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daher kein Wunder, dass sie von verschiedenen Seiten in Angriff genommen wurde. Zwei solcher Versuche sind uns bereits bekannt geworden, der des Cn. Matius und der des Ninnius Crassus (§ 90). Allein dieselben scheinen keinen besonderen Erfolg gehabt zu haben. Auch in der Kaiserzeit wurde das Problem zu lösen versucht; Attius Labeo übersetzte nicht bloss die Ilias, sondern auch die Odyssee, aber Wort für Wort, ohne sich um den Sinn viel zu kümmern. Er musste daher den Spott des Persius in der ersten Satire über sich ergehen lassen. Anderer Art scheint die Arbeit des Polybius, des Freigelassenen des Claudius, gewesen zu sein. Seneca preist ihn nämlich, dass er Vergil und Homer einem grösseren Publikum erschlossen habe. Die Charakterisierung der Arbeit als einer dem Homer und Vergil gleichmässig zugewandten lässt auf eine prosaische Bearbeitung schliessen.1) Alle diese Versuche hat die Zeit hinweggerafft. Dagegen hat eine lateinische Ilias sich siegreich hindurch gerettet. Dieselbe besteht aus 1070 Hexametern; davon fallen 251 Verse auf die zwei ersten Bücher der Ilias, über die Hälfte der Verse (537) kommt auf die fünf ersten Bücher. Dem 17. Gesang des Originals sind drei, dem 13. sieben Verse gewidmet, dem 22. dagegen sechzig. Schon aus diesen wenigen Angaben erhellt, dass die Bearbeitung den Stoff des Originals in sehr ungleicher Weise heranzieht. Anfangs schliesst der Autor sich enger an dasselbe an, im Laufe der Dichtung aber nimmt er starke Kürzungen vor. Dadurch entstehen manche Unklarheiten (z. B. 789; 790). Aber selbst Abweichungen von seiner Vorlage gestattet sich derselbe mehrfach. 2) Endlich nimmt er, besonders in Reden und Schlachtbeschreibungen, 3) auch die Gelegenheit zu Erweiterungen wahr. Wir haben sonach eine freie Bearbeitung der Ilias vor uns, keine Übersetzung. Dass dieselbe die Schönheiten des Originals fast gar nicht zur Erscheinung bringen kann und nicht selten ein dürres Gerippe werden muss, ist klar. Aber das Ganze ist doch ein lesbares und deshalb nicht gar zu gering zu schätzendes Produkt. Der Wortschatz verrät die eifrige Lektüre Vergils und Ovids.4)

Attius Labeo. Pers. sat 1,4 ne mihi Polydamas et Troiades Labeonem | praetulerint? schol. zu 1, 4 (p. 248 Jahn) Labeo transtulit Iliadem et Odyssiam verbum ex verbo ridicule satis, quod verba potius quam sensum secutus sit; El. Vinetus führt zu dieser Stelle folgendes Scholion an ex cod. Jo. Tillii Brionensis episcopi: Labeo poeta Latinus fuit, ut Fulgentius in libro etymologiarum ait, qui carmen et opus Homericon vertit in Latinum et placuit non magis auditoribus quam lectoribus. Eius versus est: „crudum manduces Priamum Priamique pisinnos“ (Il. 4, 35); vgl. Jahn, Ausg. p. 248 Anm. 5. Pers. sat. 1, 50 quid non intus habet? non hic est Ilias Atti ebria veratro? schol. zu 1, 50 (p. 259 Jahn) Attius Labeo poeta indoctus fuit illorum temporum, qui Iliadem Homeri versibus foedissime composuit; vgl. Buecheler (Rhein. Mus. 39 (1884) p. 289), der mit Recht annimmt, dass der von Persius einmal Labeo, dann Attius Genannte dieselbe Person ist. Den Namen Attius Labeo finden wir auch in einer verstümmelten Inschrift von Korinth. Modestin[um .. Attium Labeonem

. . . . X vir]stlitibus iudican[dis .; vgl. Joh. Schmidt, Mitt. des deutsch. archäol. Inst. in Athen 6 (1882) p. 354. Bährens, Fragm. poet. Rom. p. 363.

