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Ursprünglichen meiner Meinung nach am nächsten kommt, oder auf den kritischen Anhang verwiesen. Diejenigen Emendationen, welche sich entweder in einzelnen späten Handschriften oder in den ältesten Ausgaben, namentlich in der Juntina, vorfinden, sind mit einem Stern versehen. Auch manches, was ohne Hinzufügung einer solchen Angabe im Texte steht, beruht wohl auf Conjectur der Byzantiner, sowie andererseits manche Lesarten der Juntina auf eine verlorene oder nicht wieder benutzte bessere Handschrift zurückgehen könnten; über beides lässt sich aber vorläufig noch kein bestimmtes Urteil abgeben. Da der Zweck der Ausgabe einen

. möglichst lesbaren Text erforderte, mussten mehrfach auch unsichere Conjecturen aufgenommen werden; notwendige Bedingung war mir aber dabei stets, dass dieselben den Dichter nicht etwas meiner Meinung nach unmögliches sagen liessen. An manchen Stellen ist eine Änderung, die ich hätte aufnehmen können, bis jetzt noch von keinem gefunden.

Was die Einleitung betrifft, so konnte bei der durchgehenden Eigentümlichkeit derselben in Form und Inhalt von einer Umarbeitung im einzelnen nicht die Rede sein; sie zu tilgen und durch eine ganz neue zu ersetzen, konnte ich mich mit Rücksicht auf die Freunde, welche sich das Buch erworben hat, kaum für berechtigt halten. Ich habe sie daher mit einigen wenigen durch eckige Klammern kenntlich gemachten Zusätzen unverändert abdrucken lassen. Einer starken Umarbeitung musste dagegen die Zusammenstellung der Dorismen Theokrits unterzogen werden. Denn einmal erschien mir die Anordnung derselben verfehlt, und sodann war diese doch nur für den Anfänger bestimmte Übersicht mit einer beträchtlichen Zahl von Citaten und sonstigen Bemerkungen belastet, welche weder dem Anfänger noch dem Kenner von Nutzen oder Wert sein konnten und in deren Auswahl ich irgend welches bestimmte Princip nicht zu erkennen vermochte. Hoffentlich entspricht die Übersicht in der neuen Gestalt ihrer bescheidenen Bestimmung

Im Anhang habe ich besonders auf die seit dem Erscheinen von Fritzsches Ausgabe mit lateinischen Anmerkungen veröffentlichte Litteratur, sowie auf die Abweichungen der vorliegenden von der zweiten Ausgabe Rücksicht genommen. Auch einzelne Berichtigungen haben hier ihren Platz gefunden. Halle, den 29. November 1880.

E. Hiller.

Einleitung

Theokrit gilt als Erfinder und Meister der Idylle oder, wie wir richtiger sagen, der antiken Hirten poesie oder der Bovxoaixó. Als solcher hat er in alter und neuerer Zeit begeisterte Lobredner und Nachahmer gefunden. Admirabilis in suo genere Theocritus, sagt Quintil. 10, 1, 55). Aus der römischen Litteratur nennen wir namentlich Virgila), welcher in den Eclogen auf mannigfache Weise, in Anlage der Gedichte, in Gedanken, in Gedankenausführung, in sprachlichem Ausdrucke und im Verse den Theokrit nachgeahmt oder mit ihm gewetteifert hat. Im vorigen Jahrhundert war es, um hier anderes (vgl. S. 19) zu übergehen, Salomon Gessner, der sich ihn zum Muster für seine Idyllen nahm und den Namen des deutschen Theokrit erwarb, obwohl zwischen Gessners Idyllen und den gleichnamigen Dichtungen Theokrits ein viel grösserer Unterschied ist, als die meisten Halbgebildeten ahnen, und Hebel ein bedeutenderes Anrecht auf diesen Ehrennamen hat (s. S. 27). Wollen wir uns nun eine klare Vorstellung von dem Wesen dieser Poesien verschaffen, so müssen wir zunächst das Leben des Dichters und die Verhältnisse betrachten, unter welchen er dichtete.

Theokrits Leben). Theokrit, der Sohn des Praxagoras und der Philine") war von Geburt ein Syrakusier oder, nach anderen, ein Koer5).

1) Vgl. p. 23 Anm. 45, p. 26 Anm. 56.

