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sehr schwer ist, wie jeder, der Lust hat, sich durch eigene Versuche überzeugen kann.

Der Volkspoesie Siciliens ist ferner der stetig wiederkehrende Schaltvers entnommen, welchen wir in den Liedern Id. 1, 64. 70. 76 flg. Id. 2, 17, 22, 27 fig. finden. Die Macht, welche die Wiederholung eines solchen Verses auf das Gefühl übt, erkannte schon Aeschylus, welcher ihn mehreremal in seinen Tragödien benutzt hat (z. B. Suppl. 133 - 142) und nach den Nachrichten der Alten seine Anwendung von den Siculern gelernt haben soll83). Wir können ihn füglich mit dem Refrain vieler unserer Nationallieder vergleichen. Nachahmungen davon finden wir Bion 1, 6. 15 flg. Mosch. 3, 8. 13 flg. Virgil. Ecl. 8, 42. 46. 79. 84 flg. Catull. 62, 5. 10 fig. 61, 4-5. 39-40. 64, 327. 333 flg. Ovid. Heroid. 9, 146. 152. 158. 163 flg. (impia, quid dubitas, Dežanira, mori?). Ovid. Amor. 1, 6, 24. 32 flg. (tempora noctis eunt: excute poste seram). Pervigil. Vener. 1. 8 flg. (cras amet, qui nunquam amavit, quique amavit cras amet).

Durch diesen Schaltvers wird das Lied augenscheinlich in kleine Strophen geteilt, welche in Id. 1, 66 flg. nach unserer Ansicht aus je fünf Versen bestehen), denen v. 64-65 eine Anrede an die Musen vorausgeschickt ist, zu welchen sich auch am Schlusse (v. 144) der Sänger wendet. In der zweiten Idylle haben wir zwei Gesänge, ein Zauberlied, welches (v. 18—63) aus fünfzeiligen Strophen 35) besteht, denen der dominierende Zauberspruch υγξ, έλκε τυ τηνον εμόν ποτέ δωμα τον άνδρα ν. 17 vorangeht, und dann die Erzählung von der Liebe des unglücklichen Mädchens, welches dieses Zauberwesen treibt, um ihren ungetreuen Liebhaber wieder zu sich zurückzurufen. Letzterer besteht aus Strophen von je sechs Versen (v. 64--135). Von Vers 136 an hört dort das Strophenverhältnis auf. Nur noch ein Anklang an den zweiten Schaltvers sind v. 142 die Worte zós rá του μη μακρά φίλα θρυλέoιμι Σελάνα. Das entspricht ganz der Leidenschaftlichkeit der armen Verlassenen, welche in jenem Gedichte dem Monde ihr Leid klagt und gerade von dort an Dinge andeutet, über die sie selbst lieber ganz wegeilen möchte.

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33) S. de poet. buc. p. 20. Ahrens, de ephymniis bucolicis, in Bionis Epitaph. Adonidis, ed. Henr. Lud. Ahrens, Lips. 1854, 8. p. 29.

34) Seit Hermann (Zeitschr. für_Altertumsw. 1837 p. 227) sind viele Hypothesen über die strophische Einteilung dieses Liedes aufgestellt worden. Siehe meine grosse Ausg. I p. 12. Dazu vgl. noch Peiper in Jahns Jahrbb. Band 89 (1864) S. 449 fig. Carol. Freytag, coni. in Theocriti carmen I. lusus otiosi, Meissen 1864, 4. [Anm. zu v. 70. 95. 115.]

35) Vers 58 ist unecht, wie nach meinem Vorgange auch der neueste Herausgeber des Theokrit, Ziegler, annimmt, welcher mit mir auch Id. 1, 134 für ein Einschiebsel von fremder Hand erklärt. [Vgl. Anhang zu 1, 134 u, zu 2, 58.]

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Die Lieder, welche in der dritten Idylle der verliebte Hirt von Vers 12 an singt, zerfallen in kleine Strophen von je drei Versen. Nur scheinbar findet dort v. 24 eine Störung statt. Vor jenem Verse tritt nämlich eine Pause ein. Der Hirt hofft, dass die hartherzige Geliebte, vor deren Grotte er das Ständchen bringt, sich ihm zeigen werde. Da er sieht, dass sein Hoffen eitel ist, so bricht er Vers 24 in den Klageruf aus: @uoL xt2. Dann aber beginnt er den Gesang aufs neue. Jenen Gesängen geht ein Prolog von zwei Versen voraus (v. 1—2, vgl. Id. 1, 64–65), in welchem der Hirt mit sich selbst spricht, während er noch an dem Felsen weilet, wo seine Ziegen weiden. Hier kündigt er den Entschluss an, zur geliebten Amaryllis gehen zu wollen. In einer Gruppe von drei Versen (3—5) redet er dann seinen Freund Tityrus an, dessen Obhut er seine Herde anvertraut. Nun kommt er zur Grotte, in welcher Amaryllis versteckt ist. Vor dieser recitiert er gewissermassen den zweiten Prolog, die Verse 6-11, in denen (ganz wie im Anfange) je zwei Verse ein Ganzes bilden. In ihnen fragt er die spröde Amaryllis, warum sie ihn nicht mehr leiden möge,