Polybius. Seneca ad. Polyb. de consol. 8, 2 Homerus et Vergilius tam bene de humano

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genere meriti, quam tu et de omnibus et de illis meruisti, quos pluribus notos esse voluisti quam scripserant; 11, 5 utriuslibet auctoris carmina, quae tu ita resolvisti, ut quamvis structura illorum recesserit, permaneat tamen gratia etc. Vgl. auch oben § 247 p. 86.

Die Vergleichung der Ilias Latina mit Homer ist durchgeführt von Döring, Ueber den Homerus latinus, Strassb. 1884.

394. Zeit und Autor der lateinischen Ilias. Das Gedicht wurde wahrscheinlich schon im Altertum als Schulbuch benutzt;1) auch im späteren Mittelalter wurde es in den Schulen viel gelesen. In der massgebenden Überlieferung erscheint das Produkt unter dem Namen „Homerus“. Vom 12. Jahrhundert an wird die lateinische Ilias merkwürdigerweise mit dem Namen Pindarus in Verbindung gebracht; nun schleicht sich dieser Name auch in jüngere Handschriften ein. Von den Handschriften kam der Pindarus in die Ausgaben, von denen ältere noch den Zusatz Thebanus beifügten. Noch niemand hat befriedigend zu erklären vermocht, wie Pindar zu der Autorschaft dieser lateinischen Ilias kommen konnte; die Unsinnigkeit dieser Tradition ist keinem Zweifel unterworfen. Als man in neuerer Zeit das Werkchen wieder in die Hand nahm, wurde auch die Frage der Abfassungszeit erwogen. Mit Recht hat man als Grundlage für diese Frage die Stelle 899 f. erkannt; hier sagt der Dichter, dass, wenn Neptun den Aeneas nicht gerettet hätte, so dass der Flüchtling auf lieblichen Gefilden wieder Troia neu begründen und sein hehres Geschlecht unter die Sterne versetzen konnte, so würde eine teuere Familie nicht entstanden und uns erhalten worden sein. Mit Recht hat man angenommen, dass diese Worte nur unter der julischen Dynastie aktuelle Bedeutung hatten und daher nicht nach Neros Tod geschrieben wurden. Der Frage über den Autor trat man näher, als zwei Akrosticha, eines am Anfang und eines am Schluss des Gedichts, entdeckt wurden. Auf Grund derselben glaubte man jetzt auch den Verfasser der lateinischen Ilias gefunden zu haben. Man wollte aus dem Anfangsakrostichon einen „Italicus" herauslesen, und da in der Zeit unseres Gedichts der bekannte Epiker Silius Italicus lebte, identifizierte man den gefundenen Italicus mit diesem. Allein der Lesung des Wortes Italicus" in dem Akrostichon stellte die Überlieferung ein starkes Hindernis entgegen; auch ergab eine Vergleichung der Ilias und der Punica des Silius Italicus merkliche Differenzen, über die auch die Annahme, dass die lateinische Ilias eine Jugendarbeit des Silius Italicus sei, nicht ganz hinwegführen konnte. Weiterhin stellte sich auch die Möglichkeit heraus, das Anfangsakrostichon so zu deuten, dass ein Italicus gar nicht mehr als Verfasser in Frage kam. Nimmt man noch hinzu, dass Martial, der gern von dem dichterischen Wirken des Silius Italicus spricht, nichts von einer lateinischen Ilias desselben weiss, so wird man von Silius Italicus als Verfasser des Gedichts absehen und die Autorfrage als ein ungelöstes und wahrscheinlich nicht zu lösendes Problem betrachten.

