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weniger afrikanischen als asiatischen Charakter zeigen und ethnographisch als eine blosse Dependenz von Vorderasien anzusehen sind, so machen auch die Musikinstrumente keine Ausnahme. Sie sind durchweg asiatisch und zum grössten Theil wohl erst seit der arabischen Invasion in Afrika eingebürgert. Streichinstrumente wie Rabab und Kemengeh und Guitarren verschiedener Form repräsentiren die Klasse der Saiteninstrumente; dazu kommen Trommeln mit Schnurspannung, entweder kurz-cylindrisch, wie unsere Militärtrommeln, oder halbkuglig wie Kesselpauken, letztere häufig aus Metall. Alle specifisch afrikanischen Instrumente, wie Sansa, Marimba, Holztrommel, Doppelglocke, fehlen; auch der Musikbogen scheint nicht vorzu kommen.

Die zehnte und letzte Provinz endlich bildet die grosse Insel Madagaskar; die für sie bezeichnenden Instrumente sind die Valiba und die Sese.

Zum Schluss eine übersichtliche Zusammenstellung der zehn Provinzen und der für jede hauptsächlich bezeichnenden Musikinstrumente: Erste Provinz: Musikbogen (Gubo und Gorra). Zweite Provinż: Gubo; Sansa; Trommeln mit Anpflöckung; Marimba

(nicht überall); Doppelglocken (nur stellenweise). Dritte Provinz: Kongo-Guitarre; Raphia- und Rohrinstrumente (beide

nur stellenweise); Sansa; Trommeln mit Anpflöckang, Schnurspannung und Keilspannung; Holztrommel; Marimba (nicht überall);

Doppelglocken. Vierte Provinz: Harfe; Trommeln mit Schnurspannung; Holztrommel

(nicht überall); Marimba. Fünfte Provinz: Schaleninstrumente (daneben die Sese); Trommeln mit

Anpflöckung und Schnurspannung. Sechste Provinz: Mandingo-Guitarre; Trommeln mit Schnurspannung

(Sanduhrtrommeln) und Schnur-Pflock-Spannung (letztere lokal);

Marimba (nicht überall). Siebente Provinz: (Saiteninstrumente?); Sandubrtrommeln mit Schnur

spannung Achte Provinz: Lyra; Trommeln mit Schnurspannung (Kesselpauken). Neunte Provinz: Streichinstrumente (Rabab), Guitarren (Ud); Kessel

pauken. Zehnte Provinz: Valiha und Sese.

III. Entwicklung und Herkunft.

Die beiden ersten Abschnitte haben ein Bild von den Formen der afrikanischen Musikinstrumente und von ihrer Verbreitung über den Erdtheil zu entwerfen gesucht. Die Darstellung ist in beiden Hinsichten naturgemäss mit zahlreichen Lücken und Mängeln bebaftet; aber unbeschadet aller späteren Verbesserungen und Zusätze ergiebt sie auch schon in ihrer jetzigen unvollkommenen Gestalt eine ziemlich ausreichende Uebersicht über die Typen und ihre heutige geographische Vertbeilung. Es ist nun klar, dass Afrika nicht immer dasselbe Bild geboten hat wie heute, sondern dass die gegenwärtigen Verhältnisse nur das letzte Ergebniss einer langen Reihe von Veränderungen sind, die sich unserer Kenntniss wegen des gänzlichen Mangels aller historischen Ueberlieferungen entziehen. Es sind im beschreibenden Theile schon mehrfach Instrumente als arabisch oder asiatisch bezeichnet worden, weil die Einfübrung derselben nach Afrika in neuerer Zeit erfolgt und uns geschichtlich bezeugt ist; aber diese Einwanderung kann nicht deswegen als die einzige betrachtet werden, weil sie die einzige ist, von der wir direkt Kunde haben; viel wahrscheinlicher ist, dass ihr andere, vielleicht viele andere, vorangegangen sind. Ebenso ist es selbstverständlich, dass nicht alle Typen von Musikinstrumenten einer Klasse selbstständig entstanden sind, sondern dass ein genetischer Zusammenhang zwischen ihnen besteht, dass sich die komplizirteren und vollkommener ihrem Zweck angepassten Formen aus einfachen, weniger differenzirten entwickelt haben. Wie also diese Entwicklung vor sich gegangen ist und wo sie stattgefunden hat, das sind die beiden Probleme, die noch der Lösung barren. Die Beantwortung dieser Fragen ist aber, wie schon in der Einleitung hervorgehoben, nur möglich unter eingehender Berücksichtigung der Musikinstrumente der ganzen Erde; wenn trotzdem im Rahmen dieser Arbeit, die sich nur mit afrikanischen Instrumenten beschäftigt und nur neben bei einen vergleichenden Blick auf die benachbarten Erdtheile werfen kann, ein Versuch dazu gemacht wird, so ist derselbe natürlich nur als ein vorläufiger anzusehen und mit all den Vorbehalten aufzunehmen, die unter solchen Umständen gemacht werden müssen.