2) Die richtige Schreibart ist Vergilius, allein im Deutschen hat sich Virgil so eingebürgert, dass es eben so pedantisch oder manieriert aussieht, wenn Vergil geschrieben wird, wie es pedantisch oder manieriert aussieht, wenn man Lukianos u. dgl. schreibt.

3) Über das Leben des Theokrit s. Ad. Th. H. Fritzsche, de poetis Graecorum bucolicis. Gissae 1844, 8. J. Hauler, de Theocriti vita et carminibus. Friburgi Brisg. 1855, 8. Adert, Théocrite. Genève 1843, 8. Arethusa oder die bukolischen Dichter des Alterthums (von Finkenstein). 1. Th. Berlin 1789, 4. pag. 59. Ältere Schriften s. bei Fabricius Bibl. Gr. 3 p. 764 Harl.

4) S. Epigr. 22.

5) S. de poet. buc. p. 3, wo ich mich für Kos als Geburtsort entschieden habe. Die von Ameis in Jahns Jahrbb. 1845 Band 45 p. 197 dagegen ausgesprochenen Einwände sind beachtenswert, aber eben so wenig schlagend als das von Hauler p. 6 Gesagte, was zum Teil auch nur auf Vermutungen beruht. [Vgl. Einl. zu Id. 7.]

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THEOKRIT VON FRITZSCHE.

Erinnerungen an Kos sind in der schönen siebenten Idylle aufbewabrt. Er lebte in der Mitte des dritten Jahrhunderts vor Christi Geburt, sicher in den Jahren 265 bis 259 oder 2586). Wenn er sich in der siebenten Idylle (21 flg.) unter dem Namen Eluzidas einführt, so berechtigt uns das Scholion zu dieser Stelle in Verbindung mit anderen Notizen zu der Annahme, dass nach dem Tode seines Vaters sich seine Mutter mit einem Manne Namens Eíuixos verheiratete ?), dessen wahrhaft väterlicher Liebe Theokrit in jenem Gedichte ein Denkmal gesetzt hat, gerade so wie seinem Lehrer Philetas (7, 40) und seinen Freunden Pbrasidamus und Antigenes (7, 3-4). Sicher ist dies, dass er einen grofsen Teil seiner Bildung dem im Altertum, namentlich von Properz (siehe Anm. zu Id. 7, 40 hochgefeierten Grammatiker — wir würden sager Philologen - und Dichter Philetas schuldete, von dem er Id. 7, 40 mit der grössten Hochachtung spricht. Wo er den Unterricht dieses Mannes genossen habe, ob in Kos, oder in Alexandrien, ist nicht gewifs 8). Jedenfalls hielt sich aber Theokrit eine Zeit lang in Alexandrien, dem Sammelplatze der damaligen gelehrten Bildung, auf. Jedenfalls dort verfasste er Id. 17, das Loblied auf den König Ptolemäus Philadelphus, welches im Jahr 259 oder 258 geschrieben ist; ingleichen Idylle

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6) Um das Jahr 265 a. Chr. ist Idylle 16, 259 oder 258 Idylle 17 geschrieben. S. meine grosse Ausg. II p. 61 und Arg. Id. 17. [Die Abfassungszeit von Id. 17 ist angewiss; 8. einl. Bem. Bücheler hält das Gedicht für älter als Id. 16.]