Die Bezeichnung des Autors. In den massgebenden Handschriften V und P wird das Gedicht eingeführt mit Incipit liber Homeri poetae (am Schluss V: finit Homeri liber; P: explicit liber Homeri poetae); auch im Erfurtensis Amplon. 20 s. XII wird die Schrift eingeleitet mit Incipit liber Homeri; im Leidensis Voss. L. O. 89 s. XII mit Incipit liber omeri. Bei Lactant. zu Statius Thebais 6, 121 (p. 305 Jahnke) lesen wir Homerus in funere Hectoris dicit (= Il. lat. 1048-50). Man nimmt an, dass zum erstenmal der Name Pin

1) Bährens, Poet. lat. min. 3 p. 3.

darus bei Benzo, Bischof von Alba (um 1087) in seinem Prolog zur Schrift ad Heinricum IV (Monum. Germ. hist., Abt.: Scriptores, tom. 11 p. 599) Vs. 53 Pindarus seu Homerus auftritt; allein einen völlig zwingenden Grund zu dieser Annahme gibt unsere Stelle nicht an die Hand; vgl. Stiglmayr, Eine alte Regensb. Hschr. des sog. Hom. lat. (Prager Studien aus dem Gebiete der klass. Altertumswiss. 1894 H. 3 p. 45). Gar keinen Grund haben wir aber, den Namen Pindarus in den Carmina Cenomanensia 5, 61 (um 840): non etenim Flaccus rutilat nec Pindarus ardet (Poet. lat. med. aevi, tom. 2, Berl. 1884, p. 627) auf den Autor der Ilias latina zu beziehen; vgl. Manitius, Philol. 50 (1891) p. 369; Stiglmayr p. 47. Vom 12. Jahrh. an lässt sich dagegen Pindarus als Autor der Ilias latina quellenmässig nachweisen; vgl. Stiglmayr p. 48. Auch in jungen Handschriften findet sich der sonderbare Pindarus; vgl. Bährens, Poet. lat. min. 3 p. 4; Plessis, Ausg. p. XLVIII. In älteren Ausgaben wird noch Thebanus hinzugefügt. Zur Erklärung dieses Pindarus liegen einige Versuche vor; L. Müller (Rhein. Mus. 24 (1869) p. 492) erklärt den Namen aus einem Missverständnis von Stellen wie Horat. carm. 4, 9, 5 f.; Sabbadini (Il titolo dell' Ilias latina, Rivista di filol. 26 (1898) p. 125) vermutet, dass Pindarus aus dem Versanfang Iram pande herausgeklügelt worden sei; vgl. dagegen Rasi p. 410.

Die Zeit der Ilias latina. Mit Recht hat Lachmann (Kleinere Schriften zur klass. Philol., Berl. 1876, p. 161) in den Vs. 899 f. quem (Aeneam) nisi servasset magnarum rector aquarum, | ut profugus laetis Troiam repararet in arvis | augustumque genus claris submitteret astris, | non carae gentis nobis mansisset origo ein wichtiges Kriterium für die Zeitbestimmung des Gedichts erkannt, nur ist seine Schlussfolgerung zu enge: die Verse waren nicht mehr wahr und schicklich, nachdem Tiberius gestorben und nicht vergöttert war. Vgl. denselben, Comment. zu Lucret. 3, 11. Wir werden uns mit der Schlussfolgerung begnügen, dass das Gedicht nur unter der julischen Dynastie, also nicht nach dem Tode Neros (68 n. Chr.), entstanden ist; auch Vs. 236 et sacer Aeneas, Veneris certissima proles und 483 emicat interea Veneris pulcherrima proles zielen auf die herrschende Dynastie. Vgl. L. Müller, Ueber den Auszug der Ilias und Recension des Pindarus Thebanus, Berl. 1857, p. 15; Philol. 15 (1860) p. 479 und 502. Trampe (De Lucani arte metrica, Berl. 1884, p. 78) hält den Verfasser für einen unmittelbaren Vorgänger Lucans. Als Zeitgenossen des Phaedrus möchte ihn Plessis (Ausg. p. XIV) ansehen.

