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sagt Tacitus (Agric. 17): sustinuit molem Julius Frontinus, vir magnus, quantum licebat; validamque et pugnacem Silurum gentem armis subegit, super virtutem hostium locorum quoque difficultates eluctatus; vgl. Hübner, Rhein. Mus. 12 (1857) p. 52. Ueber sein Prokonsulat in Asien vgl. Waddington, Fastes nr. 103. Curator aquarum wurde er im J. 97, vgl. de aquis 1; 102; cos. suff. II im J. 98, vgl. CIL 3 p. 862; Martial. 10, 48, 20; Asbach, Die Consularfasten der J. 96-119 n. Chr. (Bonner Jahrb. H. 72 (1882) p. 30); cos. ordin. III im J. 100 vgl. CIL 8, 7066; 6, 2222. Sein Augurat erhellt aus Plin. epist. 4, 8, 3 successi (im Augurat) Julio Frontino, principi viro, qui me nominationis die per hos continuos annos inter sacerdotis nominabat, tamquam in locum suum cooptaret; quod nunc eventus ita conprobavit, ut non fortuitum videretur; aus der Zeit des Briefes lässt sich auch das Todesjahr Frontins annähernd feststellen, es wird etwa 103 oder 104 gewesen sein. Ueber Frontin als Privatmann vgl. Martial. 10, 58. Ueber das Leben Frontins vgl. Polenus, Ausg. de aquaeduct.; Dederich, Bruchstücke aus dem Leben des Frontinus (Zeitschr. für die Altertumswissensch. 1839 p. 834 und 1077). Ein anderer Frontinus ist der Lamprid. vita Alex. Sev. 3, 3 (1 p. 230, 4 H. Peter) als Lehrer des Alexander Severus genannte Rhetor Julius Frontinus.

500 a. Die Schriften Frontins. Die Schriftstellerei Frontins bewegt sich durchaus auf technischem Gebiete. Er schrieb teils zu seiner eigenen Belehrung bei der Uebernahme eines technische Kenntnisse erfordernden. Amtes, teils schrieb er aber auch, nachdem er in der Praxis die betreffende Disziplin kennen gelernt hatte, zum Nutzen und Frommen anderer.1) Es sind folgende Werke zu verzeichnen:

1. Eine gromatische Schrift. Dieselbe wurde unter Domitian verfasst (54, 11 L.). Wir haben nur Auszüge aus derselben; sie umfasste zwei Bücher. Die Excerpte bekunden einen „tüchtigen und sachverständigen" Schriftsteller.

Umfang und Inhalt des Werkes. Dass die Schrift ursprünglich aus zwei Büchern bestand, geht hervor aus 1 p. 64 Lachmann uno libro instituimus artificem, alio de arte disputavimus. Die Excerpte handeln de agrorum qualitate, de controversiis, de limitibus, de controversiis agrorum. Diese Excerpte hat zusammengesucht und zum Teil aus dem Commentare des Agennius Urbicus (1 p. 34) herausgeschält Lachmann (Feldm. 2 p. 112 und 109); Zarncke, Commentat. Studemund., Strassb. 1889, p. 194. Mommsen, Frontins Bodenkategorien (Hermes 27 (1892) p. 79); Kritik von Frontins gromatischer Schrift (ebenda p. 114). Vgl. noch Cantor, Die röm. Agrimensoren und ihre Stelle in der Gesch. der Feldmesskunst, Leipz. 1875, p. 93; 134; 179; Gesch. der Mathematik 1, Leipz. 1881, p. 500. S. auch unten p. 402 Anm. 2.

Spuren einer landwirtschaftlichen Schrift Frontins. Bei Gagilius Martialis (A. Mai, Classicorum auctorum e Vaticanis cod. edit. Tom. 1, Rom 1828, p. 410) finden wir einen Julius Fronticus citiert, wo natürlich Frontinus zu lesen.

