eine puoktirte Linie angedeutet).

Ueber die Art, wie diese Instrumente gespielt werden, habe ich nur die eine, zu dem in Abb. 6 dargestellten gehörige Angabe des Sammlers, dass die Saite dicht an der Trommel mit einem angefeuchteten Schilfblatt gestrichen wird.

Die zweite Unterabtheilung (Gruppe III b) umfasst Instrumente, als deren Typus die arabische

Rabab angesehen werden 00)

kann. Dieselbe hat nach der Beschreibung von Lane,') der ich hier folge, da das Berliner Museum

kein solches Instrument Abb. 7. Saiteninstrument der Wakamba (III E 6292).

besitzt, als Resonanz"/d. w. Gr.

kasten einen

trapezförmigen, vorn mit Haut bespannten, hinten offenen Holzrahmen. Der hölzerne, mit eisernem Fuss versehene Saitenträger durchbohrt die beiden parallelen Seiten des Trapezes, von denen die kürzere oben, die längere unten liegt, und trägt eine oder zwei Saiten aus Pferdehaar, die oben an Wirbeln

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1) An account of the manners and customs of the modern Egyptians. London 1836. II, 75 (Abb. S. 74).

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