Die beiden Akrosticha und der Verfasser des Gedichts. Im J. 1877 veröffentlichte Seyffert in der neuen Bearbeitung von Munk's Gesch. der röm. Litt. (2 p. 242) die Entdeckung, dass die Ilias latina mit einem Akrostichon beginnt; bereits vor ihm war auch Prof. J. Caesar in Marburg auf dieses Akrostichon aufmerksam geworden; vgl. Altenburg p. 1. Allein die Beobachtung scheint noch weiter zurückzugehen; H. Schenkl (Wien. Stud. 12 (1890) p. 317) macht auf den Vindobonensis 3509 s. XV/XVI aufmerksam, wo in der Ueberschrift als Verfasser ein Bebius Italicus angegeben ist; Italicus wird auf das Akrostichon zurückgehen, Bebius ist entweder fingiert oder nach Jeep, Bursians Jahresber. 84. Bd. 2. Abt. (1895) p. 134) aus Silius entstellt. Die ganze Akrostichenfrage kam in Fluss durch Buecheler, der im J. 1880, ohne von seinen Vorgängern Kenntnis zu haben, ebenfalls das Akrostichon am Anfang des Gedichts entdeckte (Rhein. Mus. 35 (1880) p. 391); aber er machte zugleich eine zweite Beobachtung, welche der Frage eine neue Bahn anwies; er hatte gefunden, dass das Gedicht auch mit einem Akrostichon schliesse. Die letzten acht Verse tragen nämlich die Anfangsbuchstaben scqipsit; durch eine Umstellung erhält man hieraus scripsit; diese Umstellung ist aber um so wahrscheinlicher, weil die acht Schlussverse eine festgeschlossene Gruppe bilden, die allem Anschein nach eigens zu dem Zwecke gedichtet wurde, um das Akrostichon anzubringen. Mit der Entdeckung des scripsit änderte sich auch die Anschauung über das erste Akrostichon. Bisher konnte man schwanken, ob in der Person des Anfangsakrostichon ein Vokativ oder Nominativ stecke; so hatte auf eine angeredete Person (Italice) M. Hertz (Zeitschr. für das Gymnasialw. 31 (1877) p. 572) das Anfangsakrostichon bezogen; vgl. aber ebenda 39 (1885) p. 424. Ja man ging sogar noch weiter und gewann aus den vier folgenden Versen, nachdem eine Umstellung im zweiten (Vs. 9) vorgenommen, den Vokativ Sili; vgl. Teuffel-Schwabe, Gesch. der röm. Litt., Leipz. 1882, § 308, 2; Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms 16 p. XX. Es lag nahe, das Akrostichon als eine Dedikation an den Dichter Silius Italicus aufzufassen; jetzt aber, nachdem scripsit bekannt geworden, fielen diese Hypothesen zu Boden, denn man brauchte einen Nominativ zu scripsit. Bährens gewann diesen, indem er Vs. 7 ex quo pertulerant discordi pectore pugnas für ex quo pertulerant schrieb ut primum tulerant; diese willkürliche Aenderung ist um so verwerflicher, weil sich aus dem Vergleich mit Homer A 6 ἐξ οὗ δὴ τὰ πρῶτα διαστήτην ερίσαντε ergibt, dass der Uebersetzer das Original genau wiedergegeben. (Willkürlich wird auch von Diels (Sibyllinische Blätter, Berl. 1890, p. 35 Anm. 2) ein Schlussakrostichon des ersten Buchs: Italici hergestellt). Diese Schwierigkeit versucht Vollmer (Rhein. Mus. 53 (1898) p. 165 und Berl. philol. Wochenschr. 1899 Sp. 70) also zu lösen: Er gewinnt aus den ersten sechs Versen

