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Ich habe meinen Aufsatz dort mit der Bemerkung geschlossen, dass mir nicht bekannt wäre, ob noch andern Orts eine Schale, ähnlich der des Berliner Museums, existirt. Ich muss bekennen, dass ich hätte

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wissen müssen, dass es in der That noch eine andere ganz ähnliche giebt, von der icb, was mir entfallen war

sogar eine Photographie besass. Es ist das schöne Stück der ehemaligen Philipp A. Becker'schen

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Sanımlung in Darmstadt, das ich hier in der Abb. 1–3 in halber natürlicher Grösse wiedergebe, und das, mit der ganzen Becker'schen Sammlung, sich jetzt im K. K. naturhistorischen Hofmuseum in Wien befindet.

Ein Vergleich dieser Abbildungen mit den in Heft 1 auf Seite 17, 18, 19 gegebenen Bildern zeigt auf den ersten Blick, dass hier durchaus ähnliche Stücke vorliegen. Ein Unterschied besteht aber doch zwischen dem Steingefäss des Berliner Museums und dem der Philipp A. Becker'schen Sammlung. In dem Berliner Stück ist über den Adlerfedern, die in dem Relief der Aussenwand zu erkennen sind, ein Kranz von Herzen dargestellt, die in umgekehrter Stellung, mit dem Aortenende nach unten an einander gereiht, den eigentlichen Rand des Gefässes bilden, und die wir in ganz gleicher Weise in gewissen farbig ausgefübrten Bildern au Opferblutgefässen des Codex Borbonicus, ebenfalls den Rand bildend, dargestellt finden. In der Steinschale der Philipp A. Becker'schen Sammlung fehlt ein solcher Kranz von Herzen. Das Relief der Aussenseite (s. Abb. 3) zeigt nur die in konventioneller Weise mit einem starken Mittelkiel und einem Daunenfederbüschel Grunde gezeichneten Adlerfederu. Die oberen Spitzen dieser, etwas nach innen sich einbiegend, bilden hier den eigentlichen Rand des Gefässes.

Diese Abweichung ist nicht ohne Interesse. Sie lehrt uns, dass der Kranz von Herzen nur ein accessorisches Element in der Verzierung dieser Gefässe darstellt, dass die wesentlichen Elemente -- neben dem die Invenseite bedeckenden Sonnenbilde und seinem Widerspiel, der Erdkröte – die die Wandung der Aussenseite verzierenden Adlerfedern sind,

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die ja auch, wie ich in meiner vorigen Mittheilung bervorgehoben habe, das Wort quaubxicalli » Adlerschale«, die technische Bezeichnung dieser Gefässe, hieroglyphisch zum Ausdruck bringen. Und so ist es mir auch klar geworden, worauf lerr Wilhelm von den Steinen zuerst meine Aufmerksamkeit lenkte, dass gewisse Thongefässe der Herrmann Strebelschen Alterthumssammlung, deren Aussenseite in der untern Hälfte mit dunkler Eisenoxydfarbe überzogen ist, während die obere in bunter Bemalung dieselben konventionell gezeichneten Adlerfedern zeigt (vgl. Abb. 4), ebenfalls als Opferblutschalen, als qua uhxicalli, zu bezeichnen sind. Und damit bat sich mir eine von Hermann Strebel schon lange ausgesprochene Vermuthung, dass die mit dunkler, blutrother Eisenoxydfarbe überzogenen Thongefässe seiner Sammlung als Opferblutschalen aufzufassen seien, bestätigt.

Wie in Bezug auf die Verbreitung dieser Gefässe, möchte ich auch für meine in der vorigen Mittheilung gemachten Angaben über die Deutung der Figuren eine kleine Aenderung eintreten lassen. Ich habe die auf der Unterseite dieser Steinschalen dargestellte Figur als das Bild der Erde bezeichnet, als » die Kröte, die mit aufgesperrtem Rachen das Steinmesser, d. b. das Licht, verschluckt«. Ich hätte statt dessen sagen, oder wenigstens hinzufügen sollen, »die aus ihrem aufgesperrten Rachen das Steinmesser, d. h. das Licht, entlässt«. Es war mir damals schon bekannt, dass diese selbe Gestalt der Erdkröte, zwar kleiner und weniger sorgfältig ausgeführt, aber durchaus in derselben typischen Weise gezeichnet, auch auf sämmtlichen Blättern des Tonalamatls des Codex Borbonicus zu sehen ist