2. Die Strategemata. Zu den technischen Schriften gehören zwei militärwissenschaftliche Werke; das eine hatte einen theoretischen Charakter, leider ist uns dasselbe verloren gegangen. Dagegen ist uns das zweite, welches Beispiele von Kriegslisten (strategemata) zusammenstellt, erhalten. Die Beispiele sind naturgemäss in der Weise angeordnet, dass im ersten Buch die Kriegslisten vor der Schlacht, im zweiten die in und nach der Schlacht, im dritten die bei der Belagerung aufgeführt werden. Innerhalb der einzelnen Bücher deuten die Kapitelüberschriften die verschiedenen Arten der Strategemata an. Die Fälle sammelt er aus Autoren, besonders aus den Geschichtschreibern. Die römische Kriegsgeschichte ist mit Vorliebe herangezogen. Die Beispielsammlung Frontins reizte zur Nachahmung; vermutlich nicht lange nach dem Erscheinen derselben entstand eine neue Sammlung. Diese legte aber mehr moralische Gesichts1) Vgl. die p. 399 aus der Praef. zu de aquis ausgeschriebene Stelle.

punkte zu Grund, 1) sie ordnete die Beispiele nach den Rubriken: De disciplina, de effectu disciplinae, de continentia, de iustitia, de constantia, de affectu et moderatione, de variis consiliis; man erkennt sofort, dass hier ein ganz anderer Plan vorliegt als in dem Werk Frontins. Dieser gibt uns Strategemata, 2) Kriegslisten, der Verfasser der zweiten Sammlung will uns Strategica, d. h. Aeusserungen und Handlungen des tüchtigen Feldherrn, darbieten. Merkwürdigerweise wurde diese zweite Sammlung mit den drei Büchern Frontins verbunden und als viertes Buch gezählt. Ja noch mehr, die Verbindung war keine zufällige, sondern eine absichtliche, das vierte Buch sollte als ein Werk Frontins erscheinen. Zu diesem Zweck wurde eine Vorrede geschrieben und der Vorrede zur Sammlung Frontins ein Passus beigefügt, um auf das neue Werk einstweilen hinzuweisen. Allein es kann keinem Zweifel unterliegen, dass dieses Buch nicht von Frontin herrührt; ja in demselben ist Frontin bereits benutzt.

Die theoretische Schrift über das Militärwesen. Strateg. 1 praef. heisst es: Cum ad instruendam rei militaris scientiam unus ex numero studiosorum eius accesserim eique destinato, quantum cura nostra valuit, satisfecisse visus sim, deberi adhuc institutae arbitror operae, ut sollertia ducum facta .. expeditis amplectar commentariis. Veget. 1, 8 compulit evolutis auctoribus ea me in hoc opusculo fidelissime dicere, quae Cato ille Censorius de disciplina militari scripsit, quae Cornelius Celsus, quae Frontinus perstringenda duxerunt; vgl noch 2, 3; diese Stellen können sich nicht auf die strategemata beziehen. Auch bei den Griechen fand der Militärschriftsteller Beachtung, vgl. Aelian. tact. praef. (Köchly-Rüstow, Griech. Kriegsschriftst., 2. T., Leipz. 1855, p. 236) enɛi dè ènì vov Jeov πατρός σου (Traians) Νέρουας παρὰ Φροντίνῳ τῶν ἐπισήμων ὑπατικῶν ἐν Φορμίαις ἡμέρας τινὰς διέτριψα, δόξαν ἀπενεγκαμένῳ περὶ τὴν ἐν τοῖς πολέμοις ἐμπειρίαν, .. ἐλάττονα σπουδὴν ἔχοντα εἰς τὴν παρὰ τοῖς Ἕλλησι τεθεωρημένην μάθησιν und de ordin inst. 1 περὶ τῆς καθ' Ὅμηρον τακτικῆς ἐνετύχομεν συγγραφεῦσι Στρατοκλεῖ τε καὶ Φρόντων (zu lesen ist Φροντίνῳ; vgl. Förster p. 447), τῷ καθ ̓ ἡμᾶς ὑπατικῷ ἀνδρί; vgl. dazu R. Förster, Hermes 12 (1877) p. 446.

είρον οὐκ

Ziel und Gliederung der Strategemata. 1 praef. sollertia ducum facta, quae a Graecis una oroarnynμátov appellatione comprehensa sunt, expeditis amplectar commentariis. Ita enim consilii quoque et providentiae exemplis succincti duces erunt .. in tres libros ea diduximus: in primo erunt exempla, quae competant proelio nondum commisso; in secundo, quae ad proelium et confectam pacationem pertineant; tertius inferendae solvendaeque obsidioni habebit oroarnynμara: quibus deinceps generibus suas species attribui.

Die Unechtheit des vierten Buches ist von Wachsmuth (Rhein. Mus. 15 (1860) p. 574) und besonders E. Wölfflin (Hermes 9 (1875) p. 72) mit unwiderleglichen Beweisen dargethan. Der Versuch Fritzes (De Juli Frontini strategematon libro IV, Halle 1888), das vierte Buch wieder für Frontin in Anspruch zu nehmen, kann nicht als gelungen erachtet werden.

