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der Naturgesch. des Plin., Berl. 1897, p. 36 Anm. 1), indem er es mit Recht für unerklärlich ansieht, warum Plinius nur die erste Ausgabe herangezogen haben solle, und indem er die Abweichungen als irrelevant ansieht. ) Columella bei anderen Schriftstellern. Ueber das Verhältnis des Eumelus und Columella vgl. Ihm, Ausg. des Pelagonius (Teubner Proleg. p. 7. Bezüglich des Gargilius Martialis vgl. A. Mai, Classicorum auctorum e Vaticanis cod. edit. Tom. 1, Rom 1828, p. 409 und 412; Palladius citiert den Columella 25 mal; vgl. Becher p. 55. In einem von Mascivius in seiner Serviusausgabe zu Verg. Aen. 3, 540 mitgeteilten Scholion (vgl. Thilo 1 p. 434 krit. Apparat) lesen wir: unde Columella libro septimo. Die Stelle bezieht sich aber auf eine Etymologie, die sich in der Praefatio zum 6. Buch Columellas befindet; vielleicht erklärt sich die Differenz dadurch, dass das Buch de arboribus schon damals in das grössere Werk eingereiht war; vgl. Becher p. 56. Pelagonius citiert in seiner ars veterinaria öfters den Columella, aber ohne Buchangabe: vgl. Becher p. 21 und 57. Veget. de mulomedic. praef. 2 licet proxima aetate et Pelagonio non defuerit et Columellae abundaverit dicendi facultas. Cassiod. div. lect. 28 quodsi huius studii (Landwirtschaft) requirantur auctores ... inter caeteros Columella et Aemilianus auctores probabiles extiterunt. Sed Columella sexdecim libris per diversas agriculturae species eloquens ac facundus illabitur, disertis potius quam imperitis accommodus; ut operis eius studiosi non solum communi fructu sed etiam gratissimis epulis expleantur; über die Zahl sexdecim vgl. Becher (p. 58), der tredecim zu lesen vorschlägt. Isid. orig. -17, 1, 1 nec minus studium habuerunt postmodum Cornelius Celsus et Julius Atticus, Aemilianus (d. h. Palladius) sive Columella, insignis orator, qui totum corpus disciplinae eiusdem complexus est. Ueber Columella im Mittelalter vgl. Manitius, Philol. 48 (1889) p. 566; Rhein. Mus. 47 (1892) Ergänzungsh. p. 50; über Columella bei Hugo von St. Victor vgl F. Bock, Leipz. Stud. 19 (1899) p. 8.

Die Ueberlieferung des Columella wird erschöpfend von Häussner (Die hdschr. Ueberlieferung des Columella nebst einer krit. Ausg. des 10. Buches, Karlsruhe 1889) behandelt. Der massgebende Codex ist der Sangermanensis s. IX/X, welcher einst dem Kloster Corbie in der Picardie angehörte, jetzt sich in Petersburg (nr. 207) befindet. Ergänzungen der Collationen gibt Langlet, Ad Colum. cod. Sangerm. qui vocatur (Eranos 1 (1896) fasc. 2 p. 86). Mit ihm stammt (Häussner p. 20) aus dem gleichen Archetypus der Ambrosianus (L. 85 sup. s. IX/X), den Häussner als identisch mit Politians ältestem Codex betrachtet. Diesen beiden ältesten Handschriften stehen der Mosquensis s. XIV und die übrigen, sämtlich dem 14. oder 15. Jahrh. angehörenden Handschriften, z. B. Laurentianus plut. 53, 32, Brerensis Mediolanus A. D. XV, 4, Caesenas Malatestianus plut. 24, 2 und Laurentianus Conn. Suppr. 285, gegenüber, welche von keiner besonderen Bedeutung sind. Ueber eine aus St. Gallen verschwundene Handschrift vgl. Reitzenstein, Philol. 57 (1898) p. 317. Ueber ein Columellaexcerpt des 11. Jahrh. im Miscellancodex Parisinus nouv. acquis. lat. 1630 vgl. Ihm. Rhein. Mus. 48 (1893) p. 479. Ueber einen Excerptor aus dem 15. Jahrh. vgl. Lundström, Skrifter utgifna af Human. Vetenskapssam fundet i Upsala 3, 6 (1894).