Instrumente, die sich als unafrikanisch erweisen, könnten auf zweierlei Weise nach Afrika gelangt sein, entweder im Gefolge von Völkerwanderungen, von erobernd eindringenden Stämmen, wie es der Fall ist bei den arabischen Instrumenten, die die islamitische Eroberung mit sich gebracht hat, oder sie können auf dem Wege friedlichen Verkehrs sich verbreitet baben. Welcher von beiden Fällen vorliegt, lässt sich, wo die geschichtlichen Ueberlieferungen versagen, auf Grund der Untersuchung der Musikinstrumente allein nicht entscheiden; dazu gehörte eine eingehende Prüfung des gesammten Kulturbesitzes, sowie der linguistischen und anthropologischen Verhältnisse.

Weniger im Zweifel kann man von vornherein über die Heimath der nichtafrikanischen Musikinstrumente sein; es kommt der ganzen Lage vach eigentlich nur Asien in Betracht; auch Einwirkungen von anderen Erdtheilen, wie Oceanien, falls sie überhaupt stattgefunden haben, müssten ibren Weg über Asien genommen haben.

Beginnen wir mit den Saiteninstrumenten. Schon die Reihenfolge der Gruppen im beschreibenden Theil giebt im allgemeinen ein ungefähres Bild des genetischen Zusammenhanges; mit einfachen Instrumenten beginnend, schreitet sie allmählich zu immer vollkommeneren fort. Das Bild wird aber dadurch getrübt, dass nicht eine einzige Entwicklungsreihe vorliegt, sondern die Lipie sich verzweigt und auch Parallelreihen auftreten.

Dass der Musikbogen als das älteste der afrikanischen Saiteninstrumente anzusehen sei, dürfte wohl keinem Zweifel begegnen; dafür spricht ausser seiner primitiven Konstruktion, die man sich einfacher nicht vorstellen kann, auch seine Verbreitung über fast den ganzen Kontinent mit Ausnahme des gänzlich asiatisirten Nordens und sein vielfach bezeugtes Vorkommen neben den anderen, höher entwickelten Formen von Saiteninstrumenten, es spricht endlich dafür die Thatsache, dass der kulturarme, zurückgebliebene Süden kein anderes Saiteninstrument als den Bogen kennt. Man kann gewissermassen mehrere Kulturschichten über einander wahrnehmen, von denen die unterste durch den Musikbogen dargestellt wird. Wohlhabendere benutzen die neueren, vollkommeneren, aber auch kostspieligeren und schwieriger anzufertigenden Instrumente, der Aermere, vielleicht auch die Kinder, begnügen sich mit dem urthümlichen Bogen, den sich jeder selbst ohne Mühe und Kosten herstellen kann.

Die Ersetzung der biegsamen Rute durch einen starren Stab, wie bei der Sese, ist als wesentlicher Fortschritt wohl kaum aufzufassen, obwohl der Umstand, dass die Elasticität des Bogens doch mit der Zeit

nachlässt, als Uebelstand empfunden werden mag. Wichtiger ist es jedenfalls, dass die Sese die Anbringung von mebr als einer Saite gestattet, was freilich auch beim Bogen nicht unmöglich wäre, aber thatsächlich niemals versucht worden zu sein scheint. Weit mehr aber, als die beiden Gruppen durch diese vergleichsweise unerheblichen Unterschiede getrennt werden, werden sie zu einer Einheit zusammengefasst und allen anderen Saiteninstrumenten gegenübergestellt durch ihre im Princip identische Konstruktion: eine längs eines Stabes gespannte Saite und daran ein lose angehängter Resonanzkürbis.

Die weitere Entwicklung kann nun in folgenden Richtungen vor sich gehen: es kann einmal eine innigere Verbindung der einzelnen Theile des Instruments des Saitenträgers mit dem Resonator – angestrebt werden und zweitens eine Vermehrung der Saiten; hierbei können die Saiten an dem Saitenträger übereinander angebracht werden, oder es kann eine Vorrichtung getroffen werden, die es ermöglicht, die Saiten neben einander zu befestigen. Alle diese Möglichkeiten sind, wie wir bei der Beschreibung der Instrumente bereits gesehen haben, in Afrika zur Wirklichkeit geworden.