Ueber die Abfassungszeit des vierten Buches herrscht noch wenig Uebereinstimmung. Wachsmuth nahm als diese Zeit das 4. oder 5. Jahrh. an und erfreute sich für seine Behauptung der Beistimmung E. Wölfflins. Diese Ansicht kann unmöglich richtig sein; schon die Sprache legt ein Veto ein. Viel weiter zurück geht Gundermann in seinen Quaest. de Juli Frontini strategematon libris (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 16 (1888) p. 326), er meint: in eam inclino sententiam, ut scriptum esse quartum librum existimem ab homine haud ita erudito Ia studioso, si vis, rhetoricae aetate a Frontino non multum distante, initio fortasse saeculi alterius p. Chr." Jch habe (Philol. 48 (1889) p. 647) ebenfalls in den Streit eingegriffen und folgende Hypothese der Prüfung der Gelehrten unterstellt: „Der Verfasser des IV. Buches ist der Offizier, dem sich die Lingonen im Jahr 70 unterwarfen (4, 3, 14); er ist sonach Zeitgenosse Frontins. Für seine Schrift benutzte er wie andere Quellen so auch die Kriegslisten Frontins. Erst eine dritte Person hat diese Schrift mit Frontin verbunden, zu diesem Zweck eine Vorrede geschrieben und einen Passus der Vorrede des ächten Frontin hinzugefügt."

1) Wachsmuth (Einl. in das Studium der alten Gesch., Leipz. 1895, p. 230) nennt daher das Produkt: „militärisches Moralbüchlein."

2) Ueber die Bedeutung des Wortes vgl. Wachsmuth, Rhein Mus. 15 (1860) p. 580; Gundermann, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 16 (1888) p. 320.

Ueber die Quellen der beiden Sammlungen. Bludau, De fontibus Frontini, Königsberg 1883 (ohne Bedeutung); Gundermann, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 16 (1888) p. 361; Ausg. p. 144: Conspectus locorum quibus eadem Strategemata traduntur; Fritze p. 32. Die Ueberlieferung beruht auf zwei Klassen. Die erste ist am reinsten vertreten durch den Harleianus 2666 s. IX/X, hierzu kommen Auszüge im Goth. I 101 s. IX und Cusan. C. 14 s. XII; der beste Vertreter der zweiten geringeren Klasse ist Parisinus 7240 s. X/XI; Gundermann, Commentat. philol. Jen. 1 (1881) p. 86. Ueber eine Blattversetzung im Archetypus vgl. Haase, Rhein. Mus. 3 (1845) p. 312; Hedicke, Hermes 6 (1872) p. 156. Ueber die Strategemata in alten Bibliothekskatalogen vgl. Manitius, Rhein. Mus. 47 (1892) Ergänzungsh. p. 65.

Ausg. Von den älteren nennen wir: cum notis Stewechii ed. F. Modius, Leyden 1607; emend. illustr. Tennulius, Leyden 1675; F. Oudendorp, Leyden 1731; 1779; Sammelausg. von Schwebel, Leipz. 1772; die massgebende kritische Ausg. ist die von Gundermann, Leipz. 1888; vgl. dazu Petschenig, Philol. Supplementbd. 6 (1892) p. 399; Sonderausg. des B. 4 von Gundermann in den Commentat. philol. Jen. 1 p. 83.

Litteratur. Esternaux, Die Komposition von Frontins Strategemata, Berl. 1889; H. Düntzer, Domitian in Frontins Strateg. (Bonner Jahrbücher H. 96/97 (1896) p. 172); Grasso, Una questione di topogr. stor. et un errore di Frontino tra le imprese di Filippo II di Macedonia (Rendiconti d. R. Istituto lombardo Ser. 2 vol. 31 (1898) fasc. 14).