obwohl er doch ein ganz schmucker Bursche sei (v. 8–9) und ihr gern jeden Wunsch erfülle (v. 10–11). Amaryllis lässt sich nicht sehen, und nun beginnt der Gesang v. 12 flg.

Gesänge, in welchen je zwei Hexameter eine Strophe bilden, finden wir 5, 80 flg. 8, 63 flg. 10, 24 flg. Je zwei elegische Distichen sind in gleicher Weise zu einem Ganzen in Id. 8, 33 flg. vereinigt 36).

Die Erwähnung der Lieder, welche wir bei Theokrit finden, führt uns auf die Wettgesänge oder Wechselgesänge, in welchen Theokrit Id. 5 u. 8 ein Abbild des sicilischen Hirtenlebens giebt. Wir verweisen auf das in der Einleitung zur fünf

es,

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36) Den wilden Cyklopen Polyphem der elften Idylle charakterisiert

dass das Lied, welches er von Vers 19 an singt, nicht aus gleichzeiligen Strophen, sondern aus Absätzen bald von drei, bald von fünf, bald von vier, selbst von sechs Zeilen besteht, welche ohne festes Gesetz durch einander gehen. Alle Versuche, durch Umstellung und Ausmerzung von Versen dort eine angebliche Symmetrie von Štrophen herzustellen, sind eben so gescheitert, als die Zahlenspielereien (s. grosse Ausgabe I p. 342), welche an windschiefe Kartenhäuser der Kinder erinnern. Nach dem Vorgange Hermanns (de arte poes. Gr. buc. Lips. 1849, 4. [opusc. 8 p. 329 flg.]) haben seit 20 Jahren eine Anzahl Gelehrte nicht bloss die Gesänge in Id. 6. 7. 18, sondern sogar die epischen Gedichte (Id. 13. 16. 17) in Strophen bringen und in ihnen mystische (so muss man sagen) Zahlenverhältnisse finden wollen. Bereits sind einzelne Stimmen gegen dieses unkritische Verfahren laut geworden, z. B. von Bücheler in Jahns Jahrbb. Bd. 81 (1860) p. 368. In der nächsten Auflage werde ich diese Anmerkung weglassen können. Denn in wenig Jahren wird sich das jetzt epidemische Strophenfieber völlig gelegt haben, welches Heimsóth passend mit dem Tischklopfen vergleicht, das immer gerade diejenige Zahl wieder giebt, die gewünscht wird.

ten Idylle zu sagende und heben hier nur dies hervor.

Es liegt in der Natur des Wechselgesanges, dass das Nachfolgende dem Vorhergehenden entspricht, dass eine Symmetrie der Gedanken sowohl als des Ausdruckes stattfindet und dass der, welcher an der zweiten Stelle singt, es noch besser als sein Vorgänger zu machen sucht. Ein Beispiel bietet die schöne Ode des Horaz, Od. 3, 9 Donec gratus eram tibi, der Wechselgesang zwischen Horaz und Lydia. Dort sagt der Dichter v. 9:

Me nunc Thressa Chloe regit,
Dulces docta modos, et citharae sciens:

Pro qua non metuam mori,

Si parcent animae fata superstiti.
Aber Lydia entgegnet:

Me torret face mutua
Thurini Calais filius Ornyti:

Pro quo bis patiar mori,

Si parcent puero fata superstiti. Ähnlich ist es nun in den Wechselgesängen Theokrits Id. 5, 80 flg. 8, 33 flg. Hier versteht es sich von selbst, dass jeder der zwei Streitenden gleich viel Verse singt - sonst wäre das Ebenmass vernichtet und dass sich der, welcher an der zweiten Stelle singt, auch im Ausdrucke so viel als möglich an das anschliesst, was der erste gesagt hatte.