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Ausg. in den Script. rei rust. vet. lat. von P. Victorius, Leyden 1541; J. M. Gesner, Leipz. 1773/74; J. G. Schneider, Tom. 2, Leipz. 1794. Spezialausg. von Ress, Flensb. 1795. Krit. Separatausg. des 10. Buches von Häussner, vgl. den vorigen Passus; das 10. B. ist auch abgedruckt bei Wernsdorf, Poet. lat. min. 6. Bd. Eine neue kritische Ausg. wird vorbereitet von Lundström in Verbindung mit Langlet und Strömberg; von derselben ist das erste Heft, der liber de arboribus, Upsala 1897 erschienen. Beiträge zur Kritik liefert Lundström in der Zeitschr. Eranos 1 (1896) fasc. 1 p. 38; fasc. 3, 4 p. 169; 2 (1897) fasc. 2 p. 49.

Uebers. von M. C. Curtius, Hamb. 1769.

Litteratur. Barbaret, De Colum. vita et scriptis, Nancy 1888; Staudacher, Columella, Ein Beitr. zur Gesch. der Landwirtschaft, Neutitschein 1891; W. Becher, De Colum. vita et scriptis, Leipz. 1897; Ernst H. F. Meyer, Gesch. der Botanik 2, Königsberg 1855, p. 58.

Die anderen landwirtschaftlichen Autoren sind:

1. Julius Atticus. Er verfasste eine Monographie über den Weinbau. Colum. 1, 1, 14 hic (Atticus) de una specie culturae pertinentis ad vites singularem librum edidit. Weiterhin nennt ihn Columella an dieser Stelle einen zeitgenössischen Schriftsteller. Bei Plinius erscheint er n. h 17, 90; vgl. Münzer, Beitr. zur Quellenkrit. der Naturgesch. des Plin. p. 40. Eine Stellensammlung der Fragmente siehe bei Reitzenstein, De scriptorum rei. rust., qui intercedunt inter Catonem et Columellam, libris deperditis, Berl. 1884, p. 54.

2. Julius Graecinus. Er setzte die Thätigkeit des Julius Atticus fort; denn Columella sagt (1, 1, 14): cuius (Attici) velut discipulus duo volumina similium praeceptorum de vineis Julius Graecinus composita facetius et eruditius posteritati tradenda curavit. Dieser Graecinus war der Vater des Agricola; er stammte aus Forum Julii und wurde im Jahre 38 n. Chr. hingerichtet. In seinem Buch schloss er sich vielfach an Celsus (oben

p. 329) an; Plin. n. h. 14, 33 Graecinus, qui alioqui Cornelium Celsum transcripsit; vgl. dazu Münzer p. 30; Plinius erwähnt ihn auch 16, 24, 1, sowie im Quellenverzeichnis zu den Büchern 14-18. Stellensammlung der Fragmente bei Reitzenstein p. 56. Henzen, Acta Arv. p. 190; Mommsen, Ephem. epigr. 1 (1872) p. 60; O. Hirschfeld, Wien. Stud. 5 (1883) p. 120; Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 195 Nr. 231.