3. De aquis urbis Romae 1. II. Als Frontin von Nerva mit der Aufsicht über die römischen Wasserleitungen betraut wurde (97), fühlte er das Bedürfnis, sich über sein Ressort genau zu informieren; denn nichts widerstand seiner Gewissenhaftigkeit so sehr, als sich in dem ihm übertragenen Amt von fremdem Urteil abhängig zu machen. Zunächst also zu seiner eigenen Belehrung und zu seinem eigenen Gebrauch schrieb er dieses Promemoria nieder; allein da er sich der Hoffnung hingab, dass es auch für seine Nachfolger von Nutzen sein könnte, publizierte er das Werkchen nach dem Tode Nervas unter Traian. Er macht uns bekannt mit den Namen der römischen Wasserleitungen, mit der Zeit ihrer Errichtung, mit ihrem Lauf und ihrer Konstruktion, mit der Verteilung des Wassers, endlich mit den rechtlichen Verhältnissen. Die Darlegung ist. einfach und sachlich gehalten; es ist ein vortreffliches und für die Erkenntnis einer höchst wichtigen Einrichtung nützliches Schriftchen, das auch durch eingelegte Aktenstücke (z. B. 104, 106, 108) bedeutungsvoll wird.

Titel der Schrift. Im Cassinensis wird die Schrift betitelt: de aquae ductu urbis Romae; Buecheler (praef. p. XIII) gibt mit Heinrich als Titel der Schrift de aquis urbis Romae; H. Sauppe (Gött. gel. Anz. 1859 p. 995) schlägt vor de cura oder de officio aquarum urbis Romae.

....

sit nunc mihi ab Nerva Augusto

aqua

Ziel der Schrift. Praef. Cum. rum iniunctum officium....primum ac potissimum existimo, sicut in ceteris negotiis institueram, nosse quod suscepi. quapropter ea, quae ad universam rem pertinentia contrahere potui, more iam per multa mihi officia servato in ordinem et velut [in hunc] corpus diducta in hunc commentarium contuli, quem pro formula administrationis respicere possem. In aliis autem libris, quos post experimenta et usum composui, succedentium res acta est; huius commentari pertinebit fortassis et ad successorem utilitas, set cum inter initia administrationis meae scriptus sit, in primis ad nostram institutionem regulamque proficiet.

Abfassungszeit. Da der Autor (praef. 2) sagt, dass er das Schriftchen inter initia administrationis geschrieben, fällt die Abfassung ins Jahr 97. Allein die Herausgabe und Schlussredigierung muss nach dem Tod Nervas, da 118 Nerva divus heisst, unter der Regierung Traians erfolgt sein; vgl. 93 novum auctorem imperatorem Caesarem Nervam Traianum Augustum praescribente titulo.

Die Ueberlieferung beruht auf einer einzigen Handschrift in Monte Cassino 361, von der alle übrigen abstammen. Neue Collation derselben von Petschenig, Wien. Stud. 6 (1884) p. 249; Sabbadini, Notizie storico-critiche di alcuni cod. Lat. (Studi ital. di filol. class. 7 (1900) p. 99 f.) deutet jedoch Zweifel an, da er meint, dass eine der noch nicht verglichenen Handschriften möglicherweise aus einem Hersfeldensis abstammt.

Ausg. Von den älteren Ausg. ist besonders zu nennen die von Polenus, Padua 1722; von den späteren verzeichnen wir: G. Ch. Adler, Altona 1792; rec. illustr. et ger

manice redd. Dederich, P. 1, Wesel 1841. Massgebende kritische Ausg. von Fr. Buecheler, Leipz. 1858; vgl. dazu H. Sauppe, Gött. gel. Anz. 1859 p. 990.

Zur Erläuterung. Lanciani, Topografia di Roma antica. I commentarii di Frontino intorno le aque e le aque dotti. Silloge epigrafica aquaria (Memorie della classe di scienze morali, stor. e filol. della accad. dei Lincei bol. 4 (1881) p. 315); Herschel, Frontin., a histor. book on the water supply of the city of Rome a. d. 97, Ithaka 1894; Rocchi, Il diverticolo Frontin. all' acqua Tepula (Studii e docum. di storia e diritto 17 (1896) p. 125).

Gesamtausg. von R. Keuchenius, Amsterdam 1661; Bipontina vom J. 1788; rec. Dederich, Leipz. 1855.