7) So Hauler p. 6 flg. Es hängt nämlich alles ab von dem richtigen Verständnisse des Scholion zu 7, 21. Dieses lautet bei Dübner p. 52 so: oi μεν αυτόν φασι Θεόκριτον, καθό Σιμιχίδου (lies Σιμίχου) ήν υιός, ή καθό σιμος ήν. οι δε έτερόν τινα των συν αυτώ και ου Θεόκριτον. φασί δε τον τοιούτον από πατρίου κληθήναι Σιμιχίδου του Περικλέους των Ορχομενίων, οίτινες πολιτείας παρά Κώοις τετυχήκασιν. Ameis, adn. in Theocr. p. 39, bezieht diese Worte auf den Grossvater des Theokrit. Für πατρίου hat aber cod. L πατρωιού, wofür Hauler p. 6 πατρωου conjiciert, was Ahrens schol. p. 244 mit eben dem Rechte aufgenommen hat, mit welchem er das diplomatisch begründete Equiyov für Etuizidov schreibt. Unstatthaft ist Hartungs Conjectur ratpós für natpoloõ. Im litt. Centralbl. 1859 p. 39 wird zátontev da de vos conjiciert = „ein Landesflüchtiger“. (Vgl. Einl. zu Id. 7. Ob die Schreibung Equixov ,, diplomatisch begründet“ und richtig ist, scheint höchst zweifelhaft. In dem angeführten Scholion steht, soviel bis jetzt bekannt ist, Equixov nur im cod. Genev. (und in diesem gleich nachher offenbar fehlerhaft statt Exulxida); in der kurzen Vita bietet Eluózov der wertlose Vatic. 1; sonst haben alle Hdss. Eluzzidov oder Equizida, und dass in der That manche glaubten und zu begründen suchten, Theokrit habe sich den Namen seines Vaters Equixidas beigelegt, zeigt das Scholion bei Abrens p. 245, 2 f. Bei den Worten φασί δε τον τοιούτον κτλ. 1st nicht nur unsicher, wie sie ursprünglich gelautet haben, sondern auch auf wen sich τον τοιούτον beziehen soll: wahrscheinlich auf τινα των συν αυτώ, nicht auf Theokrit.]

8) Erstere Ansicht habe ich de poet. buc. p. 4, letztere Hauler p. 8 zu begründen gesucht. [Vgl. Anm. zu 7, 40.]

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14 und Idylle 15, deren letzter Zweck ein Preis des Ptolemäus ist, und das Gedicht Berenike, von dem sich ein Fragment erhalten hat. Dass er mit diesen Gedichten sich der Gunst des Königs empfehlen wollte, liegt auf der Hand; ob er aber sich dieser Gunst wirklich erfreut, oder ob er sie vielleicht später wieder verscherzt habe, das wissen wir nicht').

Als sein eigentliches Heimatsland betrachtete Theokrit Sicilien. Daher sagt er von dem Polyphem Id. 11, 7: Kúxłwy ó nap a uiv. Hier muss er, bevor er nach Alexandrien ging, sich um das Jahr 265 a. Chr. aufgehalten haben, als er die sechzehnte Idylle zur Verherrlichung des Königs Hiero II. von Syrakus schrieb, der aus der Geschichte des ersten punischen Krieges sattsam bekannt ist. [Vgl. Einl. zu Id. 16). Allein, so wahrscheinlich es auch ist, so lässt es sich doch nicht mit Bestimmtheit behaupten, dass Theokrit von Alexandrien aus, wo wir ihn um 259—258 treffen, wieder nach Sicilien zurückgekehrt sei. Wir können nur aus Id. 4 und 5 schliessen, dass er auch in Unteritalien wohl bekannt war. Eine Reise nach Milet unternahm er

wir wissen nicht wann zu seinem lieben Freunde, dem Arzte und Dichter Nicias, über den wir zu Id. 11 Einl. und 11, 6 gesprochen haben. Das lehrt Id. 28.

Als Theokrits teurer Freund erscheint ausserdem Id. 7, 98 Aratus, der bekannte Dichter aus Soli, der Verfasser der uns noch erhaltenen Daivousva, dem Theokrit die 6. Idylle gewidmet und dessen Liebe er Id. 7, 98 flg. besungen hat. Über mehrere der in der siebenten Idylle ausser Aratus von Vers 1 an noch genannten Personen hat die Poesie teilweise einen solchen Schleier gewebt, dass wir hinter ihm zwar wirkliche Personen erraten, aber die Gesichter nicht erkennen können, während die Namen der edlen Männer von Kos, Phrasidamus und Antigenes (7, 3—4), und des Dichters Philetas (7, 40) feststehen.

Ein Märchen über Theokrits Tod, dass er nämlich den Sohn des Hiero verspottet und, weil er mit Schimpfen nicht aufgehört habe, endlich auf Hieros Befehl gehenkt oder geköpft worden sei, wurde vor Zeiten geglaubt, ist aber von mir bereits früher widerlegt worden "').

Mehr lässt sich über das Leben Theokrits nicht sagen. Wir wenden uns zu näherer Betrachtung seiner Dichtungen.

9) Dass Id. 16, 64 auf Ptolemäus gehe, lässt sich nicht beweisen.