4. Caelius.

498. Das Kochbuch des Caelius (Apici Caeli de re coquinaria libri X). Tacitus 1) erzählt uns von einem Apicius, dessen Liebling Seian gewesen sein soll. Dieser Apicius hiess aber eigentlich M. Gavius. Als raffinierter Schwelger erhielt er den Beinamen Apicius von einem Vorläufer, welcher ein Zeitgenosse des P. Rutilius (cos. 105) war.2) Durch ihn ward aber der Name „Apicius" noch mehr zur Bezeichnung des unsinnigen Verschwenders und Schlemmers gestempelt. Er war eine solche Berühmtheit in dieser Beziehung, dass Apion ein Buch über seinen Luxus schreiben konnte.3) Zahllose Anekdoten waren über ihn im Umlauf; 4) Seneca erzählt von ihm, 5) dass er, nachdem er unsinnige Summen verprasst hatte, einen Ueberschlag seines Vermögensrestes machte; er fand, dass ihm noch zehn Millionen Sesterzen (etwa gleich zwei Millionen Mark) verblieben waren; im Besitz dieser Summe dünkte er sich ein armer Mann und setzte seinem Leben durch Gift ein Ziel. Athenaeus 6) berichtet uns einen anderen Zug. Apicius hatte in Minturnae vernommen, dass es in Afrika ungewöhnlich grosse Krebse gebe; sofort unternahm er die beschwerliche Reise dahin; als sich aber das Gegenteil herausstellte, kehrte er, ohne längeren Aufenthalt zu nehmen, sofort wieder zurück. Dieser Schlemmer machte sich auch in der Litteratur bemerklich; er schriftstellerte über die Kochkunst, und manche seiner Rezepte waren so angesehen, dass sie seinen Namen tragen, z. B. apicische Kuchen.7) Sein Buch bildete eine Lieblingslektüre des Helius. Es ist uns nun ein Kochbüchlein erhalten, das in der Ueberlieferung einem Apicius Caelius beigelegt wird. Die Küchenrezepte sind systematisch in zehn Bücher gebracht, jedes Buch hat eine griechische, auf den Inhalt hinweisende Ueberschrift, z. B. Sarcoptes für Buch 2, Thalassa für Buch 9. So wie uns die Sammlung vorliegt, kann sie nicht von Apicius herrühren; denn sie enthält Rezepte mit seinem Namen, z. B. 134 patina Apiciana, 173 minutal Apicianum. Auch stimmen die uns von Plinius (n. h. 8, 209; 9, 66; 10, 133; 19, 137 und 143) nach Apicius gemachten Mitteilungen nicht mit denen des Kochbuchs. Endlich führen einige Rezepte ausdrücklich in eine spätere Zeit, so z. B. ist Nr. 205 nach dem Kaiser Commodus genannt. 8) Nimmt man noch hinzu, dass der Autor des Büchleins Apicius Caelius genannt wird, so ergibt sich als einziger Ausweg aus allen Schwierigkeiten die Annahme, dass ein Caelius die Kochrezeptensammlung zusammengestellt hatte unter dem Namen Apicius, und dass sonach der ursprüngliche Titel

1) annal. 4, 1; Dio Cass. 57, 19.

2) Athen. 4 p. 168d. Ueber einen Apicius unter Traian vgl. Athen. 1 p. 7d.

3) Athen. 7 p. 294f Anior dó γραμματικὸς ἐν τῷ περὶ τῆς ̓Απικίου τρυφῆς.

4) Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms 36 p. 18.

5) ad Helviam matrem de consol. 10, 9. 6) 1 p. 7c.

7) Athen. 1 p. 7 a.

8) Wenn wir die Beinamen der Gerichte ins Auge fassen, kommen wir über die Zeit des Heliogabal (217-222) nicht hinaus.

des Werkchens war Caelii Apicius de re coquinaria, nach dem Muster von Ciceronis Cato de senectute. Das Büchlein wimmelt von griechischen Termini, ein Beweis, dass die Kochkunst in Griechenland zur höchsten Ausbildung gelangte.

Das Kochbuch des M. Gavius (Apicius). Seneca ad Helviam matrem de consol. 10, 8 Apicius nostra memoria vixit scientiam popinae professus disciplina sua saeculum infecit; Schol. Juv. 4, 23 Apicius auctor praecipiendarum cenarum, qui scripsit de iuscellis. Fuit nam exemplum gulae. Ael. Spart. Hel. 5, 9 (1 p. 31, 13 H. Peter) atque idem Oridii ab aliis relata idem apicii libros amorum in lecto semper habuisse, wo Peter schreibt idem Apicii Caelii relata idem Ovidii libros amorum. Isid. orig. 20, 1, 1 coquinae apparatum Apicius quidam primus composuit. Vgl. auch § 476. - Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 111 Nr. 53. Die Ueberlieferung des Kochbuchs des Caelius ist noch nicht methodisch geprüft; die letzte Ausgabe fusst besonders auf Vatic. 1146 s. X, Paris. 6167, Laur. 73, 20. Ueber die Apici excerpta a Vinidario" vgl. M. Haupt, Opusc. 3, Leipz. 1876, p. 150. Ueber die Auffindung des Kochbuchs durch Enoche vgl. Voigt, Die Wiederbelebung des klass. Altert. 2, Berl.2 1881, p. 203.