7. Die Agrimensoren.

501. Die agrimensorischen Schriften. Die Römer wurden durch verschiedene Umstände auf die Feldmesskunst hingewiesen. Schon die Abgrenzung eines Templum 1) durch die Augurn führte auf die Messkunst; auch das Lagerschlagen, die Agrargesetzgebung, die Militärkolonien erforderten die Beihilfe des Geometers. Es bildete sich daher im Lauf der Zeit ein Stand der Feldmesser (Agrimensores), von dem Visirinstrument groma 2) auch Gromatici genannt, es bildeten sich Schulen, es bildete sich eine Litteratur, die wir vom ersten bis zum sechsten Jahrhundert verfolgen können.3) Diese Litteratur streifte neben dem Mathematischen auch das Juristische. Wir lernen durch dieselbe eine neue Seite des Altertums kennen. Freilich wenn wir diese gromatischen Schriften auf die Wissenschaft hin untersuchen, so gewinnen wir kein günstiges Urteil. Ein Sachkenner4) äussert sich also: „Die Römer selbst mögen in der Feldmesskunst, worin sie seit Alters Uebung hatten, manche praktische Neuerungen eingeführt haben; in der Feldmesswissenschaft haben sie nur abgeschrieben, zuerst den Heron von Alexandrien, später wahrscheinlich eine älteste lateinische Bearbeitung dieses Schriftstellers, an welcher jeder neue Abschreiber nur kleine stilistische Veränderungen vornahm. Das wissenschaftliche Verständnis hat dabei eher abgenommen als zugenommen."

Ueberlieferung der Agrimensoren. Die wichtigste Handschrift ist der Arcerianus in Wolfenbüttel 2403 s. VI/VII. Den Namen erhielt der Codex von dem früheren Besitzer Joh Theodoretus Arcerius, der zu Utrecht im Jahre 1604 starb. Die Handschrift besteht aus zwei Hälften (A und B), „die erste ist in einer Kolumne, die zweite in zwei Kolumnen geschrieben, die erste zählt 28, die zweite 26 Zeilen auf jeder Seite; die erste enthält Zeichnungen und Bilder, die zweite nicht. Auch die Schriftzüge sind verschieden: die der ersten Hälfte sind altertümlicher, am Ende der Zeilen oft eine Art Kursiv- und in Ueberschriften oft Kapitalschrift, die der zweiten dagegen durchaus in Uncialschrift". Mehrere Stücke stehen in jeder der beiden Hälften. Das Original ist in manchen Stücken nicht dasselbe. Blume, Feldm. 2 p. 6. Ueber ein Bildnis im Codex, welches wahrscheinlich den Euclid darstellt, vgl. Fr. Marx, Digitis computans (Fleckeis., Jahrb. Supplementbd. 27 (1900) p. 195). Ausser dieser Handschrift befindet sich noch eine zweite agrimensorische in Wolfenbüttel, der codex Gudianus 105 s. IX/X, welcher der zweiten Handschriftenfamilie angehört, wie der Palatinus-Vaticanus 1564 s. IX/X. Repräsentant einer dritten_Familie ist der Erfurtensis-Amplonianus 362 s. XI. In die vierte Klasse gehören die Excerpts Rostochiensia. Vgl. Blume, Feldm. 2 p. 1--96; die Uebersicht der einzelnen Teile der Handschriften von Lachmann, Feldm. 1. p. VIII.

Ausg. von Goesius, in den Rei agrariae auctores legesque, Amsterdam 1672; die massgebende Ausg. ist: Die Schriften der röm. Feldmesser hsg. und erl. von F. Blume,

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K. Lachmann und A. Rudorff, 1 Bd. Texte und Zeichnungen, Berl. 1848; 2 Bd. Erläuterungen und Indices, Berl. 1852.

Litteratur. Den Anstoss zur Wertschätzung der Agrimensoren gab Niebuhr, Kleine hist. und philol. Schr. 2 (1843) p. 81. Ueber die Gromatik belehren in mustergiltiger Weise die Gromatischen Institutionen von Rudorff, Feldm. 2 p. 229-464. Weitere Abhandlungen sind: Hultsch, in Ersch und Grubers Encycl. 1. Section, Teil 92 (1872) p. 97; Cantor, Die röm. Agrimensoren und ihre Stellung in der Geschichte der Feldmesskunst, Leipz. 1875; Stöber, Die röm. Grundsteuervermessungen, München 1877. Beide Arbeiten ergänzen sich. Bei Cantor fällt alles Schwergewicht auf die Darlegung der griechischen Quelle, aus der die römischen Agrimensoren ihre mathematischen Sätze haben; bei Stöber, der im allgemeinen Teil ganz von Rudorff abhängig ist, ruht der Hauptnachdruck auf der technischen Ausführung. Rossi, Groma e squadro, ovvero storia dell' agrimensura ital. dai tempi antichi al sec. XVII, Turin 1877; P. Tissot, Étude histor. et jurid. sur la condition des agrimensores dans l'ancienne Rome, Paris 1879; Ruggieri, Sugli uffici degli agrim. (Studii e docum. di storia e di diritto 3 (1882) 3, p. 195); Ruggiero, Dizionario epigr. 1 p. 367; Kubitschek unter Agrimensores in Pauly-Wissowas Realencycl. 1 Sp. 894; M. Weber, Die röm. Agrargesch. in ihrer Bedeutung für das Staatsund Privatrecht, Stuttg. 1991; Mommsen, Zum röm. Bodenrecht (Hermes 27 (1892) p. 79); Die Interpolationen des gromat. Corpus (Bonner Jahrbücher H. 96/97 (1895) p. 272); Beaudouin, La limitation des fonds de terre dans ses rapports avec le droit de propriété (Nouv. revue de droit franç. et étranger 17 (1893) p. 398; 18 (1894) p. 157 und 309); A. Schulten, Die römische Flurteilung und ihre Reste (Abh. der Gött. Ges. der Wissensch. philol. hist. Kl. N. F. Bd. 2 (1898) Nr. 7; dazu vgl. Degering, Berl. philol. Wochenschr. 1899 Sp. 435); Röm. Flurkarten (Hermes 33 (1898) p. 534); Flurteilung und Territorien in den röm. Rheinlanden (Bonner Jahrbücher H. 103 (1898) p. 12).