Ehe wir aber dieser Entwickelung im Einzelnen nachgehen, müssen wir noch einmal zum Musik bogen zurückkehren, um einen Augenblick einen Nebenweg zu verfolgen. Der Ton wird bei diesem erzeugt durch Berühren der Saite mit einem Stäbchen, einem Plektron. Da derselbe aber sehr leise ist, so dient zum Verstärken ein Kürbis oder die Mundhöhle des Spielers, durch deren grössere oder kleinere Oeffnung der Ton modifizirt wird. Die Beobachtung kann nicht ausbleiben, dass auch der Luftstrom beim Ein- und Ausathmen die Saite zum Tönen bringt, und nun wird der Bogen zur Maultrommel: man bläst auf die Sehne und modifizirt den Top mit einem Stäbchen oder mit den Fingern. Das scheint vielfach in Afrika der Fall zu sein, aber nur an einer Stelle hat die Entwicklung einen Schritt weiter gethan und zwar bei den verachteten Buschmännern und Hottentotten, in der Gorra. Die Einschaltung der breiten Federspule gestattet dem Atbem eine viel stärkere Wirkung als die dünne Schnursehne und verstärkt so den Ton des Instruments.

Der Uebergang vom Musikbogen zur Maultrommel, also von einem Saiteninstrument zu einem Blasinstrument, scheint mir hier klar vor Augen zu liegen; ich möchte noch hinzufügen, dass wir eine Parallelerscheinung dazu in der Sansa und der indonesisch-oceanischen Maultrommel haben. Wie dort die Saite, so wird hier eine elastische Zunge aus Bambus oder ähnlichem Material einmal durch Wegschnellen mit den Fingern, im andern Fall durch Anblasen zum Schwingen gebracht. Einen genetischen Zusammenhang zwischen beiden will ich vatürlich nicht behaupten.

Weiter als bis zur Gorra ist die Entwicklung in Afrika nicht gegangen, und auch die Verbreitung derselben ist auf ihre Erfinder und deren nächste Nachbaren beschränkt geblieben.

Kehren wir nach dieser Abschweifung zur Entwicklung der Saiteninstrumente zurück. In der dritten Gruppe sind zuerst die beiden Theile des Instruments fest zu einem Ganzen verbunden, indem der Saitenträger durch den der Schallverstärkung dienenden Hoblkörper hindurchgesteckt wird oder beide Theile aus einem Stück gearbeitet werden. Dieser Urtypus tritt uns nun weiterbin in zwei Modifikationen entgegen, die beide denselben Zweck, nämlich die Vermehrung der Saitenzahl, in verschiedener Weise erreichen. Entweder der Saitenträger ist gekrümint; er gestattet dann ohne Weiteres die Anbringung einer grösseren Anzahl Saiten, die von ihm nach dem Resonanzkasten hin gezogen werden können; es entsteht so die Bügelharfe, die Instrumente der Gruppe V. Oder der Stab ist gerade oder nur sehr schwach gebogen; dann hat man sich damit geholfen, dass man auf der Oberfläche des Resonators ein Brettchen oder dergleichen aufstellte, einen Steg, der mit Einkerbungen zur Aufnahme der Saiten versehen ist und so die letzteren vom Resonanzboden und von einander entfernt hält. Je nachdem die Einkerbungen auf der oberen Kante oder an den Seitenkanten des Steges liegen, erhält man die Instrumente der Gruppen III bc oder IV.

Damit scheint die direkte Fortbildungsmöglichkeit des Bogens erschöpft zu sein, und doch hat man in Afrika noch einen Weg gefunden, um aus dem einsaitigen. Ursaiteninstrument vollkommenere mehrsaitige Instrumente zu schaffen, indem man nämlich, um die Saitenzahl vermehren zu können, auch die Zahl der Saitenträger vervielfachte. Man nahm also gewissermassen eine Anzahl Musikbogen und befestigte sie an einem gemeinsamen Resonanzkasten. So kann man sich wenigstens die lostrumente der Gruppe VI entstanden denken.

Wie wohl überhaupt die Fruchtschale, und insbesondere der Kürbis als die am leichtesten zu erbaltende und zu bearbeitende, zunächst allgemein als ältester Resonanzapparat gedient hat, so ist er sicherlich auch bei diesen Instrumenten dem jetzt vorwiegend angewandten Holzkasten vorausgegangen. Da aber ein Anbinden der Saitenträger an die glatte runde Kürbisschale nicht gut möglich ist, so dürften die Instrumente mit hindurchgesteckten Stäben wohl als die ältesten anzusehen sein; ein solches ist das oben (S. 80) erwähnte, von Binger beschriebene. Diese Erwähnung ist freilich der einzige Beleg für die Existenz eines derartigen Instruments mit Kürbisresonanz, die sonst immer durch einen Holzresonator ersetzt ist; aber auch hier findet sich zuweilen noch die alte Befestigungsweise der Saitenträger (vgl. Abb. 32).

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