Ausg.

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Editio princeps, Mailand 1498; ed. Lister, London 1705; Almeloveen, Amsterdam 1709; Mich. Bernhold, Marktbreit 1787; neueste Ausgabe (mit unglaublich geschmackloser Vorrede) von Schuch, Heidelberg 1867; 2. Aufl. 1874.

Litteratur. Dierbach, Flora Apiciana, Ein Beitr. zur näheren Kenntnis der Nahrungsmittel der alten Römer, Heidelberg 1831; Ernst H. F. Meyer, Gesch. der Botanik 2, Königsberg 1855, p. 236; Uzanne, Das Kochbuch des Apicius (Zeitschrift für Bücherfreunde 1 (1897/98) H. 7 p. 369).

5. Scribonius Largus.

499. Das Rezeptbuch des Scribonius Largus. Von den sicherlich zahlreichen Aerzten der ersten Kaiserzeit kennen wir näher den Scribonius Largus.1) Derselbe war ein Schüler (c. 91) des Apuleius Celsus; mit ihm hörte zugleich denselben Vettius Valens (c. 94), der wegen seines ehebrecherischen Verhältnisses zu Messalina im Jahre 48 hingerichtet wurde.3) Von seinen Lehrern verzeichnet er auch den Trypho und zwar den Sohn 3) (c. 175). Seine Praxis war nach seiner eigenen Versicherung eine sehr erfolgreiche (praef. p. 1, 17 H.); im Gegensatz zu anderen Aerzten, welche ihre Heilmethode auf die Diät begründeten, legte er den Schwerpunkt in die Medikamente. Seine glücklichen Resultate scheinen ihn auch dem Hofe nahe gebracht zu haben. Da er Claudius auf seinem Zug nach Britannien begleitete, war er vermutlich Leibarzt desselben. Auch auf seine Schriftstellerei gewann der Kaiser Einfluss. Der dem Arzt gewogene Freigelassene C. Julius Callistus, 4) der unter Claudius das Amt a libellis führte, legte die medizinischen Schriften dem Herrscher vor und erlangte, dass sie mit dem kaiserlichen Namen herausgegeben wurden.5) Auf den Wunsch dieses Callistus stellte er auch die uns erhaltene Rezeptsammlung (compositiones) zusammen. Zwar hatte der Freigelassene nur be

1) Prosopogr. imp. Rom. 3 p. 183 Nr. 209. Eine Fiktion ist der Beiname Designatianus. Als Heimat des Scribonius vermutet Buecheler (p. 321) Sicilien.

2) Tacit. annal. 11. 35. 3) Buecheler p. 322.

4) Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 184 Nr. 154; Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms 16 p. 177.

5) praef. p. 5, 20 H. adiutus omni tempore a te, praecipue vero his diebus .... tradendo

scripta mea latina medicinalia deo nostro Caesari (über diesen Ausdruck vgl. Jullian, Revue de philol. 17 (1893) p. 129), quorum potestatem tibi feceram, ut ipse prior legeres simpliciterque indicares mihi, quid sentires

tu .... diligentiam meam sub tanti nominis editione non verbis, sed re probasti periculumque non minus tu iudicii quam ego stili propter me adisti, quo tempore divinis manibus laudando consecrasti

stimmte Rezepte verlangt, allein Scribonius glaubte darüber hinausgehen und eine ganze Sammlung von Heilmitteln geben zu sollen. Freilich auch die vorliegende war ihm noch nicht vollständig genug; er entschuldigt sich damit, dass er das Werkchen auf einer Reise, bei der er nur wenige litterarische Hilfsmittel mit sich führen konnte, abgefasst habe. Doch stellt er für die Zukunft die Ausfüllung der Lücken in Aussicht.