Ausser Frontin haben wir in unserem Zeitraum noch folgende Agrimensoren zu verzeichnen:

1. Hyginus; er ist von dem gleichnamigen Grammatiker der augustischen Zeit und dem Mythographen (2. T.2 1. H. § 350) wohl zu scheiden. Der Gromatiker lebte zur Zeit Traians, wie aus seinem Werke hervorgeht. Dieses Werk handelte in drei Abteilungen 1) de limitibus, 2) de condicionibus agrorum, 3) de generibus controversiarum.1) Strittig ist, ob noch eine zweite Schrift De limitibus constituendis von unserem Hygin oder einem späteren herrührt. Es ist wohl das letzte anzunehmen.

Abfassungszeit des gromatischen Werkes. Feldm. 1 p. 121, 7 nuper quidam evocatus Augusti cum in Pannonia agros veteranis ex voluntate et liberalitate imperatoris Traiani Augusti Germanici adsignaret; 131, 17 hoc comperi in Samnio, uti quos agros veteranis divus Vespasianus adsignaverat, eos iam ab ipsis quibus adsignati erant aliter possideri. Vgl. Lachmann, Feldm. 2 p. 139; Hultsch, Metrol. script. 2 p. 61. der als wahrscheinliches Abfassungsjahr 103 annimmt.

Zur Charakteristik. Lachmann, Feldm. 2 p. 139: „Die Schrift des Frontinus ist, soviel wir sehen können, nirgend ohne eigene Selbständigkeit benutzt. Die Darstellung ist etwas mehr handwerksmässig, aber eines gründlichen Kenners, die Redeweise nicht eines Gelehrten, sondern des Technikers."

Eine Schrift über die sich auf die Metation heziehenden Verordnungen und Gesetze erwähnt Hygin (1 p. 133, 14 L) cuius (Domitiani) edicti verba itemque constitutiones quasdam aliorum principum itemque divi Nervae in uno libello contulimus.

Der Verfasser der Schrift de limitibus constituendis" (Feldm. 1 p. 166) ist nach Lachmann ein jüngerer Hyginus (Feldm. 2 p. 136); diese Ansicht wird verworfen von L. Lange zu Hyginus de munit. castr. p. 44 und Gött. gel. Anz. 1853 p. 526; für Lachmann spricht sich dagegen mit Recht Gemoll aus (Hermes 11 (1876) p. 174). Zur Ueberlieferung vgl. Manitius, Rhein. Mus. 47 (1892) Ergänzungsh. p. 70.

De munitionibus castrorum hat man auch Hygin beigelegt, allein ohne Grund. Im cod. Arcerianus fehlt der Anfang der Schrift mit dem Titel und am lückenhaften Schluss erscheint die Subscriptio: liber gromaticus Hygini de divisionibus agrorum, welche zu dem Inhalt der Schrift in keiner Weise passt. Vgl. Gemoll, Hermes 10 (1876) p. 244; Droysen, ebenda 14 (1879) p. 479. Zudem streiten auch sprachliche Gründe gegen die Identifizierung

1) Feldm. 1 p. 108-134. Ueber die Zeichnungen (Flurkarten) vgl. A. Schulten, Hermes 33 (1898) p. 536.

Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. VIII, 2, 2. 2. Aufl.

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