das Mesostichon Pieris, wobei es allerdings notwendig ist, Vs. 3 statt heroum zu schreiben eroum, was aber mit Verweisung auf Riese, Anthol. lat. 1 Nr. 120, 4 (ospes statt hospes) als unbedenklich dargestellt wird. Das Anfangsakrostichon, das Mesostichon und das Schlussakrostichon wären also aufzulösen Italice Pieris scripsit, wo Italice, das wegen des Versanfangs Iram nicht gut umgangen werden konnte, jetzt von Vollmer gleich Latine gefasst wird; Pieris ist natürlich die Muse. Ist diese Kombination richtig, so fällt aller Zusammenhang der Ilias latina mit Silius Italicus oder einem andern Italicus zusammen. Diesen Zusammenhang scheinen auch innere Kriterien nicht nahezulegen. Zwar wollte Döring (Ueber den Homerus latinus, Strassb. 1884, noch ausführlicher De Silii Ital. epitomes re metrica et genere dicendi, Strassb. 1886) Aehnlichkeiten zwischen Silius Italicus und dem Dichter der Ilias latina gefunden haben, allein es entstanden ihm Gegner in Hilberg, Verh. der 39. Philol.Vers. in Zürich 1887, p. 234 (in metrischer Hinsicht); Verres, De Sil. Ital. Punicis et Italici Iliade lat. quaest. gramm. et metr., Münster 1888; Eskuche, Die Elisionen in den zwei letzten Füssen des lat. Hexam., von Ennius bis Walahfridus Strabo (Rhein. Mus. 45 (1890) p. 254); Altenburg, Observ. in Italici Iliadis latinae et Sil. Ital. Punicorum dictionem, Marb. 1890; Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 210. Zwar darf das Moment nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Ilias latina, wenn sie Jugendarbeit des Silius Italicus war, Differenzen mit den im reifen Alter geschriebenen Punica aufweisen müsste; allein das Schweigen des den Silius so sehr bewundernden Martialis, der nur von den nach 68 entstandenen Punica etwas weiss, ist für mich Grund genug, die Autorschaft des Silius Italicus bei dem fraglichen Werkchen aufzugeben, zumal da das erste Akrostichon keine genügende Grundlage mehr darbietet. Gegen die Annahme Bergks (Kl. philol. Schr. 2, Halle 1886, p. 733), Attius (Accius) sei der Verfasser der Ilias latina, vgl. L. Müller, Fleckeis. Jahrb. 83 (1861) p. 652 und M. Haupt, Opusc. 2, Leipz. 1876, p. 163. Ueber die ganze Frage referiert Rasi, Sugli acrostici dell' Ilias Latina (Rivista di filol. 26 (1898) p. 399); er kommt zu der Schlussfolgerung (p. 409), dass man bei dem Gedicht von Italicus" gänzlich absehen müsse. Neuerdings bespricht auch Hilberg (Wien. Stud. 21 (1899) p. 264) die beiden Akrosticha, von denen er nur das Anfangsakrostichon Italice anerkennt und als eine Widmung an den Dichter Silius Italicus auffasst, das Schlussakrostichon dagegen als einen Zufall ansieht; allein einen Zufall anzunehmen verbietet die eigentümliche Stellung des Akrostichon.