10) S. de poet. buc. p. 9 flg. Von Theokrit dem Chier erzählt Plut. Symp. 2, 1, 9 Αντίγονος Θεόκριτον τον Χίον απέκτεινεν, ότι, φήσαντός τινος, εις τους οφθαλμούς αν του βασιλέως παραγένηται, σωθήναι: αλλ' εμοί, είπεν, αδύνατα φής τα της σωτηρίας.

Theokrits Dichtungen. Die schönsten Gedichte Theokrits sind die bukolischen (von βουκόλος, der Rinderhirt, βουκολιάζεσθαι überhaupt ein Hirtenlied singen, Id. 7, 36), d. h. diejenigen, welche das Hirtenleben oder Landleben (Id. 10, 7) im allgemeinen schildern, nämlich Id. 1. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. Sie haben meist die Form des Gespräches, weshalb wir die Mehrzahl auch mimisch nennen und der Form nach mit Id. 14. 15 in Verbindung bringen können, wo ebenfalls mehrere Personen redend eingeführt sind. Hierzu kommt ein Monodrama (um so zu sagen), die zweite Idylle, wo eine Zauberin die Hauptperson, ihre Dienerin (2, 1 fig.) stumme Person ist. Ausser diesen besitzen wir noch von Theokrit epische Gedichte (Id. 13. 16. 17. 22. 24. 25. 26), lyrische (id. 12. 18. 28. 29. 30) und Epigramme. Idylle 19. 20. 21. 23. 27, das tändelnde Gedicht auf den Tod des Adonis und die Syrinx sind unecht. Was den Namen Idylle anbelangt, mit dem wir jetzt xar' çoxův ländliche Gedichte zu bezeichnen pflegen, so ist dieser nur allgemeiner Titel für die verschiedenartigen Poesien, welche wir hier vereinigt finden, und liefse sich, wie weiter unten gezeigt werden soll, etwa durch den modernen Ausdruck Genrebilder oder 'in sich abgeschlossene Kleinbilder wiedergeben. Letzterer Ausdruck passt insofern sehr gut, weil einzelne Momente uns in der That an Werke der alten plastischen Kunst erinnern, z. B. Id. 7, 711). Seinen Dichterruhm verdankt Theokrit den bukolischen und mimischen Gedichten. Über sie müssen wir zuerst handeln 2).

11) Vgl. Bücheler, Rhein. Mus. XV p. 454 flg. [Brunn, Sitzungsber. der bayer. Akad. 1879, 2 p. 1 fig.]

12) Über die bukolische Poesie vgl. meine Abhandl. de poet. Gr. bucol. p. 11 fig. Zimmermann in der Übersetzung des Theokrit, Stuttg. 1856, 16. p. 25 fg. Notter in Theokrits Idyllen u. s. w. deutsch von Mörike und Notter, Stuttg. 1855. kl. 8. p. 1 fig. Adert p. 3 fig. Finkenstein in der Arethusa p. 4 flg. Naeke, opusc. phil. I. Bonn. 1842 p. 163. Welcker, über den Ursprung des Hirtenliedes, in dessen klein. Schriften 1. TI. Bonn. 1844. P. Souillé, de idyllio Theocriteo, Paris et Andegav. 1860 p. 60 ig. E. Egger, mémoire sur la poésie pastorale avant les poètes buc. Paris. 1859 p. 2 ig. Sinner, recherches sur la poésie pastorale, Paris 1842. E. Roux, de idyllio Theocr. Paris. 1847. [O. Ribbeck, Preuss. Jahrb. XXXII (1873) p. 59 ilg. A. Holm, Geschichte Siciliens im Alterthum II (Lpz. 1874) p. 298 ilg. 493 ig. M. Haupt bei Belger, Haupt als akademischer Lehrer (Berlin 1879) p. 226 ig.] Nur für den Litteraturhistoriker von Wert sind folgende Abhandlungen: Heyne, de carmine bucolico, in dessen Ausg. des Virgil Bd. 1. Warton, de poesi bucolica Graecorum, in dessen Ausg. des Theokrit tom. I. p. XXI. Manso, Theokrit, in den Nachträgen zu Sulzers allg. Theorie der schönen Künste. 1. Bd. 1. Stück p. 89. R. Polwhele, the pastoral Idyllia, in dessen Übersetzung der Bukoliker ed. Lond. 1811, "II p. 12. Fr. Schlegel, über das Idyll und

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