Dieses Ebenmass aber ist es, welches auch anderen Stücken von Theokrits bukolischen Dichtungen eine wunderbare Lieblichkeit verleiht. So sagt Daphnis Id. 8, 9 zu Menalkas: Du wirst mich sicher nicht im Wettgesange besiegen. Menalkas antwortet:

χρήσδεις ών εσιδεϊν; χρήσεις καταθείναι άεθλον; Dem entgegnet Daphnis: ·

χρήσθω τούτ' έσιδεϊν, χρήσθω καταθείναι άεθλον 37). Damit vergleiche man 8, 13-17 und 18-19 – 21-22, namentlich aber 8, 33 ~ 8, 37. S. Anm. zu 8, 37. Dieser Einklang von Gedanken und Form macht uns gleich den Anfang der ersten Idylle so lieb. Hatte dort v. 1-2 Thyrsis das Syrinxspiel des Ziegenhirten mit der Lieblichkeit verglichen, welche das Gesäusel der Pinie gewährt, so entgegnet darauf der Ziegenhirt v. 8: adcov, ώ ποιμήν, το τεόν μέλος ή το καταχές της από τας πέτρας καταλείβεται υψόθεν ύδωρ. Dem Syrinxspiel wird das Lied entgegengesetzt; das Rauschen des Baches steht gegenüber dem Baumgeflüster; dem Verbum uelloderai in Vers 2 entspricht das Wort uélos in Vers 7; der Anrede airólɛ (v. 1) die Anrede a rolurv (v. 7). Thyrsis begann v. 1 mit dem Positivus &dý, der

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37) Vgl. Aesch. Prom. 69-70 (ogões - og@) und meine grosse Ausg. I p. 266 zu 8, 12.

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THEOKRIT VON FRITZSCHE.

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Ziegenbirt hebt an mit dem Comparativus adcov. Thyrsis sagte v. 1-2 rnvæ noti rais nayatol u; der Ziegenhirt sagt v. 7 την άπό τάς πέτρας κ. So beschreiben beide zugleich den Ort, an dem sie weilen. Thyrsis sagte v. 3, nächst Pan werde der Ziegenhirt den besten Preis erhalten; der Ziegenhirt entgegnet v. 9, nächst den Musen werde Thyrsis den besten Preis erhalten. Thyrsis sprach ν. 4: αίκα τηνος έλη κεραόν τράγον, αίγα τύ λαψή. Die Geschenke, κεραόν τράγον alya werden überboten durch ολίδα - άρνα σακίταν, indem der Ziegenhirt erwidert: αίκα ται Μοϊσαι ταν οιίδα δώρον άγωνται, άρνα τυ σακίταν λαψη γέρας. Die von Thyrsis gebrauchte Conjunction αίκα wird von dem Antwortenden wiederholt. Ja, er stellt sogar in dem vierten Dactylus des vorletzten Verses seiner Antwort vor

die bukolische Cäsur dasselbe Wort, yépas, was an derselben Versstelle des vorletzten Verses Thyrsis in seiner Anrede gebraucht hatte. Endlich hatte Thyrsis in drei Versen zwei denkbare Fälle gesetzt: αίκα τηνος έλη κεραόν τράγον, αίγα τύ λαψη αίκα δ' αίγα λάβη τηνος γέρας, ές τε καταρρεϊ α χίμαρος κτλ. Gleich viel denkbare Fälle setzt der Antwortende ebenfalls in drei Versen: αίκα ται Μοϊσαι ταν ολίδα δωρον άγωνται, αρνα τυ σακίταν λαψη γέρας αι δε μ' αρέστη τήναις άρνα

, "

ai λαβείν, τύ δε ταν όιν ύστερον άξη. Der Leser vergleiche hiermit die parallel laufenden Ausdrücke 1, 87 - 90. 1, 120

121. 11, 22 ~ 23. 8, 3 ~ 4, vorzüglich aber 8, 33—48, und er wird bekennen, dass der Ausdruck durch diese Rundung, wenigstens in den zuletzt genannten Versen, eine Milde und Traulichkeit erlangt, welche an das sogenannte Idyllische der neueren Zeit nahe anstreift. Es erinnern diese Stellen an den parallelismus membrorum in der hebräischen Poesie. Bei Theokrit erscheint dieses Ebenmass noch natürlich, während bei römischen Dichtern, z. B. Virg. Aen. 8, 271-272, bei Ovid, welcher in den Metamorphosen öfter solche parallel laufende Verse hat (Met. 1, 325 flg. 7, 246-247), es nur zu oft wie Künstelei aussieht 38).

Noch Eins ist übrig, was wir als ein bedeutendes Mittel betrachten müssen, wodurch Theokrit sowohl die mimischen als die bukolischen Gedichte der Wahrheit des Lebens nahe brachte. Dies ist der Dialekt 39). Die Sprache ist der halbe Mensch. Ein einziges Wort trifft oft den Nagel auf den Kopf. Wenn Uhland sagt:

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38) Ich nehme Tibull aus, z. B. 4, 2, 9—10. Vgl. Gruppe, die röm. Elegie, Leipzig 1838. Bd. 1 p. 15. Ausserdem vgl. z. B. Prop. 1, 3, 21 - 23. von anderer Art ist z. B. Hor. Sat. 1, 6, 45–46.