Die Ilias latina im Mittelalter. Manitius, Beitr. zur Gesch. röm. Dichter im Mittelalter (Philol. 50 (1891) p. 368); Dunger, Die Sage vom trojanischen Kriege, Dresden 1869, p. 28 und 63; C. Wagener, Neue philol. Rundschau 13 (1893) p. 199; Stiglmayr 1. c. p. 50. Wir citieren einige Autoren, bei denen die Ilias latina erwähnt wird: Ermenrich von Ellwangen (s. IX) epist. ad Grimaldum p. 10 (ed. Dümmler, Halle 1873): ut apud Homerum in Iliade (Vs. 7); über die Benutzung der Ilias lat. in den Gesta Berengarii (zu Anfang des 10. Jahrh.) vgl. Dümmler, Forsch. zur deutschen Gesch. 13, Gött. 1873, p. 415; Vualtherus Spirensis (s. X) Vs. 93 (ed. Harster, München 1878, p. 22) führt den Autor als Schulautor auf; in dem von dem Grammatiker Aimericus 1086 verfassten ordo auctorum erscheint er als Homerulus; vgl. Gottlieb, Ueber mittelalt. Bibliotheken, Leipz. 1890, p. 13 Anm. 3. Hugo von Trimberg s. XIII (Registrum mult. auct. Vs. 154 ed. Huemer, Sitzungsber. der Wien. Akad. 116 (1888) p. 145) unterscheidet einen grossen und kleinen griechischen Homer und meint, unsere Ilias sei die Uebersetzung des kleinen: Hinc minori locus est hic Homero datus, | Quem Pindarus philosophus fertur transtulisse Latinisque doctoribus in metrum convertisse.

Ueberlieferung. Nach den Untersuchungen Vollmers, die demnächst in einer Festschrift für Vahlen erscheinen, sind die massgebenden Handschriften der Codex von Valenciennes (V) s. X, auf den zuerst Ehwald (Philol. Anz. 17 (1887) p. 46) hinwies und über den Wotke (Wien. Stud. 15 (1893) p. 155) ungenaue Mitteilungen machte, und der Codex des Museum Plantin-Moretus (P) zu Antwerpen N 89 (= D 66) s. X, den Vollmer gefunden hat. Aus der manus prima beider Handschriften lässt sich ein Archetypus von s. IX rekonstruieren, von dem vermutlich ein Blatt im cod. Bruxell. 4344 s. ÏX/X erhalten ist. Die beiden genannten Handschriften bilden zwar die Grundlage der Textesrecension, aber, da dieselben bereits sehr verderbt sind, können die jüngeren Handschriften, besonders die Monacenses nicht ganz entbehrt werden. Ueber den früheren Stand der Handschriftenfrage vgl. Bährens vor der Ausgabe in den Poet. lat. min. 3 p. 5, der 8 Handschriften herangezogen und Plessis, Ausg. p. XLI. Als seine besten Führer erachtete Bährens den Erfurtensis Amplon. nr. 20 s. XII (Kollation bei Th. Krafft, Eine Studie zum lat. Homer des sog. Pindarus Thebanus, Nürnberg 1874) und Leidensis Voss. L.O. 89 s. XII (Kollation bei L. Müller, Zu Hom. lat., Martianus und den Blandinischen Handschr. des Horat., Fleckeis. Jahrb. 85 (1862) p. 762). Von den übrigen Handschriften nennen wir den Florentinus Laurentianus 68, 24 s. XI (kollationiert von K. Schenkl, Zeitschr. für österr. Gymn. 26 (1875) p. 243); zwei Monacenses 19463 s. XII und 19462 s. XI; eine Prager

(vgl. Kelle, Abh. der böhm. Ges. der Wissensch. 1871/72, 6. Folge 5. Bd.); einen Vatic. Reginensis 1708 s. XIV; vgl. Wotke, Zeitschr. für österr. Gymn. 42 (1891) p. 202; derselbe hat auch noch drei andere Vaticani s. XIV/XV verglichen; vgl. Wien. Stud. 15 (1893) p. 156 Anm. 10. Für die Geschichte des Textes ist von Interesse eine Regensburger Handschrift s. XI, die Vs. 497-586 und 648-906 enthält; vgl. Stiglmayr, Eine alte Regensb. Handschr. des sog. Hom. lat. (Prager Stud. aus dem Gebiete der klass. Altertumswissensch. 1894, H. 3).