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(vgl. Abb. 5). Aber es ist mir erst nachträglich klar geworden, dass die Reihe der Gestalten, in denen hier die Erdkröte die zweite Stelle einnehmend dargestellt ist, den dreizehn Stunden des Tages entspricht,

und dass die Erdkröte selbst, oder der Erdrachen, die Zeit des Sonnenaufgangs bezeichnet, also die das Steinmesser, d. h. das Licht, aus ihrem Rachen entlassende Kröte zur Anschauung bringen muss. ") Es fügt sich bei dieser Deutung die Gestalt, die wir auf der Unterseite dieser Steinschalen sehen, noch viel besser in den Rabmen der Vorstellungen, die sich mit diesen Geräthen selbst und den übrigen auf ihnen angebrachten Verzierungen verknüpfen. Diese Schalen waren, wie ich in meiner vorigen Mittheilung ausgeführt habe, dazu bestimmt, das Blut der Opfer aufzunehmen und es den verschiedenen, an verschiedenen Stellen der Stadt aufgestellten Idolen darzubringen. Sie sind mit Adlerfedern und mit dem Bilde der Sonne verziert, weil die Seelen der Geopferten zur Sonne gingen. Und sie tragen, wie ich jetzt hinzufügen kann, auf der Unterseite das Sinnbild der eben dem Erdrachen entsteigenden Sonne, weil diese Seelen der Geopferten in der Region des Sonnenaufgangs, in dem Osthimmel, ihren Wohnsitz hatten. Steglitz, Februar 1901.

Ed. Seler.

1) Vgl. „das Tonalamat! der Aubin'schen Sammlung“. Auf Kosten Sr. Exc. des Herzogs von Loubat herausgegeben, mit Einleitung und Erläuterungen von Dr. Eduard Seler. Berlin 1900. S. 35.

Die Berührungspunkte der physischen Psychologie

mit der noëtischen
(auf dem Bereiche der Ethnologie).

Mit dem Gesetz von Erhaltung der Kraft« haben im heutigen Zeitalter der Naturwissenschaften« die darin gepflegten Disciplinen ihren Trumpf ausgespielt, und auf dem zugehörigen Bereich das Spiel gewonnen. Die Einheitlichkeit der Natur- (oder Welt-)anschauung ist hergestellt p. t., um in der Umschau des Draussen den Bedürfnissen des, im Denken immanenten, Cansalitätsprincips sobezüglich zu genügen.

Angestrebt war dieses Ziel von jeher gewesen, mit dem Tao (Laotse's), mit Brahma's Vastu (in » Substantia«), mit dem aus dem Luftraum durchwehenden Pneuma (b. Anaximenes), mit einem weltseelerischen Pantheismus (und Panspychismus) weiterhin, und [zu radicalerer Lösung (oder Löschung) dieser brennenden Frage) mit (Heraklit's) Tüp dei wov oder [vachdem Aristoteles' »Kinesis« (von dem »Unbewegt-Bewegenden « her) hinzugetreten gewesen] mit dem Tveūna švdepov (der Stoa), um Galilei's Fassung der Wärme als Bewegung soweitig zu anticipiren, für Umsetzung der Kräfte; unter deren Energieen in einander (aus ihren Wechselbeziehungen). Da jedoch die, zur Rückführung des absoluten Werdens (wo núvra pei, unterschiedlos) auf ein relativ differenzirbares Ausgestalten, benöthigten, Einblicke (in genauere Details) der Classicität ermangelten (auch bei peripatetischer Epagoge), blieb es beim Wortschall sentenziös gegliederter Phrasen.

Auf das All hinblickend, mochte Xenophanes die ihn stachelnden Fragen durch den Einheitsbegriff (unter der Controverse des » Deus sive Natura «) vorläufig beruhigen (εις τον όλον ουρανών αποβλέψας, το ένα είναι φησε Tòv teóv), aber so oft man damals, bei den in der Umwelt verlaufenden Processen, an die Einzelheiten näher herantrat, verblieben Räthselfragen überall, denen eine zutreffende Beantwortung mangelte.

Dadurch wurde jener, für die occidentalische Culturgeschichte bedeutungsvolle, Wendepunkt herbeigeführt, der die Philosophie »vom Himmel zur Erde« (s. Cicero) gebracht hat, während der sinische Weise sich

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