Die Sammlung enthielt 271 Rezepte, durch Blattverlust gingen indess (vgl. 167 fg.) einige verloren. In der Anordnung legt er die Körperteile zu Grund, mit dem Kopf beginnend, mit den Füssen schliessend. Es folgen (163) die Mittel gegen Schlangenbiss und die Antidota, dann wegen der innigen Verbindung, in der die interne Medizin und die Chirurgie zu einander stehen, auch die chirurgischen Medikamente (200), endlich werden der Vollständigkeit halber auch die Malagmata und die Acopa angeschlossen (255). Die Rezepte sind zum grossen Teil von ihm selbst zusammengestellt oder in irgend einer Weise von ihm modifiziert,1) andere hatte er von Freunden erhalten, die für die entsprechende Wirkung mit ihrem Eide eintraten. Wieder andere, besonders chirurgische, sind unter dem Namen der Erfinder mitgeteilt. Aber auch sonst liess er sich keine Mühe verdriessen, um irgend ein gutes, erprobtes Mittel zu erhalten. Selbst von Nichtärzten verschaffte er sich Rezepte, so kaufte er von einem afrikanischen Weib ein Mittel gegen Kolik, mit dem dasselbe viele Heilungen in Rom erzielt hatte (122). Manchmal gelangte er nur schwer zum Ziele, so war ein berühmtes Medikament des Arztes Paccius Antiochus bei seinen Lebzeiten nicht zu erlangen, erst nach seinem Tode kam es zur Kenntnis des Scribonius, da die über dasselbe an den Kaiser gerichtete Schrift den öffentlichen Bibliotheken zugewiesen wurde (97). Die Wirkung der mitgeteilten Rezepte wird stark gepriesen, 2) namentlich diejenigen werden sehr hoch gestellt, welche auch für die Zukunft eine Sicherung vor dem Leiden geben (122; 162). Der Arzt unterlässt nicht auf die günstigen Heilerfolge, die mit denselben erzielt wurden, hinzuweisen (16; 39; 102; 118; 162). Auch führt er gern zur Empfehlung seiner Kompositionen deren Gebrauch in der kaiserlichen Familie an (31; 70; 268; 271 u. s. w.).

Ueber den medizinischen Wert der Rezepte steht uns kein Urteil zu; dagegen darf darauf hingedeutet werden, dass auch der Aberglaube in denselben eine Rolle spielt. So fügt Scribonius einem Mittel die Bemerkung bei, dass das zu gebrauchende Messer ein solches sein soll, mit dem ein Gladiator umgebracht wurde (13). Während der Autor dies an der Stelle ohne tadelnde Bemerkung mitteilt, regt sich bei einer anderen abergläubischen Vorschrift doch das Standesgefühl in ihm, indem er von der superstitio eines Arztes spricht (152; vgl. 17). An Sonderbarkeiten fehlt es in dem Rezeptbuch nicht (127; 70). Erklärungen für die Wirkung der Arzneien finden sich nicht; der Autor steht durchaus auf empirischem Standpunkt. Seine Compositionen sind ja durch die Erfahrung erprobt. Freilich weiss er sich für den Fall, dass eines der gepriesenen Rezepte versagen

1) Vgl. Epilog.

2) Sehr oft durch mirifice facit, pro de st.

sollte, eine Hinterthür offen zu halten; er erinnert daran, dass die Verschiedenheit des Leibes, des Alters, der Zeit, des Ortes auch eine verschiedene Wirkung der Heilmittel hervorrufe.

Das Arzneibuch scheint am Hofe grossen Anklang gefunden zu haben. Wenigstens hören wir, dass Claudius in seiner Censur 47 48 bekannt gemacht habe, dass für den Schlangenbiss nichts so heilsam sei als der Saft des Taxusbaums (Suet. Claud. 16). Auch Scribonius hatte ein Gegengift für diesen Fall mitgeteilt (168). Leider ist dasselbe verloren gegangen; wir werden aber nicht irren, wenn wir vermuten, dass das von Claudius empfohlene Mittel dem Buch des Scribonius entnommen war, das gerade damals erschien.