Ausg. E rec. et cum notis Th. van Kooten ed. Weytingh, Leyden 1809; L. Müller, Ueber den Auszug der Ilias und Recension des Pindarus Thebanus, Berl. 1857, p. 16; dazu Nachträge im Philol. 15 (1860) p. 483; ed. Plessis, Paris 1885 (keinen wesentlichen Fortschritt begründend; vgl. hiezu Ehwald, Philol. Anz. 17 (1887) p. 46). Das Gedicht steht auch bei Wernsdorf, Poet. lat. min. 4 p. 551; vgl. 5 p. 621; Bährens, Poet. lat. min. 3 p. 7.

11. Petronius Arbiter.

395. Der Sittenroman des Petronius (Petronii Satirae). Ansätze für die Romandichtung waren schon in der republikanischen Litteratur vorhanden. Sisenna hatte die schlüpfrigen Märchen des Aristides übersetzt (§ 113); aber hier waren doch nur Einzelbilder dem Leser geboten, es waren Novellen.1) Viel näher kam dem Roman die Reisebeschreibung; diese gab die Möglichkeit an die Hand, verschiedene Situationen bequem miteinander zu vereinigen und ein grösseres Ganzes zu schaffen. Als solche Reiseerzählungen lernten wir früher kennen die Werke des Statius Sebosus und des L. Manilius (§ 204); 2) in denselben war, wie es scheint, besonderer Nachdruck auf Kuriositäten und Wunderbarkeiten gelegt. Nicht unwichtig ist, dass Varro in seiner „Umfahrt" die Form der Reisebeschreibung künstlerisch verwertet hat. Auf dem Fundament der Erzählung von Erlebnissen eines Helden an verschiedenen Orten, also auf dem Fundament des Reiseromans ruht auch das merkwürdige Buch des Petronius Arbiter. Der jugendliche Encolpius berichtet uns die Schicksale, die ihm und seinen Genossen an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Gelegenheiten widerfahren sind. Aber alle diese Abenteuer werden vom Dichter zu einer inneren Einheit zusammengeschlossen, indem sie Folgen eines Vergehens sind, das sich der Held an einem Heiligtum des Priapus zu Schulden kommen liess. Wie Odysseus durch Poseidon, so wird Encolpius durch Priapus hin und her getrieben.3) Der Träger der Erzählung sagt selbst:4) Mich verfolgt durch Länder und Meere der schwere Zorn des Priapus. Allein unser Autor will nicht bloss abenteuerliche Dinge erzählen, er will auch Typen der Gesellschaft zeichnen und in Lebensbildern die tiefen sozialen Gebrechen der Zeit darlegen. Für diese Aufgabe lieferten ihm vortreffliche Muster die Cyniker mit ihren Satirae Menippeae. In bunter Mischung von Scherz und Ernst, von Prosa und Poesie liessen diese

1) Als solche fasst sie Rohde, Verh. der 30. Philologenvers. p. 55, während sie Bürger (Hermes 27 (1892) p. 353) für einen Roman hält; vgl. aber dagegen Rohde, Rhein. Mus. 48 (1893) p. 130.

2) Nicht als Vorläufer will Heinze (Hermes 34 (1899) p. 510 Anm. 1) die Reisebeschreibungen betrachtet wissen, weil sich nicht beweisen lasse, dass die genannten Bücher irgend etwas von freier Erfindung enthalten hätten." Allein der Uebergang von

der wirklichen Reisebeschreibung zur fingierten liegt doch sehr nahe; auch verrät die Einstreuung wunderbarer Begebenheiten schon einen romanhaften Zug.

3) Es ist aber verkehrt den Helden zum Odysseus redivivus zu machen, wie Bürger, 1. c. p. 346 Anm. 4 gethan; vgl. dagegen Heinze 1. c. p. 507.

4) 139 me quoque per terras, per cani Nereos aequor | Hellespontiaci sequitur gravis ira Priapi.

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