39) Gust. Ed. Muehlmann, leges dialecti qua Graecorum poetae bucolici usi sunt. Lips. 1838, 8. 1o. Arens, de dial. Sicula, Diss. Münster 1868. Theod. Bergk, de Theocr. dial. im Rhein. Mus. VI, 1 (1838) p. 16. Christph. Ziegler, Verhandl. d. deutschen Philol. u. Schulm. in Ulm p. 36 flg. Ohne Wert ist Harles, diss. de Theocriti Dorismo

Da sprengten plötzlich in die Quer
Funfzig türkische Reiter daher,
Die buben an, auf ihn zu schiessen,
Nach ihm zu werfen mit den Spiessen.
Der wack're Schwabe forcht sich nit,

Ging seines Weges Schritt vor Schritt u. 'S. W., so bewirkt der Ausdruck der vorletzten Zeile 40), dass wir den wackern Schwaben leibhaftig vor uns stehen sehen. Von ähnlicher Wirkung ist es, wenn Theokrit seine dorischen Hirten und seine dorischen Weiber im dorischen Dialekte reden lässt. Er bringt uns hierdurch die Personen, welche er vorführt, eben so nabe, wie es unserem Hebel durch den allemannischen Dialekt in seinen allemannischen Liedern, Klaus Groth in seinen Verteln, Fritz Reuter in den ollen Kamellen durch die plattdeutsche Mundart, Robert Burns durch das schottische Idiom gelungen ist, welches die Engländer früher als broad Scotch verachteten“). Während aber bei Sophron der wirkliche Vulgärdialekt Siciliens angewendet ist, hat Theokrit sich eines grammatisch berechneten, wir können sagen gelehrten, Dorismus bedient und denselben durch Einmischung epischer Formen veredelt. Halten wir uns fest an die Überlieferung der besten Handschriften, so ist es uns unmöglich alle Ausdrücke der mimischen und buko

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in der Ausg. 1780, 8. Hauptwerk: de dialecto Dorica, scripsit Henr. Lud. Ahrens. Gotting. 1843, 8. [Guido Oppel, quaestiones de dialecto Theocritea. Diss. Lips. 1874. Laurentius Morsbach, de dialecto Theocritea. Pars I. Diss. Bonn 1874, sowie in Curtius' Studien zur griech. u. lat. Gramm. 10 p. 1 fig.]

40) Von Uhlands und anderer klassischen Dichter körnigen Ausdrücken völlig verschieden sind die sprachlichen Verzerrungen, welche sich die Posse erlaubt und der Student in Stunden der Erholung belacht. Dies würden wir nicht erwähnen, wenn nicht bei Gebauer p. 27 der von mir bereits in der ersten Ausgabe angeführte Vers Uhlands mit Verweisung auf mein Buch wiederholt und dann hinzugefügt wäre: Eleganter (sic!) etiam C. B. Trinius: Da brummt ein Bekannter im Bass: Wenn wir nicht wären entronnen, dann wären wir alle verbronnen!“ Dann sind auch die Reime der bekannten fürchterlichen Ballade" elegantes: „Der Saal erglänzt im hellsten Kerzenstrahle, Und lustiger Sang ertönt aus jeder Kahle. Lenoren sieht man mit dem Ritter Kunzen Schon etliche Galops zusammen tunzen. Da nahet Ritter Veit und stösst, o Grausen, Lenoren seinen Dolch tief in den Bausen."

41) Probus p. 348 ed. Lion: bucolica Theocritus facilius videtur fecisse, quoniam Graecus sermo sic videtur divisus ut Dorica dialectus, qua ille scripsit, rustica habeatur. Opportunum fuit ergo ei, qui pastores inferebat, ea lingua disputasse. Aristophanes lässt z. B. in der Lysistrata die Spartanerinnen dorisch reden, in den Acharnern den Böotier V. 911

i'tto devs ausrufen, gerade wie Plato, Phäd. p. 62, B den Thebaner Kebes (ίττω Ζεύς, έφη, τη αυτού φωνή είπών). Die alten ionischen Philosophen Demokrit und Heraklit reden bei Lucian, vit. auct. 13 Hg. ionisch (γελοία πάντα μοι δοκέει τα πράγματα υμέων και αυτοί quées u. 8. w.). Bei Cicero, Brut. 46, 172 sagt die alte Marktfrau zu Theophrast, der sich nach dem Preise erkundigt hat: non pote minoris.

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