Abfassungszeit der Schrift. Der terminus post quem ergibt sich aus der Teilnahme des Scribonius an der britannischen Expedition des Claudius, 163 cum Britanniam peteremus cum deo nostro Caesare; der terminus ante quem aus der Erwähnung der Messalina als lebend, 60 Messalina dei nostri Caesaris hoc utitur. Das Intervallum ist sonach 43-48. Da es wahrscheinlich ist, dass Callistus, dem die compositiones gewidmet sind, das Amt a libellis nach Polybius' Tod (47) bekleidete und die Widmung sicher durch das Amt des Freigelassenen hervorgerufen wurde, wird sich das Intervallum noch auf 47-48 einengen müssen (Buecheler p. 327).

Ueberlieferung. Zuerst gab Ruellius den Scribonius im Jahre 1528 (Paris) heraus; allein seine Handschrift ist verloren; wenigstens konnte sie bis jetzt nicht aufgefunden werden. Unser Text beruht daher bis jetzt auf seiner Ausgabe; eine sekundäre Quelle ist Marcellus, der in sein Arzneibuch den grössten Teil des Scribonius, ohne seinen Gewährsmann zu nennen (G. Helmreich, Blätter für das bayer. Gymnasialschulw. 18 (1882) p. 385), aufnahm, und für welchen uns eine handschriftliche Quelle, der cod. Laudanensis (Laon) 420 s. IX, zur Verfügung steht.

Ausg. Auf die editio princeps folgten die Ausg. von Cratander 1528, und die in den Medici ant. von Aldus, Venedig 1547; den Med. art. principes von H. Stephanus, 1567; wegen des Commentars ist von Wichtigkeit die von Rhodius, Padua 1655; ein Abdruck der Rhodius'schen Ausg. ist die von Mich. Bernhold, Strassb. 1786. Neueste kritische Revision von G. Helmreich, Leipz. 1887.

Uebers. von Praef. und c. 1-79 mit pharmakologischem Commentar versehen von F. Rinne, Hist. Studien aus dem pharmakol. Înst. der Univ. Dorpat, hsg. von K. Robert, 5. Bd. 1896.

Litteratur. O. Sperling, In Scrib. Larg. animadv. ed. C. G. Kühn, Spec. I—III, Leipz. 1825 und 26; Ernst H. F. Meyer, Gesch. der Botanik 2, Königsberg 1855, p. 26; Buecheler, Rhein. Mus. 37 (1882) p. 321.

6. Sex. Julius Frontinus.

500. Biographisches. Wir kennen Frontin aus Tacitus; er erwähnt seine Prätur des Jahres 70, er erwähnt ferner seine ausgezeichnete militärische Wirksamkeit in Britannien als Nachfolger des Petilius Cerealis. Konsul war Frontinus mehrmals, dann Curator aquarum im Jahre 97. Gestorben scheint er um 103 zu sein, da damals der jüngere Plinius sein Nachfolger im Augurat wurde. Eine charakteristische Aeusserung von ihm teilt derselbe Plinius mit. Frontinus verbot nämlich, ihm ein Denkmal nach seinem Tode zu setzen, mit den Worten: Der Aufwand für ein Monument ist ganz überflüssig, unser Andenken wird ohne dieses sich erhalten, wenn wir es durch das Leben verdient haben.1)

Zeugnisse. Der Vorname Sex. ist durch_CIL 6, 2222; 8, 7066; 9, 6083, 78 festgestellt. Frontin war praetor urbanus im J. 70; Tacit. hist. 4, 39. Wann er zum erstenmal cos. suff. war, lässt sich nicht sicher feststellen, die Gelehrten schwanken zwischen 74 oder 72/73; vgl. Nipperdey, Opusc., Berl. 1877, p. 520. Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 192 Nr. 216. Ueber seine Verwaltung Britanniens, die etwa 76-78 angesetzt werden kann,

1) epist. 9, 19, 1 und 6.

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